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Periodical volume Nr. 9, 10.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Frirderrauer 
Anparltiische Zeitung für konnnumile «nd bürgerliche 
Angeiegenhelten. 
Kesoudere 
I««l«n Mittwoch: 
Olujblatt „Seifenblasen". 
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Nr. 199. Aertin-Ariedenau, Montag, den 25. August 1913. 20. Iaßrg. 
Oepelcken 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Nach Unterschlagung von 5500 M. hat der 
Kassenbote Paul Bäz die Flucht ergriffen. Er war bei der 
Gesellschaft für Markt- und Kühlhallenanlagen angestellt und 
hatte größere Geldsummen zu spedieren. — An der Magde 
burger Brücke sprang ein junges Mädchen in selbstmörderischer 
Absicht in den Landwehrkanal, rvurde jedoch gerettet. — 
In der Chausseestraße stürzte heute vorinittag infolge Rad 
bruchs ein Kohlenwagen um und verschüttete zwei Passanten. 
Die Feuerwehr befreite sie aus der unbequemen Lage; der 
umgestürzte Wagen verursachte eine große Verkehrsstörung. 
Magdeburg. Ein gefährlicher v-Zugdieb, der 
Handlungsgehilfe Otto Lüppelt aus Berlin, wurde hier ver 
haftet. Er hat in der Weise gearbeitet, daß er sich eine 
Bahnsteigkarte löste in die einfahrenden Züge stieg und dort 
Gepäckstücke stahl, mit denen er schnellstens verschwand. 
Breslau. Auf der Eisenbahnstrecke Breslau—Posen 
stürzte in der Nähe des Bahnhofs Petschcn-Nitsche ein beim 
5. Jäger-Bataillon als Reservist eingezogener junger Kauf 
mann, der aus Liegnitz stammt, aus dem Militärzüge, der 
das Bataillon nach Posen beförderte. Der Reservist wurde 
von einein aus entgegengesetzer Richtung heranbrausenden 
O-Zuge erfaßt und vollständig zermalmt, so daß der Tod 
auf der Stelle eintrat. 
Berlin. In der Nacht zum Sonntag hat im Hause 
Chausscestr. 56 der geisteskranke Arbeiter Sandner einen 
Mordanschlag auf seine Frau verübt und letztere mit Hammer 
und Messer so schwer verletzt, daß an ihrem.. Aufkommen 
gezweifelt wird. Nach seiner Schreckenstat hatte Sandner 
die Flucht ergriffen und stch nach Potsdam gewendet, wo 
er noch gestern abend von der Polizei verhaftet werden konnte, 
Sandner war in Gewahrsam gebracht worden und hat sich 
heute Nacht in seiner Zelle erhängt. Die Leiche wurde heute 
morgen nach dem Potsdamer Friedhöfe geschafft. 
Madrid. Bei Trems in der spanischen Provinz 
Larida explodierte das Dynamitdepot einer amerikanischen 
Baugcsellschast, die dort Fundamentierungsarbeiten vor 
nimmt. Die Detonation wurde auf zwei Stunden Ent 
fernung gehört. Der Wächter,des Depots ist mit in die 
Lust geflogen. Von seinem Körper wurden nur kleine Stücke 
gefunden. Mehrere in der Nähe des Depots befindliche 
Arbeiter sind schwer verletzt worden.. 
Belgrad. Die serbische Residenz hat gestem den 
großen Siegestag zur Erinnerung an den türkischen und 
bulgarischen Krieg, der Serbiens Ländergebiet nahezu ver 
doppelte, festlich begangen. Zahlreiche Gäste' aus fern und 
nah waren gekommen. Die Belgrader Gemeinde schenkte 
dem siegreichen Kronprinzen einen goldenen Ehrensäbel. 
König Peter verlieh seinem Sohne die goldene Tapferkeits 
wedaille. Den Generalissimus Ontnik empfing die Be 
völkerung mit begeisterten Kundgebungen. 
Neuyork. Die Sun meldet aus Berlin: Deutschland 
beabsichtigt energische Vorstellungen im Sinne der Vor 
schläge des Präsidenten Wilson zu erheben. Die amerikanische 
Regierung wird in Berlin über die bevorstehenden Schritte 
der Union unterrichten. 
Zur kulturellen Bedeutung der 
Gemeindeverwaltungen, 
Bon Oberbürgermeister a. D. Vcseler. 
Die modernen Städte, namentlich die Großstädte, bilden 
einen Kraftherd der kulturellen Entwickelung. Ihre vor 
wärtsstrebenden Verwaltungen bemühen sich, und zwar mit 
großem Erfolg, die reichen, ihnen zu Gebote stehenden 
Mittel auf den verschiedensten Gebieten zu Verbesserungen 
und Neueinführuugen zu verwenden. 
Was im besonderen, zunächst die Einrichtungen betrifft, 
die in der Hauptsache die Gesundheit, die Sicherheit und 
das Behagen der städtischen Einwohner heben sollen, wie 
Kanalisation, Wasserleitung, zentrale Beleuchtung, Armcn- 
und Krankenfürsorge, Verkehrseinrichtungen usw., so wird 
nach den gemachten Erfahrungen der Einwand, daß diese 
Betriebe oder einzelne derselben besser in den Händen 
privater Unternehmer aufgehoben sind, sich kaum aufrecht 
erhalten lassen. Wenn auch in den kommunalen Betrieben 
der Geschäftsgang zuweilen etwas schwerfälliger sein mag, 
die Qualität fdes Betriebes braucht darunter noch nicht zu 
leiden, namentlich wenn die Stadtverwaltungen durch ge 
nügend hohe Besoldungen dafür sorgen, daß sie tüchtige 
technische Kräfte in den Dienst stellen. Auch bedeutet bei 
öffentlichen Verwaltungen die kommunale Kritik, unter der 
sie stehen, und die ständige Kontrolle, die sich an die Jahres 
berichte und die vergleichenden Statistiken knüpft, einem nicht 
zu unterschätzenden Vyrzug vor privaten Uuteruehmuugen. 
Die Frage der Rentabilität kommunaler Betriebe betreffend, 
so werden diese im Gegensatz zu privaten Betrieben im 
öffentlichen Interesse auch solche Betriebe unterhalten, die 
Zuschüsse erfordern, wie häufig Badeanstalten, Theater usw. 
und andererseits werden sie aus den rentablen Betrieben 
Unternehmergewinu ziehen, um die unrentablen zu unter 
stützen. Ausführungen zu dieser Frage veröffentlichte un 
längst Bürgermeister Dr. Schwanden, Straßburg. Er sagte 
ungefähr: 
Der jetzt häufig angepriesene gemischte Betrieb, der in 
der Form der Aktiengesellschaft betrieben, unter Beteiligung 
der Städte mit der Majorität des Aktienkapitals die Vor 
teile des Regiebetriebes haben, dessen Nachteile aber ver 
meiden soll, mag zuweilen angebracht sein, kaum aber in 
jedem Fall. Das Schul- und Erziehungswesen wird von 
den Gemeinden mit Recht mit besonderer Sorgfalt behandelt. 
Die städtischen Behörden betonen dabei, oft im Gegensatz 
zu den nicht selten etwas einseitigen Schulfachleuten, das 
Erziehungswesen im Gegensatz zum bloßen Uuterrichtswesen 
und namentlich die körperliche Kultur der Jugend. Diese 
Bestrebungen setzen ein mit den Säuglingsheimen, Kinder 
bewahranstalten, Volkskindergärten und setzen sich fort in 
Schulspeisungen, Ferienkolonien, Jugendhorten und ähnlichen 
Institutionen. 
Auch mit der Einführung des Handarbeitsunterrichts 
für die Gemeindeschulen, sowie auf den Fortbildungs- und 
patririerblut. 
Roman von Reinhold Ortmann. 
4. (Nachdruck verboten.) 
„So wollte man eben verhindern, daß sie mir zu Ge 
sicht käme. Aus meine Frage nach ihrer Enkelin hat mir 
die Frau Senator mit unzweideutigster Bestimmtheit er 
klärt, Margarete sei zum Besuch einer Freundin in die 
Stadt gefahren und werde nicht vor Abend zurückkehren." 
Helga widersprach seiner Vermutung nicht. Aber noch 
einmal ergriff sie mit warmem Druck seine Hand. 
„Wenn es so ist, darfst du unter keinen Umständen sie 
dafür verantwortlich machen," sagte sie eindringlich. „Man 
wird ihr nichts von dem Vorgefallenen mitgeteilt haben. 
Denn wenn es so wäre, hätte sie sicherlich das Bedürfnis 
gehabt, dir etwas Freundliches und Tröstliches zu sagen." 
„Ich will es hoffen. — Denn wenn es mit ihrem Ein 
verständnis geschehen wäre, daß sie vor mir verleugnet 
wurde, und wenn sie es getan hätte, weil dies — dies 
Unglück über mich gekommen ist — wahrhaftig, Helga, das 
wäre das schwerste von allem." 
„Zu deiner Beruhigung will ich mich davon über 
zeugen. Ich darf doch ü'Oer allen Umständen ganz auf 
richtig gegen sie sein — nicht wahr?" 
Er nickte. 
„Es wird mir in ihren Augen nicht sonderlich zum 
Vorteil gereichen. Aber es ist wohl am besten, wenn jic’s 
erfährt." 
„Ja, es ist am besten. — Nun aber sollst du gehen. 
Oder —", der Gedanke schien ihr plötzlich gekommen — 
„oder willst du, daß ich dich begleite?" 
„Wohin? — 2u Cäsar? — Was sollte mir da deine 
Begleitung nutzen, Kind? — Wicht du etwa bei ihm ein 
gutes Wort für mich einlegen?" 
Sie mochte das Törichte ihres Vorhabens schon wieder 
eingesehen haben, denn sie schüttelte den Kopf. 
„Du hast recht — er würde große Augen machen, 
wenn er mich in deiner Gesellschaft jähe. — Und der 
Fürsprache — nicht wahr? — der Fürsprache wird es ja 
auch nicht bedürfen?" 
„Gewiß nicht!" bestätigte er noch einmal. „Es han 
delt sich bei alledem ja gar nicht um ein Geschenk, das ich 
von dem Herrn Konsul erbitte. Und hartherzig hat er 
sich meines Wissens noch niemals erwiesen." 
„Nein," stimmte Helga zu. „Hartherzig nicht. Wenig 
stens nicht gegen einen von seinen Angehörigen." 
Sie hatte es mit halb abgewandtem Gesicht gesagt, 
und die Morte waren nur zögernd von ihren Lippen 
gekommen. . . Während sie den Bruder zur Gartentür 
zurückgeleitete, sprach sie nichts weiter. Aber als sie sich, 
Abschied nehmend, zum letzten Male bei den Händen hielte», 
bat sie: 
„Eines mußt du mir versprechen, Henry l — Wie auch 
immer Cäsar dich aufnehmen und welches der Ausgang 
eurer Unterredung sein mag — du wirst den Kopf oben 
behalten, und du wirst unverweilt hierher zurückkehren, 
um mit alles zu erzählen." 
„Ich verspreche dirs, Helga I — Nachdem ich dich ein 
mal so unüberlegt in Angst und Aufregung versetzt habe, 
ist es selbstverständlich auch meine Pflicht, dich so bald als 
möglich wieder daraus zu befreien." 
3. Kapitel. 
Henry Frederikfen war gegangen, und langsam kehrte 
Helga in das Haus zurück. Sie sah sehr ernst aus; aber 
Fachschulen sind die Stadtverwaltungen vorangegangen. 
Endlich seien noch Institutionen wie die Waldschulen, für 
gesundheitlich gefährdete Kinder erwähnt. Es ist eine ernste 
Aufgabe der Stadtverwaltungen, den Kindern durch Ein 
richtung von Spielplätzen, Turnanstalten usw. reichliche 
Gelegenheiten zur Pflege und Ausbildung des Körpers zu 
schaffen. Auch die Pflege der Kunst, namentlich die Pflege 
der Baukunst, darf von den Städten nicht vernachlässigt 
werden. Der Hochbau sowohl, wie namentlich die zweck 
mäßige und schöne Anlage von Straßen und Plätzen sind 
Faktoren der kulturellen Entwicklung. Nach ihrer Ent 
wicklung werden spätere Geschlechter unsere Leistungs 
fähigkeit auf diesem Gebiete beurteilen. Es ist dabei indes 
hinsichtlich der Hochbauten zu beachten, daß es sich wohl 
empfiehlt, das alte Schöne zu erhalten, daß cs aber sich 
kaum empfiehlt, in Neubauten das alte Schöne kopieren 
und nachahmen zu wollen. Solche Versuche mißlingen in 
der Regel. Hinsichtlich der Museumspflege der Städte und 
des Verhältnisses der Stadtverwaltung zu den anderen 
Künsten: Musik, Malerei, Theater rät der Verfasser, daß 
Museen für Bilder und Plastiken in solchen Orten, die eine 
alte Kultur haben, diese lokale und prinzipielle Kultur in 
so charakteristischen Beispielen sammeln, wo solche sich auf 
treiben lassen. Treten neue künstlerische Bedürfnisse an die 
Stadtverwaltung heran, so möge man zuerst etwa am Ort 
vorhandene Kräfte, falls diese nicht ausreichen, oder im 
Zweifel, auswärtige Künstler, nicht Kunsthandwerker heran 
ziehen, da letztere meist nicht mehr auf der Stufe der hohen 
Kunst ihrer Altvorderen stehen. Man wird sich mit den 
vorstehenden Ausführungen im großen ganzen nur einver 
standen erklären können. Einige Bemerkungen des be 
handelten Themas mögen noch hinziktzeffigt werden. 
Der Gegenstand ist von dem Verfasser im wesentlichen 
von dem Standpunkt einer 'großstädtischen Verwaltung aus 
behandelt. Wie stellen sich die kommunalen Aufgaben und 
ihre Lösung in Mittel- und Kleinstädten? 
In den meisten Fällen wird in Großstädten die Be 
schaffung der Mittel auch für größere Anlagen keine oder 
doch nur geringe Schwierigkeiten bereiten. Namentlich wird 
die Verzinsung und Amortisation des Anlagekapitals in 
vielen Fällen keine Steuererhöhung erforderlich machen. Das 
liegt sehr häufig bei Mittelstädten und bei Kleinstädten 
anders, und hier liegt die Erklärung dafür, daß die An 
lagen nicht ausgeführt werden. Der bekannte National 
ökonom Adolf Wagner hat die Deutschen einmal ein steuer 
scheues Volk genannt, und der Ausdruck ist durchaus be 
zeichnend und nicht zu hart. In den staatlichen und in 
den Stadtparlamenten findet man diese Stcuerscheu, die in 
beiden Sphären schon manche notwendige oder doch nütz 
liche Einrichtung verhindert hat. Man will sich keine Aus 
gaben machen, wenn man es auch ganz' ohne oder doch mit 
nur geringer Beeinträchtigung seines Behagens könnte. Für 
das Vergnügen pflegt das Geld meist sehr viel leichter 
bereit zu liegen, als für Steuern, für die man ja doch, wie 
manche meinen, häufig „garnichts" hat. Das ist ein wenig 
erfreulicher egoistischer Standpunkt, bei dem der Betreffende 
nur an sich, aber garnicht oder doch nur sehr wenig an das 
sie halte den eisten Scyleaeu iwch woyl )sljou uverwuuden, 
denn als sich im Treppenhaus eines der Dienstmädchen mit 
einer Frage an sie wandte, gab sie ihm m demselben 
ruhig kühlen Tone Bescheid, den die Dienerschaft von ih^ 
zu hören gewohnt war. 
Im ersten Stockwerk der Villa lagen außer den von 
dem Konsul bewohnten Zimmern nur die Gemächer seiner 
Großmutter, der Frau Senator Frederiksen, der trotz ihres 
hohen Alters das Ersteigen der allerdings sehr bequemen 
Treppen noch keine Schwierigkeiien bereitete. Im zweiten 
Stock aber befanden sich außer einer Sluzahl von Fremden 
stuben, von denen nur selten eine in Gebrauch genommen 
wurde, die Zimmer der beiden jungen Mädchen. 
Sie hatten sich da einen hübschen, kleinen Salon für 
ihren gemeinschaftlichen Gebrauch eingerichtet, und außer 
ihren getrennten Schlasräumen verfügten sie zudein noch 
über ein rundes, fensterreiches Turmgemach, das zu den: 
Range eines Musikzimmers erhoben worden war, weil es 
weit genug von den Appartements der Frau Senator ent 
fernt lag, um der wenig musikfreundlichen alten Dame 
jede Belästigung durch die Kunstübungen der Mädchen 
zu ersparen. 
Hier hatte Helga ihre Cousine zu finden erwartet, und 
sie sah sich in dieser Vermutung nicht betrogen. In ihrem 
weißen Tenniskostüm, das sie während der Morgenstunden 
mit Vorliebe trug, lag Margarete auf der kleinen Causeuse 
und hatte das Gefickt' in den Händen vergraben. Sie 
hotte das Oefinen der Tür gar nicht gehört, und erst als 
Helga halblaut ihren Namen rief, hob sie erschrocken den 
braunhaarigen Kopf. 
Sie sah noch sehr,ung aus, fast wie eine Siebzehn- 
jährige, obwohl sie ihre» zwanzigsten Geburtstag bereits 1 
vor etlichen Monaten gefeiert hatte. Mit ihrer etwas nie-
        
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