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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Beilage zu Nr. 168 M „Frledenauer Lokal Anzeiger' . 
Sonntag, den 20. Juli 1913. 
Die bunte OTocbe 
Plauderei für den „Friedenauer Lokal-Anzeiger». 
Berlin, den 18. Juli 1913. 
Allerhand Neuigkeiten. — Frau Isidor Loewes Herzensroman. — 
Ter ramponierte, ,ctzt gerettete Graf. - Wuchergeschichtcn. - 
Der verramschte Liliencron. — Die sprechende Uhr. 
Jetzt ist die Zeit, in der uns täglich Karten von lieben Freunden 
auf den Lchreibnsch flattern, Aus Italien, aus Helgoland, aus 
Lberhgf, überall her wehen die Fcriengrüße ins Haus und man 
selber kommt sich ganz schofel und schäbig vor, daß man nicht auch 
draußen in der blauen Ferne weilt und sich dort über das schlechte 
Wetter, über die entsetzlich teuren Preise und über die nie vor 
handene Aussicht ärgert. 
Auf diesen Karten sind die Alpensecn iinmer tiefblau; der 
™ C -? n y I1, 9 e 9 cn . Zeigt eine saftgrüne Farbe und einen so prächtigen 
Wellenschlag, wie man ihn eben nur auf Ansichtskarten finden kann. 
Wer da glaubt, als Zurückgebliebener sich der sommerlichen 
muhe in der Residenz hiugebeii zu können, sieht sich durch die ge 
waltige Fülle der Erscheinungen herb enttäuscht. In Berlin selbst 
finden täglich sommerliche Kongresse statt, das gewaltige Rad der 
Weltstadt rollt in ununterbrochenem, gigantischem Lauf weiter. 
Ein Ereignis stürzt das andere. Neue Sportpaläste werdeii ge 
gründet, neue Riesenkonknrse iverden voraiisgesagt; hier wird ein 
Raubmörder gefangen, dort ein anderer ein bißchen geköpft; hier 
soll sich T'Albert mit einer Berlinerin vermählen; — cs wäre, 
beiläufig gesagt, das siebente Mal, daß er diesen an sich doch 
immerhin gefährlichen Schritt iliiternimmt —, und dann hat sich 
Frau Isidor Loewe verheiratet. 
Für Außenstehende muß das so gleichgültig klingen, als wenn 
ein Dienstmann feststellt, daß seine in Gardelcgen wohnende Tante 
Zahnweh hat. Wer aber näheren Einblick in den Lebensroman 
dieser seltsamen Dame gewonnen hat und wer weiß, welche be 
deutende Rolle sie in dem Leben der Berliner Tiergarten-Plutokratie 
spielt, der kann reicht diese sonderbare Märe vernehmen, ohne daß 
nicht ein leises Lächeln über das Gesicht huscht. 
Frau Isidor Loeive ist reicht die erste beste watschclndeKommerzien- 
rätin des Tiergartens, sondern sie ist die Witwe des steinreichen 
Geivehrfabrikanten Loeive, dessen Lebcnswerk noch heute in der 
bedeuteuden Aktien- Gesellschaft der Nachwelt erhalten ge 
blieben ist. 
Schon vor Jahresfrist ivurdc bekannt, daß Frau Loeive, die 
schon reichlich ein halbes Jahrhundert Lenze gesehen hat, die 
Musterlager der ersten Berliner Heiratsvermittler nach einem richtig 
gehenden Grafen oder Fürsten durchstöberte. Die Ware ivar aber 
meistens derart ramponiert, daß die Verwandten energische!: Ein- 
spruch dagegen erhoben. Als die Betriebsamkeit der alternden 
Tanie aber doch 51t energisch wurde, dachte man in Vcrwandten- 
kreisen sogar daran, sic entmündigeu zu lasse». Dieser Plan 
scheiterte, und was von den Vermaiidtcn so oft gefürchtet wurde, 
ist jetzt doch eingetroffen: Frau Isidor Loeive ist die Gattin 
des Grafen Arco geworden, dessen Vergangenheit voll dunkler 
Blätter aus der Berliner Spieler- und Schiebergeschichte ist. Der 
Graf, der der» Alter nach bei weitem das ungezogene Söhnchen 
der Frau Loewe sein könnte, hat sich durch diese Heirat, um im 
Jargon seiner gewohnten Umgebung zu sprccheir, aus „der Brenne 
geschoben." Schon ofunals wurde dem Grafen der Berliner Boden 
zu heiß. Leider konnten ivir das Schauspiel nicht genießen, daß 
die Trauung in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche stattfand. 
Das junge Paar hat in Frankreichs Hauptstadt die Hochzeit ge 
feiert; und dort ist es auch, wo sie die sogenannten Flitterwochen 
verleben. 
Unter den Gcntlemcn-Gauncrn Berlins herrscht große Freude. 
Sie alle schmunzeln diskret, spitzen die Lippen und tun so, als ob 
sie etwas wüßten. 
Jedenfalls ist cs bedauerlich, daß eine so allangesehene Familie, 
wie es die Loeives sind, durch die Schrullen einer heiratslüsterncir, 
alten Dame zur Zielscheibe des Spottes rvird. Aber Berlin vergißt 
rasch. Wenn die Saison mit Pauke» und Trompeten wieder 
eröffnet rvird, dann taucht auch daS junge Paar in den Gefellschasts- 
kreiseu des Berliner Westens auf. Sie werden vielleicht das erste 
und zweite mal angestaunt, rvie der Brillenaffe, der neuerdings im 
hiesigen Zoologischen Garten viel Freunde findet, dann aber rollt 
das Rad der Zeit Über die beiden hinweg und neue Ereignisse 
lassen die glorreiche Nobilitierung der Frau Loewe vergessen. 
Es ist eigenartig, welche Existenzen, Raubritter des Glückes 
und Konquistadoren einer neuen Zeit in den Berliner Salons ge 
duldet werden und wie nachsichtig das Berliner Publikum derartigen 
Elementen gegenüber ist und sein kann. So wohnt z. B. am 
Kuriürstendainin ein Herr Bahlsen, der in gewissen Kreisen der 
Berliner Gesellschaft eine ganz bedeutende Rolle spielt. Dabei ist 
es überall bekannt, daß der genannte Herr den anrüchigen Beruf 
eines Kravattenmachers betreibt. Seit Jahr und Tag arbeitet ein 
kleiner, aber aufrichtiger Teil der Berliner Presse gegen diesen Herrn, 
der nicht einmal klagbar gegen die Presse vorgeht, wenn sie ihn 
mit dem Kosenamen Wucher-Vampyr belegt. Dabei ist Herr 
Bahlsen ein sehr glatter und soignierter Herr, der tadellos im 
Smoking oder Frack sich des Lebens freut und dessen edle Männer 
brust eine Reihe von Ordensbändchen ziert, die im günstigsten Falle 
vom Balkan kommen können. Anscheinend schlagen sich jetzt die 
Balkanvölker aus Verzweiflung darüber die Köpfe blutig, daß sie 
in einem Anfall von Gcbelaune einem Herrn, wie Herr Bahlsen, 
die höchsten Orden und Ehrenzeichen verliehen haben. Herr Bahlsen 
zählt zu den ehrbaren Männern, die nie Geld geben, sondern stets 
verschiedene „Waren". So erhielt dieser Tage ein bekannter Graf, 
den Krankheit und Familienunglück gezwungen hatten, den bunten 
Rock auszuziehen, für einen Wechsel über Mk. 8000 folgende Werte: 
6 Anteilscheine des Offiziers-Reiter-Pserdc- 
zuchtvereins, Schiffbanerdamin 33 M. 3000 
8 Kuxe, Egersglück, Erdölbohrgcscllschaft ä 800 „ 2100 
ferner: 
1 großes Oelgcmälde mit Rahmen 
2 Terrakotten (Gladenbcck) 
ferner ein Posten Waren: 
1 Kiste Kognak 
860 Abziehriemen 
10 Kartons komplette Rasierzeuge 
1 Reißzeug 
36 Kämme 
10 elektrische Pendel mit GlaShüllcn 
1 Posten Küchensachcn 
6 Stück Staubwischer 
4 Kartons Federn, sortiert 
200 Petroleumlampen 
600 
200 
02 
1080 
60 
3 
40 
50 
15 
25 
25 
450 
M. 8000 
Wie man aus der Rechnung sieht, ist kein Pfennig bares 
Geld bei dem Geschäft, um das cs dem Geldsuchenden in erster 
Linie doch wohl zu tun ist. Wie lange muß so ein armer Kerl 
laufen, bis er die Waren mit großem Verlust an Zwischenhändler 
überhaupt wieder los wird. Im günstigsten Falle kauft sie Herr 
Bahlsen für insgesamt Mk. 1000 vielleicht wieder zurück. Das 
Wertvollste an diesem Geschäft scheineil die Abzichriemen für 
Rasiermesser zu sein. Ihren höchsten Ziveck aber würden sie erreicht 
haben, wenn 860 kräftige Männerarme mit je einem Abziehriemen 
Herrn Dahlsens Kehrseite derartig bearbeiten würden, daß er sich nicht 
so wohlgefällig in die weichen Polster seines Autos zurücklehnen 
könnte. 
Es wird nicht lauge dauern, und die Gcldsnchcndcn werden 
auch die Werke des armen und doch so sangfrohen Dichters 
Detlef v. Liliencron als Ramsch-Exemplare haufenweise von 
Wucherern ins Haus geschickt bekommen, Nach dem erschütternd 
traurigen Leben dieses trunksreudigcn und herzensfesten Edelmannes, 
der arm wie ein Bettler ins Jenseits abfuhr, setzte eine Zeit lang 
ein leichterLiliencronrausch ein, und einpaarerbärmliche Sainmlungen 
ivurden abgehalten für die Nachkommen des Mannes, der doch 
ohne Frage einer unserer Tüchtigsten und Besten ivar. Aber der 
Rausch verflog bald; und weil Liliencron mit der Wucht des 
Genies von Schlachten und kühnen Träumen gesungen hatte, weil 
er, wie selten einer, die Worte zu wundersämen Versen sonnte, 
und weil er eben den Hauptfehler hatte, ein deutscher Dichter zu 
sein, geriet er schnell in Vergessenheit. 
Da nun in den letzten Jahren der Absatz der Werke Liliencrons 
über alles Erwarten gering geivcsen ist, hat sich der Verlag nunmehr 
entschlossen, die Bücher auf dem Wege des Ramsches auf den 
Markt zu werfen. 
' Wir werden' also demnächst in unsern Warenhäusern rieben 
Konservenbüchsen und Haartinkturen die gesammelten Werke Detlef 
v. Liliencrons fein säuberlich aufgestapelt sehen, Stück für Stück 
82 Pfg. pro Band. 
Und am Ncbcntisch wird die sprechende Uhr die halben und 
ganzen Sunden in die stickige Warenhausluft brüllen. 
Die sprechende Uhrl Sie steht jetzt hier im Mittelpunkt des 
Interesses, und nach der kürzlich erfolgten Ausstellung hat man 
schon unzählige Bestellungen auf das kleine Wunderwerk gegeben. 
Wir gehen einer trostlosen Zeit entgegen. Wenn wir in Zukunft 
nachts spät nach Hause kommen, leise, leise schreitend, darnit der 
Hurid nicht anschlägt, wird die Frau wie üblich fragen: „Wie 
spät ist es ungefähr?" Ganz harmlos und interesselos sagt man 
da: „Och, so etwa Vierteleins!" Und auf einmal brüllt die sprechende 
Uhr dröhnend „Halb sechs" in die Stille des Hauses. Gleicherzeit 
aber setzt sich durch einen Hebeldruck ein Gramnwphon in Bewegung, 
das die eindrucksvolle Rede der Frau wiedergibt, die sie gewöhnlich 
bei derartigen Gelegenheiten aus die Schlechtigkeit der Männer im 
allgemeinen und die Niedertracht des eigenen im besonderen hält. 
Zwangsverftkistkrung. 
Im Wege der Zwangsvoll 
streckung soll das in Berlin-Frie 
denau, Lefävrestraße 21 belegene, 
im Grundbuche von Berlin-Friede 
nau Band 29 Blatt Nr. 1348 zur 
Zeit der Eintragung des Ver- 
steigerungsvermerkcs auf den 
Namen des Architekten Franz 
Helding in Berlin-Wilmersdorf, 
Rüdesheimer Platz 2, eingetragene 
Grundstück 
am 30. September 1913, 
vormittags 10 Uhr 
durch das unterzeichnete Gericht 
— an der Gerichtsstelle — Berlin- 
Schöneberg, Grunewaldstr. 66-67 
— Zimmer Nr. 74 II Treppen 
versteigert werden. 
Das Grundstück, ein Wohn- 
haus mit kleinem Seitenflügel und 
Hofraum in der Lesövrestraße 21, 
Gemarkung Berlin-Wilmersdorf, 
Kartenblatt 7, Parzelle Nr. ^ 
ist 8 a 76 qm groß, in der Grund 
steuermutterrolle unter Artikel 
Nr. 885 und in der Gcbäudesteuer- 
rolle unter Nr. 910 mit 8400 M. 
jährlichem Nntzungswert ver 
zeichnet. 
Der Vcrsteigerungsvcrmcrk ist 
am 30. Juni l'913 in das Grund 
buch eingetragen. s5641 
10 X. 87. 13. 
Berlin-Schöncberg, 
den 15. Juli 1913. 
Königliches Amtsgericht 
Berlin-Schöneberg. Abt. 10. 
Vom 19. bis 22. ]nli viertägiges Gastspiel des beliebten Künstlet paar« 
Waldemar Psylander 
Ebba Thomson 
in dem 
Nordischen Kunstfilm: Das Recht der Gattin 
in 3 Akten. Goldserio Path6 fre r es, herrlichste Farbenpracht. 
Das Blumenmädchen von Toneso 
Drama von packender Handlung in 3 Akten. Valetta-Film. 
Ferner das Bomben-Programm. 
Vorzügliches Künstler-Konzert, jeden Mittwoch u. Sonnabend neuer Spielplan, 
Beginn 6 Uhr Sonntags 4 Uhr. 
Diese Sensationen gelangen nur in dem grössten, modernsten und vornehmsten 
Theater Friedenaus zi.r Vorführung. Anerkannt allen voran sind die 
ZE^ol^enzollexn.-X-jiclrtspiele 
Handjerystr. 64, Ecke Kirchetr., nahe der Kaisereiche. 
Die Direktion: gcz. II. Ponten, früher Rheinsehloss-Lichtspiele. 
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Aopama « bQ,, Tel.: Pfalzb. 2077, 2363. 
Sie selber aber legt sich dabei beleidigt auf die Seite und überläßt 
die Regelung des Familienlebens den automatisch wirkenden 
Skandalmaschinen. Böse, böseZeiten sind es, denen wir entgegengehen. 
Heinr. Binder. 
GerieblUckes 
(:)o Kündigungsrccht wegen Nichtbezahlung einer ganzen 
Mietsrate. Eine für Vermieter wie Mieter gleich wichtige Ent 
scheidung hat das Reichsgericht gefällt. Bisher wurde allgemein 
angenommen, daß ein Mieter mit zwei ganzen Mietsraten im 
Rückstand bleiben mußte, um dem Vermieter das Exmissions- bezw. 
Kündigungsrecht zu geben. Das Reichsgericht hat jetzt anders ent 
schieden. Ein Kaufmann zahlte nur einen Teil seiner Ladenmiete, 
den der Vermieter auch vorbehaltlos annahm, dann aber dem 
Mieter kündigte. Letzterer nahm die Kündigung nicht an und 
klagte. Er bekam auch Recht, bis die Sache das Reichsgericht be 
schäftigte. Der Vorderrichter hatte die Kündigung für ungerecht- 
sertigt erachtet. In dem Mietverträge der Parteien — so äußerte 
sich das Gericht — sei nur davon die Rede, daß der Ausfall „einer 
Mietrate" dem Vermieter das KUndigungsrecht gebe. Daraus sei 
zu folgern, daß nur der Verzug mit einer ganzen Rate ein 
Kündigungsrecht des Vermieters begründen sollte. Diese An 
schauung hat jedoch das Reichsgericht nicht gelten lassen. Der 
Vorderrichter haftet an dem buchstäblichen Sinne des Miet 
vertrages, ohne den wahren Willen oer Parteien zu erforschen, so 
entschied der höchste Gerichtshof. Der Vordcrrichtcr hätte doch vor 
allein den wirtschaftlichen Zweck berücksichtigen müssen, den die 
Parteien mit der Bestimmung verfolgen. Der Zweck der Aus 
bedingung des fristlosen Kündigungsrechtcs im Mietverträge für 
den Fall der Nichtzahlung des Mietzinses ist nämlich der Schutz 
des Vermieters. Dieser hat ein erhebliches Interesse an der pünkt 
lichen Zahlung des Mietzinses schon deshalb, weil er diesen zur 
Bezahlung von Hypothekenzinsen, Abgaben und sonstigen Ausgaben 
gebraucht, durch deren Nichtzahlung ihm die erheblichsten Nachteile 
entstehen können. Diesem Interesse des Vermieters ist aber nur 
dann gedient, wenn der Mieter den vollen Mietzins rechtzeitig 
zahlt oder doch nur mit einem ganz unerheblichen Teile im Rück 
stände bleibt. Nach der Auslegung der Vorinstanz wäre aber 
schon die Zahlung eines noch so geringfügigen Teiles des Miet 
zinses geeignet, dem Vermieter das Recht der einseitigen Aufhebung 
des Vertrages zu nehmen. Sonach war das dem Vermieter 
ungünstige Erkenntnis der Vorinstanz aufzuheben. 
Vermischtes 
*o Wachstum und Kraft der Pilze. Ein ebenso falscher wie 
weit verbreiteter Glaube ist der, daß die Pilze, die „Blumen des 
Waldes", ohne Ausnahme ein sehr rasches Wachstum besitzen. 
Während es allerdings Pilze gibt, die sozusagen über Nacht ent 
stehen, gibt es ivieder andere, die viele Wochen brauchen, um sich 
auszubilden, mag es auch zwischendrein genügend regnen. Schreiber 
dieser Zeilen verfolgte einmal das Wachstum einer sogenannten 
„Rotkuppe" und fand, daß sich dieser Pilz innerhalb von drei 
Wochen nicht nennenswert veränderte. Wie anders entwickelt sich 
dagegen der Bovhta gigantea, der zuweilen einen größeren Umfang 
als ein Kürbis hat und bis zu dem respektablen Gewicht eines 
viertel Zentners schwer werden soll l Naturforscher haben festgestellt, 
daß dieser Riese unter den Pilzen in einer einzigen Stunde durch 
schnittlich gegen 20 000 Zellen zur Entfaltung bringt — das wären 
also in jeder Sekunde 5 bis 6 Zellenl Was ist dagegen das Wachs 
tum einer Feuerbohne, die sich an einem Tage mehrere.Zentimeter 
höher rankt; sogar ciüe BäinbuSMänze','' dis sich bekanntlich sehr 
rasch entwickelt und deren Tagcszunahme nach einem Beobachter 
auf der Jitsel Java, ausnahmsweise einmal 17 Zoll betragen haben 
soll, bleibt noch in ihrer Entivicklnng hinter dem Bovist» gigante» 
zurück. Doch auch die Kraft der Pilze ist mitunter bemerkenswert. 
Im Schulhofe einer Dresdner Bezirksschulc wurde vor wenigen 
Jahren eine Gangbahn hergestellt, die aus quadratischen Zement- 
platten von je 20 Pfund Gewicht besteht. Der Hausmann dieser 
Schule bemerkte nun eines Tages, daß sich eine der Platten hob, 
und zwar innerhalb eines Tages um 1'/, Zentimeter. In der An 
nahme, unter der Steinplatte ein Ratten- oder Maulwurfsnest zu 
finden, hob er die schwere Platte ab und — erblickte zu seiner 
Verwunderung 14 weiße, bäumen hohe Champignons, die die Herkules 
arbeit verrichtet hatten. 
'o Macht der Gewohnheit. Exekutor (bei der Verlobung seiner 
Tochter): „Geehrte Herrschaften! Ich nehnre mir die Ehre, Ihnen 
bekannt zu machen, daß ich meine Tochter mit Herrn Vierwirt zum 
erstenmale —, zum zweiten —, dritten — — und letztenmale — 
verlobe." 
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Vom 1. Juli bis cinschl. 10. August 1913, an Wochentagen bei 
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nach Schmetterlingshorst am Langen See, jeden Dienstag und 
Freitag nach Prinzengarten am Müggelsee, jeden Mittwoch und 
Sonnabend nach Wendenschloss am Langen See. Abf. von Gr.- 
Lichtcrfelde, Giesensd. Br. 9.00 u. 1,15, Steglitz, Viktoriastr. u. 
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9.50 u 2.10, Neukölln-Britz, Ehausseestr. B. 10.20 u. 2.35, Nen- 
kölln-Britz, Rudowerstr. Br. 10.25 u. 2.40. 
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gegenüber dem Bahnhof Südende. Inh.: F. Eschstruth. 
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Großes Militär-Konzert. 
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