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Periodical volume Nr. 177, 30.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Sorten während der letzten Jahre zn verzeichnen sind. Es 
schien fast, als wetteiferten die verschiedenen Sorten unter 
einander nur den ersten Platz. Auch Schling- und Kletter 
rosen waren in reichlicher Auswahl vorhanden. 
Was an der Rosen-Ausstellung zu tadeln war, aber 
unter den bestehenden Verhältnissen nicht anders durch 
geführt werden konnte, das war die nicht genügend berück 
sichtigte Anordnung inbezug auf einheitliche Farbenwirkung 
des Ganzen. Das liegt aber an der Art der verlangten 
Preisaufgaben, die wie immer nach Schema I? ohne Rück 
sicht auf die örtlichen, Verhältnisse gestellt waren. Die 
einzelnen Gruppen und Sorten waren an und für sich als 
erstklassige Leistungen fast durchweg zu bezeichnen. 
In der Nähe dieser Rosenanlage fiel u. a. ein Schüler 
garten auf, eine Einrichtung, der sich die Stadt Breslau zur 
Förderung der Jugendpflege in ganz besonderer Weise an 
nimmt. Es wird dadurch sicherlich viel Freude und Ver 
ständnis an der Natur erweckt. Auch der sich in der Nähe 
befindliche städtische botanische Schulgarten verdient an 
dieser Stelle erwähnt zu werden. Daneben hatte man auch 
dem Vogelschutz eine Stätte eingeräumt, die äußerst lehr 
reich und interessant. war. Selbstverständlich ist, daß die 
Handelsgärtnerei, der Gewächshausbau und die Gartenbau- 
Industrie im allgemeinen ebenfalls reichhaltig zur Schau 
gestellt worden waren. Besondere Mühe hatte man auch bei 
der Einrichtung der Kolonial-Ausstellung walten lassen, deren 
genaues Studium allein für den Interessenten längere Zeit 
in Anspruch nahm. 
Die Ausstellung für alte und neuzeitliche Friedhofs- 
kunst nahm ebenfalls einen größeren Platz für sich in 
Anspruch und an manch gutem Beispiel hatte man gezeigt, 
wie ein Friedhof mit seinen ihm eigentümlichen Mitteln 
harmonisch ausgestaltet werden kann. Diese Harmonie des 
Friedhofsbildes wird aber nur dann erzielt werden, wenn 
Gartenkunst, Architekttir und Kunstgewerbe in gegenseitigem 
taktvollen Sichanpassen zu gemeinsamer Wirkung sich einen 
wie das in Breslau nach jeder Richtung hin gut gelungen 
war. Gezeigt wurden die verschiedensten Gestaltnngs- 
möglichkeiten des Fricdhofsbildes mit den Mitteln der 
Wirklichkeit. Ueberall wurde eine feierliche Friedhofs- 
stimmung ausgelöst. Auf Einzelheiten an dieser Stelle ein 
zugehen, würde zu weit führen. Ermähnt sei, daß außer 
der neuzeitlichen Friedhofsgestaltung auch eine geschichtliche 
Abteilung ihren Platz gefunden hatte. Vorbildliche alte 
Denkmäler, von der einfachen bemalten Holztafel über das 
kunstvoll geschmiedete Grabkreuz bis zum reich geschmückten 
Steinsarkophag zeigten, daß das Kunstempfinden unserer 
Vorfahren dem der heutigen Generation absolut nicht nach 
zustehen braucht. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den 
Dorffriedhof, dessen Herstellung von dem schlesischen Bund 
für Heimatschutz in die Wege geleitet worden war. Er 
zeigte so recht deutlich, wie mit den bescheidensten hand 
werklichen Mitteln und mit naivem gärtnerischen Geschmack 
dem dörflichen Gottesacker der ihm eigene Stimmungsreiz 
erhalten werden kann. Dieser Reiz wurde durch die alte 
Schrotholzkirche, welche hier Aufstellung gefunden hatte, 
wesentlich gesteigert. Dies alte Kirchlein ist in seiner Art 
eins von den wenigen in Oberschlesien noch vorhandenen 
und stand' früher in Kandrzin. Da cs hier infolge eines 
Bahnbaues in seinem Bestände schwer bedroht war, hatte 
uian für die Ueberführung nach Breslau gesorgt, und es war 
hier wieder hergestellt worden, wo es dem ländlichen 
Friedhofsbilde seine charakteristische Stimmung verlieh. 
Zum Schluß meiner Ausführungen möchte ich noch 
darauf Hinweisen, daß der Besuch dieser zweifellos imposanten 
Ausstellung jederzeit ein außerordentlich guter war und daß 
man hofft, am Schluß derselben ein günstiges Resultat aus 
weisen zn können. Jin Interesse des Unternehmens wäre 
das in der Tat zu wünschen. 
llokates 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Wage» der Oberleitungs - Omnibnslinie 
Bahnhof Steglitz—Bismarckstrasre verkehren ab l. August 
bis auf weiteres in der Bergstraße nur bis zur Bisinarck- 
straße. Diese Maßnahnte hängt mit der Durchführung einer 
zeichnen. u.er iutcmix, ocr pci> m meinem -oureau >ur um 
König ausgab, war ein Schauspieler, ein Betrüger, ein Lump 
— und Sie wußten cs recht wohl; denn Sie standen ja mit 
ihm im Bunde. Und ich hätte den Betrug ja auch nicht 
durchschaut, wenn mir nicht ein Zufall — ich weiß nicht, ob 
ich ihn einen glücklichen nennen soll — zu Hilfe gekommen 
wäre. Jrgendivo ivar das Gerücht aufgetaucht, daß ein Zug 
auf dem Ehariiig-CroßBahichof entgleist fei. Ich schickte so 
fort einen Reporter hin, einen meiner zuverlässigsten Leine, 
der sicl> gerade in meiner Redaktion eingcfunden hatte, um, 
eine Nachricht zu bringen. Er stellte fest, daß die Geschichte 
von dcr Zugentgleisung ein leeres Gerücht war; dagegen 
kam er gerade recht, um den Extrazug bereitstellen zu sehen, der 
den König von Asloricn nach Dover bringen sollte. Er zog natür 
lich sofort Erkundigungen ein und erfuhr, daß sich Seine 
Majestät nur in Begleitung zweier Offiziere über Paris in 
sein Land ju begeben gedenkt. Die Abfahrtszeit war nicht 
ganz bestimmt, der Zug war jedoch bercilzuhalten; denn der 
König konnte in jedem Augenblick am Bahnhof eintreffen. — 
Ich war natürlich wie vor den Kopf geschlagen und ivollte 
anfangs nichts glauben. Aber die Erkundigungen, die ich 
einzog, bestätigten leider die Sache, und es kann kein Zweifel 
darüber bestehen, daß ich recht unterrichtet ivordeu bin. — 
Nun» was sagen Sie dazu, meine teuerste Gräfin?* 
Sekundenlang blieb drinnen alles still. Die beiden 
Lauscher in der Telephotikabine hielten den Atem an, so daß 
ihnen auch nicht ein Laut verloren gehen konnte. Plötzlich 
lachte die Gräfin laut aus. 
„Ja, mein Lieber — da ist es wohl zivecklos, die 
Komödie noch weiter fortzusetzen. Meinetwegen denn: der 
Mann, dcr bei Ihnen die Rolle des Königs spielt', war nur 
ein Schauspieler — ein Betrüger, wenn Sie wollen, und im 
letzten Grunde nur eine Puppe in meinen Händen, eine 
Marionette, deren Fäden ich hielt und die ich nach meinem 
Willen tanzen ließ. Sind Eie nun zufrieden? — Seien Sie 
versichert, daß ich es keineswegs so schlimm mit Ihnen meinte, 
wie Sie vielleicht glauben Daß der König London so plötz 
lich verlassen würde, um in sein Land zurückzukehren, habe 
ick natürlich nickt geahnt, undZck hätteQllick.wohl gehütet. 
Berliner Straßenbahnlinie (00 bezw. 87 und 88) durch die 
Bismarckstraße bis zum Stadtpark in Steglitz zusammen. 
Die schoil einmal unterbrochene Schienenlegung soll nun 
mehr wieder in Angriff genommen werden. 
o Klasienlöttevie. Die Erneuerungslose ^sowie^'die 
Freilose zur 2. Klasse der 3. Preußisch-Süddeutschen (229. 
Königlich Preußischen) Klassenlotterie sind unter Vorlegung 
der entsprechenden Lose aus der 1. Klasse bis zum 4. 
August d. I., Abends 6 Uhr, bei Verlust des Anrechts ein 
zulösen. Die Ziehung 2. Klasse dieser Lotterie wird am 8. 
August d. Js., Morgens 8 l / 2 Uhr, im Ziehungssaale des 
Lotteriegebäudes ihren Anfang nehmen. 
o Ueber die Führung von Lohnbüchern in den Be 
trieben der Kleider- und Wäschekonfektion sind neue Be- 
stimniungen in Kraft getreten. Wir verweisen die Be 
teiligten auf die amtliche Bekanntmachung in dieser Nummer. 
o Drei Errichtung einer Hypothekenanstalt hat die 
Gemeindevertretung von Weißensee einstimmig beschlossen. 
Das Ortsstatut ist nach dem Neuköllnischen Muster ausge 
arbeitet. Gemäß dem Vorschlage der Finanzkommission 
wurde sodann die Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 
fünf Millionen Mark beschlossen. Die Tilgung soll 1 v. H. 
betragen. Das Institut hat die Aufgabe, bei Beleihungen 
an zweiter Stelle denjenigen Wert zu erfassen, der zwischen 
50 und 80 v. H. des Objektes liegt. Einschränkende Be 
stimmung ist, daß sich das Grundstück ein Jahr lang im 
Besitze des Eigeiltümers befindet. 
o Freie Schülervorträge auf der Treptow - Stern 
warte. Um noch weiteren Kreisen Gelegenheit zum An 
hören eines Vortrages zu geben, hat die Direktion der 
Treptow-Sternwarte bestimmt, daß auch fernerhin bis Ende 
der Schulserien jeder Erwachsene das Recht hat, zu den 
Vorträgen um 5 und um 7 Uhr ein Kind unter 14 Jahren 
frei einzuführen. Es finden folgende kinematographische 
Vorführuilgen niit erklärenden Vorträgen statt: Am Sonn 
abend, dem 2. August, Abends 7 Uhr: „Christoph 
Columbus"; Abends 9 Uhr: „Scott's Reise zum Südpol 
und ein Blick ins Weltall"; am Soniltag, dem 3. August, 
Nachm. 5 Uhr: „Natur und Leben in norddeutschen Gauen," 
Abends 7 Uhr: „Christoph Columbus", am Montag, dein 
4. August, Abends 7 Uhr: „Aus fernen Landen." Mit dem. 
großen Fernrohr wird ein Fixstern, oder der Jupiter be- 
vbacktet. 
o Eine Unsitte, die sich besonders bei Kindern zeigt, 
sobald sie nur einen Stift zu führen imstande, ist, jeden 
nur beschreibfähigen Ort als Schrcibtafel anzusehen und mit 
allerhand unnützer, wenn nicht gar gemeiner Kritzelei zu 
versehen. Leider wird diese Unsitte, die von großer Rück 
sichtslosigkeit zeugt, auch von großen Kindern fortgesetzt. 
Besonders zur schönen Sommerzeit sind es die Ruhebänke 
und die Aussichtspunkte, die unter solcher Unverschämtheit 
zu leiden haben. Während die Natur die wunderbarsten 
Aussichten, Blütenduft ringsum, neben frischem Grün die 
reinste ßuft gewährt, kommt die Alenschenhand und vei> 
unziert solche reizende Orte. Meistens ist es freilich der 
eigene Name, der in möglichst unbeholfener Art einge 
schnitten ist. Will sich aber jemand später gern selbst 
wiederfinden, so ist es doch einfacher, sich in das Fremden 
buch einzutragen, das fast überall an Aussichtspunkten aus 
gelegt ist, wobei er noch Gelegenheit hat, sich durch mehr, 
als bloß durch den unbekanilten Namen, vielleicht durch 
; irgend ein Produkt seines Geistes, zn verewigen und der 
i übrigen Menschheit sich bemerkbar zu machen. Und diese 
Fremdenbücher werden stets mit großem Interesse gelesen, 
sie erfüllen dann das unabweisbare Bedürfnis inancher 
s Menschen viel mehr, ihren Namen der Welt zu präsentieren. 
Die Gebirgs- und Wandervereinc tun gegen diese Unsitte 
alles mögliche, aber „ein Narr macht viele Narren"; denn 
„Narrenhände beschmieren Tisch und Wände" und be 
schneiden auch die Bänke! ' 
o Wer sich einmal ordentlich auslachen will, der be 
suche jetzt unser vornehmstes Lichtspielhaus, die „Hohen- 
zollern-Lichtspiele", Handjerystraße 64. „Die Dame an: 
Schalter" ist eine ulkige Komödie, die anregend aus die 
Lachmuskeln wirkt und zu stiirmischer Heiterkeit hinreißt. 
Außer diesem lustigen Schlager tritt wieder die Kinokönigin 
Asta Nielsen in dem mimischen Drama „Ein Mä8chen- 
diese „Erklärungen" in Ihrem Blatte veröffemüchen zn lassen, 
wäre ich nicht ilberzeugt gewesen, daß der König tatsächlich 
nicht daran denkt, England den Rückeit zn kehren. Auch 
meine Pläne und Absichten iverdcu durch diese plötzliche, siiicht- 
äh: liche Abreise über den Hansen geworfen, so gut ivie die 
Ihrigen. Ueberlegcn Sie doch einmal: iväre Ihr Schaden 
wirklich gar so groß gcireseu, wenn dcr König in London 
geblieben uuirc?_ — Zuerst hätte man Ihrem Artikel sicher 
lich Glauben geschenkt, und Sie hätten ungeheure Sensation 
damit gemacht. Natürlich wä,e dann irgendwo eine Berichti 
gung erschienen, aber ich bin üterzeugt, daß ihr viel weniger 
geglaubt worden wäre, als dem in Ihrem Blatte erschienenen 
Aussatz. Jedenfalls wäre dcr Name Ihres Blattes mit einem 
Schlage bekannt geivordcn, und Sic wären mir später sehr 
dankbar dafür gewesen — verlassen Sie sich darauf, mein 
Freund! An die Wendung, die die Dinge jetzt genominen 
haben, habe ich, ivie gesagt, am allcrivenigstcn gedacht. Es 
tut mir herzlich leid, Ihnen Ungelegcnhcite» verursacht zu haben; 
aber ich taun es dvch nicht mehr ungeschehen machen, und 
es ist deshalb ganz zivecklos, mich jetzt mit Vorwürfen zn 
quälen." 
Wieder blieb cs eine Weile still. Dann sagte Hunt in 
etwas milderem Ton: 
„Die schonen Worte nützen uns jetzt verteufelt wenig; 
und cs ist sehr bequem, meine Liebe, einfach zu sagen: es tut 
mir leid — aber ich kann es nicht mehr ändern, macken 
Sie mir deshalb auch keine Vorwürfe. Nein, Sie müssen mir 
ans irgend eine Weise helfen — müssen mir beiznstehen ver 
suchen. Ich habe genug für Sie getan, daß Sie mir jetzt 
Ihre Erkenntlichkeit beweisen können. Und vergessen Sie 
nicht, daß ich Ihnen nicht machtlos gegenüberstehe! — Ver 
schaffen Cie nur jene Papiere, so will ich Ihnen das heutige 
Geschehnis' nicht weiter nachtragen, so groß mein Schaden 
dabei auch immer ist. Ich , werde veröffentlichen, daß es 
irgend jemandem gefallen hat, die Rolle des.Kvnigs zu spielen, 
und werde eine Belohnung ans seine Ergreifung arrssetzen. 
Dafür zn sorge», daß er nicht wirklich gesunden wird, ist 
Ihre Sache- Aber die Dokumente muß ich haben — nn- 
bedivat!" . .. 
schicksal" auf. Ein ergreifendes Drama ist „Das einsame 
Häuschen." Dazu das übrige, großartige Eliteprogramm 
mit lehrreichen und heiteren Films. Wir empfehlen unsern 
Mitbürgern wiederholt die Hohenzollern-Lrchtspiele und 
machen noch besonders auf die gute Verpflegung aufmerksam. 
o Falscher Kollekteur. IN den Vororten Berlins 
treibt zurzeit ein „Kollekteur" für das Paul-Gerhart-Stist 
sein Unwesen. Der Schwindler, der sogar den Stempel des 
Stiftes in der von ihm vorgelegten Liste nachgeahmt hat, 
ist etwa 50 Jahre alt, von großer, kräftiger Figur, trägt 
bläulichen Anzug und hat ein sicheres Auftreten. 
o Zn einer wahren Landplage geworden ist — so 
wird uns aus den Kreisen unserer Geschäftsleute geschrieben 
— das Unwesen mit sogenannten Reklamemarken geworden. 
Bunte Bildchen, deren blödsinnige Darstellungen mit 
Reklame absolut nichts zu tun haben, werden von Kindern 
wie Briefmarken gesammelt und wohl auch in Büchern 
eingeklebt. In vielen Geschäften'werden diese erzieherisch 
ganz wertlosen Dinger kostenfrei verteilt, wohl in dcr Ab 
sicht, Kinder als Kunden herbeizulocken. In meinen Laden, 
so schreibt uns ein Leser unseres Blattes, kommen täglich 
25—40 Kinder und fragen: „Haben Sie Reklamemarken?" 
Obgleich ich bereits ein Plakat mit der Aufschrift: „Hier 
gibt es keine Reklamemarken", an meiner Ladentür be 
festigt habe, so werde ich dennoch auf die angegebene Art 
fortgesetzt belästigt. Zu dreien und mehr kommen die 
kleinen Quälgeister mit der bezeichneten Frage ins Geschäft, 
ganz gleich, ob Kunden da sind oder nicht. Es wird Zeit, 
daß die Schule angeht und die Kinder vom Lehrer ernstlich 
- vermahnt werden, diesen Unfug zrr unterlassen. Einsichtige 
Geschäftsleute sollten überhaupt den wertlosen Plunder ab 
schaffen, der für andere aus die angegebene Weise zur Plage 
• geworden ist. 
o Jur Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Bennigsenstr. 7 bclegene, ans den Namen des Kaufmanns 
Adolf Bank zu Berlin-Schöneborg. Bayerischer Platz, ein 
getragene Grundstück am 8. Oktober 1913, Bonn. 10 Uhr, 
versteigert werden. Das Grundstück ist mit einem jähr- 
Nutzungswert von 13 000 M./zu 504 M. jährlicher Gc- 
bäudestener veranlagt. 
o Den Spitzbuben leicht gemacht hatten es die 
Inhaber einer im Erdgeschoß des Hauses Sieglindestr. 2 bo- 
legenen Wohnung. Sie ließen des Nachts die Fenster des 
' neben ihrer Schlafstube liegenden Wohnzimmers offen. Diese 
günstige Gelegenheit benutzten Diebe, um in die Wohnung 
einzusteigen und eine auf dem Tisch liegende Uhr zu entwenden. 
— Ein ähnlicher Diebstahl hat sich in der vorigen Woche 
schon im Südmestkorso ereignet. Auch hier stiegen die Diebe 
durch ein offengelassenes Fenster in die Wohnung und 
stahlen Schmucksachen. 
o Achtung. Die Brötchcndiebe sind wieder am Werk. 
Gestern wurden in der Wilhelinstraße, heute in dcr 
Stubenrauchstraße die Frühstücksbeutel gestohlen. In letzterem 
: Falle nach 6 Uhr früh. Also aufgepaßt! 
o Diebstahl. Aus dem^' Lagerkeller des Spediteurs 
Willi Hermann, hier, Varziner Str. 12, wurden kürzlich 
440 Stück grüne, mit Lack gefüllte Kannen im Gesaintwerte 
von etwa 3000 M. gestohlen. Auf ihre Wicderbeschasfimg 
ist eine Belohnung von 100 M. ausgesetzt worden. Die 
' Kannen trugen auf einem Etikett die Firma „Paul Zech, 
Paul Dnpont u. Co.", Hoboken. 
o Die Kinder im Schöneberger Polizeipräsidium 
l ausgesetzt. Einem Schöneberger Kaufmann, der an: letzten 
? Freitag auf dem Schöneberger Polizeipräsidium längere 
Zeit zn tun hatte, traten, als er das Gebäude verlassen, 
wollte, drei kleine, hübsche, sehr sauber und nett gekleidete 
Mädchen entgegen, die er schon beim Betreten des Hauses 
auf einer Bank hatte sitzen sehen. Das größte der Kinder 
hielt dem Kaufmann einen Brief entgegen, den dieser ent 
gegennahm und öffnete. Das, Köln, 10. Juli 1913, 
datierte Schreiben hatte folgenden Wortlaut: 
„Sehr geehrte Frau Braun! Zu Ihrem Erstaunen muß ich 
Ihnen mit zitternden Händen schreiben, daß mich meine Frau seit 
dem 10. Juli verlassen und bis jetzt nichts von sich hat hören lassen. 
Ich weiß nicht, was ich Wahnsinniger machen svll. Ich laufe wie 
ein Irrsinniger umher und kann 'mein Geschäft allein nicht ver 
sehen. Sie hat mich direkt zugrunbet gerichtet. Ich wollte Sic 
bitten, meinen lieben Kinderchen kein Leid zu tun und sic zu 
Augenblick kann ich cs Ihnen nicht erklären. Und ich bin 
natürlich auch nicht in der Lage, Ihnen sofort die Papiere 
zu geben; erhalten aber sollen Sie sie — dafür' will ich mich 
verbürgen. Ich muß sie zurückerhalten um jeden Preis; 
und ich glaube auch zu wissen, ivie ich sie erlangeir kann. 
Unsere Feinde sollen keine Freude haben an dem Sieg, den 
sie heute über mich errungen." 
Lechmere zog den Prinzen ganz nahe zu sich heran, und 
er brachte seinen Mund unmittelbar an das Ohr des anderen, 
um ihm zuzuflüstern: 
„Sie haben gehört, was diese Frau gesprochen? — Nun, 
was sie auch immer vorhaben und wie ihr Plan beschaffen 
sein mag, alles muß davor zurückstehen, daß wir sie verhindern, 
ihr Vorhaben zur Ausführung zu bringen. Sie darf morgen 
vormittag das Charing Croß Hospital nicht betreten. Meine 
Erfindungsgabe läßt mich jetzt völlig im Stich — gegenwärtig 
weiß ich iricht, ivie wir das ansangen sollen. Sie wissen 
ja recht wohl, weswegen die Sacns nicht in das Krankenhaus 
gelangen darf; und ich bitt gegenwärtig ganz auf Ihren Witz 
und Geist angewiesen. Wenn Sie keinen Rat haben — —- 
.. „Wenn wir sie nur finden könnten!* stieß die Gräfin 
zwischen den Zähnen hervor. „Ah — wenn wir sie nur 
hätten! Ich wollle meine Gegner vernichten, ihrer über 
großen Klugheit und Schlauheit zum Trotz. Geschickt sind 
sie — das gebe ich ohne weiteres zu. Die Art, wie sie bisher 
alle meine Pläne, so sein sie auch angelegt waren, zunichte 
zu machen wußten, nötigt mir selbst Bewunderung ab. Doch 
sie tollen m mir eine Gegnerin gefunden haben, die ihnen 
ebenbürtig ill. Ich will und ich werde Siegerin bleiben, ick 
werde nicht eher ruhen und rasten, als bis ich mein Zieh 
erreicht. — Das nächste, was ich zu tun habe, ist, daß ich 
morgen früh das Charing Croß Hospital aufsuche." 
„Das Charing Croß Hospital?" fragte Hunt Verständnis- 
w3, „Ja, um alles in der Welt, was rvollen Sie denn da?" 
«Was ich da will? — Sie sollen es erfahren, mein 
lieber, verlassen Eie sich daraus — nur jetzt, in diesem 
(zor-jetzung ,01gi.)
        
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