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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

worden. Die Erfahrungen in der Schweiz, wo seit langem 
die unentgeltliche Bestattung in einer Reihe von Kantonen 
eingeführt ist, sprechen nicht gerade für eine Uebertragung 
des dortigen Gebrauchs nach Deutschland, 
Auf gewerblichem Gebiete sei der Probleme der 
Sonntagsruhe unb der Ladenschlußzeit gedacht, auf deren 
Gestaltung die Städte einen wesentlichen Einfluß ar^zuüben 
vermögen. Auch die Förderung eines gesunden Hand 
werkerstandes — durch Veranstaltung von Meisterkursen, be 
sondere Berücksichtigung ansässiger Meister bei Submissionen, 
Begünstigung der Bildung von Rohstoff-, Magazin-, Werk 
zeug-Genossenschaften — liegt im eigensten Interesse der 
Stadt. Gewerbeschulen, gewerbliche Fortbildungsschulen 
können und sollen für die möglichst intensive Ausbildung 
der künftigen Handwerksmeister sorgen — auch auf einem 
früher in Handwerkskreisen stark vernachlässigtem Gebiet: 
dem der Rechnung und Buchführung. (Schluß folgt.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Origlualartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Vom Urlaub zurück. Herr Bürgermeister Walger 
hat seinen Urlaub beendet und die Amtsgeschäfte wieder 
übemommen. Ebenso ist Herr Polizeikommissar Jacobi 
von seiner militärischen Uebung zurück und wieder im Dienst. 
o Friedenau an 2. Stelle. Die Sterblichkeitsziffer 
betrug im Monat Juni von je 1000 Einwohnern auf ein 
Jahr berechnet in Treptow 6.2 (ohne Ortsfremde 5.4), 
Friedenau 6.7, Wilmersdorf 6,7, Niederschönhausen 6,9, 
Steglitz 7,4, Friedrichsfelde 7,5, Neukölln 7,7, Tempelhof 
8,0, Charlottenburg, 9,6, Oberschöneweide 10,1 (ohne Orts 
fremde 5,8), Zehlendorf 10,2 (ohne die in Anstalten Ge 
storbenen 7,0), Pankow 10,7, Cüstrin 11,0, Schöneberg 
11,3, Cöpenick 12,3, Lichtenberg 12,4 (ohne die in An 
stalten Gestorbenen 10,2), Spandau 12,4. Berlin 12,8, 
Guben 13,2, Tegel 13,7, Rathenow 13,7, Wittenberge 14,0, 
Brandenburg 14,4, Auckenwalde 14,6, Nowawes 14,9 (ohne 
Ortsfremde 13,0)., Reinickendorf 15,0, Cottbus 15,4, Weißen- 
see 15,9, Lichtsrfelde 16,4 (ohne Ortsfremde 8.3), Frank 
furt a, O. 16,6, Fürstenwalde 16,9 (ohne Ortsfremde 16,4), 
Eberswalde 17,9 (ohne die in Krankenanstalten usw. Ge 
storbenen 10,3), Forst 17,9, Prenzlau 18,0, Potsdam 18,8 
(ohne Ortsfremde 17,1),. Landsberg a. W. 21,9, Sorau 23,2 
(ohne Ortsfremde 11,3), und in Neuruppin 29,1 (ohne Orts 
fremde 17,5) Personen. Die Säuglingssterblichkeit war im 
Monat Juni d. Js. eine beträchtliche, d. h. höher als ein 
Drittel der Lebendgeborenen in 5 Orten, sie blieb unter 
einem Zehntel in 113 Orten. 
o Arbeitslosenversicheruug für Grostberliu. Der 
Neuköllner Magistrat hat jetzt einen eingehend begründeten 
Antrag mit Kostenaufrechnung auf Einführung der Arbeits 
losenversicherung im Zwecksverbandsgebiet an den Verband 
Großberlin sowie an die beteiligten Gemeinden gerichtet. 
Die Ausarbeitung dieses Antrages erfolgte durch den Direktor 
des Neuköllner statistischen Amtes, Direktor Dr. Büchner. — 
Bisher hat von Großberlincr Gemeinden nur Schöneberg 
- die Arbeislosenoersicherung eingeführt. In dem soeben er 
schienenen Geschäftsberichte 1912- des. Städtisch.en^.Arbeits 
amtes Schöneberg heißt es über die Arbeitslosenversicherung, 
daß „der auf das Genter System aufgebaute Teil der Ver 
sicherung sich gut entwickelt und bewährt hat, daß dagegen 
die Spareinrichtung und die Speisemarkenunterstützung, wenn 
überhaupt, so nur ganz allmählich und mit großer Mühe 
Eingang und Beliebtheit bei der großen Masse der Nicht 
organisierten findet. Es bestätigt sich hier wieder die alte 
Erfahrung, daß mit der Freiwilligkeit durchgreifende Er 
folge nicht erzielt werden, daß nur durch Zwang die große 
Masse der Versicherung zugeführt werden kann. Um so 
, lauter und dringender muß deshalb im Sinne des Be- 
. schlusses des Deutschen Städtetages vou Posen im Jahre 
1911 die Fordermtg nach der gesetzlichen Einführung des 
, Versichcrungszwanges erhoben werden." Ferner stellt der 
Bericht fest, daß in Würdigung der bisherigen Ereignisse sich 
die städtische Kollegien darüber klar waren, daß die Ver 
sicherung für Schöneberg allein, das nur einen kleinen 
Komplex in dem großen Wirtschaftsgebiet Groß-Berlins 
bildet, nur ein Stückwerk sein und nicht die umfassende 
Wirkung haben könne wie in einer räumlich abgeschlossenen 
Stadt, und daß auch die Form der Versicherung, die Ver 
bindung des Genter Systeins mit dem Sparsystem, keine 
befriedigende Lösung darstelle und ihre Schattenseiten und 
Unvollkommenheiten habe. Andererseits sagte man sich aber, 
daß, splange. den Städten die Befugnis zu einer Zwangs- 
.Seien Sie. versichert, daß wir nichts Schlechtes von 
Ihnen verlangen," unterbrach ihn Lechmere. „Und nun •— 
wenn Sie; sich nach einem Wagen umsehen wollten! Ich 
wäre Ihnen besonders dankbar, wenn Sie mich begleiten 
wollten; denn ich bedarf eines stadtkundigen Mann cs, dem 
ich vertrauen kann. Hier — nehmen Sie vorläufig das hier!" 
Er entnahm seiner Brieftasche ein paar französische Bank 
noten, die er sich während des Aufenthaltes in Calais ein- 
geipechselt hatte. Sie stellten eine große Summe dar, und 
Bertrix drehte sie ein paarmal in der Hand, als könne er 
noch nicht recht glauben, daß das alles ihm gehören sollte. 
„Sie niachcn einen armen Ri an» glücklich, Herr," brachte 
er endlich hervor. „Ich kann Ihnen nicht mit viel schönen 
Worten danken; aber Sie können darauf bauen, daß ich für 
Sie durchs Feuer gehen würde, wenn's not täte." 
Lechmere wehrte ab. 
„Was Sie für uns getan haben, ist mehr, als ich mit 
denl Gelde lohnen kann," sagte er. „Und das soll auch ge 
wissermaßen nur eine Anzahlung sein. — Nun aber — lassen 
Sie uns keine Zeit mehr verlieren!" 
Nach einer Viertelstunde hielt ein einfacher Wagen, wie 
sie Bauern benutzen, wenn sie in die Stadt fahren, vor der 
Gartentür. Lechmere stieg eiligst ein und beauftragte Bertrix, 
zunächst nach dem Postamt zu fahren. 
Unterwegs erkundigte er sich, ob der andere etwas von 
den Leuten wisse, bei denen Maxwell und Alexis untergebracht 
waren. 
„Es sind zwei Kaufherren, wohlhabende Leute", erklärte 
ihm Bertrix. „Sie erklärten sich sofort bereit, die beiden Ver- 
wundeten in ihr Haus zu nehmen; ein Hospital haben wir 
hier natürlich noch nicht. Wenn Sie sie aussuchen wollen, 
brauchen Sie nur irgend jemanden nach den Billen der. Herren 
Versicherung fehle, man etwas Besseres und Voll 
kommeneres an Stelle der jetzigen Versicherungsform nicht 
vorschlagen könne. 
o Uedertretung der Ausverkqufsverordnnng. Die 
Ausverkaufsverordnung wird, obwohl sie bereits seit dem 
1. April in Kraft ist, von" der Geschäftswelt noch immer 
nicht genügend beachtet. Nach einer Mitteilung der 
„Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs E. SS.", 
Berlin-Schöneberg, werden jetzt immer noch „Saison-Aus 
verkäufe" öffentlich bekannt gegeben, trotzdem diese nur bis 
zum 1. August abgehalten werden dürfen. Dies bedeutet 
eine Zuwiderhandlung gegen die Polizeiverordnung und 
zieht Geldstrafe bis 150 M. oder Haft nach sich. Eines be 
sonderen Strafantrages bedarf es in derartigen Fällen nicht, 
da es sich um eine Uebertretung handelt, die von amtswegen 
zu verfolgen ist. 
o Unsere Jäger. Jagdscheine haben folgende Friedenauer 
Jäger gelöst: Tischlermeister Belling, Oberpostassistent Linde, 
Fabrikant Lammert, Kaufmann Maetzke, Optiker Wilhelm, 
Generalagent Wulckow, Dr. Siemßen, Kaufmann Meyer, 
Kaufmann Kuhlow, Bergwerksdirektor Lehmann. 
o .Klassenlotterie. Zur 3. Klasse der 3. Preuß. 
Süddeutschen (229. Preuß.) Klassenlotterie liegen die Lose 
gegen Vorzeigung der Vorklassenlose vom 16. August ab zur 
Einlösung bereit. Diese hat bis spätestens zum 6. Sep 
tember zu erfolgen. Die Auszahlung der Gewinne 2. Klasse 
findet vom 16. August ab statt. Am 10. September beginnt 
die Ziehung der 3. Klasse. 
o Die Ferien sind vorüber nnd die Wohnungs 
suche hat begonnen. Da seien die Vermieter von Woh 
nungen, möbl. oder leeren Zimmern, Läden, Garagen, 
Ateliers, Lagerkellern usw. auf den mit dem „Friedenauer 
Lokal - Slnzeiger" verbundenen „Friedenauer Wohnungs 
Anzeigers" aufmerksam gemacht, der sich als billiger und 
wirkungsvoller Wohnungsnachweis bisher bewährt hat. Für 
nur 4(1 Pfg, die Zeile erscheinen die Anzeigen eine volle 
Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" und in 
den Anschlägen an den Wannsee- und Ringbahnhöfen. Der 
Schluß der Anzeigenannahme ist für unserer Geschäftsstelle 
Rheinstraße 15 um 12 Uhr Mittags. Anzeigen, die 
später aufgegeben werden, können in die Sonnabend- 
Nummer dieser Zeitung und für die Anschläge nicht mehr 
berücksichtigt werden. 
o Der Lttftkreuzer „Hansa" flog gestern Abend gegen 
6 Uhr über Friedenau. Die „Hansa" war gestern Nach 
mittag 3 Uhr 45 Min. in Leipzig aufgestiegen. Um 5 Uhr 
45 Min. wurde das Schiff über Berlin gesichtet, und um 
6 Uhr 10 Min. erreichte es Potsdam. Stach einer langen 
Schleifenfahrt über die weitere Umgebung Potsdams erfolgte 
um 7 Uhr 47 Min. glatt die Landung auf dem Potsdamer 
Luftschisfhafen. Das Luftschiff führte Diplomingenieur Dörr. 
Ihm zur Seite stand der Schiffsführer Heine». Zur Fahrt 
Leipzig—Berlin brauchte die „Hansa" genau 2 Stunden. 
o Desterreichische Gulden als Zweimarkstücke. In 
den letzten Tagen sind hier und in den Nachbarorten zahl 
reiche österreichische Gulden angehalten worden, die an Stelle 
von Zweimarkstücken ausgegeben wurden. Man wird gut 
tun, beim Empfang von Zweimarkstücken aufzupassen, da 
man sonst 30 Pfg. einbüßt. Anderseits kann man bei der 
Weitergabe der Guldcnstücke leicht Ungclegenheiten haben, 
wie folgender Fall lehrt: Eine Dame, die in einem 
Warenhause von einer Kassiererin ein solches Geldstück er 
halten hatte, wollte es, ohne es genau betrachtet zu haben 
und in dem Glauben, es sei ein Zweimarkstück, an einer 
anderen Kasse wieder ausgeben. Hier wurde das Geldstück 
jedoch zurückgewiesen. Die Dame wandte sich darauf an 
einen Rayonchef, dem sie den Sachverhalt klarlegte. Der 
Herr sagte, er könne es nicht glauben, daß die Dame das 
Stück in dem Hause erhalten habe, er werde gleich mal eine 
Probe machen. Er nahm das Guldenstück, ging damit an 
eine Kasse und bat das Fräulein, das Stück zu wechseln. 
Die Kassiererin besann sich auch keinen Augenblick, sondern 
begann, zur Verblüffung des Herrn Rayonchefs, kleines 
Geld aufzuzählen. Trotzdem der Beweis also gelungen war, 
mußte die Dame auf den Umtausch des Guldens doch noch 
mehrere Tage waren. 
o „Johanna Stegen svvo 1813", das Schauspiel 
aus den deutschen Befreiungskriegen von unserem Mitbürger 
Görlich-Hindersin, über welches wir mehrfach berichteten, ge 
langt nun auch in Hannover, Hamburg, Lübeck, Bremen, 
Braunschwcig und anderen Städten zur Aufführung. Die 
Erstaufführung in Hannover findet am 2. September statt. 
— Ihre Königliche Hoheit, Frau Prinzessin Victoria Luise, 
Angouleine und Montargis zu fragen. — Aber da sind wir 
bei der Post." 
Lechmere ließ sich mehrere Telegrammfornmlare geben und 
gab Depeschen an Maxgregor und Doktor Varncy, sowie an 
seinen Diener auf, dem er mitteilte, daß er wahrscheinlich 
längere Zeit von London abwesend sein würde. Danach kehrte 
er zu dem harrenden Wagen zurück. 
„So, nun fahren Sie mich zunächst zu der Villa dcS 
Herren Angouleme. — das war doch wohl der Name", sagte 
er. „Vorher müssen wir jedoch, den Wagen schließen. Denn 
die Leute, an denen wir vorüberkommen, dürfen uns nicht er» 
kennen." ■ . ■ 
Die Villa, ein sehr anspruchsloses Gebäude, lag in einer 
Art Vorstadt. Vor die ganze Vorderseite war eine zweistöckige 
Veranda gebaut, zu der vom Garten hinaus ein paar Stnfcn 
hinausführten. 
Da die Tür des Vorgärtcheus offen stand, Lechmere auch 
keinerlei Glocke bemerken konnte, trat er ruhig ein und schritt 
zur ebenfalls offenen Veranda empor. Eine Glastür führte 
in das erste Zimmer, Lechmere klopfte, laut und energisch an. 
Drinnen sagte eine männliche Stimme: „Herein!", und er trat 
über die Schwelle. 
Das Gemach war zum Krairkenzimmer umgestaltet worden. 
In der Mitte stand ein breites, bequemes. Bett, neben das 
ein kleines Tischchen gerückt war, ans dem allerlei Flaschen nnd 
Gläser Platz gesunden hatte». In den Kissen lag, einen Der« 
band um den Kopf, Charles Maxwell. 
Ein freudiges Lächeln huschte über sein bleiches Gefickt, 
als er den Besucher erkannte. Er machte einen mühsamen Ver 
such, sich im Bette aufzurichten, sank jedoch kraftlos wieder 
zurück. Siur die Stechte vermochte er chm entgegenzcistrccken, 
.„Es ist nicht,.so schlimm-, wie. es.aussieht',, meinte er 
Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg, hat die Widmung 
der Dichtung, welche im Verlag von Richard Gahl, Berlin, 
erscheint, mit herzlichen Dank angenommen. 
o Die 7. Vezirksverbandstagung evangelischer 
Arbeiter- und Volksvereine Grosi-Berliner Vororte am 
Sonntag, dem 17. Slugust, nachm. 2 Uhr in Conrad's Fest- 
sälen zu Spandau, Schönwalderstr. 2, hat eine ziemlich 
reiche Tagesordnung, sie nennt folgende Punkte: Bericht der 
6. Tagung in Zossen; wichtige Werbemittel (Referendar 
Krug): Wie können wir die Frauen zu unserer Mitarbeit 
heranziehen? (Diakon Franke): Lieferung der Vcreinszcitimg 
auch' an weibliche SNitglieder (Hugo Richter); das 8 tägige 
Erscheinen der ^Nordostdeulschen Arbeiterzeitung (Referendar 
Krug); Sonntagsausflüge für Erwachsene im Verein mit 
der Jugend (Hugo Richter). Hinweis auf die Volksvcc- 
sicherung (Diakon Franke); sonstige WünscheIusw. aus den 
Vereinen. — Rach Beendigung der Tagung wird das 
Sommerfest des dortigen Brudervereins im Schützcnhause, 
Neuendorferstraße, geplant, woselbst Herr Pastor Daberkom 
die Begrüßung und Herr Superintendent Augustat die Fest 
rede übernommen hat. 
o Das Deutsche Theater Verlin-Charlottenburg 
bringt am nächsten Sonnabend im „Kaiser-Wilhelm-Garten" 
das Lustspiel mit Gesang und Tanz „Der Vetter", von 
Roderich Benedix, zur Aufführung. Die Vorstellung wird 
diesmal bereits um 8 Uhr beginnen. Für eine gute Be 
setzung der Rollen ist die Direktion bemüht gewesen, es 
werden bewährte Kräfte mitwirken. Die Regie liegt in 
Händen des Herrn Hans Mainau. Wir empfehlen unsern 
Mitbürgern den Besuch dieser Vorstellung und bitten sie, 
die Sonderbeilage in dieser Nummer gest. zu beachten. 
Eintrittskarten sind im Vorverkauf in der Papierhandlnnz 
von W. Ebers, Rheinstraße 15, und am Büffet im „Kaiser- 
Wilhelm-Garten" zu haben. 
o Im Biofontheater in der Rheinstrasie 14 kommt 
von heute ab ein neues interessantes Programm zur Vor 
führung. „Perlen bedeuten Tränen", ein deutsches Drama 
aus dem Gesellschafts- und Theaterleben SNüncheus in 
3 Akten fesselt von Anfang bis Ende. Einer wahren Be 
gebenheit entnommen, zeigt dieser Film die schlimmen 
Folgen einer Eheirrung der jungen schönen Frau eines 
Bankiers in ergreifender Weise. Der Heringsfang in der 
Boulogne ist eine sehr hübsche Naturaufnahme, ebenso die 
zahlreichen Bilder des Pathä Journals. Damit ist die 
ernste Seite des Programms erschöpft und eine ganze Reihe 
heiterer und ulkiger Bilder folgen. Der Zigarrenstummel, 
ein prächtiges Lustspiel, das erst heute erschien, erzielt 
ungeteilte Heiterkeit. Auch das Tonbild ist sehr nett. 
Adolar in der Sommerfrische reizt zum Lachen, während 
Nunncs Wunderkind Tränen aus den Augen der sich windenden 
Zuschauer preßt. Das ist die Höhe ulkigsten Blödsinns, 
der je gezeigt wurde. Der Humor kommt diesmal mehr 
als sonst zu seinem Recht und beweist zur Evidenz, daß 
Lachen gesünder ist, als Weinen. Im Interesse aller wäre 
es erwünscht, die Damen gäben ihre großen Hüte in der 
beim Büffet befindlichen Garderobe ab, was nichts kostet. 
Eine Theaterzeitung des Biofontheaters mit Erklärung der 
vorgeführten Bilder ist am Eingang und im Saal erhältlich. 
Slnfang 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. 
o Ein vollbesetztes Haus haben täglich die „Hohen- 
zollern-Lichtspiele", Handjerystraße 64, zu verzeichnen. Es 
ist dies ein Beweis für die vorzüglichen Bilder und das 
großartige unübertroffene Programm dieser vornehmsten 
Friedenauer Lichtbildbühne. Von heute ab tritt Waldemar 
Psylander in einem Gastspiele auf in dem nordischen Kunst 
film „Die fünf Kopien", 2 Akte. „Das Ehrenwort" und 
„Die Königin von Saba" sind herrliche Dramen. Auch die 
anderen. Schlager des Muster-Programms verdienen gesehen 
zu werden. Möge es daher Niemand versäunien,' jetzt den 
Hohenzollern-Lichtspielen einen Besuch abzustatten. 
o Auf der Treptow - Sternwarte finden folgende 
kinematographische Vorführungen mit erklärenden Vorträgen 
statt: Am Sonnabend, dem 16. August, Abends 7 Uhr: 
„Christoph .Colmnbus"; Abends 9 Uhr: „Aus fernen 
Landen". Am Sonntag, dem 17. August, Nachm. 5 Uhr: 
Interessante Bilder aus Italien; Abends 7 Uhr: „Aus fernen 
Landen". Slm Montag, dem 18. Slugust, Abends 7 Uhr: 
„Christoph Kolumbus". Mit dem großen Fernrohr wird 
am Sonnabend der Jupiter und an den folgenden Tagen 
von 9 Uhr Slbends ab der Mond beobachtet. 
o Sturz aus dem Fenster. In einem unbewachten 
Augenblicke stürzte sich heute Vormittag eine junge Oestcr- 
reichcrin, Fräulein Hilda Urbach, die wegen eines Nervcn- 
lächelnd. „Seien Sie mir gegrüßt, lieber FreundI Was bringen 
Sie für Neuigkeiten?" 
„Ich bin durch ein Telegramm Peretoris gerufen worden", 
erwiderte Lechmere. „Und ich komme soeben von einem ge 
wissen Bertrix. Sie kennen den Namen?" 
. Maxwell nickte. 
„Slber gewiß!" antwortete er. „Ihm nnd keinem anderen 
übertrug ich es ja, den toten König zu verbergen. — Sie 
sind von allem unterrichtet 7" 
„Von drin Wesentlichsten jedenfalls. Nur weiß ich nicht, 
was Peretori vorhat, und kann noch nicht beurteilen, welche 
Stolle Mazaroff bei der Sache spielt. Jedenfalls wohl haben 
wir in ihm den eigentlichen Urheber des ganzen Unglücks zu 
sehen. Er hat Sie, wie mir gesagt wurde, bereits ausgesucht ?* 
Maxwell nickte. 
„Ja I" gab er zurück. „Er treibt die Frechheit etwas treib 
Alle paar Stunden kommt er, um sich teilnahinSvoll nach 
meinen. Befinden zu erkundigen; ich glaube, er hofft jedesmal, 
daß ich inzwischen an meiner Verwundung gestorben sei. — 
Nlm, dieser iromine Wunsch dürste schwerlich in Erfüllung gehem 
Der Arzt prophezeite mir, daß ich in drei oder vier Tagen 
wieder imstande sein würde, das Bett zu verlassen, und daß 
ich in einer Woche sicherlich kräftig genug sei, um riach London 
zu fahren." 
„Das ist außerordentlich ersrcnlich. Wir werden — aber 
um des Himmels willen, ich sehe Mazaroff durch den Garten 
kommen. Ich werde hinter den Wandschirm da treten, stellen 
Sie sich schlafend. Ta wird er am ehesten wieder gehen." 
t5omeyung.,o,gl.,
        
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