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Periodical volume Nr. 199, 25.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

öffentliche Wohl denkt. Oft ist auch Mangel an Einsicht. 
Mancher übersieht nicht so recht, zn welchem Zweck die 
Steuern erhoben werden sollen. Wenn er und seine Nach 
barn zufällig einen Brunnen mit gutem Wasser aus dem 
Grundstück hat, hält eine er zentrale Wasserleitung für iiber- 
flüssig, und wenn von seinem väterlichen Grundstiick viele 
Jahre lang die Fäkalien und die Haushaltungswässer auf : 
die primitivste Weise entfernt sind, sträubt er sich gegen die 
kostspielige Anlage einer Kanalisation. Denn „es ist ja * 
immer so gewesen", und er und seine Mitbürger haben sich,. 
wenigstens seiner Meinung nach, immer sehr wohl dabei 
befunden. Solcher Widerstand ist oft sehr schwer zn brechen, 
namentlich wenn dafür gesorgt wird, daß solche Ideen in 
der Stadtvertretung die Majorität, haben, wozu es in Klein 
städten besonders leicht kommt. k 
Es braucht ja als selbstverständlich kaum hervorgehoben 
zu werden, daß bei jeder neuen Kosten erfordernden 
städtischen Einrichtung die Verwaltung die Finanzierung 
auf das sorgfältigste zu behandeln hat, daß namentlich. 
detaillierte Kpstenanschläge anzufertigen sind, che die Arbeit, 
begonnen wird, deren Ueberschreitung nur im äußersten Not 
fälle stattfinden darf. (Schluß folgt.) 
—- j 
Lokales 
(Nachdruck unserer o°Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) ' 
o Schulnachricht. Die vorbehaltlose Anstellung der 
Lehrerin Fräulein Erna Richter wird soeben bekannt 
gegeben. ! 
o Mit dem Umbau des Strafienbahukörpers in 
der Rheinstraße ist heute vor dem Hause dir. 55 (Halte 
stelle Kaisereiche) begonnen worden. 
o Den Nachhilfeunterricht in den Volksschulen be-' 
spricht ein besonderer Erlaß des Unterrichtsministers. Auch 
in der Volksschule wird der Nachhilfeunterricht meistens, 1 
wenn auch in geringerer Ausdehnung an solche Kinder' 
erteilt, bei denen die Gefahr des Zurückbleibens besteht, die 
durch rechtzeitiges Eingreifen vermieden werden kann. Wo 1 
diese Ergänzung des Unterrichts in größerer Ausdehnung' 
besteht, läßt sich auch eine Verminderung der Sitzenbleibenden ' 
feststellen. Zur Verminderung dieses Schadens dient ein 
eindringlicherer, allgemeiner wirksamer Unterricht, die Ver 
kleinerung überfüllter Schulklassen und eine Vereinfachung 
der Stoffpläne. Auch die Errichtung von Nebenklassen oder 1 
Hilfsschulklassen kommt in Frage. Der Nachhilfeunterricht' 
soll aber fortgesetzt und weiter ausgebaut werden. Er ist 1 
so sehr von den Verhältnissen der einzelnen Schulen ab 
hängig, daß keine allgemein gültigen Anordnungen möglich * 
sind. Bisher war er in der Regel auf Deutsch und Rechnen < 
beschränkt, meist in der Unterstufe. Er wird am besten 
vom Klassenlehrer erteilt, der die Schwächen seiner 
Schüler kennt. 
o Schönes Wetter und Gewitter. Endlich war uns 
wieder einmal „ein Sonntag hell und cklar" beschieden. ' 
Friedenau stand gestern nach den vielen Tagen naßkalter I 
Witterung wieder im Zeichen des Sommers. Die Sonne 
meinte es gut, sehr gut und ihre warmen Strahlen lockten 
die Bewohner hinaus in die wald- und seenreiche Umgebung. 
So waren alle Ausflugsorte wieder stark besucht, ein Andrang 
war dort zu verzeichnen, wie er seit Wochen nicht erlebt ward. 
Aber die Wärme wurde zur Schwüle und mancher schaute 
besorgt zum Himmel auf, ob nicht doch noch eine „Ueber- 
raschung" in Gestalt eines „Gusses" die Sommerfreude ver-; 
derbe. Der Wettergott hatte ein Einsehen, er ließ den Tag 
beenden, wie er begann: heiter und trocken. Erst als alle ■ 
(ausgenommen die Nachtschwärmer) wieder daheim waren, * 
ließ er es zu, daß sich dunkle Wolken am Himmel zusammen-. 
zogen, aus denen.in der ersten Morgenstunde grelle Blitze 
zuckten, von .schweren Donnerschlägen begleitet. Und gleich-, 
zeitig waren die Schleusen geöffnet: ein wolkenbruchartiger. 
Regen fiel hernieder. Das nächtliche Gewitter bewirkte eine, 
inerkliche Abkühlung der Temperatur. Heute Morgen war; 
es recht frisch, doch immerhin heiter. Westliche Winde aber, 
trieben wieder Wolken heran, sodaß es vom heutigen Wetter 
heißen kann: Teils heitersteils bewölkt, mit leichten Regensällen 
und Gewitter. - 
o Gin neuer Automobil-Sprengwagen .wurde heute. 
Vormittag von der Firipa Hentschel & ,Co.-Zysten (D. A., 
A. G.) unserem Straßenreinigungsausschuß vorgeführt. Zu 
der Vorführung hatten sich noch eingesunden von der - 
Berliner Straßenreinigung Herr Direktor Szaller und Herr, 
Betriebsinspektor Nobiling. Die Herren wurden von Herrn, 
Bürgermeister Walger und Herrn Schöffen Sadee begrüßt.. 
drigen Stirn und dem kecken Stumpsnäschen war sie ge- , 
wis; keine auffallende Schönheit. Schön waren außer 
ihrem zartrosigen Teint nur die große», braunen Augen 
und der kleine, weiche, entzückend kindliche Mund, der 
sicherlich auf eine bezaubernde Weise lächeln konnte, und 
der auch dann noch allerliebst war, wenn er sich, wie in 
diesem Augenblick, zum Weinen verzog. 
„Ach, du bist's, Helga!" sagte sie mit einer Stumpe, 
aus der noch recht vernehmlich das durch den Schreck der 
Ueberraschung unterbrochene Schluchzen klang. „Ich dachte 
schon, die Anna hätte meinen schrecklichen Professor dennoch 
heraufkommen lassen." 
„Und warum sollte er nicht herauskoinmen, meine 
kleine Marga?" fragte Helga, die sich neben die Betrübte 
aus die Causeuse gesetzt und ihre fast noch überschlanke 
Gestalt zärtlich umfaßt hatte. „Er ist dir doch sonst so 
schrecklich nicht gewesen." 
„Sollte er mich vielleicht hier in Tränen finden? Ich 
würde mich ja zu Tode geschämt haben, wenn er mich ge 
fragt hätte, was mir fehle." 
„Vor mir aber schämst du dich hoffentlich nicht. — 
Und mir wirst du es sagen — nicht wahr?" 
Aber die Gefragte schüttelte den Kopf. 
„Nein — auch dir nicht! — Keinem Menschen kann 
ich es sagen — und dir am allerwenigsten." 
„So? — Mir qm allerwenigsten? — Vielleicht deshalb 
nicht, weil es sich dabei um meinen Bruder handelt?" 
Bestürzt blickte Margarete auf. 
„Wie konntest du das errate» ? — Ist Henry denn 
wirklich gekommen? — Und hat er dir vielleicht etwas 
von— von mir erzählt? — Ah, das wäre abscheulich, das 
würde ich ihm nie verzeihen." 
Der neue Sprengwagen macht den Eindruck eines Last- 
automobils, wozu er in der Tat auch verwendet werden 
kann, wenn der obere Teil des 4 Knbilmetcr »Rauminhalt 
ausweisenden Wasserkessels abgenommen ist. Die Spreng- 
vorrichtung befindet sich vorn, unmittelbar neben dem Motor, 
vor den Vorderrädern. Der Motor treibt gleichzeitig eine 
Pumpe, ivodurch der Sprengwagen als Feuerspritze dienen 
kam. Die Pumpe bewirkt aber auch beim Sprengen, daß das 
Wasser weithin geschleudert wird. So wurde, während der, 
Wagen die Mitte der Rheinstraße hielt, die Straße zu 
beiden Seiten bis weit über die Rasenstreifen hinaus 
besprengt. Für hiesige, wie überhaupt siir großstädtische 
Verhältnisse dürfte sich dieser Automobilsprengwagen, dessen 
Anschaffungskosten nur 22 000 M. betragen, nicht eignen, 
da er bei dem lebhaften Straßenverkehr nicht voll ausgenutzt 
werden kann. Die Beschwerden und Schadensersatzansprüche 
von Passanten und Fuhrhaltern wegen „Befeuchtung" 
dürften wohl sonst niemals aufhören. 
o Zubringer-Linien für die Hoch- und Untergrund 
bahnen. Wie wir ankündigten, wird die Hochbahnge- 
sellschaft Znbringerlinien, die mit Motoromnibussen be 
trieben werden, einrichten. Es sind bereits 30 Kraftwagen 
bei einer Berliner Fabrik bestellt worden. Welche Strecken 
diese befahren werden, steht noch nicht fest, doch sind die 
Verhandlungen mjt dem Polizeipräsidium darüber im Gange. 
Zubringerlinien werden z. B. für den Alcxanderplatz, den 
Spittelmarkt, die Danziger Straße und die Schönhauser 
Allee eingerichtet. Sie werden auf eigene Rechnung der 
Hochbahngesellschaft betrieben, nicht in einer Interessen 
gemeinschaft mit der Allgcm. Omnibus-Gesellschaft. Im 
nächsten Frühjahr werden voraussichtlich die ersten Zu 
bringerstrecken befahren werden können. Die Kraftwagen 
werden wahrscheinlich den Typ der bekannten rotlackierten 
Autoomnibusse haben, die sich durch ihre schlanke Form und 
durch einen ziemlich geräuschlosen Lauf auszeichnen. Die 
Hochbahn stellt gegenwärtig den Plan auf, nach dein die 
Trasse der einzelnen Linien festgelegt werden soll. Am aus 
giebigsten wird wahrscheinlich der Bahnhof Alerandcrplatz, 
mit Zubripgerlinien bedacht werden, weil dort sich ein 
großer Zentralbahnhof befindet, von dem später die Zweig- 
linien der Untergrundbahn abgehen werden. Auch der 
Wittenbergplatz wird ein derartiger Zentralverkehrs Punkt für 
die neuen Antoonmibusse sein, wenn erst die Wilmersdorfer 
und Charlottenburger Untergrundbahn in Betrieb sein wird. 
— Wie wir hören, soll auch die Schöneberger Station an 
der Hauptstraße Zubringermagen erhalten. Unsere Ver- 
kchrsdeputation und der Verkehrsausschuß des hiesigen 
Haus- und Grundbesitzerueins sollten nicht säumen, für Frie 
denall günstjge Vorschläge zu machen. 
o Das Tierleben im August. Wenn wir das Tier-, 
leben im August betrachten, so fällt uns besonders dabei 
auf, daß dieser Monat unter der eigentlichen Herrschaft des 
kleinsten Tserlebens steht. Da hat man, zumal quf dem 
Lande, Mijhe, sich vor den mannigfqchen Ungezieferplagen 
zn schützen. Aher um so nützlicher zeigt sich jetzt gerade die 
wichtige Tätigkeit der Raubfliegen, Schlupfwesten u. a. Jn- 
sektenvertilger. Wer aber ein aufmerksamer Naturbevbachter. 
ist, der fühlt nicht nur die Ungezieferplagen, sondern er er 
freut sich auch an den musikalischen Genüssen, welche uns 
Die Jnsektenwelt ,im August darbietet, wenn die Grillen und • 
Zikaden ihre Stimmchen ertönen taffen. In den Wäldern 
aber vermehren sich jetzt in erschreckender Anzahl die Kriech 
tiere, die Schlangen ^häuten sich, in den Gewässern wird 
es immer lebendiger und der Fischzllg wird regsamer als 
sollst zu einer Zeit des Jahres betrieben. Das ist die 
Situation des August in der Tierwelt. Bald geht auch der | 
Fischfang zn Ende, der August ist der letzte Monat ohne 
„r", und wer ein Freund der Scherentiere ist, tut wohl 
daran, sich noch jetzt recht lange derselben zu erfreuen. 
o HgnZfrapen, die in Schöneberg und den an 
grenzenden Straßen wohnen, und genejgt sind, junge 
Mädchen, welche Michaelis die Schule verlassen, als Dienst 
mädchen anzunehmen und sie in den häuslichen Arbeiten zu 
unterweisen, oder sie als Kindermädchen einzustellen, iverden 
gebeten, ihre Adressen möglichst bald dem Städtischen 
Arbeitsamt, Berlin-Schöneberg, Grunemaldstr. 19, aufzu 
geben. Sprechstunden täglich von 8—12 und 4—7 Uhr. 
o Der Wettflng „Rund um Berlin", den der K. A. C., 
der Berl. Verein f. L. und der K. Ae. C. unter Mit 
wirkung des Vereins Dtsch. Motorfahrzeug-Industrieller ver 
anstaltet, verspricht das bedeutendste Ereignis des Jahres 
im Flugsport zu werden. Se. Kgl. Hoheit Prinz Heinrich 
hat das Protektorat über die Veranstaltung übernominen,' 
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„Gar nichts hat er mir erzählt, kleine Törin ! — Alles, , 
was ich weiß, weiß ich ganz allein von dir." 
Mit einem Ruck sprang das junge Mädchen auf die 
Füße. 
„Oh, das ist häßlich! — Wie kannst du etwas Der 
artiges behaupten? Ich kann schwören, daß ich vor dem 
heutigen Tage zu keinem Menschen davon gesprochen habe." 
„Mit klaren Worten wohl nicht, liebste Marga! Aber 
deine Offenbarungen, auch wenn sie gegen deinen Willen 
erfolgt .sein sollten, waren doch verständlich genug. Und 
ich war im tiefsten Herzen froh darüber: denn wenn einer 
es wert ist, daß du ihn lieb hast, so ist es Henry. — Ich 
kenne ihn, und.ich weiß, dqß er dermaleinst seine Frau auf 
den Händen tragen wird." 
Margarete stand unschlüssig, wie wenn sie mit sich zu 
Rate ginge, ob es nicht doch besser sei, alles abzuleugnen. 
Dann aber behielt das Verlangen, sich einer mitfühlenden 
Seele anzuvertrauen, den Sieg, und sie schlang beide Arme 
um Helgas Nacken. 
.„Sprich nicht so I" schluchzte sie. „Ich kann es nicht 
hörenl Cs bricht mir das Herz. Es ist ja nun doch alles 
— alles zu Ende." 
„Und warum ist es zu Ende? — Hat man dir etwa 
verboten, ihn stieb zu hohen?" 
„Ja, ja — die Großmama und Cäsar — sie sind alle 
beide dagegen." 
„Woher weißt du das? — Sie selbst haben es dir 
gesagt?" 
„Die Großniama ließ mich vorhin zu sich rufe», gleich 
nachdem du mit Herrn Almrüder abgesegelt warst. Und 
sie verlangte von mir ein Geständnis, wie es zwischen mir 
und Henry wäre. Oh. .sie war.so streng — so schrecklich 
die mit 100 000 M.-Preisen an der Spitze aller deutschen 
Wettslüge des Jahres marschiert. Dementsprechend ssind 
auch die Meldungen für das Meeting sehr zahlreich einge 
gangen. Von den 30 eingegangenen Nennungen sind nun 
endgültig 27 Flieger für den Wettflng zugelassen. In der 
Startliste finden mir die besten Namen ans dem deutschen 
Flugsport. Die Zuschauer werden also harte Kämpfe und 
ein hohes sportliches Schauspiel erleben. Leider ist im 
letzten Moment einer der besten ausgeschieden. Sevelack bat 
sich bei bei einem Sturz den Handknochcn gebrochen und 
kann am Wettbewerb nicht teilnehmen, sodaß nur ein Kondor- 
eindecker ins Rennen kommt. Alle bekannten großen Firmen 
der Flugzeugbranche haben zn „Rund um Berlin" gemeldet. 
Es sind vertreten 5 Albatros, 3 Harlan, 2 Ago, 2 Otto, 
2 L. V. G., 2 Luftfahrzeug-Ges., 2 Aviatik, 2 Jeannin, je 
1 Melli-Beese-Taubc, Gothatanbe, Kondor, Torpedo, 
Rumplertaube, Etrichtaube, Union-Pfeil. Es werden also 
die besten ihres Faches um die Siegespalme streiten. An 
Motoren sind vier Marken vertreten, nämlich Mercedes (12), 
Argus (10), Benz (1) und Stahlherz (1). Drei Flieger 
haben ihre Motoren noch nicht definitiv angegeben. Der 
nächste Sonnabend und Sonntag versprechen guten Sport. 
Die Eisenbahnverwaltung hat bereits Vorkehrungen getroffen, 
um den zu erwartenden Riesenverkchr nach Johannisthal zic 
bewältigen. 
o Der Verein der Gartenfrennde in Berlin-Frie- 
denan hät am 3. September 1913, Abends 9 Uhr im 
oberen kleinen Saale des „Hohenzvllern", Handjerystr. t>4, 
seine Mvnatsversammlung ab. Die Tagesordnung lautet: 
Mitteilungen. Bekanntgabe der diesjährigen Vorgärten und 
Balkonprämiiernngen. Interne Ausstellung von Schnitt 
blumen und Gemüse. Besprechung der Ausstellung sowie 
neuerer Blumen und Rosen (Herr Obergärtner Stabe) evtl, 
gemeinsame Bestellung neuerer Rosen. Die Mitglieder 
werden gebeten, hierzu Blumen initznbringeu. Verlosung. 
In der nächsten Versammlung im Oktober findet eine 
weitere Ansstellnng von Herbstgemüse statt. 
o Der Fricdcuauer Männer-Gesaugvereiu 1^", 
hielt am Sonpabend eine Versammlung ab, um Ergäuzungs- 
wählen des Vorstandes vorzunehmen. Zum ersten Vor 
sitzenden wurde Herr Paul Schmidt wiedergewählt. Zweiter 
Vorsitzender wurde Herr Schindler und Schriftführer Herr 
Drabeck. Ferner wurden noch der Musik- und der Ver 
gnügungsausschuß ergänzt. 
o Eine Unachtsamkeit ließ sich gestern der Fahrer 
eines Sprengwagens in der Rheinstraße zu Schulden kommen. 
Er sollte die Straßenbahndämme mit dem staubbindendeu Lei 
(Antistaubit) besprengen, stellte die Sprengvorrichtung aber 
so ein. daß auch die Rasenstreifen von der scharfen, ätzenden 
Flüssigkeit besprengt wurden. Die Folge davon war, daß 
der Rasen sowie die Blumen und Sträucher an den von 
der Flüssigkeit besprengten Stellen vollständig verbrannten. 
o Zwei Wechselfallenschwindlcr verhaftet. Durch 
die Eifersucht ihrer Geliebten konnten gestern zivei Wechsel- 
fallcnschwindler, die auch wiederholt in Friedenau aufge 
treten sind, unschädlich gemacht werden. Die Verhafteten 
entpuppten sich als ein „Reisender" Höbert und ein „Kauf 
mann" Heinrich Meister. Höbert, der schon vorbestraft ist 
und auf dem Gebiete des Wcchselfallenschwindels äußerst 
bewandert war, hatte, als er vor einiger Zeit ans dem 
Gefängnis entlassen wurde, die Bekanntschaft Meisters 
gemacht und in ihm einen Spießgesellen gefunden, der, 
wenn H. ein größerer Geldstück irgendwo gewechselt erhielt, 
dazwischentrat und es sehr eilig hatte, sodaß der Kaufmann 
dem ersten Kunden seine volle Aufmerksamkeit nicht schenken 
und dieser mit seinem und dem Wechselgelde davongehen 
konnte. Beide haben auf diese Weise zahlreiche Geschäfts 
leute geschädigt. Schließlich, als cs ihnen zn gut ging, 
ließen sic ihre früheren Geliebten im Stich und schafften 
sich feinere an. Die Verlassenen rannten in ihrer Wut zur 
Polizei und veranlaßten die Festnahme der gefährlichen 
Burschen. 
o Von einer Ohnmacht befallen wurde auf unserem 
Friedhof ein älterer Herr. Ihm wurde von einem Fried 
hofsbesucher Beistand geleistet bis Hilfe zur Stelle war, die 
den Ohnmächtigen in seine Wohnung schaffte. Der betr. 
Friedhofsbesucher hat nun dem Kranken, als er niedersank, 
den Kneifer abgenommen und wahrscheinlich unbewußt zu 
sich gesteckt. Er wird daher gebeten, in der ihm bekannten 
Wohnung den Kneifer wieder abzugeben. 
o Gin verletzter Retter. In der Gleditschstraße in 
Schöneberg waren gestern die Pferde eines Gespannes scheu 
geworden und rasten auf eine Gruppe spielender Kinder zu. 
streng, upe ich sie noch gar nicht gesehen habe. Wenn cs 
mein Lebe» gegolten hätte, ich wäre nicht imstande ge 
wesen, sie zu belügen oder ihr etwas zu verschweigen." 
„Und was war es, was dc, ihr zu gestehen hattest? — 
Wen» du an die Aufrichngkeit meiner Freundschaft glaubst 
wirst du es nur erzählen." 
„Ach, ich schäme mich so, Helga! — Es ist ja auch 
gewiß sehr unrecht gewesen. Aber daß es so süichter!»:, 
wäre, wie die Großmama es ansieht — das, nein da--- 
hätte ich niemals gedacht." 
„Henry hat dir von seiner Liebe gesprochen — und 
du hast ihm gesqgt, daß du sie erwiderst? War es das 
Marga?" 
Margarete schmiegte ihr heißes Gesicht an den Busen 
der Cousine, und es war kaum zu hören, als sie stockend 
herausbrachte: 
„Ja — ja ! — Hub noch mehr: ich habe heimlich mit 
ihm korrespondiert." 
,, v'vP'l 3 al f° galtest du deiner Großmutter zu beichte»! 
lind sie . — Was hat sie dir darauf gesagt?" 
... war furchtbar böse und sagte, daß sie und Cäsar 
I>ch schämen müßten, ein solches Geschöpf in der Familie 
zu haben. Und es müßte nun selbstverständlich ei» Ende 
haben mit der Kinderei, oenii sie würden natürlich nie 
mals ihre Einwillizui.g geben. Und ich sollte sockn auf 
meii! Zn,»»er gehen, damit Henry mich nicht zu stb „ be- 
fame, wenn er sich etwa heute hier ei,isiiude. - U»o üvr , 
sprechen mußte ich ihr - am. es ist zu schrecklich, Helga 
— und es gibt aus der ganze» lucitni Welt Um „„glück 
licheres Gehsiapf als mich " 
(zometzung
        
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