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Periodical volume Nr. 90, 17.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

V 
(Kriedeuauer 
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20. Jajirg. 
DepeTcbcn 
Cctjtc Haebrichtcn 
Berlin. Am Montag Vormittag wurden nnf der 
Landungsbrücke der Sterngcsetlschaft nur Treptower Park in 
der Nähe des bekannten Gartenlokals von Zenner eine Danien- 
haiidtasche und zwei Damenhiite gefunden. An dem einen 
Hut war mit der Hutnadel eine Ansichtspostkarte befestigt, 
die folgenden Inhalt hatte: „Wir zwei junge, lebenslustige 
Mädchen müssen unser junges Leben lassen. Wir wünschen 
allen denen, die uns so grausam in den Tod trieben, viel 
Glück." Unterschrieben ivaren die Karten mit Charlotte 
Paegelow, Blüchcrstr. 28, und Anna Haselmann, Mitlen- 
ivalderstr. 10. Gestern Nachmittag wurde in der Nähe der 
Lmidungsbrücke eine Mädcheuleiche aus der Spree gefischt 
und nach der Leichenhalle in Treptow übergeführt. Heute 
Morgen wurde die zweite Leiche gebvigen. 
Berlin. Aus der Spree gelandet wurde an der Mon- 
bijoubrücke die Leiche eines Greises. Es wurde festgestellt, 
daß es sich um den 80 jährigen früheren Bäckermeister Gustav 
Streseman ans Stargard handelt. 
München. In einem Abteil zweiter Klasse des von 
Hamm kurz nach 2 Uhr in Münster eintreffenden Zuges fand 
man die Frau eines Chauffeurs aus Dortinuud besinnungs 
los auf. Als sie durch einen schnell herbeigerufenen Arzt 
wieder zur Besinnung gebracht worden war, gab sie an, 
daß während der Fahrt plötzlich die Wagentüc von außen 
geöffnet wurde. Ein unbekannter Mann sei eingedrungen, 
habe sie sogleich angegriffen und am Halse derart gewürgt, 
daß sie besinnungslos geworden sei. Danach wisse sie nicht, 
was weiter geschehen sei. Sie vermisse aber ihr Hand- 
täschchen mit 25 Mark Inhalt. Die Frau wurde zum 
Krankenhaus gebracht. Vom Täter hat man keine Spur. 
Hohensalza. Während eines heftigen Gewitters schlug 
gestern Nachmittag der Blitz bei Piczki im Kreise Hohensalza 
in eine Kinderschar, die auf dem Felde zusammengekauert 
dasaß. Zivei Kinder des Arbeiters Adamczcwski im Aller 
von 12 und 18 Jahren wurden getötet, ein drittes Kind 
wurde betäubt. 
Bonn. In der Jttenbacher Quarzitgrube sind fünf 
Arbeiter verschüttet lvorden. Zwei von ihnen sind tot, drei 
verletzt. 
London. Gestern Abend wurde in Manchester ein 
Speicher, in dem Ocl, Butter, Speck und 250 Ballen 
Baumwolle lagerten, durch Feuer zerstört. Der Schaden 
wird auf 250 000 Pfund Sterling — 5 Millionen Mark 
geschätzt. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Das am meisten bebaute Gcmcindegebict besitzt 
bekanntlich Friedenau, das nahezu an der Grenze seiner 
Bebauung steht. Es sind hier noch etwa 50 Bauparzellen 
und 100 Villengrundstücke vorhanden. Interessant ist eine 
Ausstellung des Herrn Dr. Erich vom Statistischen Amt 
Charlottcnburg über die Bebauung der Gcmeindegebiete und 
palririerblul. 
Roman von Reinhold Ortmann. 
13. ^ (Nachdruck verboten.) 
Wenn Hubert fetzt vor sie bingetrcten märe mit Der 
Anklage? Nicht deine reine Weiblichkeit ist cs, die sich gegen 
die Erfüllung meiner Wünsche, gegen die Annahme meiner 
leichten Lebensauffassung sträuct, sondern einzig deine 
Kaltherzigkeit und der Mangel an wahrer Liebe — sie 
würde fürwahr nicht mehr den Mut gehabt haben, sich da 
gegen zu vcrieidigen. Und darum sollte und durfte es 
nicht dahin kommen, daß er solche Anklage g-^gen sie er- 
bob. Sie mußte ihr eigenes Gewissen beruhigen, indem 
sie etwas tat, was eine Frau nur sür den Mann i"rerLiebe 
tun kann. Sie mußte ihre ehelichen Pflichten selt je.oser und 
in einem höheren Sinne erfüllen, als es bisher geschehen 
war. Und sie durfte nicht auf irgendeine spätere, be 
quemere Gelegenheit verschieben, was sie noch heute zu 
tun vermochte. 
Sie bückte sich, um die Fetzen der zerrissenen Kostüm 
zeichnung vom Boden aufzuheben, und mit bebenden 
Finaern legte sie sie auf der Platte ihres Schreibt.sches 
wieder znsaiiimen. Noch einmal stieg ihr das Blut ins 
Gesicht, als sie das herausfordernd versichrerische Bild be 
trachtete. Und sie begriff jetzt ebensowenig, wie sie cs vor 
hin begriffen hatte, daß ein Mann sein hcchfies und Uft- 
liebstes Besmtum durch solche Schaustellung gewissermaßen 
zu' einem Eeireingnt zahlloser sremder, gleichgültiger 
Menschen macken könne. Aber sie wollte sich nicht langer 
den Kopf zerbrechen, um eine Erklärung für dies Uiche- 
die Verteilung des kommunalen Grundbesitzes. Darnach 
sind 78 v. H. des Gemeindegebiets in Friedenau bebaut; 
es folgt Friedrichshagcn mit 40,5 v. H , Grunewald mit 
40 v. H., Berlin mit 46,3 v. H., Steglitz mit 42 v. H. 
Am ivenigsten bebautes Gemcindegcbiet im Verhältnis zur 
Gesamtfläche hat Alt-Landsberg (1 v. H.). Von den 51 
Gemeindegebieten sind durchschnittlich 10,1 v. H. bebaut. 
Berlin hat mit 6852 Hektar Gesamtfläche das größte 
Gemeindegebiet. Es folgen Spandau mit 4020 Hektar 
Gesamtfläche, Köpenick mit 8452 Hektar, Alt-Landsberg mit 
8054 Hektar. Das kleinste Gemeindegebiet haben Nikolassee 
(00 Hektar) und Stralau (70 Hektar). Friedenau hat 
141 Hektar. 
Auf 1 Hekt. bebautes Gcmeindegcbiet kommen in Neukölln 824 
Einwohner, in Berlin 084, in Schöneberg 678, in Borhagen- 
Nummelsburg 450, in Wilmersdorf 450, in Charlottcnburg 418, 
in Lichtenbcrg 387. Im Gegensatz zu diesen Gemeinden stehen 
Franz.-Bnchholz, wo auf 1 Hektar bebautes Gemeindegebiet 12 
Einwohner kommen, Rüdersdorf mit 27, Zossen mit 39 Einwohnern 
nnf 1 Hektar. Bon den Gemeindegebieten sind durchschnittlich 
23,7 v. H- zu Bauzwecken nicht zu verwenden. Es handelt sich hier 
um Stratzenland, Freiflächen, Parkanlagen, Wasser. Nach Abzug 
dieser Flächen verbleiben durchschnittlich 57,4 v. H. der Gemeinde 
gebiete für die Bebauung noch frei. Mehr als die Halste der 
Gemeinden stehen jedoch unter diesem Durchschnitt, darunter Char- 
lottenbnrg mit 18,5 v. H., Berlin mit 11,3 v. H., Kalkbcrge mit 
9 v. H. Sämtliche Gemeinden haben eigenen Grundbesitz, teils in 
der eigenen Gemeinde, teils in anderen Gemeinden. Den absolut 
größten Grundbesitz haben Berlin (21195 Hekt.), Spandau (1962 
Hektar), Charlottenbnrg (1830 Hekt.), Köpenick (1314 Hekt.), 
Neukölln (1312 Hekt.), Schöneberg (1071 Hekt.), Alt-Landsberg 
(1019 Hekt.). Sechs Genieinden haben Grundbesitz, der größer ist 
als ihr Gemeindegebiet: Berlin, das den größten Teil 
seines auswärtigen Besitzes (über 18 000 Hektar) mit ge 
werblichen Anlagen bebaut hat, Schöneberg, Neukölln, Pankow, 
Steglitz und Weißensee, die große Rieselfelder haben. — 
22 Gemeinden haben nur Grundbesitz im eigenen Gemeindebezirk. 
Mehr als ein Drittel ihres Gemelndegebietes besitzen Friedenau 
(33,8 v. H.), Berlin (34,8 v. H.), Lankwitz (35,3 v. H.), Spandau 
(39,9 v. H), Dahlem (79,4 v. H.) Den kleinsten Anteil am eigenen 
Gemeindegebiet haben Friedrichshagen (0,3 v. H.), Mahlsdorf 
(0,8 v. H.). Bon dem zur Bebauung noch freien Gemeindegebict 
besitzen 9 Gemeinden mehr als 10 v. H., Weißensee (10,9 v. H.), 
Franz.-Buchholz (12,3 v. H.), Tegel (12,9 o. H.), Steglitz 14,0 v. H.>, 
Tempelhof (18,3 v. H.), Velten 19,2 v. H.), Berlin (26,7 v. H.), 
Charlottcnburg (28,5 v. H.), Dahlem (84,4 v. H.). Von ihrem Gc 
meindegcbiet haben am meisten abgegeben an andere Gemeinden — 
und zwar ausschließlich an Berlin — Voxhagen-Rummelsburg 
(33,8 v. H. des Gemeindegcbietes), Franz.-Buchholz (47,0 v. H.), 
Teptow (53,3 v. H.). Von seinem Besitz hat Berlin im Verhältnis 
zur Größe am meisten bebaut (88,3 v. H.); es folgen Friedrichs 
hagcn mit 41,7 v. H., Reinickendorf mit 33,1 v. H., Rüdersdorf mit 25,0 
v. H., Rosenthal mit 20,1 v. H. Im ganzen haben 15 Gemcindenmchr 
als 10 v. H. ihres Besitzes mit Häusern und Höfen bebaut. Den 
kleinsten Teil von ihrem Besitz haben bebaut Lankwitz (0,9 v. H.), 
Tcmpelhof (0,7 v. H.), Alt-Glienicke (0,5 v. H.). Der Fiskus hat 
außer in Franz.-Buchholz, Friedenau, Grunewald, Nikolassee und 
Weißensee in allen Gemeinden Grundbesitz, am meisten in Spandau 
(871,92 Hekt.), Dahlem (540 Hekt.), Adlershof (513 Hekt.), Kalk 
berge (418 Hekt.), Tcmpelhof (414 Hekt.). Die Krone hat nur in 
sechs Gemeinden Grundbesitz, in Berlin, Charlottenbnrg, Friedrichs- 
feldc, Wilmersdorf, Pankow und Schöncberg. Sonstige öffentliche 
Körperschaften partizipieren an den Gemeindegebieten sehr ivenig, 
am meisten in Weißensee (12,4 v. H. des Gemeindegebiets, in 
Lichtenberq (9,5 v. H.) und in Mariendorf (8,0 v. H.). Der größte 
Teil der Gemeindegebicte ist Privatbesitz. 
o Kein Groß-Berlin in den Bahnhofsnamen. In 
Geschäftskreisen war der Wunsch geäußert worden, die 
Namen der Bahnhöfe mit den postalischen Ortsbenenuungen 
greisliche zu finden, Noch hatte Hubert ihr ja leinen An 
laß gegeben, an seiner Liebe und Achtung für sie zu 
zweifeln, und weil sie sich in diesem Punkte "als die allein 
Schuldige fühlte, wollte sie ihr Unrecht sühnen, indem sie 
sich in allem, was er forderte, widerspruchslos seinem Willen 
unterwarf. Sie traute sich nicht die Kraft zu, eine lächelnde 
Freudigkeit zu erheucheln; aber sie war doch entschlossen, 
ihn nicht ahnen zu lassen, wieviel sie das Sühueopfer 
kostete, zu dein sie sich freiwillig verurteilt hatte. 
In ihrem Ankleidezimmer tilgte sie die verräterische» 
Tränenspuren von ihrem Gesicht; dann ging sie in das 
Atelier hinüber, das einen geräumigen Anbau der Villa 
bildete und durch einen ziemlich langen Gang von den 
Wohngemächern getrennt war. Da mehr als eine Stunde 
verflossen war, seitdem ihr Mann sie verlassen hatte, mußten 
die Besucherinnen sich ja inzwischen längst entfernt haben, 
und sie hegte nicht den geringsten Zweifel, Hubert allein zu 
finden. Ohne zu klopfen, trat sie ein, und für einen 
Moment glaubte sie, daß auch ihr Gatte fortgegangen sei, 
denn der hohe, reich und phantastisch ausgestattete Raum 
schien leer. 
Als Helga sie auf dem dicken, weichem Teppich, der den 
Klang ihrer Schritte bis zur Unhörbarkeit dämpfte, bis zu der 
Stelle gekommen war, die den Blick in einen seitlichen, erker- 
artigen Ausbau gestattete, erkannte sie, daß sie sich getäuscht 
habe. Da drinnen war Hubert, aber er war nicht allein. 
Er stand neben dem Sessel, in dem eine schlanke, dunkel 
gekleidete Frauengestalt ruhte, und hatte sich tief herab 
geneigt, um irgend etwas auf einem Blatte zu erklären, 
das die Fremde in ddn Händen hielt. Helga sah zunächst 
nur eine Fülle seidig glänzenden schwarzen Haares unter 
einem modernen Rieienbut und die fein geschwungene 
in Einklang zu bringen. Die Eisenbahndirektion hatte 
dagegen Bedenken geäußert und die Handelskammer um ihr 
Gutachten ersucht. Diese hat sich der Ansicht der Staats 
bahnverwaltung angeschlossen: eine vollständige Ueberein- 
stimniung der Stationsnamen mit den kommunalen Be 
zeichnungen werde sich nicht erreichen lassen; wenn man den 
Stativnsnamen den Zusatz „Berlin" voransetzen wollte, so 
werde die Ermittlung der für den gleichnamigen Ort zn- 
ständigen Eisenbahnstation nur erschwert. Die „Ztg. des 
Ber. D. Eisenb.-Vccw." pflichtet dem bei und bemerkt 
im übrigen: 
„Wie sollten z. B. die Stationen benannt werden, deren Güter 
abfertigung mehreren Gemeinden dient, oder wie sollte in den 
Fällen verfahren werden, in denen mehrere Güterabfertigungen für 
eine Gemeinde in Frage kommen? Außerdem sind schon Doppel 
namen, geschweige denn dreifache Zusammensetzungen, wie sich solche 
hier vielfach ergeben würden, im Eisenbahnverkehr äußerst hinderlich 
und daher sicherlich unerwünscht. Im Interesse der Zuverlässigkeit 
des Frachtverkehrs ist dringend zu wünschen, daß die eingebürgerten 
Bezeichnungen tunlichst beibehalten werden und Blenderungen 
nur da erfolgen, wo dies zur Vermeidung von Verwechselungen 
nötig ivird." 
o Reichsbank Bcrlin-Schvneberg. Die bisher Haupt 
straße 24 befindliche Reichsbank-Nebenstelle bezieht am 0. 
September d. Js. neue Geschäftsräume in dem Hause Jns- 
bruckerstr. 35 Ecke Voßbergstraße, unmittelbar an der 
Station Hauptstraße der Schöneberger Untergrundbahn. 
o Für den Neligionsnnterricht der Kinder von kon 
fessionell gemischten Ehen ist ein bemerkenswerterBescheid des 
Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegenbeiten er 
gangen. Wollen in einer konfessionell gemischten Ehe, so 
heißt es darin, die Eltern ihr Kiiid in einer anderen 
Religion unterrichten lassen, als es an sich nach dem Ge 
setze zu geschehen hätte, so kann die Schulbehörde diesem 
Wunsche nur dann stattgeben, wenn der Wille der Eltern 
mit hinreichender Gewißheit feststeht. In allen Fällen 
bleibt Wert darauf zu legen, daß in einer für die Schul 
aufsichtsbehörde zweifelsfreien Weise - festgestellt und akten 
kundig gemacht wird, daß der Vater des Kindes persönlich 
und ausdrücklich die Willenserklärung abgegeben hat. 
Einzelne Kgl. Regierungen haben demgemäß die Schulauf 
sichtsbeamten angewiesen, darüber zu wachen, daß jene 
Willenserklärung abgegeben und in der Registratur des zu 
ständigen Kreisschulinspektors aufbewahrt ivird. 
o Von der Potsdamer Handelskammer, Sitz Berlin 
wird uns folgendes mitgeteilt: Bei der Begründung der an 
den Bundesrat gerichteten Gesuche um Zollerlaß ans 
Billigkeitsgründen wird von den Gewerbetreibenden meist 
behauptet, daß sie den Weg der Erwirkung einer verbind 
lichen Tarifauskunft nicht gekannt haben. Die Gewerbe 
treibenden werden daher darauf aufmerksam gemacht, daß 
nach Teil II Ziffer 1 der Anleitung für die Zollabfertigung 
die Erteilung amtlicher Auskunft über Zolltarisangelegen- 
heiten den Direktivbehörden übertragen ist, und daß die 
jenige Direktivbehörde zuständig ist, in deren Bezirk die 
Schlußabfertigung der Ware stattfinden soll. Insbesondere 
werden die Gewerbetreibenden auch darauf hingewiesen, daß 
Gesuche um Zollnachlässe ans Billigkcitsgründen namentlich 
dann wenig Aussicht auf Erfolg haben können, wenn es 
sich um dauernde große Bezüge handelt, bei denen man 
Umrißlinie eines sehr weißen Halses. Es war nicht Vas 
erstemal, daß sie ihren Mann in der Gesellschaft schöner 
Besucherinnen getroffen hatte. Diesmal kam aber ihr eine 
Empfindung, als ob der tückischste Zufall sie wider ihren 
Willen hätte sehen lasse», was sie nimmermehr hätte sehen 
dürfen. Sie fühlte einen beklemmenden Druck auf der 
Prust, der ihr fast den Atem raubte, und die Glieder 
wurden ihr plötzlich so schwer, daß sie wie festgebannt 
regungslos stehenblieb. 
Die beiden hatten nichts von ihrem Eintritt bemerkt, 
vielleicht, weil die Tür in Wahrheit ohne Geräusch hinter 
ihr zugefallen war, aber vielleicht auch, weil sie zu sehr 
mit sich selbst beschäftigt waren, um auf die Vorgänge in 
ihrer Umgebung zu achten. Hubert neigte sich noch tiefer 
herab, so^oaß sein Kopf den der Fremden beinahe berührte, 
und im Flüsterton machte er eine Bemerkung, deren Sinn 
für Helga unverständlich blieb. Aber es niußte ein ver 
wegenes Wort gewesen sein, das er gesprochen hatte; denn 
die andere bog mit einer mehr koketten als abwehrenden 
Bewegung ihren Oberkörper ein wenig zur Seite, und mit 
einem Lache», das wie süßes Vogelgezwitscher klang, sagte sie: 
„Wissen Sie auch, mein Herr, daß es nicht erlaubt ist, 
unter vier Augen so zu einer Dame zu sprechen?" 
Helga wollte nicht, daß er noch eine Möglichkeit hätte 
zu antworte», bevor er von ihrer Gegenwart unterrichtet 
war. Darum streifte sie niit rascher Handbewegung von 
dem Tischchen, neben dem sie stand, irgend einen Gegen 
stand herab, der geräuschvoll zu Boden fiel. Und in der 
nämlichen Sekunde noch blickte sie in das ihr hastig zu 
gewandte Gesicht ihres Mannes. Sie sah, daß die Ueber- 
raschung i» seinen Zügen sich rasch zu einem Ausdruck 
des Unwillens wandelte, aber sie batte jetzt ihre äußert
        
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