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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

jeden Vorteils, den sich die Ncichshanptstadt zu verschaffen 
denkt, seitens der Kreise und Vorvrtgcmeinden, ist eine 
ungesunde Politik, die schließlich einmal auch auf die Kreise 
und Vororte zurückschlagen muß. Das Gerechtigkeitsgefühl 
sollte in all diesen Fragen mehr zum Durchbruch kommen. 
Man sollte dem Nachbar das, was ihm nach allgemeinen 
Anschauungen gehört, auch zugestehen und ihm nicht fort 
gesetzt Kniittel zwischen die Beine werfen. Wenn auch die 
Selbstverwaltung der Einzelgemeinden für diese von großem 
Vorteil gewesen ist, so kann doch nichts mehr erwünscht sein, 
als ein enger Zusammenschluß aller Berliner Gemeinden in 
ein einheitliches Großberlin. Nur dadurch kMn auch in 
Zukunft Ersprießliches, alle Teile gleichmäßig Befriedigendes 
geleistet werden. Der Zweckverband, der 25 Jahre zu spät 
ins Leben getreten ist, kann hierin nicht mehr viel schassen 
und wir glauben auch, daß seine Existenz keine gesicherte 
ist. Geht es nicht mit einer Eingemeindung in großem 
Stil, so wäre die Provinz Großberlin das gegebene. Die 
ganz verschiedenartigen Interessen, wie sie in den Kreisen 
Teltow und Niedcrbarnim einerseits und den Stadt- 
gemeindeu Großberlins andrerseits bestehen, müssen immer 
wieder zu Reibepunkten führen. Ein einheitlich verwaltetes 
Großberlin dagegen kann sich freier entfalten und in den 
Berührungspunkten Ausgleiche herbeiführen. Die Achtung 
und die Dankbarkeit ihrer „Mutter" Berlin gegenüber sollten 
die Vvrortgenrcinden nie verlernen. M. 8. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Unsere Straßenbäume erfreuen sich, da sie bewässert 
werden, eines guten Aussehens. Ganz erbärmlich sehen aber 
die Bäume in den Straßen unserer Nachbarstadt Schönebcrg 
aus. Man vergleiche das Bild der Rheinstraße mit dem 
der Hauptstraße, dünn wird man die Grenze sofort erkennen. 
Trostlos gelb und verwelkt sieht der „Schmuck" der Haupt 
straße aus, während unsere anfangs mit Hohn betrachteten 
„Palmen" sich prachtvoll im schönsten Blätterkleide präsen 
tieren. Anzuerkennen sind auch die Bestrebungen von Steglitz, 
die dahin gehen, das'''Straßenbild zu verschönern. Die 
Schmuckplätze zeigen dort gegenwärtig einen Blumenflor, 
wie man ihn selten in einem Berliner Vorort antrifft. 
o Aufgaben der Gemeindeverwaltung im .Kampfe 
gegen die Tuberkulose. Die hiesige Fürsorgestelle für 
Tuberkulöse ist bekanntlich mit dem 1. April d. I. aus der 
Verwaltung des Vereins zur Bekämpfung der Tuberkulose, 
die später aufgelöst wurde, in die Verwaltung der Gemeinde 
übergegangen. In der letzten Hnuptversamnilung des 
deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose 
sprach Bürgermeister Dr. Thode-Stettin über die „Aufgaben 
der Stadtverwaltung im Kampfe gegen die Tuberkulose". 
Die Selbstverwaltung gestattet den Städten eine vielseitige 
Gestaltung ihrer Nerwaltungsarbcit und Anpassung an neue 
und besonders geartete Bedürfnisse. So sind sie auch in 
der Lage, in den Kampf gegen die Tuberkulose einzutreten. 
Nach der Bedeutung der Tuberkulose für die Einwohnerschaft 
müssen sogar die Städte die Führung übernehmen und 
dürfen .diese., nicht den Vereinen überlassen. .Diese sollen 
keineswegs ausgeschaltet werden, aber cs ist für organisches 
Zusammenarbeiten und für kommunale Ergänzung von 
Lücken zu sorgen. Freilich hat man bisher vielfach den 
großen Fehler gemacht, diesen Zweig der Fürsorge als eine 
Aufgabe der Armenvcrwaltnng hinzustellen. Die Kreise der 
Tuberkulosebekämpfung und der Armensiirsorge scheiden sich, 
aber sie decken sich nicht, infolgedessen sind besondere 
kommunale Tnbcrkulosedczernnte zu schaffen. Im einzelnen 
fordert Redner die Schaffung koinmunalcr Tuberkulose- 
krankenhäuser, für die aus Heilstätten Entlassenen, Arbcits- 
vermittlnng und -beschaffung, Wohnungsfürsorge, Kindcr- 
fürsorge. Es sei nötig, daß das Zentralkomitee eine Denk 
schrift ausarbeite, diese den Städten übersende,- und daß der 
Deutsche Städtetag sich eingehend mit ihrem Inhalt befasse. 
Stadtrat Rabnow-Schöueberg konnte hervorheben, daß in 
Schöneberg und Charlottenburg alle Forderungen des 
Redners erfüllt sind. Dort ist die Tuberkulosebekämpfung 
eine städtische Angelegenheit, sie gehört nicht zur Armen 
pflege, sie umfaßt Kinder-, Anstalts-, Wohnungs-, Nahrungs- 
siirsvrge. Aus vielen anderen Städten wurden dann noch 
interessante Einzelheiten berichtet. In Stettin vermittelt 
die Stadt von ihrem Landbesitz zu billigem Preise Garten 
kolonien, die vielen Kranken und Gefährdeten bei Tag und 
Nacht Freiluftaufenthalt ermöglichen. Es arbeitet aber die 
Eigentnmsdepntation gleichmäßig mit Armen- und Gesund 
heitsverwaltung zusammen. Aus Halberstadt wurde über 
städtische Arbeitsgelegenheiten berichtet. May - München 
erwähnte, daß in dem kleinen Schrvbenhausen, der Gebnrts- 
stadt Lenbachs, ein Gemeindewohnhaus für Tuberkulöse 
errichtet sei. Köhler-Holsterhausen erwähnte, daß in den 
sieben Ruhrkreisen von allen Einwohnern eine Kopfsteuer 
von je 2 Pfg. für Zwecke der Tuberkulosebekämpfung er 
hoben wird. Pütter sprach über den Einfluß der Tuberkulose- 
fiirsorgestellen in Berlin. 
o Die Teltowcr Äreisschiffahrt hat sich in dem bis 
herigen Verlaufe ihrer diesjährigen Arbeitssaison eines be 
sonders lebhaften Aufschwunges zu erfreuen. Sowohl bei 
den fahrplanmäßigen Feriendampfern wie auch bei den 
Sonderfahrten durch Schulen, Gesellschaften und Vereinen 
ist die Zahl der Teilnehmer eine stetig steigende. Wie be 
liebt u. a. die neueingerichteten Fahrten nach Potsdam und 
Umgegend (Montags und Freitags nach Ferch, Dienstag 
und Donnerstag nach Baumgartenbrück, Mittwochs und 
Sonnabends nach Krampnitz) sind, bezeugt die Wahr 
nehmung, daß für die Tagesfahrten selbst die neu einge 
stellten beiden großen Motorschiffe „Neukölln" und 
„Tempelhof" fast stets besetzt sind. Durch diese Fahrten 
wird den Bewohnern Großbcrlins eine ganz besonders 
günstige Gelegenheit geboten, die durch den Kanal er 
schlossenen märkischen Schönheiten in bequemer und billiger 
Weise kennen zu lernen. Um auch der Jugendpflege 
förderlich zu sein, werden nationalen Jugendorganisationen 
besonders billige Preise berechnet. 
1 * o Die Lage des Baugewerbes in Großberlin wird 
in dein soeben erschienenen Geschäftsbericht des Verbandes 
der Baugeschäfte als höchst unerfreulich geschildert. Seit 
dein Jahre 1007 sei der Umfang der geschäftlichen Tätig 
keit des Berliner Baugewerbes fast ständig zurückgegangen. 
Aeußcrc Umstände bewirkten, daß sich die Depression im 
Jahre 1912 zu einer Krisis auswuchs, wie sie die lebende 
Generation noch nicht durchgemacht hat. Das Grundstücks 
geschäft liegt so danieder, daß nur wenige Terraingesellschaften 
Verkäufe ausführen konnten, und die Baustoffindustrie hatte 
schlechte Geschäftsergebnisse zu verzeichnen. Von einer 
Spekulationsbautätigkeit ist kaum noch die Rede, da sich das 
Kapital in einem früher nicht gekannten Maße vom Bau 
markt zurückgezogen hat. Der Geldmangel und die allge 
meine Unsicherheit bewirkten eine ungewöhnliche Zurück 
haltung in den privaten Bauaufträgen. Auch die Behörden 
hatten sich eine fühlbare Beschränkung auferlegt, so daß auf 
dem gesamten Gebiet baugewerblicher Tätigkeit in Großberlin 
ein Mangel an Arbeitsgelegenheit vorhanden war, der die 
kleineren und mittleren Baugeschäfte empfindlich schädigte, 
der aber auch an den großen Baubetrieben nicht spurlos 
vorüberging. Auch in dieser bewegten Lage beivährte der 
Verband seine alte Festigkeit, und Kraft. Der Bericht gibt 
einen Einblick in die vielgestaltige Tätigkeit des Verbandes, 
der in kurzer Zeit sein eigenes Haus in der Köthener Str. 38 
beziehen wird. 
o Schenkung oder Verkauf? In einem Streitfall 
wegen Umsatzsteuer klagte Frau Anna Br. gegen den hiesigen 
Gemeindevorsteher vor dem Kreisausschuß. Der Kunstmaler 
Adolf Br., der Ehemann der Klägerin, war zur ideellen 
Hälfte Eigentümer zweier in Friedenau gelegenen Grundstücke. 
Er übereignetete diese Grundstückshälften seiner Ehefrau 
gegen Uebernahme der darauf lastenden Hypotheken. Wegen 
dieses Eigentumsmechsels wurde die Ehefrau zu 1840 M. Um- 
satzsteuer veranlagt. Im Vertrage wurde die Uebereignung 
zivar als Schenkung bezeichnet und nach § 9 der Friedenauer 
Stenerordnung sind Schenkungen unter Eheleuten nicht 
steuerpflichtig. Der Gemeindevorsteher ging jedoch von der 
Ansicht aus, daß hier keine Schenkung vorliege. Die Ehe 
frau hat im Jahre 1907 ihrem Manne 23 500 M. aus 
ihrem Vermögen gegeben und ihr Mann hat diese Summe 
seinem Schwager zum Bau der Häuser zur Verfügung ge 
stellt, wobei das Geld ans den Namen des Mannes ge 
schrieben wurde. Wenn jetzt die beiden Grimdstückshälsten 
der Frau übereignet wurden, so gelangte diese dainit nur 
in den Besitz des Gegenwertes für das ihrem Manne früher 
gegebene Geld. Die klagende Ehefrau verlangt Freistellung. 
Eie behauptet, daß eine Schenkung vorliege und will als 
solche den Gesamtwert der Grundstücke ohne Abzug der 
übernommenen Hypotheken angesehen wissen, llm dem Ein 
wand zu begegnen, daß die Ehefrau in Wirklichkeit doch nur 
den Gegenwert für das früher hergegebene Geld erhalten 
habe, weist der klägerische Vertreter aus § 1394 des BGB. 
hin, nach welchem die Frau etwaige Ansprüche, die ihr 
gegen den Mann zustehen, erst nach der Beendigung der 
Verwaltung und Nutznießung, d. h. nach Beendigung 
des gesetzlichen Güterstandes geltend machen kann. — 
Der Kreisausschuß hielt die Gegenargumente der Klägerin 
nicht für durchschlagend. Nach seiner Ansicht fehlte cs für 
die Annahme ciner.Schenkung sowohl ander notwendigen Be 
reicherung wie auch an der Unentgeltlichkeit; denn der Erfolg 
der Schenkung war für den Ehemann die Befreiung von 
seiner Verbindlichkeit. Die Klage wurde deshalb abgewiesen. 
Streitobjekt 1840 M. 
o Der „Gemeindebanrat" abgelehnt. Ein inter 
essanter Rechtsstreit ist jetzt endgültig entschieden worden. 
Es handelt sich dabei um die Frage, ob eine Gemeinde das 
Recht habe, selbständig ihrem leitenden Baubeamten den 
Titel „Gemeindebaurat" zu verleihen. Die Gemeindever 
tretung von Berlin-Treptow hatte vor längerer Zeit einen 
dahingehenden Beschluß gefaßt. Auf Anordnung der Auf 
sichtsbehörde beanstandete der Gemeindevorsteher diesen Be 
schluß, weil er die Befugnisse der Gemeindevertretung über 
schreite. Gegen die Beanstandung strengte die Gemeinde 
vertretung Klage im VerwaltungSstreitverfahrcn an. Der 
Kreisausschuß des Kreises Teltow entschied, daß die Ge 
meindevertretung das Rechts habe, den Titel Gemeinde 
baurat zu verleihen. Der Gemeindevorsteher legte hier 
gegen — wieder auf Anordnung der Aufsichtshehörde — 
Berufung ein. Der Bezirksausschuß zu Potsdanr als Be 
rufungsinstanz erblickte in der Verleihung des Titels Ge- 
meindebaurat einen Eingriff in die staatlichen Hoheits- 
rcchte und hob deshalb den Gemeindcbeschluß auf. Gegen 
diese Bestiminung legte die Gemeindevertretung Revision 
ein und machte u. a. geltend, daß in den meisten anderen 
Vororten die leitenden Baubeamten den Titel „Gemeinde 
baurat" führen, ohne daß bisher die Aufsichtsbehörden da 
gegen eingeschritten seien. Trotzdem hat das Oberver- 
waltungsöericht jetzt die Entscheidung des Bezirksausschusses 
zu Potsdam bestätigt. Treptow wird also keinen Gemeinde 
baurat erhalten. 
o Unsichere Zustände in der Nähe des Marktplatzes. 
Uns wird s geschrieben: Am Sonnabend Nacht gegen 1 / 2 14 
Uhr wurde ich Zeuge folgenden Vorganges; drei anscheinend 
bessere Herren wurden auf dem Marktplatz von einem Be 
trunkenen belästigt. Mit einem der Herren fing dieser 
Streit an, der in Tätlichkeiten ausartete. Nur durch das 
Dazwischentreten der beiden anderen Herren wurde weiteres 
Unheil vermieden, die Drei begaben sich hierauf nach, der 
Lauterstraße, wurden aber bald danach von einem anderen 
Herren darauf aufmerksam gemacht, daß sich dem Betrunkenen, 
eine Anzahl fragwürdiger Gestalten (ohne Schcinisett und 
Kragen) die aus denr Rathaus-Bauplatz kamen, zugesellt 
hätten. Die drei Herren wurden noch bis zur Rheinstraße 
verfolgt. Hier machten die Bursche», die cs offenbar auf 
einen Uebcrsall abgesehen hatten, kehrt und verschwanden 
wieder in der Lautcrstraße. 
v Erneuerung des Schildhvrn-Denkmals. Das 
altmärkische Denkmal Jaczos auf der Schildhornspitze an 
der Havel, welches schon vollständig in Zerfall geraten war, 
wird jetzt vom Verein der Freunde der Mark Brandenburg 
durch ein neues ersetzt werden. Die Umgebung soll Garten- 
anlagen erhalten. 
o Männer-Turnverein. Eine kombinierte Fanstbatl- 
Mannschast unseres Männer-Tnrnvereins besiegte gestern 
den diesjährigen Gaumcister Männer-Turnverein Zehlendorf 
mit 113:111 Punkten. Die zweite Mannschaft desselben 
Vereins unterlag den Friedcnauern mit 88:82 Punkten.^ 
o Verein der Fortschrittlichen Volkspartei für 
Friedenau und Umgegend. Am Mittwoch, dem 30. Juli, 
dem 75. Geburtstage Eugen Richters, wird der geschäfts- 
führende Ausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei Groß- 
Berlin Mittags 12 Uhr am Grabe deS verstorbenen Führers 
auf dem Luisenstädtischen Friedhof in der Bergmannstraße 
einen Kranz niederlegen, auch andere Parteivereine werden 
sich mit Kranz- und Blumenspenden beteiligen. Starke Be 
teiligung der Partcivereine an diesem Gedenkakte wird 
erwartet. 
o In der Quartalsversaunnlung der Tischler- 
ZwaugSinnnug wurden dem Tischler Robert Schneider, der 
40 Jahre hierdurch bei der Bautischlerei von A. Kühne 
(Inhaber F. Kühne), gegründet 1859, tätig ist, mancherlei 
Ehrungen erwiesen. In einer Ansprache hob der Ober 
meister die seltene Treue des wackern Mannes hervor, über 
brachte die Grüße der Handwerkskammer und gab dem 
Wunsche Ausdruck, daß der Gefeierte auch noch sein 50jähriges 
Jubiläum bei der Firma begehen möchte. Im Namen der 
Innung überreichte ihm der Obermeister dann eine silberne 
Fruchtschale. Die Firma hatte ihm eine goldene Uhr ge- 
ividinet. Bei den notwendig gewordenen Neuwahlen 
wurden einmütig wiedergewählt: Obermeister Lehmann 
(Steglitz) und dessen Stellvertreter Buchfinck (Zehlendorf), 
ebenso die Beisitzer des Schiedsgerichts Alb. Müller 
(Friedenau) und Stein (Lichterfelde). Es folgten mehrere 
Berichte. Die Jnnungsbeiträge wurden zum Ausgleich für 
den Schutzverband um 1 M. das Jahr erhöht. Die 
Innung zählt gegenwärtig 120. Mitglieder. 
o Die Flcischerittnung hielt eine ordentliche Wander- 
versammlung in Mariendorf. Der Vorsitzende gab Er 
läuterungen zu dem Angestelltcn-Versicherungsgesctz. Be 
schlossen wurde die Gründung einer Vergnügungskasse. Den 
demnächst stattfindenden Gcnossenschaftstag wird Obermeister 
Preuß besuchen. Der Innung, die gegenwärtig 106 Mit 
glieder zählt, sind zugeteilt die Orte Steglitz, Friedenau, 
Schmargendorf, Mariendorf und Tempelhof. Den Vorstand 
bilden die Kollegen Preuß (Obermeister), Fath (Stellver 
treter), Kühn (Kassierer), Hennig (Schriftführer) Dir (Beisitzer). 
o Rattenplage auf dem Turn- und Spielplatz. 
Wie uns mitgeteilt wird, hat die Rattenplage auf dem Turn- 
und Spielplatz am Maybachplatz derart zugenommen, daß 
sie nachgerade eine Gefahr gewbrdcn ist. Die Tierchen 
laufen am hellen Tage am Bahndamm umher und gefährden 
kleine Kinder, die sich jetzt während der Ferienzeit dort auf 
halten, von ihnen gebissen oder angefressen zu werden. 
Noch schlimmer sieht es in dem Holzgebäude, das die 
Umkleideräume der Turner enthält, ans. Ohne sich um die 
anwesenden Personen zu kümmern, gehen die Ratten in 
den Räumen spazieren. Hoffentlich veranlaßt dieser Hinweis 
unsere Gemeindeverwaltung zu energischen Maßnahmen, um 
die schlimmen Nager auszurotten. 
v Im Freibad Wauusce der .Kleider beraubt. Zwei 
junge Leute, aus Sachsen gebürtig, besuchten gestern das 
Freibad Wannfee. Wegen des starken Besuches anr gestrigen 
prächtigen Sommertage, wurden ihre Sachen in den Zelten 
nicht mehr angenommen. So kleideten sich die jungen 
Leute ün Freien aus und legten ihre Sachen am Strand 
nieder. Zuerst verabredeten sie, daß immer einer von ihnen 
die Sachen beaufsichtige, während der andere badete. 
Schließlich aber gingen sie doch beide gemeinsam ins Wasser, 
da der eine des anderen Bedenken mit den Worten „Berlin 
ist ehrlich", zu zerstreuen verstand. Als sie nach etwa 1 / 2 
Stunde Badens an die Stelle, wo sie ihre Kleider nieder 
gelegt hatten, zurückkehrten, fanden sie diese zu ihrem nicht 
geringen Schreck — leer. Spitzbuben hatten sich der 
Sachen bemächtigt und alles mitgenommen: Kleider, Schuhe, 
Strümpfe, Hüte und natürlich auch den Inhalt der Taschen. 
Die jungen Leute meldeten den Vorfall sofort den Bade 
meister, aber alles Suchen blieb vergeblich. Nach Schluß 
des Bades wurde nochmals alles abgesucht und hierbei 
fand inan in der Ecke eines abgelegenen Zeltes dem Stroh 
hut und die Schuhe des einen jungen Mannes wieder. Die 
anderen Sachen blieben verschwunden. Notdürftig mit 
Kleidungsstücken vom Badcpersonal versehen, gingen die Be 
stohlenen zu denr nächsten Fernsprecher, um ihren Ange 
hörigen Bescheid zu sagen und sie um Zusendung von 
Kleidungsstücken zu bitten. Drei Herren trafen denn auch 
spät Abends mit Kleidungsstücken im Freibad ein, wo sich 
nun die jungen Leute wieder einkleiden konnten. Gegen 
s / 4 12 Uhr Abends wurde von Nikolassee aus die Rückfahrt 
angetreten. Durch ulkige Redensarten suchten die Ucber- 
bringer der Kleidungsstücke den sehr niedergeschlagenen 
jungen Leuten eine heitere Ausfassung der Sache beizu 
bringen. 
o Ein Ziulmerbrand entstand heute Vormittag in denr 
Hause Sedanstraße 4 in Schönebcrg, bei dem ein Kind 
verletzt wurde. 
o Zusammenstoß. In der Kiclerstraße Ecke Düppcl- 
straße stießen Sonnabend Nachmittag gegen 4 Uhr ein 
Automobil und ein Brotwagen zusammen. Vom Brotwagen 
wurde die Deichselstange gebrochen und das Automobil 
erhielt Beschädigungen an der Motorhaube und den Schutz 
blechen. Personen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. 
v Zugzusammenstoß. Jtr der vergangenen Nacht um 
1 Uhr 36 Minuten fuhr auf Bahnhof Charlottenbnrg der 
einfahrende Nordringzng denr einfahrenden Südringzug in 
die Flanke. Der Nordringzug hatte das in Haltstellung 
befindliche Fahrsignal überfahren. Es wurde niemand 
verletzt. Der Materialschaden ist nicht erheblich. Der 
Betrieb erleidet durch den- Unfall keine Störung. 
Scbo.scbercj 
—o Dem Major a. D- Karl Klafft Hierselbst ist der 
Kgl. Kroncnorden 3. Klasse verliehen rvorden. 
—o In das Handelsregister wurden eingetragen bei 
Nr. 9358. Schöneberger Vertrievsgesellschaften für Neuheiten 
mit beschränkter Haftung: Hugo Silberstein ist nicht mehr 
Geschästssührer. Richard Woldmann, Gummiwarenhändl er
        
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