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Periodical volume Nr. 135, 11.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Lokales 
(Nachdruck unserer ü-Drirjutalartifct nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Eine Verstärkung -er elektrischen .Kabel in der 
Rheinstraße wird zur Zeit von unserem Elektrizitätswerk 
vorgenoinmen. Gestern ist mit den Erdarbeilen zur Frei 
legung der Kabel begonnen rvorden. Die Umänderung ge 
schieht zunächst auf der westlichen Seite der Rheinstraße, 
hiernach werden auch auf der östlichen Seite die stärkeren 
Kabel verlegt. — Damit dürften wohl die vielfachen 
Klagen der Anwohner der Rheinstraße über Störungen in 
der elektrischen Beleuchtung verstummen. 
o Eine Urnenhallc beabsichtigt die Gemeinde auf dem 
hiesigen Friedhofe zu errichten. Ein Kostenanschlag für die 
Halle ist bereits aufgestellt und soll sich auf 58- —60000 M. 
beziffern. 
o Vieh- und Obstbaumzählung. Auf Beschluß des 
Bundesrats findet am 1. Dezember 1913 im Deutschen 
Reiche eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen 
die gleichfalls vorn Bundesrat angeordnete Obstbanmzählung 
verbunden'ist. Auf Verfügung des Ministers des Innern 
vour 30. Juli 1913 werden jetzt die Obstbaumbesitzer (Ver 
walter, Pächter usw.) aufgefordert, sich baldigst die Angaben 
über die Tragfähigkeit und die Zahl der Obstbäume, 
gesondert nach folgenden sieben Obstarten: Aepfel, Birnen, 
Pflaumen und Zwetschen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche und 
Walnüsse, durch Besichtigung der Bestände zu beschaffen, 
damit sie diese am 1. Dezember richtig in die Zählkarten 
einzutragen vermögen. Selbst bei Besitzern kleinerer Obst 
baumbestände kann nicht vorausgesetzt werden, daß sie ohne 
vorherige Besichtigung die Fragen am Zählungstage richtig 
beantworten werden. Tragfähige Obstbällme sind solche, 
die schon getragen haben. Weitere Einzelheiten über die 
Zählung werden kurz vor dein 1. Dezember öffentlich 
bekannt gegeben rverden. Jedenfalls wird jetzt schon 
bemerkt, daß die Zähllmg keinerlei Steuerzwecken dient, 
sondern lediglich die Förderung wissenschaftlicher und gcmeiir- 
uütziger Zwecke beabsichtigt. 
o Weitere Abnahme der Geburten in Preufien. 
Im ersten Vierteljahr 1913 hat die Zahl der Lebend- 
geborenen iit Preußen 293 652 betragen, was einer Ab 
nahme gegenüber demselben Vierteljahr 1912 um rund 
10 000 oder 3,36 Prozent ausmacht. Das Land ist an 
dieser Abnahme mit rund 8000 stärker beteiligt als die 
Städte; immerhin waren die Geburten auf dem Laude 
verhältnismäßig noch zahlreicher als in den Städten. Denn 
auf 1000 Einwohner entfallen in den Städten nur 25,32 
(in den Stadtkreisen 24,95), auf dem Lande dagegen 31,14 
Geborene. Jin ganzen Staate beträgt die Verhältniszahl 
28,35, im Landpolizeibezirk Berlin nur 19,87. Aber auch 
die Zahl der Todesfälle ist wesentlich herabgegangcn; sie 
betrug nur 162 871 gegen 175 818 im Vorjahre, svdaß eine 
Abnahme um 12 947 oder 7,4 Prozent erfolgt ist. Die 
natürliche Volksvermehrung war infolgedessen um rund 
3000 größer als im 1. Quartal 1912. Am stärksten war 
der Rückgang der Sterblichkeit bei den Säuglingen bis zu 
einem Jahre mit 40 440 gegen 43 721. Es kommen auf 
1000 Lebeudgebvrene nur 137,71 Säuglingssterbefällc gegen 
-143,88 im, Vorjahre. 
o Für den .Kursus zur Ausbildung von Tnrn- 
lehrerinncn, welcher im Oktober beginnt, werden für den 
Provinzialverein Berlin des Vaterländischen Frauenvereins 
noch Anmeldungen bis zuin 30. September von der Leiterin, 
Fräulein Margarete Klingelstein, Berlin-Pankow, Berliner- 
Straße 101, angenommen. 
o Zahnpflege. Rach Dr. Bolz üben in Deutschland 
von etwa 65 Millionen Einwohnern nur ein Fünftel, also 
13 Millionen, eine geregelte und vom Zahnarzt unterstützte 
Zahnpflege ans. Von den iibiigen 52 Millionen besitzen 
höchsten 10 Proz. eine Zahnbürste. Demnach kennen 47 
Millionen keine Zahnpflege. 
o Die evangelische Saininlung für die Natioual- 
spcudc zum Kaiserjubiläum zu guustcn der christlichen 
Missionen ist seit der letzten Mitteilung Anfangs Juli 
wieder um 233 657 M. gestiegen, sodaß das bisherige End 
resultat 3 441 170 M. beträgt. Da immer noch nach 
trägliche Beiträge einlaufen, wird gebeten, alle etwa noch 
ausstehenden Beträge schleunigst, spätestens bis zum 31. August 
an das Bankhaus Delbrück, Schickler & Co., Berlin, 
Mauerstr. 61 — 05, abzuführen. 
Und für einen Vanderbilt wirst du mich ja am Ende nicht 
gehalten haben." 
Da richtete sich Henry aus seiner gebeugten Haltung auf 
und sah dem andern mit freiem, offenem Blick ins Gesicht. 
„Ich habe auf deine Hilfe selbstverständlich nicht als 
auf etwas unbedingt Sicheres gerechnet. Und ich wäre 
kaum befugt, dir zu zürnen, wenn du rundweg nein 
sagtest. Aber du darfst es auch nicht so ansehen, Cäsar, 
als ob ich diese Riesensumme einfach als ein Geschenk von 
dir erbäte. Wenn es mir durch deinen Beistand gelingt, 
über die Klippe hinweg wieder ins freie Fahrwasser zu 
kommen, werde ich sicherlich auch in der Lage sein, meine 
Schuld nach und nach zu tilgen." 
„Ich zweifle natürlich nickst an deinem redlichen Willen. 
Aber da du, wie du sagst, schon mit der Möglichkeit einer 
runden Ablehnung gerechnet hattest, wirst du es um so 
begreiflicher und verzeihlicher finden, wenn ich zwar nicht 
kurzerhand nein sage, aber von vornherein erkläre, daß 
ich mich auf ein Darlehnsgeschäft, wie es dir vorzuschweben 
scheint, nicht einlassen werde." 
„Und in welcher anderen Form —" 
„Du gestattest mir doch, ganz offen zu reden?" 
„In meiner Lage hat man kein Recht mehr, emp 
findlich zu sein." 
Einem hilfsbereiten Verwandten und wohlwollenden' 
Freunde gegenüber wäre die Empfindlichkeit jedensallsschlecht 
am Platze. Also — um es klar und kurz zu machen: ich 
stelle meine Bedingungen. Und die erste ist, daß von einer 
Weiterführung deines Bankgeschäfts nicht die Rede sein 
darf. Ich kann mich nicht von Anschauungen bestimmen 
lassen, die mir fremd sind, sondern ich taun die Dinge 
nur mit dem Maße messen, das ich bei der Beurteilu.no 
o Armenpflege und .Krüppelsürsorgs. Schon auf 
dem ersten internationalen Schulhygienckoug»eß 1904 hat 
der Führer der deutschen Krüppclsiirsorgebewegung, Dr. 
Rosenfeld-Nürnberg, Forderungen nach 5 Punkten formu 
liert: 1. Gewährung eines gesetzlichen Rechtes auf Fürsorge. 
2. Ausgiebige und entsprechende ärztlich und spezialärztlich 
(orthopädisch-chirurgische) Behandlung. 3. Sondererziehung 
und Ausbildung in angepaßten gewerblichen Tätigkeiten-. 
4. Versorgung der Unheilbaren und der gewerblich oder 
pädagogisch Bildungsunfähigcn. 5. Verhütung der Ver 
krüppelung. Im Kommunalen Jahrbuch macht Dr. Rosenfeld 
den rechnerischen Versiich, klarzulegen, um wie große 
uationalökouomische Werte es sich hierbei handle. In 
Deutschland gibt es insgesamt, alle Altersklassen umfassend, 
500 000 Krüppel. Etwa 100 000 fallen der Armenpflege 
zur Last. Rach allgemeiner Anschauung können aber durch 
ärztliche Behandlung 70 Proz. aller Krüppel entkrüppclt 
werden. Das bedeutet eine Entlastung des Armenetats um 
fast 10 Mill. Mark, mozu mindestens ein gleicher produk 
tiver Arbeitsverdienst käme, sodaß das Nationalvermögen 
sich durch den gesetzlichen Zwang einer entsprechenden 
Krüppelpflege um 20 Mill. Mark jährlich vermehren würde. 
In Deutschland hat Oldenburg eine solche Regelung der 
Krüppelfürsorge 1910 in die Wege geleitet, in Bayern ist 
man ebenfalls damit beschäftigt. Sämtliche Organe der 
Armenpflege sollten darauf dringen, daß endlich ganz 
Deutschland das einführt, was man in den amerikanischen 
Staaten schon längst durchgeführt hat. 
o Wichtiges für kaufmännische Prinzipale und 
Angestellte. Mit Beginn des nächsten Jahres treten die 
Vorschriften der Reichsversichernngsordnung über die Kranken 
versicherung in Kraft. Es werden damit außerordentlich 
wichtige Aenderungen eingeführt, die von den Kaufleuten 
und ihren Angestellten genau beachtet werden müssen. Unter 
anderem sind ab 1. Januar 1914 alle Handlungslehrlinge 
ohne jede Ausnahme krankenvcrsicherungspflichtig. Es ist 
also gleichgültig, ob die Lehrlinge von ihrem Prinzipal 
' irgendeine Vergütung erhalten oder nicht. Ferner ist zu be 
achten, daß die Versicherungsgrenze von 2000 M. auf 2500 
Mark hinmifgesetzt worden ist, so daß weite Kreise von An 
gestellten, die bisher versicherungsfrei waren, versicherungs 
pflichtig werden. Sodann muß beachtet werden, daß die 
freiwillige Fortsetzung der Mitgliedschaft bei Orts-, Betriebs- 
uud Jnnlmgskrankenkassen nur noch ztilässig ist bis zu einem 
Gesamteinkommen von 4000 M. Wer also durch jahre 
lange Beitragszahlung Rechte auf Krankeuhilfe und Sterbe 
geld in einer Zwangskrankenkasse erlairgt hat, verliert sein 
Anrecht, wenn sein gesamtes jährliches Einkommen 4000 M. 
übersteigt, er ist somit in vorgerückten Jahren, sobald er ein 
auskömmliches Gehalt erreicht hat, unversichert. Einsichtige 
Prinzipale werden daher von vornherein ihre Lehrlinge und 
Angestellten einer kaufmännischen Ersatzkrankenkasse zuführen, 
in der die Rechte der Versicherten nach jeder Richtung 
gewahrt bleiben und mit der Dauer der Mitgliedschaft 
wachsen. Außerdem sind die Beiträge bei den kauf 
männischen Krankenkassen durchiveg niedriger als bei den 
Zwangskassen, die Leistungen dagegen höher. Als be 
deutendste und größte kaufmännische Ersatz-Krankenkasse ist 
die des Verbandes- -Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig 
anzusehen. Diese Kasse, welche neuerdings auch eine 
Familien-Krankeukasse gegen nur 3 M. Monatsbeitrag ein 
führt, zählt über 50 000 Mitglieder und nimmt ver 
sicherungspflichtige Lehrlinge und Angestellte ohne ärztliche 
Untersuchung auf. Der Verband Deutscher Handlungs 
gehilfen zu Leipzig, Harkortstraße 3, ist, wie uits mitgeteilt 
wird, gern bereit, genaue Aufklärung über die vorerwähnten 
neuen Bestimmnnaen der Reichsversichernugsordmuig zu 
geben, und zwar völlig kostenfrei an selbständige Kaufleute, 
wie auch an Angestellte ohne Rücksicht auf etwaige Verbands 
mitgliedschaft. Ebenso sind die in allen Städten Deutsch 
lands vorhandenen Geschäftsstellen und Kreisvereine des 
über 100 000 Mitglieder zählenden Leipziger Verbandes 
augeivieseit, an alle Anfragenden kostenlos Auskünfte zu 
erteilen. 
o Den Wettkampf um das Grunewald - Banner 
werden die im Grnnewald-Nerband vereinigten höheren Schulen 
in diesem Jahre auf dem großen Gemeindespielplatz zu 
Zehlendorf austragen. Der Gruneivald-Verband hat sich 
aus eitler losen Vereinigung von wenigen höheren Schulen 
der westlichen Vororte, die der verdiente, leider zu früh 
verstorbene Professor Binting (Lichterfelde) gründete, heraus 
entwickelt. Er umfaßt jetzt 17 Anstalten von Berlin W 
, bis Zehlendorf, die alle zwei Jahre im Herbst zum Wett 
kaufmännischer Verhältnisse anzulegen gewohnt bin. Ich 
kann einem durch eigenes Verschulden — und dazu rechne 
ich natürlich auch den Mangel an Sorgfalt — ins Unglück 
geratenen Kaufmann vielleicht ein Almosen geben; aber 
ich kann ihm keinen Beistand leisten, der das Vertrauen 
in seine Tüchtigkeit zur Voraussetzung hätte. Ich würde 
nicht nur alle meine Grundsätze verleugnen müssen, sondern 
ich würde dir nach meiner unumstößlichen Ueberzeugung 
nicht einmal einen Dienst erweisen, wenn ich dich durch 
ein Darlehen — gleichviel ob groß oder klein — in den 
Stand setzte, dein Geschäft fortzusühren. — Bitte, laß mich 
ausreden! — Als du dich ohne Besinnen an mich wandtest, 
obwohl du dir sagen mußtest, daß unsere Verwandtschaft 
nicht nahe genug sei, um mir irgendwelche unabweisbaren 
Pflichten aufzuerlegen, leitete dich bewußt oder unbewußt 
ohne Zweifel die Empfindung, daß der Lionsul Cäsar 
Frcderiksen, ans dessen kaufmännischem Ehrenschild noch 
kein Stäubchen haftet, nicht untätig zusehen würde, wie 
einer seines Namens und seines Blutes unter Umständen 
peinlichster Art zum Bankrotteur wird. Und diese 
Empfindung hat dich ja auch nicht betrogen." 
„Wenn du es so ansiehst, Cäsar " 
»Bitte — möchtest du mich nicht erst zu Ende kommen 
lassen! — Ich sage das durchaus nicht, um dir einen 
Vorwurf daraus zu machen; denn es ist menschlich und 
begreiflich. Aber menschlich und begreiflich ist es jeden 
falls auch, daß ich ein Opfer, wle es hier von mir ver 
langt wird, nicht zum zweiten Male bringen möchte. 
Und alle deine Versicherungen, Henry, all meine Bereit 
willigkeit, an deinen guten Willen zu glauben, können 
mir das verlorene Vertrauen in deine kaufmännische Zu 
verlässigkeit und Tüchtigkeit nicht wiedergeben. Ich sehe 
tunten um das Banner zusammentreten, das vor 4 Jahren 
von einem Förderer der Lcibcsübtmgen gestiftet wurde. 
Auch unser Gymnasium und Reformrealgymnasinm sind dem 
Grmtewald-Verbande angeschlossen. Das Zehlendorfer Gym 
nasium errang den Wanderpreis beim ersten Wettkampf, 
mußte ihn aber 1911 an das. Steglitzer Gymnasium ab 
geben, das ihn diesmal zu verteidigen hat. Zum ersten 
Male sind in diesem Jahre Geräteübungen ausgeschrieben, 
u. z. zwei Barren- und zwei Reckübungen lind ein Pferd 
langsprung. daneben Kugelstoßen. Schleudcrbattmurf, Weit 
sprung, Dreisprung und 100 Meter-Lauf. Jede Schule 
stellt eine Riege von acht Turnern für diesen schiveren Zehn- 
kampf. Der Herr Mitlister, der lebhaften Anteil an den 
Wettkämpfen der Jugend nimmt, hat genehmigt, daß 
das Turnfest an Stelle der Sedanfeier in den einzelnen 
Schulen tritt. 
o Rund um Berlin. In der Sitzung des Arbeits 
ausschusses für den Wettflug „Rund um Berlin" 1913 ist 
ein interessanter Beschluß gefaßt morden. Bekanntlich ist 
gegen das Vorjahr die Zahl der zugelassenen Flieger be 
deutend erweitert worden. Während 1912 das Feld auf 
15 Teilnehmer beschränkt war, sind in diesem Jahre 30 
Meldungen angenommen morden. Mit der vergrößerten 
Zahl der Flugzeuge ergab sich aber die Schwierigkeit, alle 
Teilnehmer an den Wendemarken richtig zu indentifiziercu. 
Den hoch in der Luft fliegenden Tauben kann man cs von 
unten schlecht ansehen, ob sie aus den Schlägen von Etrich, 
Albatros, Rumpler, Gotha, Harlan oder Jeannin stammen, 
und das gleiche ist bei den Pfeildoppeldeckern und anderen 
Maschinen von Union, L. V. G., L. F. G. und anderen 
Werken der Fall. Deshalb hat man beschlossen, den Fliegern 
Sternsignalpistolen mitzugeben, aus denen sie beim Passieren 
der Wendemarken Leuchtkugeln bestimmter Farben zu ver 
feuern haben. Aus der Zahl und der Farbe der einzelnen 
Schüsse kann dann der sportliche Leiter an der Wendemarke 
an Hand einer Liste feststellen, welcher Teilnehmer eben 
vorbeigeflogen ist. Tie verfeuerten Leuchtkugeln brennen 
auch bei Tage mit deutlich erkennbaren Farben ab, sodaß 
die Identifizierung nicht schwer ist. Die Kennzeichnung der 
Flieger erfolgt durch bestimmte Farbenzusammenstellnngeu. 
Der Flieger A muß z. B. an den Wendemarken jedesmal 
eine weiße Leuchtkugel verfeuern, der Flieger B eine rote, 
der Flieger G eine rote und hinterher eine grüne, der 
Flieger K eine gelbe, eine grüne und eine rote. Auf diese 
Weise ist für jeden Teilnehmer eine genaue Erkennungs 
möglichkeit geschaffen. Von den Teilnehmern selbst ist noch 
zu bemerken, daß Colombo's Teilnehme nicht mehr in Frage 
kommt, da er seinen Apparat zertrümmert hat. Er konnte 
den erforderlichen Stundenflug infolgedessen nicht ausführen; 
auch Mohns hat seinen Stundenflug wegen des ungünstigen 
Wetters nicht ausführen können, sodaß auch er nicht mehr 
zugelassen werden konnte. 
o In dem .Konkursverfahren über das Vermögen der 
Frau Albertine Krecklow geb.Rosenberg, Berlin-Friedenau, 
Rheinstraße 32/33, Inhaberin der nicht eingetragenen Firma 
Krecklow ii. Köhler, Geschäftsstelle Berlin-Friedenau, 
Rheinstraße 32-33, Filiale Berlin - Steglitz, Lanenbnrgcr 
Straße 40, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Ver 
walters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das 
Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden 
Forderungen sowie zur Anhörung der Gläubiger über die 
Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer Ver 
gütung an die Mitglieder des Gläubigcrausschusscs der Schluß 
termin auf den 16. September 1913, Vormittags Il'/z Uhr, 
bestimmt. 
o Ueber Wohmmgsdiebstähle, bei denen die Spitz 
buben ihren Weg durch ein offenstehendes Fenster nahmen, 
haben wir wiederholt berichtet. Auch in unseren Nachbar 
orten sind ähnliche Diebstähle verübt worden, lieberall 
wurde festgestellt, daß die Wohnungen verschlossen und 
die Schlösser unversehrt waren. Die Einbrecher sind an 
den Häusern ewporgeklettert und dann durch die Fenster in 
die Wohnungen eingestiegen. Der Schöneberger Kriminal 
polizei ist es nun gestern bei einer nächtlichen Streife 
gelungen, den unheimlichen Kletterkünstler auf frischer Tat, 
ivo er Portemonnaies, Uhren usw. stahl, zu erwischen und 
dingfest zu machen. Gleichzeitig wurde auch sein Gehilfe, 
der „Schmiere stand", und bald darauf der Hehler, bei dem 
er die außerordentlich wertvollen Beutestücke „verschärfte", 
festgenommen. Der Dieb entpuppte sich als ein 20 Jahre 
alter entsprungener Fürsorge-Zögling Albert Flanz, der mit 
samt seinen Spießgesellen in das Untersuchungsgefängnis 
eingeliefert wurde. 
nirgend eine Bürgschaft für die Unmöglichkeit cincr.Wicber- 
holung ähnlicher Ereignisse, und die Zwangslage würde 
in einem späteren Fall für mich genau die nämliche sein 
wie in diesem Augenblick. Davor muß ich uns beide zu 
bewahren suchen. Und ich knüpfe die Gewährung meines 
Beistandes deshalb an die Bedingung, daß deine Firma 
— selbstverständlich unter vollster Erfällung'allcr ihrer Ver 
bindlichkeiten — sofort in Liquidation tritt, und daß diese 
Liquidation unter deinem Beistände durch eine von mir' 
beauftragte Vertrauensperson durchgeführt wird." 
„Und wie — wenn ich auf diese demütigende Bc^ 
dingung einginge, — wie sollte ich cs dann ansangen, 
meine Schuld zu tilgen?" 
Zum ersten Male seit dem Beginn ihrer Unterhaltung 
zeigte sich eine kleine Falte auf der Stirn des Konsuls. 
„Ich habe nicht den Wunsch, dich zu demütigen. Und 
ich furchte, wir werden nicht leicht zu einer Verständigung 
gelangen, wenn du es mir durch derartige Unterstellungen 
erschwerst, mit der gebotenen Offenheit zu reden. — Die 
Frage, wie deine Schuld zu tilaen sein würde, ist jetzt 
nicht das Wichtigste. Du weißt, daß ich dich nicht drängen 
werde, und du hast nach menschlicher Voraussicht noch ein 
langes Leben vor dir. Der Weg, den ich dir bahnen 
will, kann dich in absehbarer Zeit wieder zum Wohlstand 
führen, und dann werden wir auch die Frage der Zurück 
zahlung zum Gegenstand der Erörterung machen. Vor 
läufig weiß ich ja nicht einmal, ob du geneigt sein wirst, 
diesen Weg zu gehen." 
„Ich bin gespannt darauf, ihn kennen zu lernen, 
Cäsar." 
(AoMeyung lvtgl.)
        
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