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Periodical volume Nr. 65, 17.03.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 180 des „Frkdermuer Lokal-Anzeiger". 
Sonntag, den 3. August 1913. 
Hus unteren Kolonien, 
Zur Bekämpfung der Rinderpest in Ugago und Turn wird in 
Mpapua eine große Serum-Station errichtet. 
Tic Deutsche Tabakbau-Gesellschaft Kamerun brachte anfangs 
März ihren ersten Kameruner Tabak in Bremen zum Verkauf, 
150 Zentner, und erzielte durchschnittlich 4 M. für das Pfund. 
Ja einem Aussatze der „Kolonialen Zeitschrift" geht Gxaf 
O. Baudissin den Ursachen der bedauerlichen Kapitalmüdigkeit be 
züglich der deutschen Kolonien nach; er findet sie in erster Linie in 
der durch die Maßnahmen der Kolvnialvcrwaltnng entstandenen 
Rcchtsunsicherheit, für die er als charakteristische Beispiele den Fall 
der Konzessionsgcsellschast Nordwest-Kanierun und dem eines süd- 
ivestafrikanischen Prospektors anführt. Die im Jahre 1000 mit 
einem Kapital von 4 Mill. Mark gegründete Gesellschaft, die nach 
dem Zeugnis der aintlichen Referenten ihre gegenüber dem Reiche 
übernommenen sehr drückenden Verpflichtungen gewissenhaft erfüllt 
hat, ist durch den einseitigen Rücktritt des Kolonialamts von dem 
Vertrage wirtschaftlich empfindlich geschädigt wordcit. 
Tie Zentral-Anskunftsstellc für Auswanderer befindet sich in 
Berlin IV 85, am Karlsbad 10. 
Wie aus Deutsch-Südwcstnfrika gemeldet wird, wurden reiche 
Kupferfunde gemacht. Die Kupferader soll mehrere Kilometer lang 
und mehrere Meter tief sein. 
In Deutsch-Südwestafrika leben jetzt etwa 14 000 Weiße. An 
verschiedenen Stellen der Kolonie berrscht Vieh- und Fleischüberschuß. 
Die Firma Woerniann, Brock u. Co. in Swakopmund machte den 
Versuch einer Dörrflcischausfuhr. 
Das kaiserliche Gouveniemcnt in Kamerun hat der ihm unter 
geordneten Verwaltungsstelle einen Erlaß über die Ausübung des 
freien Handels in den Konzcssionsgebieteu von Ncu-Kamerun zu 
gehen lassen. Es wird darin unterschieden zwischen dem Handel, 
der sich mit dem Ankauf von iratürlichen Bodencrzeugnissen besaßt, 
und dem gcsanitcu übrigen Handel. Der letztere ist im gesanitcn 
Gebiete unbeschränkt, dagegen ist den Konzessionsgescllschastcn das 
alleinige Ancignungsrccht von den natürlichen Bodcncrzcugnisseii 
verliehen ivorden. Dazu sind nach einer Erklärung der französischen 
Regierung auch die Erträgnisse der Jagd lind des Fischfanges, also 
auch Elfenbein, zu rechnen. 
Oie bunte Mocke 
Plauderei für den „Fricdcnaucr Lokal-Anzeiger". 
Berlin, den 1. August 1913. 
Achtung! Lokomotivbctricb! — Auto und Plcureuse. — Die 
Nusr.lchtbarkeit der Reichshauptstadt. — Wurstmare in tausend 
Roten. —Jule und die Hundesperre. 
Seit einigen Tagen wird wieder einmal im Grunewald eifrig 
gebtiddelt. Wer durch den Wald nach den Hafelufern ivandern 
will, den grüßen iveithiir Tafeln mit der warnenden Aufschrift: 
„Achtung! Lokonioliobetrieb!" lieber Feldbahnglci e, auf denen 
eiserne Kippwagen mit Erdmassen von einer fauchenden Lokomotive 
gezogen iverderi, mtlß man seinen Weg nehmen und kleine Gruben, 
aus denen Kiefern und allerhand Unterholz he-mlsgehauen ist, ver 
mehren als tückische Pfadsperren die Wanderlust nicht sonderlich. 
Wir stehen hier mitten in den Vorbereitungen für die neue 
Antomobilftraßc, die in schnurgerader Richtung Berlin mit 
Wannsee und später mit Potsdam verbinden soll. Bisher sind die 
Bcrkehrsoerhältnisse im Grunewald, indem man an einem Renii- 
sonntng über 5000 Automobile zählt, gerade für die Krast- 
ivngcu recht ungünstig und die neue Entlastungsstrahe, die den 
ganzen Automobiloerkehr vom Berliner Westen nach dem Grunc- 
wald aufnimmt, bildet eine außcrordeittlich bcdeutsaine, neue Ver 
kehrserrungenschaft der Reichshauptstadt. - Tie Straße, die nur 
Autos aufnehmen soll, ivird in zivei völlig von einander geschiedene 
Fahrbahnen zerlegt, von denen die eine dem ansgehcnden, die 
andere dem rücklaufenden Verkehr dient. Die Länge der neuen 
Straße zivischcn den beiden Endpunkten beträgt 10 km, so daß man 
eine nutzbare Fahrbahnlänge von 20 kur zur Verfügung haben wird. 
Hier werden auch automobilistische Veranstaltungen 
jeder Art stattfinden und die Straße soll der Ausprobung von 
Kraftfahrzeugen dienen. Optimisten meinen, die Berliner Ehausfcure 
ivürdcn die Ticrgartenstraße und vor allem den Kurfürstendamm 
mit ihrer Rennleidenschaft künftig verschonen, wenn sie jetzt eine 
cigctis für sie geschaffene Rennbahn erhalten, denit das ivahn- 
wltzige Tempo, das in Berlin die Autos vorlegen, gibt noch 
immer Anlaß zu ebenso heftigen Beschwerden, wie zu humorvollen 
Anekdoten. Die neueste sei hier mitgeteilt: 
Ein Berliner Student hat Besuch seiner Cousine aus Zabrze 
in Oberschlesien. Tie will partout in den Lunapark. Den Studiker 
aber stört ihr altmodischer Hut: Wagenrad mit Plenreu'se! 
Entrüstet weist sie sein Ansinnen zurück, sich einen kleinen, feschen, 
nwdernen Hut in Berlin zu kaufen. Voll Verzweiflung macht er 
sich mit ihr auf den Weg geit Halensce. Uuterivegs aber kommt 
ihm ein rettend-r Gedanke: Er winkt in der Taucntzinstrdße einem 
Auto, sagt dem Chauffeur einige leise Worte und los geht die 
Fahrt. Tüe Cousine hält bereits beide Hände am Htitrand, ttiiwillig 
schüttelt die Pleurense ihre Federchcn. Doch der Wagen kontert erst. 
Im 'Augenblick aber, wo er mit blökendem Hupensignal über die 
Jonchimsthalerstraße setzt, nimmt er das Rennen auf und über den 
spiegelblanken Asphalt des Kurfürstendamms fliegt das Auto mit 
giftigem Zischen. 
Zivei Hilferufe des Proviitzfräuleins verhallen im Geratter 
des Motors, Hut lind Feder machen in der Windeseile noch nicht 
erkennbare Metamorphosen durch, der Bruder Studio kauert mit 
Grinsen in der anderen Wagcnecke; Bäume, Cafes, Lampen und 
Brücken fliegen vorüber — noch ein Ruck, und der Wagen hält an 
den Terrassen von Halensee. Sechs Windungen Strohgeflccht in 
Form eines regelrechten Herdringes hält das Mägdelein in der 
Hand, und wo noch vor zehn Minuten in kokettem Getänzel und 
mit flatternden Fähnchen vom hohen Bergcsrand zierliche Federn 
winkten, ragt über dem Topfhütchen in befchämender Nacktheit 
ein undefinierbarer Stunrpf, ähnlich einem zerzausten Gänsekiel! 
Sv, nun is der Hut jut — äornier cri! — uu rin ins Bajnijen!" 
So hielten Student und Cousine ihren Einzug im Lunapark und 
so wird in Berlin mittels Autobetrieb ein Hut „auf neu" garniert! 
Nun, mit der Furcht vor alten Hüten verbinden die schölten 
Frauen Berlins die Furcht vor dem Storch. Das habeit die 
Statistiker soeben festgestellt und wer Ohren hätte, zu hören, konnte 
lange schon diesen Wandel der Dinge herausmerkeit: Die naive 
Sorglosigkeit der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahr 
hunderts ist längst für Berlin vorüber. Das Leben ist teuer ge- 
wordcn und vier Kinder in Berlin bedeuten etivas anderes als 
vier Kinder in Krotoschin oder Holzminden. 
Unter dem Titel „Das sterile 93erIin" hat kürzlich Felix 
Theilhaber eine umfassende und eingehende Studie geschrieben. 
Trotzdein er darin die Tatsache der Unfruchtbarkeit für die Ent 
wicklung Berlins feststellt, kommt er nicht gerade zu pessimistischen 
Schlüssen. 
Er sagt darüber: 
„Der Geburtenrückgang als solcher als eine Folge anormaler 
sozialer und sexualhygienischer Verhältnisse braucht uns nicht zu 
schrecken, wenn wir daraus die Lehre ziehen, in der Entwicklung 
unserer kulturellen Bestrebungen fortzufahren. Das Geburtenproblem 
ist ein internationales. Allen Kulturnationen droht dieselbe Gefahr. 
Das deutsche Volk, welches begonnen hat, die soziale Fürsorge 
systematisch auszubauen, wird auf diesem Wege weiterschreiten 
müssen, und der Verlust, den die deutsche Volkskraft gegenwärtig 
in den Großstädten erfährt, wird nicht zu teuer bezahlt, wenn daraus 
ein allgemeiner Ausstieg erfolgt, ein Aufstieg, den sowohl das gesell 
schaftliche Milieu als auch das einzelne Individuum nehmen muß. 
Mit dem Schlagwort „Bevölkerungspolitik" werden sich Begriffe 
herauskristallisieren, Verordnungen und Maßregeln, an deren Ein 
führung längst gearbeitet wird, deren kräftige Ausführung den 
kommenden Zeiten zufällt." 
Teilhaber beweist seine Thesen mit einwandfreien Zahlen und 
kommt zu denr Schluß, daß die eheliche Fruchtbarkeit im fetzigen 
Berlin so niedrig sei, wie, mit Ausnahme von Paris, 
nirgendwo in Europa. 
Ohne Frage hat das schärfere wirtschaftliche Denken allen Klassen 
der Bevölkerung die Beschränkung der Kinderzahl nahegelegt und 
der Einfluß der arbeitenden Frau ist hierbei sehr bedeutsam. 
Sie hat das Leben und seine Werte, vor allem das wirtschaftliche 
Moment in seiner ganzen Bedeutung kennen gelernt und sie wird 
sich immer mehr gegen die Uebernahme einer Last sträuben, deren 
Hauptanteil zunächst sie tragen muß. Es ist also keineswegs die 
luxusgewöhnte Weltdame allein; die ihr kostbares Dasei» nicht mit 
unnützen Lasten beschweren will, sondern es ist auch die arbeitende 
Frau unserer.Tage, die sich nicht mehr die segensreiche Last vieler 
Kinder aufbürden kann. wie das früher in der Theorie erwünscht war. 
Deswegen brauchen wir noch nicht zu fürchten, daß Deutschland 
auSstcrben 'wird. Ter Rückgang der Geburten hat eben in allen 
westlichen Kulturstaaten schon feit ca. 40 Jahren gleichmäßig eingesetzt. 
Vom hohen Kothurn der Bevölkerungspolitik herunter zu dein 
höchst privaten Abenteuer einer bekannten Berliner Strnßensigur, 
des Wursthändlcrs Heinrich Müller, Wurstmaxe genannt, scheint 
ein etwas unmotivierter Schritt. Aber doch hat nur Wurstmnxcs 
unbezwingliche Sehnsucht nach dem Grabe seiner einstigen 
Arbeitsgefährtin, deren „Emanzipation" sicher zu ertragen war, 
ihn in schwere Röte gebracht. 
Wegen Störung des Gottesdienstes hatte er sich vor 
einigen Tagen vor Gericht zu verantworten. Wurstmare, ein ziem 
lich großer, strammer Herr mit flott gedrehtem, schwarzem Schnurr 
bart, weißer Schürze, Zylinder und Monokel, bildet, wenn er in 
dieser Kleidung mit cinenl großen Wurstkastcn des Nachts in der 
Fricdrichstraße einherschreitcl und unter dem Rufe: „Heiße Wiener, 
ivarm sind sie noch!" das Publikum zum Kauf einladet, eine komische 
Figur. Die Fama sagt ihm nach, daß er ein steinreicher Knabe 
und mehrfacher Hausbesitzer sein soll. Sein Hauptabsatzgcbiet ist 
des Nachts das bekannte Kellcrlokal „Zum strammen Hund", in 
dem zrnneist Studenten verkehren. Sobald „Wurstmare" den 
„Stranimcn Hund" oder ähnliche Lokale betritt, hat er nicht nur 
für seine Würste einen reißenden Absatz, er wird auch, bisweilen in 
etwas zu reichlicher Weise, mit berauschenden Getränken traktiert. 
Neulich „zog er sich schwarz an", begann seine Pilgerfahrt nach 
dem Friedhof, mit Genehmigung einiger „Leichenwagen mitTroddeln" 
(eine Berliner Schnapsmischnng), und geriet so in nicht mehr nüch 
ternem Zustande in die Golgalhakirche, wo gerade Gottesdienst 
abgehalten wurde. 
Hier trieb er allerlei Allotria, winkte dem Prediger mit seinem 
Zylinder und Taschentuch und wandte sich an die Ilinsitzcnden »nt 
den sicher nicht leife gesprochenen Worten: „Ein sehr toleranter, 
liberaler Prediger!" 
Wurstmare entschuldigte sich vor Gericht und beteuerte, er sei 
an jenem Sonntag derartig berauscht gewesen, daß er nicht Herr 
feiner Sinne ivar. Der Gerichtshof sprach nach kurzer Beratung 
Wurstmaxe frei mit der Begründung, daß »ach Lage der Dinge 
der Angeklagte in bewnstlusem Zustande gehandelt habe, mithin 
für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden könne. „Wurst- 
maxe" empfahl sich dem Gerichtshof mit einer eleganten Verbeugung. 
„Unterlassen Sie solche Dinge in Zukunft!" rief ihm der Vorsitzende 
noch zu. In der nördlichen Fciedrichftraße aber soll Maxe am 
selben Abend drei bis vierhundert Würste verkauft haben, und er 
wurde gefeiert wie ein Nationalhcros. Er hat aber geschivoren, 
den „Leichenwagen mit Troddeln" von jetzt au aus dem Wege 
zu gehen. 
Ein ähnliches Gcschästsglück hat jetzt plößlich auch meine 
Freundin Jule von der Wcidcndammerbrückc befallen. Jule, 
eine Kollegin anderer Fakultät des Wurstmaxe, verkauft dort täglich 
bei zunehmender Konkurrenz Blumen und bemitleidet nebenbei 
alle vorübertrottenden Hunde, die seit vielen Wochen im Maul- 
korb und an der Leine ivandeln; erkundigt sich bei den Besitzerinnen 
nach Wohl und Wehe der Vierfüßler und wenn der Tag zu Ende 
geht, ziehen die Koukurcntiimen mit leeren Körben und gefüllter 
Kasse ab. 
Julchen aber hat über ihrem Mitleid das Geschäft vergessen 
und wie ihre Rosen und Nelken hängt auch sic traurig das Köpfchen. 
Seit wenigen Tagen aber drängen sich lachende Mcnschen- 
gruppcn um Jule, und ihre bunten Blumen verschwinden in wenigen 
Stunden. Vorne an ihrem Blunicnkvrb hängt ein weißes Schild, 
ans dem folgender Vers steht: 
„Soll sie Dich denn schief ansehn 
Deine olle Muhme? 
Bleib inan mal bei Jule stchu, 
koof ihr eene Blume!" 
Man kann zugeben, daß die deutsche Literatur geistreichere Poesien 
kennt, auch tiefsinnigere; aber ob sie sich so glänzend rentieren, wie 
bei Julchens Blumenhandcl in Berlin NW., das ist noch nicht 
ausgemacht. 
Wenil nur die Glücksjule jetzt nach der verlängerten Hundc- 
sperre die eingenommcnen Groschen nicht, für die Protesturkunde 
zum Besten der malträtierten Hunde an' den Polizeipräsidenten 
hergibt und so aus Mitleid für ihre vierbeinigen Freunde am 
Ende selbst vor die Hunde geht! Hcinr. Binder. 
Patentfebau 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurterstr. 59. Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Dr. Ing. Max Kusch, Berlin-Friedenau, Fregestr. 27»: Mehr 
teiliger Schlammfaulraum. (Ang. Pat.) 
Optische Anstalt C. P. Goerz, A.-G., Berlin-Friedenau: Schein 
werfer mit Haupt- und Hilfsreflektor. (Angem. Pat.) 
Vermischtes 
*o Vorläufig ist die hygienische Forderung, daß jeder Mensch 
in der Woche wenigstens einmal ein Bad nehmen soll, in Deutsch 
land noch recht schlecht erfüllt) weil es häufig an Badeeinrichtungen 
fehlt. Nach einer Zusammenstellung, die vor einigen Jahren vor 
genommen worden ist, wurden im gesamten Reich gezählt: 2847 
Warmbadeanstalten mit 18 906 Badewannen und 11111 Brausen. 
Dabei fehlte aber die Angabe, wieviele Badeanstalten kommunale 
Einrichtungen waren. Auf je 100 000 Einwohner entfielen, soweit 
die öffentlichen Badeanstalten in Betracht kamen 31,3 Badewannen 
und 18,3 Brausen. Nach dieser Zusammenstellung hatte die Stadt 
Bremen, die besten Badeverhältnisse. Dort entfielen auf je 100000 
Einwohner 88,4 Badewannen und 46,3 Brausen. Ueber dem 
Durchschnitt standen: das Königreich Sachsen, Württemberg, Baden, 
die thüringschen Staaten und Anhalt. Hamburg und Lübeck 
standen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Badewannen über 
dem Durchschnitt, diese beiden Städte standen aber bedeutend unter 
dem Durchschnitt hinsichtlich der Zahl der zur Verfügung stehenden 
Brausebäder von je 1000 Einwohnern des Deutschen Reiches 
wohnten 575 in solchen Orten, in denen übcrhauvt noch keine 
öffentlichen Warmbadcanstaltcn eingerichtet waren. In den 
einzelnen Bezirken zeigten sich natürlich auch in Bezug auf diese 
Durchschaittberechnung wieder bedeutende Unterschiede; so wohnten 
im Königreich Sachsen von je 1000 Bewohner 400 in Orten ohne 
Warmbadcanstalten, in Bastern aber 658 Bewohner. 
*o Der berühmte französische Tondichter Auber befand sich 
einst mit seinem „Kollegen" Bcrlioz in einem Konzert, woselbst 
ein mehr als mittelmäßiger Tenorist die bekannte Romanze aus 
„Joseph in Aegypten" von Mehul zu Gehör brachte. Der Vor 
tragende entledigte sich seiner Aufgabe so schlecht wie möglich. Er 
sang unrein und seine Ssimme war so schwach, daß sie kaum den 
Saal füllte. Als er nun an die Strophe kam: „Eine Grube war 
daneben, — Da hinein versenkt' man mich — Ach, ich denke dran 
mit Beben. — Sie war kalt und schauerlich," da wendete sich 
Auber, der bis dahin kopfschüttelnd zugehört halte, an seinen Nach 
bar mit der trockenen Bemerkung: „Der arme Joseph ist wirklich zu 
lange in der Grube gewesen, ich fürchte, er bekommt seine Stimnie 
nicht wieder." 
*o Originelle Erklärung. Hausfrau: „Warum haben Sie denn 
Ihren Schatz abgeschafft, Lina?" — Köchin: „Ach, Madam, der 
wollte sich ja nur immer satt essen bei mir: sobald er sich dicke ge 
gessen hatte, machte er sich dünne." 
Verzeichnis 
der in Berlin ankommenden, für den Vriefvcrkchr wichtigeren 
Eiscnbahnznge mit der Angabe der Bestellung, bei der die Brief- 
sendungen in Berlin-Friedenau abgetragen werden. 
1. Bestellung: 7*/*—8 3 1 llfjr Vorm. Ankunft Stettiner 
Bahnhof: Personenzug 596 Danzig-Stettin 1,23 Vorm. Psz. 598 
Danzig-Stvlp-Stcttin 6,01 Vorm., Eilz. 22 Danzig-Stettin 6,29 
Nachnc.. Schnellz. O 18 Saßnitz-Stockholm 6,34 Nachm., Schnellz. 
l) 12 Kopenhagen 8,55 Nachm. Schnellzug p 24 Danzig-Stettin 9,09 
Nachin. — Ankunft Potsdamer Bahnhof: Psz. 867 Magde 
burg 3,20 Vor:»., Eilz. 33 Aachen-Holzmindcn 8,56 Nachm. — 
Ankunsl Anhalter Bahnhof: Psz 258. DreSden-Jüterbog 2,6 
V., Pfz. 421-303 Leipzig und Eisenach 5 Vorm., Psz. 841 Eisenach 
und Leipzig 6,30 N., Psz. 313 Dresden-Elstcrwcrda 7,22 N., 
Psz. 283 Treüden-Jütcrbog 7,52 N., Eilz. 8 Frankfurt a. M.-Halle 
8,19 N., Schnellz D 27 München-Leipzig 8,35 N., Schnellz. D 63 
Dresden-Jüterbog 10,26 N., Schnellzug D 5 Frankfurt a. M.-Halle 
11,2 N., Schnellz. 13 29 München-Leipzig 11,57 N. — Ankunft 
Schlesischer Bahnhof, von Westen: Schnellz. l) 25 Paris-Cöln 
12,36 V., Psz. 233 Hannover 3,57 93., Psz. 203 Cöln-Hannover 6,8 V., 
Schnellz. Ü 7 Cöln-Hannover 7,16 N., Schnellzug O 3 Hannover 9,44. 
Schnellz. 1) 13 Cöln-Hannover 11,8N. Bon Osten: Psz. 224 Breslau 
12,24 B, Psz. 280 Breslau 8,57 B., Schnellz. D 12 Breslau 6,8 V., 
Schnellz. D 4 Eydtkuhncn-Dirschau 5,- 
5,51 93., Schnellz. 6 2 Eydtkuhnen- 
42 93., Schnellz. D 52 Posen 
, „ , -Dirschau 0,57 N.. Schnellz. 
D 60 Eydtkuhncn über Posen 7,12 N., Schnellz. l) 8 Breslau §,16 
N-, Psz. 210 Thorn 9,59 N-, Psz. 206 Posen 10,14 N., Eilz. 10 
Breslau 11,14 N., Schnell). 1) 6 Memel-Dirschau 11,49 N. — 
Ankunft Lehrter Bahnhof: Postzug 6067 Hamburg 6,42 V., 
Schnellz. I) 7 Hamburg 8,33 N., Eilz. 9 Hamburg 11,30 N., Schnellz. 
I) 11 Hamburg 11,56 9t. Ankunft Görlitzcr Bahnhof: Psz. 708 
Görlitz, 6,65 N. 
2. Bestellung 9'/,—10'/, Uhr Vormitt. Ankunft Stettiner 
Bahnhof Schnellz. 1) 16 Kopenhagen 0,88 A. — Ankunft PotS- 
danier Bahnhof: Schnellz. l) 35 9lachcn-Holzmiiidcn 8,3 V., 
Schnellz. D 9 Hannover über Magdeburg 8,54 V.: — Ankunft 
Anhaltcr Bahnhof: Schnell). O 21 München-Leipzig 6,25 93., 
Pfz. 281 Dresden-Jüterbog 7,25 93., Schnell). D 1 Frankfurt a. M.» 
Halle 7,30 V., — ?liikunft Schlesischer Bahnhof, von Westen: 
Schnellz. U 5 Cöln-Hannover 7,30 B., Nordexpreß Oll Cöln- 
Hannover 7,41 V., Schnell). 0 179 Frankfurt-Cassel 8,4 V., Schnell). 
1) 129 Vlissingen-Hannovcr 8,12 A. — Von Osten Schnellz. 
O 24 Alexandrvwo-Thorn 5,59 B. — Ankunft Lehrter Bahnhof 
Psz. 217 Hannover 6,49 Ä. Ankunft Görlitzcr Bahnhof: 
Eilzug 118 Görlitz 5,30 V. 
3. Bestellung,11'/, Vorm, bis 12'/,Nachm.Ankunft Stettiner 
Bahnhof. Schnellz. v 14 Stockholm-Saßnitz 8,35 V. — Ankunft 
Anhalter Bahnhof: Schnellz: O 67 Wien-Dresden 8,8 V., Schnellz. 
O 49 München-Nürnberg 8,25 A., Schnellz. l) 37 Stuttgart 9,5 93. 
Ankunft Schlesischer Bahnhof, von Osten: Psz. 230 Breslau 
7,16 V. Schnellzug l) 18 Brcslml 7,35 V. 
4. Bestellung, 2'/,-3^/4 Nachm. Ankunft Anhalter Bahn 
hof: Eilz. 161 Hof-Leipzig 9,55 N., Schnellz. v 51 Dresden-Jüterbog 
10,20 V., Eilz. 25 München-Leipzig 11,30 V., Schnellz. v 61 DreSden- 
Elsterwerda 12,48 N. Ankunft Schlesischer Bahnhof von Westen: 
Eilz. 17 Hannover 12,10 N. Von Osten: Psz. 202 Posen 10,86 B., 
Schnellz. l) 6 Breslau 10,50 V., Schnellzug l) 22 Thorn-Kreuz 
11,10 93. Ankunft Lehrter Bahnhof: Schnellz. O 13 Hamburg 
10,43 V, Eilzug 1 Hamburg 11,35 93. 
6. Bestellung, 4'/^—5 Uhr Nachmittags. Ankunft Stettiner 
Bahnhof: Psz. 592 Stolp-Stettin 1,46 N. — Ankunft Potsdamer 
Bahnhof: Psz. 301 Magdeburg 1,42 N. — Ankunft Anhaltcr 
Bahnhof: Schnellz. D 41 Frankfurt a. M.-Halle 2,89 N. — Ankunft 
Schlesischer Bahnhof von Osten: Psz. 240 Bromberg 129 N. — 
Ankunft Lehrter Bahnhof: Schnell), v 3 Hamburg 12,84 N. 
Ankunft Görlitzcr Bahnhof: Psz- 760 Görlitz 12,30 N. 
6. Bestellung, 6—7 Uhr Nachmittags. Ankunft Stettiner 
Bahnhof: Schnellz. O 20 Danzig-Stolp-Stettin 3,49 N. — An 
kunft Schlesischer Bahnhof von Osten: Schnellz. v 8 Königs 
berg 2,23 N., Eilz. 54 Posen 2,82 N., Psz. 222 Breslau 3,22 N. — 
Ankunft Lehrter Bahnhof: Schnellz. v 5 Hamburg 4,1 N. 
7. und letzte Bestellung, 7'/,—3'/, Uhr Nachmittags. An 
kunft Stettiner Bahnhof: Psz. 204 Stralsund 5,42 N. — 
Ankunft Potsdamer Bahnhof: Schnellz. l) 31 Cöln-Hildesheim 
6,1 N. — 9lnkunft Anhalter Bahnhof: Schnellz. D 129 Frank 
furt a. M.-Nordhanscn 3,34 N., Eilz. 9 Eisenach 4,34 N.. Schnell). 
0 45, Stuttgart 4,49 N. Eilz. 63 DreSdcn-Elsterwerda 5,1 N. 
— Ankunft. Schlesischer Bahnhof, von Westen: Schnellzug 
0 21 Cöln-Hannover 4,4 N., Schnellz. v 115 Vlissingen-Hannovcr 
5,9 N., Schnellz. l) 15 Cöln-Hannover 5,84 N. Von Osten: Schnellz. 
l) 4 Breslau 4,5 N. Psz. 242 Thorn 4,13 N., Schnellz. l) 14 BreSlau 
4,25 N., Psz. 204 Posen 4,50 N.. Psz. 302 Eydtkuhnen-Dirschau 
5,41 N. — Ankunft Lehrter Bahnhof: Psz. 205 Hannover 4,63 N. 
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