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Periodical volume Nr. 188, 12.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

V 
(Kriedenauev 
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Mirzblatt „Seifenblasen". 
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Ar. 188. 
Werlin-Ariedenau, Dienstag, den 12. August 1913. 
20. Iahrg. 
Oepelcken 
Letzte Nachrichten 
Kol borg. Hier ist eine Frau Pieper aus Berlin 
nach einem Bade im Familienbad am Herzschlag gestorben. 
ie Verunglückte tvar nur kurze Feit iiu Wasser geblieben 
und hatte es kaum verlassen. 
Grenoble. Drei deutsche Studenten der hiesigen 
Universität verirrten sich bei der Besteigung des Berges 
Cirque de Nöron sin den Savoyischen Alpen) ohne Führer 
an einer unzugänglichen Stelle. Eine Abteilung von Führern 
und Trägern ist aufgebrochen, um ihnen Hilfe zu bringen. 
Näheres ist noch unbekannt. 
Frankfurt. Aus Koustautinopel wird der Franks. Ztg. 
gemeldet: Wie diplomatische Kreise versichern, werden die 
Großmächte bezüglich Adrianopels in einigen Tagen einen 
nochmaligen Druck auf die Pforte ausüben, wie man glaubt, 
in Form eines Ultimatums. — Ein „Ultimatum" verlangt 
die Androhung und eventuelle Ausführung von Zwangs 
maßnahmen im Falle der Ablehnung einer Forderung. 
Paris. Der Matiu meldet aus Aubussou: Zwischen 
einem Landarbeiter und dessen Sohn kam es im Dorfe 
Bussiere wegen eines Mädchens zu einem Revolverdnell, das 
im Beisein des Mädchens ausgefochteu wurde. Nachdem 
sechs Kugeln ohne Erfolg gewechselt worden waren, beschloß 
man, mit dem Messer den Kampf fortzusetzen. Der Sohn, 
der hierbei gewandter war als sein Bater, tötete diesen durch 
einen Stich in die linke Körperseite. Der Vatermörder 
wurde verhaftet. 
Paris. Bei einer Pulverexplosion im Arsenal von 
Tarbes wurde ein Arbeiter getötet, mehrere andere erlitten 
schwere Verletzungen. Der Arbeitsraum, in dem die Explosion 
erfolgte, ist völlig zerstört. 
London. Nach einer Meldung des Neuter-Bureaus 
ans Aden ist dort die Nachricht eingelaufen, daß in Britisch- 
Somaliland (Ostafrika) ein Kamelreiterkorps vernichtet worden 
ist. Sollte die Nachricht sich bestätigen, so würde sie auf 
die erneute Tätigkeit des unter dem Namen des „tollen 
Mullah" berühmt gewordenen Eingeborenenführers hinweisen. 
Neunorck. Ein 23 Jahre altes Mädchen wurde iu 
der letzten Nacht in einer Vorstadt von Neuyvrk ermordet 
aufgefunden. Bei der Leiche lag ein Schnstermesser, mit 
welchem'der Mörder sein Opfer schrecklich zugerichtet hat. 
Grundsätze 
kür die Ordnung des Rentings- und Kranken- 
beförderungsweTens. 
Die nachstehend abgedruckten „Grimdsätze für die 
Ordnung des Rettungs- Krankenbeförderungswesens" sind 
mittels Rundschreibens des Reichskanzlers (Neichsamt des 
der der (Krone. 
Kama» 
IL M. SB$IU 
g2 («Ml Wirf »rrtilwl 
s J[(Ic Bitten LechmcreS vermochten ihn nicht, mehr zu 
söge,? Er blub bei der Erklärung, daß es keinen Nutzen 
haben könnte, seinen Plan lange zu erörtern, und dag er cs 
deshalb vorzöge, nicht darüber zu reden. 
„Suchen Sie die Königin auf," sagte er, „sie rmd Max- 
qrcqor. Wie ich die Königin kenne, wird sie ihrem Gatten 
nachreisen wollen, sobald sie von dem Unglück Hort. Wird 
sie nicht daran gehindert, sind alle meine Plane über den 
Haufen geworfen. Sie darf nicht gehen, 2-mxgreg x 
,st der einzige, der sie daran hinderil^kami. Brwgcn tote 
den General zur Königin, und sorgen L-ie dafür, dag. er sie 
durch seine Bitten hier zurückhält. Er wird es sicherlich tun; 
sagen Sie ihm nur, dag ich nach dem dritten Plan zu handeln 
8Ebe ",!@ie haben bereits mit dem General gesprochen?" fragte 
Lechinere^üUirrasch ^Erwiderung. „Er putzte michwegen 
meines Streiche« herunter wie einen dummen Zungen und 
ihm imä IU «dltd«. Ab-r -ch-u 
Cie und handeln Sie so, wie ich es ^hucn gesagt habe 
tsw?» mss:.*** ff r ss 
heran, nannte dem Kutscher das Zielder so lege, 
bnn es Lechmere nicht hören konnte, und stieg ein. Tills dem 
SL Ä L Z. W Mm'Ä-E 
dieser Prinz war einer der ielt,a,„,ien Meiifchen, die er je 
Aber'es'blieb ihm nichts anderes übrig, als so zu handeln. 
Innern) vom 30. November 1912 den Bundesregierungen 
und dem Herrn Statthalter in Elsaß-Lothringen zur Kenntnis 
gebracht worden. Sie sind von dem Reichs-Gesundheitsrat 
iu Gemeinschaft mit weiteren Sachverständigen in der 
Sitzung vom 10. und 11. Mai 1912 beschlossen worden 
und sollen den Behörden und Stellen, denen die Fürsorge 
für das Nettungsweseu anvertraut ist, als praktisch bewährte 
Anleitung bei ihrem Wirken dienen. Der Inhalt dieser 
Grundsätze soll keineswegs in allen Einzelheiten und überall 
bindend sein, vielmehr es unbenommen lassen, örtlichen Ver 
hältnissen Rechnung zu tragen. Wir beschränken uns auf die 
Mitteilung der allgemeinen Grundsätze fiir die Ordnung des 
Nettungswesens. 
1. Wesen und Aufgaben des Nettungswesens. Das 
Nettungsweseu ist ein wichtiger Zweig der öffentlichen 
Krankenfürsorge und bezweckt die erste Hilfe bei Unfällen und 
plötzlichen Erkrankungen. 
Die erste Hilfe soll sich auf die Aufhebung und Ab 
wendung der augenblicklichen Gefahr für Leben oder 
Gesundheit beschränken. 
Die Weiterbehandlung nach der ersten Hilfe gehört nicht 
zu den Aufgaben des Nettungswesens. 
2. Mitwirkung der Aerzteschaft. Bei der Einrichtung 
des Nettungswesens ist die Mitarbeit der Aerzteschaft in 
ausreichender Weise sicher zu stellen. 
Die erste Hilfe ist am besten durch Aerzte zrr leisten. 
3. Nothelfer. In Abwesenheit des Arztes und bis zu 
seiner Ankunft sollen von Aerzten ausgebildete Nothelfer 
erste Hilfe leisten. Ihre Tätigkeit muß einer ständigen 
ärztlichen Ueberwachung unterstellt sein. 
4. Krankenhäuser. Einen Stützpunkt des Ncttungs- 
wesens sollen die Krankenhäuser bilde». Neben diesen 
kommen sonstige behördliche oder private Einrichtungen zur 
Versorgung Verunglückter und plötzlich Erkrankter in Be 
tracht — z. B. Rettungswachen, ständige oder fliegende 
Sanitätswachen, Polizei — oder Feuerwachen und Krauken- 
beförderuugsstcllen. 
5. Vergütung für die Hilfeleistung. Aerzte und be 
rufsmäßige Nothelfer sollen für den Rettungsdienst eine an 
gemessene Vergütung erhalten. 
0. Aufbringung der Mittel. Die Kosten für das 
Rettungsmesen sind in erster Linie aus öffentlichen Mitteln 
zu bestreiten. Für die Leistung der ersten Hilfe ist von 
Zahlungsfähigen eine angemessene Gebühr zu erheben. 
7. Verwaltung des Nettungswesens. Es ist anzu 
streben, daß das Nettungsweseu in eigene Verwaltung der 
mit der öffentlichen Krankenfürsorge betrauten Organe ge 
nommen wird. 
Wo geeignete freiwillige Körperschaften vorhanden sind, 
kann der Vollzug des Rettungswesen Ihnen übertragen 
werden. In diesem Falle sind ihnen ausreichende Mittel 
aus öffentlichen Fonds zur Verfügung zu stellen. 
Denjenigen öffentlichen Stellen, welche zu den Kosten 
wie es ihm Perctori geraten. Er »ahm sich ebcusalls einen 
Wagen und fuhr zu General Maxgregor hinunter. 
Maxgregor lag in den K lewer» auf einer bequemen 
Chaiselongne. Er halte das Erbra-Blait mit der verhängnis 
vollen Nachricht neben sich liegen; seine Brauen waren finster 
zusammengezogen, und seine Mienen zeigten einen diisicren 
Ausdruck. 
Er begrüßte den Freund kurz, aber sehr herzlich und 
begann sogleich von dem Unglück in Frankreich zu sprechen. 
„Sie haben das natürlich schon gelesen ?" fragte er n»d 
deutete auf das zerknitterte Zeitungsblatt. „Die Tat ist 
natürlich nicht von Anarchisten, sondern von unseren Freunden 
verübt worden — darüber hege ich nicht den kleinsten 
Zweifel. Es ist in der Tat das Tollste, was sie bis jetzt ver 
übten. Und ohne Perctoris Hilfe — übrigens sprachen Sie 
den Prinzen heute? — Ja? — Und hatte er keine Botschaft 
für mich?" 
„Oh doch — er bat mich. Ihnen mancherlei aufzutragen." 
gab Lechniere ruhig zur Antwort. „Er sprach davon, daß er 
nach dem dritten Plan handeln wollte; was er damit meint, 
verstehe ich freilich nicht." 
Der General machte einen Versuch, sich aufzurichten, sank 
jedoch wieder zurück. 
.Es geht noch nicht recht, wie es sollte," meinte er 
lächelnd. „Was die Botschaft des Prinzen anbelangt, so 
verstehe ich recht wohl. Kommen Sie, ich muß Sie bitten, 
mir ein wenig behilflich zu sein. Es ist unbedingt notwendig, 
daß ich sofort die Königin aufsuche. Etwas Aehnliches sagte 
Ihnen Perelori wohl auch — nicht wahr?" 
.Jawohl," bestätigte Lechmere überrascht. .Er meinte, daß 
Sie die Königin überreden müßten, nicht nach dem Orte des 
Unfalles zu fahren ' 
Maxgregor unterbrach ihn. _ 
.Verzeihen Sie — aber ich weiß sehr gut, was ich 
nach des Prinzen Plan zu tun habe," sagte er. .Wenn 
Sie nur so sreundlich sein wollten, den Portier zu benach 
richtige», daß er uns einen Wagen besorgt. Ich werde 
unter vier Augen mit der Königin spxechenz sie muß nicht nur 
beitragen, ist eine ausreichende Mitwirkung bei der Ver 
waltung und Aufsicht der Rettungseinrichtungen zu sichern. 
8. Meldewesen. Für Einrichtung eines zweckmäßigen 
Meldewesens ist Sorge zu tragen. 
9. Aerztliche Aufsicht. Das gesamte Nettungsweseu 
(Anstalten und Betrieb) ist in ärztlich-technischer Beziehung 
unter die Aufsicht des staatlichen oder kommunalen Medizinal- 
beaintcn zu stellen. 
10. Krankenbeförderung. Zu dem Ncttnugswesen ge 
hört das Kraukenbeförderungsmeseii. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Orlgiiialartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Unsere Kanalisation. Die 935 bebauten Grund 
stücke im hiesigen Gemeindegebiet sind bis auf eins an die 
Kanalisation angeschlossen. An Kanalisationsgebllhren 
werden 2 Proz. des Gebändestcuernutzuugswerkes erhoben. 
Eingegangen sind im vorigen Jahre 183 509,13 M. (1911: 
170 003,28 M.). Die Abwässer werden seit dem Jahre 
1904 auf Grund des Vertrages mit der Stadt Schöneberg 
vom 9./10. Mai 1904 in die Schöneberger Kanalisations 
anlagen eingeleitet und mit deren Abwässer gemeinsam nach 
dem Rieselfelde bei Ragow abgeführt, wo sie ihre Vorflut 
nach dem Nottekaual haben. Die Einleitung der Friede- 
nauer Abwässer in die Schöucberger Kanalisation erfolgt 
durch zwei Hauptsammlcr, (deren einer am Friedrich- 
Wilhelm'Platz und der andere in der Nhcinstraße vor den 
Grundstücken Nr. 05/67 beginnt) an der Gemarkungsgrcnze 
in der Benuigseustraße bezw. in der Hauptstraße, woselbst 
zum Messen der eingeleiteten Abwässer Meßvorrichtungen 
(Meßkammern) eingerichtet sind. Für die Forischafsimg und 
endgültige Beseitigung der Abwässer zahlt die Gemeinde an 
die Stadt Schöneberg eine laufende Entschädigung, deren 
Höchstsatz 6 Pf. fiir das Kubikmeter beträgt. Im Rechnungs 
jahr 1911 betrug diese Entschädigung 113 750 M. und 
1912 rund 120 000 M. 
o Das frühe Willmauu'sche Gelände au der Haupt- 
und Nubensstraße, das gegenwärtig einen ziemlich wüsten 
Eindruck macht und wiederholt als Müll- und Schuttablade- 
stelle benutzt worden ist, wird jetzt durch ein Drahtgitter 
abgesperrt. 
v Beschädigte Geldstücke. Im Publikum besteht, wie 
aus zahlreichen Anfragen hervorgeht, Unsicherheit über die 
Verpflichtung zur Annahme beschädigter Rcichsmünzen. Nach 
dem Gesetz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen 
vom Jahre 1871 gelten Neichsgoldmünzen, deren Gewicht 
um nicht mehr als fünf Tausendteile hinter dem Normal- 
gewicht zurückbleibt und die nicht durch geivaltsame Be 
schädigung am Gewicht verringert sind, bei allen Zahlungen 
als vollwichtig. Goldmünzen, die dieses Nvrmalgemicht 
nicht besitzen, dürfen von den Kassen des Reiches, des 
Staates und der Kommune sowie der Banken nicht wieder 
Hierbleiben, sondern sie muß auch aussahrc» und sich öffentlich 
zeigen, ruhig, wie wenn nichts geschehen wäre." 
Sie kamen um keine Minnte zu spät. Die Königin hatte 
bereits alle Vorkehrungen zu einer Abreise getroffen; eine halbe 
Stunde später, »nd sie hätten sie kaum mehr vorgefunden. 
Sie empfing den General und seinen Begleiter in einem 
der kleineren Salons. Mit ausgestreckten Händen ging sie dem 
treuen Freunde entgegen. 
„Ich danke Ihnen für Ihr Kommen!" sagte sic nur und 
drückte ihm warm die Hände; „Wie elend Sic »och aus 
sehen s — Ich bin unglücklich, daß Sie nicht kräftig genug sind, 
mich über den Kanal zu begleiten; in Ihrer Gesellschaft hätte 
ich mich sicherer suhlen können." 
Maxgregor führte ihre Rechte ehrerbietig an die Lippen 
und sagte: 
.Eure Majestät verzeihen, aber ich muß Sie bitten, diese 
Reise nicht zu unternehmen. Prinz Perctori ist — aber ver- 
zeihen Sie, ich bemerke erst jetzt, daß wir nicht allein sind." 
Er verneigte sich vor Vera Gallowah, die auf einem Ruhe 
bett lag. Sie dankte ihm mit einem freundlichen Kopfnicken 
und bat, sich durch ihre Anwesenheit nicht stören zu lassen. 
„Ich bin leider noch zu schwach, um aufstehen zu können," 
sagte sie. .Doch, wenn Ihr Gespräch keinen Zeugen verträgt, 
könnte mir vielleicht die Zofe " 
„Nein, Sie sollen ruhig liegen bleiben, Kind," unterbrach 
sie die Königin freundlich. „Ich werde mit dem General in 
das Nebenzimmer gehen; Herr Lechmere mag Ihnen solange 
Gesellschaft leisten." 
Sie ging hinaus, von Maxgregor gefolgt. Als sich die 
Tür hinter beiden geschlossen, richtete sich Vera halb auf. 
Lechmere gewahrte, daß sie Tränen in den Augen hatte. 
Welch ein entsetzliches Unglück ist geschehen!" sagte sie. 
„Die Königin ist in Verzweiflung. Ich mußte sie trösten — 
und mir ist doch selbst so angst, so weh ums Herz! — Sagen 
Sie mir um GotteS Barmherzigkeit willen — ist Maxwell 
etwas geschehen? — Ich weiß, er war in dem Zug." 
Lcchmere war in Verlegenheit, was er antworten sollte. 
Machte ex sich, nicht geradezu eines Unrechts schuldig,.wenn
        
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