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Periodical volume Nr. 166, 17.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

beansprucht werden. Ausgeschlossen von diesen Gebühren 
bleiben alle stcinpelpflichligcn Bescheinigungen usw. ini 
Interesse der Reichsvcrsicherungsordnung und der Angc- 
stelltenversicherung. Bezüglich des Realbcsteucriingsrechtes 
sollen fortan die dem Staate, den Provinzen, den Kreisen, 
den Gemeinden und den sonstigen kommunalen Verbänden 
gehörigen Gebäude sowie die dem Staate gehörigen Grund 
stücke, falls diese Gebäude oder Grundstücke zum öffentlichen 
Dienst oder Gebrauch bestimmt werden, der Realstcuer nicht 
unterliegen. Die bisherige Gemcindcstcuerfreiheit der Ge 
sellschaften mit beschränkter Haftpflicht soll ansgehoben 
werden. Der Fiskus soll hinsichtlich seines Einkommens 
aus den zum Zwecke der Ansiedelung käuflich erworbenen 
Besitzungen der Gemeindesteuerpflicht unterworfen sein. 
Steuerordnungen, sofern sie Lustbarkeitssteuern, Bicrsteuer, 
Hundesteuer und Schanksteuer (Konzessionen zum Betriebe 
von Gastwirtschaften und zum Kleinhandel mit Spirituosen) 
betreffen, werden nach dein Entwurf nicht mehr die Ge- 
nehmigung der Aufsichtsbehörde erfordern. Bezüglich der 
Einführung kommunaler llinsatzsteuern und Wertzuwachs 
steuern muß nach wie vor die aufsichlliche Genehmigung 
eingeholt werden. Für die Verteilung des der Gemeinde 
einkommensteuer unterliegenden Einkommens auf die in 
Frage kommenden Gemeinden bei Kleinhandelsbctriebcn, die 
mehr als fünf Zweigbetriebe in verschiedenen Gemeinden 
haben, soll der llinsatz maßgebend sein. Die festen Be- 
stimniungen für die Verteilung des Steuerbedarfs auf die 
verschiedenen Steuerarten, der Einkommen- und Realsteuern, 
sollen fortfallen. Festsetzungen der Gemeinden über Ge 
meindesteuern würden in Zukunft die Genehmigung durch 
die Aufsichtsinstanz nur dann möglich machen, sofern mehr 
als 200 Prozent Zuschlag zur Staatseinkommensteuer er 
hoben oder für den Fall, daß eine der zur Erhebung 
kommenden Realsteuern in geringerer Höhe als die Zu 
schläge zur Einkommensteuer in Ansatz gebracht wird oder 
die staatlich veranlagten Realsteuern in Abstufungen heran 
gezogen werden, daß eine Realsteuerart im Verhältnis zu 
zu einer anderen mehr als doppelt so hoch belastet oder das 
bestehende Realsteuersols ohne entsprechende Ermäßigung der 
Einkommensteuer herabgesetzt werden soll. 
o Eine Feuerwehrübung fand gestern Abend gegen 
7 Uhr auf dem Gocrz'schen Fabrikgelände statt, Unsere 
Freiwillige Feuerwehr und die Hausfeuerwehr der Firma 
Gocrz hatten zusammen 8 Schlauchleitungen angelegt. Die 
Leistungen unserer Feuerwehr waren als glänzende zu be 
zeichnen. Infolgedessen hat das Direktorium der Firma 
Gocrz sich sehr lobend darüber ausgesprochen und gleich 
zeitig verfügt, daß jetzt jährlich 200 M. von der Firma an 
die Freiwillige Feuerwehr als Beisteuer gezahlt wird. 
o Das Landschaftsbild am Teltowkanal wird durch 
die Schornsteine der angesiedelten Fabriken nicht gerade ver 
bessert. Von Interesse ist daher die Nachricht, daß Ver 
änderungen des Stadtbildes in Jndustricgcgendcn, z. B. 
am Teltowkanal, sich neuerdings dadurch zu vollziehen 
scheinen, daß hier und da neuere Fabrikanlagen keinen 
Schornstein ausweisen. Es ist das überall dort der Fall, 
wo mit elektromotorischer Kraft gearbeitet wird und das 
Werk einer größeren elektrischen Kraftzentrale angeschlossen 
ist. Wo die Fabrik über eine eigene Kraftquelle verfügt, 
ist der Schornstein natürlich unvermeidlich. 
o Angestellten-Jubilämn. Der Tischler Otto Fitsch, 
Handjerystraße 02. ist am l8. d. M. 15 Jahre in der 
bekannten Bau- und Möbeltischlerei von G. Jhlefeldt, 
Handjerystraße 41, beschäftigt. Wir gratulieren Herrn Fitsch 
und wünschen ihm, daß er noch viele Jahre bei bester Ge 
sundheit seine Tätigkeit bei Meister Jhlefeld ausüben möge. 
o Die Heidelbcerzeit ist da und den Aerzten erwächst 
in diesen kleinen schwarzblauen Früchten eine starke Kon 
kurrenz, denn die Heidelbeeren wirken außerordentlich gesund 
auf den Körper ein, reinigen das Blut und regeln die Ver 
dauung. Ihr Geschmack ist nicht zu süß, drum sind sie bei 
Hitze besonders erfrischend. Sie dienen roh genossen, mit 
Milch haben sie den Vorteil, daß sie die schwere Ver 
daulichkeit der letzteren aufheben, am besten sind sie aber, 
ivic alle Früchte, gekocht als Kompot, namentlich nach Be 
ladung des Magens mit schweren Speisen. Man sollte 
nicht versäumen, die guten Eigenschaften dieser Frucht sich 
für den Winter zu konservieren durch Trocknen, Einlegen, 
Mus oder Wein, welch letzteren wir viel zu wenig beachten, 
zumal die Natur gerade diese nützlichen Beeren in so unbe 
schreiblicher Menge spendet. Sie sind ein Reichtum von 
Mittel- und Nordeuropa, darum auch wert, sie zu benutzen. 
Südeuropa kennt sie fast gar nicht, namentlich die deutschen 
32. Kapitel. 
Währerrd Lechmere von der Expedition des „Herold* zu der 
Wohnung des Generals auf deni Wege war, lag Maxgregor 
beinahe regungslos auf den Kissen seines Bettes. Maxwell 
neigte sich zu ihm herab, um ihm fast unhörbar zuzuraunen: 
„Was ivollen wir unternehmen? — Soll ich hineingehen, 
um zu sehen, wer dieser nächtliche Besucher eigentlich istV" 
„Nein — nein!" gab Maxgrcgor ebenso leise zurück. 
„Bleiben Sie da stehen, wo Sie sich augenblicklich befinden, 
und vermeiden Sie jedes Geräusch. Ich müßte mich sehr 
irren, wenn sich der Bursche nicht selbst zu erkennen gibt. 
1Uü> ich glaube überdies zu wissen, mit wem wir es zu tun 
haben." 
Einige Minuten vergingen in atemlosen Schweigen; aus 
dem Nachbarzimmer vernahmen sic allerlei unbestimmte 
Geräusche, der Mann mußte drinnen niit irgend etwas 
hantieren. Tann rvnrde die Tür plötzlich geöffnet — nicht 
sonderlich leise und behutsam, sondern wie wenn der Eindring 
ling Zieh vollständig in seinem Rechte wähnte. 
Ta er aus dem hellen Zimmer in ein dunkles kam, 
konnte er natürlich die beiden Männer nicht sehen, die sich im 
Schatten regungslos verhielten. Desto besser aber wurde 
er von ihnen gesehen; srd beide kannten den, der dort auf 
der Schwelle stand — cs war Prinz Boris Mazaroff. 
Maxwell sah, wie der Russe die Hand hob, um nach 
dem Druckknopf des elektrischen Lichtes neben der Tür zu 
greisen. Es fiel ihm auf, daß fick, der Prinz dabei der 
Linken bediente, obwohl er mit der rechten Hand seinen 
Zweck viel bequemer erreichen konnte. Das Rätsel wurde 
ihm in dem Augenblick gelöst, da auch hier im Schlafzimmer 
das elektrische Licht aufflammte; die rechte Hand war über 
und über mit einer schwarzen Masse bedeckt, offenbar mit Pech. 
Wälder liefern sie in Mengen. Die Blätter geben sogar 
einen angenehmen Tee, den man gegen Gries und Blasen 
stein gebraucht. Die Heidelbeeren haben schließlich nur das 
einzige unangenehme, daß sie sich gern auf Zähnen und 
Lippen verewigen, wo ihre Merkmale aber bald zu ent 
fernen gehen, wenn man die Zähne mit pulverisierter Kreide 
putzt und die Lippen mit eiitem angefeuchteten Tuche abreibt, 
durch welches mau vorher den Schwefeldampf von etwa 
vier deutschen Zündhölzern hat ziehen lassen. 
o Die Lotosblume (Nelumbo nucisera) hat im 
Botanischen Garten zu Dahlem ihre Blüten entfaltet. Diese 
Wasserpflanze, die hier in der freien Natur in großen 
Wasserbassins gezogen wird, hat eine große schneeweiße 
Blüte mit rosenroten Spitzen, die sich aber nach dem Auf 
brechen nicht allzulange hält. Zurzeit sind die vielen 
Pflanzen der Lotosblume, die in dem Becken stehen, mit 
Knospen dicht bedeckt. Das große Wasserbassin für diese 
Pflanzen befindet sich in der Nähe des Einganges, der von 
der Dahlemer Chaussee in den Garten führt, und liegt gleich 
links von dein großen Hauptivege, wo alle im Freien ge 
deihenden Wasserpflanzen vereinigt sind. 
o Die Zahl der deutschen .Krematorien ist mit der 
Eröffnung der Anstalt in Berlin-Treptow auf 30 gestiegen. 
Von diesen befinden sich in Preußen 5, und zwar in Berlin, 
in Berlin-Treptow, Frankfurt a. M., Hagen und Wies 
baden, im Juni fanden insgesamt 798 Einäscherungen statt, 
das sind 45 oder 0 v. H. mehr als im Juni 1912. Unter den 
Eingeäscherten waren nach dem Bekenntnis 002 evangelisch, 
7 l katholisch. 3 altkatholtsch, 25 mosaisch, 7 freireligiös, 11 
Dissidenten, 1 Mennonit und 1 Buddhist. In 17 Fällen 
lag ein anderes Bekenntnis vor oder es war nicht ange 
geben. Religiöse Feiern fanden in 030 Fällen statt also 
bei 79 v. H. aller Einäscherungen. In der ersten Hälfte 
des Jahres 1913 fanden in Deutschland 5149 gegen 4547 
Einäscherungen im Vorjahr statt. Die Zunahme beträgt hier 
14 v. H. 
o Blihschlagfolgeu bei der Apostel-PauluL-.Kirche. 
Seit kurzem ist am spitzen Turin der Apostel-Paulus-Kirche 
in Schöneberg ein mächtiges Gerüst angebracht, das von 
fern wie eine schöne, feingegliederte Eisenkonstruktiou aus 
sieht, die vom Boden breit aufsteigt und sich nach oben, 
fast bis zur Höhe der Kirchturmspitze, stufenweise verjüngt. 
Besonders von der Nähe des alten Botanischen Gartens aus 
gesehen, gewährt dieses „Gitterwerk" einen geradezu ästhetischen 
Anblick. Denn hier erkennt inan noch keine Details. Erst 
beim Näherkommen sieht mau die kreuz und quer gelegten 
Bretter des kolossalen, 75 Meter hohen Gerüstes, die 
Balken und die Holzleitern, die, eine über der anderen, in 
fabelhafte Höhen zu klettern scheinen. Das Ausführen des 
Gerüstes hat allein 8000 M. gekostet, und die Arbeiten, 
die mehrere Wochen in Anspruch nehmen, dürften außerdem 
uvch eine beträchtliche Summe verschlingen. Sie wurden 
notwendig, weil in den großen Kirchturm sowie in die 
kleineren Türme ein Blitz eingeschlagen und zahlreiche lange 
Risse verursacht hat, die an einigen Stellen, von oben ge 
sehen, etwa 5 Zentimeter und mehr breit sind; von unten 
scheinen sie allerdings nur die Stärke eines Bleistiftstriches 
zu haben. Nun werden die beschädigten sowie die ge- 
lockcrteii Steine entfernt und au ihre Stelle neue, den 
früheren Steinen völlig gleichende Verblendsteine eingesetzt, 
und zwar in der ganzen Dicke der Turmmauer, sodaß der 
Schaden gründlich repariert ist. Außerdem werden die im 
Laufe der Zeit ausgehöhlten Fugen mit Zement gefüllt, um 
sie widerstandsfähiger zu machen. 
o 12. Teutsche Turnfest in Leipzig. Zum 1. Male 
seit Bestehen des Münncrturnvereins Friedenau, gelang cs 
2 Fricdenaucru von einem Deutschen Turnfest siegreich 
heimzukehren. Es sind dieses die Turngenossen Karl Gallin 
87 1 / 5! Punkt und E. Pählchen 75 Punkte. Beide turnten 
im Sechskampf mit. Einen ausführlichen Bericht bringen 
wir später. 
o „Kronprinzens im Film" betitelt sich das neueste 
Prachtiuerk, ivelches im Verlage von Paul Klebinder dem 
nächst erscheint. Der großartige Bilderschmuck des prächtigen 
Sammelwerkes rührt zumeist von dem durch seinen früheren 
Aufenthalt Hierselbst nicht unbekannten Kunstmaler Eugen 
Hamm her, dessen Bilder ungeteilten Beifall und An 
erkennung seitens unseres Kronprinzenpaares fanden. Herr 
Hamm befindet sich gegenwärtig auf dem Balkankriegsschau 
platz um aktuelle photographische Aufnahmen zu machen. 
o Freie Schülervorträge auf der Treptow - Stern 
warte. Um den Schülern, welche keine Fericnreise ange 
treten haben, Gelegenheit zum Anhören eines Vortrages zu 
Mazaross erblickte die beiden auch jetzt noch nicht. (§r 
hatte den Blick nach der Seite gewandt, wo der große 
marmorne Waschtisch stand, und machte Miene, auf denselben 
zuzuschreiten. Ta sagte General Maxgregor ruhig, aber mit 
eisiger Kälte: 
„Sollten Sie irgend etwas wünschen, Prinz Mazaross, 
so siebe ich Ihnen mit Vergnügen zur Verfügung." 
Wie wenn ihn hinterrücks ein Pcitschcnschlag getroffen 
hätte, fuhr Mazaroff mit einem Schrei höchster Ueberraschung 
nach dem Sprechenden herum. Hilstos blickte er von Max 
grcgor zu Maxwell. 
„Ich — ich bitte tausendmal um Verzeihung," stammelte 
er endlich. „Es scheint — daß ich — daß ich in die falschen 
Räume gekommen bin. Wie gesagt — ich bitte tausendmal 
um Verzeihung. Ich " 
Er war einfach läppisch in seiner ungeheuren Verlegen 
heit und wußte offenbar nicht mehr, was er sagen sollte. 
Dem General war die Szene im höchsten Maße widerwärtig. 
„Ich begreife nicht — von wem erhielten Sie denn 
die Schlüssel?" 
„Tie Schlüssel? — Ah so — ganz recht — von Barlow. 
Er hat die Räume auf dcu anderen Seite des Flurs inne. 
Sehr merkwürdig, daß die Schlüssel für alle Türen passen." 
„In der Tat, eine Ungeschicklichkeit des Schlossers. Ich 
vermute, daß Herr Barlow Ihr Freund ist. Wann gab er 
Jhncic denn die Schlüssel?" 
Tie seltsame Unterhaltung wurde in durchaus höflichem, 
wenn auch eisig kaltem Tone geführt. .Mazaroff hatte seine 
Fassung wicdergcivonncn und dachte offenbar darüber nach, 
wie er sich am besten aus der Affäre ziehen könne. 
„Er reiste von London ab, und da ich sein Freund bin, 
bat er niicb, während seiner Abwesenheit. einmal in seiner 
geben, hat die Direktion der Treptow-Sternwarte bestimmt, 
daß während der Schulferien jeder Erwachsene das Recht 
hat, zu den Vorträgen um 5 und 7 Uhr ein Kind unter 
14 Jahren frei einzuführen. Es finden folgende kine- 
matographischc Vorführungen mit erläuternden Vorträgen 
statt: Am Sonnabend, dem 19. Juli, Abends 7 Uhr: 
„Natur und Leben in norddeutschen Gauen", Abends 9 Uhr: 
„Christoph Columbus",; anr Sonntag, dem 20. Juli, Nachm. 
5 Uhr: „Das Berner Oberland", Abends 7 Uhr; „Scotts 
Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", am Montag, 
dem 21. Juli, Abends 7 Uhr: „Aus fernen Landen." Mit 
dem großen Fernrohr werden der Mond und der Jupiter 
beobachtet. Außerdem stehen den Besuchern noch kleine 
Fernrohre zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung, 
mit denen beliebige Objekte eingestellt werden können. 
o Aus dem Sanatorium entflohen. Der bekannte 
Berliner Verlagsbuchhändler Albert de Groussiliers, der mit 
seiner Familie hier in der Ringstr. 21 wohnte, ist seit 
gestern aus dem Sanatorium iu der Nähe von Fürsten 
walde, in das ihn seine Familie wegen eines Nervenleidens 
gebracht hatte, verschwunden. Mau nimmt an, daß der 01 
Jahre alte Verlagsbuchhändler planlos umherirrt. 
o Selbstmordversuch. Anr Mittwoch Nachmittag suchte 
sich ein junges Mädchen vor deni Hause Rubensstr. 45 
mit Lysol zu vergiften, weil es vom Bräutigam verlassen 
worden war. Passanten sorgten für die Ueberführung der 
Ungliicklichen nach dem Auguste Viktoria-Krankenhaus. 
o Zum Leichenfuud bei Velten. Bisher ist es nicht 
gelungen, die Identität der aufgefnndenen Persönlichkeit fest 
zustellen. Von den in Berlin als vermißt angezeigten 
Personen kommt nach den bisherigen Ermittlungen niemand 
in Frage. Es muß daher mit der Möglichkeit gerechnet 
werden, daß es sich um einen jungen Menschen aus der 
näheren oder weiteren Umgebung Berlins oder der Provinz 
handelt. Nach' den ärztlichen Gutachten handelt es sich um 
eine wenigstens im Zitier von 13 und höchstens 19 Jahren 
stehende männliche Person, deren Größe 1,50 m beträgt. Das 
Haar ist mittelblond. Besonders wichtig ist die Beschaffen 
heit des Gebisses. Es fehlen nur links zwei Backenzähne 
uicd zwar einer oben und einer unten. Der linke obere 
Backenzahn ist bereits gezogen, während die Person 10—12 
Jahre alt ivar, der linke untere Backenzahn dagegen erst 
vor ca. 2 Jahren. Hohle Zähne oder Plomben sind nicht 
vorhanden. Die oberen Schneidezähne springen etwas vor. 
Zwischen den beiden mittleren oberen Schueidezähuen be 
findet sich ein auffallender Zwischenraum. Es steht keines 
wegs fest, daß die vor einiger Zeit in der Nähe von 
Hennigsdorf gefundenen Kleider, welche offenbar einem 
Bäcker gehören, die des Toteir sind. Sonach ist es auch 
nicht als sicher anzunehmen, daß der Tote ein Bäcker war. 
Zur weiteren Aufklärung ist es daher unbedingt notwendig, 
in eingehender Weise nachzuforschen, ob etwa andere jugend 
liche Personen, vielleicht Saisonarbeiter verschwunden sind. 
Nach denn gerichtsärztlichen Gutachten kaim die Leiche, welche 
bekanntlich am 23. Juni d. Js. aufgefunden wurde, sich 
auch nur etwa l l—14 Tage an der Fundstelle befunden 
haben, d. I). also etwa "seit dem 9. bis 12. Juni d. Js. 
Ausgeschlossen ist cs aber nicht, daß sie schon seit Ansang 
Juni oder Ende Mai d. Js. dort gelegen hat. Der mit 
der Aufklärung des Falles beauftragte Berliner Kriminal 
kommissar Tegtmeyer ersucht unter Berücksichtigung des hier 
Gesagten und unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung 
von 1000 M. die Nachforschungen in sorgfältigster Weise 
fortzusetzen. 
VöremS-D-LLdriedten 
Jugcndvcrcinigung Friedenau. Ten Mitgliedern . der Ver 
einigung wird . hierdurch bekanntgegeben, daß das Spielen sowie 
sämtliche Zusammenkünfte wahrend der Ferien nicht stattfinden. 
Wiederbeginn derselben luird später bekannt gegeben. 
—o In dem Konkursverfahren über das Vermögen des 
Kaufmanns Emil Schlemmer, Hohcnstaufenstr. 50, Gx- 
schäftslokal Hohcnstaufenstr. 53, ist zur Prüfung der nach 
träglich angemeldeten Forderungen Termin auf den 22. Juli 
1913, Mittags 1 2 :j / 4 Uhr, anberaumt. — In dem Konkurs 
verfahren über das Vermögen der Frau Erna Boß, alleinigen 
Inhaberin der Firma E. Wiegand, Eisenacher Str. 83, ist 
am 12. Juli 1913, Mittags 12 Uhr, das Koukursvcrfahrcn 
eröffnet. Der Konkursverwalter August Beiter in Berlin 
W. 30, Haberlandstr. 3, ist zum Konkursverwalter ernannt. 
Wohnung tiach dem Rechten 'zu sehen. Ich war nur einmal 
bei ihm, und da ist der Irrtum leicht erklärlich. Ich bitte 
noch einmal um Entschuldigung, daß ich die Herren stören." 
„Aber bitte sehr — Sic stören uns durchaus nicht. Wie 
ich sehe, haben Sie sich die Hcuid beschmutzt, und Sie kamen 
wobt jedenfalls herein, um mach einer Waschgelcgcnheit zu 
suchen. Bitte sehr — wenn. Sie sich da bedienen wollten. 
Ich (bin leider zu schwach, um aufzustehen." 
Er deutete, auf den großen Waschtisch, und Mazaross 
nahm sein Anerbieten mit großer Bereitwilligkeit an. 
„Ich bin Ihnen sehr zu Tank verpflichtet," sagte er. 
„Ich hatte das Mißgeschick, auf unfertigen Asphalt zu stürzen, 
als ich aus dem Wagen stieg., und habe mich dabei leicht 
verbrannt. Es ist nichts von' Bedeutung; aber ich kann 
nicht wohl erst nach Hause zurückkehren damit." 
Er sprach tu leichtem Plaudcrtcme weiter, ohne schein 
bar aas die ernsten, streng abweisenden Gesichter der beiden 
Männer zu achten. In Wirtlichkeit bemerkte er sowohl das, 
als auch, wie bleich tcnd angegriffen Maxgrcgor aussah. 
Er tat auch eine diesbezügliche Frage. 
„Oh, das. hat nichts zu sagen," erwiderte der General. 
„Wahrscheinlich ein leichter Rückfall des Fiebers, unter dem ich 
während der letzten Wochen litt. Ich hoffe, daß ich es bei 
meiner Konstitution — —" 
Cr brach plötzlich ab; und iväre Mazaroff nicht mit 
dem Reinigen seiner Hand beschäftigt gewesen, so hätte ihm 
die Veränderung auf dem Gesichte Margregors nicht entgehen 
können. Lebhaftes Erstaunen prnM sich in seinen Mienen aus, 
er halte sich unwillkürlich bath aufgerichtet und ivar offen- 
bar willens, irgend etwüsmwdctU„Speisezimmer zu rufen. 
(Fortsetzung fclgt.)
        
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