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Periodical volume Nr. 170, 22.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

abgenutzte oder veraltete Teile des Unternehmens je nach 
Bedarf wieder ersetzt werden können. Ihre Höhe muß 
ebenfalls für die einzelnen Gewerbe, je nach der Ab- 
nutzungs- und Veraltungswahrscheinlichkeit, bemessen werden. 
Dr. Most fiihrt dann die wichtigsten Gemeindcbetriebe 
auf und nennt die Wasserwerke, die ursprünglich nur Feuer 
löschzwecken dienten, in der Gegenwart aber darüber hinaus 
zcntr'ale Vcrsorgungsanstalten darstellen, die den Bürgern 
nicht nur ein einwandfreies Trink-, sondern auch Brauch 
wasser für die Wohnstätten sowie für öffentliche und ge 
werbliche Zwecke in einer jederzeit ausreichenden Menge 
und unter einem solchen Druck und wenn möglich so ein 
heitlich zufiihren, daß das Wasser unmittelbar aus den Ver- 
teilungsleitungen au den Gebrauchsstellen entnommen 
werden kann. 
Was die Licht- und Kraftwerke anlangt, so wurden die 
ersten Versuche mit Gasbeleuchtung ans deutschem Boden 
1817 in Frciburg vorgenommen. Die ersten Gasanstalten 
in Deutschland (Berlin und Hannover) wurden seitens einer 
englischen Gesellschaft errichtet. Eine erhebliche Konkurrenz 
ist seit den 80 er Jahren durch die Elektrizität umso mehr 
entstanden, als letztere von vornherein weit vielseitiger ver 
wandt werden konnte, als das Gas. Im übrigen macht 
sich neben der starken Konkurrenz zwischen Gas urd Elek 
trizität doch bereits eine gewisse Arbeitsteilung namentlich 
dort, wo die Gerneinden gleichzeitig ein Gas- und Elek 
trizitätswerk unterhalten, bemerkbar. Auf das nähere hier 
einzugehen, diirfte zu weit führen und gerade an dieser 
Stelle nicht erforderlich sein. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Schnlsparkasse unserer Gcmeindeschulcn verfügte 
am Schlüsse des Jahres 1912 über einen Gesamtbcstand 
von 62 191,34 M. Von diesem Betrage gehören der 
Knabcnschulsparkasse 30 340,74 M., der Mädchenschulsparkasse 
31 850,60 M. Zu Ende des Jahres 1911 verfügte die 
Schulsparkasse für die Knaben über 27 207,85 M., für die 
Mädchen über 27 528,99 M., zusammen 54 736,84 M. 
Eingezahlt wurden von den Knaben 11 773,42 M., von 
den Mädchen 14 225,13 M.; ausgezahlt wurden an 
die Knaben 9426,36 M., an die Mädchen 10 716,37 M. 
An Zinsen kamen zu für die Knaben 785,83 Al., für die 
Mädchen 812,85 M., sodaß sich der obengenannte Gesamt- 
bctrag Ende 1912 ergibt. Es haben 871 Knaben (80 °/ 0 ) 
und 994 Mädchen (76 °/ 0 ) gespart. Seit Bestehen der 
Kasse (1899) sind gespart 201 111,92 M., ausgezahlt 
138 920,58 M. Für jede Schule ist als Rendant der Kasse 
ein Lehrer tätig. Diese bewirken das Zuschreiben der 
vierteljährlichen Zinsen, die Auszahlungen an abgehende 
Sparer, das Ausstellen von neuen Quittungsbiichern und 
sind zu einer kassenmäßigen Buchführung verpflichtet. Sie 
erhalten neben der Tantieme von Vs u /o der abgeführten 
Spareinlagen Sonderentschädigungen in Höhe von je 100 
Mark ans der Krcissparkassc und je 100 M. aus der 
Gemeindckasse. 
o Eine Zählung der Dbstbänme findet nach einem 
Beschlusse des Bundesrats im September d. Js. in allen 
Bundesstaaten statt. Die Zählung erstreckt sich auf Aepfel, 
Birnen, Zwctschen, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche 
und Wallnüsse und umfaßt auch Zivcrgobst und Spalier- 
bäume. 
o Ueber die Anskunftspflicht der Arbeitgeber betr. 
die Einkommcnsverhältnisse ihrer Angestellten hat das 
Kammcrgericht eine wichtige Entscheidung gefällt. Es 
handelt sich in einer Klagesache, die die Berliner Steuerbehörde 
angestrengt hatte, um die Frage, ob ein Unternehmer, der 
der Steuerbehörde gegenüber zur Auskunft über die Ein- 
kommensbczüge seiner Angestellten verpflichtet ist, auf die 
Anfrage der Steuerbehörde auch dann Bescheid geben inuß, 
wenn er nur Angestellte, die mehr als 3000 M. Einkommen 
beziehen, in seinem Betriebe beschäftigt. Ein Arbeitgeber 
in Berlin war auf Grund des § 23 des preuß. Einkoinmcn- 
stenergesetzes von der Berliner Steuerbehörde aufgefordert 
worden, Name, Wohnung und Einkommen derjenigen bei 
ihm beschäftigten Personen anzugeben, welche ein Ein 
kommen bis 3000 M. haben. Zugleich wurde er gebeten, 
falls er solche Personen nicht beschäftige, dies der Behörde 
«■»■■IIJUMBMMWMBnMBillWII 
«Stunden einen Freund gibt, ivlc Sic cs sind, Lcchmere!" 
sagte sic warm. „Sie baden den 'Anschlag unserer Feinde 
zunichte gemacht. Ter Artikel ivird wirkungslos vcrballen, 
wenn mit ihm zugleich die Berichtigung erscheint, und vor 
allem, wenn mein Gemahl in der Hauptstadt von 'Astorien 
eintrifft. — Freilich wäre es mir lieber, könnte ich ihm außer 
dem Kapitän Alexis noch einen meiner Freunde bcigeben. 
"Aber ich kann Sie alle hier nicht entbehren ich bedarf 
Ihrer Hilfe gegen unsere Gegner, die sicherlich darauf sinnen 
werden, einen neuen Schlag gegen mich zu führen." 
„Majestät verzeihen — aber ich glaube wohl, daß ich 
von größerem Nutzen bin, wenn ich den König begleite, .wie 
meint ich hier in London bleibe," sagte da Maxwell ehrerbietig. 
„Und ich — ich wäre glücklich, wenn ich mich — für einige 
Zeit von hier entfernen könnte." 
Tie Königin dankte ihm herzlich und wandte sich dann 
an Lcchmcre. 
„Wann kann der König London verlassen?" 
„Am besten noch vor dem Morgen, Bi äsest ät! — Ich 
werde ans der Stelle Sorge tragen, daß ein Extra-Zug nach 
Dover bereit gestellt ivird, und daß Seine Majestät ein 
Dampfschiff bereit finden, ihn über den Kanal zu bringen. 
Die notwendigen Depeschen werde ich cbensalls aufgeben. 
Wenn der König einwilligt, die Reife anzutreten, che 
Tie Königin lachte leise,' ihre Augen aber blickten hart 
und energisch. 
„Der König wird reisen —verlassen Sie sich darauf! Er 
wird London verlassen, ehe der Aiorgcn graut. Es wird 
natürlich peinliches Aufsehen erregen, wenn er sich ohne Verab 
schiedung nach Astorien begibt, wenn er nicht einmal den 
Hof von seiner Abreise in Kenntnis setzt. Darum jedoch 
können wir uns jetzt nicht bekümmern. Ich werde dringende 
Staatsgcschäste vorschieben — werde ihn zu entschuldigen 
wissen. Ich selbst werde ja dem König in nicht cUir zu 
langer Zeil folgen müssen. Ilnd es werden große Veränderungen 
eintreten in Astorien — die Erlebnisse dieses Abends haben 
mir Plaue und Eutichliisse aulgedchngl, -je Rußland nicht 
mitzuteilen. Er gab keine Auskunft, weil er derzeit solche 
Personen, die weniger als 3000 Al. hatten, nicht beschäftigte. 
Die Mitteilung, daß er solche Personen nicht beschäftigte, 
unterließ er ebenfalls. Deshalb wurde er wegen Ueber- 
tretung des Z 23 des Einkommensteuergesetzes angeklagt. 
Das Landgericht Berlin I sprach ihn jedoch frei. Das 
Kammergcricht verwarf dieser Tage die Revision der 
Staatsanwaltschaft mit folgender Begründung: Der § 23 
begründe die Auskunftspflicht nur mit Bezug auf die Per 
sonen, deren Einkommen 3000 M. nicht übersteige. Solche 
waren nicht beschäftigt. Zu einer negativen Auskunft ver 
pflichte das Gesetz aber nicht. Angeklagter sei darum mit 
Recht freigesprochen worden. Ein Arbeitgeber, der Ange 
stellte, mit einem Einkommen unter 3000 M. nicht be 
schäftige, wäre sonach befugt, eine etwaige Anfrage der 
Steuerbehörde unbeantwortet zu lassen; die Steuerbehörde 
ihrerseits hätte aus dem Ausbleiben einer Antwort, sofern 
nicht andere Gründe dagegen sprechen, den Schluß zuziehen, 
daß in dem Betriebe des befragten Arbeitgebers steuer 
pflichtige Personen mit einem Einkommen unter 3000 M. 
nicht beschäftigt werden. 
o Zur Frage des unlauteren Wettbewerbs schreibt 
der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser: „Herabgesetzt 
bis zu . . . ." Sehr häufig findet man Anzeigen, in denen 
die Herabsetzung der Preise bis 20, 30, 40 usw. v. H. an 
gekündigt wird. Diese ist durchaus erlaubt, sie muß aber 
bei allen in der Anzeige erwähnten Waren stattgefunden 
haben, falls nicht aus der Ankündigung hervorgeht, daß nur 
ein Teil der Waren oder ganz bcstinunte Artikel im Preise 
herabgesetzt sind. Eine solche Reklame ist keineswegs 
unstatthaft oder zur Irreführung geeignet. Ob die Preis 
herabsetzung in einer Preisgegeniiberstelluug wie: „früher — 
jetzt" oder in der Angabe eines Prozentsatzes geschieht, ist 
völlig gleichgültig. Es kommt nur darauf an, daß die in 
der öffentlichen Bekanntmachung gemachten Angaben deutlich 
und bestimmt sind und den Tatsachen entsprechen, so daß 
das Publikum genau aus ihr ersieht, um was sich es handelt, 
und somit eine Jrrführung ausgeschlossen ist. 
o Gegen den Unfug anonynier Anzeigen. Sehr 
nachahmenswerte Bestimmungen hat der Bürgermeister von 
Zittau, Dr. Kulz, getroffen, um dem Unwesen der anonymen 
Anzeigen zu begegnen, die sich in letzter Zeit stark häuften. 
Er hat, wie aus Zittau berichtet wird, sämtliche Geschäfts 
stellen angewiesen, auf anonyme Schriftstücke. Anzeigen usw. 
in keinem Falle etwas zu verfügen, sie vielmehr ihm vor-! 
zulegen. Ist der Urheber der anonymen Zuschrift zu er 
kennen, so wird sie ihm mit entsprechender Bemerkung 
zurückgesandt werden; wird ■ jemand in der Eingabe* 
denunziert, so erhält dieser die Denunziation zugeschickt, da-; 
mit er weiß, daß er in seiner Umgebung gute Freunde hat. 
In allen andern Fällen wandern die anonymen Schrift-! 
stücke einfach in den Papierkorb. 
o Gegen den Hundeschmntz auf den Bürgersteigen. 
Ter Amtsvorsteher von Berlin-Lankwitz veröffentlicht soeben 
eine für Hundebesitzer beachtenswerte Bekanntmachung. ®§, 
wird darin darauf hingewiesen, daß das zur Durchführung; 
der Hundcsperre ergangene Gebot, die Hunde an der Leine; 
zu führen, es mit sich gebracht hat, daß die Bürgersteige 
von den Hunden in ganz ungewöhnlichem Blaße beschmutzt 
werden. ES gehöre zur Aufsichtspflicht der Tierhalter, dafür 
zu sorgen, daß auch ihre Hunde den Bürgersteig, dessen 
Verunreinigung nach einer Ortspolizcivervrdnuug verboten 
ist, nicht verunreinigen. Gerade das jetzt vorgeschriebene 
Führen der Hunde an der Leine biete eine besondere Er 
leichterung, dieser Pflicht zu genügen, da die Hunde, sobald 
es nötig sei, ohne Schwierigkeit auf den Fahrdamm geführt 
werden könnten. Ter Amtsvvrsteher richtete daher an die 
Hundebesitzer die Bitte, ihrer Aufsichtspflicht zu genügen da 
die Polizeibcamten zudem angewiesen sind, bei Ver 
unreinigung der Bürgersteige durch Hunde gegen die Be 
gleiter der Hunde einzuschreiten. 
v Auf dem Büro der Potsdamer Handelskammer, 
Sitz Berlin, Berlin 0 2, Klosterstr. 41, liegen Listen 
zweifelhafter Firmen in Belgien, Türkei in Asien und den 
Niederlanden für Jnteresienten zur Einsichtnahme aus. 
v Konkurs des Mietverfichernngsvereinß. Ueber 
das Vermögen dis Allgemeinen Deutschen Akietversicherungs- 
vereins auf Gegenseiligkeit in Liq. ist beim Amtsgericht 
Schonebcrg der Konkurs eröffnet worden. Konkursver- 
f.rsreucn sollen. — Aber da ist noch etwas anderes, woran 
wir denken müssen." 
Sie machte eine Pause und blickte auf Lechmcre. Er 
schien ihre Gedanken zu erraten, denn mit einem leichten 
Lächeln sagte er: 
„Ich versteh«', was Majestät meinen. Es wäre vergeblich, 
den König fortzuschicken, wenn er sich trotzdem — weiter in 
London aufhielte, we»in er. obivohl er nicht mehr hier ist, 
doch noch hier gesehen wird, Nun, ich werde Ihnen das 
Rätsel, wie sich der König an zivei Orten zugleich aufhalten 
konnte, in kürzester Frist lösen. Wenn Majestät sich einen 
Augenblick gedulden wollcn * 
Er blickte fragend auf die Königin. Sie erklärte kurz, 
daß sie hier warten würde, bis er zurückkehre. 
Er ging hinaus, die Tür leise hinter sich ins Schloß drückend. 
Nachdenklich blickte er vor sich nieder, während er sich eine 
Zigarre anzündete. 
„Tic Räume haben noch einen zweiten Ausgang nach 
der Hintertreppe,? murmelte er vor sich hin. „Nun, dazu 
ist ja die Angelschnur. Ich denke, mein Freund Mazarosf 
wird nicht sonderlich erbaut sein." 
Er ging über den Flur und öffnete die Tür eines 
Zimmers, das vom Licht mehrerer elektrischer Lampen er 
leuchtet war. Es schien eine Art Herrenzimmer zu sein und 
war mit Hirschgeweihen und anderen Jagdtrophäcu, alten 
Gewehren, Säbeln und ausgestopftem Getier phantastisch 
dekoriert. Lechmcre schenkte dem allen keinen Blick; er schien ge 
spannt auf irgend etwas zu horchen. 
Aus dem Nebenzimmer klang eine tiefe, männliche Stimme 
— die des Prinzen Mazaroff. Man konnte nicht verstehen, 
was er sprach; aber cs mußte wohl ein Scherz gewesen sein, 
denn unmittelbar darauf folgte ein leises Gelächter. 
Dann huschte plötzlich ein triumphierendes Lächeln über 
Lechmcres Gesicht. Ein anderer hatte dem Prinzen geantwortet 
— eine klangvolle, sonoreMännerstimnie, die er gut genug kannte. 
Er ging langsam und ohne seinen Schritt zu dämpfen, zu der 
Tür, die die beiden Räume mitcinqnder verband, und ilopste 
walter ist Kaufmann Zuther, Barbarossastr. 42. Die An 
meldefrist läuft bis zum 20. September. Die erste 
Gläubigerversammlung findet am 16. August, 10 Uhr Vor 
mittags statt. In der zu Anfang dieses Monats abge 
haltenen Generalversammlung des Vereins teilte dessen neu- 
gewählter Liquidator Rechtsanwalt Steinchen mit, daß die 
Eingänge im Juni sehr ungünstig gewesen seien und daß, 
wenn nicht im Juli eine Besserung eintrete, der Zusammen 
bruch unvermeidlich sei. Die für 1912 angemeldeten und 
noch - zu zahlenden Schäden beliefen' sich auf über eine 
Viertelmillion, welche Summe allerdings durch Vergleiche k. 
auf etwa 200 000 M. herabgemindert werden konnte. 
v Firmcneintragung. Nr. 12 287. Jacob Soor, 
G. m. b. H. Sitz: Berlin-Friedenau. Gegenstand des 
Unternehmens: Der Erwerb und Betrieb des unter der 
nicht eingetragenen Firma Jacob Soor in Berlin-Frie 
den au betriebenen Geschäfts betr. Klempnerarbeiten, Gas- 
und Wasserinstallationen und Herstellung von Warmwasser- 
bcreitungsanlagen, die Ausführung von. Klempncrarbeiten, 
Gas- und Wasserinstallationen, die Herstellung von Warm 
wasserbereitungsanlagen und alle hiermit in Zusammenhang 
stehenden Geschäfte. Stammkapital 20 000 M. Geschäfts 
führer: Klempnermcister Jacob Soor in Berlin-Friedenau. 
Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Als Einlage auf 
das Stammkapital wird in die Gesellschaft eingebracht vom 
Gesellschafter Jacob Soor das von ihm betriebene Geschäft 
mit allem Handwerkszeug ohne Passiva, wofür ein Wert 
von 18 000 M. festgesetzt ist, unter Anrechnung in dieser 
Höhe auf dessen volle Slammeinlage. 
o Heilpflege für Mittclstandskmder. Im Mittel 
stands-Kinderheim zu Henkenhageu bei Kolbcrg sind für den 
4. August, vom 1. bis 28. August, noch einige Plätze frei. 
Die vierwöchige Kur kostet einschließlich Eisenbahnfahrt 
Berlln—Berlin 100 M. Die hiesige Ortsgruppe gibt auf 
Antrag und unter Zusicherung strengster Diskretion Bei 
hilfen. Anmeldungen nehmen entgegen die Herren Direktor 
Hannemann, Königin-Luise-Schule und Architekt Gustav 
Graßmann, Riugstr. 4. 
o 19jähriges Geschäftsjubilämn. Die Depositen 
kasse Y der „Deutschen Bank" bestand gestern. 10'Jahre 
in Friedenau. Im „Haus- und Grundbesitzer-Verein" 
wurde bereits Anfangs der 90er Jahre der Wunsch nach 
einem Bankgeschäft in Friedenau laut. Die Bemühungen 
des Vorstandes dieses Vereins, wie yuch des Gemeinde- 
vorstandes hatten zur Folge, daß hier 1903 die Deutsche 
Bank im Hause Rheinstr. 17 eine Depositenkasse eröffnete. 
Der Deutschen Bank folgten später die Dresdner Bank, die 
Commerz- und Diskonto-Bank und die Diskonto-Gesellschaft. 
Ehe sich die Deutsche Bank hier niederließ, war schon 
von Handel- und Gewerbetreibenden die „Friedenauer Spar 
und Darlehnskasse" ins Leben gerufen worden. Alle diese 
Banken haben hier einen lebhaften, sich ständig noch steigern 
den Geschäftsverkehr aufzuweisen. Die Deutsche Bank hat 
aus diesem Grunde auch im Vorjahre ihre veralteten und 
zu klein gewordenen Räume aufgeben und in neue moderne 
Räume nach dem Hause Rheinstr. 59 übersiedeln müssen. 
o Die „3. Biencnwirtschaftliche Ausstellung", die 
in der Hasenheide 108-114 vom 25.—30. Juli stattfindet, 
verspricht einen großen Erfolg, trotz des schlechten Honig- 
jahres. 150 Bienenvölker, 11000 Pfund Honig. 200 junge 
Königinnen, in kleinen Glaskästen sichtbar, Bücher, ungezählte 
Geräte, wisseuschaftlichc Präparate, sind angemeldet. Der 
Protektor der Ausstellung, Prinz August Wilhelm von 
Preußen, hat seinen Besuch zugesagt. Er wird auch vor 
aussichtlich einigen Borträgen zuhören, die auf der Wander- 
versammlung der deutsch-österreichischen Bieucnivirte 
während der Ausstellung gehalten werden. Am Sonntag 
den 27. d. Mts. werden gegen 1000 Eisenbahnbeamtc zu 
einem besonderen Eisenbahner-Jmkertag unter dem Vorsitz 
des Präsidenten der Landwirtschaftskammer v. Arnim-Gütcr- 
berg erwartet. Während der Ausstellungstage findet auch 
Honigverkanf statt. 
o Die Laubenfeste haben begonnen. Die „Land 
güter" werden von ihren Besitzern mit Fahnen, Wimpeln 
und bunten Ballonen geschmückt. Eine Hauptzierde bilden 
die ans farbigen Papierstreifen hergestellten Girlanden, die 
vom Dach der Lauben nach allen Richtungen gezogen werden. 
Am Nachmittag findet gewöhnlich unter Vorantritt einer 
kleinen Musikkapelle der Festzug statt, in dem neben den 
WIM I I ■■MaMMaMMMWMIWII! 
an. Gleich daraus wurde sie ciu wenig geöffnet, und Boris 
Mazarosf steckte den Kopf durch die Spalte. 
Er erbleichte, als er deu späten Besucher erkannte,. be 
herrschte sich jedoch vvllkviiuucn und fragte auschciucud ruhig, 
was er wünschte. Lcchmcre tat erstaunt. 
„Wie seltsam!" rief er. „Ich komme hierher, um meinen 
Freund Berns zu besuchen, und treffe Sic an. Was führt 
Sic denn hierher, mein Prinz?" 
Mazarosf streifte ihn mit einem niißtranifchcu Blick. 
Lechmcre^ legte jedoch eine so täuschende Unbefangenheit au den 
Tag, daß der Russe, erleichtert aufatmend, in das Zimmer 
kam und die Tür so sorgfältig hinter sich zuzog. daß der 
andere keinen Blick in den Rebenraum werfen konnte. Da 
drinnen war cs jetzt totenstill. 
„Bevis ist nicht hier," sagte der Prinz lächelnd. „Und 
es ist leider ganz unmöglich, Lechmcre, daß Sie dort hinein 
können. _ Ich habe einen — einen Freilich hier, der nicht gern 
gesehen fein will." Er lächelte und zwinkerte mit den Augen. 
„Sie sind ein Mann, Lcchmcre, der schweigen kann, und Ihnen 
darf ich cs schon sagen: mein Freund hat nämlich lange 
Haare und seidene Unterröckchcn." 
Er lachte wie über einen guten Witz, beobachtete Lechmcre 
dabei ans den Augenwinkeln. Ter lächelte pflichtschuldigst. 
„Ah, ich verstehe!" meinte er. „Aber wo ist denn Bevis?" 
„Ich habe keine Ahnung, wo er sich gegenwärtig auf 
halten mag !" antwortete der Russe. „Ep kam vor einiger Zeit 
zu mir und fragte mich, ob ich nicht seine Zimyier übernehmen 
wollte. Er würde von einigen Manichäern hart bedrängt 
und zöge cs deshalb vor, England für ein paar Monate Valet 
zu sagen. Ta seine Räume sehr ungestört liegen, nahm ich 
sein Anerbieten dankbar an. Ich vermulc, er wird sobald nicht 
zurückkommen: jedenfalls nicht eher, als bis seine Famjlie 
die zahltoscn Schulden bezahlt hat. Er hgt etwas leichtsinnig 
gelebt, der gute Junge." 
Lechmcre nickte. 
(Korlsetznug oafluj
        
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