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Periodical volume Nr. 28, 02.02.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

weiter denken wollte, an die Errichtung einer Untergrund 
bahn durch die Schöneberger Straße und Kaiserallec zmn 
Zoologischen Garten, evtl, an eine Verbindungsbahn zur 
Wilmersdorfer Schnellbahn, so wäre vielleicht damit zu 
rechnen, daß der gedachte Fernbahuhof auch für Charlotten- 
Lurg Vorteile bringt. 
Ich kann hier natürlich nur auf Möglichkeiten hin 
weisen und die Sache der Oeffentlichkeit und den maß 
gebenden Körperschaften und Behörden der Erörterung und 
Förderung anempfehlen, um auf diese Weise zu einem greif 
baren Ergebnis zu gelangen. Am Ende werden ja wohl 
immer noch die Verkehrstechniker oder — die König!. Eisen 
bahnbehörde das letzte Wort zu sprechen haben. Die 
Kostenfrage wird sich gleichfalls nicht so einfach erledigen, 
da die Eisenbahn kaum geneigt sein wird, die für den Plan 
notwendige Summe ganz allein zu tragen. Ein langer 
Weg, bis zu einer endgültigen Lösung steht dem Projekt 
sicher bevor. Aber schließlich ist ja auch die Wannseebahn 
hofsfrage noch nicht morgen erledigt. Der Plan stellt 
übrigens, ziehen wir andere Weltstädte zum Vergleich 
heran, kein Novum dar. In London halten z. B. alle 
Fernzüge in den Außenbahnhöfen und. in der „City". Auch 
auf unserein Bahnhof Gesundbrunnen halten schon heute 
für die Bewohner des Nordens sämtliche Personen- und 
einige Eilzüge. Der Bahnhof Charlottenburg bürste für die 
nach Westen gehenden Züge, die über die Stadtbahn geleitet 
werden, die gleiche Bedeutung haben. Daß eine Entlastung 
des Potsdamer Platzes nötig ist, wird niemand bestreiten. 
Vielleicht gehts auf dem angeregten Wege. LI. 
' 1 
£okales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur nnt Quellenangabe gestattet.) 
o Vreitenbach-Platz. Der bisherige Nastatter jPlatz, 
an dem die drei Gemeinden Wilmersdorf, Steglitz und 
Dahlem zusammenstoßen, wird wegen seiner besonderen Be 
deutung im Groß-Berliner Städtebild den Namen Breitenbach- 
Platz erhalten. Der gleiche Name wird der auf diesem 
Platze liegenden künftigen Station der Wilinersdorf- 
Dahlemer Untergrundbahn beigelegt werden. Es wird 
damit, wie das .städtische Nachrichtenamt Wilmersdorf 
erklärt, der Verdienste gedacht, die sich der Minister der 
öffentlichen Arbeiten um die kraftvolle Förderung der 
Wilmersdorf—Dahlemer Untergrundbahn erworben hat. 
o Neue Reichskasscnscheine. Zur Beschaffung eines 
außerordentlichen Goldbestandes von 120 Millionen Mark 
werden bekanntlich nach dem Gesetz über Aenderungen im 
Finanzwesen neue Reichskassenscheine im Werte von 120 Milli 
onen Alark ausgegeben. Schon Ende des Jahres 1912 ist 
über die Stückelung der damals im Umlauf befindlichen 
Reichskassenscheine im Bundesrat ein Beschluß ergangen, 
nach dem mit Rücksicht auf die starke Nachfrage nach Scheinen 
zu 10 Mark der Umlauf in diesen Scheinen 100 Millionen 
Mark und in Scheinen zu 5 Mark 20 Millionen Mark be 
tragen soll. An dem gleichen Verhältnis ist auch für die 
neiren Reichskasscnscheine zur Bildung der Goldreserve fest 
gehalten. Mithin werden, wenn die neuen Scheine voll 
kommen zur Ausgabe gelangt sind, für 201 Millionen Mark 
Scheine zu 10 Mark und für 40 Millionen Mark Scheine 
zu 5 Mark im Umlauf sein. Zu Beginn des Quartals 
verfügte die Reichsbaük über dura Goldbestand von mehr 
als einer Milliarde Mark. 
o Eisenbahnwagen als Schlafstellen. Die Unterkunft 
jugendlicher Ferienwanderer stößt oftmals dadurch auf große 
Schwierigkeiten, daß die unangemeldeten Gäste alle Logis 
besetzt finden. Die Militärverwaltung fördert bekanntlich 
das Jugendwandern auch dadurch, daß sie die Einqartierung 
und Verpflegung von Jugendwanderer-Abteilungeir in Kasernen 
genehmigt hat. Nun hat auch die Eisenbahnverwaltung sich 
diesem Vorgehen angeschlossen, indem sie für diesen Zweck 
alte ausrangierte Eisenbahnwagen zur Verfügung stellt. 
Voraussetzung ist, daß von privater Seite die wohnliche Aus 
stattung der Wagen übernommen wird. In diesem Sommer 
dienen etwa achtzig derartige Sommerwohnungen während 
Darney rückte. Taun blickte er auf feine Uhr und er 
hob sich. 
„Wenn Sie dann gehen wollten!" bat er. „Ich habe 
nämlich auch Patienten, mein liebes Fräulein, die besucht 
werden müssen, und oarf nicht allzu viel Zeit verlieren." 
Er geleitete Jessie bis an die Tür der Wohnung. Da 
fragte das junge Mädchen plötzlich: 
„Haben Sie nicht eine Wirtschafterin?" 
Barney bejahte lächelnd die seltsame Frage; er begriff 
nicht, was Jessie wollte. 
' „Würden Sie nicht die Freundlichkeit haben, sie einmal 
zu rufen?" fuhr sic fort. Und als sie seine erstaunte Miene 
sah, fügte sie rasch hinzu: 
„Ich will Ihnen sagen, was ich von ihr ivill. Es ist 
wahrscheinlich, daß im Hospital meine große Aehnlichkeit mit 
Fräulein Galloway ausfallen würde. Man würde möglicher- 
weise darüber sprechen, und die Gräfin Saens erführe, ivenn 
sie komm», daß die Kranke von einem jungen Mädchen geholt 
worden ist, das ganz außerordentliche Aehnlichkeit mit ihr ge 
habt habe. Sie können sich denken, daß cS der Gräfin danach 
nicht schwer werden würde, den Zusammenhang herauszu 
finden. Ich muß mich also so gm ivie möglich durch eine 
andere Frisur und durch ein weit in das Gesicht hinein 
hängendes Kopfuuh unkenntlich zu machen suchen. Ich selbst 
habe natürlich kein solches Kopftuch bei mir; deshalb fragte 
ich Sie, ob Sie eine Wirtschafterin hätte», die doch jedensall 
eins haben wird." 
D,e Haushälterin kam, eine ältere Person mit gut- 
mütigen Zügen. Sie meinte zwar, daß das Kopsinch, das sie 
besäße, für das Fräulein jedenfalls viel zu schlecht sei; Jessie 
bestand jedoch darauf, daß sie es holte. 
Sie änderte sodann vor dem Spiegel ihre Frisur ein 
wenig und legte sich das Tuch so um, daß es einen großen 
Teil ihres Gesichts verdeckte. „Sie sehen aus, als wenn Sie 
Zahnschmerzen hätten!" tneinte Doktor Barney; das störte 
sie jedoch nicht. 
„Jedenfalls wird man mich umso weniger erkennen, und 
darauf kommt es mir jetzt allein an," gab sie ihm ruhig zur 
Antwort. „Aber ich will mich mm beeilen, wir haben wieder 
viel kostbare Zeit verloren." 
Sie verabschiedete sich von ihm lind nalim sich unten 
ein Cab, das sie rasch zum Charing Croß Hospital bpach.e. Sie 
der Ferienzeit wandernden Schülern unentgeltlich znm vor 
übergehenden Anfenlhalt. Es handelt sich dabei nin solche 
Jugendablcilungen, die der nationalen Jugendbewegung 
angeschlossen sind. 
o Schnlzahnärztliche Tätigkeit. Die Zahnpflege wird 
in unseren Volksschulen von zwei Zahnärzten ausgeübt (s. Z. 
Zahnarzt Wiesner für Knaben und Zahnarzt Memelsdorf 
für Mädchen). Die Zahnärzte nehmen in Anwesenheit des 
Schularztes zu bestimmten Zeiten eine Untersuchung der 
Kinder vor, wobei besondere Sorgfalt auf die zur Ent 
lassung gelangenden Kinder verivaudt wird. Jeder Zahnarzt 
erhält eine jährliche Vergütung von 1000 M., für die er 
seine Räume, Werkzeuge und Materialien zur Verfügung 
zu stellen hat. Zur Bestreitung der Auslagen haben die 
Eltern für jedes Kind einen Jahresbeitrag von 1,50 M. zu 
entrichten; für arme Kinder kommt der Betrag in Fortfall. 
Es haben sich 1912 der Behandlung unterzogen 240 Knaben 
und 210 Mädchen, davon entfallen auf Extraktionen bei 
den Knaben 532 (Mädchen ^71), Injektionen: Knaben 76, 
Mädchen 51; Füllungen: Knaben 475, Mädchen 374, Stift 
zähne: Knaben 1, Mädchen 3, Kieferregu lierungen: Knaben 
—, Mädchen 2. Durchschnittszahl der behandelten Kinder 
an einem Nachmittage 20—25 Knaben, 18—22 Mädchen. 
Außerdem wurden die Kinder der 5., 6., 2. und 1. Klasse 
an Vormittagen in der Schule untersucht. 
o Fahrpreisermäßigungen für .Krankenkasscn-Mit- 
glieder zum Besuche der Internationalen Baufach-Aus 
stellung in Leipzig 1913. Ans den Strecken derSächsis chen 
Staatsbahnen, der Preußisch-Hessischen Stamsbahnen und 
der Reichsbahnen, des pfälzischen Netzes der Bayerischen 
Staatsbahnen (aber nicht auf den Strecken des rechts 
rheinischen Netzes der Bayerischen Staatsbahnen), der 
Oldenburgischen und der Mecklenburgischen Staatsbahnen 
werden bei den zu belehrenden Zwecken veranstalteten 
Reisen zum Besuch der Internationalen Baufach-Ausstellung 
in Leipzig in der 3. Klasse zum halben Preis der Fahr 
karten für Eil- oder Personenzug, in Schnellzügen außerdem 
gegen vollen tarifmäßigen Zuschlag befördert: A) Ver- 
sichcrungspflichtige Mitglieder a) von Krankenkassen im 
Sinne der reichsgesetzlichen Bestimmungen über die Kranken 
versicherung der Arbeiter usw., b) von eingeschriebenen Hilfs- 
kassen (Ersatzkassen) und c) von knappschaftlichen Kranken 
kassen. II) Versicherungspflichtige Versicherte von Ber- 
sicherungsanstalten und der mit diesen gleichgestellten be 
sonderen Kasseneinrichtungen, sofern das jährliche Gesamt 
einkommen bei Versicherten der Versicherungsanstalt für An 
gestellte den Betrag van 2500 M. nicht übersteigt. 0) Frei 
willige Mitglieder der vorstehend aufgeführten Kassen, sofern 
das jährliche Gesaniteinkommen den Betrag von 2500 M. 
nicht übersteigt. Auf der Hinreise müssen sich Mindens 10 
Teilnehmer zu einer gemeinschaftlichen Reise zusammen 
schließen, die Rückreise kann auch einzeln ausgeführt werden. 
Als Ausweis ist eine Bescheinigung der oben erwähnten 
Krankenkassen oder Versicherungsanstalten darüber vorzu 
legen, daß das betreffende Mitglied zu seiner Belehrung 
zum Besuche der Internationalen Baufach-Ausstellung nach 
Leipzig reist. Die Vergünstigung wird nur den unter A 
bis C aufgeführten Personen gewährt, nicht aber deren An 
gehörigen, sofern sie nicht selbst Mitglieder sind. 
o Stuf die Herbstparade des Gardekorps, die in 
diesem Jahre am 1. September d. Js. auf dem Tempel 
hofer Felde abgehalten wird, treffen die Berliner Vororte 
bereits Vorbereitungen. In den westlichen und südlichen 
Ortschaften in der Nähe des Paradefeldes hat man nach 
Bekanntgabe der Belegungsziffer begonnen, für die Truppen 
der Potsdamer Garnison die Quartiere zu besorgen. 
o Achtung Hauswirte! Ein Beamter der Wirtschasls- 
gcnossenschaft Berliner Grundbesitzer besucht z. Zt. die 
hiesigen Hausbesitzer und legt ihnen Karten mit einem neuen 
Vertrage zur Unterschrift vor. Durch diesen Vertrag ver 
pflichten sich die Hausbesitzer, ihr Hausmüll ferner ans fünf 
Jahre durch die gen. Wirlschaflsgenossenschaft abfahren zu 
lassen. Da nicht ausgeschlossen ist, daß die Müllabfuhr in 
den nächsten Jahren eine Aenderung erfährt, bezw. daß sich 
hatte sich zwar keinen neuen Schein von Doktor Varncy aus 
schreiben lassen, der Portier ließ sie jedoch ans den vom 
gestrigen Abend anftan stos hinein. Dieselbe Schwester, die 
sie gestern abend geführt, brachte sie auch jetzt zu der Kraulen; 
aber sie ließ sie nicht wieder mit Vera allein. 
Jessie war deshalb in Verlegenheit, was sie sprechen sollte, 
und suchte mit Fragen nach Berns Befinden so gut wie mög 
lich die Zeit hinzubringen. 
„Oh, es geht mir bereits viel besser," erwiderte ihr 
Fräulein Galloway; sie ahnte nicht, wie gut sie damit ans 
Jessics Pläne einging. „Und ich habe keinen sehnlicheren Wunsch 
als den, von hier fortzukommen. Tie Schwester meinte, daß 
ich wohl noch einen oder gar zwei Tage dainit warten müßte. 
Das wäre schrecklich!" 
In diesem Augenblick trat nach kurzem Anklopfen Doktor 
Varney über die Schwelle. Er hatte Veras letzte Worte 
noch gehört. 
„Sie möchten wieder hinaus, Fräulein Hareourt, nicht 
wahr?" Er bemerkte Veras erstaunten Blick und fügte 
rasch hinzu: 
„Sie wundern sich, woher ich Ihren Namen kenne? Nun, 
der Oberst Hareourt war ein Freund von mir, und Sic sehen 
ihm außerordentlich ähnlich. Aber lassen Sie doch einmal 
ehe» — vielleicht steht es gar nicht mehr so schlimm mit 
Ihnen, daß wir Sic lange h er einzukerkern brauchten." 
Jessie trat ein wenig zurück, während Bqrney Vera unter 
suchte. Nach einigen Minuten, während deren niemand sprach, 
sagte er ruhig: 
„Ihr Befinden hat sich bedeute,td gebessert, Fräulein 
Hareourt, und ich sehe keinen Grund, weswegen wir Sie 
noch länger hier zurückhaben sollten. Fühlen Sie sich kräftig 
genug, um in Ihr Heim fahren zu können? —Ja? — Nun. 
so veranlasse!. Sie ivohl, Schwester, daß ein Cab besorgt wird. 
Tenn es ist nicht notwendig, daß wir etwa deswegen einen 
Krankenwagen nehmen. — Guten Tag, Fräulein Hareourt! Ich 
werde iu Ihrer Wohnung selbst noch einmal nach Ihnen sehen." 
Er verneigte sich leicht gegen Jesiie und ging hinaus. Die 
Schwester iuch.e Veras Sachen zusammen- und legte sie ihr 
auf das Bett. Sie fragte, ob sie beim Ankleiden helflN sollte ; 
aber Vera meinte, ihre Schwester würde ihr wohl behitstich sein. 
Sie halte in Gegen,vart der Pflegerin Jessie auch stets mit 
„du" angeredet. 
ein neues Konkurrenzunternehmen aufmacht, mögen die 
Hausbesitzer selbst crivägen, ob sie gut tun. den neuen siinf- 
jährigen 'Vertrag zu „nterzeichnen. Ein Ncbereinkoinmcn 
wie früher nnt Degen & Co. usw. besteht mit den, hiesigen 
Grundbesitzerverein und der Wirlschastsgenossenschast nicht. 
o Zur Verhütung von Selbstentzündungen empfiehlt 
cs sich? jetzt gelegentlich der Aufstapelung der für den 
Winterbedarf bestimmten Preßkohlenvorräte darauf zu achten, 
daß in den einzelnen Stapeln genügend Luftschächte angelegt 
werden. Nur bei dem Vorhandensein solcher ist die 
sichere Gewähr geboten, daß sich die fest anfcinander- 
liegenden Preßkohlen im Lause der Zeit nicht selbst ent 
zünden. Auch sei dringend davor gewarnt, große Kohlen- 
und sonstige Brennmaterialienvorräte im Dachgeschoß zu 
lagern, da die Feuergefahr dadurch eine erhöhte ist. Die 
Notwendigkeit dieser Warnung hat sich des öfteren bei 
Dachstuhlbränden der letzten Zeit erwiesen, wo das Feuer 
in den aus Bequemlichkeit in den Bodenkammern 
untergebrachten Vorräten an Feuerungsmaterial reichliche 
Nahrung fand. 
o Der evangelische Arbeiterverein für Friedenau 
und Umgegend hält am Dienstag, den 5. August ds. Js. 
im oberen Saale des Kaiser Wilhelmgarten, Rheinstr. 65, 
abends 8'/ 2 Uhr seine monatliche Mitgliederversammlung 
mit dem Vortrage des Generalsekretär des deutsch-evangelischen 
Volksbnndes Herrn Gustav A. Weigelt-Bertin über: „Die 
Grundlagen der deutschen Volkswohlfahrt" ab. Neben Auf 
nahme neuer Mitglieder werden weiter verhandelt Anträge 
zum Bezirksverbandstag in Spandau, Berichte über das 
1. Jahresfest der Gesangabteilung und den Theaterabend. 
o Der Veteranen- und Krieger-Verein hält heute 
Abend 8'/ 2 Uhr im Kaiser-WUHelm-Garten eine Sitzung ab. 
o Die Schwierigkeiten der Firma Schlieben n. Co. 
In den letzten Tagen sind, wie berichtet wird, noch alle 
vorhandenen Bestände, wie die Weine, Zigarren usw. bei 
der Firma Schlieben & Co., die in Friedenau allein vier 
Filialen unterhielt, gepfändet worden, außerdem konnten 
auch die Gehälter für die Filialleiter, Angestellten und Be 
amten nicht aufgebracht werden, sodaß der Inhaber den 
Konkurs beantragte, dessen 'Eröffnung aber von einen, 
Kostenvorschuß von 5000 M. abhhängig gemacht worden 
ist, den die Gläubiger wahrscheinlich aufbringen werden. 
Damit bricht ein Unternehnien, das über 50 Jahre in der 
Millionenstadt Berlin einen guten Namen hatte, vollständig 
zusammen. Nachdem schon vorher alles unternommen mar, 
um Kapitalien heranzuschasfen, jedoch ohne Erfolg, wurde 
schließlich noch die Gründung einer G. ,n. b. H. mit einen, 
Kapital von mindestens 1 Milt. Mark versucht. Aber diese 
G. m. b. H. hätte ein Unikum in ihrer Griindungsgeschichte 
dargestellt, denn die bisherigen Gläubiger der Firma 
Schlieben sollten jetzt ihr altes Geld z. T. in G. m. b. H.- 
Anteile erhalten, sollten neues Geld für die G. m. b. H.- 
Anteilen hergeben und sollten noch überdies die nötigen 
Waren liefern. Daß dies nur unter Bedingungen geschehen 
kann, die der Firma ein lebensfähiges Arbeiten nicht zu 
lassen, dürfte nur zu klar sein. So scheint fast der Konkurs 
die glücklichste Lösung für die Wirrnisse der Firma. Be 
dauerlich ist es bloß, daß die vielen Angestellten und Filial 
leiter (über 100 an Zahl) durch den Konkurs z. T. um ihre 
Existenz kommen können. " 
o Feldblnmen. Eine freundliche Hand hat einen 
Strauß von Feldblumen ans meinen Tisch gelegt. Ich 
habe sie sehr gern, aber ich habe es nicht gern, daß um 
des Straußes mitten der Rasen und das Gras zertreten 
wird. Deshalb wurde mir gleichzeitigt gesagt: „Die Blumen 
sind da gepflückt, wo sowieso nicht gemäht wird." Es sind 
sehr schöne Blumen, rührend in ihrer einfachen ländlichen 
Schönheit. Unsere Gartenbluinen sind ja wohl voller, 
eleganter und haben einen viel feineren Duft, sie sind Er 
zeugnisse von Kunst und Natur, die sich beide die Hände 
gereicht haben. Aber die reinen Naturkinder, wie sie draußen 
auf dem Felde stehen und die in ihrer herberen Schönheit 
doch so anmutig sind, haben doch auch etwas Eigenes. 
Trocknet man Blumen als Buchzeichen oder dergleichen, so 
„Sv werde ick, veranlassen. daß ein Wagen besorgt 
wird," meinte die Schwester ruhig. „Werden Sie in einer 
Viertelstunde fertig sein ?" 
„Gewiß!" erwiderte Vera. „Ich werde mich nach Mög. 
lichkeir beeilen — ich halte es kann, mehr aus in diesem 
Hause." 
Die Pflegerin ging hinaus, und Vera begann sich mit 
Jessics Hilfe anzuklerdeii. Es wollte doch noch nicht so rasch 
v-mstatten gehen, „sic es beide Mädchen wünschten; denn 
Vera war, obwohl sie sich das nicht ciugestand, noch recht 
sch,nach. Jesiie wünschte sehnlichst, die Freundin möchte erst 
fertig sein — in jedem Augenblick konnte ja die Gräfin 
komme,', und ivenn sie sie beide hier antraf, war erst recht 
alles verloren. 
Vera bedrängte sie natürlich mit Fragen, was inzivischen 
geschehen sei. In fliegender Eile cav ihr Jessie Auskunft, 
soweit sie selbst vricniiert war. Vieles wußte sie ja „och m i t. 
Endlich, endlich war Veras Toilette beendet. Mit Hilfe 
der Schwester und Jessics ging sie die Treppen hinunter und 
nahm in dein Wagen Platz. 
Jessie gab zunächst ihre eigene Adresse an, und nach 
dem sich Vera von der Pflegerin verabschiedet hatte, rollte der 
Wagen rasch davon. Einige Stiapen ,veiler aber neigte sich 
das junge Mädchen aus dem Fenster und ries dem Kutscher 
zu, daß er halten sollte. Sie gab ihm nun das Pakais der 
Königin als Ziel der Fahrt an und versprach ihm ein gutes 
Trinkgeld, wenn er möglichst schnell fahre. 
Aufatmend lehnte sie sich sodann in die verschlissenen Polster 
des Wagens zurück, während Bera ihren Arm zärllich um 
Jessics placken legte. j 
-Was hast Du alles für mich getan!" sagte sie innig, 
„flucht wahr, ich darf doch „du" sagen? Mir ist, als kennten 
nur uns schon seil Jahre,, — als wären wir schon lange 
vertraute Frcimduiwn. Ich haee Dich so herzlich lieb, und 
cs ist ein groß s Glück, daß ich Dich gesunden habe." 
»Aber es ist doch nicht so viel, was ich für Dich getan 
habe!" widersprach Jessie. „Und ich sagt- Dir schon, daß 
lch es nur des Gel -* 1 
Da verschloß ihr Vera mit einen, Kuß die Lippen. 
(ävMetzang >0eg,.j
        
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