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Periodical volume Nr. 169, 21.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

In der Praxis bereitet freilich diese Scheidung 
Zioischen Gemeindeanstaltcn und gewerblichen Unternehmungen 
mancherlei Schmierigkeiten, weil die Grenzen flüssig sind. 
Hinsichtlich vieler Unternehmungen wie Wasserwerke und 
dergleichen liegen die Grenzen sehr zweifelhaft, da einerseits 
zwar ein dringendes öffentliches Interesse für die Errichtung 
vorliegt, andererseits aber oft recht erhebliche Ueberschüsse erzielt 
werden. In solchen Fällen wird der Zweifel danach zu 
entscheiden sein, ob für die Gemeindeangehörigen ein Zwang 
zur Benutzung des Unternehmens gegen Zahlung einer Ver 
gütung besteht, denn solcher Zwang kann seine Rechtfertigung 
nur darin finden, daß die Gewinnerteilung keinen wesent 
lichen Zweck des Unternehmens ausmacht und dir Gemeinde 
in der Bestimmung des Preises durch die Genehmigungsfrist 
gebunden ist. Auch werden in anderen Fällen die 
tatsächlichen Wirtschaftsergebnisse längerer Jahre den für die 
Verwaltung maßgebenden Gesichtspunkt erkennen lassen. 
Die wirtschaftliche Bedeutung der Gemeindebetriebe ist 
erkenntlich aus deren Zahl und Umfang, über welche aller 
dings nur unzureichende Angaben vorliegen. Nach der für 
1908 über 2309 deutsche Städte vorliegenden Statistik hat 
über die Hälfte dieser kommunalen Wasserwerke, fast 1 js kom 
munale Gaswerke und fast 1 / 5 kommunale Elektrizitätswerke. 
Der Anlagewert der städtischen Betriebe in Deutschland 
wird auf Grund verschiedener Schätzungen auf Milliarden 
Mark geschätzt. 
Die viel erörterte Frage, welche von den einander 
gegenüberstehenden Formen der Erwerbsunteruehmungen — 
öffentlicher Betrieb auf der einen, privater Betrieb auf der 
anderen — volkswirtschaftlich wertvoller sei, wird von 
Dr. Most unzweifelhaft zutreffend dahin beantwortet, daß 
die Wahrheit hier in der Mitte liege. Die gewerblichen 
Betriebe gehören heute zu den wertvollsten und verant 
wortungsreichsten Vermögensbestandteilen der Gemeinden 
und haben insofern auch eine große Bedeutung für die 
Volkswirtschaft, denn auch die Gemeinde ist nicht ein auf 
sich allein gestellter Organismus, sondern ein Glied der 
Volkswirtschaft. Wie^ jede Uebertreibung an sich gesunder 
Priüzipien, kann aber auch ihre Ueberspannung von Schaden 
sein; dann nämlich, wenn die Gemeinde ohne dringende 
Veranlassung ihre gewerbliche Tätigkeit auf Unternehmungen 
ausdehnt, für welche die oben skizzierten Voraussetzungen 
nicht zutreffen und damit ohne Rot die private Unter 
nehmungslust hemmt, die doch mit ihrer Entfaltung der 
persönlichen Kräfte stets die Grundlage alles wirtschaftlichen 
Lebens bilden muß. 
Neuerdings ist man nun vielfach dem Gedanken der 
gemischten wirtschaftlichen Unternehmung näher getreten. 
Man hat diese neue Form gesucht, um -ohne ivesentliche 
Minderung der Gewinn- und Einflußmöglichkeit der Ge 
meinde doch deren finanzielles Risiko zu mindern und 
mehr als bisher nach sonst in der Industrie üblichen Grund 
sätzen zu arbeiten. Bei dieser Unteruehmungsform wird das 
Unternehmen zwar als private Gesellschaft, jedoch unter 
starker Beteiligung und Bevorrechtung der Gemeinde be 
trieben, daß letztere den wesentlich bcstimniendcn Faktor 
ausmacht. (Schluß folgt.) ' 
Cokales 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Für die Schulen hat unsere Gemeinde ganz erheb 
liche Aufwendungen zu inachen. Nach dem Verwaltuugs- 
bericht für 1912 betrugen die Kvstcnzuschüsse insgesamt 
568 931,93 M. (1911: 472 412.70 M.). Davon entfielen 
auf das Gymnasium 121 296,82 M. (111711,82 M.), auf 
das Refürmrealgymnasium 85 760,68 M. (73 410,50 MH, 
auf die Königin Luise-Schule 70 168,76 M. (33 566,22 Al.) 
und auf die drei Gcmeiudeschulcn 291 698,77 M. 
(253 724,16 M.). Nach dem Voranschlag für 1913 er 
fordern die Schulen einen Gesamtzuschuß von 637 858,41 
Mark, und zwar verteilt sich dieser wie folgt: Gymnasium 
131 097,32 M., Reformrealgymnasium 100 049,33 M., 
Königin-Luise 78 342,51 M. 3 Volksschulen 320102,25 M.. 
Handfertigkeitsuuterricht 2370 M., Gewerbliche Fortbildungs 
schule 5897 M. Die Zahl der Lehrkräfte an den höheren 
Schulen betrug im Vorjahre 75 (Gymnasium 30, Reform- 
Himmel, wie ist denn das möglich? — Aber ein Irrtum 
scheint ganz unmöglich — man kann ihn ja deutlich genug 
erkennen." 
35. Kapitel. 1 
Lechmere war im Begriff, sich mit dem Angelgerät zu 
entfernen, aber der General rief ihn zurück. 
■ „Was um des Himmels willen können Sie damit beab 
sichtigen?" fragte er. „Ich denke doch, daß Sie keine Ver 
anlassung haben, vor mir ein Geheimnis daraus zu machen." 
Aber der Gefragte schüttelte den Kopf. 
„Erlassen Sie es mir jetzl. Ihnen nähere Erklärungen zu 
geben. Ich gedenke in wenig Minuten zurück zu sein, und 
ich hoffe, daß ich Ihnen dann mancherlei zu erzählen haben 
werde. — 
ES gibt hier doch wohl auch eine Hintertreppe, mein 
General?" 
„Allerdings! — Und sie dient weniger dem Gebrauch 
der Tienstboten als dem durch einige junge Lebemänner, 
deren Nachbarschaft ich mich zu erfreuen habe, und denen sie 
für ihre kleinen Abenteuer oder für die Flucht vor ihren 
Gläubigern oft trefflich zustatten kommt. Sie befindet sich 
am Ende des Korridors." 
Lechmere murmelte einen hastigen Dank und verschwand. 
Es mochte kaum eine Minute vergangen sein, seitdem sich 
die Tür hinter ihm geschlossen hatte, als draußen ein leichter 
Schritt vernehmlich wurde und als zur gewaltigsten Ueber- 
raschung der beiden im Zimmer zurückgebliebenen Männer 
die schlanke Gestalt eines jungen Mädchens in der Tür 
von des Generals Schlafgemach sichtbar wurde. 
„Vera!" schrie Maxwell auf, abermals getäuscht durch 
Jessies außerordentliche Aehnlichkeit mit ihrer schönen Doppel 
gängerin. 
Aber er besann sich rasch darauf, daß es unmöglich 
Lord MerehavrNs Nichte sein konnte, die da vor ihm stand. 
Und er erhob sich, um sie nach der Ursache ihres so uner 
warteten Erscheinens zu fragen. 
«Ich bin mit der Königin hierher gekommen." erklärte 
rcalgymnasium 21, Königin-Luise-Schule 10 männl., 14 
weibl. zus. 24), an den 3 Volksschulen 65 (1. Gemeinde- 
schule 20, 16 m., 14 w.; 2. Gemeindeschule 25, 14 m., 
11 w.; 3. Gemeindeschule 20, 13 m., 7 w.). 
o Die neuen Straßenbahnwagen mit den ge 
schlossenen Plattformen, die zuerst auf der Linie 69 probe 
weise eingeführt wurden, fahren nunmehr auch auf der 
Linie J. Die Wagen weisen getrennte Ein- und Ausgänge 
ans und haben sich, wie schon in anderen Orten, auch hier 
bereits bewährt. 
o Einen prächtigen Anblick gemährt zur Zeit die 
Bahnböschung an der Varzinerstraße, von der Kaiserallee bis 
zur Laubacherstraße, wo die Malven oder Stockrosen 
(Althaea) in vollem Flor stehen. Ein reizendes Bild zieht 
an einem vorüber, wenn man die bezeichnete Strecke ab 
geht. Ein Spaziergang dorthin kann in der Tat nur 
empfohlen werden, um diese Staude mit ihren mächtigen, 
aufrechtstehenden Blütensäulen zu bewundern. Die großen, 
dicht um den Stengel stehenden, sowohl einfachen wie auch 
gefüllten Blumen erstrahlen in den reinsten Farben, weiß, 
gelb, rosa, karmin, dunkelrot, lachsfarben usw. Immer 
wieder entdeckt man in der Farbe andere Nuanzen. Dazu 
kommt, daß die Natur infolge des Regens 'in den letzten 
Tagen gewissernraßen ein „Großreinemachen" veranstaltet 
hat, indem jetzt nach wochenlanger Dürre alles im 
herrlichsten und frischesten Grün prangt. Während im ver 
gangenen Jahre bezüglich des Malvenflors fast ein Zuviel 
konstatiert werden mußte, findet in diesem Jahre ein sehr 
wirkungsvoller Ausgleich statt, da sich die den Hintergrund 
bildenden grünen Blattmassen in der Zwischenzeit bedeutend 
üppiger entwickelt haben, aus denen heraus der Malvenflor 
graziös hervorleuchtet. 
o Kühle Witterung ist seit Sonnabend eingekehrt. 
Nach dem Gewitter am Freitag hat sich der Himmel nicht 
wieder aufgeklärt. Gestern zog über unsern Ort ein 
Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen, das aber nur von 
kurzer Dauer war. Ein kalter Schlag traf ein Haus in der 
Cranachstraße und beschädigte das Dach. Nach den Mit 
teilungen der Wctterkundigen soll die kühle, feuchte Witterung 
noch längere Zeit anhalten. Das sind allerdings keine 
guten Aussichten für die Feriengäste. 
o Die Missionsspende zum Kaiserjubiläum hat auf 
evangelischer Seite nach den Veröffentlichungen des evan 
gelischen Arbeitsausschusses die Summe von 3 244 000 M. 
ergeben, worüber dem Kaiser ein Verteiluugsplan eingereicht 
werden wird. Aus der Vergleichung mit der Missions 
spende des katholischen Volksteils, die etwa 1 300 000 M. 
beträgt, ergibt sich die Tatsache, daß von der Gesamtspende 
auf den Kopf der evangelischen Bevölkerung ein Betrag von 
7,9 Pf., auf den Kopf der katholischen Bevölkerung ein 
solcher von 5,3 Pf. entfällt. 
o Einen glänzenden Sieg hat der „Friedenaucr 
Radfahrer-Verein" bei dem Mannschafts-Straßenrennen 
des Gaues Berlin, D. R. B., das gestern auf der Strecke 
Nauen—Kyritz zum 13. Male abgehalten wurde, errungen. 
In 3 Stunden 9 Min. 57,8 Sek. legte der Friedenauer 
Verein die Strecke zurück und stellte damit einen neuen 
Rekord auf. Gleichzeitig brachte er mit diesem dritten Siege 
endgültig den Vrenuaborpokal in seinen Besitz. Die Frie 
denauer haben mit diesem Sieg nicht nur einen Zcitrekord, 
sondern auch eine Höchstleistung an Siegen im 100-Kilo- 
mcler-Maunschafts-Rcnnen aufgestellt, denn in den bisher 
veranstalteten 13 Konkurrenzen rvarcn sie siebenmal siegreich 
und zwar 1902, 1903 und 1904, 1906, 1909, 1911 und 
gestern. 
o Das Kaninchenfleisch als Volksnahrnngsunttel 
führt sich wider Erwarten nur langsam ein. Daß die 
Berliner Hausfrauen vielfach noch große Vorurteile gegen 
Kaninchenfleisch hegen, ist eigentlich etwas verwunderlich. 
In Belgien und Frankreich haben sich die Lapins längst 
das „Bürgerrecht" erworben, auch in besseren Kreisen. Wer 
in die Geheimnisse der Kaninchenküche eingedrungen ist, 
wird es bestätigen, daß man in diese eine erstaunlich 
große Abwechslung bringen kann, und es dürfte sicher nicht 
viele Frauen geben, die auch nur die leiseste Ahnung haben 
von Kaninchenschmalz, Kanincheufrikassee, Kaninchen in 
Gelee, Kaninchenwurst (mit Zusatz von Schmeinelebex), 
sic. „Ihre Majestät hat mich ersucht, 7ic in ihr Hotel zu 
begleiten. Aber sie konnte sich nicht zur Ruhe begeben, ohne 
zuvor ihre Besorgnisse hinsichtlich Ihres Befindens, Herr 
General, beschwichtigt zu sehen." 
„Es geht mir so gut, als es nach Lage der Tinge nur 
immer zu wünschen ist," erwiderte der General von seinem 
Lager her. „Ich bin tief gerührt von der Güte Ihrer 
Majestät, aber ich kann nicht verhehlen, daß ich ihren Schritt 
für einen sehr unvorsichtigen halte." 
„Sie haben gewiß keinen Anlaß, der Königin deshalb zu 
zürnen. — Aber lassen Sie mich Ihnen erzählen, was sich 
soeben wieder Außerordentliches ereignet hat. — Wir verließen 
den König soeben in Lord Merehavens Hanse bei einer Partie 
Bridge, in die er so vertieft war, daß jeder Gedanke an 
einen baldigen Aufbruch ausgeschlossen schien. 
Und als unser Wagen, dessen Pserde den Weg in 
schnellster Gangart zurückgelegt hatten, hier vor dem Hause hielt, 
sahen wir Seine Majestät an einem Fenster sitzen. Es muß 
in einem der diesem Geniache benachbarten Zimmer gewesen 
sein. Er war im Gcscllschaftsanzug, so wie wir ihn ver 
lassen hatten, aber er halte seine Orden angelegt. Ihre 
Majestät die Königin wird mir bestätigen, daß ich die lautere 
Wahrheit spreche." 
„Ja, das kann ich," erklang hinter ihr die volltönende 
dunkel gefärbte Stimme der hohen Frari. „Und wir niüsscn 
unter • allen Umständen ergründen, welche Bewandtnis es 
mit diesem wunderbaren Vorfall hat." 
Wohl war auf Maxgregors Antlitz beim Anblick der 
geliebten Frau für einen Augenblick die helle Freude auf 
geleuchtet. daun aber dachte er wieder an das Wagnis, das sie 
ans Zärtlichkeit für ihn unternommen hatte, und an die 
Folgen, die sie damit möglicherweise über sich herausbeschworen. 
Und er verhehlte ihr seine Unzufriedenheit nicht. Aber ein 
Lächeln voll unendlicher Liebe glitt über Margaretens Gesicht, 
und statt sich zu verteidigen, fragte sie nur: 
„Wie befinden Sie sich, mein lieber Freund? — Haben 
Eie viel zu leiden?" 
«Meine Leiden sind viel mehr seelischer als körperlicher 
Kaninchellsuppe usw. usw. Um Kaninchen zu braten, 
werden sie gehäutet wie ein Hase und mit Speck, dem man 
ab und zu eine Sardelle beifügt, gespickt. Ehe man sie in 
die Pfanne legt, werden sie dick mit Mostrich bestrichen 
und, wie der Hase, in Butter und saure Sahne gebraten. 
Durch die Sardelle und den Mostrich wird dem Kaninchen 
fleisch jeder weichliche Beigeschmack genommen. 
o Im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte 
spricht am Mittwoch, dem 23. Juli, Abends 8^ Uhr, Herr 
Dozent Jens Lützen über „Neues von der Farbeit- 
photographie". Der Vortragende, gibt einen Uebcrblick über 
die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiete der Farben 
photographie und wird zahlreiche Naturfarbenaufnahmen 
nach den verschiedensten Systemen vorführen. Mit dem 
großen Fernrohr finden vor und nach dem Vortrag 
Beobachtungen statt und zwar werden ein Fixstern, der 
Mond oder Jupiter gezeigt. 
o Ein durch Aufregung geistig Gestörter verübte 
gestern Vormittag in der Gotenstraße zu Schöneberg mehr 
als groben Unfug. In einem dort gelegenen Restaurant ge 
rieten zwei Gäste, ein unbekannter wohnungsloser Mann 
und der 21 Jahre alte Bahnarbeiter Rhode aus der Goten- 
straße 11, in Streit. Im Verlaufe des Handgemenges 
wurde der dem Namen nach unbekannte Gast von Rhode 
durch Faustschläge so schwer verletzt, daß er besinnungslos 
zusammenbrach. Es gelang schließlich dem Wirt, Rhode 
aus der Wirtschaft zu entfernen. Dieser schlug darauf die 
große Fensterscheibe ein, um sich einen Weg ins Lokal zu 
verschaffen, was ihm jedoch nicht gelang. Der sich wie 
rasend Gebärdende entledigte sich nun der Oberkleider und 
zog mit entblößtem Oberkörper durch die Straßen der 
„Insel". Die Szene versuchte einen großen Menschcn- 
auflauf. Erst mehreren Schutzleuten gelang es. Rhode fest 
zunehmen und zur Wache zu bringen. Der schwerverletzte 
Gast wurde zur Unfallstation gebracht. 
o Der Verlagsbnchhändlcr Albert de Groussillicr 
aus der Ringjtr. 21, über dessen Verschwinden aus einem 
Sanatorium am Scharmützelsee wir in Nr. 166 berichteten, 
ist in völlig erschöpftem Zustande und unbekleidet im Walde 
bei Hangelsberg aufgefunden worden. G. war seit längerer 
Zeit infolge Ueberarbeitung schwer nervenlcideud und hatte 
auf ärztlichen Rat vor einigen Wochen das Saarow-Pies- 
komer Sanatorium am Scharmützelsee aufgesucht, um dort 
Heilung zu finden. Vor mehreren Tagen war der Patient 
nach seinem üblichen Spaziergang in dem Parke des Sana 
toriums plötzlich verschwunden. ' Alle Nachforschungen nach 
seinem Verbleib waren bisher vergeblich. Jetzt kommt aus 
Hangelsberg die Nachricht, daß im Walde bei Altmönchs 
winkel ein Mann angehalten worden, der im Adamskostüm 
umherirrte und einen verstörten Eindruck machte. Ein Besitzer 
nahm sich des Mannes, der fast erstarrt und völlig er 
schöpft war, an und brachte ihn nach seiner Wohnung, wo 
er ihn mit Speise und Trank und Kleidung versah. Nach 
dem sich der Fremde erholt hatte, gab er auf Befragen an, 
daß er sich »in einem Sanatorium am Scharmützelsee auf 
halte und sich verirrt habe. Unterwegs habe er die Spree 
durchschwommen und sich vorher seiner Kleidung entledigt. 
Durch eine telephonische Anfrage bei dem Saarow-Pics- 
kower Sanatorium, das allein in Frage kam, wurde sofort 
festgestellt, daß der Unbekannte der seit zwei Tagen vermißte 
Verlagsbuchhäudler de Grvussillier war. G. wurde bereits 
der Heilanstalt wieder zugeführt. 
o Zu der Verhaftung eines Wilmersdorfer Kauf-- 
manns in Bad Harzburg, über die wir wiederholt be 
richteten, und die zur Verhaftung des 54 jährigen Kauf 
manns Holzki aus der Detmolder Straße 64 in Wilmers 
dorf führte, erfahren wir noch folgendes: Holzki wurde in 
Bad Harzburg festgenommen unter dem Verdacht, das 
Mädchen entführt zu haben; er bestritt aber entschieden, 
etwas von dem Verbleib seiner Pensionärin zu wissen. Auch 
nach seiner Ucberführuug in das Moabiter Untersuchungs 
gefängnis gab er an, daß das Mädchen unterwegs spurlos 
verschwunden sei. Die Schöncberger Kriminalpolizei, die 
auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen 
fortsetzte, hat inzwischen festgestellt, daß das Mädchen in 
einer Pension des Berliner Westens versteckt gehalten und 
schließlich nach außerhalb gebracht worden ist. Man 
Art," erwiderte er. „Und sie waren niemals stärker als in 
diesem Augenblick. Haben Sie denn nicht daran gedacht, wie 
viele Spürhunde Ihnen ständig ans den Fersen sind? — 
Und was Sie da von der Anwesenheit des Königs in diesem 
Hause sagen • " 
„Es ist einfach unmöglich," siel Maxwell ein. „Tenn selbst 
wenn man das Ungeheuerlichste sür denkbar halten ivollte, hier 
stehen wir doch an den Grenzen dessen, was menschliches Por- 
stellungsvermögen zu fassen vermag. — Wir wissen, daß Seine 
Majestät an einem gewissen Zeitpunkt dieses Abends dem Tode 
nahe schien. Eine Stunde später war er einer der liebens 
würdigsten und lebhaftesten/GäsiL in Lord Merehavens Hanse. 
Wieder eine kleine Weile spätdt'sahen diese junge Dame und 
ich im Salon der Gräfin Eaens einen Mann, den wir 
anfangs notwendig für den König halten mußten. Und in 
diesem Augenblick soll er sich nun gar an zwei Orten gleich 
zeitig befinden!— Gibt es irgend jemanden, der dafür eine 
plausible Erklärung zu geben vermöchte? 
„O ja!" kam cs als Antwort von einer trockenen, gleich, 
mutigen Stimme zurück. Es war die Stimme Lechmercs, 
der bei seinem Wiedereintritt in- das Zimmer die letzten Worte 
Maxwells noch gehört hatte. ,,Jch denke wohl, daß ich dies 
und einiges noch Wunderbarere zu erklären vermag. — 
Es geschah nicht ohne guten; Grund, daß ich mir die Lachs 
schnur unseres trefflichen Generals ausborgte. — Darf ich an 
Eure _ Majestät die ehrfurchtsvolle Frage richten, ob Eure 
Majestät sich hier ganz sicher vor Spionen fühlen?" 
„Ich denke wohl, daß ich-sicher vor ihnen bin. Tie 
Tür des Hauses war vsscn und ich bin gewiß, daß nie 
mand mich hat eintreten sehen. — Ich beauftragte meinen 
Kutscher, mich an der nächsten- Straßenecke zu erwarten, denn 
cs war mir unmöglich, unten aus die Rückkehr meiner lieben 
jungen Freundin zu harren. Tie Ungeduld hätte mich auf- 
gerieben. Aber was ist es mit Ihren Neuigkeiten, Mr. Lech 
mere?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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