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Periodical volume Nr. 167, 18.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

bcn Blankokartcn fällt künftig fort. Die für das laufende 
Jahr nach dem bisherigen Bordruck ausgestellten Hausstands- 
Zugchörigkeitsbescheinigungcn werden noch bis zum 1. Januar 
kommenden Jahres anerkaant werden. 
o Die Hundesperre hört bekanntlich für Berlin und 
die zum Landespolizeibezirk Berlin gehörigen Ortschaften 
am 30. Juli, für die Kreise Teltow und Niederbarniin am 
31. Juli auf. Die Gerüchte von einer Verlängerung der 
Sperre bezw. non der Anordnung eines längeren Manlkorb- 
zwanges bei Leinenfreiheit sind, wie uns von zuständiger 
Stelle versichert wird, falsch. Eine diesbezügliche Anordnung 
ist weder vom Ministerium noch dem Regiernngspräsidenten 
in Potsdam getroffen worden. Es ist also anzunehmen, 
daß die Hundesperre zum genannten Zeitpunkt wieder be 
seitigt wird. Der letzte Fall von Tollwut, und zwar der 
in Weißensee, hat auch keineswegs Anlaß zu einer Ver 
längerung der Sperre gegeben, weil der Hund erwiesener 
maßen nach der Erkrankung weder mit Menschen noch 
anderen Tieren in Berührung gekommen ist und bis zum 
Verenden gesichert an der Kette in geschlossenem Raum 
gelegen hat. 
o Ein hiesiger Arzt auf dem Kriegsschauplatz. Der' 
praktische Arzt Dr. Bodin ans Friedenau wird sich nach 
Belgrad begeben, um in einem dortigen Hospital den 
ärztlichen Dienst zu leiten. 
o Vermieter von Wohnungen, Läden, Ateliers, 
Garagen, Lagcrkcllern, leeren oder möbl. Zimmern, benutzen 
für Bekanntgabe ihrer freien Räume den wirksamen, mit dem 
„Frtedcnaner Lokal-Anzeiger" verbundenen „Fricdcnauer 
Wohnungs-Anzeiger." Die Anzeigen müssen jedesmal bis 
Sonnabend Mittag 12 Uhr im Besitz der Geschäfts 
stelle Rhcinstr. 15 sein. Sie erscheinen für den billigen 
Preis von 40 Pfg. die Zeile eine volle Woche hindurch im 
„Friedenancr Lokal-Anzeiger" und in den Anschlägen an den 
Bahnhöfen. 
o Der Nene Botanische Garten zu Dahlem bildet 
gegenwärtig eine hervorragende Sehenswürdigkeit der Reichs 
hauptstadt. Dieser Tatsache entspricht aber nicht der Besuch 
seitens der Fremden und Einheimischen. Vielleicht ist er zu 
bequem zu erreichen oder man glaubt das Gegenteil. Man 
braucht ungefähr 20—80 Minuten, und dabei ist cs den 
Besuchern jetzt sogar ganz bequem gemacht: seit zwei 
Monaten fährt auf der Potsdamer Chanssee in Dahlem die 
Elektrische und inan kann gerade vor dem Portal aussteigen. 
Allerdings will der Neue Botanische Garten in erster Reihe 
Studienzwecken dienen, doch das braucht für andere 
Sterbliche keineswegs ein Hinderungsgrund zu sein, die 
Reize dieser köstlichen Anlage zu genießen. Gerade jetzt 
blüht es dort draußen an allen Ecken und Enden, und 
durch das Nebeneinander von heimischen Blumen und 
tropischen Pflanzen entsteht ein ungemein fesselndes Bild, 
das auch den Laien in seinen Bann zieht. Besonders schön 
sind die Freilandflächen, auf denen hohe Palmen sowie 
Kakteen ans den Gewächshäusern während der Sommer 
monate Platz gefunden haben. Die Orchideen sind in 
prachtvoller Blüte; die Sumpf- und Wasserpflanzen entfalten 
ihre ganze Schönheit, vor allem die Wasserrosen wirken mit 
ihren weißen, roten oder mattrosa Blütenblättern höchst 
malerisch. Aber der größte Anziehungspunkt ist gegenwärtig 
die Lotosblume, deren starke Knospen jeden Tag neue 
Blüten erwarten lassen, llebrigens wird jetzt im Farnhans 
eifrig an einer Grotte ans Lavasteinen gearbeitet, die etwa 
im Herbst fertiggestellt sein dürfte. Ans der schräg zur Erde 
niedergehenden Grotte sollen zwischen den Lavasteinen (die 
nebenbei bemerkt echt sind und ans dem Rheinland 
stammen) verschiedenartige Farne gepflanzt werden, während 
am Boden als Vordergrund eine kleine Wiese den Abschluß 
bildet, Nach einem anderen Projekt soll hiervor ein kleines 
Gewässer angelegt werden, zu dei-n von der Höhe der Grotte 
kleine Mengen von Wasser herniedcrriescln. Dies würde 
vermutlich die Anlage außerordentlich beleben, und wenn 
Farnkräuter die kleine Wasserfläche einrahmen, so wäre 
damit jedenfalls ein abwcchselungsrcicher ästhetischer Eindruck 
erreicht. 
o Die Zollinhaltserklärungen für Pakete nach 
Rußland und weiterliegendcn Ländern dürfen keine 
Aenderungen in den Angaben über die Beschaffenheit und 
Menge (Reingewicht) der Waren und über das Rohgewicht 
der Sendung enthalten. Es empfiehlt sich, hierauf auf 
das peinlichste zn achten, da die russische Postvcrwaltung in 
Zukunft Pakete mit unvorschriftsmäßigen Zollinhalts- 
Er konnte deutlich den Tisck, in der Mitte des 
Zimmers wahrnehmen und einen Mann, der lesend daran 
saß. Mit einem Lächeln richtete er sich wieder empor und 
ging, ohne sich auszuhallen, in das Speisezimmer Maxgregors 
zurück. Tort klopfte er mehrmals mit der Hand aus den 
Tisch; cs war das mit Maxwell verabredete Zeichen. 
'Drinnen im Schlafzimmer wurde cs gehört und ver 
standen. Maxwell blickte aus die Uhr und ivandte sich so 
dann an Mazarosf. 
Sie verzeihen, mein Prinz, wenn ich Sie bitten muß 
uns allein zu lassen. In einer Stunde muß ich ans dem 
Charing-Croß-Bahnhof sein, und ich habe wichtiges mit dem 
General vorher zu besprechen. Nehmen Sie mir meine 
Bitte nicht übel; so gern ich mit Ihnen plaudere —" 
Boris Mazarosf versicherte, daß er nicht gekränkt sei; iin 
Gegenteil, er habe ja wegen der Störung um Verzeihung zn 
bitten. Mit vielen Entschuldigungen ' und Verbeugungen 
empfahl er sich. 
Er entzündete draußen ein Wachsznndkcrzcheu und be 
trachtete mit finster zusammengezogenen Brauen die ver 
schiedenen Türen. Daini schritt er ans die zu, die vorhin 
auch, LechmercS Interesse erregt hatte, und klopfte fünfmal an, 
offenbar ein verabredetes Zeichen. 
Drinnen rief eine krächzende Stimme: „Herein!" und Prinz 
Boris Mazarosf trat über d:e Schivelle. Ter kleine Mann 
erhob sich von seinem Sitz am Tische und trat dem Russen 
mit süßlichem Lächeln entgegen. 
„Guten Abend, Durchlaucht!" sagte er. „Wenn ich —* 
„Narr!" unterbrach ihn der andere. „Können Sie nicht 
noch lauter sprechen, daß man uns da drüben notwendig 
hören muß? Sie wissen nicht, wie nahe wir daran gewesen 
sind, alles zn verraten, sich habe mich in den Türen geirrt 
und bin versehentlich in die falsch.» Räume gekommen; das 
Abenteuer hätte übel ausgehen können." 
crklärungen von der Weiterbeförderung ausschließt und nach 
Deutschland zurückschickt. 
o Fernsprechverbindungen ohne Nmmner. An 
meldungen von Gespxächen ain Fernsprecher muß man be 
kanntlich die Nuu>wer des gewünschten Teilnehmers bei 
fügen. Jeder, der häufiger dieses Verkehrsmittel "benutzt, 
weiß aber, daß u. a. das Amt auch Gespräche vermittelt,; 
wenn man nur den Namen der verlangten Sprechstelle' 
weiß. Diese Möglichkeit ist jetzt vom Reichs-Postamt aus- 
driicklich in die Dienstanweisung für die Fernsprechbeamten 
anfgcnoininen worden. Ausnahmsweise heißt es darin jetzt, 
dürfen auch Gesprächsanmeldungen, die nicht ans die 
Nummer, sondern auf den Namen der verlangten Sprech 
stelle lauten, angenommen werden. Die Anmeldenden sind 
in sülchen Fällen ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß Ver 
zögerungen in der Herstellung der Verbindungen unaus 
bleiblich seien, weil die Vermittlung der Anschlußnummer 
geraume Zeit beanspruche. Im übrigen wiederholt der Be 
amte der Vermittlungsstelle die wesentlichen Angaben und 
fügt hinzu: „Bitte, hängen Sie an, Sie werden angerufen 
werden." Bekanntlich gibt es auch sogenannte Geheim 
anschlüsse, das sind Anschlüsse, deren Nummern aus Wunsch 
des Inhabers nicht in das Teilnehmerverzeichnis aufge 
nommen worden sind. Auch auf diese wird der allgemeine 
Grundsatz angewandt, daß Verbindungen nur ausgeführt 
werden, wenn die Anmeldungen unter Angabe der 
Nummer des verlangten Anschlusses erfolgen. Auskunft 
über derartige Nmnmcrn wird aber nicht erteilt. Es macht 
dabei keinen Unterschied, ob der Teilnehmer die Auskunft 
über seine geheime Anschlnßnummer für zulässig bezeichnet 
hat oder nicht. 
o Der Angelsport steht jetzt im Flor. Bei Schwüle 
beißen die Fische am besten. Man kann sich ein schattiges 
Plätzchen aussuchen, im frischdnftenden Grase sitzen und der 
gemächlichen Ruhe pflegen (bei großer Hitze das An 
genehmste!) und dennoch dabei ernten. Fischkost ist sehr zu 
empfehlen. Das Fleisch ist sehr nahrhaft und schmackhaft. 
Der Fischfang ist im Juli vollständig frei. Anzuraten sind 
Forellen, Aale, Hechte, Schleien, Barben, Rotfische, Barsche, 
Salm usw. ohne noch den leckeren Rheinlachs. Karpfen ißt 
man lieber im Herbst. Vorzüglich sind auch jetzt die schmack 
haften Krebse. 
o In das Handelsregister eingetragen: Barthel n. 
Kaufmann, Hollmannstr. 10. Ges. sind die Kflte. Oswald 
Barthel in Berlin-Friedenau und Salo Kaufmann in 
Berlin-Wilmersdorf. Prokurist: Schade. Beginn 8. 7. 13. 
Gemeinsame Vertretung. — Hugo Göscke, Delikatessenhaus, 
Berlin-Friedenau, Kaiserallee 137. Inh. ist Kaufm. 
H. Göscke in Berlin-Wilmersdorf. 
u Die Brunnenkuren int Stadtpark Steglitz erfreuen 
sich nach wie vor des größten Besuches. Die Bequemlichkeit, 
in der nächsten Nähe seiner Wohnung seinen vom Arzt vor 
geschriebenen Brunnen trinken zu können, ist sicher nicht zu 
unterschätzen. Man spart das Geld für lange Reisen, teure 
Kurtaxen und dergleichen. Im übrigen ist eine Knrhans- 
anlage mit schönstem Park nicht angenehmer als wie der 
herrliche Steglitzer Stadtpark. Prospekte sind kostenlos im 
Stadtpark-lliestanrant zu haben. 
o Die Friedenancr Knabenkonrpagnie ist durch die 
ihr zugeflossenen Mittel instand gesetzt, ihren Aufenthalt in 
Bad Schmiedeberg um 2 Tage zn verlängern. Sie wird 
daher am Montag, den 21. Juli wieder in Friedenau ein 
treffen. Die Ankunft erfolgt um 0'/ 2 Uhr auf dem An 
halter Bahnhöfe in Berlin. Eine Stunde später dürfte der 
Einzug in Friedenau erfolgen. Der Marsch findet vom 
Ringbahnhofe zum Gemcindehause statt. Dort wird weg 
getreten. Einen Bericht über den Verlauf der Ferienfahrt 
werden wir später geben. 
o Das Biofonthcatcr in der Rheinstraße 1-1 bringt 
von heute ab das große Drama in 8 Akten nach dem 
Roman von Felix Pyat: „Der Lumpensammler von Paris" 
zur Vorführung. Es ist' ein Montmartre-Drama großen 
Styls, voll packender Momente in einer von Anfang bis zu 
Ende spannenden Handlung. Die Hauptrollen werden von 
ersten Pariser Schauspielern dargestellt. Ein interessantes 
Sittenbild aus der Gesellschaft ist der Film: „Mitgift 
jäger." Eine tragikonüsche Erbschaftskomödic entrollt sich 
in 3 Akten vor unsern Angen. Darstellung und Aufinachnng 
sind erstklassig, der Filin zeigt die Kinokunst auf der Höhe 
der Vollendung. Legen eines unterirdischen Kabels ist eine 
instruktive Naturaufnahme, auch die Wochenrcvue vom 
Er hatte in der Err.gung vergessen, die Tür hinter sich 
zn schließen. Aus dem Speisezimmer des Generals, in dem 
das Licht erloschen war, war die schattenhafte Gestalt eines 
Mannes auf den Flur gehuscht, der jedes Wort der Unter 
haltung mit angehört hatte. Als der Mann. den der Prinz 
anfgeiucht, nun behutsam die Tür schloß, kehrte an l, der 
andere in das Zimmer Maxgregors zurück, wo er das elektrische 
Licht von neuem entzündete. 
Gleich darauf trat Maxwell ein. 
„Nun?" fragte er hastig. „Soll ich noch immer keine Er 
klärungen " 
„Sie sollen alles erfahren." unterbrach ihn Lechmere. „Jetzt 
aber haben wir mehr zu nun, als zu schwatzen. Fragen Sie 
den General, ob er nicht Ängelgeräischasten hat, und wo er 
sie aufbewahrt" 
Maxgregor mußte dieses Wort gehört haben; denn er rief 
herüber: 
„In dem untersten Fache meines Schreibtisches! — Mir 
in aller Welt aber kommen Sie daraus?" 
l 33. Kapitel. 
' _ In einem der kleineren Salons saß Jcssie neben einem 
reizenden jungen Mädchen ans einem Eck-Sola. Sie bürte 
kaum, was die andere sprach; eine schwere, bleierne Müdig 
keit legte sich ihr drückend 'auf die Lider. Sie fuhr crschrock.n 
zusamine», als Veras Freundin plötzlich sagte: 
„Und was würdest Tu Reggie unter diesen Umständen 
sagen. Liebste? — Ich glaube nicht, daß George so etwas 
ge an haben sollte, es sieht ihn, so gar nicht gleich. — Aber 
Du hörst mir ja nicht zu." 
Jcssie zivarig sich zn einem Lächeln. Sie wußte in der 
Tat nicht mehr, von wem und von welchen Dingen eigent 
lich gesprochen ivorden war, ivnsitr iveder, rver Reggie, noch 
wer George ivar. Aber sie mußte irgend etwas anlivortcu. 
Pnthö-fröräs ist äußerst abwechslungsreich. Lillq und ihr 
Hündchen ist ein niedliches Genrebildchen. Was sich ein 
Heiner Terrier von seiner vierjährigen Herrin gefallen lassen 
muß, geht über die Puppen. Unser Reporter Nnnne heißt 
eine ulkige Bildersolge, ein Konglomerat blödsinnigster Ver 
rücktheit znm Wälzen.' Drei Ventilatoren sorgen stets für 
frische Ltlft im Biofontheatersaal und machen den Aufent 
halt daselbst ztl einem angenehmin. 
o Einen guten Fang gemacht hat gestern die 
Schöneberger Kriminalpolizei. Seit mehreren Wochen 
wurden in Friedenau, Schöneberg, Wilmersdorf. Weißen- 
see und Tegel fortgesetzt nächtliche Einbrüche in Geschäfts- 
lvkale verübt und sämtliche vorhandenen Fahrräder, Drei 
räder, Motorfahrzeuge und ähnliches gestohlen. Nach 
längeren unausgesetzten Beobachtungen kam schließlich die 
Schöneberger Kriminalpolizei ans eine Spur der Einbrecher, 
und in den letzten beiden Tagen konnten die Diebe festge 
nommen werden. Die Verhafteten sind die 18- bis 
20jährigen Schlosser Walter und Otto K . die Schlosser- 
gesellen Franz R. und August S.. sowie der Arbeiter 
Stanislaus W. Alle fünf befanden sich früher in einer 
Fürsorgeanstalt und sind von dort vor längerer Zeit ge 
meinsam cntmichen. Seit jener Zeit bestritten sie ihren 
Lebensunterhalt durch Einbrüche und Diebstähle. Die 
Beute brachten sie zu ihrem Hehler, einem Fahrradhändlcr 
Emil R., der in der Mulackstraße eine große Reparatur 
werkstatt besaß. Tort wurden die gestohlenen Räder umge 
baut und mit neuen Nummern und neuen Fabrikmarken 
versehen und ans diese Weise unkenntlich gemacht. Die 
Festgenommenen haben u. a. den Motor einer am Gröben- 
ufer verankerten Segelnacht gestohlen. Die ganze Gesellschaft 
wurde dem Untersuchungsrichter zugeführt. 
v Zn der Verhaftung eines WikmerSdorfcr Kauf 
manns in Bad Harzburg, über die wir kürzlich berichteten, 
erfahren wir, daß die von der Schönebergcr Kriminalpolizei 
angestellte» Ermittlungen bisher zu keinem positiven Er 
gebnis geführt haben. Die Akten sind von der Staats 
anwaltschaft kl, die mit der Untersuchung des merkwürdigen 
Falles beschäftigt ist, eingefordert worden. Der Kaufmann 
Holzke ans Wilmersdorf, der sich bisher im Polizeigcwahr- 
sam in Bad Harzburg befand, ist nach Berlin gebracht 
worden und befindet sich in Untersuchungshaft. Er be 
streitet jede Schuld und behauptet, daß die junge Javanerin, 
die seiner Obhut anvertraut ivar, ans der Reise von Berlin 
nach Harzburg plötzlich ans eine ihm unerklärliche Weise 
verschwunden ist. 
o Zusammenstoß zweier Automobile. In der Kirch- 
straße stießen gestern Abend in späterer Stunde ein 
Droschkenantomobil mit einem Geschäftsauto derart zusammen, 
daß von der Droschke fast das ganze Vorderteil und vom 
Geschäftsautomobil die Hinterwand vollständig zertrümmert 
wurden. Der Führer des Droschkcnautos wurde schwer ver 
letzt in eine hiesige Privatklinik gebracht. Schuld an dem 
Zusammenstoß soll das Versagen der Bremse an der Droschke 
gewesen sein. 
o Pokizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 3 Schirme, I Portemonnaie, 2 Tamcnhundtaschcn, 
1 Paar Kinderstiefel, 2 goldene Ringe, 2 Klemmer, 
1 Halskette, 1 Damennhr ; als'Zugeflogen 4 Kanarienvögel. 
Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenanntcr Gegenstände 
werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei Monaten 
im hiesigen Fundbüro, Fcnrigstraße 7, Zimmer 22, geltend 
zu machen, da sonst anderweit über die Fnndgcgcnständc 
verfügt ivird. 
— v In dem Konkursverfahren über das Vermögen 
des Zigarrenhändlers Wilhelm Reps, Verlin-Schöneberg, 
Hohenstaufenstraße 00, ist infolge eines von dem Gemein 
schuldner gemachten Vorschlages zn einem ZwangSvcrgleiche 
Vergleichs-Termin ans den 20. Juli 1013, Vormittags 11 */ 2 
Uhr bestimmt. 
Berlin tmd Vororte 
§o Durch das alte „Geheimratsvicrtel", zwischen Pols- 
damcr und Anhalter Bahnhof, ist gestern für eine neue 
städtische Straßenbahn mit den Arbeiten begonnen worden. 
In der Köthener Straße wird der Fahrdainm für Legung 
von Gleisen aufgerissen, während auf der neuen Köthener 
Brücke, die vor zwei Jahren dem Verkehr übergeben worden 
„Dll weißt nicht, wie müde ich heute bin," sagte sie. 
„Und überdies habe ich Kopfschmerzen. Und Reggie — was 
Du Reggie sagen sollst — ich kann Dir da nicht raten. Folge 
nur Tciiicm cigeuen Gefühl, so wirst Tu gewiß das richtige 
treffen. Ich dachte immer —" 
Sie schwieg erschrocken. Denn in dem Rahmen der 
Tür, die in den Mi.siksaal führte, erschien Lady Merehaven, 
mit einem seltsam ernsten Ausdruck auf dem gütigen Gesicht. 
Sie führte ihr Ellas an die Augen, ohne dessen Hilfe sie 
die ^ beiden jungen Mädchen nicht hätte erkennen können, und 
musterte sie flüchtig. Dann kam sie auf Jcssie imd ihre un 
bekannte Gcfäörtiii zn. 
An die letztere ivandte sic sich zuerst. 
„Meine liebe Ada," sagte sie srciiiidlich, „Ihr Vater er 
wartet Sie in der Empfangshalle. -.Er sprach davon, daß Sie 
morgen einen Ausflug mit dem Dampfschiff unternehmen 
wollen, und daß Sie deshalb an einen Ausbruch denkcii 
mußten." 
OEtlein Ada küßte Jcssie atif beide Waitgcn und ver 
abschiedete sich mit ehrerbietigem Knicks niid Handkuß von Lady 
Merehaven. Die Lady wartete, bis sie den Salon verlassen, 
dann sagte sic: 
„Ich habe seltsame Dinge gehört, Vera! — Ich glaube, 
die >;dceil sind in Prinz Mazaroffs Kopfe ciitstanden. Er 
meinte. Du seiest nicht Du selbst —, sondern jemand anders. 
jJ?) begrcqc nicht, was er eigentlich damit meinte; vicl- 
Ictd)t bandelt cs sich, mic Doktor Varney sagte, nur um 
erneu Scherz, und Tn selbst kannst inir die Erklärung geben. — 
Aber was ist Dir, Liebling? - D« bist sehr blaß. Ich kann 
cs trotz meiner Kurzsichtigkeit wohl sehen." 
j *< c ’ !?c utzler einem heftigen Kopfschmerz," flüsterte Jcssie. 
y Tu branchstDieh deswegen nicht zu ängstigen. Was möchte 
Print Vlanii-ivi nn-mimv*" 
Doch 
wohl Prinz 
Mazarosf meinen?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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