Path:
Periodical volume Nr. 197, 22.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

im Sitzungssaale des Rcformrealgymnasiums statt. Auf der 
Tagesordnung stehen zwei Verkchrsangclegcnheitcn. 
o In der Waldcrhaltungöfrage scheinen die Ver 
handlungen zwischen Zweckvcrbaud und Fiskus seht ins 
Stocken geraten zu sein. Vorn Landwirtschaftsministeriuin 
ist bisher keine weitere Antwort auf das Angebot des Ver 
bandes Groß-Berlin eingegangen, und der Leiter der Ver 
handlungen für den Fitzküs Unterstaatssekretär Küster ist bis 
Mitte September in Urlaub gegangen. Diejenigen, die nun 
nach der Rückkehr von Oberbürgermeister - Wermuth und 
Verbandsdirektor Dr. Steiniger aus ihren Sommerfrischen 
eine schnelle Wiederaufnahme der Verhandlungen geglaubt 
haben, werden sich noch weiter gedulden müssen. 
o Die Kirchstraße als Geschäftsstraße präsentiert sich 
schon jetzt abends im hellsten Licht. Wie wir hören, sind 
dort noch verschiedene Ladenuinbauten beäbsichtigt und die 
modernisierten Geschästslokalitäten auch schou au erstklassige 
große Firmen vermietet. Die Entwicklung des geschäftlichen 
Lebens in-Friedenau ist zwar keine rapide, aber doch stetig 
fortschreitende und es ist kein Wunder zu nennen, daß es 
sich nunmehr auch auf die immer stärker besuchte Kirchstraße 
— zunächst auf den an die Rheinstraße grenzenden Teil — 
ausgedehnt. 
o Aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Schlacht 
bei Großbeeken 'findet am 23. und 24. August von und' 
nach Großbeeren ein verstärkter Eisenbahnverkehr statt. In 
den in Betracht kommenden Zeiten verkehren folgende Züge: 
Am Sonnabend, dem 23. August: Ab Berlin, Aühalter 
Bahnhof Dorm. 9.10, 11.15, 12.10, 12.15, 1.15, 1.25- ab 
Grvßbecretl Nachm. 3.59, 5.37, 5.52, 6.02, 0.58, 7.22, 
9.41, 9.52. Am Sonntag, dem 24. August: ab Berlin, 
Anhalter Bahnhof Vorm. 9.10, 9.26, 11.10, 11.15, 12.10, 
12.16, 12.22, 12.55. 1.15, 1.35; ab Großbeercn Nachm. 
3.59. 5.37, 6.02, 0.48, 6.58, 7.14, 7.22, 9.20, 9.41.9.52, 
10,25, 11.15. Die Fahrzeit beträgt rund 28 Minuten. 
o Pfarrer Luther wird nicht in seiner jetzigen Amts 
stelle bleiben, sondern versetzt werden. Die zuerst ver 
breiteten Mitteilungen über den Ausgang des Disziplinar 
verfahrens treffen nicht zu. Das erstinstanzliche Urteil 
lautete auf Freisprechung. In der Berufungsinstanz hat 
der Evangelische Oberkirchenrat jedoch dies Urteil abgeändert 
und auf Strafversetzung erkannt. Wie wir hören, ist die 
Durchführung der Versetzung nach dem Erlaß der letzt 
instanzlichen Entscheidung sofort eingeleitet worden. 
o Das Fest der silbernen Hochzeit feiert am Montag, 
deiti 25. August der hier Crauachstr. 03 wohnhafte 
Rechnungsrat im Reichspvstamt Herr-R. Pöhl mit seiner 
Iran Gemahlin. Das Silberpaar wohnt seit 18 Jahren 
im Friedenalter Ortstcil von Schöneberg und zivar — 
(unsere Hausbesitzer mögen stauneil) — in ein und derselben 
Wohnung. Herr Rechnungsrat Pöhl ist Mitglied des 
hiesigen Männcr-Turuvereins, des Friedenauer Parochial- 
vereins und des Flvttenvereins. Seit 18 Jahren gehört das 
Jubelpaar auch zu unseren geschätzten Abonnenten. Wir 
briilgen den Jubilaren unsere herzlichste Gratulation dar, 
wünschen ihnen eine auch ferner glückliche und gesegnete 
Ehe ans mindestens wiederum 25 Jahre! 
o Die Wohnnugsanzeigen für den mit dem „Friede- 
naucr Lokal-Anzeiger" verbundenen „Friedenauer Wohntmgs- 
Anzeigers" müssen jedesmal bis Sonnabend Mittag 
12 Uhr im Besitz der Geschäftsstelle Rheiustraßc 15 sein. 
Für nur 40 Pfg. die Zeile erscheinen die Anzeigen eine volle 
Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" uild in 
den Anschlägen an den Wannsee- und Ringbahnhöfen. 
o Znm Konkurs Schliebcn. In dem Konkursver 
fahren über das Vermögen des Kaufmanns Walter Schlieben, 
alleinigen Inhabers der Firma W. Schlieben u. Co., 
Berlin W., Potsdamer Straße 112, ist eine Gläubiger- 
versammlung auf den 27. August 1913, vormittags 10 Uhr 
anberaumt. Tagesordnung: Anhörung der Gläubiger über 
die Stellung eines weiteren Vorschusses zwecks Anstrengung 
von Anfechtungsprozesscn gegen die Pfandgläubigcr oder 
Einstellting des Konkurses mangels Masse. 
o Gantnrnfest. In Velten findet vom 23. bis 25. 
August das Turnen des Havelländischen Turngaus statt. 
Der Havelgau gehört als Mitglied der „Deutschen Turner 
schaft" zNttr Turttkreise III b (Mark Brandenburg) und um 
faßt die politischen Kreise Ost- und Wcsthavelland, Branden 
burg und Potsdam, sowie die an der Wannseebahn liegen 
den Teile des Kreises Teltow. Seine größten Vereine sind 
in Schöneberg, Spandau, Rathenow, Friedenau, Steglitz 
und Potsdam. Er ist mit 12 700 Mitgliedern in 84 Ver 
einen einer der größten Gaue der Deutschen Turnerschaft 
„Hast du so wenig Vertrauen zu mir, Hubert? Und 
eine so geringe Meinung von der Ehrenhafligkeil meines 
Vetters?" 
Mit einer lebhaften Bewegung warf er den Kopf zu 
rück, und seine Brauen zogen sich zusammen. 
„Ah, Ehrenhaftigkeit! — Gibt es so etwas denn über 
haupt in Herzensangelegenheiten? Wenn ich dich nicht 
hätte erringen können, ohne dich zuvor einem anderen 
abzugewinnen — meinst du, daß ich auch nür einen Augen 
blick gezögert hätte, es mit allen Mitteln zu versuchen? 
Wer ehrlich verliebt ist, der fragt den Teufel nach älteren 
Liechten und nach sogenannten Forderungen der Ehre." 
„Cäsar dürfte darin anderer Meinung sein. Wie ich 
ihn kenne, weiß ich, daß auch das lockendste Glück ihn 
den Gesetzen der Rechtschaffenheit niemals abtrünnig 
machen würde." 
„Er dürfte stolz darauf sein, wenn er dich hören könnte. 
Leute, von denen man eine so hohe Meinung hat, pflegen 
einem in der Regel nicht ganz gleichgültig zu sein." 
„Wann hätte ich auch gesagt, daß er mir gleichgültig 
ist? — Ich weiß, daß ich keinen besseren und zuver 
lässigeren Freund habe als ihn. Und mein Vertraue» in 
seine Ehrenhaftigkeit ist ganz unerschütterlich." 
Die Falte über Hubert Almröders Nasenwurzel hatte 
sich vertieft. 
„In einer gewissen Hinsicht rangiere ich also doch erst 
hinter diesem deinem besten und zuverlässigsten Freunde?" 
Mit freiem, offenem Blick, der etwas wie leises Er 
staune» ausdrückte, sah sie ihm in das erzürnte Gesicht. 
„Aber da lassen sich doch gar keine Vergleicye an 
stellen," sagte sie einfach. „Cäsar ist mein Freund. Und 
dich — dich habe ich lieb." 
Wie vor einem Windhauch zerstoben war all seine 
tind seine alle 2 Jahre stattfindenden Turnen zeichnen sich 
durch Teiluehmcrzahl und Leistungen aus. Diese 'Gan- 
turuen find in turnerischer Beziehung eine Vorstufe zu den in 
den Zwischcnjahrcn stattfindenden Kreisfesteu, die ihrerseits 
wiederum auf das alle 5 Jahre wiederkehrende große 
Deutsche Turnfest vorbereiten sollen. Das diesjährige 
Turnfest in der „Kachelmetropole" Velten ist das 21. des 
Gaues und verspricht einen bedeutenden Umfang anzu 
nehmen. Hoffentlich hat Petrus ein Einsehen und macht 
auf 2 mal 24 Stunden seine bisher so fleißigen Schleusen 
zu, dainit die vom Festort mit großem Fleiß und vielen 
Unkosteii getroffenen Vorbereitungen nicht vergeblich gewesen 
sind. Der hiesige Turnverein nimmt voraussichtlich in 
größerer Zahl teil, 30 Mitglieder sind schon für Sonnabend 
angemeldet, es steht aber zu hoffen, daß bei günstigem 
Wetter noch viele am Sonntag Vormittag nachkommen 
werden. Der Verein stellt einige Riegen und eine Anzahl 
Zwölf- und Sechskämpfer. Die Ordnung ist folgende: 
Sonnabend: Kampfrichtersitzung, Sechskampf und abends 
Festkommers zur Feier des 40 jährigen Bestehens des 
Veltener Turnvereins, der übrigens seine eigene schön ein 
gerichtete Turnhalle besitzt. Sonntag: Zwölfkämpfe, Wett 
spiele, nachmittags Festzug, Freiübungen, Frauenturnen, 
Musterriegenturnen, Ringen und Spiele, abends Sieger- 
velkündigung. Montag: Turnfahrten. Die Friedenauer 
werden ersucht, sich vollzählig in der Turnfestkleidung an 
dem um 1 Uhr beginueuden Festzuge zu beteiligen. Für 
die Hinfahrt nach Velten kommen für Sonnabend nach 
mittags die Eisenbahnzüge 2.15, 4.51, 6.21, 0.50 und 8.48, 
für Sonntag vormittags die Züge 5.05, 6.00, 6.46, 0.57, 
8.12, 9.1J5 nnd 10.10 in Betracht. Abfahrt vom Stettiner 
Bahnhof, Fahrtdauer 45—55 Minuten. Das Standquartier 
des Vereins ist das Restaurant Robert Thiele, Breite- 
straße 9, wo auch gemeinschaftliche Mittagstafel ist. Die 
Wohnuttgskartcn werden in der Veltener Turnhalle aus 
gegeben. 
0 Der hiesige evangelische Arbeiterverein begeht 
seine diesjährige Sedanfeier am Sonntag, dem 31. August 
durch einen gemeinsamen Ausflug nach Schmargendorf, Ab 
inarsch um 2 Uhr vom „Kaiser-Wilhelmgarten" unter Vor- 
antritt der Trommler und Pfeifer (etwa 20 Mann) der 
Friedenauer Knabenabteilung in Uniform. Sämtliche Kinder 
der Mitglieder folgen und alle erhalten Fahnen, die am 
Äbend beim Rückmarsch gegen Stocklatcrneu vertauscht 
werden. Am Festorte werden allerlei Spiele arrangiert, 
denen Verlosungen folgen. Eine Festansprache soll der 
Feier im Walde die rechte Würze geben. Näheres ist beim 
Mitglieds Herrn H. Strehler, Lauterste. 5/6, zu erfahren. 
0 Theater tut Kaiscr-Wilhelm-Garten. Die für 
morgen (Sonnabend) angesetzt gewesene Vorstellung fällt 
svegenanderweitiger Besetzung des Saales aus. Die nächste 
Vorstellung findet am Donnerstag, dem 28. August statt. 
0 Das „Ave Maria“ wird als herziges Drama in 
$ Akten, von Charles Decroix, von heilte ab in den 
„Hohenzollern-Lichtspielen", Handjerystr. 64, gezeigt. Ein 
spannender Kriminalroman, der gleichfalls in diesem vor 
nehmsten Lichtspieltheater gezeigt wird, nennt sich „Die 
Spitzen-Königin." Hierzu das große Programm, jede 
Nummer ein Schlager. 
0 Das Viofontheater in der Rheinstraße 14, welches 
sich allabendlich eines starken Besuches unserer Bürgerschaft 
erfreut, bringt von heute ab, den spannenden Kriininal- 
iromcui: Wer ist der Täter? zur Vorführung. Ein 
Mysteriöser Vorfall, in den Oktave, der Sohn des Staats- 
Präfekten Henry d'Eströe's verwickelt war, zieht an uns in 
;3 Akten vorüber. Der angebliche Mord, au dem reichen 
Pfandleiher Robin in Paris verübt, beschäftigte vor einiger 
Zeit die Gemüter in der Scinestadt ganz gewaltig. Der 
Vorgang klärt sich schließlich in ganz harmloser, aber hoch- 
sinteressanter Weise auf. In schwebender Pein heißt ein 
anderes Dramck, welches ein ärztliches Problem behandelt. 
Lebensgefahr ängstigt eine ganze Familie, doch wandelt sich 
am Schluß alles zum Guten. Die Wochenrevue von Pathö 
fröres bringt wieder eine ganze Reihe von Vorgängen aus 
aller Welt im Bilde zur Vorführung, auch das Tonbild ist 
ganz nett. Humorvoll ist der Film „Das Glück kommt 
über Nacht" und „Künstlers Rache" wie „Leo und sein 
Schooßhündchen"' sind heitere Komödien. Sehr interessant 
sind die Bilder von den großen französischen Flotten 
manövern im Mittelländischen Meere. Man sieht, es ist wieder 
ein abwechslungsreiches Programm, welches das Biofon- 
thcater seinen Besuchern vorführt. Anfang 0 Uhr, Sonntags 
4 Uhr. 
eifersüchtige Erregung. Und hätten sie sich nicht in einem 
schwankenden Boote befunden, er wäre sicherlich aufge 
sprungen, Um sie in seine Arme zu ziehen. 
„Verzeih' mir, mein Herzensiiebting, wenn ich wieder 
einmal Unsinn geschwatzt habe. Es muß doch wohl was 
Wahres daran sein, wenn die Leute sagen, daß die Liebe 
nicht von Vorteil ist für den Verstand." 
Er lachte ihr treuherzig zu, und auch auf ihren 
Lippen war wieder ein Lächeln. 
Von Wind und Strömung begünstigt, näherte sich das 
Boot jetzt schnell dem Ufer. Und Helga steuerte es geschickt 
jener Stelle zu, wo sich der weiße Turm einer Villa, die 
säst schon das Aussehen eines zierlichen Schlößchens hatte, 
über den grünen Laubmassen einer parkartigen Garten 
anlage erhob. 
2. Kapitel. 
Ein ältlicher Diener in schlichtem, schwarzem Anzuge 
war den Heimkehrenden stunim behilflich gewesen, die 
„Elliva" in den kleinen Hafen zu landen, in dem noch 
ein größerer Kutter und zwei Ruderboote lagen. Die 
schuldigen Ritterdienste beim Aussteigen aber hatte Hubert 
Almröder seiner Verlobten geleistet. 
Jetzt erst, da sie auf dem festen Lande nebeneinander 
standen, wurde es recht offenbar, ein wie prächtiges 
Menschenpaar sich da zusammengefunden hatte. Er, weit 
über Mittelgröße emporgeschossen, mit breiten Schultern 
und mächtig gewölbter Brust, ein Bild prangender Ge 
sundheit und urwüchsiger, vielleicht etwas brutaler männ 
licher Kraft — das Mädchen an seiner Seite nur um ein 
Geringes kleiner als er, gertenschlank und elastisch, in jeder 
Linie ihres ebenmäßigen Körpers der Typus einer vor 
nehmen, durch keine unedle Blutmischung verdorbenen Raffe. 
0 Der Gerichtsvollzieher im Kino. Wir erhalten 
folgendes Schreiben mit der Bitte, es zu veröffentlichen: 
In Nr. 1U5 Ihres geschätzten Blattes brachten §ie unter der 
Spitzmarke: „Der Gerichtsvollzieher im Kinv" einen, den 
wahren Tatsachen nicht entsprechenden Bericht über die In 
hibierung des Films „Quo vadis". Obwohl Sie unser Theater 
nicht mit Namen nannten, so ist sich döch ganz Friedenau bewußt, 
daß Sie nur unser Unternehmen im 'Auge hatten, da in Friedenau 
zu dieser Zeit in keinem anderen Lichtspieltheater „Quo vadis" 
gegeben wurde. Der wahre Sachverhalt ist nun folgender: Wir 
erwarben den Cines-Film „Quo vadis" von der Rheinischen 
Film-Gesellschaft ans fünf Tage und waren der festen Ueber 
zeugung, daß genannte Gesellschaft, die den Monopolvertrieb des 
Films für die Provinz Brandenburg hat, berechtigt sei, auch in 
Groß-Berlin von ihrem Rechte Gebrauch machen zu dürsen. Dem 
war nicht so, wie sich nachher herausstellte, denn der Vertrieb für 
Groß-Berlin steht nur der Proj.-Akt.-Ges. Union zu. Aus diesem 
Grunde mußte die „Cines-Gcsellschaft", die das Monopolrecht der 
„Union" übertragen hat, einschreiten, da sonst die „Union" Schaden 
ersatzansprüche an sie gemacht hätte. Die gerichtlichen Maßnahmen 
richteten sich, wie Sie hieraus ersehen, nicht gegen uns, sondern 
gegen die Eigentümerin des von uns erworbenen Films „Quo 
vadis", die Rheinische Film-Gesellschaft. Daß die Maßnahmen 
sich nicht gegen uns richteten, erhellt wohl am besten daraus, daß 
die „Proj.-Äkt.-Ges. Union" uns für die Zeit vom 2. bis 8. Sep 
tember cr. einen ihrer Films „Quo vadis" zur Verfügung gestellt 
hat, der dann zur Vorführung gelangen wird. Wir danken für 
Ihre gütige Aufnahme dieser Zeilen im voraus und zeichnen hoch 
achtungsvoll Direktion der Rheinschloß-Lichtspiele Felir Äorghardt. 
0 Von einem Straßenbahnwagen der Linie 60 
überfahren wurde gestern in der Prenzlauer Allee, Ecke 
der Hiddenseer Straße, der 19 jährige Handlungsgehilfe Fritz 
Weinhold. W. wurde mit einem doppelten Bruch des 
Unterschenkels -und schweren Quetschungen nach dem Kranken 
hause Friedrichbain geschafft. 
0 Bannnsall. Ans einem Neubau in der Mtthlen- 
straßc in Schöneberg fiel dem dort beschäftigten Arbeiter 
Max Leucht ungelöschter Kalk in das linke Auge. L. wurde, 
nachdem ihm ein Arzt die erste Hilfe geleistet hatte, nach 
der Kgl. Klinik geschafft. Die Sehkraft des Auges ist vernichtet. 
Verems-k^aebriedten 
Anr Sonnabend tagen: 
Verein der Briefmarkensammler der südwestlichen Vororte von 
Berlin. Sitzung Abends 8 Uhr im Restaurant „Üaiserburg", 
Friedrich-Wilhclm-Platz, Ecke Wilhclmstraße. 
Scdöneberg 
—0 Am Stadtpark in derPrinz-Rcgentcn-Straße wurde 
heute vormittag ein Betonfundament gesprengt. Eine Abteilung 
des 1. Eisenbahnreginlents nahm die Arbeit vor. Es waren 
die umfassendsten Sicherheitsmaßnahmen getroffen morden. 
6erlm und Vororte 
§0 Die Pläne für die Bahnfeststellung der Schnellbahn 
Gesundbrunnen—Neukölln werden demnächst im Polizei- 
Präsidium ausliegen. Bkit dem Bau der Schnellbahn nnrd 
,die A. E.-G. dann im konuncnden Frühjahr, nach Ver 
legung der verschiedenen Leitungen nnd Kanäle beginnen. 
lDiesc Arbeiten werden zuerst im Norden aufgenommen 
werden. Gleichzeitig wird mit den Tunnelarbeiten unter 
der Spree zwischen Waisen- und Jannomitzbrücke begonnen 
werden. Die Hochbahnstrecke auf dem Gesundbrunnen wird 
zuletzt in Angriff genommen. Für die Schnellbahn ist folgende 
Linienführung festgestellt. Die Bahn beginnt an der Kreuzung 
der Christiannia- mit der Schwedenstraße als Hochbahn und 
wird durch die letztere, nach Durchfahren der Badstraße, in die 
Brunnenstraße geleitet. Nachdem sie die Brücke über die 
Gleisanlagen der Stettiner, Nord- und Ringbahn überfahren, 
biegt sie nach rechts in den Hunrboldthain ein, um hinter der 
Hiinmelsfahrtskirche, nach der Kreuzung der Grenzsträße als 
Untergrundbahn weitergeführt zu werden. Im Humboldthain 
zwischen der Grenzsträße und der Gustav-Meycr-Allee ist die 
Rampe vorgesehen. Nach Durchfahren derRampe biegt die Linien 
führung wieder unter die Brunnenstraße ein und unterfährt 
diese bis znm Nosenthaler Platz und Straße, dann die 
Weimneister-, Münz-, Kaiser-Wilhelm- und Neue Friedrich 
straße bis zur Stralauer Brücke und nach Unterfahrung de§ 
Spreebettes unter die Brücken-, Neander-, Prinzen-, und 
Dresdener Straße und den Oranienplatz, das Luisennfer 
und durch einen Tunnel unter dem Luisenstädtischen Kanal 
nach der Reichcnberger Straße, Kottbusertorplatz, Kottbuser 
Straße, um dann bis znm Hermannplatz in Neukölln ge 
führt zu werden. 
§o „Großer Mannschaftspreis von Berlin." Unter 
diesem Titel wird am kommenden Sonntag, dem 24., auf 
der Radrennbahn in Zehlendorf ein 0 Stunden-Rcnnen 
größeren Stils vor sich gehen. Es ist gelungen, eine Reihe 
guter Straßenfahrer für dieses Rennen zu verpflichten. 
tatmxemmmiarwaaammmmima 
„Ist die Frau Senaior im Garten ?" wandte sich Helga 
a». den schweigsamen Diener. „Und der Konsul? Ist er 
schon aus der Stadt zurück, Meiners?" 
„Nein, Fräulein Frederikfen! — Der Herr Konsul hat 
telephoniert, daß er nicht vor fünf Uhr koiniuen werde. 
— Aber Herr Henry Frederikfen ist vor einer Stunde ein 
getroffen." ,■ 
Mit einer Bewegung höchster Ueberraschuug drehte 
Helga, die sich schon halb zum Gehen gewendet hatte, 
den Kops. 
„Wer? — Mein Bruder Henry? — Ohne daß er sich 
vorher angemeldet hätte? — Sind Sie Ihrer Sache auch 
ganz sicher?" 
„Ich selbst habe Herrn Frederikfen empfangen, gnädiges 
Fräulein! — Er ist' augenblicklich noch bei der Frau 
Senator." 
„Hier unten im Garten?" 
„Nein — die Herrschaften haben sich in die Gemächer 
der Frau Senator hinaufbcgchen." 
„So muß ich ibn aus der Stelle begrüßen. — Komm', 
Hubert! Es ist ja prächtig, daß du meinen Bruder nun 
schon vor deiner Durchreise durch Berlin kennen lernen 
wirst." 
Sie hatte den Arm des Malers genommen und zog 
ihn rasch mit sih fort liier die fast pedantisch sorgsam ge 
pflegten Wege des ganz in englischem Geschmack ange 
legten Garlens. Er aber schien bestrebt, ihre Eile zu 
hemmen. 
„Sollte meine Gegenwart bei eurer ersten Begrüßung 
nicht etwas störend wirken, Liebling?" fragte er. „Du 
hust deinen Bruder seit längerer Zeit nicht gesehen." 
(vvnictzung
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.