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Periodical volume Nr. 171, 23.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

waltnng hat anscheinend noch keine Erfahrung mit der Be 
rechnung nach dem Ertrage der Filialen gemacht, es sei 
denn, die Friedenaner Filialen beziehen ihre Waren vom 
Hauptgeschäft billiger als es vielfach bei Filialen der Fall 
ist, sodaß sie steuerpflichtige Erträge abwerfen können. 
Nun sieht Ziffer 2 eine Besteuerung nach der Zahl der 
beschäftigten Personen vor und es soll auch noch die Hälfte 
der zu entrichtenden Miete dem Ergebnis hinzugerechnet 
werden. Das hört und sieht sich sehr schön an und blendet, 
aber die Besteuerung bleibt nur auf dem Papier stehen. 
Sofern die auf diese Weise berechnete Steuer zwei Prozent 
des Ertrages überschreitet, wird sic nicht erhoben! Wüllen 
die Großfilialbetriebe noch mehr Schutz und noch mehr Be 
günstigung? 
So lange die Regierung dein Beschluß des preußischen 
Abgeordnetenhauses nicht Rechnung trägt und die einer ge 
rechtest Ftlialbesteuerung entgegenstehenden gesetzlichen Be 
stimmungen abändert, werden die besten Entwürfe der 
Gemeinden zwecklos und überflüssig sein. Eine gerechte 
Besteuerung gerade der Forensalfilialbctriebe, die doch in 
den Vororten und Provinzstädtcn hauptsächlich in Frage 
kommen, ist nur dann möglich, auch nach den ininisteriellen 
Anweisungen, wenn der bekannte Hemmschuh — nicht 
höher als 2 Prozent des Ertrages — beseitigt wird. Die 
WarenhauSstcuer ist durch solchen Hemmschuhparagraphen 
wirkungslos gemacht und den Großfilialbetrieben kann cs 
nicht schwer fallen, sich nach dieser völlig ungerechtfertigten 
Schutzbcstimmung zu richten. 
Der Artikel der „Boss. Ztg/, dem wohl der Verband 
der Filialgeschäfte nicht fern steht, wettert gegen diese 
Filialsteucr und möchte sowohl die Gemeindever 
waltung wie die Friedenaner Hausbesitzer eines besseren 
belehren. ■ Wir meinen, die Gemeindevertretung hat sehr 
gut die Mißstände in der jetzigen Filialbesteuernng erkannt 
und deshalb sucht sie ihre Pflicht zu erfüllen. Daß die 
Friedenaner Hausbesitzer so töricht sein sollten zu glauben, 
daß diese einflußlose Filialsteuer zur Aufgabe irgend einer 
Filiale führen sollte und daß dafür kein Ersatz sei, wird 
man doch nicht annehmen können. Wer hat denn die 
Schuld, daß Laden auf Laden leer bleibt? Doch nur das 
Filiakuilwcsen, die Warenhäuser, die Konsumvereine. Das 
haben die Hausbesitzer längst sehr gut erkannt und so oft 
betont, daß die wenigen begünstigten Hausbesitzer die 
Richtigkeit dieser Behauptung nicht bestreiten können. Daß 
das Publikum nicht in einen Vorort ziehen würde, in 
welchem seine früheren Lieferanten keine Filialen errichtet 
haben, ist eine so einfältige Behauptung, daß man schon 
daran erkennt, wie sehr inan nach Gründen suchen muß, 
um etwas gegen die gerechtere Besteuerung der Filialen an 
führen zu können. Was die „Voss. Ztg." für Gnesen für 
gut hält ist auch für Friedenall gut, und wenn Berlin und 
seine Vororte eine verständigere Steuerpolitik treiben wollten, 
dann brauchten sie nur endlich au die Beseitigung der 
krassen Ungerechtigkeit zu denken, die sie in der steuerlichen 
Begünstigung ihrer Forensalsilialbctriebe zum Schaden der 
Gemeinde und ihrer steuerzahlendcn Geschäfte dulden und 
beschützen. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Straffest in unserem Gemeindegebiet sind zum 
ivcitaus größten Teile mit Asphaltpflastcr befestigt. Im 
vorigen Jahre erhielten Gußasphalt die Hackerstraße von 
Nr. 5 bis Bornstraßc, die Bornstraße von Hackerstraße bis 
Kreuznacher Straße, die Rheingaustraße, von Krenznncher 
Straße bis Südwestkorsv, die Wilhelmshöher Straße von 
Stnbenrauchstr. bis Rheiugaustraße, die Taunusstraßc von 
Stubcnranchstrnße bis Südwestkorso. Die Befestignngsart 
der Straßen des Gemeindebezirkes ist folgende: 6 Straßen 
(47 406 qm) mit Stampfasphalt, »0 Straßen (85 823 qm) 
mit Gußasphalt, 10 Straßen (33 574 qm) mit Schlacken 
steinpflaster, 9 Straßen (5432 qm) mit anderem Pflaster. 
o .Klage vor dem Potsdamer Bczirksausschnst. Die 
Aufhebung einer baupolizeilichen Verfügung erzielte der 
Architekt Franz Stcinbrucker hier, Kaiserallee 79 a, der gegen 
den hiesigen Amtsvorsteher klagte. Ersterer besitzt im Ober- 
boden seines Hauses eine Waschküche. Der beklagte Amts- 
Ehe der andere begriffen hatte, ivas er tun wollte, stand 
er an der Tür zum Nebenzimmer. So schnell war er gcivcscn, 
daß Mazaroff nicht mehr dazivischcntrctcn konnte. Er ries 
irgend etwas in russischer Sprache, konnte aber nicht mehr ver 
hindern, daß Lechmere die Tür aufriß und in das andere 
Zimmer blickte. Es hielt sich dort niemand mehr ans: auf 
dem Tisch standen eine Weinflasche icnd zwei halbgclccrte 
Gläser, daneben aber lag — eine schwarze Perücke. 
Einen Augenblick leuchtete cs triumphierend in Lcch- 
nicres Äugen auf. Daun ivandtc er sich zu dem Prinzen. 
„Ich habe um Entschuldigung zu bitten," sagte er, „wenn 
Sie " 
Mazaroff brachte ihn durch eine gebieterische Hand- 
bcwcgnng zum Schweigen. 
„Ich wünsche nichts mehr von Ihnen zu hören," sagte 
er eisig. „Ihr Benehmen ist das eines Irren und entzieht sich 
jeder Beurteilung. Ich hielt Sie für einen vernünftigen 
Menschen, einen Gentleman, und sehe, daß ich mit einem un 
reifen Knabcü zu tun habe. Für mich ist die Sache hiermit 
erledigt; ivenn Sie noch etivas iveiteres von mir wünschen 
sollten, stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. 
Wollen Sie die Güte haben, mich augenblicklich zu verlassen!" 
Um Lechmeres Mundwinkel zuckte es ironisch. Mit spötti 
scher Höflichkeit verneigte er sich. 
„Gewiß — ich glaube selbst, daß ein weiteres Zusammen 
sein für beide Teile nicht erquicklich sein würde", sagte er. 
„Gute Nacht, Prinz Mazaroff! Und verschlafen Sie Ihren 
Aergcr." 
Er ging hinaus, ohne eine Antwort abzuwarten, Ruhig 
schloß er die Tür hinter sich; dann aber eilte er zu dem Ans 
gang, der zu der Hinteren Stiege führte, und blieb dort lauschend 
stehen. 
Ein triumphierendes Lächeln glitt über sein Gesicht, als 
gleich darauf das Geräusch eines schweren Falles und ein 
halb unterdrückter Fluch vernehmlich wurde». 
„Der Bogel ist gefangen!" flüsterte er. „Nun hin 
zu ihm!" 
Vorsteher hatte ihn durch eine baupolizeiliche Verfügung auf 
gefordert, die Fcuerungsanlage in der erwähnten Waschlüche 
zu entfernen. Ec kam aber dem Wunsche nicht nach, 
sondern bat in einem neuen Gesuch, die Anlage zu ge 
nehmigen. Dies wurde abgelehnt unter dem Hinweis auf 
die Bauordnung, nach der ein Raum, wie ihn St. besitze, 
nur Lagkrzweckcn dienen dürfe. Hierauf beschritt St. den 
Klageweg und wies darauf hin, daß die Lage der Sache 
nicht richtig beurteilt worden sei. Unter seiner Waschküche 
befände sich kein Raum, der zu dauerndem Aufenthalt für 
Menschen diene, sondern eine Treppe und aus diesem 
Grunde liege ein Verstoß gegen das Gesetz nicht vor. Die 
Vertagung der Geirehmigung würde ihnr einen erheblichen 
Schaden zufügen. Dem gegenüber blieb der beklagte Amts- 
vvrsteher auf seinem Standpunkt stehen, daß cs im Sinne 
des Gesetzgebers sei, einen Raum wie den hier bezeichneten 
nur zu Lagerzwecken zu gestatten. Der' Kreisausschuß hob 
die Verfügung auf. Nach der Ansicht dieser Instanz können 
bei einem Verbot nur Räume in Betracht kommen, die sich 
über bewohnten befinden. Dieses llrteil wurde von dem 
Potsdamer Bezirksausschuß bestätigt. 
o Die Hundstage umschließen die Zeit vonr 23.'Juli 
bis 23. August. ' Den auffallenden Namen haben sie vom 
Hundsstern, d. i. der im Süden hellstrahlende Sirius, der 
auch im südlichen Europa am 23. Juni erscheint, daß man 
geglaubt hat, er sei der Bringer der heißesten Zeit. Sein 
Aufgang fällt übrigens auch mit dem Eintritt der Sonne 
in das Zeichen des Löwen, des tierischen Herrschers der 
heißen Zone, zusammen, weshalb auch unsere Landlcute 
sagen: „Wenn die Sonne in den Löwen gehet, die große 
Hitze im Jahr anfährt." Schon Hippokratcs im alten 
Griechenland gedenkt der Hundstage als der unerträglich 
heißen Zeit, die besonders viel Gallcnkrankheiten erzeugt; 
die Richtigkeit dieser Beobachtung beweist auch dieselbe Er 
scheinung bei Nordländern, welche in heiße Gegenden über 
siedeln. In diesem Jahre sicht's allerdings nicht danach 
uns, als sollten uns die Hundstage so große Hitze bringen. 
Jedenfalls beginnen sie bei recht herbstlich-kühlem Wetter. 
. o Gegen die „Musik" bei geöffnetem Fenster. Wir 
gaben kürzlich eine Verfügung des Amtsvorstehers in 
Lankwitz gegen das Musizieren usw. bei offenem Fenster 
ivieder und veröffentlichten auch in dieser Sache den Brief 
wechsel eines hiesigen Einwohners mit dem Landrat. 
Wiederholte Beschwerden über Belästigungen durch 
Grammophone, Phonographen und ähnliche Musikinstrumente, 
die bei geöffneten Fenstern oder Türen und Abends oder 
Nachts in Betrieb gesetzt werden, haben nun auch den 
Charlottenburger Polizeipräsidenten zum Einschreiten ver 
anlaßt. Die Besitzer von derartigen Musikinstrumenten 
werden aufgefordert, ihre Musikapparate in der der Ruhe 
gewidmeten Zeit, insbesondere nach 10 Uhr Abends, nicht 
mehr oder nur bei geschlossenen Türen und Fenstern spielen 
zu lassen, andernfalls wegen ruhestörenden Lärms gemäß 
§ 300 des Reichsstrafgesetzbuches Bestrafung erfolgt. 
o Fcrnsprechaulageu müssen dem Mieter gestattet 
werden. In einer Streitsache hat das Reichsgericht dahin 
entschiede::, daß ein Mieter nicht nur für seine Geschäfts 
räume, sondern auch für seine Prioatwohnung von dem 
Vermieter eine Zustimmung für eine Fernsprechanlage ver 
langen kann. Wer heute eine Wohnung mietet, will sein 
Privatleben darin entfalten, und ein Verbot deS Haus 
besitzers auf eine Fernsprechanlage würde einer Beschränkung 
des Rechtes auf Ausübung eines normalen Lebens gleich 
kommen. Das Verbot würde eine Verletzung der Pflicht 
des Vermieters, dem Mieter den Gebrauch der Sachen in 
normaler Weise zu gewähren, bedeuten. Die Benutzung 
einer Fernsprechanlage könne heute nicht mehr als ein 
außergewöhnliches Recht angesehen werden. 
o Gegen die FeucrungSanlagen in den Lauben. 
In den letzten Tagen haben viele Laubcnkvlonisten Straf- 
niandate erhalten. Auf Grund eines Kanunergerichtsurteils 
haben die Amts- und Gemeindevorsteher nämlich eine 
Revision der Laubenkolonien angeordnet und die Gendarmen 
und Polizeibeamten schrieben jeden auf, der in seiner Laube 
eine Feuerungsanlagc hat und der die Genehmigung zur 
Niederlassung (um in der Laube übernachten zu können) 
nicht nachgesucht hat. Die Empörung unter den Kolonisten 
ist natürlich groß, zunml die Genehmigung zur Nieder- 
37. Kapitel. 
Lechmere riß die Tür auf und eilte möglickist leise die 
Stufen hinunter. Ans der zweiten Stiege blieb er stehen, 
nahm sein ziemlich großes Taschenmesser hervor und öffnete 
eine Klinge. Dann neigte er sich nieder und lastete mit der 
Hand umher. 
Er suhlte einen Arm unter seinen Fingern und packte 
ihn mit festem Griff. 
„Rühren Sie sich nicht!" flüsterte er. „Oder Sie haben 
dies Messer in der Kehle. Verhalten Sie sich still, so geschieht 
Ihnen kein Leid." 
Nur ein zorniger Laut kam als Antwort zurück. Aber 
der andere verhielt sich ruhig; er fürchtete offenbar, daß ein 
Angreifer die Drohuilg wahr machen könnte. 
Lechmere entzündete ein Wachskerzchen; sein Schein siel 
anf ein bleiches, angstverzerrtes Gesicht — der Mann, der 
hier auf der Treppe lag, war der Doppelgänger des Königs. 
Nur das Haar war rötlich-blond, nun er die Perücke abge 
nommen hatte. 
Der Fuß deS Mannes war in eine Schnur verstrickt, 
die quer über die Treppe gespannt wär. Lecknnrre befreite ihn 
davon, befestigst die Schnur und zog den anderen, der von 
dein Sturz noch halb betäubt schien und ihn, keinen Wider 
stand entgegensetzte, hinter einen Vorhang. Erst dann löschte 
er die Wachskerze ans. 
Eine Weile hielt sich der Mann, den Lechmere ininier 
noch am Arm hielt, ruhig. Dann schien er plötzlich zum Be» 
wüßtscin der Situation zu kommen. 
„Wissen Sie, wen Sie vor sich haben?" wollte er auf 
begehren. Da fühlte er das Messer seines Gegners am Halse. 
„Keinen Ton, oder Sie sind ein toter Maiin!" zischte 
ihm Lechmere zu. „Es wird hier jemand vorbeikommen; 
rühren Sie sich oder geben Ske einen Laut von sich, so sind Sie 
verloren." 
In der Tat war oben eine Tür gegangen, und gleich 
darauf ging jemand die Treppe hinab. So nahe kam er an 
lassnng nur in Ausnahmefälleu erteilt wird. Die Feuerungs-- 
anlagen inüsscn natürlich entfernt werden; deshalb wird 
aber trotzdem auf Spiritus- und Petroleumkochern der 
Kaffee ivarin gemacht. 
v Soldaten dürfen Handwerkern keine Beihilfe 
leisten. Ein Erlaß des Kriegsministers hat folgeriden 
Wortlaut: Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis ge 
bracht, daß den Unteroffizieren und Mannschaften der Armee 
dienstlich verboten ist. innerhalb ihrer eigenen oder einer 
fremden Truppe oder Behörde Zivilpersonen oder den 
Handwerksmeistern der Truppen und der militärischen An 
stalten usw. zur Ausübung des Gewerbebetriebes Beihilfe 
zu leisten, insbesondere durch Vermittlung oder Erleichterung 
des Abschlusses von Kaufgeschäften, Versicherungsverträgen 
und dergleichen. Den Unteroffizieren und Mannschaften, ist 
befohlen, von jeder an sie ergehenden derartigen Aufforderung 
ihren Vorgesetzten Meldung zu machen. Berlin, den 15. 
Juli 1913. Der Kriegsminister, v. Falkenhayn. 
o Der Wehrbeitrag des Hausbesitzers. Bei der Ab 
fassung des Gesetzes über den einmaligen Wehrbeitrag ist 
der Bund der Haus- und Grundbesitzervereine Großberlin 
mit Erfolg dafür eingetreten, daß dem städtischen Haus 
besitz die Möglichkeit blieb, nach dem gemeinen Wert zur 
Slcucrabgabe veranlagt zu werden. Der Reichstag hat 
diesem Wunsche entsprochen. Der städtische Hausbesitzer 
kann die Veranlagung nach dem gemeinen Wert (Verkaufs- 
ivert) forderi:. Dieser beträgt zurzeit in Großstädten etwa 
das 14fache der Bruttomielen. Bei 15 000 M. Mieten 
wäre der gemeine Wert etwa 210 000 M. Beträgt die 
Hypothekenlast des Hauses 190 000 M., das eigene Ver 
mögen daran nur 20 000 M., so wäre solches Haus steuer 
frei, wenn der Besitzer sonst kein Vermögen hat. Wollte 
der Besitzer sich aber nach dem Ertragswcrt veranlagen 
lassen, so würde dieses selbe Haus auf 300 000 M. einge 
schätzt werden (20 + 15 000 M.), das sind 9000 M. über 
den wirklichen Wert! Die Steuer würde dam: von 
(300 000— 190 000 M. =) 110 000 M. veranlagt werde,:. 
Davon beträgt der Wehrbeitrag 300 M. Die Veranlagui:g 
nach dem gemeinen Wert muß ausdrücklich beansprucht 
werden, und zwar spätestens bis zum Ablauf der mit der 
Zustellung des Vcranlagungsbescheides eröffneten Rechts- 
mittelfrist (§ 17). 
o Zur Nacheiferung für Frisenrinnen! Fräulein 
Hedwig Belitz, Berlin-Friedenau, Vornstraße 19, hat 
die Gesellenprüfung in: Friseur- und Pcrückcnmachcrhandwerk 
vor der Innung in Steglitz bestanden. 
v Bauerlanbnis ivurde erteilt für das Grundstück 
Cranachstr. 12, Ecke Beckerstr. 5. Bauherr: Leo Bry, 
Kaufiuann, Berlin-Friedenau, Niedstr. 27. Bauaus 
führender: Julius Peyser, Architekt, Berlin, Lictzcnburgcr 
Straße. (Umbau.) 
o Die Musik auf dem Privatmarkt eingestellt. Die 
lebhaftei: Klagen sowie die Petition des Kommunalvereins 
Friedenaner Ortsteil wegen des ruhestörende:: Lärms auf 
dem „Privatmarkt mit Musik" au der Haupt- Ecke Frcgestraße, 
der seit Monaten den: Gemeindc-Wochenmarkt auf dem 
Lauterplatz vergeblich Kvnkiirrenz zi: machen sucht, haben 
nuninehr den Erfolg gehabt, daß die Konzerte eingestellt 
werden. 
o Deutsche Reichsfechtschule. Auf der diesjährigen 
Hauptversammlung der Deutschen Reichsfcchischule, die, wie 
wir seinerzeit berichtet haben, am 8. Juni unter starker Be 
teiligung in Magdeburg stattgefunden hat, war beschlossen 
worden, die Zeitschrift des Vereins, die bisher nur als 
Vercinsblatt herausgegeben ivurde, so auszugestalten, daß 
sie über alle Gebiete der Waisenpflege und Jugendfürsorge 
unterrichten soll. Ter Titel „Deutsche Reichsfcchtschule" 
wird beibehalten, ebenso die Erscheinungsweise alle 14 Tage. 
Die erste Nummer ii: der neuen Aufmachung ist am 
20. Juli erschienen. Hoffentlich erfüllt sich die Hoffnung, 
die an die neue Ausgabe des Blattes geknüpft wird, daß 
eine große Zahl neuer Freunde der schönen und edlen Idee 
vaterländischer Waiscnpflege und ihrer seit drei Jahrzehnten 
so treubewährten Norkämpferin — der Deutschen Rcichs- 
fechtschule — gewonnen wird. Die Schriftleitnng der Zeit 
schrift, die gern auf alle näheren Anfragen Auskunft er 
teilt, befindet sich in Magdeburg, Albrcchtstraße 4, Fern 
sprecher 5142. 
dein Versteck der beiden vorbei, daß Lechmere ihn hätte mit 
der Hand fassen können; es war Prinz Boris Mazaroff. 
Sie hörien seinen Schritt enf der Stiege verhallen und 
unten das Zuschlagen der Haustür. Da zog Lechmere seinen 
Gesangenei: aus dcni Versteck. 
„Folgen Sic mir!" befahl er herrisch. „Hier hinauf!" 
Aber der Mann rührte sich nicht. 
Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen", sagte er. „Aber 
ich rate Ihnen, nehmen Sie sich in acht! Sie' wiffci: osseu- 
bar nicht, mit wen: Sie es zu tun haben." 
„Oh — ich kenne Sie sebr wohl," siel ihm Lechmere 
ins Wort „Und ich wnitdere mich wahrhaftig, daß Sie mich 
nicht erkannten. Sie glauben vielleicht, cs handelte sich nur 
um einen schlechten Scherz; aber Sie werden eines Besseren 
belehrt werden. Der Schrecken, den Sie gehabt haben, ist 
eine viel zu geringe Strafe für das Unheil, das Sie amichteten. 
— Hier hinauf!" 
Er zog ihn halb die Treppe hinauf und führte ihn übe* 
den Flur zu den Zinuncrn des Generals. Tort öffnete er die 
Tür zum Schlafgcmach und stieß den anderen hinein. 
„Ta haben Sie den zivciten König von Astorien!" sagte 
er spöttisch. „Seine Majestät hat einen kleinen Unfall ge 
habt, der hoffentlich keilte Folgen für feine Gesundheit nach 
sich ziehen wird." 
Wie ein armer Sünder stand der Mann in seinem 
elegante,: Frack, mit den zahlreichen Lrdcnsstcrncn anf der 
Brust, in: Zimmer. Halb verlegen, halb belustigt blickte er 
auf die Königin, die ihi: erstaunt inufterte. 
„Prinz Perctori!" rief sie aus. „So verdanken wir Ihnen 
all die Ungelegen beiten und Äüfregungen. Wollen Sie sich 
freundlichst erklären?" 
Die Situation ivar beinahe komisch. Das Gesicht des 
Prinzen spiegelte Schani, Verlegenheit und lebhaftes Unbehagen 
wider; offenbar aber nahm er die Sache'nicht mehr allzu 
tragisch, denn in seinen Augenwinkeln zuckte cs, wie wenn ihm 
das ganze Abenteuer ivie ein gelungener Spaß vorkäme. 
Jeffie, die mit Maxwell in einer Fensternische stand, blickte ver 
wundert auf den seltsamen Mann. (KdNfetzuNg zvigtI
        
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