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Periodical volume Nr. 227, 26.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Schnittern und Schnitterinnen der Amtmann, der Inspektor, 
der Großknecht, der Gendarm nnd andere bekannte Figuren 
* fohlen dürfen. Mit Eintritt der Dunkelheit wird dann 
lede Laube festlich erleuchtet und. falls es nicht gerade 
^gnet, ein kleines Feuerwerk abgebrannt. Die italienische 
Iiacht nimmt ihren Anfang. Aus den „Villen", in denen 
es meist hoch herzugehen pflegt, erschallen fröhliche Gesänge, 
die vielfach von einer Ziehharmoiiika begleitet iverden. 
Strömt mich mal der Regen nieder, so tut das der Ge 
mütlichkeit weiter keinen Abbruch. Erst lange nach Mitter- 
iiacht, wenn es mit den Getränken kliapp wird, erreichen die 
^este ihr Ende und Alt und Jung ziehen heimwärts. 
o Motorbootsahrt nach Zeuthen i. M. Am Sonntag, 
deiii 3. August er., veranstaltet der Kegelklub „Friedenail 
1909" eine Wasserpartie nach Zeuthen. Restaurant 
Albrechtshof. Abfahrt pünktlich 9 Uhr Vorm, von der 
Michaelürücke in Berlin. Daselbst Spiele im Walde, Ver 
losung, Damen- und Herrenpreiskegeln, sowie Tanzkränzchen. 
Rückfahrt pünktlich 10 kihr Abends. Teilnehmerkarten 
fiir die Person 1,25 M. sind bei dem Vorsitzenden des 
Klubs, Herrn W. Mandel, Rönnebergstr. 7 v. Il zu haben. 
Wir wünschen dem Klub fröhliche, glückliche Fahrt und 
gutes Wetter. 
o Im Viofontheater in der Rheinstrasze 14 kommt 
von heute ab der nordische Kunstfilm: „Der Pompadour" 
eine Unsittenkomödie in zwei Akten zur Vorführung. Der 
lustige Inhalt und das echte Pariser Milieu reizt zum 
Lachen, man sieht die Vorgänge znm Teil durchs Schlüssel 
loch — das genügt! Die Darsteller — Mitglieder des 
Kopenhagener Hvftheaters — sind erstklassige Künstler. Der 
Theaterzettel nennt folgende Personen: Barilloc (Herr 
Lauritzen), Frau Barilloc (Frau Else Fröhlich), Herr de 
Fvntain (Herr Carl Alstrup), Cleo, ein leichtsinniges Dämchen 
(Frl. Agnes Andersen). Sehr hübsch ist auch das Drama 
in 2 Akten: „Der Rekord", aus dem Leben eines Deutschen 
Fliegers, aufgenommen in Johannisthal. „Wenn der 
Schnee schmilzt" heißt ein anderes Drama in 9 Akten, ge- 
mütvvll und schließlich zu gutem Ende führend, ziehen 
lebenswahre Bilder einer jungen Liebe an uns vorüber. 
„Eine Hochzeitsfeier in der Wüste" ist ein hochinteressanter 
Film. „Rassenhühner" zeigt eine nette Naturaufnahme 
während die beiden Bilder: „Die drei Willys" und „Eine 
strenge Hand" kräftig auf die Lachmuskeln wirken. Dieses 
überaus reichhaltige Programm dürfte dem Bivfontheater 
wieder zahlreichen Besuch zuführen. 
o Die wiedergefundene Japanerin. In der von 
uns mehrfach berichteten Angelegenheit der verborgen gehaltenen 
jungen Javanerin erfahren wir noch: Als der Kaufmann 
Holzke aus der Detmoldcr Straße 04 seinerzeit in Harzburg 
verhaftet wurde und seine Frau und Tochter von der Ver 
haftung Kenntnis erhielten, nahmen diese sofort ihre 
Pensionärin, die 15 jährige Javanerin Agnes Gorodinsky, 
und brachten sie in einer Fainilie in der Innsbrucker 
Straße unter. Von dort fuhren später Frau und Tochter 
mit dem Mädchen nach dein Anhalter Bahnhof nnd iibcr 
Prvbstzella nach Michelau bei Lichtenfels in Bayern, wo sie 
in einem Hotel abstiegen und sich als ausländische Schau 
spielerinnen ausgaben. Dort wurden sie schließlich unter 
Mitwirkung eines Privatdetektivs Gracger ermittelt und in 
Schutzhaft genommen. Jnr übrigen hat der Kaufmann 
Holzke gegen seine Verhaftung Beschwerde eingelegt. 
o Das Nollschnhlaufen in belebten Straßen hat 
wiederholt zu Unfällen geführt. Gestern Vormittag ver 
gnügten sich wieder in der Schloßstraße einige junge 
Mädchen mit Rollschuh laufen, als von Steglitz her in 
schneller Fahrt ein Privatantomobil daher kam. Der 
Wagen jagte in die ihre llnigebung offenbar völlig ver 
gessende Mädchenschar hinein. Ein markerschütternder Schrei 
ans vielen Kehlen, dann war das Unglück geschehen. 
Während es den übrigen der Mädchen noch im letzten 
Augenblick gelungen war, auf schwankenden Füßen dem 
Unheil zu entrinnen, war die 15 jährige Frida F. von dem 
Wagen ergriffen und fortgeschleift worden. Allgemein hielt 
man das unvorsichtige junge Mädchen für verloren. Um so 
größer aber war das Erstaunen, als man die allzu eifrige 
Rollschuhlänferin völlig unversehrt unter dem Wagen hervor 
zog. Sie hatte Gcistesgegenmart genug besessen, sich in 
dem kritischsten Augenblick an der vorderen Verzierung des 
Kühlers krampfhaft festzuhalten nnd sich so unversehrt 
ungefähr 100 Meter mit fortschleifen zu lassen. Mit Aus 
nahme des stark in Unordnung gebrachten „Sportdreß" war 
glücklicherweise kein Unheil geschehen. Aber nicht immer 
geht es so gut ab, nnd den Anhängern des Rollschuhsports 
könnte mehr Vorsicht nicht schaden. 
o Vor einer Schwindlerin, die sich als höhere Post- 
beamtenfran ausgibt und behauptet, im Nießbrauch einer 
Pension zu sein und ans Magdeburg zu stammen, iverden 
die hiesigen Hausbesitzer eindringlich gewarnt. Wegen An 
gabe falscher Tatsachen wurde sie bereits aus einem Hause 
in der Schaperstraße ermitiert. 
o Zu enge „Stiebeln" als Fluchthinderer. Eine 
Diebesjagd, die einer gewissen Komik nicht entbehrt, spielte 
sich ^gestern (Montag) Nachmittag am Fehrbclliner Platz in 
Wilmersdorf ab. Ein Kriminalbeainter traf dort zwei ver 
dächtig aussehende Burschen, welche im Begriff waren, Lack 
sticfel anzuproben. Als der Beamte näher kam, ergriffen 
beide die Flucht. Der eine hatte in der Eile ein paar 
Damenstiefel anprobiert, die den Dieb derart drückten, daß 
er festgenommen werden konnte, während der Koinplize 
entkam. Bei der Flucht ließen die Diebe auch zwei Kartons 
im Stich, die mit Mnstcrstiefeln gefüllt waren und mit den 
Zeichen „N. I." versehen sind. Der Verhaftete, ein ge 
wisser Otto Lenz. der mehrfach vorbestraft ist, will von 
seinem unbekannten Freunde die Kartons erhalten haben, 
so daß man über die Herkunft der Stiefeln noch im dunkeln 
ist. Bestohlene können sich auf dem Schöneberger Polizei 
präsidium inelden. 
o Schüsse auf fahrende Züge sind in letzter Zeit sehr 
häufig gewesen. Am Sonnabend wurde wieder in der 
Nähe der Marienfelder Straße in Lichterfelde auf einen 
Eilzug Halle—Berlin geschossen. Eine Fensterscheibe wurde 
zertrümmert, doch wurde glücklicherweise weiterer Schaden 
nicht angerichtet. Es wird noch festgestellt, ob es sich 
wirklich um einen Schuß oder etwa auch um einen Stein- 
wurf handelt; in beiden Fällen ist jedoch der damit aus 
geführte Unfug in gleicher Weise einer energischen Be 
strafung wert. 
o Lelbstmordversnch aus Liebesgram. Die zwanzig 
jährige Martha F. ans der Düppelstraße in Steglitz ver 
suchte sich mit Salzsäure zu vergiften. Die Lebensmüde, 
der sofort ärztliche Hilfe zuteil wurde, fand später im Kreis 
krankenhause Lichterfelde Aufnahme. 
o Einen Ohnmachtsanfall erlitt die Wirtschafterin 
Luise W. aus der Offenbacher Straße am Sonnabend auf 
der Straße. Sie erhielt sofort ärztliche Hilfe und wurde 
dann in ihre Wohnung gebracht. 
o Polizeibcricht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Schirm, 1 Hundemaulkorb. Die rechtmäßigen 
Eigentümer werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei 
Monaten im hiesigen Fnndbiiro, Fcurigstraße 7, Zimmer 22, 
geltend zu machen, da sonst anderweit über die Fnnd- 
gegenständc verfügt wird. 
Vereins-Nachrichten 
Morgen Mittwoch tagen: 
Theatcrvcrcin „il'erxcs" 187!!. Sitzungen jeden Mittwoch 
0*/ 3 Uhr im Acreinsloknl Paul Spanholz, Steglitz, Körncrstr. 48o. 
Gäste als Mitglieder willkommen. 
Berlin und Vororte 
§o Ein Kindesmvrd wurde gestern nachmittag im 
Tiergarten entdeckt. Dort fand ein Aufseher an der Reiter- 
brücke der Rousseauinsel im Wasser die Leiche eines neu 
geborenen Kindes, an der noch deutliche Spuren der ge 
waltsamen Tötung sichtbar waren. Dem Kinde ivar de: 
Kopf vollständig eingedrückt worden. Die Kriminalpolizei 
fahndet nach der unnatürlichen Mutter. - 
Zo Ein schweres Bvotsunglück ereignete sich gestern 
auf dem Wannsee. Die 19jährige Else Neuinann ans 
Weißensee unternahm mit dem Inhaber einer Weinstube in 
der Jägerstraße eine Segelbvotfahrt auf dem Wannsee. 
Das Boot geriet bei dem herrschenden Unwetter an eine 
gefährliche Stelle. Beim Wenden kennterte das Boot, und 
beide Personen sielen ins Wasser. Während der Herr von 
einem herzukommenden Dampfer aufgenommen wurde, war 
es trotz sofort vorgenommener Rettungsversuche nicht möglich, 
das Mädchen zu retten. Die Leiche konnte bisher noch nicht 
gefunden werden. 
tzo Einen Apparat zur Rettung von Menschen aus 
Feuersgefahr hatte der Feuerwehrmann Fritz Pahm aus' 
Köpenick gemeinsam mit seinem Kollegen Losch aus Ober- 
schöncweide erfunden und wollte ihn am Steigerturm in 
Oberschöneweide ausprobieren. Zweimal ließ er sich vom 
dritten Stockwerk des Turmes mit dem neunjährigen Sohn 
des L. glücklich ab. Beim dritten Male versagte der Apparat, 
und beide stürzten ab. Der Junge konnte von feinem unten 
stehenden Vater noch glücklich aufgefangen werden nnd blieb 
unversehrt, Pahm erlitt einen komplizierten Oberschcnkelbrnch 
und innere Verletzungen und fand Aufnahme im Elisabeth 
hospital, wo er in bedenklichem Zustande darniedcrliegt. 
o Steglitz. Eine Droschkenkutscher-Uniform ist soeben 
in unserer Gemeinde durch amtliche Bekanntmachung seitens 
des Amtsvorstehers festgesetzt worden: Die Kleidung besteht 
aus: Dunkelblauem Tuch-Waffenrock mit hellblauem 11m- 
schlagkragen und weißen Metallknöpfen; roter Tuchweste 
mit glatten weißen Knöpfen; Beinkleidern mit blaumeliertem 
Militärtuche ohne Biese; Dunkelblauem Tuchmantel mit 
Pelerine und hellblauem Nmschlagekragen, sowie 2 Reihen 
weißer Metallknöpfe. Futter von mittelblau wollenem 
Hut von weißlackicrtcm Leder mit schwarzem Kvpfbande und 
preußischer Kokarde, Halsbinde, Halstuch oder Schal in 
schwarzer oder weißer Farbe; schwarzen Lackstiefeln mit 
hohen Schäften, wenn- die Beinkleider in denselben getragen 
werden sollen. Im Winter ist das Tragen einer etwa 
12 ein hohen Pelzmütze nnd eines Pelzkragens von Bisam 
pelz, bei Regenwetter Ueberziehcr von gummiertem Stoffe 
mit 2 Reihen weißer Metallknöpfe, gestattet. Den Führern 
von Kraftdroschken ist gestattet, an Stelle der Tuchbekleidung 
lederne Kleidung von dunkler Farbe mit vorgeschriebenen Ab- 
zeichnen und an Stelle des Hutes in Zylinderform eine 
lederne Mütze zu tragen. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
In Nr. 20 Ihres geschätzten Blattes steht ein längerer Artikel 
au bevorzugter Stelle, welcher unsere Verkehrsverhältnissc behandelt. 
Es ivird darin gesagt, daß der Zwcckverband in erster Linie die 
Bediirfnisfrage prüft. Diese Frage würde, wenn richtig ange 
schnitten und von Interessenten vertreten, für den westlichen Teil 
Ffti die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hin- > 
scheiden unseres geliebten Sohnes 
Erwin 
i saecn wir allen Freunden nnd Bekannten innigsten Dank, 
besonders Herrn Pastor üörnandt für die trostreichen Worte 
am Sarge des Entschlafenen. . l 56C3 
Gustav Kutscher u. Frau. 
Berlin-Friedenau, den 22. Juli 1913. 
Handjerystr. 76. 
OKI 
Feuerbestattung 
mitallomZubcbör u. Gebühren [ 
darch das Beerdigungsinstitut j 
Oüo Schwarz 
Friedenau, Wilh.-Hauffstr. 11 J 
Ecke der Wielandstr. 
Fernsprecher Pfalz,barg 9858. | 
Persönliche Auisübrung. 
siUitfn gebrallchtcHerrenanzüge, 
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Off. unter W. K. Exp. d. Bl. 
1 Sofa, 2 Sessel billig zu ver 
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Kücheneinricht, u. a.preisw.zu vc 
Cranachstr. 44 beim Wirt. jöl 
Friedenaus, damit ist die Seite zwilchen Kaiserallce und Wilmers 
dorf gemeint, unbedingt bejaht werden. Wenn auch immer und 
immer wieder von anderer Seite betont wird, daß unser Ort ein 
ruhiger und geräuschloser bleiben soll, in dem der tagsüber abge 
arbeitete Mensch seine Erholung finden soll, so muß man doch aber 
auch dafür Sorge tragen, daß diese Menschen, die doch mit wenigen 
Ausnahmen den Ort ihrer Tätigkeit in Berlin haben, auf dem 
denkbar schnellsten und billigsten Wege ihr Heim erreichen kennen. 
Wenn inan aber wie die Anwohner um und hinter dem Schiller 
platz, 45 bis 00 Minuten benötigt, um nach der Friedrich- Ecke 
Leipzigcrstraße oder bis nach den Linden zu kommen, so ist dies 
entschieden nicht mehr zeitgemäß. Eine moderne Fahrgelegenheit 
soll aber nicht nur schnell, sondern auch oft sein und in diesem 
Punkte hapert cs noch bedenklicher. Heut ist für das westliche 
Friedenau nach der Leipzigcrstraße, man glaubt es kaum, die 
Waunseebahn diejenige, welche am schnellsten und in den kürzesten 
Zwischenräumen, wenigstens während der Zeit, in welcher die 
meisten ihre Arbeitsstätte aufsuchen, den Verkehr mit Berlin herstellt. 
Dein westlichen Friedenau fehlt eben eine schnelle Verbindung mit 
der Leipzigerstraße. Der schönste und ruhigste Platz hat für den 
Großstädter keinen Wert, wenn er ihn nicht schnell erreichen kann 
und wenn die Ruhe einiger Leute, die cs nicht mehr nötig haben 
zu arbeiten, ein wenig gestört ivird, daun mögen sie sich, wenn 
Hunderte dadurch geivinnen, eine andere Straße wählen, denn sie 
haben's ja dazu. Die Kostcnfrage dürste sich doch auch wohl in 
anderer Weise regeln, als der Schreiber des Artikels meint, und 
wenn eine neue Linie rentabel erscheint, dann dürfte sich die Große 
Berliner oder sonst wer kaum iveigern, die Sache auf eigene Kosten 
zu machen. — Ja, unser Ort hat in den Straßen schöne Bäume 
und die ganz großen imponieren dem Großstädter am meisten. Die 
Bäume haben aber wie alles auch ihre Schattenseiten. Wenn die 
Kronen der Bäume so groß sind, daß sie Lust und Licht absperren, 
dann sind die unteren Wohnungen dumpfig und nicht mehr so 
gesund und die Vorgärten, die doch eine Zierde sein sollen, sehen 
erbärmlich aus und machen dem Besitzer neben Kosten nur Verdruß, 
denn unter dcir großen Bäumen zwischen den hohen Häusern wächst 
eben nichts mehr. Licht und Sonne bedeuten Leben und 
Gesundheit und wo beides fehlt, stirbt alles ab. Also auch die 
Straßenbäume dürfen nicht bis in den Himmel wachsen. Dies so 
nebenbei. — Ob unsere Gemeindeverwaltung klug und weise 
handelt, wenn sie den Anwohnern der westlichen Hälfte (die richtige 
ganze Hälfte) jedes Bediirfnis einer besseren Verbindung mit Berlin 
absprickst, mögen kommende Jahre entscheiden. Die Majorität in 
der Gemeindevertretung hat ihren Wohnsitz in oder jenseits der 
Kaiserallce, in dem alten Friedenau und wenn matt auch annehmcir 
kann, daß alle den besten Willen haben, das Beste fiir unseren Ort 
zn tun, so sind cs doch eben aud) nur Menschen und Jemand, der 
nahe der Rheinstraße wohnt und vierfache Fahrgelegenheit hat, ist 
garnicht in der Lage, sich in die Gefühle des anderen zn versetzen, 
dem diese Verbindüngen fehlen. Wenn uns, von dein westlichen 
Teil, die Gemeindevertretung im Stich läßt, dann müssen wir uns 
selbst helfen und uns organisieren, um unseren berechtigten Wünschen 
Nachdruck verschaffen zu können. W. L. 
Vermischtes 
*o Das Auswärtige Amt hat eine größere Anzahl des deutschen 
Telcgrammschlüssels „Carlowitz-Code" von der Firma Carlowitz & 
Eo., Hamburg, bezogen, um damit alle wichtigeren Konsulate aus 
zurüsten. Der Carlowitz-Code wird der einzige im Handel be 
findliche Code sein, den die Konsulate für ihren eigenen Gebrauch 
und den Firmen ihrer Bezirke vertuenden. Die Anschaffung des 
Code dürfte daher allen Exportfirmen zti empfehlen sein. Aus 
künfte bezüglich des Carlowitz Code erteilt auf Wunsch die Pots 
damer Handelskammer, Sitz Berlin, Berlin 0. 2, Klvslerstr. 41, die 
mit dem Code ausgerüstet ist. 
*o Internationaler Jugeirdschutzkongrcß. Der Kongreß findet 
vom 23. bis 20. Juli in Brüssel statt. Er tagt in zwei Sektionen, 
deren eine Frage über die Behandlung der verwahrlosten und ver 
nachlässigten Jugend, deren andere die Hygiene des Kindcsaltcrs 
und die Kinderpflege zum Gegenstände hat. Im Anschluß an die 
Verhandlungen ivird die Schaffung eines Internationalen Amtes 
fiir Kinderschutz und Jugendfürsorge erstrebt, über dessen Gestaltung 
in Brüssel hoffentlich eine Einigung erzielt wird. Aus dem 
Programm der 1. Sektion heben ivir hervor: 1. Zuständigkeit der 
Jugendgerichte. Ist es zweckmäßig, den Jugendgerichten alle die 
Kinder betreffenden gerichtlichen Sachen wie die Entmündigung des 
Vaters, Bvrmuudschaftsfragen usw. anzuvertrauen? Bejahenden 
Falls, welches sind die geeigneten Maßnahmen, um in der öffent 
lichen Meinung die Entscheidung zwischen diesen Gerichten und den 
gewöhnlichen Strafgerichten klarzustellen? 2. Organisation der 
Schutzaufsicht, a) Wie müssen sich während der Schutzaufsicht die 
Beziehungen des Richters zum Kinde, zu den Eltern, den Vor 
mündern usw. gestalten, wie zu den Vertretern der Jugendsürsogc- 
vcreine und den mit Jugcndschuß befaßten Wohltätigkcitsaustalten? 
Welches sind die praktischen Alittel, diese Maßnahmen einzuführen 
und auszubauen? I,) Ist eine sachliche Ausbildung der Jugcnd- 
gcrichtshclfcr zn empfehlen? Welche Disziplinen sind für diesen 
Fall zn lehren? Sind für die Arbeit bestimmte Richtlinien auszu 
stellen? Anormale Kinder. Wichtigkeit der Frage der Anormalität 
bei den Vorerniittclnngcu, der Vcurtcilung und der Behandlung 
verwahrloster Kinder. 4. Vormundschaft über uneheliche Kinder. 
Ist es zu empfehlen, gesetzlich für die unehelichen Kinder eine Bc- 
vvrmundschaft einzuführen? Die 2. Sektion wird sich mit folgenden 
Fragen beschäftigen: 1. Einheitliche Grundlagen für die statistische 
Feststellung der Kindersterblichkeit. 2. Verbreitung der Grundsätze 
'der Kindcrhygienc und Kinderpflege im Volke. 3. Haltckindcivescn. 
4. Schutz der Jugend gegen Alkoholisnins. 
*o Im Obcrwesterivaldkreise wird der Vorstand des Vatcr- 
läudischeir Francnvercins Maßnahmen zur Bekämpfung der 
Tuberkulose einführen, Nach Angabe des Kreisarztes gibt es dort 
über 000 tuberkulöse Personen. Im vergangenen Jahre waren 03 
Todesfälle infolge Tuberkulose zu verzeichnen, während z. B. an 
Diphtherie nur 7, au Scharlach nur 3 Personen gestorben sind. 
In den Orten Hachenburg und Marienberg wird nun je eine Für- 
sorgcstelle unter einer Schwester eingerichtet. Die Schwestern 
sollen in den einzelnen Gemeinden die Häuser, in denen Tuber 
kulosekranke sind, aussuchen und aus Beobachtung der hygienischen 
Vorsichtsmaßregeln hinwirken, auch für versicheruugspflichtige 
Kranke Hilfe von der Lnndesversichcrungsanstalt zu erlangen 
suchen. Tie Kranken werden an den Fürsörgcstcllen unentgeltlich 
untersucht und belehrt; belehrende Flugblätter sollen, soweit die 
Mittel reichen, verteilt und Desinfektionsmittel abgegeben iverden. 
Es soll dahiir gewirkt iverden, daß in jedem Ort eine Vertrauens 
person gewonnen und in jedem Kirchspiel eine Krankenschwester 
angestellt ivird. 
Wetteraussichten. 
Mittwoch: Kühl, vorwiegend trübe mit wiederholten 
Regenfällcn und ziemlich frischen westlichen Winden, dazwischen 
zeitweise aufklärend. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius, Friedenau. 
SA 
frisdroaiiBF Spar- u. QaFlebnsbassBi 
e. Q. di. b. H. 
Rheinstr. 69 Kassenständen 9-1, 3-5 Ühr. Tal. Pseb. 2865. 
Sparkasse -^°|o 
I Relchsbank-Giro-Konto. (Diskontierung von Wechseln. 
1 Kontokorrent-, Depositen- u. Schack-Verkehr. 
Der Vorstand.
        
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