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Periodical volume Nr. 200, 26.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Bei der Ausführung" städtischer Bauten, Rathaus, 
Schulbauten, Theater, Stadthalle usw. ist, ivcuu die Stadt, 
ganz abgesehen von der Einwohnerzahl, nicht in der Lage 
ist, aus dein Vollen ivirtschaften zn können, eine möglichst 
einfache Außenseite und eine möglichst zweckmäßige 
innere Einrichtung das wünschenswerteste. 
£okalcs 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die austerordenttiche geheime Gemcindeliertrctcr- 
sihttttg, die morgen Abend im Sitzungssaale des Reform- 
realgymnasiums stattfindet, wird sich, wie wir hören, mit der 
Verlegung des Wannseebahnhofes Friedenau und mit 
der Wiederherstellung des Reitweges im Südwest- 
korso beschäftigen. Der Minister hat angeordnet, daß der 
im Siidwestkorso s. Zt. zur Durchlegung von Straßenbahn 
linien beseitigte Reitweg wieder hergestellt wird. 
v Umänderung des Strastenbahnlörpers in der 
Rhcittstrasze. Wie wir schon eininal mitteilten, ist gestern 
Nachmittag mit den Vorarbeiten zur Umänderung des 
Straßcnbahnkörpcrs begonnen worden. Zunächst wird ein 
Hilfsgleis auf den Fahrdamm verlegt. Hierzu war die Be 
seitigung eines jBaumes an der Bordschwelle vor dem Hause 
Reff 56 notwendig. Unsere Gcmeindegärtncr hoben den 
Baum heute Vorinittag aus und verpflanzten ihn in die 
Rasenfläche vor seinem bisherigen Standort. 
o Zum Schuh der Brieftauben. Beim Beginn der 
Feldjagd werden den Grundeigentümern, Jagdberechtigten, 
Jägern und Taubenhaltern die Bestimmungen des Reichs 
gesetzes vom 28. Mai 1994, betreffend den Schutz der Brief 
tauben und den Brieftaubenverkehr im Krieg in Erinnerung 
gebracht. Zins demselben ist besonders hervorzuheben, daß 
Brieftauben nicht cingcfangen oder getötet werden dürfen. 
Auch gehören Brieftauben, die in ein fremdes Taubenhaus 
übergehen, nicht dem Eigentümer desselben. 
v Anläßlich der bevorstehenden Prüfungsarbeiten 
für die Herbstvcrsetznng an den Groß - Berliner Lehr 
anstalten seien die Elfern daran erinnert, daß verschiedene 
Anstaltsleiter sich infolge unliebsamer Vorkommnisse genötigt 
gesehen haben, bei zur Versetzung kommenden Schülern in 
den letzten 5 Wochen vor Schluß des Schuljahres keine 
Auskunft mehr über ihren Stand in der Klasse zu geben. 
Irgend welchen praktischen Wert können Anfragen in dieser 
Zeit doch nicht haben. 
o Mit der Asphaltierung der Kaiscrallee zwischen 
Spichernstraße und Rachodstraße bezw. zwischen Meierolto- 
straße und Hohenzollerndamm wird, nachdem der Flucht 
linienplan förmlich festgelegt ist, nunmehr begonnen. 
o Eine städtische Seefisch-Verkanfshalle hat die 
Stadt Schöncberg in der Dahnhofstraße am Wannseebahnhof 
Friedenau errichtet. 
v Ans 'Anlaß [ihrer Silberhochzeit gingen Herrn 
Rcchnungsrat Pöhl und Gemahlin (Cranachstraße 63 
ivvhnhaft) gestern im Laufe des Tages zahlreiche Glück 
wünsche zu. Der Friedcuauer Mäuncr-Turnverein, der 
Friedcnauer Pnrochialvcrein und der Flottcnverein ließen 
durch Abordnungen kostbare Angebinde überreichen. Auch 
von den Verwandten, von denKollegcn und denVorgesetzten des 
Jubilars liefen schöne Spenden ein. Uebcrgroß war dir 
Zahl der schriftlichen und telegraphischen Gratulationen, die 
auch noch fortgesetzt einliefen, als das Jubelpaar sich mit 
Verwandten und näheren Freunden in den Jakob Knoopschen 
Weinstuben, Bahnhvfstraße 3, zu einer frohen Feier vereinte. 
Die reichgedeckte Festtafel, mit der die Küche der bekannten 
Weinstuben wieder Ehre einlegte, wurde gewürzt durch 
launige Ansprachen und heitere Vorträge. Die Stimmung 
ivar demnach äußerst vergnügt, was wiederum zur Folge 
hatte, daß Jubilare und Gäste das seltene Fest bis zum 
hellen Morgen feierten. 
o Erteilte Banerlaubnis. Schildhornstr. 15. Bau- 
herrin und Ausführung: Ursum Baugesellschaft m. b. H., 
Berlin-Steglitz, Schildhornstr. 85. (Wohngebäude.) 
o Arbeit statt Almosen! Wer seufzt nicht darunter, 
wenn tagaus, tagein Bettler an seine Tür klopfen? Gibt 
man ihnen ctivas, die meisten vertrinken es, gibt man ihnen 
nichts, dann kommen einein ivohl Gedanken, ob mau nicht 
einen ivirklich Bedürftigen abgeivicsen hat. Diesem Nvt- 
i———MMeaa—annaiuuiiiJn—wn—wwm—ann mm 
„Was hält dich ab, liebe Margarete, deiner Groß 
mutter diesen Vorschlag zu machen?" 
Das bewegliche Mieneufpiel des rosigen Kindergesichts 
wurde plötzlich starr. 
„Der Großmama? — Ich? — Pfui, Helga, es ist 
nicht hübsch, ein unglückliches Geschöpf wie mich auch noch 
zu verspotten." 
„Ich denke nicht daran. Und wenn deine Angst vor der 
Großmutter wirklich so unüberwindlich ist, deinein Bruder 
gegenüber solltest du doch etwas weniger furchtsam fein." 
Die braunen Augen starrten ein paar Sekunden lang 
auf die weite Wasserfläche hinaus, und es ließ sich unschwer 
erraten, welcher Art die Gedanken waren, die sich während 
dessen hinter der weißen Mädchcnstirn jagten. Dann aber 
sank wieder in müder Hoffnungslosigkeit das hübsche Köpf 
chen, und sie sagte leise: 
„Ich sollte es nicht sein, nein, gewiß nicht! Aber ich 
kann doch nun mal nichts daran ändern, daß ich cs bin. 
Ich bin in der Furcht vor ihrer unnahbaren Korrektheit 
groß geworden. Und wenn sie mich nur ansehen, erstirbt 
mir auch schon das rebellische Wort auf de» Lippen. Ich 
würde vielleicht den Mut haben, irgend etwas Unerhörtes 
zu tun, aber niemals Mut genug, mit ihnen darüber zu 
reden." 
Helga ging zur Tür, und erst als sie schon auf der 
Schwelle stand, erwiderte sie: 
„Selbstverständlich habe ich auch keinen Augenblick im 
Ernst daran gedacht, daß du etwas Derartiges tun könntest. 
Das Auskunflsmittel, das dir in deiner Unerfahrenhcit so 
einfach scheint, wäre ohnehin wohl das allerletzte, dessen 
mein Bruder sich bedienen dürfte." 
„Aber kannst du nicht bei Cäsar ein gutes Wort für 
uns einlegen, Helga? Er gibt so viel aus dich, und du 
hast einen so großartigen Mut, iiuu alles zu sagen." 
„Nein, meine liebe Margaretes Auch wenn Cäsar der 
Man» wäre, sich von mir beeinflussen zu lassen, würde 
ich doch niemals solche Berautwürtuug auf nach nehmen. 
Wer nicht Blut oder Kraft genug hat, sich sein Leben 
stände abzuhelfen hat der alte Pastor von Vodelschwingh 
den Ruf erhoben: „Arbeit statt Almosen! Wer nimmt aber 
diese Leute, die oft den Halt verloren haben und land- 
mirtschaftliche Arbeit meist nicht verstehen, in Arbeit? Da 
hat Bodelschwingh für diese Leute Arbeitskolonien geschaffen, 
speziell für Berlin und die Provinz Brandenburg die 
Kolonien Hoffnungstal, Lobetal und Gnadental. Ueber 
6000 Leute' sind hier bisher bei den 420 Plätzen aufge 
nommen und haben 300 Morgen Obstplantagen aus Oed- 
laud geschasfeu. Roch sind die Bäumchen zn klein, um alle 
Ausgaben zn bestreiten. So konnnt statt' der 420 Leute 
ein einziger Kollcktant von Hoffnungstal und bittet um 
Mitarbeit zn dem Ziele Bvdelschwingh's: Arbeit statt 
Almosen für jeden Arbeitslosen. 
o Das Gauturnfest in Velten ist in allen seinen 
Teilen prächtig verlaufen. Rund 2000 Turner hatten sich 
in dem indnstriereichen Belten eingcfunden, Straßen und 
Plätze waren reich geschmückt und als schönste Gabe hatte der 
Himmel linde Lüfte und herrlichsten Sonnenschein über den 
Festort ausgebreitet, sodaß das sonst so nüchterne Kacheldorf 
einen ordentlich verklärten Eindruck machte. Mit dem Gau- 
sest verbunden war die Feier des 40 jährigen Bestehens des 
etwa 300 Mitglieder zählenden Männcr-Tnrnvereins Velten, 
dessen auf dein Festkominers am Sonnabend in den An 
sprachen des Ganvertreters, sowie des Gantunnvarts ehrend 
gedacht wurde. Der Letztere überreichte im Aufträge des 
Ausschusses der Deutschen Tnrncrschaft dem derzeitigen, um 
den Verein und das Turnen in Belten hochverdienteil Bor- 
sitzenden, Herrn Fabrikbesitzer Lehmann, den Ehrenbricf 
der Deutschen Tnrncrschaft. Lebende Bilder aus der Zeit 
der Freiheitskriege und gemeiilsame Lieder trugen weiterhin 
zum Gelingen des Kommerses, der in der BereinStmnhalle 
stattfand, bei. Schon am Sonnabend war eine so große 
Zahl Turner von außerhalb eingetroffen, daß cs nicht ge 
lungen war, sie alle in Biirgerqnartiercn unterzubringen, 
und der Wohnungsausschiiß zn dein Aushilfsmittel der 
Massen quartiere greifen inußte, doch waren die Friedenancr 
fast alle in der Bürgerschaft gut untergebracht. Der wunder 
volle Abend veranlaßte nach dem frühen Schluß des Kom 
merses die Veltener, noch ein paar fröhliche Stunden mit 
ihren Gästen in den verschiedenen Gartenlokalen beisammen 
zu bleiben, wo allenthalben bei Gesang und Gläserklang 
alte Freundschaften erneuert und neue Beziehungen ange 
knüpft wurden. Für alle diejenigen aber, welche sich am 
Sonntag an den turnerischen Wettkämpfen beteiligen wollten, 
hieß es, früh die Ruhe anfzlisuchcn, um den kommenden 
Anstrengungen gewachsen zn sein. Am Sonnabend nach 
mittag begann nach der Kampfrichtcrsitznng der Sechskampf, 
bestehend in Weitspringen, Stabhochspringen, Steinstoßen, 
Schlenderballwerfen, Laufen (150 Meter) und Freiübung, 
hierait schloß sich Sonntag in aller Frühe der Zwölfkampf, 
bestehend in Hochspringen, Gewichtheben (75 Pflmd) 100- 
Meter-Lauf, Freiübung und acht Uebungen an den 
Geräten Reck, Barren und Pferd. Die Wertnilg geschieht 
nach Punkten, die in den volkstümlichen Uebungen je nach 
-der Leistung bis zn 20, bei der Freiübung und den Geräte 
übungen bis zu 10 ansteigen. Diese Höchstzahlen werden 
indes bei den hohen Anforderungen nicht häufig erreicht 
und es gehören besonders gute Turner dazu, um beispiels 
weise ohne Brett 1,65 Meter hoch oder 6 Meter in die 
Weite einwandsfrci zn springen. Dem bisher üblichen 
Zwölfkampf der leistungsfähigsten jungen Turner ivar ein 
Zwölfkampf der älteren (vom 35. bis zum 46. Lebensjahre) 
und der ältesten (über 45 Jahre alten) Turner angegliedert. 
Hierfür waren die Anfordernngen dem Alter entsprechend 
ermäßigt. Dazu kamen im Laufe des Sonntags noch 
Wettspiele, Musterriegenturnen, ein Mannschastsdreikampf, 
Eilbotenlanfen, Frauenturnen am Barren und Sonderwett- 
kämpfe im Stnrmhochspririgen, Stabhochspringcn und 
Schlenderballwerfen, gewiß eine Fülle von Wettkämpfen, 
die aber sämtlich durchgeführt wurden dank der guten Vor 
arbeit der Gau- und Bezirkstnrnivarle und der Beharrlich 
keit der zahlreichen Kampfrichter, die unentwegt im Sonnen 
brände ihre, Verständnis und Unparteilichkeit erheischende 
Aufgabe lösten. Die Wettkämpfe gewährten ein anschau 
liches Bild von der Leistungsfähigkeit und dem ernsten 
Streben der Turner im Havelgau und man hatte oft 
Gelegenheit, in jeder Hinsicht erstklassige Leistungen zu be- 
nach eigenem Gnldünke» zu zimmern, der läßt slch's am 
besten von denen bauen, denen zugleich mit der Gewalt 
auch die Verantwortlichkeit auferlegt ist." 
Helga halte die Tür des Turingemaches hiiiier sich 
geschloffen und ging in ihr Zinimer hinüber. Da setzte sie 
sich ans Fenster, stützte den Kopf in die Hand und blickte 
in ernstem Sinnen über den Garten und auf den blin- 
leiiden Wasserspiegel hinaus, der ihr feit Jahren so lieb 
und vertraut geworden war wie das Haus, dessen Gast 
freundschaft sie genoß, und wie die Menschen, denen sie sich 
in all dieser Zeit so eng verbunden gesuhlt hatte. 
Aber ihr war, als sei mit einem Male anders ge 
worden, wie es gewesen, als habe sich plötzlich ein Riß 
ausgetan zwischen ihr und der Welt, der sie sich doch un 
trennbar zugehörig geglaubt. 
Die fernen Hamburger Kirchtüme waren inzwischen 
ganz im dicken, grauen Dunst verschwunden, und Helga 
wußte, daß der schwere Tiefiandncbcl innerhalb weniger 
als einer Viertelstunde auch den jetzt noch tiefblau 
schimmernden Fluß mit seinein mißfarbigen Schleier be 
deckt haben würde. 
Da dachte sie an ihres Verlobten begeisterte Schilde 
rungen seiner sonnigen Heimat mit ihrer leichten, klaren, 
durchsichtigen Luft und ihren fröhlichen, herzenswarmen 
Menschen. Und zun, ersten Male überkam sie ein Sehnen 
nach diesem Lande, das ihrer grauen, nordischen Heimat 
so unähnlich sein mußte, wenn Huberts feurige Loblieder 
auch nur zu einem kleinen Teile der Wirklichkeit entsprachen. 
So erwartete sie, schwerer Gedanken voll, die Rück 
kehr ihres Bruders. 
4. Kapitel. 
Ruhig und würdevoll, mit kühlem aber keineswegs 
unfreundlichem Gesicht, hatte sich der Konsul Cäsar Frede- 
rlkjen beim Eintritt seines Vetters aus dem Ledersessel vor 
dein mächtigen Schreibtisch erhoben. Und die Art, wie er 
ihm die Hand reichte, war nicht kälter und gemessener, als 
wundern. Sonntag Mittag 1 Uhr setzte sich von der Turn 
halle ans der imposante Festzug in Bewegung, in dem 40 
Fahnen »nd Banner mitgeführt wurden. In besonders 
stattlicher Zahl waren die Vereine der Vororte Berlins 
(Schöneberg, Steglitz, Zehlendorf, Friedenau u. a.), sowie 
die märkischen Städte (Potsdam, Spandau, Rathenow, 
Oranienburg, Nauen, Teltoiv) vertreten. Bürgermeister 
Zieger, der mit den Gcmeindeverordneten erschienen war, 
hieß auf dem Festplatz die Turner willkommen, hob den 
Wert des Turnens, das erst vor kurzem in Leipzig erneut 
seine Probe bestanden habe, hervor und gedachte zuin 
Schluß des Kaisers als des Förderers aller gesunden 
Leibesübungen. Gauvertreicr Paul Kunzcndorf dankte den 
Behörden, der Bevölkerung und dem Veltener Verein für die 
gastliche Aufnahme. Allgemeine Bewniideruiig erregten 
dann die exakt ausgeführten Freiübungen aller Turner. 
Den weiteren Teil des Nachmittages füllten die bereits er 
wähnten Vorführungen aus. Den Zuschauern, unter denen 
sich auch viele Berliner befanden, bot sich ein wechselvolles 
Bild und dicht gedrängt verfolgten die Scharen besonders 
das Mustcrriegenturncn und den Eilbotenlauf. Jnzmischeir 
waltete der Verechnungsausschuß im naheliegenden Schützen 
hause seines mühsamen Amtes, die vielen Tausende von 
Punktzahlen der Kampfrichterlisten zu einer geordneten 
Uebersicht zu bringen, um die Sieger, die Besten jeder 
einzelnen Wettkampfgruppe, zu ermitteln. Es gelang, noch 
ehe der Abend hereinbrach, alles, auch die künstlerischen 
Ehren-Urkunden, fertig zu schaffen und dichtgedrängt 
umstanden Turner und Zuschauer die Bühne, von der aus 
die Gauturnmarte die Namen der glücklichen Sieger ver 
kündeten. War auch schon so manches von den Ergebnissen 
durchgesickert und inzwischen bekannt geworden, so wurde 
doch jeder neue Name mit Jubel begrüßt. Stolz zogen die 
mit dem Eichenkranz geschmückten, kräftigen Gestalten der 
Sieger im Kreise ihrer Vereinsgenossen vom Festplatz, alle 
aber froh des schönen Tages und des wohlgclnngenen Festes. 
Auch der Männer-Turnverein Friedenau konnte 8 Sicges- 
kränze und 1 Vereinsdiplvm in Empfang nehmen. An 
dem Zwölfkampf, dein schwierigsten, weit umfassendsten 
Wettbewerb, hatten sich 100 Mann beteiligt, von diesen er 
hielten 49 über 100 Punkte und damit Kranz und Diplom. 
Erster wurde Turnlehrer Karl Gutsch-Schöneberg mit 137 
Punkten, zweiter Rottmann-Wilmersdorf mit 128 Punkten, 
dritter Drechsler-Schöncberg mit 127 und nach einigen 
weiteren Siegern aus Spandau, Rathenow usw. wurden 
G. Pählchen mit 113 l / 2 , K. Gallin mit 112, E. Pählchen 
mit 111 und K. Wirth mit 1047s Punkten aufgerufen. 
An den: Zwölfkampf der Aelteren hatten sich 40 Turner 
beteiligt, hier wurde Gvctsch-Rathenow mit 139 Punkten 
erster Sieger, von den Friedenauern wurde Kuke mit 135'/, 
dritter, Altcnkrüger mit 122'/, neunter, Spindler mit 115 
sechzehnter und Schimkat mit 113 neunzehnter Sieger. Im 
Sechskampf, beit 160 Turner bestritten, wurde Heuningcr- 
Steglitz mit 101 1 / 2 Punkten erster. Bon den zahlreichen 
Musterriegen gelang es der Altcrsriege des Männcr-Turn- 
vereins Friedenau unter ihrem Vorturner Fehler den ersten 
Platz unter den Altersrjeg.cn zu erobern und mit dem 
Ehreiidiplom ausgezeichnet zn werden. 
o Deutscher Bund zur Bekämpfung der Franen- 
emanzipation. Die zweite Jahreshauptversammlung des 
Bundes findet ain Sonnabend, den 11. und am Sonntag, 
dem 12. Oktober d. Js., in Berlin statt. Die Tagung ist, 
wie folgt, geplant: Am 11. Oktober, Abends 1 / 2 8 Uhr im 
großen Saal des Künstlcrhauses, Bellevuestr. 3, geschlossene 
Mitgliederversammlung. Am 12. Oktober, von Nachmittags 
4 Uhr an in der Phiiharmonie, Bernbnrgerstr. 23-233: 
öffentliche Versammlung. Es werden folgende Vorträge ge 
halten: Richard Döring-Hamburg: Das Fortbildungsschnl- 
wesen im Dienste weiblicher Berufspolitik. Obiulehrer 
Oberzehren-Kiel: „Die Frauen im kommunalen und staat 
lichen Dienst." Schriftführer Wilh. Schäfer-Carlshorst: „Die 
Gefahr, die in der Beeinflussung der weiblichen Jugend 
durch frauenrcchtkerischc 'Verbände besteht." Pfarrer Julius 
Werner-Frankfurt a. M.: „Die Stimnuechtsforderungen in 
der modernen Frauenbeivcgung, ihre Wurzel und ihr Ziel." 
Außerdem wird noch Herr Oberbürgermeister Rveslcr- 
Schmaltaldcn einen Vortrag halten. Im Anschluß an die 
Vorträge findet, wie auch im vorigen Jahr, eine freie Aus- 
es bei gejchajtlichen.Besuchen seiner Gepflogenheit ent 
sprach. 
„Guten Tag, Henry! Entschuldige, daß ich dich hierher 
bemüht habe. Aber ich bin sehr in Anspruch genommen. 
Und ich meine, unsere Angelegenheit bespricht sich am 
besten hier." 
Cr war um ein Erhebliches größer als der junge 
Bantier, starkknochig nnd breit, mit einen, merklichen Ansatz 
zu frühzeitiger Beleibtheit. Das ausrasierte Knin zwischen 
den nach englischer Made geschnittenen Bartkotelettes und 
der Umstand, daß sein blondes Haupthaar sich über der 
Stirn bereits zu lichte» begann, ließen sein lebhaft ge 
färbtes Gesicht noch größer erscheinen. Und es waren so 
ausgeprägte Züge von selbstbewußter Willenskraft in 
diesem von klaren, grauen Augen beherrschten Gesicht, daß 
man leicht die imponierende Wirkung zu begreifen ver 
mochte, die Cäsar Frede,iksens Persönlichkeit im geschäftlichen 
wie im gesellschaftlichen Verkehr zu üben pflegte. Ob 
wohl nichts Durchgeistigtes iu seinem großflächigen Antlitz 
war, hatte er doch das Aussehen eines bedeutenden 
Mannes. Und die peinliche Sorgfalt jeincr Kleidung, die 
gelassene Würde seiner Haltung und seiner Bewegungen 
machten seine äußere Erscheinung vollends zu einer Ver 
körperung vornehmer Sicherheit und überlegenen Selbst 
vertrauens. 
Er hatte einladend auf einen zweiten Sessel gedeutet 
und sich dann sogleich wieder in den [einigen niederge 
lassen. Leicht zurückgelehnt, mit über der Brust verschräiitten 
Armen, ivartete er ach das erste Wort seines bleichen, 
mühsam gegen die mächtige Erregung kämpfenden Be 
suchers. 
„Ich brauche mich nicht mit langen Einleitungen auf 
zuhalten, Cäsar! — 'Meine beiden Telegramme haben 
dir alles gesagt." 
„Alles doch wohl noch nicht. — Und die erste Be 
stürzung ließ dich, wie ich hoffe, in deinen Depeschen 
einiges übertreiben." 
(Sortierung ,otgr.)
        
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