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Periodical volume Nr. 183, 06.08.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

flcftallmii} 'der Leistimgsprüfungen, einfachste und sicherste 
Gewinnung für alle Zwecke geeigneter Trinkinilcb, Ber- 
eiiiheillichung des Milchynudcls, um die heutige, die Milch 
verteuernde und die Ueberwachnng ihrer Brauchbarkeit er 
schwerende Zersplitterung des Handels zu beseitigen, Maß 
regeln gegen Verfälschungen und gegen Einschleppung und 
Verbreitung von Krankheiten durch Milch oder durch 
Molkereierzeugnisse, Ueberschnß oder Bedarf von Milch und 
von Akolkereierzeugnisscn im In- und im Anslande, vorteil 
hafteste Verwertung der Milch, gutachtliche Tätigkeit in 
Handels- und Vcrkehrsaugelegenheiten und dergl. mehr. 
Die Anstalt würde ferner angerufen werden können, 
um die Ursachen von inancherlei Betriebsstörungen, von 
Milch-, Butter- oder Käsefehlern, von mangelhaften Leistungen 
in Gebrauch genommener Maschinen, von Mißerfolgen an- 
geiuandter Hilfsstoffe und dergl. mehr aufzudecken und zu 
beseitigen, oder um Unternehmern milchwirtschaftlicher Neu- 
aulagen mit Auskunft oder Rat oder sonstwie vermittelnd 
beiznstehen. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Astronomisches vom August. Die Tage sind choiis 
stark im Zurückgehen begriffen; denn während zu Anfang 
die Sonne 4 Uhr 20 Min. aufgeht, kommt sie Ende d. M. 
erst 5 Uhr 10 Min. zum Vorschein. Die Zeit des Sonnenunter 
gangs dagegen nimmt von 7 Uhr 51 Min. auf 6 Uhr 
50 Min. ab. Am 23. August 8 Uhr Abends tritt die 
Sonne in das Zeichen der Jungfrau. Vollmond haben wir 
am 16. August 9 Uhr Abends; am 31. d. Ai. findet eine 
unsichtbare Sonnenfinsternis statt. Von den Planetcn- 
erscheinungen ist zu bemerken: Der Bierkur wird in der 
2. Hälfte d. M. 1 / i — 1 / 2 Stunde sichtbar. Die Venus als 
Morgenstern ist den ganzen Monat hindurch etwa über drei 
Stunden sichtbar. Die Venus als Morgenstern ist den ganzen 
Monat hindurch etwa über drei Stunden lang zu sehen. 
Der Mars nimmt an Sichtbarkeitsdauer zu bis auf o l / 2 
Stunden am Ende des Aionats. Der Jupiter ist am Ende 
des Aionats kaum noch 4 Stunden sichtbar. Der Saturn 
nimmt au Dauer der Sichtbarkeit zu bis auf 5 l / 2 Stunden 
ant Ende des Aionats. 
v Waiscnpflege. Für die Waisenpflege ist unser Lrt 
in 20 Waisenratsbezirke eingeteilt. Zur Beaufsichtigung der 
Waisen ist seit dem 1. April 1911 eine Waisenpflegerin be 
stellt. Zur Wahrnehmung der Rechte der unehelichen Kinder 
fungiert als Generalvormund der Kunsthändler Toussaint. 
Die Waisenpslegerin Fräulein v. Kunowski führte im Jahre 
1912 insgesamt 2204 Besuche ans. Bei der monatlichen 
Zahlung des Pflegegeldes wurden die Pflegestellen 710 mal 
besucht. Bei den Kontrvllbesuchen war der Zustand der 
Kinder „sehr gut" in 300 Fällen, „gut" in 382 Fällen, 
„genügend" in 450 Fällen, „ungenügend" in 264 Fällen. 
Nicht angetroffen wurden die Pflegemütter 152 mal. In 
diesen Zahlen sind nicht enthalten die Besuche bei Er 
krankungen von Pflegekindern, die täglich gemacht iverden, 
die Besuche, die notivendig waren, um die Kinder dem Arzt 
zuzuführen, die Gänge zur Ermittlung geeigneter Pflegemütter 
für neu hinzngekommene oder anderweit unterzubringende 
Kinder, die Ermittelungen für den Waisenrat und für den 
Oxmeralvormnnd. 
o Zum Snnitätsrat ernannt wurde Herr Dr. ined. 
E. Wilde, Rheinstraße 10. Herr Sanitätsrat Wilde ist 
seit vielen Jahren Vertrauens- und Polizeiarzt unserer 
Gemeinde. 
o Zweite Hypotheken. Die städtischen Kollegien von 
Harburg haben beschlossen, ein Kapital von 500 000 Dt. 
zur Gewährung 2. Hypotheken in Wohnhäusern mit kleinen 
Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Die Beleihung soll 
jedoch nur erfolgen: 1. bei bebauten Grundstücken, die 
mindestens einen Wert von 40 000 At. haben und kleine 
oder mittlere Wohnungen aufweisen; 2. bis 70 Proz. des 
Wertes; 3. in der Regel nur bei Neubauten; 4. bei 
Häusern, die in erster Hypothek aus öffentlichen Anstalten 
rvie Sparkassen, Banken usw. beliehen sind; 6. wenn der 
Zinsfuß mindestens x / 2 Proz. den der ersten Hypothekeir 
Vera mochte ivohl ihre Gedanken erraten, denn sie sagte: 
„Wenn Du nach Hause willst, so laß Dich um des 
Hiiinnels nullen nicht durch mich zurückhatten. Sowie ich 
mich eiwgerm, ßcn erholt habe, suche ich Dich und Tein 
Schweficrchcn ans. — Ich weiß gar nicht, ivie ich Tir danken 
soll, Jejsic, was Du für mich getan! Thue Deine Hilfe wäre 
ich jetzt das unglUcklichste Mädchen unter der Sonne. Der 
gute Name meines Verlobten iväre dahin — seine Karriere 
zerstört, und niemand würde noch an seine llnschnld olanben. 
In dem Augenblick, tvo der Inhalt der Rapiere veröffentlicht 
wurde wäre auch das Urteil der Gesellschaft über Maxwell 
gesprochen gewesen. Und wenn ich die Dsknmentc nicht ver 
loren hätte • 
»Wir werden sie wiederfinden," siel ihr Jessie beruhigend 
ins Wort. „Wir müssen sie wiederfinden, und es wird uns 
sicherlich gelingen. Jedenfalls ist die Gräfin für den Augenblick 
vollständig geschlagen — Du hast nichts mehr von ihr zu 
fürchten, und auch der Königin kann sic zunächst keinen 
weiteren Schaden zufügen." 
Ein Diener meldete die Königin, die unmitlelbar dar 
auf über die Schwelle trat. Sie begrüßte Vera s-.hr freundlich 
und äußerte ihre Genugtuung darüber, daß ihre Entfernung 
ans dem Krankenhause so glücklich batte durchgeführt werden 
können. Vera selbst war über das schlechte Aussehen der hohen 
Frau und über ihre übergroße Nervosität offensichtlich bestürzt, 
Wagte es jedoch nicht, ihren Gedanken Ausdruck zu verleihen. 
Die Königin lenkte das Gespräch rasch aus die letzten 
politischen Ereignisse. 
»Ich habe heute morgen den Artikel im „Merkur" noch 
einmal in Ruhe gelesen," sagte sic. „Er ist mit raffiniertester 
Geschicklichkeit abgefaßt und hätte ohne Lcchmeres tatkräftiges 
Eingreifen ganz unberechenbare Folgen haben können, Nun, 
glücklicherweise hat der „Hcrald" bereits die Berichtigung ge 
bracht, zugleich mit der Nachricht, daß der König nach Astorien 
abgereist ist. Ich habe bereits ein Tclearamm aus Dover, 
das mir die glückliche Ankunft Seiner Majestät und seiner 
Begleiter meldet; die Reise wird, von dort unverzüglich fort 
gesetzt werden. Und wenn nicht die Papiere wären Es 
ist ein -roßes Unglück, Kind, daß Sie sie im letzten Aiigen- 
übersteigt und 6. wenn die Hypothek mit 2 Prozent ge- 
tilgt wird. 
u Trennung von Armen ltud moralisch Herunter 
gekommen. In einem Vortrage, den der Direktor des 
Hamburger Armenwesens, Dr. Lohse, vor einer Versammlung 
von Armenpflegern hielt, führte er nach dem „Hamburger 
Fremdenblatt" u. a. aus: Für die eigentliche Anstaltspflege 
sei als leitender Grundsatz aufzustellen, daß sie zwar nicht 
zu entbehren, aber auf gewisse, bestimmt bezeichnete Gruppen 
zll beschränken sei. Sie sei erwünscht: 1. für Personen, die 
wegen Alters, Siechtums, körperlicher oder leichter geistiger 
Gebrechen der Armenpflege anheimgefallen seien und der 
nötigen Pflege entbehren, weil sie alleinstehen und sich 
selbst nicht mehr helfen können, oder weil die Pflege zu 
schwierig sei. Hier liege der Grund der Anstaltspflege also 
in der erhöhten Pflegebedürftigkeit, im eventuellen Interesse 
der Armen; 2. für Personen, die unwirtschaftlich, bescholtcn 
oder arbeitsscheu seien und sich deshalb im öffentlichen 
Leben nicht zurechtfinden können. Hier sei die ge 
schlossene Pflege aus im öffentlichen Interesse wurzelnden 
Erwägungen angebracht. Bei beiden Gruppen soll regel 
mäßig die Kostenfrage für die Form der Armen 
pflege nicht den Ausschlag geben. Bei würdigen alten Leuten 
sprechen im Normalfalle allgemein menschliche und soziale 
Erwägungen dagegen, sie aus ihrer alten Behausung in 
eine Anstalt zu verpflanzen, sie aus alten Gewohnheiten 
herairsreißen und sie auf ihre alten Tage unter Zwang zu 
setzen. Manchmal aber sei die geschlossene Pflege aus ver 
schiedenen Gründen im Interesse des Hilfsbedürftigen unbe 
dingt vorzuziehen. Die unüberwindliche Scheu vor dem 
Eintritt in das Armenhaus würde leichter zu überwinden 
sein, wenn endlich der langjährige Wunsch des Armen- 
kvllegiums und der Sektion für das Werk- und Armenhaus 
erfüllt würde, aus dem jetzigen Werk- und Armenhause in 
Barmbcck alle arbeitsfähigen, moralisch belasteten Personen 
zu entfernen und die Barmbecker Anstalt zu einem 
„Siechen- und Altenheim" der Stadt Hamburg umzugestalten. 
Auch im Rahmen der geschlossenen Anstaltspflege sei nach 
Möglichkeit zu invididualisiereu, und deshalb dürfen laster 
hafte Arbeitsfähige und würdige Alte oder Sieche nicht in 
der gleichen Anstalt untergebracht werden. In Hamburg 
seien allerdings seit 1904 zwei Anstalten vorhanden, doch 
sei die Trennung der Würdigen von den Bescholtenen bisher 
an der Kostenfrage gescheitert. In der Barmbecler Anstalt 
seien jetzt noch wegen ' Platzmangels in Farmsen 340 
moralisch belastete Personen untergebracht, von denen 224 
arbeitsfähig und 90 arbeitsunfähig, aber nicht bettlägerig 
seien. Dagegen seien, was gewiß mit Freunden zu be 
grüßen sei, sämtlich in der Barmbecker Anstalt befindliche 
übelbeleumundeten Frauen kürzlich nach Farmsen verlegt 
worden. Darin liege ein großer Fortschritt, und die Maß 
regel werde, wenn sie erst bekannt geworden sei, gewiß 
dazu beitragen, weiblichen Siechen den Eintritt in die 
Anstalt zu erleichtern. Aber es liege bisher doch nur eine 
halbe Maßregel vor. Es könne der Barmbecker Anstalt 
noch nicht die Bezeichnung „Siechen- und Altenheim" bei 
gelegt werden, bis die Teilung auch bei den Männern 
durchgeführt sei, denn der neue gute Name würde leiden, 
so lange sich schlecht beleumdete Männer noch in der Anstalt 
befinden. Auch sei so lange die Aufstellung einer besonderen 
Hausordnung für die gut beleumdeten Personen aus 
Gründen der Anstaltsdisziplin nicht angängig. Es finde 
aber jetzt eine mildere Ausübung der Hausordnung in der 
Franenabteilung statt. Vor allen kann die Hinausleguug 
der 340 moralisch belasteten Insassen erst nach einer aber 
maligen Erweiterung der Farmsener Anstalt erfolgen, die 
einschließlich der Kosten der Umwandlung der Barmbecker 
Anstalt zu einem Siechenheim etwa zwei Millionen Blark 
erfordern solle. Hamburg dürfe hierin nicht nach andern 
Großstädten, wie Berlin, Breslau, Leipzig, zurückstehen. 
o Zur Eenehuligungsllrkunde für die westliche 
Berliner Vorortbahn ist im Einverständnis mit der königl. 
Eisenbahndirektion jetzt vom Regierungspräsidenten ein 
Nachtrag genehmigt worden. In diesem sind über die Be 
schaffung und Prüfung der Fahrzeuge neue Bestimmungen 
getroffen, in denen ausgeführt wird, daß für neu in den 
blick noch verlieren mußten. Tay Sie mich täujchteu, will 
ich Ihnen übrigens um des guten Zweckes willen von Herzen 
gerne vergeben." 
Vera küßte der hohen Frau die Hand. 
„Ich tat es ja auch in Ihrem Interesse, Majestät," sagte 
sie. „Ich wünschn: Charles und Sie zu gleicher Zeit zu 
schützen. Und ohne jenes schreckliche Ereignis wäre es mir 
ja auch gelungen. — Ich glaube aber, daß ich Eurer Majestät 
nicht beffer zu dienen vermocht hätte, als es Jessie Harconrt 
getan." 
Die Königin vergaß ihre Sorgen für einen Augenblick 
und küßte Jessie herzlich ans die Stirn. 
Ja, sie ist mir eine liebe Freundin geworden," sagte sie 
und streichelte ihr die heißen Wangen. „Und ich ivciß in der 
Tat kaum, was ich ohne sie häilc beginnen sollen. Nun aber 
sollen Sie sich vor allem erholen, Kind! — Ich werde meinen 
Wagen bestellen, da kommen Sie am schnellsten heim und 
zu Ihrem Schwesterchen zurück." 
Cie plauderten noch ein ivcnia, bis der Diener meldete, 
daß der Wagen bereit' stände. Die Königin entließ Jessie 
mit den herzlichsten Worten; Vera, die sich ans eine Ehaise- 
lougue hatte legen müssen, zog sic zu sich hinab, um sie 
zärtlich aus die roten Lippen zu küssen. 
„Ich komme bald!" flüsterte sie ihr leise und rasch zu. 
„Gib Deinem Schivcsterlcin, das ich ja leider noch nicht kenne, 
von mir e nen Kuß, und sei mir nicht gar zu böse wegen 
dessen, was Du um meinetwillen gestern zu leiden 
Haltelt. 
Die Fahrt in der eleganten Equipage, ans den seidenen 
Polstern, darauf inan so wundervoll bequem saß, gezogen 
von zivci feurigen Pferden, ging Jessie nur zu rasch vor 
über. Sehr bald hielt der Wagen vor dem einfachen Miets 
haus, darin sie mit Ada wohnte. Ter reich galoniene'Diener 
sprang vom Bock, um ihr den Schlag zu öffnen, und grüßte 
lief, als sie an ihm vorüberging. 
„Fräulein Harconrt kommt in 'nein königlichen Wagen!" 
Wie ein Lauffeuer hatte sich diese Nachricht durch das Hans 
verbreitet. Die auf dem Hose spickenden Kiiider gafften sie mit 
offenem Munde wie etwas uneihorl Wunderbares an, während 
sie nach dem Eingänge des „Gartenhanfes" ging, und ans allen 
BKneb einzustellende Fahrzeuge sowie für Aenderungen von 
Fahrzeugen vor ihrer Inbetriebnahme Zeichnungen und 
Beschreibungen dem Polizeipräsidium und der königlichen 
Eisenbahndirektion in Berlin zur Genehmigung vorzulegen 
sind, vor deren Erteilung die Fahrzeuge nicht in Betrieb 
genommen werden dürfen. Die Genehmigung zur Be 
schaffung neuer Fahrzeuge ist selbst dann nachzusuchen, wenn 
diese nach bereits früher genehmigten Entwürfen angefertigt 
werden sollen, lieber die Meldung von Unfällen und Be 
lciebsstörnngen ist angeordnet, daß alle Störungen, die 
länger als eine halbe Stunde anhalten, sofort der Behörde 
zu melden sind. Außerdem sind alle großes Aussehen 
erregenden Unfälle durch den Betriebsleiter oder dessen 
Vertreter dem Minister der öffentlichen Arbeiten unmittelbar 
telegraphisch unter kurzer Anführung der Einzelheiten und 
der' Unfallursachen zu melden. Die Fahrpläne sind der 
kleinbahngesetzlichen Aufsichtsbehörde rechtzeitig zur Ge 
nehmigung vorzulegen. ' Zwecks Durchführung dieser An 
ordnung hat die Kleinbahnverwaltung die Fahrpläne gleich 
zeitig dem Polizeipräsidenten und der königlichen Eisen 
bahndirektion zu Berlin einzusenden. In den weiteren 
Vorschriften des neuen Nachtrags wird dann eine große 
Anzahl von Bestimmungen über Schutzvorkehrungen der 
elektrischen Leitungen getroffen. 
o Ein Friedhof am Havelufer. Bei Spandau ist 
wieder einmal eine schöne Uferpartie in Gefahr, für immer 
verloren zu gehen. Vor kurzem erst wurden die Rustwiesen 
partien der Industrie ausgeliefert, bei Tiefwerder folgte ein 
weiteres Terrain zur Anlage Charlottenburger Wasserwerke, 
jetzt soll an der Havelpartie bei Weinweisterhorn, gegenüber 
dem Pichelswerder, ein Friedhof für die Berliner Jüdische 
Gemeinde erstehen. Das Terrain wird von einer Boden- 
gesellschaft verkauft. Tie Negierung soll bereits die Anlage 
genehmigt haben. Ein Protest der Nachbargemeinde Seebnrg 
wurde mit Geldbuße erledigt, der Spandaner Protest bleibt 
unbeachtet. 
v Drucksachen ohne „Drucksache". Drucksachen erhält 
man auch heutzutage noch oft mit der besonderen Be 
zeichnung als solche. Seit vielen Jahren ist aber diese 
Vorschrift abgeschafft. Die Absender könnten sich die Mühe 
der Bezeichnung sparen. Dasselbe gilt seit dem Postkongreß 
in Rom im Jahre 1909 auch für Postkarten, die des Aus 
druckes „Postkarten" nicht mehr bedürfen. Da die Postkarten 
dach meist gedruckt werden, so hat wenigstens der Absender 
keine Mühe damit. Die alte Vorschrift, daß Sendungen zu 
der ermäßigten Tare eine Bezeichnung als solche erhalten, 
gilt aber heute noch für Warenproben oder sMuster sowie 
für. Geschäftspapiere. Wenig bekannt ist aber, daß auch 
diese Regel nicht ohne Ausnahme ist. Drucksachen, Waren 
proben und Geschäftspapiere können auch zusammengepackt 
werden. Ist dies der Fall, so ist eine Bezeichnung der 
Sendungen nach deren Inhalt nicht vorgeschrieben. Es gitt 
dies nicht bloß, wenn etwa Drucksachen mit Mustern oder 
Geschäftspapieren vereinigt sind, sondern selbst dann, wenn 
nur Muster und Geschäftspapiere zusammengepackt sind, 
obgleich diese, einzeln verschickt, als solche bezeichnet werden 
müssen. 
o Der Havelländische Gau der Deutschen Turnerschasr, 
zu den: auch der hiesige Männer-Turnverein gehört, feiert 
sein diesjähriges Gauturnfest in Velten i. M. am 23. bis 
25. August. Anmeldungen zu diesem Feste werden an den 
Turnabenden des Vereiirs bis zum 14. d. M. entgegen 
genommen. Für die Welturner und Eilbotenmannschaflen 
findet ein Probeturnen u. z. in den Geräteübungen am 
Dienstag, dem 12. August, während des Turnens der 
1. Männerabteilung, in den volkstümlichen Uebungen am 
Sonntag, dem 10. August (Vorm.) ans dem Turnplatz am 
Maybachplatz statt. 
o Vorsicht beim Schließen der Abteiltüren. Eine 
Verfügung der Staarsbahnvermaltung, weist darauf hin, daß 
in letzter Zeit wieder häufig Reisende verletzt morden sind, 
die unvorsichtigerweise ihre Hände an die Türrahmen gelegt 
hatten. Die beim Türschließen beteiligten Bediensteten 
iverden aufs neue angewiesen, sich sorgfältig darüber zu 
vergewissern, ob nicht jemand sich mit der Hand am Tür 
rahmen festhält und sollen durch den Warnruf „Vorsicht!" ans 
Fenstern blickten die Dienstmädchen ihr mit neidischen Gesichtern 
nach, wie sie rasch in den dunklen Flur deS Hauses eintrat. 
Wie stach doch dieses ihr Heim ab von all den glänzenden 
Häusern, darin sie den Abend und die Nacht zugebracht! Sic 
verglich unwillkürlich diesen düsteren, engen und winkligen 
Ansgang und die knarrende Hokffiiege mit der prachtvollen 
Empfangshalle im Hanse des Lord Merchavcu, mit dem 
marmo:getäfelten Vestibül, dessen Boden mit dicken Smyrna- 
t ppichui belegt war, die den Klang der Schritte bis zur Un- 
hörbarkcit beimpften. 
Ein Heims Mädchen, dem sie um seiner Artigkeit und 
Wohlerzogenheit willen stets sehr sremiPieh begegnet war, 
hatte die Nachricht vrn ihrem Kommen bereits der Schwester 
gebracht. Mit Freude,ittänen in den Augen kam ihr Ada 
enigegeii. 
„Wie lange Tn ausgeblieben bist!" saute sie nach einer 
innigen Umarmung. „Ich habe mich sehr geängstigt, und ich 
bin froh, daß Tn endlich wieder da bist. — Aber Maricchen 
fabelt etwas von einer prachtvollen Kutsche, in bet Du ge 
kommen sein sollst. Ist cs Dir vielleicht gegangen wie der 
Armen im Märchen. die ein Prinz lieb gewonnen hat?" 
Jessie zog die Kleine übermütig lachend in die Wohnung 
hinein und siel ihr dort noch einmal um den Hals. 
„Ja — ich habe meinen Prinzen gesunden!" jagte sie mit 
vor Glückseligkeit strahlenden Augen. „Und rate einmal, ivcc 
er ist!" 
Tie Schwester sah sie zweifelnd an. 
„Du scherzest doch nicht etwa?" meinte sie zögernd. Und 
dann lenckstete es plötzlich verständnisvoll in ihren Augen ans. 
„Tn hast Ronald get; offen!" ries sie triumphierend. Und 
als die Schwester. beje»!Fe, fügte sie hinzu: 
„Sh, ich habe cs immer gewußt, daß Ihr noch einmal 
zusammenkommt. Ich habe cs wohl gemerkt, ivie lieb Tu 
ihn hattest; und ich habe sogar schon einmal von Deiner 
Hochziit mit ihm geträumt. Als ich mit der alten Johanne, 
der Köchin des Doktors im Vorderhaus, darüber sprach, 
meinte sie auch, dann würdest Da ihn sicherlich wieder treffen; 
denn solche Traume lind unieblbar." 
(Fortsetzung,olgt.)
        
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