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Periodical volume Nr. 172, 24.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Anzahl kranker Mannschaften, die längs des Weges liegen 
blieben. 
Wieder an anderer Stelle lesen wir: 
War während der ersten zwei Wochen des Marsches 
die Kost noch halbwegs annehmbar, so wurde sie jetzt mit 
jedem Tag schlimmer. Die Folgen blieben aber auch nicht 
ans, denn eine Menge Leute wurde krank und marsch- 
unfähig. Sie mußten sich aber mit Aufbietung ihrer aller 
letzten Kräfte ans den Füßen halten und mitmarschieren, 
wollten sie nicht, daß sie entwaffnet und hilflos zurückge 
lassen wurden. Unser Hauptmann scheute sich nicht, solche 
marschunfähige Leute hinten an die Trainfuhrwcrke anbinden 
zu lassen. Die Folterqualen, die entkräftete oder mit 
wunden Füßen behaftete Leute durch solch gewaltsame Fort 
setzung des Marsches erdulden mußten, lassen sich von jedem 
Menschen nachfühlen. Unser Kompaniechef aber war solchen 
Gefühlen unzugänglich und ich glaube mit Recht annehmen 
zu dürfen, daß er eher zehn Legionäre hätte zugrunde 
gehen lassen, als einen seiner grausamen Befehle zurückzu 
nehmen. 
£okales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Steuerliches. In Friedenau ivird bekanntlich ein 
Zuschlag zur Einkommensteuer von l00 Proz., wie in 
Berlin und den meisten westlichen Vororten erhoben. Nach 
dem Verwaltungsbericht unserer Gemeinde für 1912 betrug 
die Steuerveranlagung im Vorjahre an Staatseinkommen- 
stcuer 1 097 837.60 M. (1911: 972 711,80 M.). Er- 
gänzungssteucr 137 928 M. (1911: 131 268,20 M.), Kreis 
betriebssteuer 2110 M. (1950 M.), zusammen 1 237 875 
Mark (1 105 930 M.); an GemeiNdceiukommeusteuer (ein 
schließlich Fvrensalsteuer) 766 812,95 M. (676 288 M.), 
Aetriebssteuer 2110 M. (1950 M.), Gewerbesteuer Klassen 
I—III: 41804,45 M. (41913 M.), Klasse IV 16 173 M. 
(14 364,50 M.), Grundwertsteuer 493 892.10 M. (495 994,05 
Mark), zusammen 'Gemeindesteuer 1 320 782,50 Mark 
(1230509,55 M.jStaats-, Kreis- und Gemeindesteuern insges.: 
2 558 609,10 M. (2 336 439.55 M.). An den Kreis hat 
die Gemeinde 1912 insgesamt 269 256,69 M. (248 855,65 
Mark) abgeführt. Die Kirchensteuern werden, unter Frei 
lassung der beiden untersten Steuerstufen, erhoben von der 
evangelischen Kirchengemeinde mit 12 °/ 0 , von der katholischen 
Kirchengemeinde bis zur Steuerstufe von 21 M. mit 20 °/ 0 , 
von der nächsten Steuerstufe ab 25 °/ 0 . Auf den Kopf der 
Bevölkerung entfielen im Vorjahre an Staatseiukommeu- 
steuer 29,47 M. (20,29 M.), an Gemeindesteuern 31,44 
Mark (39,83 9)1.), von der Gesamtsteuer 00,91 M. (60,12 
9)!ark). Es waren veranlagt zur Staatseiukommen- 
stcuer bei einem Einkommen von 900—3000 M. 8717 
(7388) Personen mit zusammen 207 322,60 M. (173 707,40 
Mark), von mehr als 3000 M. 4556 (4040) Personen 
mit zusammen 890 515 Mark (799 004,40 9)7.), zu 
sammen 13 272 (11 428) Personen mit 1 097 837,00 M. 
(972 711,80 9)7.); zur Ergänzungssteuer bei einem Ein 
kommen von 900—3000 9)7. 991 (915) Personen mit 
21 018 9)7. (17 135,20 9)7.), von mehr als 3000 9)7. 
2273 (2181) Personen mit 110 910 M. (114 133 M.), zu 
sammen 3264 (3096) Personen mit 137 928 9)7.) 
(131 269,20 M.). Zur fingierten Einkommensteuer von 
600—900 9)7. waren veranlagt 1083 (968) Personen mit 
4332 9)7. (3872 9)7.). Die Einkommen unter 600 M. 
werden seit dem 1. April 1899 nicht mehr besteuert. Das 
Aufkommen au Hundesteuer betrug 30 540 9)7. (22 000 9)7.) 
für 1218 (1100) Hunde. Die Umsatzsteuer brachte eine 
Einnahme von 154 000 M. (215 000 9)7.). Der Antrag 
des Gemeiudevorstandes an die Kreisoerwaltung wegen 
Nichterhebung der Kreisumsatzsteuer in Berlin-Friedenau 
wurde abgelehnt. Ebenso erfuhr ein Antrag, die Ein 
kommen von 420—600 M. von der Kreisbesteuerung frei 
zulassen, Ablehnung. 
o Schützt die Landschaft! so lautet ein soeben durch 
Flugblätter des „Sächsischen Heimatschutz" (Landesverein 
zur Pflege heimatlicher Natur, Kunst und Bauweise, e. V.) 
verbreiteter Aufruf, der gewiß auch außerhalb der Grenzen 
Sachsens Beachtung verdient. Es heißt darin: Schützt die 
Landschaft! Bedenkt, daß nach Euch noch viele kommen, die 
gleich Euch sich an der reinen unberiihrten Natur freuen 
mir diese Gunst ganz nnvcrdicntcrmaßcn zuteil wird. Ich 
habe gehandelt ivic ein Knabe, und ich werde selbstverständlich 
die Konsequenzen meines Tuns zu ziehen wissen." 
Er verneigte sich tief und niachte Miene, das Zimmer 
zu verlassen. 9)7it einem angstvollen Zuruf hielt ihn die 
Königin zurück. 
„Bleiben Sic!" gebot Sie. „Was Sie da reden, ist ja 
nur Unsinn. Sic machen die Sache damit nur schlimmer, 
Peretori! Cie haben mich in eine unangenehme Lage ge 
bracht, das gebe ich zu. Und Ihre Mannespflicht ist es, 
mir nun bcizustehcn, nicht aber, eine neue Dummheit zu be 
gehen. Wie wußten diese Leute nur, daß Sie in England 
waren?" 
„97>ir durch jene Wechsel, die ihnen ein tückischer Zufall 
in die Hände spielte. Ich war nach England gekommen in 
der festen Absicht, ein neues Leben zu beginnen. Ich hatte 
ein Mädchen liebgewonnen, das ich um jeden Preis zu meinem 
Weibe machen wollte. Solange ich nur Schulden halte und 
außer meiiccr Apanage nicht das geringste Einkommen, 
durste ich natürlich nicht daran denken, um sie zu werben. 
Ich kam nach London und fand hier in der Tat einen 
meinem Range angemessenen Posten. In dem Augenblick 
jedoch, wo ich mein glänzendes Leben, meine Pferde, meine 
kostspieligen Passionen aufgab, wurden auch meine Gläubiger 
mißtrauisch. Umsonst versicherte ich ihnen, daß ich cs nur 
getan hätte, um nach und nach meine Schulden bezahlen 
zu könnest, und daß sie sich deshalb noch ein wenig gedulden 
könnten. Sie vermutetest, daß ich bei Hofe in Ungnade gefallen 
sei, und drängten deshalb aus Bezahlung. Nur um zu erproben, 
in welchem Ansehen ich bei der Gesellschaft stand, bot einer 
von ihnen ein paar Wechsel der Gräfin Sacns an, der er Geld 
schuldete. Sie nahm sie ohne nicitcrcS; jetzt wissen wir ja, 
zu welchem Zweck" 
„Und ivas gedenken Sie nun zu tun?" fragte die Königin. 
Peretori richtete sich ans. 
„Ich weis; es noch nicht," sagte er. „Aber ich werde wieder 
gutmachen, was ich getan — daraus dürfen sich Eure Majestät 
wollest. Habt Ihr nicht selbst schon empfunden, wie häßlich 
es ist, wenn im Walde, sauf Wiesen und Wegen 
Butterbrotpapier, Eierschalen, Zigarettcnschachtcln, zerrissene 
Hüllen von Schokolade, Bombons usw. herumliegen? Habt 
Ihr noch nicht erlebt oder gehört, daß Barfüßige sich an 
den Scherben der Flaschen verletzt haben, welche übermütige 
und gedankenlose Ausfliigler zerschellten? Nehmt Euch vor, 
dies zu unterlassen, vielmehr alle Ueberreste, Papier, 
Schachteln, Flaschen mit nach Hause zu nehmen. Denkt 
auch nicht, die freie Natur sei nur dazu da, daß Ihr Euch 
austobt. Frohes anständiges Singen wird niemand tadeln; 
aber Schreien und Johlen zeugt von roher Gesinnung und 
ist besonders im Walde verwerflich, weil dadurch das Wild 
verscheucht und vertrieben wird. Lauft auch nicht in Ge 
treidefelder oder in Waldschonungen oder sonstigen An 
pflanzungen und Anlagen! Es ist ein Frevel, das Korn 
niederzutreten. Das Kornfeld, das unser täglich Brot er 
zeugt, sollte für jedermann ein Heiligtum sein; ein nieder 
getretenes Kornfeld ist eine Anklage, die zum Himmel 
schreit. Bedenkt auch: Wiesen sind keine Spielplätze, und 
wer sie als solche benutzt, setzt sich dem gerechten Zorne des 
Besitzers aus, denn das Gras ist als Viehfutter von hohem 
Wert und unentbehrlich. Mag sich der Einzelne auch noch 
so sehr in Acht nehmen, die Menge richtet doch großen 
Schaden an und zerstört, was der Besitzer sich und andern 
zur Freude schuf oder der Allgemeinheit zum Nutzen an 
legte. Auch das Einschneiden von Buchstaben in Bäume, 
Wände und Bänke, das Beschreiben von Denkmälern u. a. 
ist eine sinnlose und kindische Beschädigung fremden Eigen 
tums. Es gibt nur ein 9)7ittel, die Natur von ihren 
schlimmsten Feinden, gedankenlosen, unvernünftigen und 
grausamen 9)7enschen, zu schützen. Das ist Sclbsterziehung 
und Selbstzucht! Mache jeder den Anfang bei sich selber! 
Dann erhält er ein Recht, auch auf andere erzieherisch ein 
zuwirken! 
o Warnung vor dem Mieten von Wohnungen in 
Neubauten. Die Polizeibehörden warnen mit Rücksicht auf 
bevorstehende Mietsabschliisse davor, 917ietsverträge über 
Räume in neuerbnuten oder umgebauten Häusern für eine 
Zeit abzuschließen, zu der die von der Ausfertigung des 
Rohbauabnahmescheines ablaufende Frist von sechs Monaten 
für die Gebrauchsabnahmeprüfnug noch nicht verflossen ist, 
da nach den gesetzlichen Vorschriften die Behörden vor Ablauf 
dieser Frist das Beziehen der fraglichen Räume nicht ge 
statten können. Alle Polizeireviere in Berlin uud den Vor 
orten erteilen dem Publikum auf Anfragen über den 
voraussichtlichen Termin der Veziehbarkeit von Wohnungen 
in neuen oder umgebauten Gebäuden jederzeit unentgeltlich 
Auskunft. 
o Badeberbot. Soeben sind die ersten Plakate auf 
den Bahnhöfen Friedrichstraße, Grunewald und Stettiner 
Bahnhof erschienen, die das neue strenge Verbot des 
Badens an bestimmten Stellen in den Gewässern der Mark 
Brandenburg, wodurch in den letzten Tagen wiederum 
mehrere Personen in den Fluten utngekommen sind. ent 
halten. Laut Verfügung des Regierungspräsidenten in 
Potsdam wird den einzelnen Wasser- und forstfiskalischen 
Behörden besohlen, strenge Bestrafung für Uebcrtretungen 
eintreten zu lassen. Die Behörden sind darauf hingewiesen 
worden, jeden Fall unnachsichtig zur Anzeige zu bringen. 
Die bisherigen Polizeistrafen wurden von 15 auf 30 M. 
erhöht. 
o Eiste üble Stelle im schöllen Friedeitau. Man 
schreibt uns: Der gärtnerisch so gut angelegte und schön 
gehaltene Friedrich-Wilhelm-Platz, der im mittleren Teile 
auch den Kinderspielplatz umschließt, wird durch eine höchst 
unhtzgieuische und garadezu Aergeruis erregende Anlage ver 
unziert, nämlich durch die im wörtlichsten Sistire übelbe- 
rüchtigte Abortanlage auf der Ostseite des Platzes. Sie 
wurde schon vor Jahren jedem Vorübergehenden durch ihre 
Ausdünstungen lästig. Als dann später die neue Abort 
anlage auf der Westseite in sehr zweckmäßiger Weise an 
gelegt wurde, hörte man allseitig die Hoffnung aussprechen, 
daß die verrufene Anlage auf der Ostseite beseitigt oder 
ebenfalls zweckmäßig umgestaltet werden würde. Leider ist 
sie mit allen ihren hygienischen, ästhetischen uud selbst sitt 
lichen Bedrohlichkeiten stehen geblieben. Sie wird reichlich 
benutzt, unter anderem auch von vielen Fuhrwerksführcrn, 
die dort vorbeifahren. Und doch gemahnt der von ihr aus 
vcrlasseu! — Alan soll mich nicht einen Landesverräter ucuuen 
dürfen." 
I 
38. Kapitel. 1 
i 
Ein tiefes Schweigen folgte den letzten Worten des 
Prinzen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach; zumal 
Peretori schien ganz in Nachsinnen verloren, wie er seinen 
Fehler wieder gutmachen könne. 
Plötzlich erhellten sich seine Mienen ein wenig. Er wandte 
sich fragend an Lcchmcrc. 
„Ich las von Pavicrcn, die ans dem Staats-Sekretariat 
gestohlen sein sollten," sagte er. „Haben diese Papiere irgend 
etwas mit unserer Angelegenheit'zu schaffen?" 
„Sicherlich!" lautete die Antwort. „Diese Dokumente 
wurden an die Gräfin Saens verkauft. Sie bildeten eine 
furchtbare Waffe in ihrer Hand; und wir können von Glück 
sagen, daß sie ihr wieder entrissen wurden. Ihnen zu er 
klären, wie das geschah, würde hier zu weit führen. Genug 
damit, daß ein tapferes junges Mädchen in das Haus der 
Gräfin eindrang und dort die Dokumente au sich nahm. 
Leider aber hat Fräulein Galloivay — sie ist unsere mutige 
Freundin — sie auf der Straße wieder verloren: gegenwärtig 
ist nichts über ihren Verbleib bekannt. Wenn Sie da irgend 
etwas tun könnten — cS iväre sehr wichtig für uns, sie zurück 
zuerhalten." 
„Oh, ich gedenke Mehr zu tun als das," lautete die in 
sicherem Ton gegebene Erwiderung. „Es ist ei» Glück, daß die 
Gräfin nicht ahnt, ivas hier geschehen ist. Sie wähnt, daß 
ich noch immer der dumme Junge sei, der sich von ihr so be 
quem täuschen und für ihre Zwecke gebrauchen ließ. Sie wird 
niemals auf den Gedanken kommen, daß Sie geschickt genug 
ivarcn, ihr Spiel aufzudecken, Lcchmere! Und nur selbst ist eü 
ja beinahe unbegreiflich, tvie Sie das fertig brachten." 
„Oh, es hat damit nicht so viel aus sich," wehrte Lech- 
»ncre ah. „Der Zufall hat mir heute in geradezu ivilnder. 
barer Weise in die Hände gearbeitet. Ich erfuhr, daß Sie in 
gehende Geruch, der insbesondere zur warmen Jahreszeit 
und bei feuchten; Wetter unerträglich wird, tagtäglich an 
eine unerläßliche Aenderung der offensichtlich unzulänglichen, 
wahrscheinlich technisch falsch angelegten Einrichtung. Sind 
die unleidlichen Ausdünstungen schon für den Vorüber 
gehenden eine grobe Belästigung, so sind sie erst recht eine 
hygienische Gefährdung für die Menge der dicht danebeit 
spielenden Kinder. Wo in aller Welt stellt man eine so 
unzulängliche nitd deshalb gesundhcitsgcfährliche Anlage 
unmittelbar neben einen Kinderspielplatz? In Berlin, 
Schöiteberg, Wilmersdorf und allen aufstrebenden Nachbar 
orten findet sich ihresgleichen nicht. Zupial fehlt die sehr 
notwendige Kontrolle durch eine stets anwesende Wartefrau 
auch im Interesse der Verhütung sittlichen Mißbrauchs. 
Wir möchten dem Schularzt empfehlen, sich der Sache zum 
Besten der dort spielenden Kinder anzunehmen und sein 
Ansehen für die Beseitigung eines häßlichen Uebelstandcs 
einzusetzen. Oder soll gewartet werden, bis sich etwa der 
Kreisarzt wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit 
einmischt? Ausbleiben kann das schließlich nicht. 
o Die Wilmersdorf-Dahlcmer Schnellbahn soll zum 
1. September ihren Betrieb eröffnen. Der Bau dieser 
Bahn weist einige bemerkenswerte technische Eigenheiten auf. 
So in erster Linie die Durchquerung des Geländes für den 
künftigen Stadtpark, etwa 200 Meter nördlich vom Ring 
bahnhof Schmargendorf. Hier tritt die Anlage, ähnlich wie 
bei der Schöneberger Untergrundbahn, als ein monumental 
wirkenden Brückenbauwerk zutage, das als ein Meisterwerk 
moderner Städtebaukunst anzusprechen ist. Ueber einem 
mit dunklen Hausteinverblendern gezierten Mauerwerkbogen 
sieht man zwischen wuchtigen Portalbauten feinprofilierte 
Rundsäulen als Stützpunkte für die Bogen der 7 Mittel 
öffnungen, durch die dem Bahnkörper Licht und Luft zu 
geführt werden. Sehr hübsch wirkt die helle Granit 
einfassung der Bogen und Portale gegen die dunkler 
gehaltene Onaderbekleidung der Hintermauerung, die sich 
nach oben hin als Brückengeländer mit Granitsteinabdeckung 
fortsetzt. Den wirkungsvollsten Schmuck aber geben die mit 
kupfernen Helmen abgedeckten Eckpfeiler über den Portal 
bauten, die zugleich Träger der elektrischen Beleuchtungs 
körper sind. Das Ganze gibt ein Bild von vornehmer, 
geschlossener Wirkung, das erst voll zur Geltung gelangen 
ivird, wenn die Parkanlagen fertiggestellt und die an 
schließenden Flächen bebaut sein werden. Wenige hundert 
Meter südlich davon senkt sich der Tunnel unter die Gleise 
des Südringes. Auch hier tritt das Tageslicht durch zwei 
in den Bahndämmen angelegte Oeffnungen ein, die mit 
Brustwehren umgeben und hinter diesen mit starken Glas 
scheiben abgeschlossen sind. Auf Dahlemer Gebiet wird die 
neueste der Berliner Schnellbahnen bekanntlich als Ein 
schnittbahn weitergeführt, sodaß eine Fahrt vom Witten 
bergplatz nach Dahlem reichliche Abwechslung zu bringen 
verspricht. 
o Ein Auskunftei der Hausbesitzer Grosiberlins, 
unter besonderer Berücksichtigung der westlichen Vororte, ist 
mit dem Sitz in Lichterfelde, Chausseestr. 57, ins Leben 
gerufen worden. Es ivird fachmännischer Rat in allen 
Hausangelegenheitcn, Kredit- und Hypothekenfragcn erteilt. 
Der Auskunftei, die in eiligen Fällen sogar während der 
Nacht Auskunft erteilen will, führt u. a. eine „Schwarze 
Liste" über unzuverlässige 9)7ieter. 
o Eine herzliche Bitte richtet Herr Pastor Wagner, 
Wielandstr. 14a, an edeldenkende Personen. Er braucht 
zur Aufrichtung einer von Krankheit heimgesuchten ehren 
werten Familie mehrere hundert Mark und nimmt Beiträge 
hierzu dankend entgegen. 
o Krciskriegerverbaud Teltow. Am Sonntag, dem 20. 
Juli fand im großen Saale des Restaurants Wilmhelmshof 
in Berlin, Anhaltstraße, der dritte Verbandstag dieses 
Jahres statt; von 131 Vereinen waren 97 erschienen. 97ach 
Eröffnung und Begrüßung der erschienenen Vertreter durch 
den ersten Vorsitzenden, Kameraden Fabrikdirektor Hauptmann 
d. L. Hansen gab der hohe Protektor des Verbandes, Se. 
Durchlaucht Prinz Eduard Salm-Horstmar, seiner Freude 
Ausdruck, nach 1 / 3 jähriger Abwesenheit wieder an dem Ver 
bandstage teilnehmen zu können, er brachte ein dreimaliges, 
von der Versammlung aufgenomnienes Hoch auf den Aller 
höchsten Landesherrn aus. An Vorgängen im abgelaufenen 
Vierteljahr sind folgende hervorzuheben. Der am 10. 
Vernum ivarcn, Hub cs umr c mir, Nachdem ich van einem 
Doppelgänger des Königs borte, nicht mehr sSndcillch schwer, 
dcn Zufammenhaiig zu'erraten. —Aber wollen Sie nicht die 
Freundlichkeit haben, Prinz, uns von Ihren Absichten in 
Kenntnis zu setzen?" 
„Sic werden verzeihen, wenn ich das nicht tue/ sagte 
Peretori. „Vor allem dürfen wir jetzt keine Zeit mehr ver 
liere». — So spät cs ist, werde ich die Gräfin Sacns noch 
aussuchen. Ich habe ja eine Entschuldigung, indem ich vorgebe, 
ich wollle ihr von der Unterredung mit Hunt erzählen und ihr 
das Gelingen des „Scherzes" — er betonte das Wou — melden. 
Was ich beabsichtige, kann fehlschlagen; deshalb ist es besser, 
ich spreche jetzt nicht lauge darüber. Ich bin auch ein wenig 
abergläubisch und der Aieinuug, daß Tinge, die man lauge 
überlegt uud lauge bespricht, fehlschlagen. — Eure Majestät 
haben jedenfalls Telephon in Ihrem Palais?" 
Tie Königin bejahte. 
„So wäre cs meiner Aieinuug nach das Beste, wenn 
Eure. Majestät in Ihr Heim zurückkehrten," fuhr der Prinz fort. 
„Wir alle müssen aufbrechen. Es muß nur natürlich für die 
Sicherheit General Maxgregors Sorge getragen werden." 
„Ich werde erst von hier fortgehen, wenn dafür etwas 
geschehen ist," erklärte Lechmere kurz. Darauf verabschiedete 
sich Peretori eilig; cs war offenbar, daß er irgend ein ganz 
bestimmtes Vorhaben hatte. 
Lcchmere blickte ihm gedankenvoll nach. Dann sagte 
er, gegen die Königin gewendet: 
^Eure Majestät dürfen, glaube ich, ziemlich ruhig sein. 
Wenn alles, was wir vorhaben, programmäßig zur Ausführung 
kommt und gelingt, so sind unsere Gegner geschlagen. Und 
in dem Prinzen ist uns ein tüchtiger Bundesgenosse erstanden; 
denn trotz aller seiner Streiche und seines beinahe jungenhaften 
Wesens ist er nicht dumm, und er wird sicherlich alles auf 
bieten, iim wieder gutzumachen, was er in törichtem Leicht 
sinn, nicht in schlechter Adsichr, gesehlt." 
(Sonirtzemg ,oigl.-
        
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