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Periodical volume Nr. 176, 29.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Wasserbecken zu. war mit Rasen angelegt, in dem sich ein etwa 
1V 2 Meter breiter Streifen, bepflanzt mit Polargoninm 
Meteor, rund um das Masserbecken herum, hinzog. Der 
Effekt dieser au und für sich außerordentlich einfachen An 
lage ist mit Worten nicht zu schildern. Man muß das in 
Wirklichkeit gesehen haben, da bei ruhiger Wasserfläche durch 
die Spiegelung der Reiz des Bildes noch erhöht wurde. 
Einen besonderen Anziehungspunkt übten sodann auf 
das Publikum die historischen sowie die Sondergärten aus. 
Wenn auf den verschiedensten Ausstellungen die letzteren in 
der Regel vertreten sind, so ivarcn die historischen Gärten 
immerhin für manchen Fachmann etwas Neues. Als 
ältester kam der Karvlingergqrteu in Betracht, der nach 
einem um das Jahr 820 n. Chr. angefertigten Plane, der 
heute noch in der Stiftsbibliothek von St. Gallen auf 
bewahrt wird, ausgeführt worden war und einen unschätz 
baren Einblick in die Anlage damaliger Gärten gewährte. Das 
Burggärtchen am Rhein von 1410 zeigt uns, wie nach 
dem Ideal der eleganten Welt zu damaliger Zeit die Garten 
kunst zur Anwendung gelaugte. Der Garten des 
Laurentius Scholz von Rosenau, 1588, zeigt uns den 
ersten botanischen Garten nach italienischem Muster, wie er 
von dem vielgereisten und zu damaliger Zeit hochangeseheueu 
Arzt Laurentius Scholz in Breslau eingerichtet wurde, 
„Gott zum Lob, dem Vaterland zur Ehre, den Freunden 
zum Dank, sich selbst zur Erholung." Die Aufteilung war 
durch sich kreuzende Wege eine regelmäßige. Von den vier 
Quartieren war eins den Zwiebelgewächsen gewidmet. Ein 
anderes mit Rosen bepflanzt, die schon in ziemlicher An 
zahl vorhanden waren. Stauden und Kräuter, sowohl ein 
heimische wie fremde, darunter die ersten Kartoffeln und 
der Tabak, waren wiederum auf einem Quartier besonders 
vereinigt, während auf einem anderen die verschiedensten . 
Bäume aufgepflanzt waren. Der „Belvederegarten" 
um 1600 stellte ein für italienische Paläste streng architek 
tonisch angelegte Gartcnanlage mit geraden Wegen, Rasen 
flächen, Wnsscrbassin und regelmäßiger Bepflanzung dar. 
'Da meist Terrassenbauten mit derartigen Anlagen verknüpft 
waren, so war ebenfalls dieser Anlage ein terasseuförmiges 
(Gebäude vorgelagert, ivelches als Restaurant eingerichtet 
war und von dem aus man einen reizvollen Blick auf die 
gesamte Ausstellung hatte. Ein bürgerlicher Barock- 
garten um 1700 versetzte uns in die damalige Zeit der 
Nürnberger Patriziergärten. Hier sehen mir Ligusterhecken, 
verschnörkelte und mit Burbaum eingefaßte Beete, mit 
Schlingpflanzen überzogene Lauben und Spalier. Daß der 
Wohlstand sich auf bedeutender Höhe befand, beweist die 
reichliche Verwendung von Statuen, Obelisken aus Latten 
werk. Selten fehlte die Sonnenuhr, desgleichen bei größeren 
Anlagen der Irrgarten. Sehr reichhaltig und bunt war 
der Blumenschmuck, der bereits viele Neueiuführungen barg, 
ivas die zur damaligen Zeit emporblühende Seeschiffahrt 
mit sich brachte. (Schluß folgt.) 
£ohales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
0 .Keine 'Aufhebung der Hnndesperre. Jur omt- 
lichcn Teile dieser Nuininer wird eine neue Polizci- 
vcrvrduuug des Regierungspräsidenten über die Hunde- und 
Katzcusperre veröffentlicht, die aber nicht die erwartete Auf 
hebung der Sperre, sondern nur eine Milderung bringt. 
Darnach sind sämtliche Hunde und Katzen, auch wenn sie 
erst nach Anordnung der Sperre in den Bezirk eingeführt 
werden, bis auf weiteres festzulegen (anzuketten oder einzu 
sperren). Der Festlegung gleichzuachlen ist es, wenn die 
Hunde unter gewissenhafter Uebcrmachung mit einem sicheren 
Maulkorb versehen frei laufen. — Der Leiueuzwang 
ist demnach aufgehoben, doch bleibt der Maulkorbzwang 
auch ferner bestehen. 
0 Die Flcischpreise steigen wieder. Nach der vom 
Statistischen Landesamt veröffentlichten Uebersicht haben sich 
in der ersten Hälfte des Juli die Preise für sämtliche 
Fleischsortcu im Durchschnitt von 58 Marktorten Preußens 
erhöht. Rindfleisch kostete im Kleinhandel für das Kilo 
180,1 Pf. gegen 170,8 Pf. im Juni und 182,4 Pf. im 
Weile noch währte das Geplänkel, ehe sie in ihrer Erzählung 
soufahren konnte. Prinz Peretori stand ivie ans glühende» 
Kohlen. 
„Und Tu sagst, daß Tn tausend Psnnd für die Papiere 
bekommen wirst 2" fragte Robcrr endlich, und seine Augen 
glänzten vor Gier, da er sich als Besitzer einer solchen Summe 
dachte. 
„Ja! — An dem ganzen Benehmen der Gräfin, au 
ihrer ungeheuren Aufregung habe ich ivohl bemerkt, von wie 
großer Wichtigkeit diese Papiere für sic sind. Ich werde —• 
Himmel! Was ist das?" 
Tie elektrische Hausglocke schlug schrill an; jemand mußte 
heftig an dem Klingelgrisf gerissen haben. Robert sprang auf 
und machte Miene, eiligst zu entfliehen; Annette hielt ihn 
jedoch zurück. 
„Nein, gehe noch nicht," flüsterte sic ihm zu. „Ich werde 
hinuntergehen und sehen, wer da noch so spät kommt. Wahr 
scheinlich ist cs nur ein Telegramm, die Gräün erhält oft 
noch in der Nacht welche. Bleibe i> dessen hier und verhalte 
Dich ganz ruhig, lösche außerdem das Licht ans. Wenn 
man mich fragen sollte, weshalb ich zu dieser Stunde noch 
angekleidet bin, so sage ich einfach, daß ich vor Aufregung 
über die Ereignisse am Nachmittag nicht hätte schlafen können. 
Und nun — verhalte Tich ruhig!" 
Sie huschte behende hinans, und Robert drehte das 
elektrische Licht ab. Prinz Pecetori schlich sich auf den Fuß 
spitzen zu der Tür, die auf den Flur hinausführte. Er sah, 
ivie Annette die elektrischen Lampen in dem Vestibül auf 
leuchten ließ incd dann zur Haustür hinunter ging, die sie 
ossnete. Furcht kannte das zierliche Gcschöpfchen offenbar nicht. 
Perctori konnte nicht sehen, wer der Eiulaßbegehrende war. 
Er hörte nur eine männliche Stimme sagen: 
„Ihre Herrin — ich muß Ihre Herrin sogleich sprechen! 
Benachrichtigen Sie sie auf der Stelle." 
.Aber die Frau Gräfin hat sich schon lange zur Ruhe 
begeben," erwiderte Annette, „und ich darf sie nicht stören. Sie 
Bläst " 
„So müssen Sie sie wecken," lautete die barsche Ant 
wort. „Roch einmal: ich »ins; sie unbedingt sprechen, und zwar 
; gleich. Es hat gar keinen Zweck, mein tleincs Auiuleii', daß 
Juli 1912. Kalbfleisch stellte sich auf 201,3 Pf. gegen 
201.1 Pf. im Vormonat und 196,4 Pf. im Vorjahr. 
Hammelfleisch stieg von 201,8 Pf., im Juni auf 202,0 Pf. 
und ist jetzt um 13,5 Pf. für das Kg. teurer als im Juli 
1912. Auch der Preis des Schweinefleisches zog etwas an, 
indem er 164,6 Pf. gegen 164,3 Pf. im Juni d. Js. und 
103,7 Pf. im Juli 1912 betrug. Roßfleisch kostete 91,2 Pf. 
gegen 91,1 Pf. und 79,5 Pf. im Vormonat und Vorjahr. 
Schweineschinken im ganzen hatte einen Preis von 270,5 
(269,7 und 256,8) Pf. und im Aufschnitt von 378,5 (377,7 
und 354,4) Pf. Schweinespeck von 192,1 (192,4 und 
184,1) Pf. Inländisches Schweineschmalz stellte sich auf 
186.1 Pf. gegen 186,9 Pf. im Vormonat und ausländisches 
auf 144,7 Pf. gegen 144,3 Pf., war also das einzige dieser 
Lebensmittel, das billiger war als im Juni. 
o Zur Einführung in die neuen Steuergesetze 
(Wehrbeitrag und Vermögenszuwachssteuer) und zur Auf- 
kläruug von Zweifelsfragen beabsichtigen die Aeltesten der 
Kaufmannschaft von Berlin, namentlich für die Mitglieder 
der Korporation der Kaufmannschaft, Vorträge zu ver 
anstalten. Zur Mitwirkung hierbei sind sachverständige Mit 
glieder der zuständigen Staats- und Steuerbehörden in 
Aussicht genommen. Es wird auf diesein Wege möglich 
sein, die vielfachen Zweifel zu beseitigen, die in den 
weitesten Kreisen über die Befolgung der gesetzlichen Vor 
schriften bestehen. Die Vorträge werden im Oktober und 
November in den Räumen der Handels-Hochschule Berlin 
stattfinden. 
0 Eine Verordnung gegen die Presse. Wir er 
fahren, daß der Oberbürgermeister von Wilmersdorf, der 
erst vor kurzem durch seine Sparsamkeits-Verfügung die 
Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich zog, eine neue 
seltsame Verordnung erlassen hat. Er hat sämtlichen Dienst 
stellen durch diese Verordnung verboten, dem Amtsblatt, der 
„Wiliu. Ztg.", irgend welche Auskünfte zu erteilen. Diese 
Verordnung erstreckt sich sogar auf das für den Verkehr mit 
der Presse bestimmte „Städtische Nachrichten-Amt". Diese 
eigenartig anmutende Verordnung ist veranlaßt durch einen 
im Amtsblatt erschienenen Artikel „Sozialpolitische Ge 
dankenlosigkeit", in dem die städtische Schüler-Speisung in 
ihrer Einrichtung als ganz unvollkommen kritisiert und der 
vorbildlichen Berliner Schülerspeisung gegenüber gestellt 
wurde. — Der Wilmersdorfer Oberbürgermeister hat mit 
dieser Verordnung übrigens einen Vorgänger in dem 
Bürgermeister von Friedenau, der ein ähnliches Verbot 
schon vor einigen Jahren an sämtliche Dienststellen der 
hiesigen Vewaltung gerichtet hat. 
v Es regnet wieder! Den beiden prächtigen Sonnen 
tagen vom Sonntag und Montag, ist heute mit jähem 
Wechsel ein. düsterer Regentag gefolgt mit stürmischen nordwest 
lichen Winden, die auch eine erhebliche Abkühlung zur Folge 
hatten. Die endliche Hoffnung auf besseres Wetter scheint 
sich darnach doch nicht so schnell vollziehen zu wollen. 
Allerdings lauten die Nachrichten der Wetterkundigen auch 
ferner günstig, so daß wir annehmen können,' daß |bic heutige 
feuchte und kühle Witterung sehr bald wieder von einem 
warmen heiteren Wetter abgelöst wird. 
0 Gemeindebaurat oder nicht'? Diese Frage — so 
wird uns geschrieben — beschäftigt nach dem gefällten Urteil 
des Oberverwallungsgerichts weiteste Kreise. Die Frage 
selbst, ob eine Gemeinde ihren Bauamtsvorsteher resp. 
Gemeindebaumeister den Bauratstitel verleihen kann, ist 
schon lange entschieden. Eine Landgemeinde hat nicht das 
Recht, „Ratstitel" für Gemeindebeamte vorzuschlagen, nur 
Städten ist dieses Recht eingeräumt. Auf die Frage, wes 
halb gestattet man dennoch die Führung dieses Titels? 
antwortete mir einmal der verstorbene Berliner Polizei 
präsident von Slubenrauch, als er noch Landrat des Kreises 
Teltow war: „Dieses stillschweigende Eewährenlassen hat 
seinen Grund darin, daß man verdienten Bauräten, die 
diesen Titel im Dienst einer Stadt erworben haben, aber 
aus irgend einem Grunde in den Dienst einer Land 
gemeinde getreten sind, den Ratstitel nicht wieder aberkennen 
wollte, zudem cs schlecht klingen würde, zu sagen: Herr 
Gemeindebaumeister, Baurat a. D. Es wäre das das 
Gegenteil von Avancement. Jedem neugebackenen Regierungs 
Sie erp tauge Widerceden mache». Melden Sie der Frau 
Gräfin, das; Mister Hunt — incifou Cie sich gut: Allster 
Hunt vom „Merkur", falls Sie meinen Nameti nicht genau 
behalten sollten — sie zn sprechen wünscht, und^Sie werden 
sehen, daß die Gnädige >Lie wegen der jpäte» Ltöruilg nicht 
tadelt." 
40. Kapitel. 
Perctori war sich darüber klar, daß er seiner Geistesgegen 
wart niemals mehr bedurft hatte als in diesem Augenblick. 
Er mußte in Erfahrung bringen, was den Amerikaner her 
führte, ohne andererseits gesehen zu iverdcn. Tas schien 
beinahe unmöglich — und jedenfalls tonnte er cs nicht allein 
ausführen. 
Da erinnerte er sich, daß er einmal hier das Telephon 
benutzt hatte. Es befand sich in einem kleinen, eigens zu 
diesem Zweck bestimmten Zimmer auf dem gleichen Flur. 
Tie Tür war dick gepolstert, damit keine störenden Geräusche 
den Sprechenden,belästigen konnten; ebensowenig aber konnte 
er, wenn er nicht zu laut sprach, infolgedessen von draußen ge 
hört iverdcn. Mit einiger Geschicklichkeit mußte cs ihm 
gelingen, Lcchmere auf diese Weise zn benachrichtigen. 
Einen Augenblick lang war er darüber im ungewissen, 
wo Lcchmere sich gegenwärtig aufhalten mochte. Tann aber 
sagte er sich, daß cs am besten sei, wenn er bei der Königin 
von Astorien anklingelte. Wenn sich Lcchmere nicht dort 
befand, so würde doch die Königin jedenfalls wissen, wo er 
sich aushielt. 
Tas Glück begünstigte ihn, denn der Gewünschte trat 
ja selbst an den 'Apparat. In kurzen, geflüsterten Worten 
forderte er ihn aus, sogleich zn kommen; dann hängte er den 
Hörer an, läutete ab und ossnete wieder leise die Tür der 
Kammer, um zn hören, was draußen vorging. Hier glaubte 
er sich ja hinreichend in Sicherheit. 
Soeben kam Annette wieder die Treppe herab, die zn 
den oberen Gemächern führte. Sie machte ein höchst bestürztes 
Gesicht und war offenbar durch irgend etivas in Schrecken 
versetzt tvorden. 
Hunt hatte sie ungeduldig erwartet: nun trat er, ohne 
baumeister den Ratstitel zu verleihen, halte ich für Unfug." 
So der Landrat von Stubenraiich. 
0 Falsches Geld. In letzter Zeit werden wieder 
falsche Ein- und Zweimarkstücke in Umlauf gesetzt. Es hat 
den Anschein, als würden die Falsifikale in der gleichen 
Falschiuüuzerwerkstätte geprägt. Sie tragen die Jahreszahl 
1908 und das Münzzeichen A. Mit Vorliebe werden die 
falschen Geldstiicke auf Wochenmärkten ausgegeben. Auch 
auf Postämtern sind sie wiederholt aufgetaucht. 
0 Das neue Aquarium im Zoologischen Garten wird 
in einigen Wochen eröffnringsfähig sein. Die Bilder und 
Reliefs von Sauriern an der Straßen und Gartenseite sind 
insgesamt eingesetzt. Das Treppenhaus mit seinen Wand- 
jtub Glasmalereien und seinem Mosaikschmuck ist ferlig. 
Auch ein großer Teil der Wasserbecken ist in dem Felsen- 
ausbau bereits so weil gediehen, daß die künftigen Bewohner 
einrücken können, sobald sie den telegraphischen Befehl dazu 
erhalten. — Das Jnsektarium, eine für Berlin ganz neue 
Einrichtung, geht gleichfalls rasch seiner Vollendung ent 
gegen. Große Anziehungskraft dürften hier die Bienenstöcke 
ausüben. In äußerst sinnreicher Weise sind die Bienen 
auf der vom Fenster unter Glas hergeführten Bahn und 
— zwischen zwei Glasscheiben — beim Wabenbau zu 
beobachten, ohne daß eine Biene dem Beschauer innerhalb 
des Hauses gefährlich werden kaun. Tie Tiere verlassen 
durch das im Fenster ausgesparte Loch ihren Bau ganz 
unbehindert und fliegen sehr weit weg, um Honig zu sammeln 
und dann wieder zurückzukehren. 
0 Freier Schülertag in der Treptow-Sternwarte. 
Bei dem großen Anklang, welchen die freien Schiilertage 
gefunden haben, hat die Direktion der Treptow-Sternwarle 
für Donnerstag, dem 31. Juli, Nachmittags 6 Uhr eine 
Sondervorstellung angesetzt, in welcher der Film „Aus 
fernen Landen" mit erklärendem Bortrag vorgeführt wird. 
Zu diesem Bortrag hat jceder Erwachsene das Recht ein 
Kind unter 14 Jahren einzuführen. 
0 Das Biofonthcater in der Rheinstraße 14, welches 
sich wegen seiner lebenswahren Bilder und vortrefflichen 
Bentilation stets des Besuches der besten Gescllschaflskreise 
Friedenaus erfreut, bringt von heute ab wieder ein neues 
unterhaltendes Programm zur Vorführung. Tie Kaiserlich 
Chinesische Porzellaumanufaklur in Kink-Fu-Schn hat Welt 
ruf, besonders durch ihre tausendjährige Eristenz. Ein 
spannendes Drama ist der Film: „Die beiden Landstreicher'. 
Ein ergreifendes Bild von der Landstraße zieht an uns 
vorüber, ein Bild ans den Tiefen des Lebens. „Im Wirbel 
des Schicksals" heißt der zweite Schlager, ein packendes 
Drama in 4 Akten. Die interessante Handlung spielt teils 
in Europa, teils im milden Westen Amerikas und hat einen 
versöhnlichen Schluß. Ali Mabul und sein Spiegel ist ein 
arabisches Märchen mit humvrvvllem Hintergrund. Echt 
orientalisch ist alles an diesem Bilde, das von Anfang bis 
Ende den Beschauer fesselt. Die Wochenrevue von Pathv 
fieres ist wieder sehr abwechslungsreich und zeigt Bilder 
mit Vorkommnissen der letzten Woche aus allen Ländem. 
Auch das Tonbild ist sehr nett. Die leiblichen Genüsse, 
welche das Büffet bietet sind bestens zn empfehlen. 
Garderobenablage ist frei. 
v Vom Botanischen Garten. Der neue Jahres 
bericht des Direktors des Botanischen Gartens in Dahlem, 
Geh. Oberregiernngsrat Dr. Adolf Englcr, meldet eine 
ganze Reihe von Neuerungen in dem schönen lehrreichen 
Garten. In den Freilandanlagen wurde im Banmgarlcn 
die Gattung der Obstbäume, „Prunus", neugruppiert und 
an allen Arten bedeutend vermehrt. In der spstematischen 
Abteilung wurde, außer den jedes Jahr notwendigen Ber- 
pflanzungen eine Abteilung für niedere Pflanzen neu an 
gelegt. In der biologisch-morphvlogischen Abteilung für 
niedere Pflanzen sind die Gruppen der Mutationen be 
deutend erweitert und zusammengestellt worden. Beträchtliche 
Verbesserungen in den Bodenverhältnissen sowie Neu- 
pflanzungen wurden in den verschiedenen Teilen der 
Geographischen Anlagen ausgeführt. Es sind da besonder- 
die Dorgebirgswaldpartien der nördlichen Kalkalpen mit der. 
ihnen eigentümlichen Arten bereichert worden. Auch ander 
alpinen Formationen fanden bei den verschiedenen Ab- 
noch eine besondere Achsorderung abzuwarten, in das yau- 
em — er erwartete anscheinend, sogleich zu der Gräfin ge 
führt zu werden. ' J 
Tie Zofe zuckte jedoch die Skchseln. 
„Ich kann Sie nicht zu der gnädigen Frau bringen — 
aus Ehr einfachen Gründen," sagte sie. „Sehen Sie, ich 
wollte heute der Frau Gräfin beim Auskleiden bchllflich 
sein wurde aber fortgeschickt. Ich hatte dann noch längere 
.QCit zu tun; ba§ ist auch der Grund, iveswegen Sie mid) 
»00)111 Kleibern fanden. Wie ich nun in das Schlaszinimer 
der Gnädigen kvmnle, ist sie gar nicht zur Ruhe gegangen.' 
„Abc- weshalb erzählen Sie mir denn das alles!" rief 
Hunt ärgerlich ans. „Ich habe wahrhaftig nicht soviel Zeit 
zu verlieren. Wenn Ihre Herrin meine Botschaft empfing, st 
13 c» doch viel angenehmer, ivcnn sie sich noch nicht niedcr- 
gclcgt hatte." ' 
r , ja Ihre Botschaft gar nicht cinpsangen/ 
lautete die 'Antwort. „Sie war iveder im Schlaszinimer, noeb 
un Voudoir, noch sonstwo — sie ist überhaupt nicht hier in 
Dame. Ich erinnere mich mm, daß die Hanslür niefct 
gefchlopen war, als ich Ihnen auf Ihr Läuten ossnete. «ik 
. alle Abend vom Hausmeister um eine bestimmte 
Zeit sorgfältig versperrt; cs muß also noch jciuaiid hinaus- 
jeül — und das ist niemand anders als die 
Gräfin gewesen." 
H'uUs Antwort war nicht gerade höflich, und Aiincltcs 
rpUgcn lullten sich mit Tränen. Eine zornige 'Röte färbte 
„Es scheint heute jederuiann zu gefallen, mich eine 
Lügnerin zu fchclten", sagte sie. „Nun, von Ihnen wcnigstciis 
brauche ich mir das iijcht bieten zu lassen. Sie mögen 
glauben, was ich g> s g; habe, oder Sie mögen es nicht 
glauben das ist nur je.,»; gleichgültig, mein Herr! Jedem 
falls aber habe ich nicht Lust, mich noch länger hier mit 
^v)ucu ju nutcrfjaUcu. -öittc, uct'Ictffcu Sic bciö \ wiNUl 
. ZNl Morgen wieder vorsprechen, so ivird die Gräfin 
jedenfalls da sein. Oder wünschen der Herr vielleicht hier 
zu warten? Dann werde ich einen Tjener wecken, daß ec 
' '■ "" Gesellschaft leinet." 
(Fonfeyung ,oigl.)
        
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