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Periodical volume Nr. 76, 01.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Zcntralverband der Geineindebcninlen Preußens Beschluß 
fassen. Der Verband hat bereits im Jahre 1008 au die 
königliche Staatsregiernng und den preußischen Landtag 
eine eingehend begründete Bittschrift um Abschaffung der 
Arreststrafen für Gemeinde-Unterbeamte eingereicht; eine 
entsprechende Abänderung des Disziplinargesetzes vom 21. 
Juli 1552 bezm. der betreffenden Bestimmungen in den 
Städte- und Gemeindevcrvrdnungen Preußens ist bis heute 
nicht erfolgt. Es erscheint daher notwendig, erneut an die 
maßgebenden Stellen heranzutreten und um Beseitigung 
von Vorschriften zu ersuchen, die bei den heutigen Verhält 
nissen völlig entbehrlich sind. Die Verhängung von Arrest 
strafen wird von den Unterbeamten als eine für sie schimpf 
liche Maßregel betrachtet, die geeignet ist, die hiervon Be 
troffenen in ihrem Ansehen empfindlich zu schädigen, wie 
auch den ganzen Stand in seinem Ansehen herabzusetzen. 
o Einjährig - Freiwillige seien darauf aufmerksam 
gemacht, daß am 1. Oktober d. I. die Frist abläuft, in der 
die bis zu diesem Zeitpunkte zurückgestellten, im Besitze des 
Berechtigungsscheines zum einjährigen Militärdienst befind 
lichen jungen Leute sich zum Dienstantritt bei einem 
Truppenteil melden müssen. Wer diesen Zeitpunkt ver 
streichen läßt, geht der Berechtigung zum einjährigen 
Dienst verloren, die nnr ausnahmsweise wieder verliehen 
werden kann. 
o Der Reichövcrbaud zur Unterstützung deutscher 
Veteranen hat als eines seiner Hauptziele ins Auge gefaßt 
den Zusammenschluß aller der Organisationen, die sich mit 
der Vetcranenfürsorgc beschäftigen. Augenblicklich ist er 
dabei, ein Sammelwerk zusanimcnzustclleu, das ein Ver 
zeichnis darstellen soll aller dieser Vereine und Verbände, 
der Bedingungen, unter denen sic Veteranen unterstützen, 
der Mitglicdcrzahl, Zmcigvereine und Vermögensbestände. 
Da es zur Herbeiführung des Zusammenschlusses und 
gemeinsamen Vorgehens in der Vetcrancnfürsorge dringend 
notwendig ist, daß dieses Sammelwerk ein möglichst voll 
ständiges Verzeichnis aller Vcteranen-Unterstütznngsverbände 
darstellt, so iverden alle Vereine und Verbände, die sich mit 
der Vctcranenfürsorge befassen, gebeten, dem Reichsverband 
zur Unterstützung deutscher Veteranen, Berlin W 0, Pots 
damer Straße 126, obige Auskunft freundlichst zu erteilen, 
sowie möglichst ihre Satzungen beizufügen. Zur Verein 
fachung der Bearbeitung hat der Rcichsverband einen Frage 
bogen herstellen lassen, der den in Frage kommenden 
Vereinen und Verbänden auf Anfordern gern kostenlos zur 
Verfügung gestellt wird. 
o Die Beisetzung Dtto Scholtz', des Sekretärs der 
Schönebcrg-Friedenauer Terraingesellschaft, hat gestern Nnch- 
mittag auf dem alten Schöneberger Friedhof an der Haupt 
straße unter großer Beteiligung stattgefunden. Alle Korpo 
rationen, denen der Verstorbene angehörte, gaben ihm das 
letzte Geleit. Es waren vertreten die 11. Einkommen- 
stener-Voreinschätzungskommission von Schöneberg, der Be 
zirksverein „Südwest", der Kirchlich-liberale Verein, die 
Pfarrer und Gemcindekörperschasten von Rathanael, die 
Tnrnvereinigung des Fricdenaner Ortsteils von Schöneberg, 
der Verein für christliche Licbestätigkeit und die Schöneberg- 
Friedcnaucr Terraingesellschaft. Der Trauerfeicr wohnten 
ferner u. a. bei die Herren Justizrat Neinbacher und 
Direktor Woymode, sowie die Vorsitzenden der vorge 
nannten Vereine. Die Trauerpredigt hielt Herr Pfarrer 
Wagner, der den Verstorbenen als Mensch und Mann 
schilderte und hervorhob, wie er für allgemeine Wohlfahrts- 
bestrebungen bedacht und für die Hebung des Friedenaner 
Ortsteilcs von Schöneberg jederzeit bemüht ivar. — Otto 
Scholtz wird vielen in dauerndem Gedächtnis bleiben. Er 
ruhe sanft! 
o Die Einweihung des Großbeeren - Denkmals 
findet am Sonnabend, dem 28. August, Nachmittags um 
2 1 / 2 Uhr, in Gegenwart des Prinzen Eitel Friedrich statt, 
den der Kaiser mit seiner Vertretung beauftragt hat. Die 
Gedächtnisrede wird Graf Bülow v. Dcnncwitz, der Urenkel 
des Siegers von Großbeeren und Dennewitz, halten. Am 
Sonntag, dem 24. August, findet ein Feldgottesdienst ans 
dem Kirchhof vor dem alten Denkmal statt, den der Orts 
geistliche von Großbceren, Pfarrer Parisius, halten wird. — 
Für die Ausschmückung der Gedenkhalle wäre es sehr er 
wünscht, noch weitere Andenken an die Schlacht zusammen 
zubringen, insbesondere Bilder von Schlachtteilnehmern. 
Freundliche Spender werden gebeten, die Gaben an den 
Krcistagsabgeordneten Dr. Breithaupt, SW. 68, Zimmer 
straße 7, zu senden. 
tue gut daran. Sie nicht lange warten zu lassen," antwortete 
die Gräfin. „Das Schreiben kommt vom Könige. Hören 
Sic, ivas er mir mitzuteilen hat." 
Sie las den Inhalt des kurzen Billetts so laut, daß 
Lechniere jedes Wort vernehmen konnte. Es lautete: 
„Ich wurde gezwungen, ganz plötzlich abzureisen. Aber 
ich habe nicht Lust, von neuem in die endlose Langeweile 
meiner Hauptstadt zurückzukehren. Kommen Sie sofort nach 
Paris und suchen Sie mich dort morgen abend im Hotel 
Bristol auf. Ich werde unter dem Namen „Comvay" dort 
absteigen. Wir iverden sodann gemeinsam beratschlagen, 
was wir tun können, daß ich meinen Anisehern — anders 
kann ich sic nicht bezeichnen — entrinne, rnid daß wir uns 
in der herrlichen Seine-Stadt amüsieren. Aber lassen Sie 
mich nicht vergebens warten! 
Erna." 
Die Augen der Gräfin leuchteten, und ihre Wangen hatten 
sich vor Erregung gerötet. Sie barg das Billett eiligst im 
Ausschnitt ihres Ballkleides und kam die Treppe herauf. 
„Der König selbst ruft mich — das habe ich freilich nicht 
geahnt!" sagte sie. „Nun haben wir das Spiel gewonnen. 
Natürlich muß ich seiner Aufforderung sofort Folge leisten — 
nicht eine Sekunde darf ich ihn warten lassen. — Ah, das 
ist ein Triumph! Törichter ist die Fliege noch niemals in 
das Netz der Spinne gegangen, als diese Majestät sich mir 
ausliefert." 
Hunt schien noch einige Zweifel zu haben; er wiegte 
bedenklich den Kopf. 
„Sind Sie ganz sicher, daß die Nachricht vom König 
selbst kommt?" fragte er langsam. „Es erscheint mir so abcn« 
teuerlich — so töricht —" 
„Nein, nein — ich bin ganz sicher, daß dieser Brief keine 
Täuschung ist," siel sie ihm lebhajt.inL Wort. „Er hat eine 
o Restaurant „Rhein-Eck" wechselt den Besitzer. 
Das vornehme, erstklassige Familicn-Restanrant „Rhein-Eck", 
Nheinstraße Ecke Kaiserallee, ist durch Kauf in anderen Besitz 
übergegangen. Herr F. Feldmann, der es durch umsichtige 
Leitung, Vergrößerung und Modernisierung der Räume, so 
wie Führung einer guten Küche verstanden hat, aus dem 
ehemals wenig besuchten Lokal ein Stelldichein für die 
besten Vevölkerungskreise zu schaffen, hat sein Restaurant 
Herrn Jean Schätzler übereignet und in diesem Herrn 
einen würdigen Nachfolger gefunden. Denn Herrn Schätzler 
geht der Ruf eines erfahrenen Fachmannes vorauf. Lange 
Jahre war er Küchenmeister in Habels neuen Wein 
stuben, Unter den Linden; die gleiche Stellung bekleidete er 
inr Reichstags-Restaurant, im Restaurant des Neuen Schau 
spielhauses und im Rheingold. Ferner war er in ersten 
Stellungen in den Welt-Saison-Plätzcn des In- und Aus 
landes ii. et.; Nizza, Norderney, London, sowie in anderen 
Orten Englands, Frankreichs, Hollands, Oesterreichs usw. 
tätig. Wir dürfen darnach erwarten, daß das „Rhein-Eck" 
unter Herrn Schätzlers Leitung sich weiter fortschreitend 
entwickeln und seinem guten Namen auch ferner Ehre machen 
wird. Nach dem Vorhergesagten ist es wohl selbstverständ 
lich, daß der neue Wirt in aller erster Linie sein Interesse 
der Küche zuwendet, um seinen Gästen nur tadellose Speisen 
in bester Zubereitung vorzusetzen. Aber auch für gute Pflege 
der Biere (hiesige und echte) und der Weine wird er Sorge 
tragen. So wünschen wir Herrn Schätzler, daß ihm die 
von seinem neuen Unternehmen erwarteten Erfolge auch be- 
schieden sein mögen. 
o Berlin-Friedenau im Bilde. Vom Haus- und 
Grundbesitzerverein herausgeben ist jetzt eine Postkarlen- 
serie von 10 Karten, betitelt „Berlin-Friedenau im Bilde" 
als Ortsreklame erschienen. Die Karten enthalten recht 
hübsche Ansichten von Friedenau nach Photographien und 
dazu kurze Angaben über die Vorzüge Friedenaus. Sie 
sind in allen Buch- und Papierhandlungen zum Preise von 
25 Pf. für die Serie (10 Karten) sowie in der Geschäfts 
stelle des Vereins, Kaiserallee 128, (werktäglich von 4—6 
Uhr Nachm.) erhältlich. 
o Die bedrohten Angler. Dem „B. T." wird ge 
schrieben: Unter den vielen, des Sonntags hinausziehenden 
Anglern ist cs zumeist nur denjenigen, die durch den 
Schaden klug geworden sind, bekannt, daß es auch Erlebnisse 
gibt, die manches andere als Befriedigung auszulösen im 
stande sind. Damit sind nicht etwa schlechte Fangresultate 
gemeint, — denn wo kommt zum Beispiel in der Um 
gebung von Berlin ein mit dem Rechte des Angelus mit 
ein, zwei oder drei Ruten ausgestalteter Angler überhaupt 
noch ans seine Kosten, wenn selbst Berufsfischer privater 
Gewässer ihren schlechten Gewinn durch Ausgabe von 
Anglerkarten gegen klingende Münze zu korrigieren suchen. 
Anders sind die Episoden, die stets ein Strafmandat im 
Gefolge haben, weil — ja weil eben ausgerechnet Sonntags, 
außer der Berechtignngskarte, eine Erlaubnis des Landrats 
erforderlich ist und diese, meist ans Unkenntnis der ein 
schlägigen Bestimmungen, nicht eingeholt worden ist. Warum 
diese Erlanbnisvorschrift gerade nur für den Sonntag gilt, 
an dem begreiflicherweise die meisten Angler ihrem Sport' 
nachgehen können, soll hier nicht untersucht werden. Der 
nichts Böses ahnende Angler, der in der Frühe hinaus- 
wandert, möge daher seine Lehren daraus ziehen. 
o Ein 12 Stllnden-Rcnncn. Die Deutsche Rad- 
und Rennfahrer-Union veranstaltet zugunsten ihrer Wohl 
fahrtseinrichtungen am Sonnabend, dem 0. August auf der 
Radrennbahn in Zehlendorf ein 12 Stnndenreiinen, das 
Abend 7 Uhr beginnen, und am Sonntag Morgen 7 Uhr 
enden wird. Eine große Zahl guter Bahn- und Straßen- 
fahrer werden sich am Abend dem 9. August dem Starter 
stellen, um von diesem auf die lange Reise geschickt zu 
werden. Da die Reiinleitnng die Auswahl der Fahrer so 
getroffen hat, daß nur gleichwertige Mannschaften an den 
Start gehen, so dürfte es zu erbitterten Kämpfen kommen. 
Die Bahn wird mährend der Nachtstunden taghell erleuchtet 
sein, und so eine genaue Verfolgung des Rennens gestatten. 
Neben dem Rennen wird durch Jttumination der Park 
anlagen, Sommernachtsball, Fackelpolonaisen und andere 
Unterhaltungen auch dem weniger sportbegeisterten Publikum 
Gelegenheit zu fröhlicher Betätigung gegeben. 
o Gegen die Großschreibung der Haupt- oder Ding 
wörter ist neuerdings eine Bewegung entstanden, die sich 
nach deutschem Gebrauche zu einem besonderen Verein für 
vereinfachte Rechtschreibung verdichtet hat. Der Verein will 
der Visitenkarten benutzt, die mit dem Namen bedruckt sind, 
den er anzunehmen pflegt, wenn er inkognito reist. — Es 
kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß mir es wirklich 
mit einer Botschaft dcS Königs zu tun haben. Kommen c-ie, 
wir müssen uns darüber informieren, wann der nächste Zug 
nach Dover abgeht, der Anschluß nach Frankreich hat. Ta 
oben in dem Schrank steht ein Kursbuch; haben Sie bitte 
die Freundlichkeit, cs mir zu reichen." 
41. Kapitel. 
Ein Sonnenstrahl drang durch die zusammengezogenen 
Vorhänge des Schlafzimmers und traf das Gesicht der schlafenden 
Jcssic. Sie wandte den Kopf zur Seite, aber der Störenfried 
wich nicht. Mit sanfter Gewalt zog er ihr die Augenlider hoch 
und ruhte nicht eher, als bis er in die lieblichen Sterne blicken 
konnte. Ja, er war ein ganz frecher Geselle; er kitzelte das 
junge Mädchen so lange, bis es niesen mußte und sich damit 
völlig ermunterte. 
Aber wo befand sie sich denn? Das war nicht das 
kleine, winzige Schlafgcmach mit der grellfarbig gestrichenen 
Decke und den iveißgetünchten Wänden, das sie mit der 
Schwester geteilt — das war nicht ihr einfaches Holzbett, in 
dem sie seit Jahren geschlafen. Schwere Teppiche deckten 
hier den Boden; ein riesiger Spiegelschrank stand dem wunder 
vollen Himmelbett mit den blauseidenen Bezügen gegenüber, 
reizende Amoretten bewarfen sich obenan der Decke mit Rosen, 
umflattert von leichtbeschwingten Schwalben — von ihrem 
Schwesterchen aber war nichts zu sehen. 
Sie wagte es kaum, die Augen ganz zu öffnen — 
fürchtete sie doch, daß die Herrlichkeiten um sie her in nichts 
zerrinnen würde», wenn ,sie sich nur erst völlig ermuntert hatte. - 
Es tonnte in nnr ein Traninbfld £eiu*_ daS^ nur von 
die großen Buchstaben nur noch am Anfange des Satzes 
und bei Eigennamen gelten lassen. In der Tat sagt selbst 
Jakob Grimm: „Für die Großschreibung spricht kein einziger 
innerer Grund, wider sie der beständige ftühere Gebrauch 
unserer Sprache bis ins 16. und 17. Jahrhundert, ja der 
noch mährende aller übrigen -Völker, um nicht die Er 
schwerung des Schreibens, die verscherzte Einfachheit der 
Schrift anzuschlagen." Die „Regeln für die deutsche 
Rechtschreibung" brauchen nicht weniger als 28 Regeln für 
die Schreibung der großen Buchstaben, sagen aber am Ende, 
in zweifelhaften Fällen schreibe man mit kleinen Anfangs 
buchstaben. Versuche haben ergeben, daß niemand diese 
Regeln sicher beherrscht. Bei einem Diktat machten 80 
Lehrer .4 bis 22, im Durchschnitt 13 Fehler in dieser Be 
ziehung, 2 Snbalternbeamte 23 und 24, 8 Frauen aus 
höheren Mädchenschulen 13 bis 30, im Durchschnitt 24 
'.Fehler, 10 Herren mit akademischer Bildung 14 bis 30, int 
Durchschnitt 20V 2 , 10 studierende Damen durchschnittlich 
10, 12 Studenten 14 bis 32, im Durchschnitt 21. Der 
einzige geprüfte Oberlehrer machte 18 Fehler. Man muß 
hier an Sätze denken wie: Zieht nie eine ernste Sache ins 
lächerliche, denn etwas Lächerlicheres gibt cs nicht. Ver 
achtet nie das Leichte, dann wird es Euch schließlich ein 
leichtes, das Schwierigste zu überwinden. Seid Ihr in 
einer Angelegenheit im dunkeln, so übt Vorsicht, denn im 
Dunkeln stößt man leicht on. Seid auch im Geringsten 
nicht im geringsten untren. 
o Uitfall. In der Kaiserallee hielt dicht am Straßen- 
bahnglcis ein Marktfnhrwerk. Das Pferde wandte den 
Kopf zur Seite als in diesem Augenblick eine Elektrische 
herankam und das Pferd traf. Dadurch scheu geworden, 
ging das Tier mit dem Wagen durch. Ter Kutscher 
Hermann Wahl fiel vom Wagen und erlitt einen Blut 
erguß im Fußgelenk. An der Stubeiirauchstraße wollte der 
8tuck. zur. Hans Rössner das Gespann aufhallen. Er 
wurde vom Pferde eine Strecke mitgeschleift, kam zu Fall 
und erlitt eine schwere Kopfverletzung und Hautabschürfungen 
im Gesicht und an den Händen. Passanten hielten nun 
das Pferd ans und brachten- die Verletzten nach der hiesigen 
Sanitätswache, wo ihnen dje. erste Hilfe zuteil wurde. 
o Zu der Aussetzung dreier Kinder auf dem Schöne- 
berger Polizeipräsidium erfahren wir noch, daß nach den 
angestellten Ermittelungen der Inhalt des Schreibens, das 
die Kinder bei sich führten, auf Wahrheit beruht. Es 
handelt sich um die Kinder des Handelsmanns Elkan Kolatzki, 
die bei einer Frau Braun in der Spichernstraßc in Pflege 
gegeben waren. Weder Kolatzki noch Frau Braun waren 
aber in der Lage, die Mädcherr zn ernähren, und so ging 
die Frau mit den Mädchen nach dem Polizeipräsidium, wo 
sie, wie berichtet, von Beamten in Obhut genommen wurden. 
Vereins-Nackrickren 
Am Freitag tagen: 
Natioiial-Stenographcn-VereiitBerlin-Schönebcrg, Hanptstr.ia?, 
im Alten Biirgcr-Cnsinv, Abends.. 8'/, Uhr. Nach den Schrcib- 
übungcn geselliges Beisammensein.' Gäste willkommen. 
Slckötlöberg 
— o In das Handelsminister wurde eingetragen: -Bei 
Nr. 40 441 (offene Handelsgesellschaft Puma Nährmittcl- 
vertricb Hollesch & Meyer - in piq. in Bcrlin-Schöneberai: 
An Stelle der früheren Liquidatoren Hollesch und Meyer 
ist der Justizrat Hermann Pösner zum Liquidator bestem 
worden. — Bei Nr. 134. (Firma M. Mcyerhcim in 
Berlin-Schöneberg): Niederlassung jetzt: Berlin-Steglitz, 
Kerlin und Vororte 
§o Die Sprec-Havel-Dampfschiffahrt-Gesellschaft ver 
anstaltet auch in diesem Jahre zweitägige GeseUschan:-- 
fahrtcn nach dem Scharmützelsec, und zwar ist die erste 
Partie am 7. und 8. August vorgesehen, später werden die 
Touren jeden Dienstag und Donnerstag stattfinden. Die 
Fahrten beginnen um 0 llhr Vormittags in Berlin, Janno- 
witzbrücke, und werden 'durch die eigens zu diesen Gescll- 
schaftsfahrten eingerichtete, mit allen Bequemlichkeiten ver 
sehene Motorjacht „Uranus" mrsgeführt. Fahrkarten sind 
nur im Vorverkauf zum Peeise von 0 Mark im Büro der 
Sterngcsellschaft, Brandenburger Ufer 1, Marinehans, bei 
A. Werthcim und der Berliner Fremdcnführerzentrale, 
Behrenstraße 48, erhältlich. 
Ko Zur Stellungnahme gegen die Tariferhöhung im 
Stadt-, Ring- und Vorortverkehr war von einem Verein a» 
ach von gar zn kurzem Bestand war. Und sie fürchtete sich so 
sehr, in der alten Dürftigkeit und der alten Armut z:r 
erwachen. 
Wenn die Zofe, die da über die Schwelle trat, ein 
Tablett mit allerlei lieblich duftenden Dingen in der Hand, 
ebenfalls nnr eine Tranmgestalt gewesen wäre, cs 'hätte 
Jessie beinahe leid getan. Denn sie halte ein allcrlicösics 
Gesichtchcn und ein so reizendes Lächeln, daß das junge 
Mädchen sich nun doch überzeugen mußte, ob cs Wirllichlcit 
ivar, was um - sie her vorging. Mit einem energischen Ruck 
öffnete sic die Augen, so weit sic nur eben konnte, und 
richtete sich dabei halb in die Höhe. Nun mußten doch die 
Herrlichkeiten verschwinden, mußte sie ihr Stübchen in seiner 
ganzen Armseligkeit erblicken — aber nichts dergleichen 
ge>chah. Das niedliche Mädchen wünschte dein „gnädigen 
Fräulein" einen guten Morgen und fragte, ob es beim An 
kleiden behilflich sein dürste, oder ob das gnädige Fräulein den 
Kaffee im Bett zu nehmen wünschte». Ihre Majesläi die 
Königin wäre bereits auf, und sie würde sich freuen, das 
gnädige Fräulein zn sehen. 
Da kehrte Jessie mir einem Schlage die Erinnerung an die 
Erlebnisse des gestrigen Tages zürück. Sie warf einen Blick 
ans die Kaminuhr. und sic erschrak, als sie bemerkte, daß cs 
bereits zehn Uhr geworden sei. 
„Mpllcn Sic. bitte, las Frühstück dort aus den Tisch 
stellen," bat sie das Mädchen. „Aber Sie brauchen mir 
beim Ankleiden nicht zu helfen. Ich tue cs viel lieber allein." 
„Wie das gnädige Fräulein wünschen!" sagte das 
Mädchen. „Hier diese Sachen sind geschickt worden. Wen» 
Sie mich brauche», so bitte ich, mir dort auf den Knopf 
zu drücken." 
(Zvitjetzulig ,oiP.i
        
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