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Periodical volume Nr. 188, 12.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

ausgegeben werden.. Haben Goldmünzen durch längere 
Zirkulation und Abnntzmig soviel au Geivicht eingebüßt, 
das; sie das oben angegebene Passiergeivicht nicht mehr er 
reichen, so werden sie für Nechiiung des Reiches zum Ein 
schmelzen eingezogen; alle Kassen des Reiches und der 
Bundesstaates nehmen sie zu ihrem vollen Werl in Zahlung. 
Silber-, Nickel- und Kupfermünzen, die durch normale Ab 
nutzung im Gewicht oder Erkennbarkeit erheblich eingebüßt 
haben, werden ebenfalls von allen Reichs- und Landeskassen 
angenommen und eingezogen. Alle schadhaften Münzen, 
die mit einem Prägefehler behaftet sind, werden ohne 
weiteres wieder eingezogen. Münzen, die durch gewaltsame 
oder gesetzwidrige Beschädigungen an Gewicht verringert 
sind, müssen nach einer Ausführungsvorschrift des Bundes 
rats von den Reichs- und Landeskassen angehalten und, 
wenn der Verdacht eines Münzvergehens gegen eine be 
stimmte Person nicht vorliegt, durch Zerschlagen oder Ein- 
schueideu siir den Umlauf unbrauchbar gemacht und alsdann 
dem Einzahler in ihrem vollen Werte ersetzt werden. 
o Die Lotosblume, ursprünglich in Aegypten heimisch, 
ist jetzt über ganz Südasien verbreitet. Sie ist den ver 
schiedenen Sekten der Buddhisten und Brahmanen heilig 
und genießt dort besondere Verehrung als Wiege Buddha's. 
Diese Blume steht im Botanischen Garten zu Dahlem 
zurzeit in Blüte. In dem mit warmem Wasser, das die 
Pflanze zu ihrem Gedeihen braucht, gefüllten großen Becken 
sind zahlreiche Exemplare vorhanden, und die Blüte ist in 
ihrer Schönheit namentlich in den Vormittagsstunden gut 
zu betrachten, da sie später unter der Einwirkung der 
Sonnenstrahlen erheblich zu leiden hat. Interessant sind die 
nach dem Absterben der Blume rasch sich entwickelnden 
Samenbehäller, die ganz und gar einer Streusandbüchse 
gleichen. Neben dieser im Freien befindlichen indischen 
Lotosblume befindet sich ihre ägyptische Kollegin in einem 
der Warmhäuser, wo augenblicklich auch die Viktoria Regia 
in Blüte steht. Ihre mächtigen Blätter, die so stark sind, 
daß sie ein kleines Kind ungefährdet zu tragen vermögen, 
entivickeln sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit und 
eines schiebt das andere fort, svdaß die ganze Wasserfläche 
bald vollständig von dgn Riesentellern ähnelnden Blättern 
bedeckt ist. Nach unk'enhin weisen sie dicke Rippen mit 
zahllosen starken Stacheln auf, die sie vor Angriffen durch 
die Wasserbewohner der Tierwelt schützen. Uebrigens ist 
das Leben der eigenartigen Pflanze nur nach Monaten be 
messen. Im Herbst wird sie aus dem Warmhause entfernt 
und fortgeworfen, und nur der Samen nürd im gewärmten 
Wasser den Winter hindurch aufbewahrt, um im Frühjahr 
zu keimen und ein tteues Exemplar erstehen zu lassen. 
Lotosblume und Viktoria Regia bilden eine starke An 
ziehungskraft des Botanischen Gartens und führen ihm im 
Verein mit den vielen übrigen SeheuSwürdigkeiteit und 
Schönheiten des Pflanzenreiches täglich zahlreiche Besucher 
zu, die sür Weg und Zeit reichlichen Lohn finden. 
v Die Heide blüht! Einen lieblichen Anblick ge 
währen die gegenwärtig in voller Blüte stehenden blauroten 
Heidebüsche mit ihren feinästigen Zweigen und zierlichen 
Blütcnglöckchen. Weite Landstrecken sind oft davon bedeckt 
und haben jene Farbe angenommen, . welche das Auge des 
Naturfreundes erfreut. Das Heidekraut gibt übrigens eines 
sehr hübschen Zinimerschmuck und hält sich im Glase 
monatelang ohne Wasser, ohne seine niedlichen Blüten zn 
verlieren. 
v Firmeneiutragmlg. Nr. 41 369. Firma: Albert 
Nauck in Berlin. Inhaber: Albert Nauck,^ Verlagsüuch- 
händler in Berlin-Friedenau. 
o Das Lemmsche Konservatorium der Musik ist 
von der Blankenberg Straße nach Rheinstr. 54, II über 
siedelt. Wir hatten wiederholt das Vergnügen, uns von 
der Leistungsfähigkeit dieses Mnsikiustituts zu überzeugen 
und möchten auch bei dieser Gelegenheit wieder den Eltern 
musikstudierender Söhne und Töchter das Lemmsche Konser 
vatorium empfehlen. Die Anstalt verfolgt den Zweck, die 
ihr anvertrauten Schüler in einem der indioiduellen Be 
gabung eines jeden Schülers angepaßten Lehrgänge von 
den ersten Anfängen bis zur Konzertreise mit der größten 
Gewissenhaftigkeit auszubilden. Besonders gepflegt wird das 
Auswendigspielen, um die Schiller zu befähigen, bei irgend 
welchen Gelegenheiten, Gesellschaften usw., ihre Kunst auch 
ek vielleicht trügerische Hoffnungen tu Dem armen jungen 
Geschöpf erweckte, so daß die Wahrheit sie später um so furcht 
barer treffen mußte? — Er konnte nichts anderes tun, als 
ihr antworten, daß er selbst über das Schicksal ihres Verlobten 
nichts wisse. 
Wahrscheinlich aber ist, daß niemand dabei zn Schaden ge 
kommen ist," fügte er hinzu. „Es wäre sonst wohl in der 
Depesche angegeben gewesen. Fassen Sic Mut, Fräulein 
Galloivay — Sie müssen sich heute noch einmal ebenso 
stark und energisch zeigen wie gestern! Die Gefahren sind 
noch nicht beseitigt, und wir bedürfen der Hilfe eines jeden 
unserer Freunde — ohne Ausnahme!" 
Vera nickte. 
»Za, ja — ich will ja auch alles geduldig ertragen," er 
widerte sie leise. „Nur diese Ungewißheit über Charlies 
Schicksal legt mir beinahe mehr auf, als ich schwaches Mädchen 
tragen kaun. — Sagen Sie mir nur — sind jene Papiere noch 
nicht gefunden?" 
„Doch — sie siitd gefunden!" erwiderte Lechmere. 
„Freilich haben wir sie noch nicht wiedererlangen können. Aber 
ich weiß,_ wo sie sich befinden, und wer sie besitzt. Und ich 
werde kein Mittel unversucht lassen, sie ivicdcr au mich zu 
bringen." 
„Aber cs ist nicht die Gräfin Sacns, die die Dokumente 
hat?" fragte Vera angstvoll. 
„Nein! — Dow ist es keineswegs ausgeschlossen, daß 
sie ihr in die Hände sielen, wenn ich lange zögerte, ihr zuvor 
zukommen. — Ich muß Sie jetzt verlassen. Aber ich werde 
,n einer halben Stundc in das Palais der Königin zurück- 
kehrcn; wollen Sie das, bitte, auch Ihrer Majestät sagen, 
falls ihr Gespräch mit Maxgregor bor meiner Rückkunft beendet 
sein sollte." 
Zu Fuß machte er sich nach dem Hause drr Gräfin auf 
den Weg. Er glaubte sich ganz klar zu sein darüber, auf 
welche Weise er die Schriftstücke wieder an sich bringen könnte; 
und er dachte beinahe mehr an das Ereignis in Frankreich, 
als an sein augenblickliches Vorhaben. 
Als er sich dem .Saensschen Palais bis auf einige Häuser 
ohne Vorlage von Noten zu zeigen. Näheres enthält 
übrigens der Prospekt, den Frau Lcmm aus Wunsch lostcu- 
frei ins Haus sendet. 
o Der Verein der Gast- und Schankwirte hielt 
gestern Abend im Restaurant „Kaisereiche", Rheinstraße 54, 
seine Monatsversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Carl 
Gnndlach eröffnete die Versammlung und gedachte zunächst 
der verstorbenen Frau des Kollegen Bendschneider, zu deren - 
Gedächtnis sich die Anwesenden von den Plätzen erhoben. 
Neu aufgenommen wurden die Kollegen H. Dornheim, 
Rheinstr. 18 und Rvb. Kühn, Hackerstr. 3. Vom Kollegen 
Böge wurde der Kollege Rvb. Klafke, Kaiserallee 98 zur 
Aufnahme angemeldet. Ueber die Aufnahme wird in der 
Nächsten Versammlung Beschluß gefaßt werden. Auf das 
Svmmerfest des Verbandes wurde hingewiesen und reger 
Absatz von Eintrittskarten empfohlen, da der Ueberschuß 
einem guten Zweck des Verbandes zugute kommt. Das 
neue Eichgesctz tritt am 1. Oktober in Kraft; Herr Hans 
Berger hat sich bereit erklärt, 100 Gläser für den Preis 
von 2 M. umzueichen. Der Kassierer, Kollege Kiewitz, 
empfahl, die Inserenten im Nachrichtenblatt zu unterstützen. 
Der Antrag, einen Siebenerausschuß zur Vorbereitung der 
Vorstandswahl einzusetzen, wurde abgelehnt. Es fand darauf 
die Warenmarktpause statt. Während dieser verteilte die 
Finna Heinrich Mittler Kostproben verschiedener Sorten 
Brote und Herr Brandtner Proben seiner vorzüglichen 
Bouillon- und Suppenwürfel. Nach der Panse wurden die 
Kollegen vom Vorstand eindringlich um Einreichung der 
Kohleusäurebücher gemahnt. Während den Kollegen kein 
Pfennig verloren geht, kommen dein Verein durch zuver 
lässige Ausfüllung der Kohlensäurebücher noch besondere 
Prozente zugute. — Die nächste Vorstandsversammlung 
findet am 1. September beim Kollegen Vurmeister, Frege- 
straße 80, die nächste Vereinsversammlung am 8. September 
beim Kollegen Haar, Stierstraße Ecke Hauptstraße statt. 
o Das Viofontheater in der Rheinstrasie 14 weist 
jeden Abend ein vollbesetztes Haus auf, ein Zeichen, daß 
seine Darbietungen gefallen. Das neue Programm von 
heute ist wieder ansehenswert. „Ihre Vergangenheit" ein 
spannender Zweiakter. Die Tochter des Herzogs Creon 
von Rochefort, die unter dem Namen Poette Ricordi in 
Ricordi in Neuyork wegen ihrer Schönheit als Tänzerin 
Aufsehen erregte, wurde von ihrem Vater nach Paris zurück 
geholt und dem Herzog von Armoy vermählt. Ihr Lieb 
haber aus Neuyork, Otto Kerrowitsch, erscheint auf der Bild- 
fläche und reißt die Unglückliche ins Elend, doch wendet sich 
schließlich alles zum Guten. Die Darstellung ist großartig 
und die Handlung ergreifend. „Ein grimmiger Streich" 
heißt ein anderes Drama in 2 Akten, das in der römischen 
Campagne spielt, zeigt das Leben und (Lieben des seit 
alters dort wohnenden Hirtenvolkes mit seiner besonderen 
Ansicht von Bauernehre (cavalleria rusticana). Die 
Wochenrevue von Pathö fröres bringt wieder eine ganze 
Reihe von Bildern der Vorgänge der letzten. Zeit aus aller 
Welt. Neben ernsten ist auch das humoristische Genre recht 
gut vertreten. Die Vogelscheuche ist sehr ulkig. Wie Golo 
die Genoveva heiratet eine tolle Atelierszene und Was 
werden unsere Kinder sagen? ist eine drollige Heirats 
geschichte aus Amerika. — Das Viofontheater ist gut 
ventiliert, die Bilder erstklassig. Anfang 6 Uhr, Sonntags 
4 Uhr. Gardcrobenablage kostenfrei. Eine Theaterzeitung 
mit Erklärung der Bilder ist am Eingang und im Saal 
erhältlich. 
o Ans dem Tanzboden verhaftet wurde gestern das 
Dienstmädchen Emma Zühlsdorf, das sich hier verschiedene 
Diebstähle hat zuschulden kommen lassen. Sie mietete sich 
an mehreren Stellen Zimmer und verschwand dann ivieder 
heimlich, nachdem sic ihre Wirtsleute bei der ersten besten 
Gelegenheit bestohlen hatte. Gestern gelang cs einem 
Kriminalbeamten, die Diebin in einem Tanzlvkal in der 
Steglitzer Straße in Lichterfelde festzunehmen und 'der 
Polizeiwache zuzuführen, von wo aus sie heute dem Gerichts- 
gefänguis übergeben ivurde. 
o Wegen eines Wohnnngsbrandes wurde die Schönc- 
berger Feuerwehr am Montag Abend gegen 8V 4 Uhr nach 
der Hauptstr. 101 gerufen. Es gelang der Wehr, nach 
kurzer Zeit das Feuer zu löschen. 
genähert hatte, verlaiigsamte er seinen Schritt und spähte 
aufmerksam hinüber. Die Jalousien im ersten Stock waren 
sämtlich herabgelassen — wahrscheinlich eine Verfügung der 
Gräfin für den Fall einer Reise. Auch die Vorhänge der 
Zimmer im Parterre waren zugezogen; das ganze Gebäude 
lag wie ausgestorben da. 
Eben mottle er seinen Weg fortsetzen, als ein Hansom in 
scharfem Trabe die Straße heraufkam und vor dem Hause 
der Gräfin hielt. Eine Frau in eleganter Reiseklciduug sprang 
rasch heraus und ging über das Trottoir nach der Haustür. 
„Was ist denn nun das wieder?" murmelte Lechmere 
überrascht vor sich hin. „Ein Glück, daß ich nicht fünf 
Minuten früher kam und von ihr drinnen mit der Zofe 
überrascht wurde! — Was aber führte diese Gräfin so rasch 
aus Frankreich nach London zurück?" 
46. Kapitel. 
Lechmere kehrte unverzüglich in das Palais der Königin 
zurück. Vorläufig durfte er ja nicht daran denken, Annette 
im Hause der Gräfin aufzusuchen. 
Die Königin und der General saßen neben dem Lager 
Veras. Die hohe Frau hatte ihren Plan, nach Frankreich 
zu fahren, tatsächlich aufgegeben. Maxgregor hatte also seine 
Absicht erreicht; auch hier gab es für Lechmere nichts mehr 
zu tun. 
Er kehrte in sein Heim zurück und verbrachte den Tag 
mit der Erledigung von KorrcjponLenzen und allerlei anderen 
Arbeiten. Er entfernte sich nicht aus der Wohnung in der 
Erwartung, daß in jedem Augenblick ein Telegramm von 
Peretori kommen könnte. 
Gegen Abend traf die ersehnte Nachricht wirklich ein. 
Lechmere erbrach hastig den Umschlag und las: 
„Folgen Sie mir mit dem Nachtzug. Das Unglück 
geschah bei St. Just, gehen Sie dort in ein Hotel. Aber 
seien Sic vorsichtig — Mazaroff ist da! Fragen Sic nach 
dem Häuschen des Bertrix und sagen Sie dem Manu 
Ihren Namen. Ich fahre ostwärts." 
0 Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Portemonnaie mit Inhalt. Der rechtmäßige 
Cigcnlümer vorbenanulen Gegenstandes ivird nufgesordcrt, 
seinen Anspruch binnen drei Aionaten im hiesigen Fundbüro, 
Feurigstraße 7, Zimmer 0, geltend zn machen, da sonst 
anderweitig über den Fundgegenstand verfügt werden wirb. 
Temns-Hachrichten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Mittwoch von 8'/z Uhr Abends im 
Lauterplatz-Casino, Hauptstraße 80. Gäste und neue Mitglieder 
willkommen. 
Thcatervcrein „Terres" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9'A, Uhr im Vereinslokal Paul Sponholz, Steglitz, Körnerstr. 48o. 
Gäste als Mitglieder willkommen. 
Jugendvereinignng Friedenau 1910. Unseren Mitgliedern sei 
hierdurch zur Kenntnis gebracht, daß am Donnerstag, dem 14. d. Al., 
pünktlich ‘/„9 Uhr im Vereinslokal (Schulhaus Albestraßc) eine 
Versammlung staltsindet, bei welcher u. a. das Programm für die 
zum Sonntag, dem 24. d. M. anberaumte außerordentliche Mit- 
gliederversaminlung festgesetzt wird. Um vollzähliges Erscheinen 
wird gebeten. 
““ Die Hauptabteilung des Charl. Touristenklubs „Märkische 
Föhre" unternimmt am Sonntag, dem 17. August 1913, die 127. 
Wanderfahrt nach Rahnsdorf, Krumme Laake, Gr. - Krampe, 
Crampenburg. Dampferfahrt nach Grünan. Versammlung */*7 
Uhr Charl. Bahnhof Hauptportal. Abfahrt 6.52 Uhr. Teilnehmer 
karte beträgt 1.48 M. Damen und Herren als Gäste willkommen. 
Schöneberg 
—0 Die Zahl der vom 1. Januar bis 31. März au 
die städtische Arbeitslosenversicherung angeschlosscuen Bcriifs- 
vereine bclrug 58 gegenüber 59 im 2. Halbjahr 1912; die 
Verminderung ist durch Verschmelzung des Zeutralverbaudes 
der Schmiede mit dem Deutschen Blctallarbeitervcrbaud be 
gründet. Einen Zuschuß erhielten seitens der Stadt für 
Monat Januar 15 (1912 18, 1911 9), für den Februar 
17 (21, 19) und für März 18 Vereine (13 und 22). Keinen 
Zuschuß im ganzen Vierteljahr erhielten 34 (28, 20) 
Vereine. Die Zahl der von den Vereinen unterstützten 
Mitglieder, denen der städtische Zuschuß ausbezahlt wurde, 
betrug im Januar 157 (122, 38), im Februar 175 (145, 
139), im März 141 gegenüber 111 und 125 in derselben 
Zeit der Vorjahre 1912 und 1911. Die Zahl der Uiiler- 
stützungstage, für die ein städtischer Zuschuß gezahlt wurde, 
betrug im ganzen Vierteljahr 0158 (5053, 3367). Davon 
entfielen auf den Deutschen Holzarbeiterverband 1432 Tage, 
auf den Deutschen Metallarbeiterverband 1419, auf den 
Zentralverband der Zimmerer 907, auf den Verein der 
Berliner Buchdrucker und Schriftgießer 446, auf den 
Deutschen Trausportarbciterverband 283, auf den Verband 
der Gemeinde- und Stantsarbeiter 254, auf den Allgemeinen 
Deutschen Metallarbeiterverband 250, auf den Zentralverband 
der Töpfer 228, auf den Zentralvercin der Bildhauer 141, 
ans den Verband der Lithographen 133, auf den Zentral- 
verband der Glaser 105, auf jeden einzelnen anderen 
Verein weniger als 100 Tage. Der städtische Zuschuß belief 
sich insgesamt auf 4811,24 M. (3915,15 M. im Jahre 
1912 und 2649,07 M. im Jahre 1911) oder durchschnittlich 
auf 78 (77, 79) Pfennig für den Unterstützungstag. Für 
die einzelnen Vereine schwankte der Durchschnitt zwischen 
50 Pfennig und dem nach der Ordnung zulässigen Höchst 
zusatz von 1 M. Die Zahl der eingetragenen Sparer stieg 
in der Berichtszeit von 175 auf 201. 
— 0 Der Hauptturin der Apostel-Paulus-Kirche wird 
gegenwärtig durchgreifenden Ansbesserungsarbciteil unter 
zogen. Die ziemlich bedeutenden Risse waren nicht, wie 
verschiedentlich behauptet wurde, auf eine Senkung der 
Ftmdaincnte zurückzuführen. Dagegen spricht nämlich die 
Tatsache, daß der untere Teil des Turmes vollkommen 
unbeschädigt geblieben ist. Vielmehr sind die Beschädigungen 
hauptsächlich auf Blitzschlag zurückzuführen. Die Arbeiten 
iverden bald beendigt sein. Das mächtige, fast 90 Meter 
hohe Baugerüst, das nach allen Seiten hin weithin sichtbar 
war, ist bereits bis zur Hälfte wieder entfernt. 
—0 In das Handelsregister wurde eingetragen. Nr. 
980. Leipziger Biichbinderei-Aktiengesellschaft vorm. Gustav 
Fritzsche mit dem Eitze zu Leipzig-Reudnitz und Zweig 
niederlassung zu Schöneberg bei Berlin: Ein jeder der schon 
eingetragenen Prokuristen Schumann und Söllncr ist fortan 
Ter Inhalt des langen Telegramms war Lechmere vom 
ersten bis zum letzten Wort unverständlich. Daß Mazaroff 
da war, überraschte ihn allerdings nicht sonderlich; aber die 
Mahnung, sicki nicht sehen zn lassen, — und die Anforde 
rung, einen „Bertrix" aufzusuchen — das begriff er nicht. 
Was sollte außerdem die Notiz besagen: „Ich fahre ost 
wärts?" Wohin hatte sich der Prinz begeben, und was 
wollte er tun? 
Mehr beim je bereute er es, dem anderen so blindlings 
gefolgt zu sein. Eigentümlich war es auch, daß Peretori 
den König in seinem Telegramm gar nicht erwähnte — nicht 
sagte, ob er verletzt worden oder ob ihm nichts geschehen sei. 
Hatte Lechmere jedoch bis hierher nach den Ratschlägen 
des Prinzen gehandelt, so mußte er ihm auch weiterhin folgen. 
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sofort nach St. Inst 
— er kannte den Ort nicht einmal dem Namen nach — 
aufzubrechen. Vorher abir gab es noch vielerlei zn erledigen. 
Vor allem mußte er dafür Sorge tragen, daß die Gräfin 
Saens während seiner Abwesenheit überwacht würde. Er 
bezweifelte jetzt, ob die Gräfin überhaupt in Paris gewesen 
war. Wahrscheinlich hatte sie, noch ehe sie die Reise über den 
Kanal antrat, eine Nachricht von Mazaroff .erhalten, die sie 
zum Umkehren betvog. , 
Lechmere überlegte lange, wem er es auftragen sollte, 
auf die gefährliche Gegnerin zu achten. Endlich entschied er 
sich für Kapitän Hupe. 
Er fuhr nach der Wohnung des Kapitäns. Hope empfing 
ihn sehr herzlich. 
„Sie haben meiner Braut großartig geholfen," sagte 
er. „Ich bin Ihnen ainrichtig zu Dank verpflichtet." 
„Oh, das war eine Kleinigkeit," wehrte Lechmere ab. 
„Und mein Verdienst an der Sache ist nicht sehr groß. 
Annette sprach ja doch schließlich mir die Wahrheit — sie hat 
Fräulein Harcourt ivirklich Niemals zuvor gesehen. Ich konuiie 
übrigens mit einer Bitte z» Ihnen." Hope verneig'e sich. 
„Ich werde alles tun, was vLie von mir wünschen," er 
widerte er. „I«) irre mich wohl nicht, wenn ich etwas sür die 
Königin tun joll?" (gonjctzung
        
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