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Periodical volume Nr. 168, 20.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

bezüglichen Wünsche, sie mochten kommen, woher sie wollten, 
abgelehnt und fast möchte man meinen, man sei ihr für 
diese ihre vermeintliche Jnkulanz zu Dank verpflichtet. Aber 
auch unsere Gemeindeverwaltung ist klug genug, für die 
Erhaltung des Gartenstadtcharakters unseres Ortes alles nur 
Erdenkliche aufzubieten und dazu gehört unbedingt die Er 
haltung der beseligenden Ruhe unserer stillen Wohnstraßen. 
E. F. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Gärten auf! Eine zum Teil auch für unseren Ort 
beachtenswerte Anregung gibt unser Lcsti-Mitarbeiter in nach 
stehendem Artikel: Für eine kurze Zeit des Sommers 
geht ein Teil der Groß-Berliner Jugend in den Wald, in 
die Berge, an die See. Soweit hat es der Wohltätigkeits 
sinn der Beinittelten gebracht. Aber diese Fürsorge erstreckt 
sich immerhin nur auf ciuen Bruchteil unserer Kinder. 
Tausende und Abertausende sind gezwungen, während der 
Gluthitze in dem Häusermeer zurückzubleiben, und die 
kommunalen Anlagen, die Friedhöfe und Schmuckplätze be 
sonders im Innern der Stadt, aber auch in den Arbeiter 
vierteln der Vorstädte genügen nicht entfernt, ihnen eine 
wirkliche Erholung iin Freien zu schaffen. Die Hauswirte 
leiden es vielfach nicht einmal, daß sie den Hof zum 
Spielen benutzen. Die Kinder sind also auf die Straße an 
gewiesen mit ihrem Staub und ihren Gefahren. Das ist 
die geeignete Zeit, ivo die besitzenden Klassen Groß-Berlins 
einntal zeigen könnten, daß sie den guten Willen haben, 
diesen Kleinen hilfreich beizuspringen, ohne daß sie selbst 
ein erhebliches Opfer bringen. Es gibt noch so manchen 
Garten in Berlin und den Vororten, den im Sommer kaum 
ein Fuß betritt, iveil der Besitzer irgendwo im Bade weilt. 
Unseren spielsrohen, lnfthungrigen und luftbedürstigen Kindern 
könnte kein größerer und menschenfreundlicherer Dienst er 
wiesen werden, als wenn man ihnen diese Gärten, sei es 
auch nur für bestimmte Tagesstunden, erschlösse! Es ist 
nicht zu befürchten, daß sie die Anlagen, die Bäume, 
Sträucher und Blumenbeete beschädigen, denn sie beschädigen 
auch die öffentlichen Anlagen nicht. Die Achtung vor 
fremdem Eigentum kann ihnen kaum besser ins Herz 
gepflanzt werden, als auf solche Weise, denn die Kinder 
werden die Vergünstigung bald ergreifen, die sie genießen, 
und vielleicht erziehen wir uns dadurch ein Geschlecht, das 
später auch die Wälder nicht durch Bierflaschen, Konserven-; 
buchsen und Stullenpapicr verhunzt. In den öffentlichen' 
Anlagen spielen die Kinder ja meist ohne Aussicht! auch in 
den Privatgärten würde eine Ueberivachung wahrscheinlich 
nicht vonnöten sein, wenn man ihnen wie dort Sandhaufen; 
und kleine Spielplätze anwiese. Sollten sich aber in diesem 
Punkte Bedenken geltend machen, so sind wir überzeugt, 
daß sich unter unseren jungen Mädchen ausreichende Kräfte 
finden würden, die bereit wären, die Kleinen unter ihre 
Fittiche zu nehmen. Die praktische Menschenliebe hat wirklich 
noch manche Gelegenheit, sich zu betätigen, ohne daß sie in 
dem Säckel zu greifen oder sich besondere Unbequemlichkeiten 
aufzuerlegen braucht. Hier bietet sich eine solche Gelegenheit — 
also nochmals: Gärten ans! 
v Die Bezirksausschüsse, die Stadtausschüsse sowie 
die Krcisausschüsse in Potsdam, in der Reichshauptstadt 
und in den Berliner Borortstädlen halten während der Zeit 
vom 21. Juli bis zum 1. September d. Js. Ferien ab. 
Während derselben dürfen Termine zur mündlichen Ver 
handlung der Regel nach nur in schleimigen Sachen abge 
halten iverdcn. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben 
die Ferien ohne Einfluß. 
v Einen Mcisterknrsns für Photographen ver 
anstaltet die Handwerkskammer zu Berlin vom 11. bis 
19. September d. I. in der Photographischen Lehranstalt 
des Lette-Vereins, Viktoria-Luisc-Platz 6. Für die Teil- 
nehvicr aus preußischen Handwerkekammerbezirken (ausge 
nommen Groß-Berlin) wird voraussichtlich, ivie cs auch in 
den letzten Jahren der Fall war, ein Staatszuschuß für 
Stipendien bewilligt werden. Anfragen und Anmeldungen 
sind direkt an die Handwerkskammer Berlin, Stipendien 
gesuche aber an die zuständige Handwerkskammer zu richten. 
o Die Meisterprüfung für Photographie hat Fräulein 
Anna Köppen, BUsingstc. 10 II, in der Photographischen 
»Ich kann es Ihnen ja nicht sagen!" lautete die Er- 
widcrung. Jcssie war in Wirklichkeit einem Geständnis 
näher denn je; Verziveislung hatte sie ergriffen. „Und doch, 
wären wir an irgend einem anderen Ort als gerade hier, so 
würde ich Ihnen die Wahrheit mitteilen. Ich muß morgen 
in frühester Stunde ausgehen können — und wenn Eure 
Majestät mir nicht helfen — —'* 
„Wenn ich Ihnen nicht helfe! — Sagte ich Ihnen nicht, 
daß ich es wollte? Und es ist ja nichts sonderlich Großes, was 
Sie von mir wünschen. Eine meiner Damen ist plötzlich er 
krankt; hätten Sie Lust, für diese Nacht ihre Stelle ein 
zunehmen und mich in mein Palais zu begleiten?" 
Statt aller Antwort küßte Jessie dankear die Hand der 
hohen Frau. Margarete von Astorien lächelte leise. 
„Ich habe nicht geglaubt, daß Sie so viel Temperament 
haben, Liebling," sagte sie. „Sic sind beinahe ebenso 'stürmisch, 
wie Sie furchtlos und unerschrocken sind. Augenblicklich freilich 
kann ich nicht von hier fort; ich muß mit dein Kapitän Alexis 
mich wegen des Königs besprechen. Aber befürchten Sie 
nichts; ich werde mit Lady Mcrehavcn das Notwendige be 
sprechen." 
»Wie soll ich Eurer Majestät dafür danken!" .murmelte 
Jessie. „Ich fühlte es, daß ich nicht Hierbleiben durfte; ich 
hätte alles verraten. Und das, nachdem ich so glücklich " 
Sie vollendete nicht und errötete heiß. Der Blick, mit 
dem die Königin sie musterte, sagte ihr, daß sie schon zu 
viel verraten. Etwas Hochmütiges lag auf dem Gesicht der 
Majestät, ein Ausdruck von Kälte, als sie sagte: 
„Es steckt offenbar mehr dahinter, als ich erkennen kann. 
Ich habe mein Wort gegeben, und ich bin gewillt, es nicht 
zu brechen. Sicherlich werden Sie mir alle, lei zu sagen 
haben." 
„Ich will Eurer Majestät alles sagen, wenn Sie nur 
ein wenig freundlich gegen mich sein ivollten!" rief Jessie ver 
zweifelt. „Wenn Eure Majestät nur wüßten, was ich um 
Ihretwillen durchgemacht während dieses Abends * 
„ Es ist sehr^ gut, ^daß Sie mich daran erinnerten," sagte 
Lehrabteilnnq im Lettehaus mit großer Auszeichnung be 
standen. 
o Die Ortskrankenkasse in Friedenau ladet zum 
Montag, dem 4. August er. zu einer Generalversammlung 
im Restaurant „Kaiser Wilhelmgarten", Rheinstr. 65 I, ein. 
Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Noch 
malige Beschlußfassung der neuen Satzungen und 2. Ver 
schiedenes. Anfang Abends 8 Uhr. 
o Die Reichsuersicheruugsanstalt in Berlin-Wil 
mersdorf verhandelt mit der Geschäftslcituug der bekannten 
Kleinhaussiedlnng „Ideal" in Britz bei Neukölln wegen 
Hergäbe vvn l,5 Millionen Mark Hypothekendarlehen ans 
300 neu zu erbauende Kleinhäuser. 135 Häuschen sind 
bis jetzt fertiggestellt. Im ganzen sollen 550 Kleinhäuser 
für je eine Familie gebaut werden. Diese gemeinnützige 
Millionenhypothek beweist, daß man auch regierungsseitig 
der Ansicht huldigt, daß bei der Hergäbe von Hypotheken 
von seiten einer Behörde vor allem das soziale Moment 
betont werden müsse, und daß erst in viel entfernterer Hin 
sicht eine Ausleihung an den Erwerbsstand in Frage komme, 
wie das ja auch die vielfach beklagten „ungünstigen Be 
dingungen" beweisen, die die Reichsversicherungsanstalt bei 
der Hypothekenhergabe an Private gestellt hat. 
o Das 12. Deutsche Turnfest in Leipzig, das am 
Mittwoch Nachmittag sein Ende erreichte und vom besten 
Wetter begünstigt wurde, mar nach einstimmigem Urteil 
aller Teilnehmer das der Zahl und Einrichtung, sowie den 
turnerischen Leistungen nach bedeutendste aller bisherigen. 
Es wird jedem, dem cs vergönnt war, daran teilzunehmen, 
in unvergeßlicher Erinnerung bleiben und alle werden die 
dort erhaltenen idealen Anregungen mit neuer Freude im 
heimischen Kreise weiter zu verwerten suchen. Ueber die 
Teilnahme des Männer-Turnvereins Friedenau erfahren wir, 
daß 45 Mitglieder, zum Teil mit ihren Frauen, dem Fest 
beiwohnten. Im Festzuge am Sonntag machte die 
Friedenauer Schar mit ihrem stattlichen Banner, das Tg. 
Nünnicke trotz großer Hitze wacker trug, unter Führung des 
Vorsitzenden und des Oberturnwarts nach allgemeiner Ansicht 
einen sehr guten Eindruck. Außerdem hatte der Senior der 
Friedenauer, Herr F. L. Löbuer, der schon das Leipziger 
Turnfest vor 50 Jahren mitgemacht hatte, es sich nicht 
nehmen lassen, unter den Turner-Veteranen, die zu Wagen 
den Zug eröffneten, noch einmal mitzumachen. Nach dem 
Festzugc, der mit Ausstellung usw. die Zeit von Morgens 
0 bis Nachmittags 3 Uhr in Anspruch nahm, folgten die 
Freiübungen der 17 000 Turner, woran sich gleich- 
- falls eilte Anzahl Friedenauer beteiligten. Ueber den einzig 
artigen Eindruck, den diese Vorführung machte, herrschte 
nur eine Stimnie des Lobes. Während des Sonntags fand 
! der Sechskampf statt, an dein die Mitglieder Kuke, Hegener, 
Hallin und E. Pählchen teilnahmen. Der Montag morgen 
brachte das Turnen der Berliner und Brandenburger. Hierzu 
sei bemerkt, daß, da die Turnfeste nicht etwa nur Tage 
festlichen Genießens, sondern Tage der Arbeit sind, auf 
jedem Deutschen Turnfeste jeder der 16 Kreise d. D. T. 
: mit seiner anwesenden Mannschaft einen Teil der Sonn- 
tagssreinbuiigenj sowie Sondervorfnhrungen bringen muß, die 
von dein Kampfgericht begutachtet und bewertet werden. 
Selbstverständlich sucht jeder Kreis eine Ehre darin, hier 
inöglichst gut abzuschneiden, damit man später daheim 
ans das in der „Turnztg." veröffentlichte Urteil stolz sein 
kann. Montag früh von 1 / 2 7 Uhr ab versammelten sich 
, die Friedenauer mit den Krcisgenossen auf dem Probe- 
Turnplatz, um noch einmal das Vorzuführende durchzu 
proben, und vom Kreisturnivart die nötigem Jiistruktiviien 
zu erhalten. Gegen 8 Uhr erfolgte der Einmarsch des 
Kreises IIII» in die Arena und bald darauf begann die 
! Vorführungen, Freiübungen, genieinschaftliches Turnen an 
24 Pferden und darauf das Musterriegeiiturnen. Zu 
letzterem stellte auch Friedcuan eine Altersriege, bestehend 
. aus den Mitgliedern Behn, Heinze, Bauer, Langer, Liehrs, 
Höppncr, Nünnicke, Geyer und dem Vorturner Fehler. 
Der älteste Turner zählte 66, der jüngste 45 Jahre, das 
Durchschnittsalter der Riege war 52 Jahre. Aber 
trotz dieses vorgerückten Lebensalters turnte die Alters 
riege vortrefflich, sic erhielt vom Kampfgericht folgende 
Beurteilung: Art der Uebungen: mittelschwer, Verhalten der 
liege: 9 Punkte, Allsführung der Uebungeil: 9 Punkte, 
wobei zu bemerken ist, daß 10 die höchste Punktzahl ist, 
Margarete hastig und in viel freundlicherem Tone. „Ich 
glaube beinahe, ich hatte cs vergessen. Aber ich hasse alle Ge 
heimnisse — hasse dieses Versteckspiclen! Dadurch ist mir 
mein Leben vergislct worden, vergiftet und verdorben. Wenn 
Sie mir nur vertrauen wollte», Vera! Ich ivill nicht in 
Sie dringen, und ich ivill Ihnen Zeit zur Ucbcrlegung lassen. 
Warten Sic hier, bis ich mit Lady Mcrehavcn gesprochen 
habe. Ich ivcrde Ihnen den Zeitpunkt unseres Ausbruches 
dlirch einen Diener mitteilen laßen. Entsernen Sie sich niög- 
lichst nicht aus diesem Ziniiner." 
Jessie murmelte Tcmkesworte, aber die Königin wehrte 
ihr ab und ging rasch hinaus. Mit einem tiefen Atemzuge der 
Erleichterung lehnte sich das junge Mädchen in dem Sessel 
zurück und schloß die Augen. Sic ivar bereits fest entschlossen, 
sich der Königin anzuvertrancil, lnochte daraus entstehen, 
was ivvllte. Nun sie nicht hier im Hause zu übernachten 
brauchte, fürchtete-sie sich nicht mehr so sehr. Davor hatte sie 
am meisten gezittert; denn sie hielt eine Entdeckung beinah 
für unvermeidlich, wenn sie die Nacht hier hätte verbringe» 
nlüsseu. Lord Mcrehaven mußte den Unterschied zwischen 
ihr und Vera erkennen, ivenn er mit ihr allein ivar; und vor 
allem würde sie Veras Zofe sicherlich nicht haben täuschen 
können. Alan konnte sie in der elega>itcu Gesellschaftsrobe, 
mit der großartigen Frisur vielleicht für die Nichte des Lords 
ansehen: nicht aber, wenn sie im Nachtkleid oder im Morgen- 
rock ivar und die Haare ausgelöst hatte. 
tind wahrlich, sie verdiente es nicht, wenn sie jetzt noch 
das Unglück einer Entdecknng , traf. Sie batte nichts 
Schlechtes getan, und was sic um Astorien willen auf sich 
genoinnicn halte, war ivahrtich schwer genug gewesen. 
Sicherlich hatte Vera nicht mehr für die Königin Margarete 
getan als sie an diesem Abend. 
Das Erscheinen eines Dieners liß sie aus ihren 
Träumereien. Der Mann kam von der Königin und über 
brachte die Meldung, daß der Wagen vorgcsahrcn sei und 
Ihre Majestät Fräulein Galioway in der Empfangshalle 
erwarte. 
die gegeben werden kann. Am Dienstag nahm das Mit 
glied &. Pählchen noch am Zwölfkampf teil, es gelang ihm 
aber bei den überaus hohen Anforderungen, die gestellt 
wurden, leider nicht, die zum Siegcskranz nötige Punktzahl 
von 100 zu erringen. Mittwoch Nachmittag bei der Sieger- 
verkündigung, die Val er Götz im Kreise der Ehrengäste und 
des Kampfgerichts unter Mitwirkung von 50 blumen- 
geschmückten Turnerinnen vornahm, hatten die Friedenauer 
die hohe Freude, zwei der ihrigen, K. Gallin mit 87*/ 2 
Punkten und E. Pählchen mit 75 Punkten als Sieger im 
Sechskainpf mit dem Eichenkranz, dein höchsten Ehrenpreis, 
den die deutschen Turner zu vergeben haben, geschmückt zu 
sehen. So kann der Männcr-Turnverein Friedenau, wenn 
auch nicht alle Hoffnungen in Erfüllung gingen, dennoch 
mit Stolz auf die Leistungen seiner Riege und seiner Wett- 
lurncr in Leipzig zurückblicken. 
o Das Parkrestaurant in Endende, direkt am Bahnhof 
gelegen, ist seit Jahren schon ein beliebter Ausflugsort für 
Familien und tanzliebende Pärchen. Die erstklassigen 
Militärkonzerte, die jeden Sonntag und Donnerstag statt 
finden, sowie die Dienstags- und Mittwochs-Freikonzerte 
bilden die Hauptanziehungskraft für das Parkrestaurant. 
Im übrigen werden eine ausgezeichnete Verpflegung sowie 
der Aufenthalt in den schönsten aller naheliegenden Natur- 
gärten die Stimmung jedes „Zurückgebliebenen" erhöhen 
helfen. Auch die Kegler kommen auf den 4 Kegelbahnen 
zu ihrem Recht. 
o Polizcibericht. Als zugeflogen ist hier angemeldet 
worden: 1 Kanarienvogel. Der rechtmäßige Eigentümer 
wird aufgefordert, seine Ansprüche binnen drei Monaten 
im hiesigen Fundbüro, Fcurigstraße 7, Zimmer 22, geltend 
zu machen, da sonst anderweit über den Kanarienvogel 
verfügt wird. 
Ansknnfts- und Fürsorgestellc (Kaiscrallee 66), 
für Tuberkulöse: Aerztlichc Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 Uhr, 
für Alkoholkranke: Aerztl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 llhr. 
Berlin uncl Vororte 
8o Der Kreis Niederbarnim und die Stadt Berlin. 
Der Kreis Niederbarnim hat bekanntlich die Umsatzsteuer für 
Grundstückskäufe über 5 Millionen Mark von ’/ 2 auf 1 v. H. 
erhöht. Die Erhöhung ist offenbar mit Rücksicht auf den 
von der Stadt Berlin projektierten Ankauf von Lanke be 
schlossen worden. Der Magistrat Berlin hat sofort, nachdem 
er Kenntnis von der beabsichtigten Erhöhung erlangt hatte, 
durch eine Eingabe an deir Bezirksausschuß zu Potsdam, 
der für die Genehmigung der Steuererhöhung zuständig ist, 
sowie an den Oberpräsidentcn als Aufsichtsbehörde Protest 
eingelegt. Im übrigen ist in rechtlicher Beziehung 
zweifelhaft, ob die Steuererhöhung auf Grund des Kommunal- 
abgabengesetzes zulässig ist, weil sie nicht eine allgemeine 
Regelung für sämtliche Steuerpflichtige bezweckt, sondern 
darauf gerichtet ist, für ein einzelnes Geschäft eine Sonder- 
besteucriing zu schassen. Es wird, falls die Veranlagung 
nach der,erhöhten Steuer für den Erwerb. von Lanke, erfolgen 
sollte, dieser Standpunkt im Pcrmaltiliigsstreitverfahren weiter 
verfolgt werden. Die Auffassung, daß wegen dieses bei 
einem Objekt von zwanzig Millionen Mark relativ gering 
fügigen Stenerbetrages von 100 000 M., über dessen end 
gültige Berpstichtiliig zur Zahlung erst noch im Prozeßioego 
zu entscheiden wäre, das Projekt selbst gefährdet werden 
könnte, erscheint vollkommen ausgeschlossen. 
tzo Verlegung der Omnibuslinien 16 und 18.^ Die 
beiden Linien der A. B. Omnibusgesellschaft 16 und 18 
haben ihren westlichen Endpunkt bekanntlich beide in der 
Köthener Straße vor dem Eingang zum Potsdamer Ring- 
bahnhof. In der Köthener Straße werden jetzt Bauarbcitcn 
ausgeführt. Die Linie 16 Köpenicker Brücke—Potsdamer 
Ringbahnhof hält deshalb bis auf weiteres unmittelbar vor 
dem Potsdamer Ringbahnhof. Die Wagen der Linie 18 
verkehren dagegen während derselben Zeit nur bis zum An 
halter Bahnhof. 
Vermischtes 
*o Albanesen, Albaner oder Albanier? albanesisch oder 
albanisch? Das Volk, das den „Albanien" genannten Teil des 
Osmanischcn Reiches bewohnt und sich selbst „Schkypetarcn" 
— HW« ■ IIMII IIIWWimHIWTnn „ II Jl piMBat 
34. Kapitel. 
Tie Königin plauderte mit Lady Merchavcn, als Jessie 
die Halle betrat. Sie machte ihr ein Zeichen und sagte 
dann lächelnd: 
»Ihre Tante hatte die Freundlichkeit, darein zu willigen, 
daß Sie mich für die Nacht begleiten, Vera," sagte sie. 
»Kommen Sic, mein Wagen wartet bereits. Gute Nacht, 
meine Lady! — Erlauben Sie den Herren nicht zu lange, 
Karten zu spielen.' 
„Es ist eine große Ehre für das Kind, Sie begleiten zu 
dürfen. Majestät," sagte die Lady ehrerbietig. »Die Zofe wird 
Dir alles nötige ins Palais bringen, Vera! — Gute Nacht!" 
Sie geleitete die beiden Damen bis an die Tür des 
Hauses und ivartcte, bis sie den Wagen bestiegen. Jcssie 
nahm zur Linken der Königin Platz, die ihr teilnahmsvoll in 
das bleiche Gesichtchcn blickte. 
»Sprechen Sic jetzt!" sagte sie freundlich. „Und fürchten 
Sie sich nicht. Ich werde Ihnen eine gute Freundin sein." 
„Eure Majestät geben mir Mut, mich auszusprcchcn," 
erwiderte Jessie. »Bor allem muß ich Ihnen sagen, ivarum 
ich mich so sehr davor fürchtete, diese Nacht im Hause des 
Lords zuzubringen. Am nächsten Morgen oder heute noch 
hätte es eine für mehrere Personen, die doch uickits Böses 
getan, furchtbare Elitdeckuug gegeben. Eure Majestät haben 
es nicht bemerkt, daß ich in Wahrheit nicht Vera 
Galloway bin?" 
Statt aller Antwort drehte die Königin den Kopf des 
jungen Mädchens so, daß das Licht einer int Wagen angebrachte': 
elektrischen Lampe voll auf ihr Gesicht fiel. Jessie blickte 
ihr angstvoll in die Augen, aber sie las nichts von zorniger 
Entrüstung und nahm nichts von dem Hochmut wahr, der 
vorhin darin gelegen. 
»Es ist wahr — ich kann den Unterschied nun, da ich 
die Wahrheit kenne, tSobl bemerken," sagte die Königin 
endlich. „Aber die Achnlichkcil ist geradezu wunderbar. Kind, 
Eie sind eine Lady — das steht Ihnen ans der Stirn 
geschrieben." Fortsetzung folgt.)
        
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