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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

es schadenfroh, und den Dümmsten geschieht cs recht, wenn 
sie zu nichts kommen in ihrer Einfalt." 
Und ein großes Warten ans die goldenen Schöße des 
geizigen Kreuzhofbauern begann in dem herrenlosen Hanse, 
in dem plötzlich jeder Herr sein wollte. 
Am Tage nach dem kurzen, prunklosen Begängnis 
wurde in der Staatsstube des Kreuzhofes, in dem großen, 
seit zehn Jahren unbenutzten und ungeliifteten Raum das 
ans dem Gericht deponiert gewesene Testament des Kreuz 
hofbauern geöffnet, das allen, die den letzten Willen des 
Herrn geehrt hatten, den verheißenen Lohn bringen sollte. 
Die städtischen Verwandten saßen würdig ans den ersten 
Stühlen vor dem Amtmann und den Gerichtsschreibern, der 
Hofmeister, die Mägde und Knechte, standen in lautlosen 
Gruppen dahinter. Dem leisen und lauten Freuen, dem 
heimlichen und offenen Lächeln mar eine große erwartungs 
volle Stille gefolgt. 
lieber die weißgescheucrtc Diele streute die Frühlings 
sonne goldenes Licht und durch die endlich geöffneten Fenster 
strömte mit dem Lenz neues, frisches Leben in den toten 
Raum. 
Der Herr Amtmann räusperte sich erst einige Minuten 
lang, indem er umständlich eine große, gelbe Papierölle 
auseinanderfaltete. 
Ein zitterndes Wohlbehagen, eine lächelnde Atemlosig 
keit teilte sich allen, die da zusahen, mit. „Jetzt kvmmts!" 
dachten alle, „jetzt endlich!" 
Es kam auch. 
Der Amtmann las selber, was der Kreuzhofbauer da 
vor Monatsstist aufgeschrieben. Las, und konnte schier kein 
Wörtlein recht verstehen von deni, was seine Angen selber 
sahen, und seine Lippen selber sprachen. 
„Ich, der Krenzhofbauer, der das Ende seiner Tage 
fühlt, und den Ausgang ans einem mit Not und Tod ge 
zeichneten Leben segnet, sage das eine: „Von allen denen, 
die meiner Not im Leben ivie im Tode kein Verstehen 
hatten, von allen denen, die heut auf mein Geld und Gut 
warten, wie ich ans die Barmherzigkeit des Allmächtigen ge 
wartet habe, soll kein einziger auch nur ein Bruchteil meines 
Besitzes erhalten. Es müßte denn einer oder der andere 
unter ihnen sein, der meines Herzens große Leere, meiner 
geprüften Seele Menschenhaß begreifen lernte, und der mir 
den gefürchteten Kreuzhofbauern, anhing bis znm Grabe. 
Es müßte denn einer oder der andere sein, der meinen 
letzten, auf dem Sterbebette in Hohn und Verachtung ge 
faßten Willen recht verstand, der ihn mißachtete und über 
ging aus purer Nächstenliebe und Christi Barmherzigkeit 
willen, der jedem das Seine gibt . . . .! So dieser meinem 
Sarge trotzdem nachging, so dieser dem Krcuzhof ange 
hörte und seinem Herrn, bestimme ich zum alleinigen 
Erben aller meiner irdischen Güter. Denn dieser, und sei 
er der Geringste, steht über aller Habgier und allem 
Bösen . . .! So aber keiner, mir. also zugetan war, falle 
das Geld und der Hof des Kreuzhofbauern an die Stadt, 
zum Zwecke der Armut und den Ausgcstoßenen des Glücks 
zu hellen . . . 
Sv geschrieben und beglaubigt am Tage der Sonnen 
wende im Jahre 18 . . nach Jesu Christi . ." 
„Nach Jesu Christi," wiederholte der Amtmann beinahe 
flüsternd vor Grauen. 
Lb ihn die Leute alle nicht verstanden halten? 
Lautlos, mit weit vorgebogenen Köpfen starrten sie ihn 
an, keine Bewegung in den robusten Gestalten, nur ein ein 
ziges, fassungsloses Jndielnststarren .... 
„Die Margret und der Heiner." 
Hatte es jemand ganz laut in die beängstigende Stille 
hineingesagt? . . . Oder ivar cs nur ein Gedanke gewesen, 
der in jedem Kopfe saß ivie ein lästiges Insekt, das heraus 
wollte, herausmußte? 
Alle Köpfe sahen sich plötzlich um, und keiner fand, 
was er suchte. 
Denn die zwei jungen Menschen, die sich gut waren 
von Kindesbeinen an, wußten noch gar nichts von ihrem 
Glück. Sie saßen Hand in Hand in irgend einem Winkel, 
der voll Lenzsonnc war und junger Blüte. Und zwangen 
sich ein Lächeln ans die- Lippen, ivenn sie sich ansahen, 
damit einer dem andern rächt die Not im Herzen zeige, die 
an Meiden und Scheiden dachte, der eine hier, der andere 
da in schwerer Arbeit. 
Und dann wußten sie alle beide nicht, wer plötzlich 
ihre Namen gerufen halte. Sie fuhren erschreckt zusammen, 
und gingen stockend und folgsam wie zwei Kinder diesem 
Rufe nach. 
War die Welt verwandelt, die Menschen verzaubert mit 
einem Male? 
Ein Händeschütteln gab's, und ein Frcundlichsein zu 
der namenlosen Magd und dem niedrigen Knecht, als wären 
beide gar die Herren von Kreuzhof. 
Bis sie's begriffen, was der Tote in seinem letzten 
Willen kund getan. Bis ihnen und allen das Verständnis 
kam, daß nichts den Menschenhaß besiegt, denn Liebe. . . 
Vermischtes 
,*iV Wie breit ist ein Blitz? Man stellt sich gewöhnlich unter 
dem Blitzstrahl eine ganz schmale, fadenförmige Erscheinung vor, 
und manchmal mag das ja auch zutreffen, immer aber nicht. Vor 
einsäen Jahren wurde in St. Gilgen am Wolfgangfee ein Blitz 
vhotographierk. Tnrch die Entladung war die ganze Gegend so 
stark beleuchtet, das; inan ans der Photographie dcnllich erkennen 
konnte, an welcher Stelle der . Blitz eingeschlagen hatte. Ans der 
Entfernung dieser Stelle von der photographischen Kamera und 
ans der Breite des Blitzes in der Photographie ließ sich die Breite 
des reellen Blitzes zu io in bei echoen. Wenn inan nun auch der 
Tatsache Rechnung trügt, daß grell beleuchtete Körper auf dunklem 
Hintergründe vergrößert erscheinen — die menschliche Hand im 
weißen Handschuh z. B. sieht daher größer auS, als wie sie wirklich 
ist — und darum annimmt, daß das Bild des Blitzstrahls auf der 
photographischen Platte etwa, um ein Tritt-l zu breit erschien, so 
iväre der Blitz doch immer noch ca. !0 in breit geivcsen, also voii 
einem fadendünncn Blitz kann ip.iviß nicht die Rede sein. 
so Aus.der Schlinge gezogen. 91.: „Pardon, lieber Freund, 
Bia in angcnblicklichcr Verlegenheit, hilf mir doch einmal mit 20 
Mark ans!" — B.: „Tut wir sehr leid, habe leider keilt Geld bei 
wir, ivollte bloß znm Barbier gehen!" — A.: „lind zu Hause?" 
— B.: „C, danke, es ist alles gesund ans den Beinen. Adieu!" 
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