Path:
Periodical volume Nr. 17, 20.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

nun hier so viel herausgekommen sei. Er möchte nur 
erklären, daß Herr Ott nicht gesagt habe, dnS Rathaus sei 
der Ruin von Friedenau (Herr Konieczka: Nein, nein, 
Herr Ott hat da« nicht gesagt). Herr Sturm erklärt noch, 
daß er für die angeführten Zahlen einstehe. ES wurde 
dann der Antrag deS Herrn Sturm, in 14 Tagen eine 
Versammlung einzuberufen, die sich mit der Eingemeindung«, 
frage beschäftigt, gegen 1 Stimme abgelehnt. — Der Vor- 
sitzende machte dann auf die VergllnstigungSvelträge auf 
merksam, die der Verein mit den BersicherungSgesellschaftcn 
„Thuringia" (Wasserschäden), Hammonia (GlaSschäden) 
und Stuttgart (Haftpflicht) abgeschlossen hat. Ferner 
erinnert er daran, daß der MietSstemprl bi« zum 31. d. M. 
erledigt sein muß und die Frist zur Abgabe der Steuer 
erklärungen am 20. d. M. abläuft. Herr Flantzer stellte 
hierauf den Antrag, der Benin wolle beschließen, die 
Gemeindeverwaltung zu ersuchen, mit der Errichtung einer 
Gemelndesparkasse sofort zu beginnen. Die Sparkasse 
deckt ihre Kosten selbst und hat- überall erhehliche Ueber- 
schösse aufzuweisen (Schöneberg z. B. rund 80 000 M. im 
verflossenen Jahre). Man gibt heute vielfach da« flüssige 
Geld, da« man sonst gegen eine geringe Verzinsung 
(gewöhnlich 1—1‘/ 8 Prozent) als täglicher Geld einer 
Baak gibt, der Sparkasse, die regelmäßig 3 Prozent Zinsen 
zahlt. Die Sparkassen geben viel Geld auf erste 
Hypotheken, war auch hier stattfinden würde. Dem zu 
gründenden örtlichen Hypothekenamt käme daS bei Be 
gebung zweiter Stellen sehr zu statten. Antragsteller 
glaubt nicht, daß eine solche Institution von aufsichtSwegrn 
nicht gestattet werden könnte, eS handelt sich um eine 
WohlfahrtSeinrichtung, die häufig genug von der Regierung 
den Gemeinden empfohlen worden sei. Eine Konkurrenz 
klausel gäbe eS hier nicht. Zehlendorf, Lichterfelde, Steglitz 
u. a. sind mit der Sparkasse sehr zufrieden, weshalb sollten 
wir eS nicht auch sein können. ES muß erst ein Reserve 
fonds gesammelt werden, deshalb sollte man mit der Gr- 
richtung sofort beginnrn. Die Ausführungen fanden all- 
gemeine Zustimmung. Herr Konitzka schlug vor, die An- 
regung deS Herrn Flauger als Antrag zu formulieren und 
die sofortige Errichtung einer OrtSsparkasse als dringend 
notwendig zu erklären. Der Antrag wurde einstimmig an 
genommen und der Vorstand ersucht» bei der Gemeindever 
waltung unverzüglich die Errichtung einer OrtSsparkasse in 
die Wege zu leiten. Herr Niemann, der ebenso wie Herr 
F. Schmidt die Errichtung einer Gemeindesparkasse befür 
wortet hatte, richtete noch an Herrn Slurm die Bitte, sich 
künftig in seinen Zuschriften über Friedenaus Finanzen usw. 
zu mäßigen, da eS keinen güten Eindruck nach außen hin 
für Friedenau mache, wenn derartige Ausführungen in die 
Okssentlichkett kommen. Herr Pusch bat hiernach um AuS- 
kunft, ob bereit« etwas in der Frage der Durchlegung der 
GulSmuthSstraße geschehen wäre. Der Vorsitzende ant 
wortete, daß das EnteignvngSoerfahren eingeleitet sei. 
Herr Knaak wünschte zu wissen» wie weit eS mit der s. Zt. 
beschlossenen Ausarbeitung eines Mietsvertrages stehe. Der 
Vorsitzende erklärte, daß der Ausschuß den Mietsvertrag 
ausgearbeitet habe, der nun noch den Juristen deS Vereins 
zur Prüfung unterbreitet sei. Herr Beymel brachte die 
Frage deD Echlüffelrecht« deS Eigentümers bet Abzug einer 
Mieters zur Sprache. Herr FranzeltuS bat, Anträge über 
Berkehrsoerbesserungen an ihn gelangen zu lassen. Der 
Vorsitzende bemerkte hierzu, daß die Straßenbahn sich für 
DerkeyrSoerbesserungen ablehnend verhalte, solange nicht 
die Verbreiterung der Saarstraße erledigt sei. Der An 
trag der Gemeinde auf Durchlegung der Automobil- 
omnibuSlinie 14 bis Friedenau ist von der OmnibuS-Ge- 
sellschaft abschlägig beschieden worden. Die Frage der 
Einrichtung eine- OmnibuSverkehrS quer durch Friedenau 
hat sich bisher wegen der Kostenfrage noch nicht erledigen 
lassen. Zum Schluß kam noch die Borgartenfrage zur 
Erörterung, insbesondere die Frage der Beseitigung der 
V.rzärtrn in der Kirchstraße. Darauf schloß der Vor 
sitzende gegen 12 Uhr cie sehr anregend und interessant 
verlaufene Hauptversammlung. — Zum vorstehenden Bericht 
bemerken wir noch, daß, wie uns der Borsitzende mitteilt, 
aller Voraussicht nach in der nächsten MonatSoersammlung 
am 21. Februar unsere öffentlichen Bauten eingehender 
Erörterung unterzogen werden sollen. Herr Gemeinde- 
Baurat Altman» hat sich auf Anfrage bereit erklärt, an 
dem genannten Abend einen Vortrag zu halten über das 
Thema: „Die jetzigen und künftigen öffentlichen 
Bauten der Gemeinde Friedenau." DaS Erscheinen 
der gesamten Gemeindevertretung ist zu erhoffen. Näheres 
wird später veröffentlicht werden. 
o Tie Charlottenburger Wasserwerke, die auch 
Der Mann, der fließendes Englisch mit einem un 
verkennbaren französischen Akzent sprach, führte sie durch 
den Borsaal, einen Korridor hinunter und in ein kleines 
Zimmer, das, wie er ihnen wortreich erklärte, von seinem 
Herrn den größeren Empfangsräumen vorgezogen wurde, 
weil es nach Süden lag. Sir William erkannte es der 
Lage nach als das sogenannte Studierziniiin- seines alten 
Freundes, wo dieser seine Gewehre und sein Angelgerät 
aufbewahrt hatte, aber der Eigentümer selbst hätte das 
Innere des Raumes kaum wiedererkannt, in den die beiden 
Besucher jetzt geführt wurden. 
Es kennzeichnete sich jetzt als das Zimmer einer Dame, 
einer Dame, die Bequemlichkeit und Sonnenschein, Bücher 
und Blumen liebte, aber über alles schien ihr Farbensinn 
entwickelt zu sein. Es wäre beleidigend gewesen, hätte 
man den abgedroschenen Ausdruck „künstlerisch" hier an 
wenden wollen, das kleine Zimmer bildete eine wahre 
Farbensymphonie, in der keine einzelne zu sehr vortrat, 
aus der man aber auch keine hätte herausnehmen können, 
ohne den wundervollen Eindruck zu stören. 
Und e4 war auch eine Dame, die sich, als der Diener 
die Namen der Besucher nannte, aus einem hochlehnigen 
Stuhl erhob, um ihnen entgegenzukommen. Eine alte 
Dame, die eben aus einem alten Bild herausgetreten zu 
fein schien, denn sie sah genau aus wie eine Marquise des 
„Ancien Regime", weißes Haar, in schneeigen Massen über 
einer hohen Stirn aufgetürmt, stolze Augen, die trotz des 
freundlichen Willkommens kühl blickten, eine große, leicht 
gebogene Nase und ein fester Mund, das waren die Aeußer- 
lichkeiten bei der Dame, die Sir William jetzt eine jnuoestir- 
nach Friedenau Wasser liefern, haben bei einem Kapital 
von 30 Millionen Mark für 1012 einen Reinertrag von 
4 140 245 M. erzielt, das sind etwa 14 Prozent. 
o Den hilfsbedürftigen Kricgövrteranc« in 
unserem Orte wird die „Fürsorge-Bereinigung* anläßlich 
deS Geburtstages unseres Kaisers wieder ein Festessen 
geben. 30 Krieger sollen am Sonntag, dem 26. d. M.» i 
Abends 6 Uhr, in einer kleinen Festlichkeit im Hohenzollern 
Speise und Trank erhalten; außerdem wird 27 von ihnen 
eine Geldspende zuteil werden. Zu der Festlichkeit ist 
jedermann, der ein Herz für unsere alten KrtegSoeteranen 
hat, willkommen. 
o Luftschiffahrt und Flpgwrse«. Wir erinnern 
nochmals an den morgen (DtenStag) Abend 8*/ 2 Uhr in 
der Aula deS ReformrealgymnastumS stattfindenden Licht 
bildervortrag deS Herrn Hauptmann a. D. Dr. Hildebrandt 
über Luftschiffahrt und Flugwesen. 
o Ueber den Alkohol und seine furchtbaren 
Schäden sprach Herr Schöffe Sadöe am Donnerttag in der 
Sitzung deS vereinigten Waisenrais und ArmenauSschusseS. 
An die sehr lehrreichen und intereffanten Ausführungen 
schloß sich eine eingehende Besprechung über die Frage: 
WaS in unserem Orte zur Bekämpfung deS Alkoholmiß 
brauchs getan werden könne. Folgende Forderungen wurden 
aufgestellt: Belehrung und Aufklärung über die entsetz 
lichen Gefahren bet Alkohol« müssen schon in der Schule, 
noch mehr in der Fortbildungsschule, in Vereinen, in 
Wort, Schrift und Bild fortgesetzt gegeben werden; Lohn 
zahlungen dürfen nie in Schankstätten stattfinden; die 
Frau und die Frauenvereine sind zur Bekämpfung der 
Trunksucht heranzuziehen; die segensreich wirkenden Trinker- 
Heilstätten sind zu unterstützen und mehr als bisher zu 
benutzen; die als geheilt entlassenen Kranken sind der 
ferneren Obhut der Abstinenzler, Temperenzler und Gut- 
Templer zu überweisen; die elterliche Gewalt ist Trunken 
bolden zu entziehen; an brsonderS verkehrsreichen Straßen 
sind (wie in Steglitz) öffentliche Trinkhallen und fliegende 
Wagen mit alkoholfreien und warmen Getränken einzu- 
rtchtkn; Walsenräte und Armenpfleger sollen die ihnen be 
kannt werdenden Säufer sofort auf der neben der Lungen- 
Fürsorgestelle errichteten Tcinkerfürsorgestelle, die unter der 
Leitung der Dr. Heinecker steht, melden; die der Fürsorge- 
stelle bisher gewährten Mittel (600 M. aus Gemeinde- 
Mitteln und 600 M. aus der Heinrich SachS-Stiflung), 
müssen wesentlich erhöht werden. Die Tuberkulose-Für- 
sorgestelle behandelt zur Zeit 400 hiesige Familien, in 
denen sich auch viele Trinker befinden. Neben der 
kommunalen und freiwilligen Arbeit auf dem Gebiet 
müssen auch die Krankenkassen vielleicht durch besonder« 
dazu ausgebildete Kontrolleure zur Bekämpfung drS schreck 
lichen Uebels herangezogen werden. 
o Friedeuauer MSuner.Gefaugvereln.L875. 
Unter heutigem .Datum ist denjenigen Mitgliedern deS 
Friedenauer Männer-TesängvrreinS, die verhindert waren, 
an der Jahreshauptversammlung am 4. Januar d. I. 
teilzunehmen, der gedruckte Bericht über diese zugegangen. 
ES ist dleS daS erste Mal, daß der in unserem Ort so 
angesehene und beliebte verein seine Mitglieder von den 
Borgängen und Beschlüssen der Generalversammlung direkt 
in Kenntnis setzt. Allen Freunden und Gönnern de» 
BereinS wird vor allem die Emsigkeit und Pünktlichkeit 
der Sänger interessteren, sind doch von 46 Uebungistunden 
im Jahre 1912 nur etwa 4 Stunden im Durchschnitt von 
den Sängern versäumt worden. Daß der Chor unter der 
jetzigen Leitung seines Dirigenten, Herrn Musikdirektor 
Paul Antoni-Friedenau, ganz hervorragend tüchtiges leistet, 
kann bet solchem Fleiß nicht Wunder nehmen. Wir haben 
im vorigen Jahre ja deS öfteren Gelegenheit gehabt, uns 
von der Güte deS Vorgetragenen zu überzeugen. Der 
Vereins zählt in diesem Jahre neben 4 Ehrenmitgliedern 
85 ordentliche Mitglieder, sodaß er nicht nur der älteste, 
sondern auch einer der stärksten Gesangvereine kn Friedenau 
ist. Auch die Kassenverhältnisse stehen günstig, da rin 
Mehr von rund 225 M. gegen daS Vorjahr verzeichnet 
ist. AIS erster Vorsitzender wurde Herr Paul Schmidt 
wiedergewählt; außerdem wurden neu in den Vorstand 
gewählt die Herren P. Franke und W. Schuster. DaS 
Amt deS 1. Kassierer» blieb in den Händen de« bis 
herigen HauptkasstererS Herrn P. Hüter. Dem Vergnügung»- 
auSfchuß gehören an die Herren Kempa, Reisch und Fritz 
Hendrich. Lebhaft wurde bedauert, daß durch dl« Umge 
staltung deS Hohrnzollern-SaaleS in ein Klnotheater jetzt 
dem Verein die Möglichkeit genommen ist, feine Konzerte 
und Festlichkeiten im Orte abzuhalten, da kein entsprechend 
großer Saal mehr vorhanden und die Aula de« Reform- 
geschmückte, weiße Hand entgegenstreckte, während sie für 
Julius nur eine leichte Berbeuqung hatte. 
„Louis," sagte sie leise zu dein Diener, „.ncloen Sie 
Herrn Scharnock, daß Sir William Graßman hier ist, und 
fragen Sie ihn, ob er wohl genug ist, um sich herüberrollen 
zu lassen." 
„Mein Sohn," erklärte die Gräfin, als der Diener sich 
zurückgezogen hatte, „ist mit einem unheilbaren Rücken- 
marksleiden behaftet. Er kann sich infolgedessen gar nicht 
bewegen und muß in seinem Fahrstuhl aus einem Zimmer 
in das andere gebracht werden." 
Sie bat ihre Besucher, sich zu setzen und nahm selbst 
wieder Platz in dem steiflehnigen Stuhl, der zu ihrer 
ganzen Erscheinung paßte, trotzdem er nicht in Harmonie 
mit den weichen Sesseln und lissenbelegten Ruhebetten 
war, die in großer Anzahl im Zimmer herumstanden. 
Es waren kaum ei» paar höfliche Redensarten ge 
wechselt worden, als die Tür weit geöffnet wurde, und der 
französische Diener einen auf Gummirädcrn laufenden Fahr 
stuhl hereinschob, auf dein die Gestalt eines Mannes ruhte, 
der so in Kissen und Decken vergraben war, daß man 
nicht beurteilen konnte, ob er groß oder klein sei. Nach 
dem er den Stuhl in die Nähe der übrigen Anwesenden 
gerollt hatte, verließ der Diener stumm das Zimmer. 
„Mein Sohn, Herr Scharnock; lieber Franz, dies ist Sir 
William Graßman, der so liebenswürdig war, uns aufzu 
suchen. Und — äh — Herr — Sir Williams ärztlicher Be 
rater." 
Mit diesen Worten stellte die Gwfin die Herren ein 
ander vor. (Fortsetzung folgt.) 
realgqmnasiumS zu diesen Zwecken nicht erhältlich ist. Der 
Saat der Kaiser-Wilhelm-Garten kann di« Personen 
nicht annähernd aufnehmen, die bei den so beliebten Ber- 
anstattungen der Vereins zusammenströmen. Beschlossen 
wurde ferner, in diesem Jahre zwei große Konzerte zu 
geben. Der Jahresbericht schließt mit der Bitte an alle, 
Sänger und Freunde zu werben, auf daß der Verein 
weiter blühe und gedeihe, denn „Wo man singt, da laß 
dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder". 
o Mänoer * Turnverein zu Friedenau Die 
1. Männerableilung hielt am Donnerstag, dem 16. Januar 
ihre ordentliche Abteilungsversammlung ab. Der Turn 
wart Altenkrüger begrüßte die erschienenen 32 Turnge- 
nassen sowie den Vorsitzenden Tg. Fehler und Oberturn- 
wart Kühn. Nach der Protokolloerlesung erstattete nun 
der AbteilungSoorstand den Bericht über seine Tätigkeit im 
Jahre 1912. Reiche Arbeit ist zu leisten gewesen und 
wacker hat jeder seine Pflicht getan. Die Versammlung 
erteilt« darauf Entlastung und brachte zum Dank ein drei 
faches „Gut Heil!" aus. Nach einer Pause wurden die 
Neuwahlen vorgenommen. Ergebnis wie folgt: Tg. Kitzler 
1. Turnwart, Tg. Schreiber 2 Turnwart, Tg. Hetnze 
1. Kassenwart, Tg. Altenkcüger 2. Kassenwart. Tg. Klang 
Schriftwart, Tg. Mostg, Brücker, Kassevprüfer. Für den 
VergnügungSauischiiß wurden die Tg. O. Schulz und G. 
Teudloff neugewählt. Die Wahl der Kneipwarte wurde 
vertagt, da Kneipen vorläufig nicht stattfinden. Der Ab- 
teilungrbeitrag soll in alter Höhr beibehalten werden. Der 
Vorsitzende Tg. Fehler gab dann einige Erläuterungen zur 
Hauptversammlung. Betreffs des deutschen Turnfestes in 
Leipzig sollen die Vorschläge der Vorturnerschaft abge 
wartet werdcn. Unter Punkt Verschiedenes gelangte da« 
Fußballspiel zur Aussprache. Di« Mannschaft spielt jetzt 
als Mannschaft der 1. Männerabteilung. Mit dem Ge 
sang: „Lieder stimmt an" wurde die Versammlung 12 1 / 2 
Uhr geschlossen. 
o Firnis nelntragirng. Nr. 40 470. Wilhelm 
Gerlck?, Milchgroßhandlung, Berlin-Friedenau. Inhaber 
Wilhelm Gericke, Kaufmann, Berlin-Friedenau. 
o Mißlungener Einbruchidiebstahl. In der 
gestrigen Nacht, kurz nach 12 Uhr verschafften sich Ein 
brecher mittels Nachschlüssels oder Dietrichs Eintritt in die 
in der Rheinstr. 29. 2 Treppen hoch belegenen Wohnung drS 
UnioersitStiprofessorS Dr. med. Hugo Stempelmann. Drei 
von ihnen schlichen sich über die Hintertreppe in die 
Wohnung, während einer vor der HauLtllre Schmiere 
stand. Al» sie daS HuuS eiligst verließen, wurden die 
Diebe bemerkt, entkamen aber leider. Gestohlen haben sie 
nichts, denn Frau Prof. Stempelmanü war durch.ein 
Geräusch aufgeweckt und rief laut um Hilfe. Die Ber- 
brecher ergriffen schleunigst die Flucht aus dem Wege, den 
sie gekommen waren. Die telephonisch benachrichtigte 
Polizei erschien bald am Tatort, konnte aber nur den Tat 
bestand feststellen, da die Täter unerkannt entkamen. Der 
Borderaufgang der Hauser ist besonders verschlossen, nicht 
so die HintertreHi.', die vom Hofe au» Zugang hat. Leider 
sind die Haustürschlösser im allgemeinen so beschaffen, 'daß 
sie mit jedem Schlüssel, der ins Schlteßloch hineingeht 
leicht geöffnet werden können. Der Hauswart, der. dicht, 
am Hausflur wohnt, hat nicht« bemerkt, da er den Schlaf 
der Gerechten schlief. Man wird jedenfalls annehmen 
können, daß wieder einmal Berliner Diebe hier versucht 
haben, eine Gastrolle zu geben. 
o Unsere Feuerwehr wurde Freitag Abend nach 
der Rhetnstraße (Kaisers che) gerufen,* wo «in Pferd 
gestürzt war, daß trotz aller Bemühungen nicht -wieder 
auf die Beine wollte. Unsere Wehr leistete mit dem dp 
kannten Dreifuß erfolgreiche Hilfe. 
—o Die Gesamtzahl der tu den drei Rechnungsjahren 
1908 bi« 1910 nach Schöneberg zugezogenen Steuerpfltchtigen 
mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. wurde auf 
1573—1643 und 1811 ermittelt, während di« Gesamtzahl 
der in ber gleichen Zeit von Schöneberg fortgezogenen 
Zenstten 1319—1348 und 1616 betrug. Ln Friedertau 
gab Echöneberg 272 Zenstten mehr ab, al« er von dort 
empfing. 
—o In dem 3. Vierteljahr 1912 ist die Bevölkerung 
der Stadt Schöneberg nach der Fortschreibung von 177 898, 
auf 177 464 also um 431 gesunken. 
(Für diese Rubrik Übernehme» »t: fctac Urrantwortnng.) 
Ueber die Abwanderung großer Steuerzahler von Berlin »ach den 
Vororten wird von Zeit zu Zell berichtet und eS könnte scheinen, als 
ob Berlin viele große Einkommen lo« würde, die Vororte aber de- 
deutende Summen an Einkommensteuer gewinnen. Dem ist nicht so. 
Die Abwanderung der großen Einkvmmm von Berlin hingt mit dem 
Forischreiten der City Bildung zusammen. Die leerstehenden Woh- 
nungen werden mU GeschästSlokalen, Bürcriumeu usw. ausgebaut. 
Dadurch werben erheblich höhere Mieten erzielt und daS Ergebnis ist, 
daß die Grund» und Gebäsdesteuer, wie auch die Gewerbesteuer in 
Berlin eine Ctetgcruvg erfährt. Die nach den Bororten verzogenen 
Steuerzahler entrichten ja wohl in den Bororteu ihre Einkommen 
steuer. Damit erhält di« betreffende Gemeind« jedoch noch nicht die gleiche 
Höhe an Kommuoalsteuern, da nur «in klein» Teil vom Eiokommeo 
als Gemeindesteuer in den Säckel der Vororte fließt. Dagegen 
zahlt der Betreffende, wenn er Grundbesitzer iu Berlin ist oder dort 
eicea Gewerbctrieb hat, die Hauptjummen der Steuern aus seine» 
Best- oder Betrieb an Berlin. Die Vororte erhalten dadurch nur 
wenig Zuwachs, während Berlin durch die Umwandlung der Häuser in 
Geschäftshäuser derart bedeutende Summen einnimmt, daß der auS 
der Abwanderung sich ergebende Verlust durch dir erhöhten Ein- 
nahmen mir bestens gedenkt, wenn nicht gar «eit überschritten wird. 
Dem Bororteu aber erwachsen für den Gewinn durch den Zuzug der 
s toßen Steuerzahler auch ganz bedeutende Lasten, da diese Herr- 
Lasten ganz andere Ansprüche an den Geldsack der Gemeinde stellen, 
al» die kleinen Steuerzahler. Vergleiche höhere Schulen usw. Erst 
kürzlich war ja hier davon die Rede, daß man den Zuzug guter 
Steuerzahler durch Errichtung eines Oberlyzeum» fördern müßte. 
Man fleht au» dem Vorstehenden, daß ein derartiges Jagen nach den 
großen Steuerzahlern auch ander« beurteil« «erden kann und der Ge 
winn für die Vorortgemcinde nicht so bedeutend ist wie vielfach äuge» 
nommcu wird. H. Z. 
Au» Aerziekreis'.u schreibt trau un«: Der Krankevkaffeustrett in 
Halle a. Saale ist soeben durch Ulteil de» Reichrgenchtc» zu Gunsten 
der eiogestssknen Aerzieschaft ent gültig entschieden worden. Der 
strcmkenkassenv-rband hrlte bekam ritch 1910 die eingesessene »erzl $
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.