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Periodical volume Nr. 177, 30.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

tcn. Geben sie bitte die lieben Kleinen in das Waisenbaus 
Aelteste heißt Bertha und ist am 7. Juni 1908 in Köln qc= 
ün. die rweite Rosa. nt am 4 iMai icino • «... 9 
trösten. 
Die Ae...... l(l nDln 
boren, die zweite Rosa, ist am 4 Mai 1909 ebenfalls in Köln qe- 
boren und die Jüngste. Paula, ist am 21. April 1910 ebendaselbst 
geboren. Ich bm sehr unglücklich und kann mir nicht anders 
helfen. ...... • Elkan Kolatzki." 
Beamte des Präsidiums nahmen sich der drei Kinder 
an und brachten sie zunächst nach der Schöneberger Armen 
direktion, von wo sie in Privatpflege gegeben wurden. Ob 
der Brief den die Kinder bei sich führten, wirklich echt ist 
und die Aussetzung der drei Mädchew den letzten Akt eines 
Familiendramas, bildet oder ob vielleicht hartherzige Eltern 
sich der Kinder haben entledigen wollen, dürfte erst die ein 
geleitete Untersuchung ergeben. 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 2 Portemonnaies, 2 Kneifer, 1 Kettenarmband. 
Die rechtmäßigen Eigentümer werden aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen drei Monaten im hiesigen Fundbüro. Feurig 
straße 7, Zimmer 22, geltend zu machen, da sonst miderweit 
über die Fundgegenstände verfügt wird. 
Vereins-nacbnchter» 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Fricdenauer Männcr-Gesangverein 1875", Uebungsstunden 
9—11 Uhr im „Hohenzollern". Dirigent: Musikdirektor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/, Uhr Abends im 
„Bahnschlößchen". Inh. C. Müller, am Wannseebahnhof Friedenau. 
§cköneberg 
—o Dem Kaufmann Max Goldstcin in Berlin-Schöne 
berg ist die Erlaubnis zur Annahme nnd Führung des ihm 
verliehenen Titels eines Fürstlich Lippischen Kommissionsrats 
mit der Maßgabe erteilt, daß bei der Führung des Titels 
die sremdherrliche Verleihung ersichtlich zu machen ist. 
—o In das Handelsregister ist eingetragen worden: 
Nr. 41 313. Chemisch technische Fabrik Dr. Gerhard Meyer, 
Berlin-Schöneberg. Inhaber: Dr. Gerhard Meyer, Kauf- 
niauu, Berlin-Schöneberg. 
6erlm und Vororte 
o Lankwitz. Mit dem Bau der beiden Kasernen 
wird nunmehr begonnen. Für die Kaserne des Kraftfahr- 
bataillons sind bereits die Ausschachtungsarbeilen in An 
griff genommen worden. Der Bau liegt auf freiem Felde 
ml der Mariendorfer Straße, die für jeden Verkehr voll 
ständig ausgebaut ist. Die andere Kaserne ist für das 
2. Gardetrainbataillon an einer Straße, die den Namen 
„Grüner Weg" führt. Beide Kasernen haben dadurch eine 
unvergleichlich schöne Lage, daß sich zwischen der Marien- 
feldcr Straße und dem „Grünen Weg" der neue Lankmitzer 
Gemeindepark hinzieht. Für beide Kasernen ist in der 
Laitkivitzer Mühlenstraße ein Militärbau-Aint eingerichtet 
worden. 
0erichtUcbes 
(:) Wegen Bergehens gegen dio Gewerbeordnung Hatto sich der 
Flcischermcistor D. in Steglitz vor Gericht zu verantworten. Im 
Frühjahr dieses Jahres wurde seitens der Polizei eine Revision der 
Fleischereien in Steglitz vorgenommen, um zu prüfen, ob die be 
züglich der Sonntagsruhe erlassenen Bestimmungen beobachtet 
würden. Hierbei wurde festgestellt, daß D. seine Angestellten eines 
Sonntags im April während der Kirchzeit beschäftigt hatte. Ans 
Grund dieser Ermittelungen wogen des eingangs erwähnten Ver 
gehens unter Anklage gestellt, führte D. vor dem Schöffengericht 
Schöneberg aus, er habe seine Angestellten nur mit Arbeiten für 
Reinigung und Instandhaltung beschäftigt, durch welche der regel 
mäßige Fortgang seines Betriebes bedingt war, und die nach 
8 105 e, 3 der Gewerbeordnung auch während der Kirchzeit 
verrichtet werden dürften. An dem fraglichen Sonntag sei bis 
10 Uhr verkauft worden; da nun um 12 Uhr der Verkauf wieder 
aufgenommen werden sollte, so hätten bis dahin die vorher be 
nutzten Gerätschaften, wie Messer, Wagen, Hauklötze usw. gereinigt 
werden- müssen. Nur mit diesen Arbeiten, die etwa '/» Stunde in 
Anspruch genommen hätten, sei das Personal beschäftigt gewesen. 
Die Angaben des Angeklagten wurden durch die Beweisaufnahme 
gestützt; der Gerichtshof erachtete daher ein Vergehen gegen die 
Gewerbeordnung seitens des Angeklagten nicht für nachgewiesen 
und erkannte auf Freisprechung. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantivortung.) 
Wer schweigt, stimmt zu! 
Ich habe bisher vergebens eine Antivort auf die Frage: „Was 
geht im Realgymuasium hinter verschlossenen Türen vor?" erwartet. 
Die Gerüchte, die von einem Deckencinsturz berichten und die be- 
Bekanntmachung. 
Nach § 15 der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 
15. Februar dieses Jahres sind mit dem 1. Juli dieses Jahres neue 
Bestimmungen über die Führung von Lohnbüchern in den Betrieben 
der Kleider- und Wäschekonfektion in Kraft getreten. 
Tie Bestimmungen finden auf solche Betriebe Anwendung, in 
denen die Anfertigung oder Bearbeitung von Frauen-, Männer 
und Kinderkleidung, sowie von weißer und bunter Wäsche im großen 
erfolgt. In bestimmten Fällen ersassen sie auch die sogenannten 
Zivischenmeister mit. 
Unter Kleidung sind in diesem Sinne Röcke, Hosen, Westen, 
Kleider, Umhänge, Mäntel und dergleichen zu verstehen. 
Nach § 14 der Bekanntmachung vom 14. Februar dieses Jahres 
sind die Arbeitgeber gehalten, von den Lohnbüchern, welche sie ver- 
weudcn, zwei Abdrucke der Ortspolizeibehörde ihrer Niederlassung 
vor der erstmaligen Verwendung einzureichen. 
Die im hiesigen Amtsbezirk in Frage kommenden Arbeitsgeber 
werden hierdurch aufgefordert, spätestens bis zum 15. August dieses 
Jahres zwei Abdrucke der von ihnen zu verwendenden Lohnbücher 
im hiesigen Amtsbüro, Feurigstraße 7, Zimmer 9, abzuliefern. 
Berlin-Friedenau, den 29. Juli 1913. 
Der Amtsoorsteher. I. V.: gez. Bache. 
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Hier wird auch jede ge 
wünschte Auskunft gegeben. 
sagen, daß schon beim Bau des Realgymnasiums die Decke der 
Turnhalle einmal eingestürzt war, wollen nicht verstummen. Wenn 
die Bauverwaltung weiter schweigt, kann sie es erleben, daß sich 
im Winter niemand in den sogen. Bürgersaal wagt und alle dort 
etiva beabsichtigten Veranstaltungen ein leeres Haus vorfinden. 
Also, auch ich bitte: Fort mit der Geheimnistuerei! Gebt 
Antwort! Eduard Alüller. 
(Anmerk, der Schrifil.: Es sind ja wohl, wie auch wir fest 
stellen können, allerhand wilde Gerüchte über die Reparatur- 
arbeiten usw. im Realgymnasium im Umlauf, doch können ivir 
initteilen, daß eine unmittelbare Gefahr für die Besucher der Aula 
bisher nicht bestanden hat und auch in Zukunft nicht bestehen 
wird. Es sind allerdings Risse in der Decke der Turnhalle, also 
dem Fußboden der Aula, aufgetreten und unsere Bauverwaltung 
hat vorsichtshalber auch die Decke stützen lassen. Aber diese Risse 
sollen nach Angaben der Bauverwaltung und anderer Sachver 
ständiger bedeutungslos sein, keine Gefahr in sich bergen. Die 
Tnrnhallendecke ist nach einer neuen Konstruktion freischwebeud aus 
Eisenbeton hergestellt. Unsere Bauverwaltung sucht augenblicklich 
durch Belastungsproben usw. die Ursache der Risse zu ergründen, 
um darnach weitere Maßnahmen zu treffen. Immerhin würden 
wir es ebenfalls für richtig halten, wenn unsere Aauvcrwaltung, 
um den vielen Mutmaßungen usw. zu begegnen, eine öffentliche 
' Erklärung abgibt.) 
Privatmarkt oder öffentlicher Markt. Auf eine Beschwerde, 
die von Gewerbetreibenden beim Ländrat gegen den Markt unserer 
Gemeinde in der Rheingaustraße erhoben wurde, ging die Antwort 
ein, daß dieser Markt kein öffentlicher, sondern ein Privat 
markt der Gemeinde Friedenau sei, auf den die für öffentliche 
Märkte geltenden Bestimmungen keine Anwendung hätten! Außer 
dem wurde den Petenten geantwortet, daß die Gewerbetreibenden 
der Gemeinde nur 16 000 M. Gewerbesteuer einbringen, während 
die Marktstandinhaber 20 000 M. Einnahnie der Gemeinde bringen. 
Ferner trügen die Gewerbetreibenden noch zu den Schul- und 
Armenlasten der Gemeinde bei! Zuerst: die Einnahme. Warum 
"gibt die Gemeinde nicht auch an, 'mic hoch sich die Einkommen 
steuer der Gewerbetreibenden stellt, die Gewerbesteuer ist doch 
' ganz nebensächlich. Oder zahlen etwa die Markthändler auch Ein 
kommensteuer an die Gemeinde? Daß durch den Markt zahlreiche 
Lüden unvermietbar sind, wie dies die Wirte in der Nähe des 
1 Bornstraßenmnrktcs jeden: gern bestätigen iverden, sck)eint man auch 
nicht zu berücksichtigen. Durch leerstehende Lüden gehen der 
Gemeinde doch ebenfalls Stcuereinnahnien sowohl vom Laden- 
inhaber wie vom Hauswirt verloren. Zu den Schullastcn tragen 
die Gewerbetreibenden allerdings bei, aber sie unterscheiden sich 
' dünn nicht von den anderen Friedcnauer Bürgern. Wieso die 
Gewerbetreibenden auch der Armenverwaltung zur Last fallen, ist 
mir nicht verständlich. Ob der Marktschöffe dafür die Er 
klärung geben kann? Das Tollste aber ist der Privatmarkt der 
Gemeinde! Hier also kann die Gemeinde handeln lassen, was 
ihr beliebt. Vielleicht macht sich dort auch ein Lottcriekollcktcur 
auf und handelt mit Losen der Preußisch-süddeutschen Klassenlotterie! 
■ Was neues wäre cs nicht, sind doch auf einem anderen Privat 
markt schon Lose anderer Lotterien billiger verkauft worden, um 
! Käufer anzulocken, lieber die Zulassung der auf dem Markt zum 
. Verkauf zu stellenden Waren hat ja wohl der Atarktschöffe zu be> 
finden. Ob der die Preuß.-süddeütschen Klassenlose zulassen wird, 
- bezweifle ich. Ludwig G. 
^neäenauer auf Reifen. 
Gruß ans Vornholm, Juli 1918. 
(ivv das herrlichste Wetter ist) 
Salve Salenel 
Blühende Linden iin Buchenhain, 
Eickieu bei Heckenrosen. 
Rauschende Wogen am Fclsgcstcin 
Mild Salene umtosen. 
Sommcrlust lockend die Höhen streift, 
Wcicheste Lüfte gehen; 
Feigen die leuchtende Sonne reift, 
Erdensorgen verwehen. 
Stilles Sinnen den Blick umflort, 
Sehen und Hoffen schweigen. 
8,live Salcno! Du Friedcnsport! 
In Erinnerung mein Eigen! 
Johcrnna Znnk-Friedcnan. 
Vermischtes 
*o Rosegger. Am 31. Juli vollendet der Ivohl bekannteste 
Schriftsteller unserer Zeit, Dr. Peter Rosegger in Graz, sein 
70. Lebensjahr. 1843 zu Krieglach-Alpl geboren, ivuchs er als 
' einfacher Waldbauernbube auf und kam mit 18 Jahren zu einem 
1 umherziehenden Baucrnschneidcr in die Lehre. 1865—1869 war er 
; Schüler an der Handelsakademie in Graz und lebte danach als 
berufsmäßiger Schriftsteller, nachdem er 1864 durch Albert Swoboda, 
dem Herausgeber der „Graz. Tagesp.", Förderung und teilnehmende 
! Freunde gefunden hatte. Durch größere Reisen erweiterte er seine 
, Studien und fund bald Anklang beim Publikum. Er baute sich 
1 in Kicglach ein kleines Haus, schlug dann abwechselnd dort und in 
1 Graz seinen Wohnsitz auf und fand hier 1879 seine zweite Gattin. 
Seit 1870 gibt er die Monatsschrift „Heimgarten" heraus. Von 
> seinen zahlreichen nnd weitverbreiteten Büchern seien nur erwähnt: 
„Zither und Hackbrett", „Die Schriften des Waldschulmeisters", 
- „Der Goldsucher", „Martin, der Mann", „Sonnenschein", „Das 
SUndcnglöckel", „Försterbuben." 1903 wurde er von der Uni 
versität Heidelberg anläßlich ihrer Zentenarfeier zum Ehrendoktor 
ernannt. Sehr markant steht der berühmte Dickster und Schrift 
steller in der lebenswarmen Ersaffung des deutschen Gedankens und 
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Sehr saub. Frau zur Aufwart, 
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straße 34, III. [5799 
als Apostel einer natürlichen Lebensweise da, ohne hierbei in. de 2 
Fehler einseitiger Partcipolitik zu verfallen. Peter Rosegger hielt 
sich immer frei nach allen Seiten, um desto kräftiger und unbe 
kümmerter seine lvon einem ganz prächtigen Freimut zeugenden) 
Gedanken dem Volke zu vermitteln. Wir verweisen besonders auf 
das soeben bei L. Staackmann, Leipzig, erschienene „Heim- 
gärtners Tagebuch", in dem sehr feine Betrachtungen von 
ihm über Welt und Leben zum Ausdruck gebracht sind. 
Nach Roseggers großzügiger Idee gelang es übrigens, ganze drei 
Millionen Kronen zum Schutze der Deutschen in den bedrängten 
österreichischen Sprachgebieten zusammen zu bringen — ein Er 
eignis, das in seiner Art einzig dasteht! Rosegger ist nicht nur ein 
begnadeter Schriftsteller, sondern ein Menschenfreund wie wenige; 
alle Nörgeleien von Menschen, die mit Befliffenheit den besten Ab 
sichten selbstsüchtige Motive unterschieben, werden an dieser Tat 
sache nichts ändern. Wir wünschen dem herzerwärmendcn, liebens 
würdigen Dickster, dessen zahlreiche, zumeist von einem prächtigen 
Humor dnrchsonnte Erzählungen einen ungemein starken Widerhall 
in der deutschen Volksseele gefunden haben, einen recht gesegneten 
Lebensabend! Bei dieser Gelegenheit machen wir auf Roseggers 
soeben herausgegebene „Gesammelte Schriften" empfehlend auf- 
nierksam. Wer diese liest, wird finden, daß Rosegger zu denjenigen 
dünngesüten, lebenden deutschen Dichtern zählt, die nicht in Effekt- 
! hascherci, noch in gcistrcichclnde Gespreiztheit (wie unsere 
! „Modernen"!) verfallen, sondern die durch die Aufrichtigkeit und 
: Herzlichkeit ihres Denkens und Fühlens ini Volke warme Sympatihe 
gefunden haben. 
*o „Pardon". Es ist eine grobe Unsitte, daß jemand 
„Pardon!" sagt, wenn er sich entschuldigen will. Gerade jetzt sollte 
man daran denken, ivie vor hundert Jahren die Franzosen 
„Pardon!" riefen nnd wie schmerzlich es ihnen war, daß sie das 
tun mußten! In dem Begriff liegt bei unseren Nachbarn, den 
' Franzosen, ein solch gedemütigter Schmerz, daß wir Deutschen uns 
schämen sollten, diesen Ausdruck gedankenlos anzuwenden. Wenn 
ich dieses „Pardon!" höre, dann ist's mir stets, als bekäme ich einen 
Schlag, denn dieser Ausdruck bedeutet auch „Gnade". Namentlich 
Offiziere sollten sich dieses Ausdruckes niemals bedienen. Das ist 
nur einer von so vielen Hunderten von fremdsprachlichen Aus 
drücken, die wir Deutschen wohl vermeiden könnten und sollten. 
*o Für Bricfninrkensammler von Interesse dürfte die Mit 
teilung sein, daß in Ungarn demnächst neue ungarische Briefmarken 
zur Ausgabe gelangen werden. Auf einer dieser Marken, die nach 
einem historischen Gemälde die Krönung Franz Josefs als König 
von Ungarn zeigt, tvird zum erstenmal auf einem Postwertzeichen 
die Figttr eines Papstes, nämlich Pius IX., der die erwähnte 
Zeremonie vornahm, erscheinen. Die Marken des alten Kirchen 
staates zeigen nie päpstliche Bildnisse, sondern stets nur die Mitra 
über zivei gekreuzten apostolischen Schlüsseln. 
Salem Aleikum 
Goldmundstuck 
Csgareffen 
Pfiten&dZc&ak-u. 
d'jarei&n-JciJbrik 
l&xCdzefae&I&i 
yrJx'Kajgtrlfatz* 
A) JOtfLüfaaniiS. c JIsd. 
' "Msrufsv-Sachsen. 
e 
f 
Wetteransslchten. 
Donnerstag: Etwas wärmer, vorwiegend heiter und 
trocken bei mäßigen nordöstlichen Winden. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius Friedenau. 
ttohenzollBm 
Friedenau 
Handjerystr. 61 
' Zirka 600 Plätte. 
Vorzügliches 
Künstlerkonzert. 
Beginn 6 Uhr 
Sonntag» 4" Uhr. 
Ecke Kirchstr. 
nahe der 
Kaisereiche. 
Zirka 600 Plätze. 
Mittwoch u. Sonnabend 
Programmwechsel. 
Vom 30. Juls bis 1. August 
unschlagbares Programm. 
in Ein RHätSchenschiokSal 
mimisches Drama in 3 Akten. 
Oss Giüssüüs Hiiiictisn 
* Ergreifendes Drama ans dem Leben der Gegenwart 
in 2 Akten. 
ßie Dame m Schlier 
Grosse Komödie in 2 Alten. 
Grösste Heiterkeit —. kolloäsaler Lacherfolg.
        
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