Path:
Periodical volume Nr. 210, 07.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Lebensmittelpreise. Dauergeldbahnen 1. Preis 1000 M., 
2. Preis 800 M., 3. Preis 000 M. nsiv. — 20 Geld 
preise. Auf zwei kleinen Geldbahnen und zwei Lebens- 
mittelbahncn jeden Sonntag Preisverteiluug. Hohe Tages 
und Stundenpreise. Alle Kegclfreunde von Nah und Fern 
sind zu diesem Wettbewerb freundlichst eingeladen. Bei 
der Preisverteilung am Sonntag, dem 31. August, erhielten 
die ersten Preise: Auf Bahn I (Kleine Geldbahn) Herr 
E. Schmidt mit 4 Kugeln 33 Holz. auf Bahn II (Kleine 
Geldbahn) Herr Tismar mit 4 Kugeln 32 Holz, lauf 
Bahn V (Weinbahn) Herr Strich mit 4 Kugeln 33 Holz 
und auf Bahn VI (Delikateßbahii) Herr E. Schmidt mit 
Kugeln 31 Holz. 
o Der Fachverein der selbständigen Putzmacherinnen 
von Groß-Berlin, hatte am Montag, dem 1. September 
eine geschlossene Mitgliederversammlung, in welcher über 
die Aufnahine männlicher Mitglieder abgestimmt wurde. 
Folgende Erklärung wurde einstimmig angenommen: 
„Die Mitgliederversammlung beschließt, auf dem soeben ge 
schaffenem Boden einer selbständigen Frauenberufsorganisation zu 
bleiben und lehnt die Aufnahme männlicher Mitglieder ab. In 
allgemeinen Fr«gen des Putzgeivcrbes wird der Äcrein kamerad 
schaftlich mit den männlichen Kollegen -zusammengehen und die 
Herren zu seinen öffentlichen Versammlungen stets einladen." 
Interessant war außerdem der Bericht einer geprüften 
Meisterin über die erste Meisterinnenprüfnng iin Putz 
handwerk zu Berlin. Besonderen Anklang fand ein wohl 
durchdachter, sehr reichhaltiger Vortrag mit Demonstrationen 
über Pelz und Pelzimitativneit. Auch ein Referat über die 
bevorstehenden Gehilfinnen-Prüfungen im Putzhandwerk 
fand lebhaften Beifall. Außerdem gewannen viele der an 
wesenden Putzmacherinnen die Ueberzeugung von der Not- 
ivendigkeit der Organisation ihres Standes, welches durch 
den Beitritt von etwa 30 neuen Mitgliedern bewiesen ist. 
Zugleich machen mir daralif aufmerksam, daß am Donnerstag, 
dem 18. September eine grosse öffentliche Versammlung 
Abends 8% Uhr in den Jndustrie-Festsäleu, Beuthstr. 18-19 
stattfindet, zu welcher alle Herren und Damen des Putz- 
gewerbes, sofern sie selbständig oder doch in leitender 
Stellung sind, schon heilte eingeladen siild. 
v Verein Baum. Sonntag Nachmittag, den 7. Sep 
tember, machen die Vereine Baum, Fregestraße 46, einen 
Familienausflug nach dem Restaurant „Waldesruh", 
Machnowerstraße; es ist von der Station Zehlendorf-Mitte 
in 20 Minuten erreichbar. 
o Bodendiebe statteten den Häusern Albestr. 1 und 
Schmargendorferstr. 0 eine nächtlichen Besuch ab. Es 
scheint sich unl Spezialisten für Betten und Kleider zu 
handeln, da nur diese Gegenstände gestohlen lvurden. Alles 
andere ließen die Einbrecher an Ort und Stelle. 
o Selbstmord eines türkischen Arztes. In seiner 
Wohnung Uhlandstr. löst in Wilmersdorf wurde dA 
tiirkische Arzt Dr. Mahmud Moharrein Bey besinnungslos 
auf dein Teppich seines Schlafzimniers liegend aufgefunden. 
Er gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Ehe jedoch 
ein Arzt zur Stelle mar, verschied Dr M. Er hatte sich 
mit Blausäure vergiftet. Dr. Mahmud Moharrcm war in 
letzter Zeit sehr nervös, und es ist nicht ausgeschlossen, daß 
er den Selbstmord in einem Anfalle von geistiger Störung 
verübt hat. 
o Warnung vor einem Schwindler. Auf arme 
Frauen abgesehen hat es ein Schwindler, der zurzeit in den 
ivestlichen Vororten Berlins sein Univesen treibt. Leider ist 
cs noch nickn gelungen, des Gauners, der manche leicht 
gläubige Frau um ihre letzten Groschen gebracht hat, habhaft 
zu werden. Der Schwindler setzt sich mit Aufwartefrauen, 
die durch Zeitungsanzeigen Beschäftigung suchen, in Ver 
bindung, und überträgt ihnen die Reinigung der Burcauräume 
eines in der Potsdamer Straße wohnenden Rechtsanwalts, 
und zwar angeblich in dessen Auftrag. Dann läßt er sich 
von den Frauen kleinere Beträge in Höhe von einigen Mark 
geben, gewöhnlich unter der Vorspiegelung, daß er sie in 
der Krankenkasse anmelden müsse, sie aber den Betrag später 
wiedererhalten, wenn sie die Stellung antreten würden. 
Um der Beschäftigung nicht verlustig zu gehen, geben die 
Frauen die verlangte Summe gern her, obwohl es oft 
das letzte ist, was sie besitzen. Wollen sie nun ihren Dienst 
antreten, so erfahren sie zu ihrem Leidwesen, daß sie einem 
Gauner ins Garn gegangen sind. Auf diese Weise sind 
schon eine ganze Anzahl Frauen von dem Schwindler, der 
dieserhalb von der Kriminalpolizei gesucht wird, betrogen 
worden. Der Verfolgte ist ungefähr 28 bis 30 Jahre alt, 
puukt, wo er geschäftlich wieder auf ganz festen Füßen 
stehen würde." 
Hubert Almröder begann, im Atelier auf und nieder 
zu gehen, vielleicht, weil er so am ehesten der Notwendig 
keit ausweichen konnte, feine Frau anzusehen, wenn er zu 
ihr sprach. 
„Davon hat mir dein Bruder bei unseren damaligen 
Unterredungen nichts gesagt. Und als rcchtfchasseuer Kauf 
mann durfte er einen so unsinnigen Verzicht ja auch gar nicht 
ernsthaft nehmen. Er hat, wie ich es für durchaus ange 
messen hielt, vierteljährlich die üblichen Zinsen an mich 
gezahlt: und ich habe sie so verwendet, wie die Umstände 
es eben geboten." 
„Ohne mir jemals auch nur mit einem einzigen Wort 
davon zu sprechen?" 
Mit einer herrischen Bewegung warf er den lockigen 
Kopf zurück. 
„Dazu war ich doch wohl kaum verpflichtet. Und ich 
ineinte es außerdein nur gut, wenn ich dich mit allen 
Geldangelegenheiten ein für allemal verschonte. Dein 
Leben würoe sich in diesen anderthalb Jahren wahr 
scheinlich sehr viel weniger angenehm und behaglich ge 
staltet haben, wenn ich dich alle meine wirtschaftlichen 
Sorgen hätte teilen lassen." 
„Deine Sorgen, Hubert? — Du hattest also mit 
Schwierigkeiten zu kämpfen? Und wir haben über unsere 
Verhältnisse gelebt?" 
„Ein Künstler, der' seine Stellung behaupten und 
seinen Weg machen will, wird wohl immer ein wenig über 
seine Verhältnisse leben müssen, liebe Helga I Und ich sehe 
nicht ein, warum man nicht hier und da einen kleinen 
Vorschuß auf die Zukunft nehmen soll, wenn man sicher 
ist, daß diese Zukunft ihn dreifach oder zehnfach zurück 
zahlen wird. Darüber mache ich mir wahrhaftig keine 
Kopfschmerzen. Aber ich würde mit einem Schlage un- 
rnittelgroß und kräftig, hat schwarzes Haar und einen eben 
solchen ^Schnurrbart, eiir frisches, volles Gesicht, schwarze 
Augen und auffalleitd dicke Lippen. Bekleidet war er mit 
einem braunen Anzug, einem schwarzen Hut, schwarzen 
Schuhen und einem rotschwarzen Schlips. 
Verems-Niackrickten 
Die Jugendvereinigung Friedenau 1910 unternimmt am 
Sonntag, dem 7. d. M. (also morgen) einen Ausflug nach den 
Schlachtfeldern von Groß - Beeren. Der Verlauf derselben ist 
ungefähr folgender: Uni 8 Uhr früh Abfahrt mit der 59 von 
Kaisereiche zum Anhalter Bahnhof, von dort 9.05 Uhr Fahrt nach 
Groß-Bcercu, Wanderung »ach Vorwerk Markgrafshof, Forsthaus 
Hcidehaus, am Griebnitz-, Stolper- und Pola-Sec entlang zum 
kleinen Wannsce. Rückfahrt von Wannsee mit der Bahn. Unkosten 
etwa 70—80 Pfg. Die Partie ist sehr schön und führt uns durch 
zum Teil noch unbekannte Strecken unserer Mark Brandenburg, 
ivelche gerade in diesem Jahr besonders viel besucht iverdeu wegen 
ihrer historischen Bedeutung. Wir rechnen auf recht zahlreiche Be 
teiligung. 
Schöneberg 
—o Der König!. Kronenorden 4. Klasse ist dem Bank 
beamten Otto Hachfeld zu Berlin-Schöneberg verliehen worden. 
Berlin und Vörorte 
§ü Josef Kainz - Theater am Kleinen Wannsee. Die 
Premiere von „Gevatter Tod" von Eberhard König ist aus 
technischen Gründen auf Donnerstag, den 11. d. M., ver 
schoben worden. — Am Sonntag, dem 7. d. M., findet 
um 3 Uhr Nachmittags das Märchen >,Schneewittchen" und 
Abends 5 Uhr zwei Lustspiele statt: 1. „Zwei Uhren", ein 
Schäferspiel von Richard Wilde — dargestellt von Erna 
Kubisch —, und zum letzten Male „Lhsanders Mädchen" von 
I. B. Widmann. Von Montag, dem 8. d. M. an be 
ginnen die Vorstellungen bereits um 4'/ 2 Uhr (Dampfer 
abfahrt 4 Uhr ab Wannsec-Vrücke der Teltower Kreis 
schiffahrt). und zwar ist „Gyges und sein Ring" für 
Montag, den. 8. d. M. (4^ Uhr) vorgesehen, während 
Dienstag 4>/„ Uhr das von der Jugend so stark besuchte 
Grillparzersche Drama „Des Meeres und der Liebe Wellen" 
gegeben wird. Für Mittwoch ist „Iphigenie" (Schulen Er 
mäßigung) Nachm. 4 l / 2 Uhr angesetzt. Karten sind in 
Berlin bei A. Wertheim, in Wannsee in der Auskunftei ani 
Bahnhof, Teleph. 723, und an der Theaterkasse, Teleph. 727. 
zu haben. 
Zuschritten 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Da werden Menschen zu Hyänen!.Wie ist es nur möglich, 
daß die Menschen um der Hunde, willen sich so feindlich gcgenüber- 
treten und nun gar die sonst so friedliebenden Frirdcnaner! — 
Ich bin gewiß eine große Tierfreundin und finde es geradezu 
rührend, wenn eine Familie aus Liebe zu dein vierbeinigen Haus 
genossen gern die vielen lluannchinlichkciten mit in den Kauf nimmt 
und freudig die gar oft verlangten Opfer seinetwegen bringt, Rie- 
mals aber würde ich die Liebe zu den Tieren so obenanstellen, 
daß ich darüber ungerecht, ja rücksichtslos gegen einen Mitmenschen 
würde. Zii dem erwähnten Vorfast in der Lauterstraße, der doch 
auch nicht gerade Zeugnis von einer großen Rücksichtnahme gegen 
die Menschen ablegt, möchte ich hier von zwei Vorgängen berichten, 
bei denen ich Augenzeugin war und die mein Gerechtigkeitsgefühl 
verletzten. Im ersten Fall war es ebenfalls eine Bulldogge, die 
es auf einen kleinen Kläffer abgesehen hatte, den zu befreien erst 
nach vielen Anstrengungen gelang. Ich fand ja die Aufregung 
des Ehepaares, dem der kleine Hund gehörte, sehr begreiflich. Was 
mich empörte, ivar, daß der ganze Zorn sich gegen einen junges 
Mädchen wandte, das die wütende Bulldogge an der Leine führte 
Und von derselben hin- und hergezerrt wurde. Mir tat das junge 
Mädchen leid, das die Zorncsausbrüche still über sich ergehen ließ 
und mit blassen Lippen seine Adresse angab. Wie tief muß cs 
aufgeatmet haben, als es endlich von dem aufgeregten Pitblikum 
in Gnaden entlassen ivurde. Ich fand diese Handlungsweise dem 
jungen Mädchen gegenüber sehr ungerecht; denn die Schuld trifft 
doch hier einzig und allein den Hundebesitzer, der dafür Sorge zu 
trageii hat, daß ein so bissiger Köter nicht ohne Maulkorb auf die 
Straße gelassen wird. Das'zweite Mal hätte ein Jagdhund einen 
kleinen Seidenpinscher gestellt, ohne il,n, etwas zu Leide zu tun. 
Das Hündchen jammerte und das 'Dienstmädchen, dem es an 
vertraut war, tat desgleichen. Ich wallte mich eben bei einigen 
in der Nähe spielenden. Kindern nach de» Besitzer des Jagdhundes 
erkundigen, als aus ciueur Hanse ein Herr, eine Hundepeitsche in 
der Luft schwingend, stürzte, erst einem elfjährigen Mädchen ein 
paar Hiebe überzog und sich dann den Hund, der winselnd auf 
ihn zukroch, vornahm. Letzterer hatte die Strafe verdient, denn er 
schien sich seines Unrechtes voll und ganz bewußt. Darf aber ein 
Vater sich soweit hinreißen lassen, daß er des vierbeinigen Haus 
genossen wegen sein Kind in dieser Weise straft? — Wo steckt in 
möglich werden, wenn ich etwa heute durch eine veränderte 
Lebensführung aller Art verkündigen wollte, daß ich ein 
armer Mann bin." 
„Ich verstehe nicht, was das mit deiner Geltung als 
Künstler zu tun haben könnte, Hubert! Man wird deine 
Leistungen darum nicht geringer einschätzen. Als Mensch 
aber könntest du in der Achtung der Leute dadurch nur 
gewinnen." 
Mit einem ingrimmig höhnischen Lachen siel er ihr 
in die Rede: 
„Willst du mir eine moralische Lektion erteilen? Dafür 
müßte ich mich ergebenst bedanken. Ich bin kein Schuster- 
meister, meine liebe Helga! Und ich kenne die Welt etwas 
besser als du. Meine künstlerischen Leistungen könnten 
noch zehnmal bedeutender sein, und sie würden uns doch 
nicht bor Sorge und Hunger schützen, wenn ich nicht zit- 
gleich die Macht besäße, die Welt zu ihrer Anerkennung 
zu zwingen. Alle Berühmtheit ist weiter nichts als Sug 
gestion. Wenn der Künstler selbst sie auf seine Umgebung 
auszuüben versteht, wird er noch zu Lebzeiten berühmt. 
UNd wenn er es anderen überlassen muß. pflegen ihin 
die Lorbeeren erst nach seinem Tode zu wachsen. Daß 
niir aber an posthumen, Nuhmesgemüse sehr wenig gelegen 
ist, wirst du iuir doch wohl nicht vekübeln. Ich will herr 
schen und genießen, so lange ich noch im Vollbesitz meiner 
Genußfähigkeit bin. Und ich werde darum auf dem Wege 
bleiben, den ich für den richtigen halte." 
„Auch wenn du der Welt eine klägliche Komödie vor 
spielen—wenn du sie geradezu belügen inüßtcst, Hubert?" 
„Pah! Eine Komödie spielen wir alle." 
„Alle?" 
„Jawohl! Dich nicht ausgenommen. Nur daß du 
vielleicht weniger darauf ausgehst, anderen einen blauen 
Dunst vorzumachen als dich selbst zu täuschen. Deine sitt 
liche Erhabenheit ist im letzten Grunde ebensowenig echt, 
diesen Fällen das für die Menschheit warm schlagende Herz, das, 
wie kühn behauptet wurde, in erster Linie die Huudefreuude be 
sitzen?! Ich bin nicht nur Tier-, sondern auch Mcnschensrernidiu 
und hege die feste Ueberzeugung, daß es um die ganze Menschheit 
viel besser bestellt wäre, wenn jeder bestrebt sein würde, gerecht 
denkend und rücksichtsvoll zu sein. Hochachtungsvoll Bl. B, 
Daß die deutsche Sprache in Wort und Schrift gepflegt und ständig 
gefördert wird, weiß heute ivohl ein Jeder. Pflichtfortbilduugs- 
schulen »nd andere Anstalten sorgen für weitere Ausbildung 
unserer heranwachsenden Jlrgeud. Wie sonderbar mutet es einem 
an, wenn man manchmal Inschriften und Bekanntmachungen von 
Behörden und Gemeinden zu sehen bekommt, in denen es von 
Fehlern förmlich ivimmclt. Nachstehender Fall zur Kenntnis 
unserer Lcsergemciude, Am Südlvcstkorso 62 steht eine Auschlag- 
säule, deren weißer Ring und Inschrift jüngst erneuert wurde. Ta 
steht unter anderem: Nähster Feurmeldcr Stubeurauchstraße. Ecke 
Wilhclmshöhestraße. Ja wie ist cs möglich, daß diese groben 
Fehler dem mit der Ausführung dieser Arbeit betrauten Maler 
entgehen konnten. Es wäre wohl von allgemeinem Interesse, 
wenn dieser verunglimpfte Satz, einem anderen bald weichen würde. 
Gerichtliches 
P. Eine VergeßlichkcitSsündc brachte ein bisher unbescholtenes 
Ehepaar, den Kalkulator Joses Grieger und dessen Ehefrau Auguste 
geb. Roskowski. vor Gericht unter der Anklage des fahrlässigen 
Meineides. Das iit der Kaiscrallee wohnhafte Ehepaar hatte dem 
Fabrikanten Otto zu Halensee.im Jahre 1909 einen vom Ehemann 
G. akzeptierten, und von der Ehefrau girierten Wechsel zur Be 
gleichung einer Restfordcruug von 134,75 M. begeben. Wegen 
dieses zum Protest gegebenen Wechsels machte der Möbelfabrikaut 
Döhriug in Wilmersdorf anfangs August v, I. Regreßansprüche 
gegen Otto und gegen das Ehepaar rm Wege der Wcchselklagc 
geltend. Am 30. August v. I. war iin Verhandlungstermin vor 
dem .Amtsgericht Charloitettburg dann dem beklagten Ehepaar 
Griegcr Prozcßeid auferlegt, in welchem beide Eheleute eidlich er 
härteten, daß sie die Unterschriften auf dem Klagewechsel nicht ge 
geben haben. Das Aiutsgcricht wies nun auf Grund dieser Eides 
leistung die Wcchselklagc ab. Der Kläger aber betrieb die Sache 
weiter. Er erbrachte durch gerichtliche Haudschriftenvergleickinug 
und durch andere Nachweise den Beweis dafür, daß beide Eheleute 
falsch geschworen hatten. In der Verhandlung vor der 2. Ferieu- 
straskainmer des Berliner Landgerichts III bestritten die Angeklagten, 
schuldig zu sein. Ter gerichtliche Sachberftändige für Handschriften 
Vergleichung, Rechnungs-Rat Drogolin bestätigte Zug für Ziig die 
Uebereinstimmung der Handschriften der beiden Angeklagten mit 
den auf dem Wechsel befindlichen Unterschriften. Der Gerichtshof 
gewann die Ueberzeugung davon, daß die Angclagten den, Wechsel 
doch trotz ihres eidlichen Ableugnens unbeschrieben haben und daher 
des fahrlässigen Falscheides schuldig seien. Der Staatsanwalt hatte 
je 0 Monate Gefängnis beantragt. Das Urteil lautete auf je 
1 Monat Gefängnis.' 
(:) Gefälschtes Meißner Porzellan hat der Pörzellanmaler H. 
in Dresden nach einer Mitteilung der-, „Greizer Ztg." in großem 
Umfange in den Handel gebracht. Er-hatte sich deshalb vor dem 
Landgericht Dresden zu verantworten. H. hat seit Jahren 
Porzellan mit einem Warenzeichen versehen, das einem der Kvnigl. 
Sächs. Porzellavmanufaktur in Meißen geschützten Warenzeichen 
zum Verwechseln ähnlich sieht. Das echte Meißner Porzellan zeigt 
zwei gekreuzte Knrschwerter. H. arbeitete seit 17 Jahren für eine 
Pariser Firma, die bei den bedeutendsten deutschen Fabriken weiße 
Porzellane bestellte und sie H. unmittelbar zugehen ließ. Er versah 
das Porzellan mit zwei gekreuzten Zeptern und darüber befind 
licher Krone und schickte die Waren alsdann nach Paris. Von 
dort kamen sie nach Deutschland zurück^ und wurde nun als „l’or- 
cellaiüe de 8»xe* — franzönsch ist natürlich viel feiner! — ver 
kauft. Das Publikum sah die gekreuzten Zepter für Schwerter an 
und wurde tu seinem Glauben auch noch durch die darüber be 
findliche Krone bestärkt. H. hat allein in den letzten 4 Jahren 
einen Umsatz von 67 000 Al. und einen entsprechenden Gewinn er 
zielt. Er kam mit 500 M. Geldstrafe itnd einer an beit sächsischen 
Staat zu zahlenden Buße von 1000 M. davon. 
Vermischtes 
*o Jur Sommer 1911 wurde int Obdachloscnhaus in Leipzig 
eine Spareinrichtung ins Leben gerufen. Sie dient dazu, die In 
sassen anzuhalten, während ihres Aufenthaltes in der Anstalt — 
tvo sie ja keine Miete zahlen — für den späteren Zins etwas 
znrücklcgcit. Die Leute können Beträge von 50 Pf. an aufwärts 
der Hausverwaltung zur sicheren und unentgeltlichen Ausbewahrung 
übergeben. Die Beträge werden nicht verzinst, aber ihre 'treue 
Verwaltung und vollständige Rückzahlung wird vom ArtNeuiate 
gewährleistet. Die Spargelder werden zurückgezahlt, ivenn die 
Sparer oder ihre Familien das Obdachlosenhans verlassen. Seit 
dem 1. Oktober v. Js. sind allein 508,57 M. zurückgezahlt worden, 
in Beträgen von 1 bis 68,50 M.; zurzeit sind noch 24 Sparer be 
teiligt, von denen 341 Bi. verwahrt werden. Die günstige Wirkung der 
Spareinrichtung zeigt sich in dem Rückgänge der Mietbeihilfeii, die 
den Jlisaffen ztir Erlangung einer eigenen Wohnung geivährt 
worden sind. Es haben im vorigen Jahre, obwohl die Anstalt 
stärker belegt war, 03 Parteien 2389 M. als Beitrag zur ersten 
Mjete erhalten gegen 3482 M. im Jahre 1911 und 4338 Al. im 
Jahre 1910. 
*o Sommers Scheiden. Altweibersommer in der Luft! — 
Vorbei ist's mit dent Blütenduft — lind Herbst ankündend sind 
erschienen — Die farbenreichen Georginen. — Im Wald zeigt der 
September sich — Nun als ein Maler, mkistetiich. — Die Bljitter 
als in manchen Augenblicken inbitte Genialitätspofe echt 
sein mag. Ein bißchen Berechnung ist schließlich überall 
mit im Spiel — wenigstens bei gescheiten Menschen. Und 
daß ich dich unter die allergescheitesten zähle, mußt du mir 
schon gestatten." 
„Ich kann dir darauf nicht antworten, weil ich dich 
nicht mehr verstehe. Und es ist vielleicht besser, wenn wir 
nicht weiter über diese Dinge reden. Was also sollte ich 
deiner Meinung nach meineni Bruder schreiben?" 
„Ich habe es dir ja bereits gesagt." 
„Aber du wirst nicht darauf bestehen, weil es unmög 
liches ist, das du damit von mir verlangst. Alles, was 
ich tun kann, ist, daß ich ihn um eine offene Darlegung 
seiner Verhältnisse bitten und ihm die von Cäsar ausge 
sprochene Warnung übermitteln werde. Zur wortbrüchigen 
Verräterin werde ich nieNials an. ihm werden." 
„Auch nicht, wenn es sich um unsere Existenz handelt, 
Helga?" 
„Ich habe eine zu hohe Meinung von dir, als daß ich 
deine Existenz durch den Fortfall dieser — dieser Unter 
stützung bedroht glauben könnte." 
Er verbeugte sich ironisch. 
„Sehr schmeichelhaft. Schade Uur, daß ich selbst diese 
hohe Meinung nicht so ganz zu teilen verniag. Hättest 
du vor unserer Verheiratung durch irgendwelche unglück 
lichen Zufälle dein Vermögen endgültig verloren, so würde 
ich mein Leben vielleicht auf eine andere Grundlage gestellt 
haben, und würde möglicherweise auch so zum Ziele ge 
langt sein. Jetzt aber ist es dazu zu spät. Wir müssen 
unter allen Umständen genau so weiterleben, wie iuir 
bisher gelebt haben. ,Und wenn jene Einnahmequelle ver 
siegen sollte, muß ich mir die erforderlichen Mittel eben 
auf andere Weise.zu v er sch a ff eix.ij uch e ii." 
<KnN,eyuNg Ivlgl )
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.