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Periodical volume Nr. 198, 24.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

übernommen. Nachdem ist Festessen im Gesellschaftshaus. 
Nachmittag werden die Teilnehmer gemeinsam nach der 
Buschmühle wandern und dort den Kaffee einnehme». Am 
Abend des gleichen Tages feiert der Stenographen-Verein 
„Gabelsberger" im Kaisersaal sein 21. Stiftungsfest, das 
aus Konzert, Vorträgen und Ball besteht. Hier werden 
auch die Sieger im Wettschreiben bekannt gegeben und die 
Ehrenpreise verteilt., AuS Anlaß des Verbandstages ist ein 
Ehren-Ausschuß gebildet rvorden, dem die maßgebensten 
Herren der Stadt (Vertreter der Stadt, Kirche, Post, Schulen, 
Stadtverordneten, Handelskammer, des Gerichts und der 
Presse) angehören. 
o Die GesangSabteilnng (gern. Chor) des Evang. 
Arbeitervereins für Friedenau und Ungegend hatte sich 
in Stärke von etwa 40 Sangeslustigen am Sonntag, dem 
17. d. Mts., nachm., trotz strömenden Regens nach dem 
alten Schützenhause in Spandau begeben, um dort beim 
Sommerfest des dortigen Bruderoereivs festfolgemäßig einige 
Lieder: „An den Tag des Herrn", „Liebe ist das höchste 
Gut", vorzutragen und erntete für die klaren, gutgeschulten 
Stimmen unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Max Voigt 
sehr reichen Beifall; als Zugabe gelangte „Gretula" zum 
Gehör, das wohl noch etwas besser geübt werden muß, 
dieses wurde durch. „Ich weiß ein Blümlein hold und licht" 
wieder wett gemacht. Da dieses Sominerfest gleichzeitig 
Bezirksverbandssest (für Potsdam, Spandau, Zossen, Steglitz, 
Nowawes und Friedenau) war, — zuvor tagte dieser in 
Konrad's Festsälen unter sehr zahlreicher Beteiligung der 
Vertreter — so wurde zu Ehren des Berbmides von allen 
Festteilnehnier», etwa 480, u. A. ein vom Bezirksverbauds- 
vorsitzenden Herrn Hugo Richter verfaßtes Lied gemeinschaft 
lich gesungen, das begeisterte Aufnahme fand. R. 
o Das große HerbstprciSkegeln im Gesellschaftshaus 
des Weste«, Schöneberg, Hanptstr. 30*31 findet jeden 
Freitag, Sonnabend und Sonntag auf allen 6 Bahnen 
statt. Anfang Wochentags um 0 Uhr Nachm., Sonntags 
um 3 Uhr Nachm. Es gelangen 11 ZOOM, bare Geldpreise, 
1000 Nt. Wild- und Geflügelpreise. 1000 M. Delikateßpreise 
zur Verteilung. Aus 4 Bahnen jeden Sonntag Preisverteilung, 
Dauergeldbahnen 1. Preis 1000 M.. 2. Preis 800 M., 
3. Preis 000 M. usw. Hohe Tagesprämien auf allen 
Bahnen. Sonntags von 3—5 und 5—7 Stundenpreise. 
Beteiligung Jedermann gestattet. Die Führung der Kegel- 
listen haben Militärpersonen tibernommen. Bei der Preis 
verteilung am Sonntag, den 17. d. M. erhielten die ersten 
Preise: auf Bahn I (Kleine Geldbahn) Herr Strich mit 
4 Kugeln 33 Holz, auf Bahn II (Kleine Geldbahn) Herr 
Kirstcn und Herr E. Schmidt mit 4 Kugeln 32 Holz, auf 
Bahn V (Wild- und Geflügelbahn) Herr Reiband mit 4 
Kugeln 33 Holz und ans Bahn VI (Delikateßbahn) Herr- 
Rinke II mit 4 Kugeln 32 Holz, Alle Kegelfreunde von 
Nah und Fern sind zu diesem Preiskegeln freundlichst ein 
geladen. 
o Verkehrsunfall. Mehrere Gefährte stießen gestern 
Vormittag in der Schloß- Ecke Wrangelstraße zusammen. 
Dort geriet ein in schnellster Fahrt d a h ers a u s end er Straßen- 
bahnwägen'mit einem Privatauto zusammen, und im selben 
Augenblick fuhren, um das Unheil voll zu machen, ein Ge 
müsewagen sowie ein Radfahrer dazwischen. Der Führer 
des letzteren, ein Bauführer Walter Engel aus Friedenau, 
wurde von seinem Sitz herageschleudert und mußte infolge 
der dabei erlittenen Verletzungen durch Mannschaften der 
Feuerwehr und Straßenbahn auf der Tragbahre nach der 
nahen Rettungswache gebracht werden. Ein hinzugerufener 
Arzt ordnete die Uebersührung des Abgestürzten nach dem 
Kreiskrankenhause in Lichterfelde an. Die Schuldfrage war 
im Augenblick nicht aufzuklären. 
o Von einem Pferde gestoßen wurde heute in der 
Hedwigstraße der Schüler Joh. Werner. Er erlitt dadurch 
einen Bruch des linken Unterarmes. Der Arzt vom Rettungs 
dienst leistete ihm auf der Rettungswache die erste Hilfe. 
o Verunglückt ist hier gestern in der KnauSstraße der 
Depefchenbvte Erich Meiner. Ec fuhr mit seinem Fahrrade 
in eine Matrazzenfeder, die aus dem Fahrdamm lag. 
W. stürzte und verletzte sich dabei beide Hände. Auf der 
hiesigen Sanitätswoche wurden ihm die Wunden vom Arzt 
des Rettungsdienstes verbunden. 
o Selbstmord verübt hat hier gestern eine in der 
Fehlerstraße möbliert wohnhaft gewesene 43jährige Frau 
Vogler. Als ihre Wirtin gestern Vormittag gegen 1 / 2 11 Uhr 
das Zimmer betrat, fand sie die V. erhängt vor. Die 
Lebensmüde lebte von ihrem Manne getrennt, während 
ein Ehescheidungsverfahren schwebte. Die Leiche wurde 
polizeilich beschlagnahmt und nach der Friedhofshalle gebracht. 
v Eine KiudeSleiche wurde heute von einem Bahn 
beamten auf der Strecke zwischen Wannseebahnhof Friedenau 
und Friedenauer Brücke gefunden. Die Leiche war in Lein 
wand gehüllt und lag an der Bahnböschung auf der Friedenauer 
Seite. Jedenfalls ist sie aus einem fahrenden Zuge ge 
worfen rvorden. 
AnsknnftS- und Fnrsorgestelle (Kaiserallee 60), 
für Tuberkulöse: Aerztliche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
omi 12-1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12-1 Uhr 
tür Alkoholkranke: Aerztt. Sprechstunde jeden Freitag van 12 — 1 llljr| 
Scfoöneberg 
— o In das Handelsregister wurden eingetragen: Bei 
Nr. 20 404. Rich. Hesse Inh. Johann Töllner, Berlin- 
Schöneberg: Die Firma lautet jetzt: Rich. Hesse Inh. Joh. 
Töllner jetzt Inh. Therese Töllner. Inhaberin jetzt: 
Therese Töllner, geb. Borchert, Kauffrau, Berlin»Schöneberg. 
Dem Johann Töllner, Berlin-Schöneberg, ist Prokura erteilt. 
Berlin und Vororte 
§o Arbeit statt Almosen gewährt der „Verein Dienst 
an Arbeitslosen E. V." Ackerstr. 52 (Telephon Norden 3332) 
den zahlreichen Obdachlosen, die sich an ihn wenden. Der 
Verein sandte ini letzten Vereinsjahre 1451 Obdachlose als 
Arbeiter aufs Land. Sonstigen Hilfesuchenden ivird gegen 
stunden- oder tageweise Beschäftigung Nahrung und evtl. 
Wäsche und Kleidung gewährt. Die dazu dienende „Brockeu- 
saminlung" holt auf Anruf in Berlin und Ilmgebung alles 
ab, was man ihr an Möbeln, Geräten. Wäsche, Schuhen, 
Kleidungsstücken und verwertbaren Abfüllen aller Art (des. 
au Papier, Lumpen, Metallen) bietet.. Sie ist auch dank 
bar für Fracht- und Postsendungen. Der Verein, der aus 
schließlich im Dienste der Wohltätigkeit steht und jetzt täglich 
bis >75 Obdachlosen dient, ist der Unterstützung dringend 
bedürftig. 
ßo Infolge des Witterungsumschlages hat die Rad 
rennbahn Treptoiv sich nun doch entschlossen, den „Großen 
Preis von Deutschland" am Dienstag, dem 26. August, 
abends acht Uhr zu veranstalten. 
Gerichtliches 
P. Zwei Monate Gefängnis nnd 000 M. Geldstrafe gegen 
einen Butterverfälscher beantragte gestern der Staatsanwalt vor 
der 1. Strajkaininer des Berliner Landgerichts tlt wegen Ber 
gehens gegen das Rlichsgesetz betr. den Verkehr mit Nahrungs- 
mitteln. Angeklagt war der in der Kiiobelsdorfstraße wohnhafte 
Fettwarenhändter Karl Schnitze. Er lieferte seinen Kunden in 
Wilmersdorf, Friedenau, Schöneberg, Charlottenburg, zumeist 
Kleinhändler, Borkosthändler, Grünkramhändler angeblich „reine 
Naturbutter". Proben dieser Lieferungen wurden bei der Kund 
schaft von der Polizei zwecks chemischer Untersuchung entnommen. 
Der beim Berliner Polizeipräsidium angestellte Chemiker Dr. Pranse 
stellte fest, daß die bei der Vorkosthändlerin Zimmermann zu Wil 
mersdorf entnommene Butter z» 20"/„ mit Margarine vennischt 
war. und ebenso konnte in zahlreichen anderen Fällen die Mar- 
garinentischung nachgewiesen werden. Der Gerichtshos erkannte 
ans 300 M. Geldstrafe. 
P. Einen neuen Trick bei der Fahrgeldprellerei enideckie der 
WilmerSdorfer Kaufmann Moritz Lovatz. Im Mai d. IS. fuhr L., 
der in Friedenau bei seinem Schwager Dr. Haller als Reisender 
für den Vertrieb von pharmazeutischen Präparaten angestellt ist, 
nach Eöpenick zum Besuch der Kundschaft und dann nach Friedrichs- 
Hagen, dort löste L. zur Rückkehr nach Berlin nur ein bis Sadowa 
gültiges Billet. Auf dieser Fahrt blieb er aber im Zuge sitzen bis 
er auf dem Schlesischcn Bahnhof ankam, wo er von einem Zug- 
revisor aufgefordert wurde, seine Fahrkarte vorzuzeigen. L. war 
nun in der Klemnie. Um sich herauszuhelfen, zeigte er seine 
Monatskarte, gültig für die Strecke Schlesischer Bahnhof—Ehar- 
loitenburg. Dem Zugrevisor .war indessen der Trick bekannt. Er 
veranlaßte den L., auszusteigen. Eine Anklage wegen Betruges 
war die Folge. L. wuroe daraufhin zu 30 M. Geldstrafe ev. sechs 
Tagen Gefängnis verurteilt. Die Entscheidung ivnrde in der Be 
rufungsinstanz gestern nach erneuter Verhandlung von der Ferien- 
straskammer des Berliner Landgerichts II bestätigt und die Be- 
rusung des L. verworfen. 
Bachfische und Mütter. 
Es liegt ein gcmz eigenartiger Reiz über gesunden 
Backfischen. Viele Frauen sehen ihn nicht, vder wvllen ihn 
nicht herausfühlen, finden das Gehabe und Getue albern, 
das Gefrage, das Schwärmen lästig und können sich absolut 
nicht mehr ans das eigene Alter zwischen l4 und 17 er 
innern. Suchen aus der Zeit ihrer Jahre nicht gern die 
Stunden des unfertigen Menschseins hervor, es könnte ja 
vielleicht unsere Würde als Mutter und Tante herabsetzen, 
es war vielleicht gar nicht da, so stark und stürmend, wie 
bei unseren Töchtern oder Nichten. Und diese Töchter und 
Nichten, deren junge, bildsame Herzen in unsere Hand ge 
geben sind, ziehen sich trotzig und voll Heimlichkeit vor uns 
und unseren Vorwürfen zurück, suchen vor den mahnenden 
Augen gesittet zu erscheinen, um unbeachtet desto heftiger 
mit den Flügeln himmelhochjauchzender Jugend zu schlagen. 
Und doch ist gerade dieses Mädchenalter zwischen 14 
nnd 17 das schmiegsamste, biegsamste für ein verstehend 
Mutterherz. Ein klein Teil von unserer unantastbaren 
Würde weniger, ein großer Teil jugendliches Verstehen mehr, 
und wir Müller haben die junge Seele zu eigen mit allen 
keimenden Wimderblnmen, die sich da erschließen wollen. 
Braucht Frühlingsland nicht auch Sturm und wildes 
Brausen, ehe es fnichtbar wird? Sturm ist dringendes 
Naturgesetz zu gutem Reifen, und der Kinderkörper, der 
junge Mensch, braucht das haltlose Drängen und Brausen, 
um sich J in Kraft und Schönheit entfalten zu können. 
Warum gibt es im jungen Alter überschwengliche 
Müdchenfreundschaft. rührende Backsischschwärmereien für 
fertige junge Damen, für jung verheiratete Frauen, große 
Künstler oder winzige kleine Erdenbürger, die sich so leicht 
und willig von sehnsüchtigen Lippen küssen lassen, von 
jungen Händen hegen und pflegen? 
Weil das- langsam erwachende Weib einen Weg braucht, 
auf dem es seine innerste Natur ausleben kann, wo es 
Liebe betätigt, und alles unverstandene Sehnen hinträgt, 
weil die flatternden Gedanken jungen, zarten Vögelchen 
gleichen, die gern stiegen möchten, wie die großen. Ist da 
nicht die Mutter gerade die Berufenste, diese flatternden 
Gedanken leise und weise zu regieren, diese-unverstandene 
Sehnsucht gute Wege gehen zu lassen, und das haltlose 
Schwärmen und Lieben nicht herb einzudämmen, sondern 
im fröhlichen sich Wiederjuiigfühlen mit dem Kinde ein 
klingend Echo im Mutterherzen finden zu lassen? 
Die Backfische sind so dankbar für jedes zärtliche, gute 
Wort. Für jedes Begreifen ihrer Regungen, Wünsche und 
Schwärmereien. Sie sehen Muttis graues Haar und die 
feinen Runen des Alters nicht mehr, wenn der Mund lacht, 
und das Herz jung ist mit der Tochter. Das heran 
wachsende Mädchen, der Kinderspiele müde, sieht staunend 
in so einer Mutter den guten Wanderkameradeii, der lachend 
die Hand ausstreckt: „9hm komm .... wir gehen ge 
meinsam, ich weiß noch gut, wie meine eigenen Sechzehn 
waren!" 
Und das frische Mädel greift jauchzend zu, schüttet 
alles Freud und Leid über die Mutter ans, und das schöne 
Band der Liebe ziuischen Mutter und Kind webt sich in 
solchen Stunden fest und immer fester .... 
Ich habe Frauen gekannt, die ihre Töchter im Back 
fischalter nicht anders wie im steten Vorwurf betrachteten, 
ja, sie oft genug als wandelndes Aergernis ansahen. Die 
für jedes kecke Wort eine Rüge, für jeden lustigen Mädchen 
streich eine Strafe hatten, und jede Schwärmerei als albern 
bezeichneten. Alle diese Frauen haben ihr Kind nie be 
sessen,,wie^ eine, Mutter .es. besitzen soll... Und.hqben,,es.nach 
her nicht begreifen können, warum ihre Töchter anderen 
Menschen gegenüber ihre Herzen iveit ouftaten in Liebe und 
Vertrauen, für andere Schweichelworte fanden, wie sie selber, 
niemals von der erwachsenen Tochter gehört, und glaubten 
doch auch ihre Pflicht voll und ganz als Mutter getan 
zu habe». j 
Vielleicht nicht voll und ganz. Die körperliche Pflege 
tnts nicht allein, und die ernste Führung zu Zucht nnd 
Sitte. Die Mädels (und vor allem die Backfische) wollen 
ihr Frühlingsland habe», ihr Stückchen Poesie in der Prosa 
des Lebens. Mutter soll begreifen können, das man lieber 
lacht als weint, lieber springt als geht, Mutter soll einmal 
am Tage Zeit nnd Verständnis für sie haben, teilnehmen 
an all den tausend Nichtigkeiten, die daß große Glück der 
Jugend ausmachen ... ja dann braucht man ja gar keine 
„beste Freundin" mehr, dann muß sich ja alles so leicht 
erfüllen, alles Große, Schöne unb Wunderbare, was da 
kommen sott ... Else. Krafft. 
Wetteraussichten. 
Sonntag: Vielfach heiter, am Tage ziemlich warm, bei 
mäßigen südivestlichen Winden. 
Verantwortlicher Schclstleiter: Hermann Martiniu« Friede, au. 
Hierzu eine Beilage. 
MciflerwcrKe^dc 
Sind unsere 
Damen- und Herren-Stiefel 
Dieselben sind auf Rand ge 
doppelt u.repräsenfleren einen 
erheblichen Mehrwert gegen 
über der durchgenähten Ware» 
en Schuhindustrie 
König-Strasse 34 
Tauenfzien-Sfrasse 20 
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Moabit. 
Leipziger Strasse 65 
Friedenau, Rheinst. 14 
Oranien-Strasse 34 
Neukölln. Bergstr.7/& 
Turmstr. 50 
sind unsere 
UJm.wm05O 
Damen- und Herren-Stiefel 
Haupfvorzöge: 
Vornehme Eleganz 
Neue rassigste Formen 
Gediegenste Ciialilät 
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