Path:
Periodical volume Nr. 189, 13.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Pudding mit Kompott, nur hin und wieder Fleischspeisen, 
bestehende Mittagbrot übersteigen niemals 15 Pfg. pro 
Kopf. In der Zusammensetzung der Speisezettel dienten als 
Vorbild die Pennymittagbrote, welche seit einer Reihe von 
Jahren die vegetarische Vereinigung in London im Winter 
an viele tausende Kinder verteilt und deren vorzügliche 
Erfolge allseitig auch in den Kreisen der Nichtvegctarier 
anerkannt worden sind. Sämtliche Speisen werden, wie in 
den Blättern für die Berliner Armen- und Waisenfürsorge 
1911 Nr. 5 und 6 ausgeführt ist, in einer Zentralschulküche 
zubereitet und mittels Wagen der Straßenbahn in Wärme 
kästen den verschiedenen Schulen zugeführt. Die Speisung 
geschieht in den Klassen und die älteren Kivder übernehmen 
die Aufsicht über die jüngeren. Alles geht in größter 
Ordnung und Ruhe vor sich, und es haben sich noch 
keinerlei Unzuträglichkeiten in den Schulen herausgestellt. 
o August Bebel, der Führer der deutschen Sozial 
demokratie, ist gestern in der Schweiz im Alter von 73 
Jahren gestorben. Ein Schlaganfall setzte seinem Leben 
ein Ziel. Mit August Bebel ist ein Parlamentarier dahin 
geschieden, dem selbst sein schärfster Gegner Achtung zollen 
mußte. Für seine Ueberzeugung trat er mit seiner ganzen 
Persönlichkeit und der ihm eigenen Rednergabe ein. In 
den letzten Jahren mußte er seines leidenden Zustandes 
wegen etwas zurücktreten und jüngeren „Genossen" den 
Redekampf im Parlament und auf Parteitagen überlassen. 
Bebel war in Köln geboren. Er erlernte das Drechsler 
handwerk und machte sich nach seinen Wanderjahren in 
Leipzig selbständig. Hier widmete er sich der Arbeiter 
bewegung und seine Beredsamkeit verschaffte ihn gar bald 
verschiedene Ehrenämter. Er wurde dann auch von einem 
sächsischen Wahlkreis in den Norddeutschen Bundestag ge 
schickt und später in den Deutschen Reichstag, dem er also 
von der Gründung an angehörte. In den letzten Jahren 
vertrat er den Wahlkreis Hamburg I. Wo immer Bebel 
auftrat, wußte er die Massen mit sich fortzureißen. Er ist 
der eigentliche Begründer der deutschen Sozialdemokratie, 
aufgebaut auf Marx-Lasalleschcn Lehren. In Friedenau 
war August Bebel kein Unbekannter, er wohnte in der 
Hauptstraße 97 in Schöneberg und besuchte gern unsern 
Friedrich-Wilhelm-Platz. Er war auch Leser des „Friede- 
nauer Lokal-Anzeigers" und interessierte sich sehr für die 
Entwicklung unseresOrtes und den hier regen kommunalen Geist. 
o Die hiesige Ortskmnkcnkasse hielt kürzlich eine außer 
ordentliche Generalversammlung ab, um die durch den 
Beschluß der Gemeindevertretung besreffcnd Errichtung 
einer Landkrankenkasse notivcndig gewordenen Satzungs 
änderungen vorzunehmen. Es wurde nur der betr. Para 
graph, der die Beitrittspflicht der Dienstboten ausdrückte, 
gestrichen. Die Beiträge blieben in der zuletzt beschlossenen 
Höhe und Staffelung bestehen. Vom Vorstand der Kasse 
wurde noch mit Bezug auf eine vom „Friedenauer Lokal- 
Anzeiger" gebrachte Notiz erklärt, daß der Vorstand durch 
aus nicht voreilig gehandelt habe, sondern erst nach einer 
Rücksprache mit dem Direktor des Oberoersicherniigsamtcs 
die Satzungsänderung vorgenommen und sich auf die Suche 
nach einem neuen größeren Lokal begeben hatte. Ganz 
unerwartet, auch fiir den Direktor des Oberoersicherungs 
amtes, sei dann plötzlich der nochmalige Antrag des Gc- 
mcindevorstandes auf Errichtung einer Landkrankenkassc ge 
kommen. 
o Stempekfreihcit für die polizeilichen Genehmigungen 
der Feuerbestattung. Eine allgemeine Verfügung des 
Finauzministers in Gemeinschaft mit dem Minister des 
Innern an den Berliner Polizeipräsidenten bestimmt, daß 
die polizeilichen Genehmigungen der Feuerbestattung steinpel- 
frei sind. Außer den Urkunden, die zur Herbeiführung der 
polizeilichen Genehmigung der Feuerbestattung vorzulegen 
sind, sind auch die polizeilichen Genehmigungen der Feuer 
bestattung selbst stempelfrei, weil sie ausschließlich im öffent 
lichen Interesse erteilt werden. Der Erlaß ist jetzt auch 
allen Regierungspräsidenten zur Nachachtung und Anweisung 
der Landräte mitgeteilt worden. 
o Wünsche für den Eisenbahnfahrplan. Die dem 
Verein der Vororte Berlins angeschlossenen Gemeinden, Ver 
eine und Korporationen werden ersucht, etwa vorliegende 
Wünsche für den Eisenbahnfahrplan im Vorortverkehr 
(Sommer und Winter 1914/15) bis zum 15. September 
d. Js. dem Vorsitzenden Franz Frerse, Wichelmshagen 
(Mark), oder der Geschäftsstelle des Vereins einzureichen. 
Später eingehende Wünsche können nicht berücksichtigt 
werden, da die Königliche Eisenbahndirektion Berlin den 
Fahrplan noch vor dem 1. Oktober bereits endgültig fertigstellt. 
seinem Blick.' Nach seinen letzten Worten machte' er nicht 
Miene, den anderen wirklich hineinzuführen, sondern blieb 
in der Tür stehen und fügte nach einer kleinen Pause 
zögernd hinzu: 
„Es war vor nicht langer Zeit ein Herr hier, dem 
ich zu Dank verpflichtet bin. Dieser Herr bereitete mich 
darauf vor, daß ich den Besuch eines Herrn aus England 
empfangen würde. Sollten Sie — 
Lechmere überlegte rasch. Vielleicht war das nur eine 
Falle, um seinen Namen zu erfahren — vielleicht aber hatte 
Peretori diesen Bertrix wirklich auf seinen Besuch vorbereitet. 
„Er nannte Ihnen wohl jedenfalls auch seinen Namen. 
Darf ich den nicht erfahren?" 
Der kleine Franzose schüttelte den Kopf. 
»Nein, Herr! — Ich muß ihn geheimhalten — dazu 
habe ich mich verpflichtet. Aber, wenn Eie mir Ihren Namen 
nennen wollten, würde ich gleich wissen, ob ich Ihnen alles 
sagen darf." 
Lechmere sah ihn scharf an. Doch der Mann blickte 
ihm so offen in die Augen, daß er nicht an eine Hinterlist 
glauben konnte. Er sagte deshalb kurz: 
„Mein Name ist Lechmere. Und ich vermute, der Fremde, 
der mich anmeldete, war ein hochgewachsener Mann von 
südländischem Aussehen —" 
Bertrix verneigte sich. 
. -Ich sehe. Sie sind der Herr/ sagte er. „Bitte, wollen 
Sie eintreten. Ich habe Ihnen eine lange Geschichte zu er 
zählen." 
err führte ihn in ein sehr einfach eingerichtetes, aber 
sauberes und freundliches Zimmer und rückte ihm einen 
Stuhl zurecht, während er selbst neben dem Tisch stehen blieb. 
Von draußen vernahm Lechmere lautes Hämmern uird Pochen 
o Zn dem Verzeichnis der Teilnehmer an den 
Fernsprechnetzen in Berlin und Umgegend hat die Ober- 
postdirektion einen Nachtrag hergestellt der demnächst, zur 
Verteilung gelangt. Nach dem Stande vom 9. Juli ver 
zeichnet das Heft auf 52 Seiten etwas über 6000 An 
schlüsse, die seit der Ausgabe des letzten Verzeichnisses vom 
April hinzugekommen sind. Für den Monat Oktober ist 
eine neue Auflage des ganzen Verzeichnisses beabsichtigt. 
Sic wird Mitte November ausgegeben. 
o Der Goldregen, die wegen ihrer weithinstrahlenden, 
gelben Blütentraubcn so häufig in Anlagen zu findende 
Zierpflanze hat nun ihre Früchte entwickelt. Weil diese 
Schoten sind und au die bekannten Zuckerschoten erinnern, 
werden sie von Kindern leicht verwechselt und gern gegessen. 
Allein cs sei darauf aufmerksam gemacht, daß diese Schoten 
giftig sind, worauf alle Eltern und Kinderwärterinnen achten 
mögen. Eine einzige solche Schote reicht hin, das Leben 
eines Kindes zu gefährden. Doch nicht bloß dieser Same, 
sondern auch die übrigen Teile dieser Pflanze, überhaupt 
der Saft, enthält Gift, darum ist auf das bei Kindern übliche 
Kauen an Rinde, Zweigen, Blättern zu achten. 
o Rettungsversuche beim Schwimmunterricht. Einer 
Anregung des prcuß. Unterrichtsministers entsprechend, werden 
jetzt Rettungsversuche beim Schwimmunterricht von den 
Schülern gciibt. Erfahrungsgemäß können nicht rvenige 
Unglücksfälle durch Ertrinken vermieden werden, wenn recht 
zeitig sachkundige Rettungsmaßregeln angewendet oder 
Wiederbelebungsversuche angestellt würden. Die Uebungen 
werden überall empfohlen, wo Schülern der Mittel- oder 
Volksschulen Schwimmunterricht erteilt wird. Es soll da 
bei von ausgebildeten und sonst geeigneten Schwimmern 
durch praktische Versuche gezeigt und mit ihnen geübt werden, 
rvie Ertrinkende zu fassen, ans Land zu bringen und zwecks 
Wiederbelebung zu behandeln sind. Im Aufträge de? 
Ministers ist auch ein Nothelferbuch bearbeitet worden. Es 
dient als praktisches Lehrbuch für Uebungen und erste Hilfe 
dieser Art. 
o Handclsgerichtliche Eintragung. Bei Nr. 25 663. 
(Firma Franz Steldt in Berlin-Schöncberg): Niederlassung: 
Berlin-Friedenau. 
o Firmeneintragung. In das Handelsregister ist ein 
getragen worden: Nr. 12 358. Hausgesellschaft Köruerstr. 48, 
Beckerstr 13-14, Knausstr. 1, Aktiengesellschaft. Gegenstand 
des Unternehmens: Erwerb und Verwertung des Körner- 
straße 48, Ecke Beckerstr. 13-14, Ecke Knausstr. 1., be- 
legenen, im Grundbuche des Amtsgerichts Berlin-Schöneberg 
von Schöneberg, Band 77, Blatt Nr. 2593 verzeichneten 
Grundstücks. Grundkapital: 14 000 M. Aktiengesellschaft. 
Der Gesellschaftsvertrag ist am 18. Juli, 5. August 1913 
festgestellt. Rechtsanwalt Dr. Rudolf Günther in Berlin- 
Wilmersdorf ist zum Vorstand ernannt. 
o Neklamemarken sind jetzt der Jugend „ein und 
alles". Die Papierwarengcschäfte besitzen bereits eine ganz 
stattliche Anzahl und Auswahl dieser bunten Bildchen zu 
einem Pfennig oder zwei, und auch die dazu nötigen 
„Albums" sind schon zu haben. Die neue Spielerei, die 
im Frühjahr 1913 bekannt ivar und sich seitdem mit 
„rasender Schnelligkeit" auch auf Ortschaften der Provinz 
ausdehnte, hat zwar keinen anderen Zweck als den des 
Bildchcnsammclns, hat aber wenigstens das Gute, daß sie 
die großen Jndustriefiriucn schon der Jugend bekanntmacht. 
Viele Ladengeschäfte der Großstadt, die kostenlos Reklame- 
marken abgaben, sind jedoch schon derart bestürmt worden, 
daß sie dadurch im Verkehr mit wirklichen Kunden 
empfindlich gestört wurden und mehr Schererei als Vorteil 
von der Reklamemarkensucht der Kinder zu haben glaubten. 
„Es gibt keine Marken mehr!" ist ihre Antwort auf die 
Bitten der Kinder. Im rechten Lichte besehen, ist dieser 
neue Sammclsport — Unsinn. Briefmarken zu sammeln, 
hat Zweck und Ziel, bereichert die geographischen Kenntnisse 
der Jugend und verdient gepflegt zu werden. Wozu aber 
werden Reklamemarken gesammelt? 
o Männer-Tunlverein (1. Männer-Abteilung). Das 
Turnen der 1. Manncrabteilung fällt heute aus. Morgen, 
Freitag wird zum letzten Mal in der Turnhalle Gvßlcr- 
straße geturnt. Vom Montag, dem 18. August, ab findet 
das Turnen wieder Montag und Donnerstag in der Turn 
halle des Gymnasiums am Maybachplatz, Eingang Hand- 
jerystraße, statt. 
o Die 7. Bezirksverbandstagung evangelischer 
Arbeiter- und Volksvereine Grost-Berlincr Vororte findet 
am Sonntag, dem 17. August d. I., Nachmittags 2 Uhr, 
in Conrads Festsälen, Schönwalderstr. 2, statt. Nach Ve- 
«EM—B—————————MM 
— wahrscheinlich gingen die Geräusche vom Bahndamm aus, 
an dessen Wiederherstellung gearbeitet wurde. 
_ „Sehen Sie, damit Sie bcgrci en, was später kommt, 
muß ich mit einem Kapitel aus meinem eigenen Leben be 
ginnen," sagte der Franzose. „Ich bitte Sie, werden Sie 
nicht ungeduldig, wenn die Geschichte auch etwas lang 
werden sollte. 
Ich lebe jetzt in meinem Hanse allein, ohne Weib und 
ohne Kinder. Das ist einmal anders geivescn. Ich war 
verheiratet — wie ich vermeinte, recht glücklich verheiratet; 
denn ich war vollkommen vernarrt in die blonde kleine Blanche. 
Ich bekam einen Sohn — einen herzigen Knirps, und ich 
häkle mit dem Reichsten in Paris nicht tauschen mögen. Daß 
Blanche mir gut ivar, dafür möchte ich meine Hand ins 
Feuer legen; uird wäre der Italiener, der Giuseppe, der Teufels 
kerl mit seinen dunklen Fcncrangcn rmd seinen blanschwarzen 
Locken nicht gekommen, ich wäre heule nicht allein. Er tat 
es ihr an — wer weiß, welche Zaubcrlränke er ihr einflößte, 
kurz, eines Tages ivar sie mit ihm ans und davon, mit 
meinem Jungen, und ich konnte cs niemals herausbringen, 
wohin sie mit ihm gegangen ist. 
Biele Jahre habe ich nichts mehr von ihr und von 
meinem Kinde gehört. Ich habe gearbeitet, habe gelebt, ich 
weiß es nicht, wie. — Meine Kameraden mögen mich nicht, 
denn ich halte mich von ihren Vergnügungen fern, und dann 
gelte ich anch für geizig — 
Und da bin ich eben da angekommen, wohin ich wollte. 
Eines Tages nämlich bekomme ich einen Brief, aus Italien 
drunten, weit her, in dem mir ein ehemaliger Kollege mitteilt, 
er habe mein Weib gefunden. In den allerdür tigsten Ver 
hältnissen lebt sie mit meinem Kinde, das nun so im vierzehnten 
Jahre sein mag, und dessen Arbeit allein die beiden erhält. 
endicplng der ziemlich wichtigen Tagesordnung — zehn 
Punkte — ist zur Erholung der Besuch des Soinmcrfcstes 
des Spandauer evangelischen Arbeitervereins im Schützen- 
hause geplant, zumal der Bezirksverband in diesen Tagen 
auf ein einjähriges Bestehen zurückblicken kann und deshalb 
eine besondere Einladung dorthin erhalten hat. 
o Eine überraschende Aufklärung in der Vrillanten- 
diebstahlssache in Wilmersdorf, über welche wir be 
richteten, scheint nahe bevorzustehen. Die Kriminalpolizei 
war bisher lediglich auf die Aussagen der Wohnungs 
inhaberin und ihres langjährigen Dienstmädchens ange 
wiesen. Beide erklärten übereinstimmend, von den^ Ein 
brechern nichts bemerkt zu haben. Die in der Wohnung 
vorgefundenen Einbrnchswerkzcuge sind völlig neu, können 
also erst kurz vor dem Einbruch gekauft morden sein. Sie 
bestehen, wie wiederholt sei, aus einer 43 Zentimeter langen 
Stichsäge, auf deren dunkelgelb lackiertem Holzgriff mit 
einem Gelbslift die Auszeichnung — ,70 vermerkt ist. 
Ferner wurde ein spitzes Bnchbindermcsser mit einer sechs 
Zentimeter langen Solinger Klinge und einem 12 Zentimeter 
langen ungefärbten Naturholzgriff und endlich ein Meißel, 
der vorher frisch geschärft morden ist, mit einem dicken, 
hölzenren Griff, gefunden. Die Kriminalpolizei beschlag 
nahinte weiterhin zwei Flaschen, mit deren Flüssigkeit Por 
tieren und Gardinen in Brand gesetzt waren. In einer 
Champagnerflasche, von der Wohnungsinhaberin als ihr 
Eigentum bezeichnet, fanden sich auffallenderweise Petroleum- 
reste vor. Eine andere Weinflasche, mit einem Rest von 
Brennspiritns, ist nach der Behauptung der Wohnungs 
inhaberin vor ihrem Weggange mit Rotwein gefüllt und 
verkorkt gewesen. Die Einbrecher müssen demnach ^vorher 
den Wein ausgetrunken und ans einer anderen Flasche 
Spiritus hinzugefüllt haben. Auf die Herbeischaffung der 
verschwundenen Schmuckgegenstände sind bekanntlich 5000 M. 
Belohnung ausgesetzt. Geschäftsinhaber, bei denen die oben 
bezeichneten Gegenstände gekauft wurden, mögen sich sofort 
bei der Schöneberger Kriminalpolizei melden. Die Sach 
lage ist zurzeit noch nndursichtig. Es ist jedoch nicht aus 
geschlossen, daß bald eine überraschende Aufklärung erfolgt. 
o Aus dem Fenster gestürzt. Heute Mittag gegen 
!/ 4 l Uhr stürzte sich Wilhelm-Hauf-Str. 18 ans einem Fenster 
im 3. Stock ein in den 20 er Jahren stehendes Mädchen 
auf den Hof hinab. Mit schweren inneren Verletzungen 
blieb die Unglückliche bewußtlos liegen. Im Krankenwagen 
wurde sie nach dem Schöneberger Krankenhause gebracht. 
An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Die Lebensmüde 
bewohnte bei einer Frau Splittgerber ein möbliertes Zimmer. 
Was sie zu der Tat veranlaßte, ist noch nicht festgestellt. 
o Vier Strasseuräuber verhaftet. In der Nacht zum 
Montag kneipte ein älterer Tischler H. mit mehreren jungen 
Burschen in einem Steglitzer Cafö. Plötzlich verniißte H. 
seine Uhr. Als er seine Begleiter beschuldigte, stritten die 
Betreffenden und man überredete ihn, gemeinsam aus die 
Straße zu gehen und den Dieb zu suchen. H. ließ sich 
leider auf das eigentlich sehr durchsichtige Spiel ein. An 
der Ecke der Schadcnrute fielen dann die Burschen über ihn 
her, würgten ihn und entrissen ihm das Portenwnnaie mit 
40 M. Inhalt. Dann verschwanden die Räuber rin nächt 
lichen Dunkel. Den Polizeibehörden von Steglitz und 
Schöneberg gelang es. als Täter vier Schönebcrger Arbeiter: 
Kluge, Pfeifer, Richard und Angerer festzunehmen. Sie 
wurden wegen Raubes sofort nach Moabit gebracht. 
v Erhängt. Gestern Nachmittag wurde im Kellcr 
eines Harises in der Mommsenstraße ein junger Friseur er 
hängt vorgefunden. Wiederbelebungsversuche! blieben er 
folglos. Es ist noch nicht festgestellt, was den jungen 
Mann in den Tod getrieben. 
Verems-Nachriebren 
Tie Gesang-Abteilung des hiesigen evangelische» Arbeiterverein? 
begibt sich am Sonntag, dem 17. d. 931., mit dem Voltringzuge 
2 llhr 36 93!in. ab Ringbahnstntion Wilmersdorf-Friedenau mit 
Umsteigen in Jnngfernheide, 3 Minuten, nach Spandau, unr dort 
im alten Schützenhause, bleuendorferstraße, ihr einjähriges Bestehen 
in: Kreise des dortigen Brudervcrcins bei dessen Sommcrfest, 
Anfang 4 Uhr mit Kaffcckochcn, zu feiern. Unter Leitung des 
Dirigenten Herrn Mar Voigt komme» einige Lieder zum Vortrag. 
Der Besuch aller Vcreinsmitgliedcr ist gern gesehen. Bei schlcchtcnl 
Wetter im Saal. 
PatentTebau 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin KO. 18, Große 
Fronkfurterstr. 59. Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Optische Anstalt C. P. 6)oerz, A.-G., Bcrlin-Fricdcnan: Jn- 
vertentfernungsinesser mit Jnnenfkala. (Aiigcm. Pat.) 
^cim Blanche ist krank und schwach, sie kann nichts tun. Der 
Giuseppe hat sie lange verlassen; uild null sehnt sie sich zurück 
»i ihr Frankreich — zurück— zu mir! Und wenn die Scham 
nlcht^iväre, sic hätte mir's schon geschrieben. 
Tu lieber Gott, es mag ja recht närrisch sein — aber 
geweint babe ich wie ein Kind, als ich den Brief gelesen 
v - 11 " 5 /on dem Tage an habe ich mir jeden Groschen, 
ledcn Pfennig beiseite gelegt, den ich nur habe erübrigen können, 
und mein einziger Gedanke ist geivescn: du holst sie dir 
znriick die Blanche und deinen Sohn, der nun so groß 
geworden ist! Die andern habcn's bald bemerkt, daß ich 
io — knauserig geworden bin, und weil sie nicht wußten, 
warum cs geschah, haben sie darüber gespottet und sich noch 
mehr von mir zurückgezogen. Schließlich habe ich nun ja auch 
jo viel, dag ich nach Italien hinuntergehen-könnte. Aber das 
lst nickst genug. Ich kann mit ihr nicht hierher znrückkoinmcn, 
wo jeder west;, ivas sie einmal getan. Jrgendivo in der 
orcnide, an einem schönen Fleck in Frankreich, will ich mich 
mit ihr ansiedeln; und dazu brauche ich Geld — mehr Geld! 
Es hatte wohl noch Jahre gedauert, bis ich genug zusammen 
gehabt hatte; und davor ist mir so furchtbar angst geivescn. 
Vielleicht loinmst bn zu spät, habe ich mir immer wieder 
gesagt, und ich habe gearbeitet, daß mir das Blut unter den 
Fingernägeln hervorgetreten isi. 
So standen die Tinge, als ich hier in meinem Hause sitze — 
an einem arbeitslosen Feiertag. Da höre ich plötzlich ent* 
setzliches Krachen und Klirren, als ivcmi ein Tntzciid Häuser 
ziisammengefalleil wären. Ich springe auf und renne hinaus; 
da ivar ein Zug eiitgleisi, und ick> ivnßte gleich, daß es ein 
Etlraziig sc», mußte, denn für geivöhnlich fährt keiner um 
d.e'.er Zeit. 
(SoNjetzung ,0lgl.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.