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Periodical volume Nr. 207, 03.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Präsidenten. Danach haben die Gemeinden die Erwartung 
des Ministers, die Teilnehmer an dem 311111 ersten Male 
eingerichteten Seininarlursus für FarlbildnngsschuIIchrer 
durch Benrlanbnug mit vvllcm Gehalt und durch Gewährung 
von Beihilfen zu unterstützen, nicht in genügender Weise 
erfüllt. Die Regierungspräsidenten werden ersucht, dahin 
zu wirken, daß namentlich größere Gemeinden etatsmäßigc 
Mittel hierfür bereit stellen. Gegen einen vorzeitigen Fort 
gang der durch Beihilfen unterstützten Lehrer würden sich 
die Gemeinden dadurch sichern können, daß sie sich die Rück 
zahlung der gewährten Beihilfen für den Fall ansbedingen, 
daß die Lehrer vor einer bestimmten Reihe von Dienst- 
jahren als hauptamtliche Fortbildnngsschullchrer ans ihrem 
Amte ausscheiden, um ein anderes Amt zu übernehmen. 
Fm übrigen hat der Seminarkursns sich bewährt, sodaß er 
im nächsten Jahre wiederholt wird; er soll gleichfalls in 
Eharluttenburg unter Oberleitung des Landesgewerbeamts 
stattfinden, ein Fahr dauern und durch eine Prüfung ab 
geschlossen werden. 
0 Die Einstellung von Freiwilligen bei der Kaiser 
lichen Marine. Folgende Marincteile stellen am 1. Oktober 
1913 Freiwillige ein: 1) 2. Abteilung I. Torpedodivision in 
Kiel (DreijährigiFreiwillige für die Maschinistenlaufbahn 
sKapitulantenf); 2. Abteilung II. Werftdivision in Wilhelms 
haven; llnterseebootsabteilnng in Kiel. 2. 2. Abteilung 
1 l. Torpedodivision in Wilhelmshaven. Bierjährig-Frei- 
willige für dieselbe Laufbahn. 8. Unterseebootsabteilung in 
Kiel. Dreijährig - Freiwillige Heizer (Nichtkapitulanten). 
4. 1. Abteilung II. Werftdivision in Wilhelmshaven. Drei 
jährig - Freiwillige für die Funkentelegraphie - Laufbahn 
(Kapitulanten und Nichtkapitulanten). 5. 1. Abteilung 
I I. Torpedodivision in Wilhelmshaven. Bicrjährig - Frei 
willige als Torpedomatrosen (Kapitulanten und Nicht- 
kapitnlanten). Meldungen mit genauer Adresse des Ab 
senders sind unter Beifügung eines selbstgeschriebenen 
Lebenslaufs, der Schul-, Lehr- und Arbeitszcngnisse und 
eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission des 
Aufenthaltsorts zu erbittenden Meldescheins zum freiwilligen 
Eintritt möglichst bald an die oben genannten Marineteile 
zu richten. Aerztliche Untersuchung erfolgt auf Anordnung 
des Marineteils. 
v Das neue Eichgesetz, wonach bei sämtlichen Gläsern 
der Eichstrich 2—4 Zentimeter vom oberen Rande entfernt 
sein muß, tritt am 1. Oktober in Kraft. Den hiesigen Gast- 
nnd Schankwirten kann nur dringend geraten werden, die 
Umeichung der Gläser rechtzeitig vornehmen zu lassen, um 
sich vor Strafe zu schützen. Herr Hans Berger, Rhein- 
straße 10, hat sich bereit erklärt, die Umeichnng der Gläser 
,311111 Preise von 2 Pfg. das Stück im Lokal der Wirte 
selbst ausführen zu lassen. Die Gastwirte werden gebeten, 
Herrn Berger rechtzeitig Mitteilung davon zu machen, ob 
sie die Umeichnng wünschen. Ein Angestellter der Firma 
Hans Berger wird bei jedem Gastwirt vorsprechen, um 
sofort die Umeichnng vorzunehmen. Da der billige Preis 
mir berechnet werden kann, wenn der Angestellte sofort die 
Umeichnng vornehmen kann, werden die Gastwirte ersucht, 
sich auf den Besuch des Herrn vorzubereiten. Einzelne 
Nacheichniigeii können nur im Geschäft des Herrn Berger 
ausgeführt werden und müssen höher berechnet werden. 
v Ein trauriger Gedenktag. Am gestrigen 2. Sep 
tember waren 80 Jahre seit dem schrecklichen Eisenbahn 
unglück in Steglitz verflossen. Als am Sonntag, 2. Sep 
tember 1888, die vom Steglitzer Schützenfeste kommenden 
Ausflügler die Heimfahrt nach Berlin antreten wollten, 
wurden auf dem Bahnhöfe trotz aller Gegenbcmühungen 
der Stativnsbeaniten von dem ungeduldig wartenden Publi 
kum die Schranken in dem Augenblicke durchbrochen, als 
der Berlin—Potsdamer Schnellzug die Station durchfuhr. 
Der Zug war direkt in die dichte Menschenmenge hinein 
gefahren und hatte zahlreiche Personen getötet und ver 
wundet. Biele der Toten fanden die letzte Ruhestätte in 
einem gemeinsamen Grabe auf dem Lnisenstädtischen Fried- 
hofe in Neukölln; ein hier befindliches Denkmal ist den am 
2. September 1888 in Steglitz verunglückten Schützen 
brüdern von deutschen Schützen gewidmet. 
0 Deutscher Bund zur Bekämpfung der Fraueu- 
emauzipatiou. iAm 1. September fand hier im Hohen- 
zollern-Restanrant die erste Sitzung der Fricdenaner Orts 
gruppe im Deutschen Bunde im Winterhalbjahr 1013-14 
statt. Der Borsitzcnde, Herr Kactellgeschästsführer Eberhard, 
begrüßte zunächst die erschienenen Mitglieder und Gäste 
eine Erwiderung avzuwarten. Aber auch, wenn er ge 
blieben wäre, würde er wahrscheinlich vergebens auf eine 
Antwort seines jungen Weibes geharrt haben. 
7. Kapitel. 
Helga vollendete den Brief nicht, den sie ihrem Bruder 
hatte schreiben wollen. Sie warf den zerrissenen Bogen in 
den Papierkorb, lehnte sich in ihren Stuhl zurück und 
drückte das Taschentuch an die Augen. 
Es geschah ihr wahrlich nicht oft, das; sie weinte. 
Und es war das erstemal seit dem Bestehen ihrer Ehe, 
das; sie das Leid ihrer Seele in Tränen ausströmen lief;. 
Vielleicht war sie sich selber nicht klar darüber, warum sie 
sich gerade heute durch die Worte und das Benehmen ihres 
Mannes so im tiefsten Herzen gekränkt und verwundet 
fühlte. Aehnliche Meinungsverschiedenheiten wie die heutige 
hatte es ja schon des öfteren zwischen ihnen gegeben. Und 
so viel war trotz aller äußeren Kultur doch von seiner 
bäuerlichen Herkunft an Hubert Almröder hasten geblieben, 
das; er in Augenblicken der Erregung sehr leicht die Herr 
schaft über sich verlor und sich zu heftigen, verletzenden 
Aeußerungen hinreißen ließ. Sie pflegten ihn jedesmal 
sehr bald zu gereuen, und noch immer hatte er den häß 
lichen Eindruck, den sie hinterlassen haben konnten, durch 
verdoppelte Zärtlichkeit schon in der nächsten Stunde wie 
der zu verwischen gesucht. Vielleicht würde auch diesmal 
der Verlauf der Dinge kein anderer sein. Vielleicht, ja, 
wahrscheinlich würde er binnen kurzem wieder liier ein 
treten, heiteren, unbefangenen Antlitzes, wie wenn nichts 
zwischen ihnen vorgefallen wäre, und würde mit einem 
Scherz oder einer Liebkosung die bedrückende Erinnerung 
zu verscheuchen wähnen. Warum nur konnte diese Gewiß 
heit der jungen Frau gerade heute keinen Trost gewähren? 
Warum regte sich's in ihr beinahe wie Widerwille bei der 
und sprach ansführlich von den Bestrebungen des Bundes, 
der sich nicht etwa gegen eine gesunde nationale Fiauen- 
beivegung, sondern lediglich gegen ein fremdes Gewächs, 
gegen die Franencnianzipativn, insbesondere gegen die 
Politisierung der Frau und die Gemeinschaftserziehung 
wendete. Sodann erteilte er Herrn Dr. Kurt Ollendorff- 
Schöneberg das Wort zu seinem Vortrag: „Unsere deutschen 
Frauen von 1813 und die heutigen Frauenrechtlerinnen"! 
In überzeugender Weise, die teils durch geschichtliche Tat 
sachen, teils durch reiche eigene Erfahrungen gestützt wurde, 
führte er aus, wie die Frauen von 1818 opferfreudig, 
vaterlandsliebend und selbstlos waren im Gegensatz zu 
unseren heutigen herrsch- und machtsüchtigen, eitlen und 
„Rechte" fordernden Stimmrechtsfräulein. Er stellte die 
Familie Körner als den Typ einer echt deutschen Familie 
hin und bezeichnete den selbstlosen Abschiedsbrief des alten 
Körner an seinen Sohn als eines der erhabensten Zeugnisse 
über den Geist der damaligen Zeit. — Er wies ferner an 
Hand von Treitschke und Mvmmsen nach, wie in Griechen 
land und Rom zur Zeit des Niederganges und Verfalls die 
Fcanenemanzipation in Blüte stand und Triumpfe feierte, 
aber sie beschleunigte den Verfall. Redner betonte, daß auch 
in Deutschland bereits im Jahre 1809 der Feminismus 
stark hervorgetreten war, daß aber das Jahr 1870 dann 
dem ganzen Spuk ein Ende bereitet hatte. Ans der Zeit 
der Freiheitskriege erwähnte er namentlich, ausgehend von 
der Königin Luise, Johanna Stegen, Frau v. Bonin, 
Eleonore v. Prohaska, Ferdinande v. Schmettan, die Mutter 
und Braut Körners u. a. Zum Schluß drückte er in 
kernigen Worten aus, daß Deutschland ein Land sei, das 
seine Frauen hoch verehre, und daß die Bnndcsmitglieder 
wünschten, diese heilige Verehrung der deutschen Frau auch 
künftighin zu bewahren. Die Frauen müßten die Nerven 
Deutschlands, die Männer aber die Muskel bleiben, die 
stahlharte, drohende, Achtung gebietende, llebermutimg und 
Ueberhebung zerschmetternde Hand. Dazu brauchten wir 
aber keine Muttersöhnchenpädagogik, sondern kraftvolle 
Manneszucht. Dem Manne der Staat und die Politik! 
Der Frau Haus und Familie! 
0 Das Zwangsversteigerungsverfahren über das 
Grundstück Kaiserallee 67, Ecke Mainauer Straße 1, dem 
prakt. Arzt Dr. Carl Günther, im selben Hanse, gehörig, 
ist einstweilen eingestellt worden. 
v Genehmigter Ban. Maßinannstraße, Ecke Kreuz- 
nacher Straße. Bauherr und Ausführung: Bangeschäft 
Otto Rvescler, Berlin-Steglitz, Fregestr. 38II. (Wohngebäude.) 
0 Der Verband Gabelsbergerscher Stenographen 
der Provinz Brandenburg, dem auch der in Berlin- 
Friedenan bestehende Stenographenverein Gabelsberger 
angehört, hielt am vergangenen Sonnabend und Sonntag 
in Frankfurt a. O. seine diesjährige große Versammlung ab. 
Die Veranstaltung nahm einen glänzenden Verlauf. Der 
Verbandsvorsitzende, Bankvorsteher Pfeffer - Wilmersdorf, 
konnte in seinem Geschäftsbericht feststellen, das; die Aus 
breitung der Gabelsbergerschen Kurzschrift auch im abge 
laufenen Jahre in der Mark Brandenburg einen ganz außer 
ordentlichen Anfschwung genommen habe, auch eine Reihe 
von öffentlichen Lehranstalten haben die Gabelsbergersche 
Kurzschrift in ihr Lehrpensum aufgenommen. Für das 
koinmendende Jahr wurde städt. Handelslehrer Kalbfleisch- 
Kottbns zum Vorsitzenden, Redakteur Gnenß-Lnckenwalde zu 
seinem Vertreter gewählt. Die Prüfungskommission für 
praktische und Geschäftsstenographen, die in neuester Zeit in 
Berlin-Friedenau mehrere Prüfungen abgehalten hat, 
wird sich ans Redakteur Martin Schirmer-Friedenau 
(Vorsitzender und Kommissar des Deutschen Stenographen- 
bnndes), Redakteur und Kammerstenograph M. Cohn- 
Frieden an und Magistratsstenograph Rürnberger-Steglitz 
znsammensetzen. Die Stenographielehrerprüfungskomniission 
steht unter Leitung des Oberlehrers Dr. Gvldmann-Tegel 
innd Prof. Girndt - Neukölln. Eine öffentliche Versammlung, 
in der auch Oberbürgermeister Richter-Frankfurt a. D. und 
Stadtrat Vogel als Vorsitzender der Handelskammer die 
große Schar der Stenographen begrüßte, schloß sich den 
Verhandlungen an. Regierungsassessor Dr. Bode, Mitglied 
des Kgl. Sächs. Stenogr.-Landcsamtes zu Dresden hielt 
einen Vortrag über „Die Zukunft der deutschen Einheits- 
stenographie." In einem öffentlichen Preisschrciben, zu dem 
die Stadt Frankfurt a. O. einen erheblichen Betrag ge 
stiftet hat, und zu dem die Handelskammer, die „Oderztg." 
und viele andere kostbare Ehrenpreise zur Verfügung gestellt 
Vorstellung einer solchen unaiisbleiblichen Derföhnnngs- 
fzene? Ich bin keine Schauspielerin, hatte sie ihm vorhin 
zugerufen, und niemals hatte sie ein treffenderes Wort 
zu sich selbst gesprochen als dies. Sie konnte nicht 
heucheln und lügen, auch nicht um ihres ehelichen Frie 
dens willen. Und sie fühlte, das; sie heucheln und lügen 
müßte, wenn sie sich heute den Anschein gäbe, das; durch 
einen Kuß oder ein Kosewort alles in ihr ausgelöscht sei, 
was sie soeben erfahren und erlitten. 
In einem Winkel ihrer Seele würde ja doch schmerzlich 
biennend die Gewißheit weiter leben, daß mit solcher Ver 
söhnung keine Brücke geschlagen sei über die Kluft, die ihr 
Denken und Fühlen von dem ihres Mannes trennte. Und 
sie wollte nicht auf den leichten, unzuverlässigen Schwingen 
rasch ausslammerndcr und rasch erlöschender Sinnlichkeit 
über diese Kluft hinweggetragen sein. Sie konnte ihre 
Ruhe erst wiederfinden, wenn der gefährliche, immer auf's 
neue drohende Abgrund wirklich ausgefüllt war — wenn 
sie nicht mehr davor zittern mußte, bei jedem, auch dem ge 
ringfügigsten Anlaß wieder an sein Vorhandensein er 
innert zu werden. 
Und sie hatte den festen, redlichen Willen, den heiligen 
Vorsatz, dazu nach besten Kräften das Ihrige zu tun. 
Wenn es schon dahin gekommen war, daß Hubert in ihr 
eine Feindin und Zerstörerin seiner liebsten Freuden sah, 
das; er von ihrer bräutlichen Hingabe sprach wie von 
einem unbegreiflichen Irrtum ihrer Seele — wahrlich, dann 
war es nicht mehr Zeit, ängstlich zu prüfen und zu wägen, 
auf welcher Seite hier das größere Recht oder das größere 
Unrecht fei — dann durste sie nicht zögern, auch an ihrem 
Teile ein Opfer der Selbstverleugnung zu bringen, um 
das gefährdete Glück ihrer jungen Ehe zu retten. 
Sie hatte sich ja auch schon früher nicht eigensinnig und 
selbstisch gegen solche Opfer gesträubt. Eie hatte der leichten 
hatten, trug u. a. auch der Schriftführer des Fricdenaner 
Vereins, Herr Fr. Gute einen Preis davon. — Der hiesige 
Verein eröffnet demnächst wieder einen öffentlichen Unler- 
richtskursus (Honorar einschl. Lehrmittel 6 M.) Fortbildungs- 
nnterricht findet regelmäßig jeden Freitag im Vereinslekal 
Restaurant Hohenzollern, Handjerystraße 64, statt. An 
meldungen nimmt der Vorsitzende Red. Schirmer, Stnben- 
rauchstr. 68 gern entgegen. 
0 Stenographenverein Stolze-Schrey. Am Sonntag, 
dem 31. August fand in Birkenwerder eine Bezirksver- 
tretersitznng verbunden mit einem Wettschreiben und -lesen 
statt, an dem 7 Mitglieder des hiesigen Stenographen- 
vercins „Stolze'Schrey teilnahmen und durchweg gute, 
preisgekrönte Arbeiten lieferten. Beim Wettschreiben er 
rangen drei Mitglieder in der Abteilung 100 Silben 
I. Preise, 1 Mitglied in der Abteilung 140 Silben einen 
I. Preis, in der Abteilung 120 Silben zwei Mitglieder 
III. Preise und in der Abteilung 100 Silben ein Mitglied 
II. Preis. Beim Korrektschreiben erhielt ein Mitglied den 
I. Preis und ein anderes Mitglied den II. Preis. Die 
Höchstleistung im Wettlesen (519 Silben in der Minute) 
und damit den Ehrenpreis der Gemeinde Birkenwerder er 
rang Herr cmnä. theol. Fr. Lucas. Stenographicknndige 
Damen und Herren seien hiermit nochmals auf den Verein 
hingewiesen. Derselbe hält regelmäßig jeden Dienstag und 
Freitag in der Gemeinde-Mädchenschule, Goßlerstraße 
abends 1 / 2 fe» Uhr seine Uebungsstunden ab. Am Freitag 
findet eine geschäftliche Sitzung statt. 
0 Fricdenaner Männer-Gesangverein 1875. Im 
Anschluß an unsere kürzlich gebrachte Notiz können wir 
unsern verehrten Lesern heute mitteilen, daß die Unstimung- 
keiten in unserm F. M. G. V. 1875 sämtlich beigelegt 
worden sind. Es ist einem besonders dazu gewählten Aus 
schüsse gelungen, die Differenzen auszugleichen, sodaß dcr 
Verein von morgen ab wieder in alter Stärke imstande ist, 
seinem Ziele, das deutsche Lied zu hegen und zu pflegen, 
entgegenzusteuern. Wir wünschen, daß der F. M. G. V. 
innen und außen gestärkt aus dieser für ihn schweren Zeit 
hervorgegangen ist und daß er uns dieses in seinem Herbst- 
konzerte beweisen wird. — Wie wir hören, setzt der 
morgige Uebungsabend mit dem darauffolgenden alther 
gebrachten und beliebten Damenbeisammensein wieder ein. 
Also, viel Vergnügen und Lied hoch! 
0 Der Friedenauer Kirchenchor, der, wie gemeldet, 
heute seine regelmäßigen Uebnngsstunden wieder aufniimnt, 
wird in Gemeinschaft mit dem Friedenauer Parochialverein 
am Dienstag, dem 23. November, ein größeres Konzert zu 
Ehren unseres Mitbürgers des Altmeisters der Musik Max 
Bruch veranstalten. In dem Konzert wird u. a. auch die 
hervorragende Violinvirtuosin Frl. Edith v. Voigtländer 
mitwirken. Stimmbegabte Damen und Herren, die dcni 
Kirchenchor beitretcn wollen, werden gebeten, sich bei dem 
Dirigenten Herrn Königl. Musikdirektor Harriers-Wippcru, 
Ringstr. 56, oder in den Chorstunden, die jeden Mittwoch 
im Kirchlichen Gemeindehause, Eingang Goßlerstraße, statt 
finden, zu melden. 
0 Ein Zusammenstoß zwischen einem Automobil 
und einem Radfahrer ereignete sich gestern Abend gegen 
7 llhr in der Rheinstraße an der Kaisereiche. Dcr Rad- 
fahrer blieb zum Glück unverletzt, doch wurde sein Rad zer 
stört. Das Automobil fuhr davon. Passanten liefen jedoch 
hinterher und stellten die Nummer fest. 
0 Von einem Radfahrer umgefahren wurde gestern 
Morgen in der Schloßstraße, nahe der Mignelstraße, der 
Damenschneider A. Löbe. Der Stoß, den L. erhielt, war 
so heftig, daß er sich nicht wieder erheben konnte. Man 
brachte ihn nach der Steglitzer Rettungswache, wo 
Dr. Waldau schwere Schulter- und Obcrschenkelverletznngeii 
feststellte und dem Verletzten mehrere Verbände anlegte. 
VeremsDackricklen 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedenauer Männer-Gesangverein 1875", llcbnngsstnnden 
0—11 Uhr im „Hvhenzvllcrn". Dirigent: Musikdirektor Paul Aiilvni. 
Zcköneberg . 
—0 Dem Oberlehrer Dr. Paul Gcreke am Wcrncr- 
Siemens-Nealgymnasinm ist der Charakter als Professor 
verliehen worden. 
—0 Bauerlanbnis wurde erteilt für die Grundstücke 
Rudolf-Wildeplatz (Rathausneubau). Bauherr: Magistrat 
und ihr vielfach unverständlichen Lebensamsassimg Huberts 
immer neue Zugeständnisse gemacht, von denen er wohl 
nur selten geahnt haben mochte, wie schwer sie ihr zu 
weilen gefasten waren. Aber sie war darin bis Heine doch 
nicht weiter gegangen als ihr weiblicher Stolz und ihre 
weibliche Selbstachtung es ihr erlaubt hatten. Sie hatte 
nichts getan, dessen sie sich vor dem eigene» Gewissen hatte 
ichämcn müssen. Und alle ernstliche» Zeiwürfnige waren 
immer in dein Augenblick entstanden, wo sic an dieser 
Grenze angelangt zu sein glaubte. 
Durste sie wagen, sie jetzt zu überschreiten? War ihre 
Liebe so stark, daß sie ohne Furcht vor Rene wagen 
durfte, es zu tun? Konnte ihr das Bewußtsein, ihrem 
Galten wieder näher gekommen zu sein, wirklich und dauernd 
ersetzen, was sie damit an inneren Besitztümern aufgab? 
Es war kein schnelles und freudiges ja, mit dem ihr 
Herz auf diese bangen Fragen Antwort gab. Und es er 
faßte sie wie jähes, heftiges Erschrecken, als sie sich dieser 
Ungewißheit bewußt wurde. Wie ein Erschrecken und wie 
die Erkenninis eines schweren Unrechts, dessen sie sich 
schuldig gemacht, ohne es auch nur zu ahnen. War es 
denn möglich, daß ihre Liebe zu Hubert heute nicht mehr 
dieselbe war wie am ersten Tage ihres Brautstandes? 
Gab es wirk.ich schon etwas, das sie um dieser Liebe 
willen nicht ».ehr h'a.te tu!, können? Und wenn es so 
war. hatte sie dann überhaupt noch ein Recht, sich für ihr 
Widerstreben gegen die Erfüllung seiner Wünsche ans ihre 
Grundsätze und ihre hörere Ausfassung von Sitte und 
Moral zu berufen? Sank nicht das alles zum leeren 
Vorwand herab, hinter dem sich das Erkalten ihres.Herzens 
verbergen wollte? 'Roch niemals vor dieser Stunde war 
ihr ein Zweifel gekommen an der Berechtigung ihres Ver 
haltens. jetzt aber brach ihre Sicherheit plötzlich zusammen, 
(storncpung ,oigr.,
        
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