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Periodical volume Nr. 126, 01.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

sind Drachen in den Reichstelegraphen- nnd Fernsprechan 
lagen vorgefunden worden. Dadurch sind Störungen des 
Telegraphenbetriebes und unnötige Kosten bei der Wieder 
herstellung der Leitungen entstanden. Es wird daran er 
innert, daß ndch 8 318 des Strafgesetzbuches für das 
Deutsche Reich Gefängnisstrafen bis zu einem Jahr oder 
Geldstrafe bis zu 900 Bk. für Gefährdung oder Ver 
hinderung des Betriebes einer öffentlichen Zwecken dienenden 
Telegraphenanlage eintreten kann. 
o . . . Und neues Leben blüht ans den Ruinen! 
Als Friedenau noch jung, sehr jung war, da gab es in ihm 
mehrere hübsche Gartenlokale. Wirkliche Gartenlokale mit 
einem schönen Naturgarten, in dem prächtige Bäume ihre 
Gipfel zum Himmel reckten. Da ließ hier noch in lauer 
Sommernacht die Nachtigall ihr Liebeslied erklingen. Da 
kamen die Familien, die älteren und die jungen Leute in 
die Lokale, um hier im Schatten der Bäume ihr Abendbrot 
zu verzehren, lind die tanzfrohe Jugend vergnügte sich 
drinnen im Saal. Doch die Grundstücke wurden seltener 
und teurer. Die Bautätigkeit sog alles freie Land auf. So 
verschwand ein Gartenlokal nach dem andern. Und heule 
besitzen wir keins mehr von jenen Lokalen. Auch am 
Wannseebahnhof Friedenau bestanden zwei schöne gern be 
suchte Gartenlokale. Möhring und Panzer, später Reimanu, 
dann Müller. Der Möhring'sche Garten machte bald einem 
Hochbau Platz. Der gegenüberliegende Garten hielt sich, 
weil z. T. bahnamtliches Gelände, bis vor kurzem. Da 
kam die Aufteilung des Willmannschen Parkes, die Anlage 
neuer Straßen und hiernrit schlug auch dem großen Natur- 
garten des „Bahnschlößchens", die letzte Stunde. Die 
im Bogen voll der Sponholzstraße zum Bahndamm 
führende Baumeisterstraße nahm ihm ein gut Teil fort. 
Aber der rührige Inhaber des Lokals, Herr Carl Müller, der 
schon von dem Tage au, da er die Wirtschaft übernahm, 
durch Umgestaltung der Räume dem Zuge der Neuzeit 
folgte, hat es verstanden, auch bei dieser Gelegenheit den 
Vorteil seines Lokals im Auge zu behalten. Die hohen 
Bäume sind in Jbem zum großen Teile erhaltenen Garten 
geblieben. Doch die Einfassung und die Ausgestaltung des 
Gartens ist eine moderne geworden, sodaß ein durchaus 
vornehmer Anstrich gegeben ist. Wer nach des Tages Last 
und ,Hitz: einige Erholungsstundcn sucht, dem sei der 
Aufenthalt im Garten des „Bahnschlößchens" wärmstens 
(Mpfohlen. Die Verpflegung ist eine vorzügliche; Küche nnd 
Keller bieten das beste. Auch unterhaltsam wird der 
Aufenthalt im „Bahnschlößchen" durch die Beobachtung des 
lebhafien Wannseebahnverkehrs und durch den regen Betrieb 
auf den vier Verbandskegelbahuen. Man kann dem Kegel 
spielen zuschauen und (wer das wünscht) findet Gelegenheit, 
sich selbst hieran zu beteiligen. Doch auch zu stillem Sinnen 
ist jener Garten wie geschaffen. Wer noch den alten schönen 
Willmannschen Park, wer überhaupt Friedenau in seiner 
Vorzeit kannte, der mag sich hier angesichts des rauschenden 
Verkehrs und der hohen Mietshäuser sagen: „Ja, ja, das 
Alte stürzt," um darauf froh hinzuzusetzen: „Doch neues 
Leben blüht aus den Ruinen!" 
o Darf man fremde ungezogene Kinder züchtigen? 
Nach allgemeiner Auffassung ist ein solches Züchtigungsrecht 
nicht vorhanden. Demgegenüber erregt ein kürzlich er 
gangenes Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg Aufsehen, 
das eine Frau, die ein Kind, das sich ihr gegenüber frech 
und zuchtlos benommen, geschlagen hatte, freisprach. In 
der Entscheidung nahm das Gericht den Standpunkt ein, 
daß das Publikum nicht wehrlos den Flegeleien zuchtloser 
Straßenjungen'preisgegeben sein dürfte. Leichte Ungezogen 
heiten würde wohl jeder übersehen, in schweren Fällen 
habe aber jedermann das Recht, im allgemeinen Interesse 
nachhaltig einzugreifen. Nur dürfte die Züchtigung natürlich 
nicht zu grob und gefahrbringend ausfallen. 
o Jugend, das reizende Liebesdrama von Max Halbe, 
gelangt am Sonnabend, deni 9. August als Gastspiel des 
Deutschen Theaters Berlin-Charlottenburg hier im „Kaiser- 
Wilhelm-Garten" zur Aufführung. Es werden nur erste 
Kräfte in den Hauptrollen tätig sein. Mit Rücksicht auf 
die Geschäftsleute ist der Anfang der Vorstellung auf 9 Uhr 
festgesetzt. Falls das Unternehmen seitens des Friedenauer 
Publikums die ihm zu wünschende Unterstiitzung findet, 
werden die Vorstellungen den ganzen Winter fortgesetzt 
werden. Wir bitten, die Anzeige in dieser Nummer zu 
beachten. 
o Stürmische Heiterkeit entfesselt jetzt täglich in den 
„Hohenzollern-Lichtspielen" die Komödie „Der neue Unter 
präfekt". Es ist ein Stück in feinstem Pariser Genre von 
Charles Decroir. Herrliche Szenen und spannende Augen 
blicke bringen in diesem Filni dem Beschauer Entzücken. 
Ein großes Drama der Goldserie Pathü fräres betitelt sich 
„Liebe ohne Hoffining". Dazu das übrige Programm, 
jede Nummer ein Schlager! (Vergl. Anzeige.) 
o Neu eröffnet wird am Sonnabend, dem 9. d. M., 
das Restaurant „Fürstenhof", Thvrmaldsenstraße, Ecke 
Menzelstraße. Der Inhaber Herr Otto Kirsch ist Stadt 
koch und wird vor allem für einp vorzügliche Küche Sorge 
tragen. Am Eröffnungstage findet eine musikalische Abend 
unterhaltung statt. Die Getränke werden bestens gepflegt 
sein und Herr Kirsch verspricht, seine Gäste aufs aufmerk 
samste zu bedienen. Wir wünschen ihm in seinem Unter 
nehmen viel Glück! (Siehe Anzeige.) 
o Nachtturnfahrt der Jünglingsabteilnng des 
Männer-Turnvereins. Frohe Stunden waren es, die die 
Teilnehmer an der diesjährigen, mehrtägigen Turnfahrt der 
Jünglingsabteiluug in den Bergen der Ruppiner Schweiz 
verlebten und lauge noch wird die Erinnerung anhalten bei 
allen, jung und alt, die sich diescrWanderung anschlössen. Unter 
Leitung des zweiten Turnwarts E. Roock verließen am ver 
gangenen Sonnabend 20 Turner, darunter 3 Mitglieder der 
1. Männerabteilung und verschiedene aus der neu aufge 
nommenen Sportabteilung. Friedenau und fiihren mit einem 
Sonderwagen 5.54 vom Stettiner Bahnhof nach Löweuberg. 
Von dort ging es mit der Kleinbahn bis Lindow. Der 
Turnverein Lindow mit seinem Turnwart M. Salpeter 
erivartete die Turnfahrtler auf dem Bahnhof. Unter dessen 
Führung ging es nun zum Schützenhaus, woselbst das 
Nachtlager aufgeschlagen wurde. Die Sonne jagte schon 
frühzeitig die Schläfer aus der Ruhe und unter Führung 
der Turngenossen Ehreutraub nnd Bliunenritter des Lindomer 
Turnvereins wurden die Sehenswürdigkeiten Lindoms in 
Augenschein genommen, als Schluß die herrliche Strand- 
promenade am Wutsee entlang zum Freibad, woselbst ein 
frisches Bad genommen wurde. Von dort ging es zurück 
zum Bahnhof Lindow, 10.26 fuhren die Turner nach 
Rheinsberg, wo sie um 11 Uhr eintrafen. Vom Bahnhof 
ging es sogleich zum Park Rheinsberg. Nachdem dieser in 
allen Teilen in Augenschein genommen war, stellte sich bei 
allen Teilnehmern der Hunger ein und flott ging es nach 
dem nahen Restaurant Stadt Berlin. Gestärkt und in gc^, 
hobener Stimmung ging es nun dem letzten Teil der Turr^ 
fahrt zu. Auf dein Wege von Rheinsberg bis Zählen 
wurde trotz der großen Hitze ein Wettlaufen veranstaltet, in 
dem zwei Trirngeirossen einen so großen Vorsprung hatten, 
daß die Teilnehmer sie erst am Bahnhof Ruppin wieder zu 
sehen bekamen. Groß war die Freude, als an passender 
Stelle im Tornow-See die Erlaubnis zu einem zweiten 
Bade erteilt wurde. Da die Zeit schon sehr.vorgerückt war, 
fuhr man die letzte Strecke mit dem Dampfer. Alle, die 
daran teilnahmen, werden sich auf lange Zeit der schönen 
Stunden erinnern. 8.30 ging es von Alt-Ruppiu zurück 
nach der Heintat, wo man gegen 12 Uhr eintraf. — Das 
Turnen in der Halle beginnt wieder am Sonnabend, dem 
16. August. 
o Die Georgine. Eine unserer schönsten Herbstblumen, 
die Georgine, hat ihre Blüten in diesem Jahre so früh 
zeitig entfaltet, wie cs sonst in der Mark Brandenburg nicht 
der Fall zu sein pflegt. Die in vielen Hunderten von 
Varietäten kulivicrte Zierpflanze, hat Mexiko zur Heimat, 
von wo sie 1784 nach Madrid und wenige Jahre darauf 
nach England kam. 1804 wurde sie durch Alexander von 
Humboldt in Berlin eingeführt, wo ihre Anpflanzung im 
Botanischen Garten erfolgte, und wo man bald zahlreiche 
Farbenarten gewann. Nach dem Petersburger Akademiker 
Georgi benannt, hat sie sich wie kaum eine andere Pflanze 
unter dem Einflüsse der klimatischen Verhältnisse und der 
Züchtungen der Gärtner verändert; so ist aus ihr die nach dem 
schwedischen Botaniker Dahl bezeichnete Varietät Dahlie 
hervorgegangen, die heute zu einer hervorragenden Mode 
blume geworden ist und einen bedeutenden Handelsartikel 
bildet. Berlin ist der Hauptmarkt für die Dahlien und in 
den Vororten befinden sich zahlreiche Handelsgärtnereien, 
die seltene Exemplare ziehen und die modeme „Edeldahlie" 
zu Ansehen gebracht haben. Kaiser Wilhelm der Große 
liebte neben der schlichten Kornblume am meisten die 
Georginen und Dahlien, und in seinem Tuskulum Babels 
berg waren viele seltene Exemplare vorhanden. 
o Freie Schülervorträge auf der Treptow - Stern 
warte. Um noch weiteren Kreisen Gelegenheit zunt An 
der gleichzeitig Wohl,- und Speisezimmer der beide» Schwester» 
darstellte. Hand in Hand nahmen sie nebeneinander auf dem 
Sofa Platz. 
Hope musterte mit einem schnellen Blick die Einrichtung 
des Zimmers. Die Armut trat da unverhohlen zutage. 
Auch die gestickten und gestrickten kleinen Deckchcn, die billigen 
Bilder und Nippes vermochten sie nicht zu verbergen. Und 
trotzdem lag envas Behagliches in diesem Nanm — trotzdem 
konnte man sich hier nicht ungemütlich fühlen. War es der 
Geist der beide» Schwester», der sich den Dingen ausgeprägt 
hatte? Die »mslcrhaste Sauberkeit, die überall herrschte — 
oder war es nur, daß er die Geliebte an seiner Seile wußte? 
War es vielleicht mir ihre Gegenwart, die ihm den Aufenthalt 
in diesem Zimmer so angenehm machte? 
Er wußte es nicht, und er zerbrach sich auch nicht lange 
darüber den Kopf. Genug damit, daß er im Augenblick einer 
der glücklichsten Menschen unter der Sonne war — daß er 
gegenwärtig keinen sehnlicheren Wunsch hatte, als den, dieses 
Bcijammensei» mit der Geliebten möge nie ein Ende haben. 
Zärtlich blickten sie einander in die Augen; cs war, als 
könnten sie gegenseitig in ihren Seelen lesen — sie sprachen 
nicht ein einziges Wörtchen, und nur ihre Blicke sagten 
ihnen, ivie sehr sie sich liebten. 
„Warum nur hast Du »ns durch Deinen törichten Stolz 
all die langen Jahre ungenützt «edieren lassen?" brach Hope 
endlich das Schweige». „Ich kann Dir icicht sagen, wie 
ich unter der Trennung von Dir gelitten habe. Und ich 
ivußte cS ja doch, als ich Dir meine Liebe erklärte, daß 
Du arm seist. Dein Vater selbst hatte cs mir offen gesagt;' 
und ich war ihm dankbar dafür. Nur Dich liebte ich — ob 
Du nun Geld hattest oder nicht, was hatte düs mit meiner 
Liebe zci schaffen1 Ich selbst bin nicht reich, wenn die 
Zinsen meines _fleinen Vefmöneiis auch ausreichen, eine 
Familie zu ernähren. Ich halte Dir gesagt, daß ich arm 
biu, als ich um Deine Liebe warb ; da lachtest Du und schaltest 
mich, daß ich Dich für so eigennützig hielt, auch nur mit 
einem Gedanken au Geld oder so etwas gedacht zu haben.- 
„Damals glaubte ich, daß ich selbst rein» wäre, Ronald," 
envidcrte Jessie leise. „Erst nach dem Tode des Vater» 
erfuhr ich die Wahrheit, lind ich glaubte, daß es Deine 
Karriere ruinieren ivürde, iveme Du ein armes Mädchen —- 
Da wurde Hope beinahe böse. 
„Daß es meine Karriere ruinieren würdest sagte er. 
„Närrchen Du — was frage ich danach, wenn ich Deine 
Liebe hatte! Und außerdem war es eine ganz grundlose 
Bcsürchlring. Freilich hätten wir uns ein wenig einschränken 
müssen; in meiner Laufbahn aber hätte mich meine Heirat 
nicht gehindert." 
Ein langer tiefer Atemzug der Erleichterung hob JeffreS 
Brust. 
„Dem Himmel sei Dank dafür!- flüsterte sie. „Ich halte 
inir niemals vergeben, wenn ich Dir bei Deinem Emporkommen 
im Wege gewesen wäre. — Und noch etwas muß ich Dir 
sagen, Ronald. Es — es ist möglich, daß wir uns — doch 
nicht — heiraten sönnen!" 
Es war ihr offenbar sehr schwer geworden, eS- auszu 
sprechen. Kapitän Hope erbleichte. 
„Willst Du Dich wir nicht deutlicher erklären?- fragte 
er, nnd seine Stimme bebte vor unterdrückter Angst. 
„Ja — das bin ich Dir wohl schuldig,- erwiderte Jessie 
tonlos. „Du kannst kein Mädchen heiraten, das — im Ge 
fängnis gesessen hat. Sieh nicht so erstaunt aus, Ronald r 
Natürlich bin ich noch nicht int Gefängnis gewesen. Aber ich 
kaun jeden Augenblick hineinkommen." 
Der Kapitän sah nicht sehr geistreich darein. An eine 
Verfichtung seiner. Braut zu denke», wegen. deren fie.au einer 
hören eines Vortrages zu geben, hat die Direktion der 
Treptoiv-Stcrnivarte bestimmt, daß auch fernerhin bis Ende 
der Schulferien jeder Erwachsene das Recht hat, zu den 
Vorträgen um 5 und um 7 Uhr ein Kind unter 14 Jahren 
frei einzuführen. Es finden folgende kinematographische 
Vorführungen mit erklärenden Vorträgen statt: Am Sonn 
abend, dem 0. August, Abends 7 Uhr: Interessante 
Bilder aus Italien; Abends 9 Uhr: „Aus fernen Landen". 
Am Sonntag, dein 10. August, Nachm. 5 Uhr: „Christoph 
Columbus"; Abends 7 Uhr: „Das Berner Oberland". 
Am Montag, dem 1l. August, Abends 7 Uhr: „Natur und 
Leben in norddeutschen Gauen"; Abends 9 Uhr spricht Dir. 
Dr. F. S. Archenhold im „Verein von Freunden der 
Treptow-Sternwarte" über „Sternschnuppen" unter Vor 
führung zahlreicher Licht- und Drchbildcr. Gäste sind will 
kommen. Mit dem großen Fernrohr wird von 1 / i 9 Uhr 
an der Mond und später der Jupiter beobacktet. 
o Ueber Kiudesanssetznngen und die Notlage einer 
Frau berichten Berliner Zeitungen und bemerken, daß die 
Frau um des willen in Not geraten sei, weil ihr, da sie nicht 
rechtzeitig um Weitergewährung des ihr von der Armenver 
waltung bewilligten Betrages eingekommen war, trotz wieder 
holten Bemühens die Unterstützung nicht gemährt wurde. 
Auf Grund mehrfacher Anfragen teilt der B. L.-A. dazu 
mit, daß es sich um eine Frau F., Rubensstr. 29, handelt, 
die Berliner Armeiiverwaltung also in diesem Falle nicht 
zuständig ist. Wir möchten hierzu berichtigend bemerken, 
daß Friedenau mit der Sache auch nichts zu tun hat, da 
die Rubensstraße zu Schöneberg gehört. 
o Hartnäckige Hciratskandidaten. Eine flüchtige Be 
gegnung, die der 23 jährige, sehr reiche Baron I. von Chla- 
powski in einem Berliner Lokal mit einer von ihrem 
Manne s geschiedenen, früher in der Hauptstraße 54 zu 
Schöneberg wohnhaft gewesene Frau Woeste halte, ließ in 
dem junge Manne den Entschluß reifen, die zwar zwei 
Jahre ältere, aber noch ausfallend schöne Frau zu ehe 
lichen. Gegen diesen Heiratsplan stand aber der Vater des 
jungen Mannes. Die Einleitung des gegen ihn gerichtelen 
Entmündigungsverfahrens bewog diesen, mit seiner Braut 
zu entfliehen. Sofort angestellte Recherchen ermöglichten es 
jedoch, den widerspenstigen Bräutigam bei seiner Braut in 
der Brandenburgischen Straße zu ermitteln und dem Vater 
wieder zuzuführen. Wie verlautet, soll das bräutliche Paar 
an dem Heiratsgedanken and) heute noch festhalten. 
o Eine TodeSfahrt. Mit dem Tode endete eine Rad 
fahrt, die gestern der Maurer Gustav Benz unternahm. An 
der Lichterfelder Schützenkaserne stieß Benz mit einem 
gleichfalls radfahrenden Schützen zusammen und fiel so 
unglücklich vom Rade, daß er einen Schädelbruch erlitt. 
Der Tod trat bald darauf ein. Der Unglückliche war 
verheiratet und wohnte in der Lothar-Bucher-Straßc 18 in 
Steglitz. 
o Selbstmord. Bon der Lankwitzer Brücke stürzte sich 
heute Nacht der Arbeiter Max Gattegast aus Steglitz in den 
Teltowkanal. 04. ertrank sofort. Die Tat ist offenbar in 
geistiger Umnachtung geschehen. 
o Selbstmordversuch. In ihrer Wohnung in der 
Fenerbachstraße in Steglitz vergiftete sich heute Nacht die 
Frau des Kaufmanns F. mit Leuchtgas; sie wurde in be- 
denklichein Zustande ins Lichterfelder Krankenhaus gebracht. 
o Reiche Beute machten Einbrecher in der Wohnung 
eines Dr. B. in der Motzstraße, wo sie den Geldschrank 
und andere Behälter erbrachen und daraus für mehrere 
tausend Mark Schmuck- nnd Wertsachen, sowie eine besonderes 
wertvolle Münzensammlung stahlen. 
a Eine Friedeuauerin im Lehrter Bahnhof über 
fallen. Gestern Mittag wurde an der Hinterlegungsstelle 
des Lehrter Güterbahnhofs die Bäckersfrau Gründling ans 
Friedenau überfallen nnd ihrer Ledertaschennit 500 M. 
beraubt. Der Täter, ein junger, anständig gekleideter Mann 
von ungefähr 24 Jahren, konnte aber auf der Flucht von 
zwei Rollkutschern gefaßt werden. Er wurde der Polizei 
übergeben. Es ist ein Bnrogehilfe, der zur Zeit stellungs 
los ist. 
o Polizeibcricht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Netz mit Tennisbällen. Der rechtmäßige Eigen 
tümer vvrbenannten Gegenstandes wird aufgefordert, seinen 
Anspruch binnen 3 Monaten im hiesigen Fundbüro, Fcnrig- 
straße 7, Zimmer 6, geltend zu machen, da sonst anderweit 
über den Fundgegenftände verfügt wird. 
Gefängnisstrafe hätte verurteilt werden können, erschicn ihn: 
einfach lächerlich. 
„Sich, die Gräfin Saens weiß doch, wie sie getäuscht 
worden ist-, fuhr Jessie fort. „Und sie wird sich jedenfalls 
rächen wollen. Sie wird inich wegen des Diebstahls an 
zeigen : und ich bin tatsächlich nicht imstande, meine Unschuld 
zu beweisen, wenn Annette mich als die Diebin bezeichnet — 
was sicherlich geschehen wird." 
_ „Aber das ist doch — verzeihe das Wort — einfacher 
Unsinn,- ruf Hope ans. „Du kannst doch nicht für etwas 
bestraft werde», was Du nicht getan hast. Und Du kannst 
Deine ltnschnld auch sehr wohl beweisen. Du hast doch d:e 
Papiere nie gesehen, nnd Vera Gallowah •- 
„Ich weiß, was Du sagen willst," fiel ihm Jessie inS 
Wort. „Aber Vera Galloway darf unter leinen Umständen 
in die Sache hineingezogen werden, wenn cs wirklich zu einer 
Anklage kommt. Ihr gulcr Ruf wäre rettungslos verloren, 
sobald die Wahrheit an de» Tag käme, sie wäie in London 
einfach unmöglich geworden. Außerdem wäre dann alles un 
nütz gewesen, was wir getan. Wir gäben zu, daß tatsächlich 
Papiere ans dem Staats-Sekretariat gestohlen rvvrden sin) 
— und niemand würde einen Zweifel darüber hegen, welche 
Papiere das gewesen sind. Auch Charles Maxwell wäre 
damit ruiniert —und was hätte ich gewonnen? Man würde 
meine Handlungsweise in der guten Gesellschaft aufs strengste 
verurteilen — nnd ich halle zwci Menschen unglücklich ge 
macht. Nein, Ronald, was auch immer kommen mag, aus 
Bcras Kosten werde ich mich niemals zu rctleu suchen." 
„Aber das ist doch — man konnte darüber verzweifeln s" 
rics der Kapitän erregt. „Wenn es wirklich dazu kommen sollte, 
daß Du r« einer 0te»äu,.,rrsstraseur.r.lrteilt wirst * 
(Sortierung ,clgl.)
        
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