Path:
Periodical volume Nr. 18, 21.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Krtedrnauer 
Anpark<itsch< Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Ungelegenheiteu. 
Kervgspreis Ke sondere 
Sei Abholung aus der Geschäftsstelle. ^ 
Rheinstr. 15, 1.60 M. vierteljährlich; durch 1 tdtn wrlUvock,: 
Voten inSHaus gebracht 1,80M., durch die Mllrblatt „Seifenblasen". 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld. 
f«rnspr*ch*r: Hmt pfaljburg 3129. Erscheint tägtilh aöSNdS. 
Zeitung.) 
Lrgan für den §rtedena«er Lrtsteil non ZchSneberg und 
Hezirksnerein Züdinest. 
K e i 1 ft 0 t n Hnjetgen 
Jeelen Sonntagr werden bis 12 Uhr mittags angenommen. 
Rlätt*r für Hoittfrfi» («Kim i. ret ® ® er ^gespaltenen Zeile oder deren 
tZlatler tue cleutlcne srauen. Raum 80 Pf. Die Reklamezeile kostet 
75 Pf. Belagnummer 10 Pf. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
GeTchäftsTtellc; RheinTtr. 1Z. sernlprecder: Umt pfalzborg 8129. 
Kr. 18. 
Berlin Friedenau. Dienstag, den 21. Januar 1913. 
80. Iahrg. 
Depeschen« 
Letzte Nachrichte». 
Berlin. Der frühere Staatssekretär de« Reichs- 
marineamtS Admiral a. D. Friedrich o. Hollmann ist heute 
Nacht, einen Tag nach seinem 71. Geburtstage, in seiner 
Wohnung. Fasanenstr. 71. plötzlich gestorben. 
Berlin. Der bisherige Generaltnspekteur der Ver- 
kehrStruppen. General der Infanterie von Lyncker, ist durch 
allerhöchste KabinettSorder vom 20. Januar in Genehmigung 
feines Abschiedsgesuches mit der gesetzmäßigen Pension zur 
Disposition gestellt und gleichzeitig st Ja suite des Luft- 
schifferbaratllonS Nr. 2 gestellt worden. 
Athen. DaS KrtegSminifterium veröffentlicht folgenden 
Bericht aus HaniiteliaS in EpiruS vom 20. d. M.: Der 
allgemeine Angriff wurde heute auf der ganzen Front auf- 
genommen. Die griechische Artillerie begann den Kampf 
um 8 Uhr früh und setzte daS Feuer bis um 6 Uhr abends 
mit ausgezeichnetem Erfolge fort. Die Artillerie von 
Btfani schoß nach 11 Uhr nur noch sehr schwach gegen 
den rechten Flügel der Griechen; das Artilleriefeuer im 
Zentrum wurde nicht erwidert. Darauf folgte der allgemeine 
Angriff, durch den der Feind von den Höhen bet Lesstani 
vrttrteben wurde. Die Griechen besetzten Lozzessi, während 
stch die Türken in Unordnung in der Richtung auf Bisani 
zurückzogen. Gleichzeitig rückte der linke Flügel gegen die 
Höhen von Manoliaffa vor. 
Leipzig. Der Dresdener Bahnhof Hierselbst wird 
am 1. Februar geschloffen und der gesamte sächsische Bahn 
oerkehr dem neuen Hauptbahnhof übergeben. 
Duisburg. Auf der hiesigen GürerabfertigungSstelle 
ist ein Koffer, der Echtldpattgegenstände im Werte von 
40.000 M. enthielt, abhanden gekommen. Der Koffer 
war am 16. Januar von Köln aus aufgegeben worden 
und ist auch in Duisburg angekommen. Wahrscheinlich ist 
er hier gestohlen worden. 
Moskau. In einem Dorfe im Gouvernement Now 
gorod sind zwei Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren 
nach mehrtägigem Suchen im Walde verstümmelt aufge- 
funoen worden. Der Brustkorb und der Leib waren auf 
gerissen und Herz. Leber und Gedärme fehlten. Der Zwick 
des Mordes war, aus Kinderfett Kerzen zu machen, die 
nach der Meinung russischer DiebeSkreise den Dieb vor der 
Nachforschung sichern. ES wurde eine energische Unter 
suchung eingeleitet. 
Kopenhagen. AIS Unteroffizier verkleidet hat ein 
Dieb heule Nacht den Schlafstuben einer Jnfanteriekaserne 
in Kopenhagen einen Besuch abgestattet und den Soldaten 
sämtliche Uhren und Gelder wegenommen. Eine Stunde 
nachher wurde der Dieb entdeckt, die Kasernenmannschaft 
alarmiert und Patrouillen wurden auSgesandt. Der Dieb 
ist verschwunden. 
Kommunale Angelegenheiten. 
Erläuterungen des Gemeinde-BorstandeS zur Tagesordnung 
der Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstag, dem 
23. Januar 1913, Abends 7 Uhr. 
vrrlage betreffend Bewilligung von Mitteln zur Beschaffung von 
ElektrizitLtszLhlera. 
Die Neuanschaffung von EleltrizitätSzählern ist er- 
forderlich. Wir ersuchen, unS hierzu weitere 10 000 M. 
auS XV, 7 zur Verfügung zu stellen. 
Vorlage betreffend die Errichtung einer Landkrankenkaffe und Ausge 
staltung der hiesigen OrtSkrankenkaffe zur allgemeinen OrtS. 
krankenkaffe. 
I. Die ReichSoersicherungSordnung hat im Buch 2 er 
hebliche Aenderungen in der Gesetzgebung über die Kranken 
versicherung herbeigeführt, die am 1. Januar 1914 in 
Kraft treten. Neben der Ausdehnung der BersicherungS- 
pflicht und Erweiterung der freiwilligen Mehrleistungen 
der Kaffen ist eine einschneidende Aenderung der Organi 
sation der BersicherungSträger bemerkenswert. Zu letzterer 
haben die Gemeindekörperschaften Stellung zu nehmen. 
Träger der Krankenversicherung sind fortan: 1. Die 
allgemeinen OctSkrankenkaffen, 2. die Landkrankenkaffen, 
3 die BelriebSkrankenkaffen, 4. die JanungSkrankenkaffen. 
Die beiden letzteren Kaffenarten interessieren unS zunächst 
nicht. OrtS- und Landkrankenkaffen werden für örtliche Be 
zirke errichtet, und zwar durch Beschluß des Gemeindever- 
bandeS. Ja Preußen gilt als Gemeindeverband die Ge 
meinde, wenn der Bezirk der Krankenkaffe nicht über den 
der Gemeinde hinausgeht, im übrigen die Stadt- und 
Landkreise. Die Errichtung beider Kassenarien betrachtet 
daS Gefktz als das von vornherein Gegebene. Hat aber 
ein Bezirk (eine Gemeinde) bereits eine gemeinsame OrtS- 
krankenkaffe, deren Mitglieder alle Veisicherungspflichtigen 
umfaßt, wie eS in Friedenau der Fall ist, so kann diese 
Kaffe zur allgemeinen OctSkrankenkaffe ausgestaltet werden. 
Ferner kann die Errichtung einer Landkiankenkaffe mit Ge 
nehmigung deß OberoersicherungSamteS unterbleiben, wo 
daS BersicherungSamt nach Anhören beteiligter Arbeitgeber 
und Versicherung-pflichtiger das Bedürfnis verneint. In 
solchem Falle gehören die betreffenden Versicherung« 
pflichtigen der allgemeinen OctSkrankenkaffe an. Die Land 
krankenkaffe ist ein gänzlich neues Gebilde. Ihr haben 
anzugehören die in der Landwirtschaft Beschäftigten, die 
Dienstboten, die im Wandergewerbe Beschäftigten, sowie die 
Hausgewerbetreibenden und ihre hauSgewerblich Beschäftigten. 
Die wesentlichen Unterschiede zwischen Land- und OrtS- 
krankenkaffen bestehen in Folgendem: 
Landkrankevkaffe. 
a) Sämtliche Vorstand'mit- 
glieder und die Mitglieder des 
an Steve der Generalversammluug 
tretenden Ausschusses werden von 
der Gemeindevertretung gewählt. 
b) Die Satzungen erricht-t die 
Gemeinde. 
Allgemeine OctSkrankenkaffe. 
Die gesamten Mitglieder wühlen 
den Ausschuß, der Ausschuß den 
Vorstar d und der letztere auS 
seiner Mitle den Vorsitzende und 
dessen Stellvertreter. 
' Bei ausgestalteten Kaffen werden 
sie von den Kaffenorganen und 
nur bei neu gegründeten Kaffen 
ebenfalls von der Gemeinde er 
richtet. 
o) Für Dienstboten, HauSge. 
werbctreibende und landwietschait- 
lich B-schästlgie kann durch die 
Satzungen das gesetzliche Recht 
auf erweiterte Krankenpflege (auf 
Krankenhaus Behandlung) ge 
schaffen weiden. 
ä) Die baren Leistungen können 
nah dem vom Oberversicheiungs- 
amt festzusetzenden ortsüblichen 
TagcSeutgell, dem sog-nannten 
Orieloha, bemcffen weiden. 
Ein derartiges Recht kann und 
darf den Berfichcrten nicht ein- 
geräumt werden. Die Kaffen 
können und sollen allerdings mög- 
liebst KrankenhauSpflege gewähren, 
doch besteht keine Verpflichtung 
für sie. 
Die baren Leistungen find nach 
dem durch die Satzungen festzu 
legenden sogenannten Grundlohn, 
der in der Regel wesentlich höher 
ist als der OrtSlohn zu berech, eu. 
Dazu ist noch zu bemerken: 
Lu c. Auch wo erweiterte Krankenpflege nicht eingeführt ist, müssen 
beide Kaffenarten auf Grund des Gesetzes § 137 sie auf Antrag des 
Dtenstberechttgten oder des Gieustboten gewahren, wenn die Krankheit 
ansteckend ist, oder wenn der Dienstbote nach der Art der Krankheit 
in der häuslichen Demeinfchaft nicht oder nur unter erheblicher Be- 
läfligung des Dienftberechtigten behandelt werden kaun. 
Zu ä. Bei Hausgewerbetreibenden (und auch bei unständigen 
Arbeitern) muß in beiden Kaffen stets der OrtSlohn zu Grunde gelegt 
werden. Die Beschlüsse der Gemeindebehörden über die Errichtung 
von Orts- und Sandkrankcnkaffen find bis zum 1. Februar d. I. dem 
ObeiveisicherungSamt einzureichen. 
Es dürfen nur Kaffen errichtet werden, deren Lelstungsfähigkeit 
außer Zweifel steht. 
II. Die OctSkrankenkaffe Berlin-Friedenau hat bereits 
gemäß Art. 15 deL Einführungsgesetzes zur ReichSoer- 
sicherungSordnung den Antrag auf Ausgestaltung zur allge- 
meinen OrtSkrankenkaffe gestellt und hat unS gebeten, von 
der Errichtung einer neuen Kaffe abzusehen und ihrem 
Antrage zuzustimmen. Die Kaffe besteht seit 1902. Sie 
umfaßt sämtliche nach dem Krankenversicherungsgesetz OrtS- 
kaffrvpflichltgen. Ihre wirtschaftiche Lage ist befriedigend. 
Wenngleich auch ihre Beiträge in len letzten Jahren 
wiederholt erhöht werden mußten, und gegenwärtig (seit 
1. Juli o. I.) 4 6 /io Proz. betragen, so übersteigen doch 
ihre Leistungen in vieler Beziehung die gesetzlichen Mindest 
forderungen. UeberdieS wachsen von Jahr zu Jahr die 
Ansprüche bestimmter Klaffen der Versicherten an die 
Kassen ganz erheblich. Tie letzte Beitragserhöhung ist 
übrigens auf Veranlassung der Aufsichtsbehörde geschehen, 
lediglich um die gesetzlichen Rücklagen zum Reservefonds 
machen zu können. Derselbe beträgt nach dem Geschäft-- 
bericht für 1911 (für 1912 liegt noch kein Bericht vor) 
rund 61 000 M. Für 1912 werden ihm voraussichtlich 
20 bis 21000 M. zugeführt werden können. Ist die 
Kaffe bei normalen Beiträgen bisher in der Lage gewesen, 
den weitgehendsten Ansprüchen gerecht zu werden, so wird 
auch ihre zukünftige Leistungsfähigkeit außer Frage stehen. 
Gegen ihre innere und äußere Verwaltung haben stch Be 
denken nicht erheben lassen. Wir halten eS daher nicht 
für erforderlich, eine neue allgemeine OctSkrankenkaffe inS 
Leben zu rufen, zumal deren Rentabilität gegenüber der 
alten, fest fundamenlierten Kaffe keinesfalls feststeht und 
sind dafür, daß die letztere zur allgemeinen OrtSkcanken- 
kasse ausgestaltet wird. III. Wesentlich anders und 
schwieriger liegen die Verhältnisse bezüglich der Land 
krankenkaffe. Hier spielen zunächst Zanckmäßigkeit und 
dürfniS und schließlich die LetstungSfähigkcit eine Rolle. 
Zweckmäßigkeit und Bedürfnis. 
Die Zugehörigkeit der Dienstboten zur Sandkrankenkaffe ist das 
für Berlin F tedeuau Bedeutungsvolle. Ihre Zahl beträgt in unserem 
Orte etwa 4300, also soviel, wie die Ortskrankenkuffe Mitglieder aller 
gegenwärtig verficherungSpflichiigen Berussaiten hat. So wie die 
Landkiankenkaffe an stch, so bildet auch die Einführung der Dienst 
boten in die VerficherungSPflicht und damit auch in die Rechte der 
Versicherten eiwaS ganz N-ueS, das nicht ohne Einfluß auf 
die soziale Stellung der Dienstboten bleiben wird. Schon in 
der allgemeinen Begründung der Regierung zum zweiten Buche 
der ReichSverficheruagiordnung ist gesagt, daß damit ein fremdes 
Element in die gegenseitigen Beziehungen zwischen der Herrschaft und 
den mit ihr in häuelichcr Gemeinschaft lebenden Dienstboten hinein 
getragen wird. ES muß schwere Bedenken erregen, die Dicnlmädchen 
im Alter von 16 Jahren an durch die Mitgliedschaft in einer allge- 
- einen Orlskrankenkaffe in die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe 
hlnelozuziehea. Hat auch der Gesetzgeber auf die Mitwirkung der 
Versicherten in den Landkrankenk ffen nicht verzichten wollen, so beugt 
Vcv Staatsanwalt 
von H. Hill. 
13 fli-u-druckStrikte») 
Der erste Eindruck, den Julius von Herrn Fra'.iz 
Scharnock empfing, war der. daß ihm nur der Heiligen 
schein fehlte, um für einen Christuskopf gehalten zu werden. 
Die blassen regelmäßigen Züge waren die eines ungefähr 
vieriiajährigen Mannes und trugen den Ausdruck ge 
duldiger Ergebenheit. Als er vernahm, welchem Beruf 
Julius angehörte, leuchteten seine Augen in freundlicher 
Sympathie^a erfreut und geehrt, Ihre Be 
kanntschaft zu machen, Sir William," sprach er init einer 
auffallend wohlklingenden Stimme, „aber da ich ,elb,t 
leidend bin, bcdaure ich herzlich, ohne diesen Herrn be- 
leidiaen zu wollen, daß Sie der ständigen Gegenwart 
Milaliedes der Profession bedürfen, in deren Händen 
ick, mich leider fortgesetzt befinde." 
Der Staatsanwalt lächelte und dankte für das Mit 
leid mit seinen eingebildeten Leiden. Auch auf ihn hatte 
s 'r Mieter des Schlosses einen angenehmen Eindruck ge- 
ltn b er fühlte tiefes Bedauern für den noch ver- 
bälttii'smäßig jungen Man», der so vollständig der freien 
f” 3 geraubt war. Wenn Herr Schamock eine Mög- 
ä-lucht »Al-, um »» 9TO3 betonbers da- 
mnUo» seines Besuchers zu sichern, so hätte er kein besseres 
Mittel finden können, als sein Er,cheinen in einem Kranken- 
schhl. Dies mußte auf den liebenden Gallen, dessen Frau 
seltene Fähigkeit, sich ganz in die Gefühle und Empfin 
dungen der armen Menschen hineinzuversetzen, die er mit 
Rat und Geld unterstützt. Manchmal fürchte ich, daß es 
für seinen schwachen Körper zu viel wird, ein Freund der 
ganzen Menschheit zu sein, und ich wünsche, er möchte 
etwas mehr an sich selbst denken." 
Die alte Dame begleitete diese Rede mit einem liebe 
vollen Blick auf ihren Sohn, und Sir William erwiderte 
in höflichen Worten, Herrn Scharnocks Gefühle ehrten ihn, 
aber er dürfe glauben, daß ein Staatsanwalt auch noch 
andere Pflichten habe, als seine Mitmenschen zu verdammen. 
Dies fei entschieden die wenigst angenehme Seite seines 
Amtes. 
Er hatte feine mohlgefetzten Worte noch nicht beendet, 
als die Tür wieder geöffnet wurde, und eine große 
schlanke junge Dame eintrat, die aber sofort Miene machte, 
sich wieder zurückzuziehen, als sie Besucher gewahrte. 
Schüchtern ließ sie ihre Blicke von einem zuin andern 
schweifen, und als sie Julius trafen, schaute sie ihn völlig 
fremd, ohne jedes Zeichen des Erkennens an. Und dennoch 
hatte er sie sofort erkannt, trotzdem sie heute anstatt des 
schäbigen schwarzen Gewandes ein äußerst schikes Schneider- 
kleid aus weißem Flanell trug. Es war niemand anders, 
als das auffallend schöne Mädchen, das ihn in dem 
Drogengeschäft in der City besucht hatte, und deren 
Photographie Inspektor Black ihm in so überraschender 
Weise gezeigt hatte. 
Herrn Franz Scharnocks durchgeistigtes Gesicht leuchtete 
auf, und ein Lächeln des Willkommens erleuchtete es, als 
er die reizende Erscheinung gewahrte. In die kurze Stille 
hinein ertönte die Stimme der Gräfin; _ 
schon seit Jahren ihre Tage in einem ähnlichen zubrachte, 
selbstverständlich Eindruck machen. 
„Doktor Penfold begleitet mich mehr aus Vorsicht, 
als weil ich augenblicklich seine Behandlung schon nötig 
hätte," erwiderte Sir William in freundlichem Ton. 
„Seine Dienste sind mir jedoch sehr angenehm, denn roenn 
ich auch nicht an einer ausgesprochenen Krankheit leide, so 
sind meine Nerven infolge meiner anstrengenden Tätig 
keit oft sehr angegriffen. Wenn ich jedoch jemand treffe, 
der wie Sie. Herr Scharnock, ernstlich leidend ist. so schäme 
ich mich geradezu, daß ich meinen jungen Freund hier 
so ganz in Anspruch nehme." 
„Oh," meinte Herr Scharnock bedauernd, und blickte 
träumerisch in das charaktervolle männliche Gesicht des 
Staatsanwaltes. „Ihrem Aussehen nach hätte ich Sie nie 
für einen nervösen Menschen gehalten, aber," fügte er 
dann hinzu, und ein schmerzliches Zucken spielte um seinen 
Mund, dessen Ursprung Julius vergeblich zu ergründen 
suchte, „verstehen kann ich es ja allerdings, daß Ihr 
Beruf nervös macht, ja, ich könnte begreifen, wenn alle 
Richter und Staatsanwälte im Irrenhause endeten, mir 
würde es wenigstens so gehen. Es muß furchtbar sein, 
täglich seinen Mitmenschen Strafen aufzuerlegen, wenn sie 
es auch verdient haben mögen. - Mir ist der bloße Gedanke 
grauenerregend. Ich habe es mir zum Beruf erwählt, die 
Leiden der Menschheit daraufhin anzuschauen, wie man 
sie am besten erleichtern kann, und schon hgs ist unendlich 
traurig, aber Ihr Amt wäre mir unerträglich." 
„Mein Sohn ist ein großer Philantb'-sp," sagte die 
Gräfin, die sich veranlaßt zu fühlen schien, diesen kleinen 
Gejühlsausbrnch des - Kranken 2n erklären. „Er .bat die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.