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Periodical volume Nr. 222, 21.09.1913 2. Beilage zu Nr. 222

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

alsbald die Genehmigung der vorgesetzten Behörden ein 
geholt und im übrigen die Ausarbeitung de« besonderen 
Entwurfes und Kostenanschlages vorgenommen werden 
kann. Außerdem empfehlen wir dem Vorschlage der 
Schuldeputatton entsprechend im Anschluß an die vorge- 
sehenen Räume der Kochschule einen Raum einzurichten, 
ln dem evtl. Speisung bedürftiger Kinder stattfinden kann. 
Nähere Erläuterungen der EatwursSsktzzen werden in der 
Sitzung mündlich gegeben werden. 
Lokales- 
INachdrnck unserer o-Origtnalartikel nur mit Quellenangabe gesta tte! 
o Kaiser« Geburtstags-Festmahl der Gemeinde. 
Wie wir erfahren, haben sich zu dem von der Gemeinde 
vertretung veranstalteten Herren-Festeffen zu Kaiser-Ge- 
üurtStag am Montag, dem 27. Januar d. IS. schon eine 
Reihe von Teilnehmern gemeldet. Unter diesen befinden 
sich aber btS jetzt nur wenige Handel- und Gewerbe 
treibende, was umso auffälliger ist, alS die Gemeindever 
waltung gerade auf das Drängen aus diesem Kreise dem 
biestgen Restaurateur und Stadtkoch Feldmann die 
Lieferung des Festmahls übertragen und dieser für die 
Güte der Speisen volle Garantie übernommen hat. Um 
Vorkommniflewie beimvorjährtgen Festmahl zu Verhüten, hat 
d r Gemeindevorstand mit dem Lieferanten vereinbart, daß 
jeder Gang zweimal herumgereicht und seine Rechnung 
entsprechend gekürzt wird, wenn die einzelnen Gänge nach 
dem Urteil deS FestauSschuffeS hinsichtlich der Güte und 
Menge zu wünschen übrig lasten. Wie noch bekannt sein 
dürfte, hat Herr Frldmann bereits im Jahre 1909 daS 
Festmahl ausgerichtet und die damaligen 125 Teilnehmer 
durchaus zufriedengestellt. Wir glauben deshalb, daß rS 
nur dieses Hinweises bedarf, um auch die Gewerbetreibenden 
unsere« Ortes zu einer stärkeren Beteiligung anzuregen, 
und einen der ihrigen dadurch zu unterstützen. Ein Anlaß 
zur allgemeinen Teilnahme an diesem patriotischen Fest 
mahl, daS in dem schönen Festraum deS Reform-Real- 
gymnastumS stattfindet, ist diesmal erst recht gegeben, weil 
ja, wie wir bereits mitgeteilt haben, der BllrgerkommerS 
tn diesem Jahre unterbleibt. - Die EinzeichnungSlisten 
liegen in den in der heutigen Veröffentlichung deS FestauS- 
schusteS bezeichneten Stellen noch bis zum 24. d. M. aus. 
o Die Dienstrckume der Amts- und Gemeinde 
verwaltung und dcS Standesamts werden am Geburts 
tage deS Kaisers um 1 Uhr, die der Amis- und Gemeinde 
kaffe am selben Tage um'12 Uhr für den Publikumoer- 
kehr geschloffen. 
o Zur Frage der Errichtung einer Land- 
krankenkaffe hat der Vorstand der hiesigen Ortskranken 
kaffe den Gemetndeverordnetrn folgendes Schreiben zu 
gehen lasten: 
Im Hinblick auf die am Donnerstag, dem 23. d. M. stattfindende 
G'meindcvertreterfitzllno, auf deren Tagesordnung außer der Ansge- 
staltung der hiesigen OrtSkrankenkafle zur Allgemeinen Ortkkranken- 
kaffe, noch rin Antrag auf Errichtung einer Landkcankenkaffe steht, 
glauben wir tn Wahrnehmung berechiigter Interessen zu handeln, 
wenn wir Cie bitten, Ihren Einfluß gegen die Errichtung einer Laud- 
kraukenkaffe geltend zu machen. Zn der Erläuterung deS Gemeinde- 
vorstandes wird die Zweckmäßigkeit für blt Errichtung damit be- 
gründet, baß be! der in Friedenau vorhandenen außerordentlich hohen 
Zahl von Dienstboten (4300) die Existenzberechtigung gegeben sei. 
Nicht genügend berücksichtigt erscheint uns indes der Umstand, daß 
doch zweifelsohne ein großer Teil der Diensthernschaften von dem ihr 
zusteherden Rechte, ihr Dienstpersonal bei privaten Gesellschaften zu 
versichern, Gebrauch machen wird, welches umsomehr zu erwarten steht, 
alS dort nicht nur niedrige Beitragssätze erhoben werden, sondern 
außerdem die listigen Meldevorschristen tn Fortfall kommen. Abge- 
sehen jedoch von der vorerwähnten Existenzmöglichkeit erscheint unS 
der B<weiS für ein Bedürfnis keineswegs als erbracht. Wir stehen 
vor wie nach auf dem Standpunkt, baß Landkraukcnkaffen nur dort 
errichtet weiden sollten, wo eL die Eigenart der ländlichen Bevölke- 
rung erheischt. Andererseits stehen wir nicht an zu erklären, daß die 
Gründung von Landkrankenkaffen in Bezirke mit durchweg groß- 
städterischer Bevölkerung eine unerwünschte Zersplitterung im Kasten 
wesen bedeute, welche weder im Zntereste der Arbeitgeber noch der 
Derficherten selbst liegt, daß eine größere Kaste bei gleicher Verteilung 
der Risiken nicht nur verwaltungslechnisch, sondern auch in materieller 
Beziehung leistungsfähiger sein wird, dürste einem Zweifel wohl kaum 
unterliegen. Nachdem der Gesetzgeber in sozial weitsichtiger Weise den 
Kreis der Versicherten auch auf die Dienstboten ausgedehnt hat, liegt 
eS nunmehr an den einzelnen Gemctndekörpcrschaften, die gesetzliche 
Einrichtung so zu treffen, daß sie zum Segen und zur Wohltat der 
Versicherten, für wclr.e sie geschaffen find, verwirklicht werden. Wir 
bitten daher nochmals ganz ergebenst, den Antrag deS Gemeiudevor 
standcs betreffend der Ausgestaltung der hiesigen OrtS-Kraukeukaste 
zur Allgemeinen Ortskrankenkaste zuzustimmen und den Antrag auf 
Errichtung einer Landkrankenkaffe abzulehnen, wie dieses bereits eine 
große Anzahl von Gemeinden, wie Berlin, Schöneberz, Charlotten, 
bürg, Lichtenberg, Pankow, Wcißensce, Lichlerselde und andere bereits 
getan haben. 
Benehmen mich befremdet hat," ermtderte Julius sehr 
zurückhaltend. Cr hätte viel darum gegeben, hätte er ihr 
anders entgegentreten können, aber er fühlte die Not 
wendigkeit, ihr nicht viel entgegenzukommen. Sie war 
ihm sehr sympathisch, und er wollte das, was sie ihm zu 
sagen hatte, mit günstigem Ohr anhören, aber er durfte 
nicht vergessen, daß Inspektor Black großes Interesse an 
ihr nahm und zwar im Zusammenhang mit einer sehr 
häßlichen Geschichte. 
„Ich muß Ihnen vor allem danken," fuhr sie fort, 
„daß Sie mich vor meinen Verwandten nicht verraten 
haben. Sie haben keine Ahnung, welcher Demütigung 
sie mich ausgesetzt hätten, wenn Sie mir nicht ganz fremd 
begegnet wären. Die Gräfin und Herr Scharnock hätten 
den Schritt, den ich damals getan und den ich Ihnen jetzt 
zu erklären versuchen werde, sehr streng aufgefaßt." 
„Ich habe nur getan, gnädiges Fräulein, was ich als 
gebildeter Mann tun mußte," erwiderte Julius sehr steif. 
„Unsere Bekanntschaft, wenn man cs überhaupt so nennen 
kann, war eine so flüchtige, daß ich selbstverständlich ab 
warten mußte, ob Sie sie fortzusetzen wünschten." 
„Wenn Sie so sprechen, Herr Doktor, so ist es ebenso 
demütigend für mich. Ihnen mein Geständnis zu machen, 
als wenn ich meinen Verwandten die Sache hätte er 
klären müssen," sagte Fräulein Maitland und schaute ihn 
Mt einem furchtsamen Blick an, den er wenigstens teil 
weise für gemacht hielt. „Aber ich muß es schon darauf 
hin wagen, denn es liegt mir viel daran, mich in Ihren 
Augen zu rechtfertigen. Erstens, weil Sie meinem Wunsch, 
Sie nicht zu kennen, so bereitwillig entgegenkamen, und 
zweitens, weil es doch unangenehm wäre, öfters zufaminen- 
AUtreklen, — und das wird sich wohl.nicht vermeiden 
o Eine Sitz««- de« Teltower Krei«t«ge-, an 
der auch die Frievenauer KreiStagSabgeordneten, die Herren 
Bürgermeister Walger und Schöffe Boche, teilnehmen, 
findet am Donnerstag, dem 6. Februar 1913, Nachmittag« 
2»/z Uhr» mit folgender Tagesordnung statt: 1. Prüfung 
der Wahl und Einführung der neugewählten Kreistag«- 
abgeordneten; 2. Wahlen; a) für den Zweckoerband Groß- 
Berlin, d) eine» Mitglieder des KanalverwaltungSratS, 
c) einer Provinziallandtagsabgeordneten, d) der Mitglieder 
der Wahlkommisston zur Vorbereitung der auf dem Kreis 
tage vorzunehmenden Wahlen, s) eine« KretSauSfchuß- 
Mitgliedes; 3. Durchführung der Krankenversicherung auf 
Grund der NeichSoersichrrungSordnung; 4. Beteiligung de« 
Kreise« an der Errichtung einer Automobilstrabe im 
Grunewald; 5. Beschaffung einer dritten Dampfwalze. 
o Lparkaffen für Fortbildungsschule». Bon 
schulbrhördltcher Seite wird empfohlen, ähnlich der be 
stehenden Schulsparkaffen auch Sparkassen für die Fort 
bildung-schüler zu gründen. ES ist dies ein neue« Gebiet 
der Erziehung zur Sparsamkeit im Volke, da« sich vielleicht 
auch mit den Jugendpflegedrstrebungen vereinigen ließe. 
In einigen Orten wurde schon mit der Gründung von 
Fortbildungischulsparkaffen begonnen. Man betraute die 
Leiter der Schulen mit der Führung der Kaffe. Die Ab 
lieferung der gesammelten Erträge soll an die Krei-spar- 
kaffe erfolgen. 
o Für die Errichtung eine» Jürgeusen-Grab- 
denkmalS gingen unS weiter zu: Zahnarzt Pagel, Buer 
(Westfalen) 3 M., Gst. IM. — Weitere Beiträge werden 
an die Geschäftsstelle dieses Blattes, Rheinstr. 15, erbeten. 
o Unsere Jäger. JahreSjagdschrine haben folgende 
Friedenauer Jäger gelöst: Feuerwerk-kap. Fischer, Rentier 
Wendt, Schauspieler Kober, Major Plume, Postrat Wiese, 
Schneidermeister Berg, Rittmeister d. L. o. Ltppa, Rentier 
Ermgaffen, Geh. Sekretär Götz, Kaufmann Meyer, Geh. 
sxped. Sekretär Lehmann, Ingenieur Rohrbcck, Direktor 
Ritter, Oberst a. D. o. Rohrscheidt, Landwirt Hüsinett. 
o Der hiesige Hans- und Gruudbesitzerverei» 
begeht, wie schon mitgeteilt, im November d. I. die Feier 
seines 25jährigen Bestehens. Rund 430 Mitglieder zählt 
der Verein gegenwärtig. Bei seiner Gründung gehörten 
ihm etwa 80 Mitglieder an. Von diesen Gründern leben 
nur noch 12. 
o Die Notwendigkeit einer starken Luftflotte 
von Luftschiffen und Flugzeugen behandelte »in 
Lichtbilderoortrag deSHerrnHauptmann a.D.Dr.Hildebrandt, 
den dieser gestern Abend in der Aula de« Reformreal- 
gymnastumS hielt. Näheres über den Vortrag bringen 
wir in einer der nächsten Nummern. 
o I. Knabeu-Abteilung de« Mäuner-Lnru- 
verein«. Infolge der großen Mitgliederzahl der ersten 
Knabrn-Abteilung ist die Turnhalle der Grmeinde-Kaaben- 
Schule kn der Albestraße nicht mehr .ausreichend, sodaß 
der Verein sich genötigt steht, die Abteilung zu teilen. ES 
turnen nunmehr die Knaben im Alter von 8—12 Jahren 
Mittwochs und Sonnabends von 5 l / a —7 Uhr unter 
Leitung des bisherigen 2. TurnwartS Tg. PeterS. Der 
erste Turnabend ist am Sonnabend, dem 25. Januar. 
Die Knaben im Alter von 12—14 Jahren turnen wie 
bisher Montag und Donnerstag von Va 7-8 Uhr eben 
falls in der Turnhalle der Gemeinde-Knabenschule in der 
Albestraße unter Leitung deS TurnwartS Tg. Kraft. An 
meldungen werden auf dem Turnsaal entgegengenommen. 
o Der Berliner Tierschutzverein ist auf dem 
Posten — daS muß ihm der Ndd laffen. Ec hat gegen 
den Frofch-Verschltnger Mac Norton, der gegenwärtig im 
ZirkuS Busch auftritt, eine Philippika loSgelaffen und die 
Polizei zum Schutze der Tiere aufgerufen. . Trotzdem sich 
Frösche in übelriechenden Sümpfen durchaus wohl fühlen, 
glauben die Tierfreunde, daß es „da unten", d. h. im 
Magen deS Herren Norton, .fürchterlich" ist. Und daher 
die Tierquälerei. Hoffentlich werden diese humanen Be 
strebungen auch auf ander« Tiere ausgedehnt. Die Flöhe 
z. B. haben gewiß auch Anspruch auf anständigere „Be 
handlung." 
o Die Ortsgruppe ,,Berlin-Lichterfelde und 
südwestliche Vororte" des Antiultramontanen Reichs- 
Verbandes hielt am 13. d. M. im Schloßpark-Steglitz ihre 
erste Mitgliederversammlung im neuen Jahre ab. Nach 
dem Bericht deS 2. Vorsitzenden hat die Ortsgruppe seit 
August 3 Mitgliederversammlungen und 2 öffentliche Ver 
sammlungen abgehalten und umfaßt zur Zeit 226 Mit 
glieder, von denen eine große Zahl durch die beiden 
lassen — ehe ich Ihnen meinen tollen Streich gebeichtet 
habe. Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich anfangen soll. 
Sie scheinen die Angelegenheit so ungeheuer tragisch auf 
zufassen." 
Sie sagte dies alles in einem halb spöttischen, halb 
schmollenden Ton, und Julius konnte ihrer kindlichen Zu 
traulichkeit nicht mehr widerstehen. Jedes Wort, das sie 
sprach, schien ihm ein Beweis ihrer Unschuld zu sein. Sie 
hätte wohl kaum angefangen von der Sache zu sprechen, 
wenn sie ein böses Gewissen gehabt und geahnt hätte, 
daß ein Geheimpolizist von europäischem Ruf jeden Augen 
blick in ihrem Gesichtskreis auftauchen konnte. 
„Vergeben Sie mir, gnädiges Fräulein, wenn der 
Wunsch, nicht neugierig zu erscheinen, mich zu unhöflicher 
Zurückhaltung veranlaßt hat," erklärte er. „Ich bin ganz 
Aufmerksamkeit und ich brenne darauf zu hören, was Sie 
damals veranlaßte, als angebliche Patientin bei mir zu 
erscheinen und, nachdem Sie mein Vertrauen erlangt hatten, 
sich als Ueberbringerin einer geheimnisvollen Botschaft zu 
erkennen zu geben. Vor allen Dingen würde es mich sehr 
interessieren zu erfahren, wer Ihnen diese Botschaft auf 
trug." 
„Ich werde versuchen, Ihnen über all diese Punkte Aus 
kunft zu geben," versetzte das Mädchen ernst, und nach 
dem sie sich überzeugt hatte, daß die Komtesse und der 
Staatsanwalt zu weit vor ihnen waren, um ihre Worte 
verstehen zu können, begann sie ihre Beichte. 
Ihr Vetter Franz Scharnock, erzählte sie, tröste sich in 
seinen Leiden dadurch, daß er sich vielfach an guten Werken 
beteilige. Wohltätigkeitsveranstaltungen jed^rArt, Missions- 
plüne, die Rettung von Trinker» und Verbrechern, das alles 
bilde gewissermaßen seinen Lebensatem», und er unterstütze 
öffentlichen Versammlungen gewonnen find. Die Mit- 
gltederversammlungen werden fortan regelntäßig am 
Donner-tag nach dem 15. eine« jeden Monats stattfinden 
und zwar im SlbrechtShof-Steglitz. Den Hauptteil de« 
Abend« füllte ein Vortrag de« Herrn Paul Ziegler au« 
über „Ultramontane Arbeit im Interesse der katholischen 
Kirche und ihrer Mitglieder in und um Berlin". Den 
Ausführungen wurde reichlicher Beifall zuteil, und erst 
gegen Mitternacht wurde die lebhafte Debatte geschloffen. 
o Leonardo da Vinci, der Erfinder und Ingenieur, 
der Schöpfer der großen AbendmahlSgemälde«, wird in 
einem mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Dortrag 
von Herrn Ingenieur Franz M. FeldhauS im „verein 
von Freunden der Treptow-Sternwarte" im großen Hörsaal 
heute, Mittwoch, dem 22. Januar, Abends um 8 Uhr» 
behandelt. ES werden Proben von den 4000 Blatt 
technischer Manuskripte und Zeichnungen zu Erfindungen 
vorgeführt und seine Brückenbauten, Trockenlegungen von 
Geländen, Werkzeugmaschinen, seine Dampfversuche. Licht- 
signale, Kompasse, Höllenmaschinen, Tauchapparate und 
Luftschiffahrt-Konstruktion in Wort und Bild dargestellt. 
Der Vortrag gibt unS einen Einblick in da« Wissen und 
Können der Entwicklung dieses seiner Zeit um zwei Jahr 
hunderte vorausgeeilten Genier. Bor dem Vortrog wird 
der Saturn, nach dem Vortrag der große Orionnebel mit 
dem großen Fernrohr gezeigt. Gäste sind willkommen. 
o Eine rohe Tat vollführten Diebe, die in der ver 
gangenen Nacht da« Laubengrundstück des blinden Stuhl- 
flechterS Herrn Kleemann am Südwestkorso heimsuchten, 
dort den Kaninchenstall aufbrachen, sechs vier Monate alte 
Tiere erwürgten und diese dann liegen ließen. Die Diebe 
wurden anscheinend von einem Hunde begleitet. ES zeugt 
wirklich von einer traurigen Gesinnung der Einbrecher, 
daß sie noch nicht schlachtreife Tiere auf diese Weise töteten. 
Aereins-Machrichten. 
Am Donnerstag tagen: 
.Friedcnauer MLmier-Gesangverein 1875', UebungSstuuden 9—11 
im Restaurant „Hoheuzollero'. Dirigent: Musikdirektor Paul Antont. 
Kegelklub .Friedenau 1909' (Mitglied be« Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/, Uhr Abend« bi« 
12 Uhr Nacht« auf zwei verbandsbahnen im Keglerheim „Bahn- 
schlößchen', Znh. C. Müller, am Wannseebahnhof Friedenau. 
„Deutscher Flottenvereiu. Der HruptauSschuß Berlin-Mark 
Brandenburg veranstaltet zusammen mit der Bezirksgruppe Berlin- 
Nord am 24. Januar 7'/, Uhr abend« in den FrstsLlen der Brauerei 
Königstadt, Echönhauser-Allee 10/11 eine Festversammlung zur Feier 
de« Geburtstage« des Kaisers. Die Festrede hat Herr Hauptmaun 
Dr. Röper übernommen, «Lhrend die Begrüßung durch den Vorfitzeu- 
den der Bezirksgruppe Berlin Nord, Herrn Recht-anwalt Dr. Donner 
stattfinden wird. Außerdem findet MllitLrkouzert der Kapelle de« 
4. Sarde-Regiments z. F., Gesangs- und Klavinträae, sowie Bor- 
tühiurg von lebenden Photographien statt. De» Beschluß bildet ein 
Taujkriuzcheu. Eintrittskarten im Vorverkcuf 30 Pf. find beim 
HauptauSschuß, Cchönebergerstr. 30 I, zu haben, Kaffeuprei« 50 Pf. 
Sntiultramoutaner Reich!verband. Am Freitag, dem 24. d. M., 
Abends 8'/, Uhr findet in den Prachisölen de« Westen«, Epichern- 
straße 3 ein öffentlicher Vortrag de« Henn Grafen von Hoentbroech 
statt, zu dem alle Freunde der Bestrebungen eingeladen werden. 
Thema: „Die pöpstliche Gewerkschaftsen^citra, Zentrum und Re- 
gierung." 
Charl. Tour. Club „Mtrk. Föhre' Am Sonntag, dem 26. d. M. 
unternimmt die Lehrltugiabteiluvg des Clubs ihre 28. Wanderfahrt 
nach Dallgow—Döberttz, Er.-Glienicke, Kladow, Sakrrw, Wannsee. 
Versammlung '/,8 Uhr Bahnhcf Jungfernheide Abfahrt 7 47 Uhr. 
Teilnehmerkarte 1.30 M. inkl. Bahnfahrt und Nachmittagskaffee. — 
Die Schülerabteilung unternimmt an demselben Tage ihre 34. Wander 
fahrt nach Fredersdorf, Pelerthage», Jnsdvrf, RüderSdorfer Kalk 
berge, Kl.-Schönebeck, Schöueiche, FriedrtchShagen. Versammlung >/,t. 
Uhr Bhf. Charlottenburg (Hauptportal). Abfahrt 8'/, Uhr, Teil- 
nehmergedühr 1.30 M. — ermißigr. 
—o Der Königliche Kronenorden 4. Klaffe wurde 
dem Generalagenten Eduard Meyer-Berltn-Schöneberg 
verliehen. 
—o In einer vom liberalen Verein von Schöütbirg 
einberufenen Versammlung im „Schwarzen Adler" spray 
ReichStagSabgeordneter Schulrat Prof. Dr. Kerschensteiner- 
München, über „Handwerk und Fortbildungsschule". Gr 
berichtete zunächst über die Not deS Handwerks, der mit 
den verbrauchten Mitteln der Zwangsinnung, der Agitation 
gegen die Warenhäuser, deS ReichSfubmissionSamtS und 
wie sie alle heißen, nicht mehr zu steuern sei. Gründliche 
Hilfe gewähre nur die Schaffung ausreichender und leichter 
Realkredite, Neuorganisation der SubmissionSwesevS ohne 
großen behördlichen Apparat, Gründung freier BerufSver- 
bände zur Wahrnehmung gemeinsamer Interessen, Und vor 
allem fachliche und kaufmännische Fortbildung von 
alles Derartige nicht nur durch seine Teilnahme, sondern 
auch durch seine wohlgefüllte Börse. Diese Liebhaberei sei 
ja an und für sich sehr lobenswert, aber sie ziehe doch 
eine Menge Elemente ins Haus, die nicht sehr angenehm 
seien, und die vielfach die Güte ihres Vetters mißbrauchten. 
Die Gräfin selbst hätte es lieber gesehen, wenn ihr Haus 
nicht zum Versammlungsort von Trinkern und Galgen 
vögeln gemacht worden wäre, aber die Liebe zu ihrem 
unglücklichen Sohn war größer als ihre Abneigung gegen 
das Gesindel, und so duldete sie, was ihr nicht weniger 
als angenehm war. Unter diesem Abschaum der Mensch 
heit befand sich auch ein Mann, der öfters erschien, und 
dessen Name Rüben Hislop war, er war ein alter Ver 
brecher, der schon viele Jahre Zuchthaus abgesessen hatte 
und der im Ruf eines sehr gewalttätigen Charakters stand, 
aber Franz war überzeugt, er bereue seine Taten und 
sei bestrebt sich zu bessern. Bei einem seiner häufigen 
Besuche hatte Fräulein Maitland zufällig den alten Ver 
brecher kennen gelernt. 
„In der Regel." fuhr sie fort, „war es mir nicht ge 
stattet, mit den zweideutigen Besuchern meines Vetters in 
Berührung zu kommen, aber am Morgen des Tages, an 
dem ich Sie abends aufsuchte, kam ich, zu einem Aus 
gang gerüstet, durch den Hausflur, als Hislop gerade aus 
dem Zimmer meines Vetters heraustrat. Zu meiner un 
geheuren Ueberraschung blieb er stehen und richtete die 
merkwürdige Frage an mich: „Haben Sie schon einmal 
von Doktor Julius Penfold gehört, Fräulein?" 
„Wie außerordentlich merkwürdig I Und hatten Sie 
schon einmal von mir gehört?" konnte Julius sich nicht 
enthalten zu fragen. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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