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Periodical volume Nr. 109, 11.05.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

firf) fislffcc imb einiges ©ebnes. An feinem ctrueiS ver 
störten Wesen bemerkte der Konditor wohl, daß er aufzu- 
pafsen habe. Dein Zechpreller gelang es jedoch, nachdem er 
mir einen Augenblick unbewacht ' war, das Lokal im 
schleunigsten Tempo zu verlassen und in einer der nächst- 
liegenden Straßen zu verschwinden. Leider war es nicht 
möglich dem Burschen zu folgen, um seine Feststellung zu 
btwerkstelligeii. Jedenfalls sei vor solchen Elementen jeder 
Konditor beziv. Gastwirt geivnrnt. Solche Fälle sollen in 
letzter Zeit wiederholt in Friedenau vorgekommen sein. 
o Das Ende einer Liebe mit Hindernissen. Im 
Teltowkanal ertränkten sich gestern Nacht der 18 Jahre alte 
Geschäftsangestellte Graubaliiu aus der Mühlenstraße in 
Lankwitz und seine 17 jährige Geliebte, das Dienstmädchen 
Martha Kotscharowski aus der Halskcstraße in Steglitz. 
Wir erfahren darüber folgende Einzelheiten: Die beiden 
jungen Leute kannten sich schon seit längerer Zeit und be 
absichtigten, sich zu heiraten. Da aber die Eltern mit der 
Heirat nicht einverstanden waren, beschlossen die beiden 
Liebenden, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Montag 
Abend nach Einbruch der Dunkelheit schritten sie zur Aus 
führung ihres Planes, Nachdem sie Abschiedsbriefe au ihre 
Eltern geschrieben hatten, banden sie sich mit Stricken zu 
sammen und stürzten sich von der Kanalbrücke in Südeude 
gemeinsam in den Teltowkanal. In der Nacht war der 
Borfall in der einsamen Gegend unbemerkt geblieben. 
Dienstag früh sahen jedoch Passanten die Leichen der beiden 
Liebenden ans dem Wasser treiben und benachrichtigten die 
Lankwitzer Kriminalpolizei. Die Beamten sorgten für die 
Ueberführung der Toten nach der Leichenhalle in Lankwitz 
und benachrichtigten die Eltern von dem traurigen Ende 
ihrer Kinder. 
o Warnung vor Taschendieben auf den Märkten. 
Ans dem Markt an der Bornstraße passierte es am letzten 
Montag einer alten Frau, als sie gerade an einem Stand 
ihr Portemonnaie hervorziehen wollte, daß sie in die leere 
Tasche griff. Ein Taschendieb hatte ihr, während sie von 
einem zum anderen Stand lief, oder vielleicht auch am 
Stand selbst den Geldbeutel mit etiva 20 M. gestohlen. 
Also Hausfrauen und Dienstmädchen Borsicht auf den 
Wochenmärkten! 
Verems-DackriMen 
Morgen Donnerstag tagen: 
„Friedeuaucr Männer-Gesangvcrciu 1875", llebungsstundcn 
9—II llhr im „Hoheuzvllcru". Dirigent: Musikdirektor Paul Ankam. 
Kegelklub „Friedenau 1909" (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. B.) kegelt jeden Donnerstag von 8'/, Ubr Abends im 
„Bahnschlößchen", Inh. E. Müller, am Wannseebahnhof Friedenau. 
Der Vierte Verbandstag des Verbandes Deutscher Handlungs 
gehilfen zu Leipzig findet vom 19. bis 22. Juli in Breslau statt. 
Im Mittelpunkte der Verhandlungen werden Vorträge über das 
Bildungswesen im Handelsstande und die Kontorarbeitszeit stehen. 
Daneben wird aber die Gewinnbeteiligung iin Zusammenhange mit 
der GehaltSfrage eingehende Beratung finden, lieber Volkswirt 
schaft und Weltwirtschaft spricht Professor Harms-Kiel, Ausgc- 
deynte Studienreisen schließen sich dem Verbandstag an. 
Schöneberg 
—o Eine amerikanische Studiengesellschaft, die euro 
päische städtische Einrichtungen studieren will, das Inter 
nationale Civic Büro und die Handelshochschule von 
Nenpork, hat gestern unter Führung des bekannten englischen 
Wohuungsreformcrs Henri) R. Aldridge das Schöneberger 
Rathaus ausgesucht, um dort an der Hand der neuen Pläne 
der Stadt Schöneberg einen Vortrag über „Bebauungsplan 
und Siedlungswesen in Groß-Berlin" entgegeuznuehmen. 
Die amerikanischen Gäste, die von allein Gesehenen nud 
Gehörten mit großem Interesse Kenntnis nahmen, fuhren 
vom Schöueberger Rathaus zur Waldschule der Stadt 
Charlottenburg. Sie kamen aus London über Hamburg 
nach Berlin und besuchen nun noch Dresden, Nürnberg, 
Frankfurt a. M. und Köln. 
Berlin und Vororte 
§o Die amtliche Abnahme des größten Straßenbahn- 
hofes der Welt hat heute stattgefunden und damit zugleich 
die Betriebserösfnung des neuen Bahnhofs Lichtenberg der 
Großen Berliner Straßenüahugesellschast. Dieser Bahnhof, 
der 21. der Gesellschaft, übertrifft alle seine Vorgänger an 
Größe. Die Halle ist 200 Meter lang und über 100 Meter 
breit; sie wird 500 Wagen gleichzeitig aufnehmen können, 
die auf 20 nebeneinander liegenden Gleisen aufgestellt 
werden. Dieser Fassniigsraum macht den Straßenbahnhof 
zum größten seiner Art. Weder in Europa noch in Amerika 
ist ein ähnliches Bauwerk anzutreffen. Die Halle über 
wältigt beim Eintritt durch ihre gewaltigen Dimensionen 
und überrascht durch die Lichtfülle, die aus den Oberlichten 
hereinströmt. Im Vorderteil sind unter den Gleisen die 
Arbcitsgruben untergebracht, in denen sich die Schlosser zur 
Revision der Untergestelle und Motoren unter den Wagen 
bewegen. Diese Gruben sind so lief, daß darin ein Mann 
aufrecht stehen kann. Sie stehen untereinander in Verbindung, 
so daß man von einer in die andere gelangen kann. Nach der 
Inbetriebnahme werden Hunderte von Wagen, besonders in 
der Nachtzeit, in der Halle aufgestellt sein. An der rechten 
Läugsivaud sind Werkstätten, Wirtschaftsränmc, Magazine 
und Aufenthaltsränme für das Personal untergebracht, die 
bei dem reichlich zur Verfügung stehenden Platz gleichfalls 
geräumig und hell ausgefallen sind. Ans dem Vorraum 
befinden sich in einem schmucken Bau die Bahnhcübür's. 
Säle für Schaffner und Fahrer und eine geräumige m.o 
freundliche Kantine. Nach voller Besetzung deS Bahuho 
die bald zu erwarten ist, wird auf ihm ein Personal roa 
etwa 2000 Manu beheimatet sein. Ilm für diese Bemmen 
reichlich Wohngclegenheit zu schaffen, beabsichtigt die Große 
Berliner Straßenbahngesellschaft, wie bekannt, eine Garten 
stadt in Lichtenberg zu erbauen. 
Vermischtes 
*0 Pardon! Das Posener Tageblatt brachte jüngst ein Ein 
gesandt, das die weiteste Verbreitung verdient. Es lautete unge 
fähr wie folgt: Es ist eine grobe Unsitte, daß jemand „Pardon!" 
sagt, wenn er sich entschuldigen will. Gerade jetzt sollte man 
daran denken, wie vor hundert Jahren die Franzosen „Pardon!" 
riefen und wie schmerzlich es ihnen war, daß sie das tun mußten! 
In dem Begriff liegt bei unseren Nachbarn, den Franzosen, ein 
solcher gedemütigtcr Schmerz, daß wir Deutschen uns schämen 
sollten, diesen -Ansdruck gedankenlos anzuwenden. Wenn ich dieses 
„Pardon!" höre, dann islls mir stets, als bekäme ich einen Schlag 
denn dieser Ausdruck bedeutet „Gnade". Namentlich Ossiziere 
sollten sich dieses Ausdruckes niemals bedienen. Das ist nur einer 
von so vielen Hunderten von fremdsprachlichen Ausdrücken, die wir 
Deutschen wohl vermeiden könnten und sollten. 
*o Der eigensinnige Liszt. Der Afriknreisende Gerhard Nohlfs 
hatte im Jahre 1870 den Großherzog von Weimar und Franz 
Liszt zu Tisch geladen, Nach einem in zwangloser Unterhaltung 
verbrachten Mahle kam der Großhcrzog auch auf Musik zu sprechen. 
Liszt war in musikalischen Dingen äußerst peinlich. • Er hatte ein 
sehr gerechtes, aber auch ebenso scharfes Urteil über seine Kunst 
imb ließ keine andere Meinung gelten. Nun hatte der Großherzog 
kürzlich zum ersten Male den Violinvirtuosen Sarasate gehört und 
war von dessen künstlerischem Spiel entzückt. Liszt war ganz 
entgegengesetzter Meinung. Ter Großherzog rief damals dem 
Künstler zu: „Ich versichere Ihnen aber, lieber Meister, daß 
Sarasate ganz wundervoll gespielt hat! So sehr ich auch Ihr 
musikalisches Urteil schätze, 'so kann es mich doch nicht in meiner 
Ansicht umstimmen." Da stand Liszt von seinem Platze auf und 
sagte: „Königliche Hoheit müssen schon verzeihen, daß ich iir 
musikalischen Dingen mehr zu verstehen glaube. Königliche Hoheit 
sind ein guter Regent, und ich bin ein guter Musiker. Wenn ich 
daher sage, der Sarasate ist kein Künstler, so Halls damit auch 
seine Nichtigkeit!" Der Großherzog lächelte nur und entgegnete: 
„Sie mögen ja vielleicht recht haben, lieber Meister, aber gespielt 
hat der Sarasate trotzdem ganz herrlich!" 
Gemeinnütziges 
Praktische. Winke zur Konservierung des Rahms im Sommer 
finden wir in der illustrierten Wochenschrift „Tie Deutsche Frau" 
(Verlag der „Deutschen Frau" (Lelhagen & Klasing, Leipzig): 
Ueber einem mäßigen Feuer löse man 50—60 Gramm weißen 
Zucker in möglichst wenig Wasser auf. Dann läßt man den Zucker 
noch zwei Minuten in dem irdenen Geschirr sieden, fügt sogleich 
dasselbe Gewicht an heißem illahm hinzu und rührt das Ganze 
sorgfältig zusammen. Alan läßt diese Mischung langsam abkühlen 
und füllt sie in eine Flasche, die man sorgfältig verkorkt. An 
einem kühlen Platz hält sich der so bereitete Rahm Monate lang 
völlig süß. Sollte plötzlich und unerwartet der Kaffee-Rahm oder 
die Milch im Sommer sauer geworden sein, so gibt es ein höchst 
einfaches Mittel, dies Unglück wieder gut zu machen. Es ist nur 
nötig, sich etwas Natronlauge, die in jeder Apotheke zu>haben ist, 
im Hause zu halten. Von dieser Flüssigkeit tröpfelt man in die 
gesäuerte Milch oder in den Rahm soviel, bis der Geschmack wieder 
>üß geworden ist. Kein Feinschmecker ahnt es, daß Rahm oder 
Alilch vorher sauer gewesen sind. Man kann dies Alittel auch bei 
heißen Gewittertagen vorbeugend anwenden, um ein Saneriverden 
der Alilch zu verhüten. 
Wctteranssichten. 
Dvimcrstag: Vielfach heiter, Nachts kühler, am Tage 
wieder wärmer, bei mäßigen südwestlichen Winden. Keine 
erheblichen Niederschläge. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Otto Diskowski, Friedenau. 
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