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Periodical volume Nr. 200, 26.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriederrauer 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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Nr. 200. 
Werlin-Ariedenau, Dienstag, den 26. August 1913. 
20. Zaßrg. 
vepelcken 
Letzte Nadirickten 
Berlin-Grunewald. Der Amts- und @emciube= 
Vorsteher von Berlin-Gruneivald, Direktor B. Wieck, ist heute 
Vormittag in seiner Villa, Herthastr. 4, einem Herzschlage 
erlegen. 
Friedrichshagen. Eine schreckliche Entdeckung machte 
ein Friedhofsbeamter Hierselbst. Als er um den Gemeinde- 
sriedhof herumging, sah er am Zaun die Leiche eines jungen 
Mannes, der sich erhängt hatte. Der Tote ist der 23 jährige 
Tischler Alfred Birkner aus der Seestraße. 
Catania (Sizilien). In der vergangenen Nacht ist 
über die Stadt ein schiverer Aschenregen niedergegangen. 
Ans dem Aetna steigt eine dichte Rauchwolke empor und 
man hört aus weiter Ferne ein dumpfes Rollen. Es wird 
geglaubt, daß ein neuer Ausbruch des Aetna bevorsteht. 
Wien. In militärischen Kreisen werden die wieder 
holt aufgetauchten Gerüchte von dem bevorstehenden Niick- 
tritt des Gencralstabschefs Conrad von Hötzendorf bestätigt. 
Es heißt, das General Csiczerits, der an dem russisch 
japanischen Kriege als österreichischer Militärattache teil 
genommen und ein vielbeachtetes Werk über seine Er 
fahrungen in diesem Feldzug geschrieben hat,, zu seinem 
Nachfolger ausersehen sei. 
Paris. In Bayonne in Sndfrankreich ist gestern die 
Witwe des aus dem Kriegsjahre 1870 bekannten Generals 
Bourbaki im Alter von 85 Jahren gestorben. General 
Bourbaki trat, um der deutschen Gefangenschaft zu entgehen, 
auf schweizerisches Gebiet über. 
London. Wie aus Mexiko hierher gemeldet wird, 
sind dort der Deutsche Erich von Thadn und ein Engländer 
namens Seymour Loughton auf einer Reise in der Nähe 
von Coahuacan ermordet anfgefimden worden. Beide 
hatten über eine Million Dollar in Banknoten bei sich, die 
sich nicht mehr bei ihnen vorfanden. Es liegt offenbar 
Raubmord vor. Die Behörden haben bisher keine Spur 
von den'Mördern. 
Konstantinopel. Einerder bulgarischen Delegierten, 
die dem Unterhändler Natschewitsch beigegeben sind, erklärte, 
die hier verbreiteten Gerüchte, daß Rußland schließlich doch 
noch in die Adrianopeler Frage energisch eingreifen werde, 
seien absolut falsch. Er sagte ferner, daß augenblicklich die 
Verhandlungen bezüglich Adrianopels ruhen, da Bulgarien 
diese Frage ganz den Großmächten überlassen wolle. Da 
gegen mache man sich in Sofia mit dem Gedanken vertraut, 
daß die Angelegenheit sich längere Zeit hinziehen wird. 
PatHzierblut. 
Roman von Reinhold Ortmann. 
5. (Nachdruck verboten.) 
„Was mußtest du der Großmutter versprechen, Mar- 
garete?" 
„Nie mehr an ihn zu schreiben, und jeden Brief, 
den ich etwa von ihm erhallen würde, unerösjnet der 
Großmama zu übergeben. Nur unter dieser Bedingung 
wollte sie mir verzeihen." 
„Und um ihrer Verzeihung willen hast du das ver 
langte Versprechen gegeben? — Du hast dich alio schon 
mit dem Gedanken abgesunden, auf Henri) zu verzichten?" 
„Wie fühllos du fein kannst, Helgal — Mit dem 
Gedanken abgefunden —l — Als wen» man sich mit so 
etwas überhaupt jemals abfinden könnte! Natürlich werde 
ich daran sterben — und je eher ich sterbe, desto besser ist 
es für mich. Ich habe Henry doch so lieb gehabt, so un 
aussprechlich lieb." 
„Wenn es so ist, hast du deine Großmutter dann nicht 
wenigstens gefragt, weshalb sie einer Bewerbung meines 
Bruders so bedingungslos ihre Zusliimnung verweigern 
müßte? Und hast du gar keinen Versuch gemacht, dein 
Glück zu verteidigen?" 
„Das hätte ich wagen sollen? — Der Großmama 
gegenüber? — O Helga, ich verstehe dich heute gar nicht. 
— Du kennst sie doch ebensogut wie ich. Würdest du viel 
leicht den Mut haben, ihr zu widersprechen?" 
„Was ich in einem solchen Fall wagen oder nicht 
wagen würde, kann für dich nicht bestimmend sein, liebe 
Margaretei Denn ich bin von meiner Großtante ja in viel 
geringerem Maße abhäygig als du. Und ich d.nke nicht 
daran, dich zum Ungehorsam aufzuwiegeln, wenn, der 
Gehorsam kein allzu schweres Opfer für dich bedeutet. 
Irgendeinen Auftrag für Henry hast du mir unter solchen 
Umständen wohl nicht mehr zu geben?" 
Margaretes Tränen flvffen noch reichlicher, und ihr 
Zur kulturellen Bedeutung der 
6em ein de ver waltun gen. 
Von Oberbürgermeister a. D. Veseter. 
(Schluß.) 
Die Behauptung, daß städtische Einrichtungen die erste 
Stelle gesundheitlicher Einrichtungen einnehmen, wird kaum 
auf Widerstand stoßen, also zentrale Wasserversorgung, 
Kanalisation, Krankenhaus, Schlachthaus. Alle diese Ein 
richtungen sind sehr kostspielig, aber ihre Finanzierung wird 
für die Stadtkasse durch mancherlei, zum Teil auf Gesetz 
beruhenden möglichen Maßnahmen erleichtert. 
Der Bezug von Wasser aus der städtischen Wasser 
leitung kann auf dem Wege des Statuts dadurch obliga 
torisch gemacht werden, daß die öffentlichen Brunnen viel 
leicht bis auf eine geringe Zahl, die zur Benutzung in Not 
fällen, wenn die Wasserleitung versagt, stehen bleiben, ge 
schlossen werden und alle bebauten Grundstücke an die 
Leitung angeschlossen werden müssen. Für die Benutzung 
ist ein Wasserzins zu heben, bei dessen Höhe der Wert der 
Häuser mit in Betracht zu ziehen ist. Bei der Kanalisation 
ist dementsprechend zu verfahren. Eine Schlachthausaulage 
braucht der Stadt überhaupt keine Kosten zu machen. Die 
sämtlichen dadurch entstehenden laufenden Kosten müssen 
nach dem Gesetz die Schlächter tragen, daß dadurch mit 
Notwendigkeit oder auch nur mit Wahrscheinlichkeit, eine 
Steigerung der Fleischpreise eintritt, ist sehr unwahrscheinlich. 
Sollten die Schlächter dies versuchen, wird die Stadt durch 
Regreßmaßregeln (Schlachten für städtische Rechnung) es 
verhindern können. Bei den Bau von Krankenhäusern 
werden Verzinsung und Amortisation der Bausumme, sowie 
die Betriebskosten durch die Einnahmen zum größten Teil 
gestellt werden können. Unter Umständen wird es möglich 
sein, durch gemeinschaftliche Anlage mit dem Kreis oder 
einen Teil des Kreises die Finanzierung zu erleichtern. 
Nicht unter die gesundheitlichen und aus diesem Grunde 
durchaus notwendigen Anlagen gehört eine zentrale Be 
leuchtung, Gas und elektrisches Licht. Es wird nur noch 
wenige Städte geben, die nicht durch Gas oder elektrisches 
Licht beleuchtet werden. Diejenigen, die bisher überhaupt 
noch keine zentrale Beleuchtung haben, sind vor die Frage 
gestellt, welcher von beiden Beleuchtungsarien sie den Vorzug 
geben wollen. Die Vorzüge resp. Nachteile der beiden Be 
leuchtungsarten sind folgende: Gas kann meist billiger ge 
liefert werden und für Straßenbeleuchtung in Laternen 
ist es auch wirkungsvoller als elektrisches Laternenlicht. 
Außerdem kann durch Gasbogenlicht nahezu derselbe 
Leuchteffekt erzielt werden, wie durch elektrisches Bogen 
licht. Gas hat in der Hauptsache folgende Nachteile > 
gegen elektrisches Licht: Trotz der Erfindung des Gasglüh- 
lichts beeinflußt das Gas, und zwar als Licht- und als 
Jndustriegas, doch immer noch bis zu einem gewissem Grad 
die Luft in einem geschlossenem Raum für Menschen und 
schianree reorper eiziuerte in verzweifeltem <-e»chuchzen. Sie 
antwortete nicht, und erst als Helga willcns schien zu 
gehe», gewann sie es über sich, stoßweiße zu er 
widern : 
«Mein Himmel, ich — was sollte ich — ihm — ihm 
denn sagen lassen? — Ich — für mich — ist ja nun doch 
alles vorbei." 
„Gut — ich werde es ihm ausrichten." 
Helga löste sich beinahe unsanft aris der Umarmung 
der Weinenden. Aber als sie ein paar Schritte gegen die 
Tür hin gemacht hatte, rief Margarete mit flehend erhobe 
nen Händen: 
„'Nein — geh' nicht fort — geh' nicht so von mir 
fort, Helga! — Sage mir doch, was ich tun soll! — 
Siehst du denn nicht, wie elend ich bin und daß — daß 
ich daran sterbe?" 
„Man stirbt nicht an dergleichen, liebe Marga — zu 
mal, wenn man eine Frederiksen ist. Und nicht von mir 
darfst du einen Rat erwarten, den dir in solcher Lage 
niemand geben kann als dein eigenes Herz." 
„Ach, du bist gerade so grausam wie alle die anderen. 
Wenn ich nur wüßte, warum ich jetzt mit Gewalt un 
glücklich gemacht werden muß! — War Henry nicht hier 
immer wie ein Kind des Hauses? Und hat er mich nicht 
oft genug an meinem Geburtstag oder wenn er von einer 
Reise zurückkam, in Gegenwart der Großmutter geküßt, 
ohne daß sie Einspruch dagegen erhoben hätte? Was hat 
er denn nur verbrochen, daß sie jetzt mit einem Male so 
verächtlich von ihm spricht wie von irgendeinem hergelaufenen 
Menschen?" 
„Hat sie das getan, die Großtante?" fragte Helga mit 
aufwallender Bitterkeit. „Nun, vielleicht kann ich dir über 
die Veranlassung Aufschluß geben. — Mein Bruder hat 
schwere Verluste gehabt. Sein Geschäftskeilhaber hat sich 
an fremdem Gute vergriffen, und Henry wird als ehr 
licher Mann für den angerichteten Schaden einstehen 
müssen. Es mag wohl geschehen, daß die Katastrophe 
ihn fein ganzes Vermögen kostet." 
für Blumen ungünstig. Beide Nachteile hat die elektrische 
Beleuchtung nicht im Gefolge. Aber an Stelle der 
Explosionsgefahr tritt bei elektrischer Beleuchtung der soge 
nannte Kurzschluß, der bekanntlich nicht selten bedeutenden 
Schaden angerichtet hat. In welchem Verhältnis etwa die 
Zahl der Gasexplosionsfälle zu der Zahl der Kurzschluß 
unfälle steht, ist mir nicht bekannt. Daß elektrische Licht 
in manchen Fällen im Hause schneller und bequemer hervor 
zubringen ist als Gaslicht, ist richtig; aber die Gastechnik 
hat hier auch in manchen Fällen Einrichtungen erfunden, 
durch die dieser Vorzug des elektrischen Lichts weniger ins 
Gewicht fällt. Zuletzt sei noch erwähnt, daß das elektrische 
Licht den Vorzug des „modernen" hat, was immerhin zu 
beachten ist namentlich für solche Städte, die in erster Linie 
auf einem Luxuszuzug angeiviesen sind. 
Für Städte, die eine Gasanstalt haben, die einen guten 
Geivinn abwirft, kvird die Frage, ob sie statt des Gaslichts 
elektrisches Licht oder ein gemischtes System einführen sollen, 
znm großen Teil eine Finanzfrage sein. Wenn sie durch 
die Abschaffung des Gaslichts oder durch die Einführung 
des gemischten Systems eine wesentlich in Betracht kommende 
Einbuße erleiden würden, wird es im Zweifel ratsam sein, 
es bei dem bisherigen Zustand zu belassen, da, wie oben 
gezeigt, die Vorzüge der elektrischen Beleuchtung vor 
der Gasbeleuchtung einen solchen Schritt kaum rechtfertigen 
können. 
Dafür, daß Spielplätze, Turnanstalten und, wenn tunlich, 
Bade- und Schwimmanstalten für Erwachsene und 
Kinder zur Verfügung stehen, müssen auch Mittel- und 
Kleinstädte unbedingt sorgen, soweit dies kein Privatunter- 
nehmen tut. Unnötiger Luxus ist dabei zu vermeiden, den 
Unbemittelten die Benutzung unentgeltlich oder doch gegen 
eine geringe Gebühr zu gestatten. 
Daß die Anlegung von Straßen und Plätzen in allen 
Städten hauptsächlich mit Rücksicht auf die Verhältnisse und 
erst in zweiter Linie unter künstlerischen Gesichtspunkten, 
falls die Berücksichtigung der letzteren der Kosten wegen 
überhaupt möglich ist, anzulegen sind, ist selbstverständlich. 
Die Verkehrsverhältnisse werden in jedem einzelnen Fall für 
die Breite der Straßen und Gehwege und für die Art ihrer 
Befestigung entscheidend sein inüssen. Daraus ergibt sich, 
daß es iin Zweifel sich empfiehlt, neue Fahrstraßen von 
vornherein so anzulegen, daß sie voraussichtlich einem be 
deutend gesteigerten Verkehr genügen und so zu befestigen, 
daß in nicht zu langer Zeit keine Hauptreparaturen er 
forderlich sind. Sie, namentlich in Kleinstädten, in allen 
Gegenden der Stadt, mit allerbestem Material zu pflastern, 
wird wegen der Kosten sich kaum empfehlen. Eine solide 
angelegte Chaussee, die nach dem neuesten Prinzip sorg 
fältig niit Teer behandelt ist, wird in vielen Fällen genügen. 
Diese Art der Befestigung dürste auch in vielen Fällen für 
die Gehwege ausreichen. 
Murgure.es braune Augen winden großer vor Ueber- 
rafchung, aber ihre Tränen waren mir einem Riale 
versiegt. 
„Und das sollte alles sein, Helga? — Weiter hätte er 
nichts getan?" 
„'Nein, weiter nichts! — Scheint dir das noch nicht 
des Verbrechens genug?" 
„Ach, Unsinn! — Verluste kann Cäsar doch ebensogut 
erleiden. Und davor, daß einer seiner Angestellten mal 
eine Unredlichkeit begeht, ist er auch nicht sicher. Wenn 
es weiker nichts ist als das " 
»Es kann ihn sein ganzes Vermögen kosten," wider- 
holte Helga mit Nachdruck; aber Margarete bewegte un 
geduldig die Schultern. 
„Nun, und wenn schon —! — Das wäre ein Unglück, 
aver kein Verbrechen. Wenn man von Haus aus so wenig 
besitzt wie der arnie Henry, kann man es natürlich auch 
leichter verlieren, als der Großvater feine Millionen ver 
lieren konnte. Als ob ich nicht ganz genau wüßte, daß 
Cäsar schon mehr.als einmal hunderttausende aufs Spiel 
geletzt hat. Und dabei hat er ein altes, anocsehenes Ge 
schäft. das ganz von selbst geht, während sich Henry mit 
seinem kleinen Kapital erst >n die Höhe arbeiten wollte. 
Es ist ungerecht und abscheulich, ihm einen Vorwurf 
daraus zu machen, daß es schief gegangen ist." 
Ihre Verzweiflung hatte sich vorübergehend in hellen 
Zorn gewandelt. Und für eine Hamburgerin legte sie in 
ihrem Aussehen wie in der Lebhaftigkeit ihrer Rede er- 
staunlich viel Temperament an den Tag. Aufmerksam und 
forschend ruhten Helgas klare Augen auf ihrem erregten 
Gesicht. 
„Einen armen Mann aber könntest du doch nicht 
heiraten, Marga l" 
„Warum denn nicht? — Bis ich nicht re'ch genug? — 
Meine Mitgift ist doch gewiß viel, viel größer als alles, 
was Henry jemals besessen hat. Und wenn er ge> ade jetzt 
das Geld so gut brauchen kann, wäre es jedenfalls das 
einfachste und richtigste gewesen, man hätte mich so schnell 
als möglich mit ihm verheiratet.".
        
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