Path:
Periodical volume Nr. 165, 16.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

geht die Entwickelung schon in den nächstfolgenden Be 
zirken vor sich. Es folgen nämlich nunmehr Köln mit 
einem jährlichen Volkswachstum von 1,80 (2,22), Aurich 
mit einem solchen von 1,70 (0,94) und Wiesbaden mit 1,69 
(2,02). Auch Oppeln 1,62 (1,72) und Trier 1,61 (2.04), weifen 
noch eine Quote von über 1,60 auf. Was in Sonderheit 
die städtische Entivickluug angeht, so war sie außer den in 
den bereits deshalb hervorgehobenen Distrikten noch in 
Aurich — 2,86 (1,73), Osnabrück 2,42 (2,11) und Oppeln 
2,35 (2,69) — recht stark, während sie in den Bezirken 
Magdeburg 0,68 (1,01), Stettin 0,78 (1,03), Stralsund 
0,83 (0,50) und Hildesheim 0,93 (1,67) auffallend flau 
war. Bezüglich der ländlichen Gemeinden sei noch erwähnt, 
das; außer Lüneburg, Arnsberg und Düsseldorf die Regierungs 
bezirke Münster 1,07 (0,91), Schleswig 1,07 (0,73) und 
Osnabrück 1,06 (0,75) von ihren Schwestcrbczirken noch 
durch eine recht bemerkenswerte Aufwärtsbewegung ihrer 
Bevölkerungszahlen hervortreten. 
Wenig erfreulich war die Bevölkerungsbewegung auf 
dem platten Lande dagegen vor allem in den Bezirken 
Gumbinnen, Stettin, Königsberg, Magdeburg und Allenstein, 
tvo in Gemeinden mit unter 2000 Einwohnern 1910 
weniger Einwohner gezählt wurden als 1005, was nur 
zum kleinen Teil auf Verschiebungen in der Zuteilung 
einzelner Gemeinden zu den Stadt- oder Landgemeinden 
zurückzuführen ist. Doch war der Rückgang im Verhältnis 
zur vorhandenen Landbewohncrschaft zu gering, um in der 
Reihenfolge der Bezirke nach dem prozentualen Anteil der 
ländlichen an der Gesamtbevölkernng am Schluffe des 
Jahrfünfts gegenüber dem Staude zu dessen Anfang eine 
Aenderung hervorgerufen. Noch immer steht Gumbinnen 
uiit 77,12 Landbewohnern auf 100 der Gesamtbevölkernng 
an der Spitze aller vorzugsweise ländlichen Distrikte, ihm 
folgt Allenstein mit 74,84 Prozent. In Marienwerder, 
Köslin und Posen tritt der ländliche Teil mit einer Anteil- 
ziffer von je rund 69 bezw. 68 schon etwas mehr zurück, 
um in den nachfolgenden Bezirken Osnabrück, Bromberg, 
Lüncbnrg und Stade auf 64 bis 02 zu sinken. Viel höhere 
Ziffern erreicht der Prozentsatz der städtischen Bevölkerung 
in einzelnen Gegenden. Im Regierungsbezirk Düsseldorf 
wohnten 1910 nicht weniger als 94,30 Prozent aller Ein 
wohner in Gemeinden mit über 2000 Seelen und auch in 
Köln, Arnsberg und Münster überstieg diese Verhältniszahl 
mit 87,44, 85,74 und 84,27 noch die Ziffer 80. Im 
Düsseldorfer Distrikt hat die städtische Entwicklung einen 
Grad erreicht, der auch außerhalb des deutschen Vaterlandes 
seinesgleichen sucht. Von den übrigen Bezirken mögen noch 
Potsdam (ohne Stadtkreis Berlin) 77,64, sowie Aachen 
66,58, Wiesbaden 64,90, Hannover 64,19 nnd Magdeburg 
63,68 als Distrikte init ganz erheblichem Prozentsatz hervor 
gehoben werden. 
lokales 
(Nachdruck uuscrcr o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Ordensiierleihuitgerr. Dem Amtmann Adalbert 
Rost, bisher in Bad Oeynhausen, jetzt hier wohnhaft, 
würde der Rote Adlerordcn, dein Generalleutnant z. D. 
Adalbert Wegner, Hierselbst, der Stern zum Kgl. Kronen 
orden 2. Klasse verliehen. — Der Großherzog von Baden 
hat dem hier wohnenden Architekten Max Walther das 
Ritterkreuz 2. Klasse vom Zähringer Löwen verliehen. 
o Der zweite „Stoff des Fcrienverkehrs" setzte 
gestern beim Beginn der bis Mitte Septeinber währenden 
Gerichtsferien abermals stark ein, nachdem der erste große 
„Auszug der Berliner" zu Anfang des Monats beim Ein 
setzen der Schulferien erfolgt war. Auf den Bahnhöfen 
spielte sich infolge des Abgangs zahlreicher Sonderziige ein 
außerordentlich lebhafter Verkehr ab. Vom Anhalter 
Bahnhof wurden um 7 Uhr 22 Min. und um 8 Uhr 
37 Minuten Vormittags Züge nach der Sächsischen Schweiz 
und nach Frankfurt a. Al. abgelassen, denen Nachmittags 
um 3 Uhr 55 Min. und 5 Uhr 50 Min. solche nach Süd 
westdeutschland folgten, während um 5 Uhr 22 Min. ein 
Zug nach Wien abgelassen wurde. Vom Stettiner Bahnhof 
entwickelte sich wieder ein großer Verkehr nach den Ostsee- 
badern, zu dessen Bewältigung sechs Sonderzüge eingestellt 
waren, die um 7 Uhr 15 Min., 7 Uhr 20 Min., 10 Uhr 
3 Min., 10 Uhr 24 Min., 11 Uhr 48 Min. und 1 Uhr 
7 Min. Berlin verließen. Vom Lehrter Bahnhof gingen um 
7 Uhr 50 Min. und 10 Uhr 45 Min. Extrazüge nach der 
Nordsee ab und vvift Görlitzer Bahnhof wurden die Reise 
faß schleudern. Und Rußland würde sicherlich nicht zögern, 
den Artikel zu übersetzen und mit dem nötigen Kommentar 
versehen, in astorischen Blattern abdrucken zu lassen. In 
unzähligen Exemplaren würde man damit das Land über 
schwemmen, und da gab cs auch nicht einen Astorier, der 
nicht sofort zu 'den Waffen greifen würde. Allerfrühestcns 
in den Morgenblättern des nächsten Tages konnte eine Be 
richtigung gebracht werden; waren die russischen Agenten ge 
schickt, so konnten sie die Zeit, die ihnen damit gegeben 
wurde, zum Verderben der königlichen Familie ausnutzen. 
Sie konnten sofort den Inhalt des Artikels an ein Blatt in 
der Hauptstadt Astoricns telegraphieren, das ihnen ergeben 
war — und cs gab deren wahrlich genug; Rußland hatte 
keine Alittel gespart, sich Freunde im Balkanstaate drunten 
zn gewinnen. Gleichzeitig mit der englischen Berichtigung 
würde dann in Astorien dieser lügenhafte Artikel erscheinen; 
und che die Wahrheit klargestellt war, wäre die Revolution 
ansgebrochen. Dann aber konnte nichts mehr den entfesselten 
Strom aufhalten — seine Wogen würden über dem Hanse 
des Königs, des verräterischen Königs, zusammenschlagen, und 
Rußland hatte das Spiel gewonnen. 
A(s wäre alles schon geschehen, sah Lcchmere das Unheil 
voraus. So hatte es sicherlich den Bevollmächtigten Ruß- 
lands vorgeschwebt, als sie den unbekannten Doppelgänger 
des Königs zum „Merkur" schickten. Und ein Glück, ein 
großes Glück war es, daß er rechtzeitig Kenntnis von dem "An 
schlag erhalten! Nur so durfte man hoffen, dem Feinde zu 
vorzukommen. 
Lcchnicre glaubte sogar, daß Hunt die Sache durchschaut 
habe, trotzdem aber getan habe, als glaube er dem falschen 
Könige aufs Wort, um diesen Artikel bringen zn können. 
Es gab nur ein Mittel, die Gefahr abzuwenden, und Lcchmere 
zögerte nicht, es anzuwenden. 
lustigen um 7 Uhr 50 Min. und 8 Uhr 5 Min. mit 
Sonderzügen ins Jser- und Riesengebirge befördert. Der 
Verkehr spielte sich trotz seines großen Umfanges in bester 
Weise ab; alle Sonderzüge waren voll besetzt. 
o Ueber den Entwertungstag der Versicherungs 
marken für die Invaliden- und Hinterbliebeneuversicherung 
herrscht in weiten Kreisen noch große Unklarheit. Wir 
nehmen deshalb Veranlassung, einen diesbezüglichen Bescheid 
des Reichsversicherungsamtes zu veröffentlichen, der unter 
anderem besagt: Nach § 1431 Satz 2 der Reichsver- 
sicherungsordnüng soll als Tag der Entwertung der letzte 
Tag desjenigen Zeitraums angegeben werden, für den die 
Marke gilt. Da die Beitragswoche nach $ 1387 Absatz 3 
a. a. O. mit dem Montag beginnt, so gilt jede einzelne 
Beitragsmarke, sei es nun eine Einwochen-, eine Zwei 
wochen- oder eine Dreizehnwochcnmarke, immer bis zu 
einem Sonntag, auch ivenn bei dem die Marke einklebenden 
Arbeitgeber eine Beschäftigung sogar während der Woche 
aufhört (§8 1426, 1428 a. a. O.). Somit ist durchweg der 
Sonntag als Tag der Entwertung einzutragen, auch wenn 
die Markenverwendung oder die Eintragung schon au einem 
früheren oder erst an einem späteren Tage stattfindet. 
Ständige und unständige Arbeiter sind iubezug auf das 
Entwerten der Marken gleichmäßig zü behandeln. Nur auf 
den Zusatzmarken, die für die freiwillige Zusatzversicherung 
zu verwenden sind, soll als Tag der Entwertung der Tag 
vermerkt werden, an dem sie in die Quittungskarte eingeklebt 
werden. 
o Klassenlotterie. Zur 2. Klasse der 3. Prcuß.-Süd- 
deutschen (229. kgl. Prcuß.) Klasscnlotterie liegen die Lose 
gegen Vorzeigung der Vorkkassenlose vom 17. Juli ab zur 
Einlösung bereit. Diese hat bis spätestens zum 4. August 
zu erfolgen. Die Auszahlung der Gewinne 1. Klasse findet 
vom 18. Juli ab statt. Ain 8. August beginnt die 
Ziehung der 2. Klasse, in welcher 10 000 Gewinne im Be 
trage von 1 663 525 M., darunter zwei Hauptgewinne zu 
je 50 000 M. gezogen werden. 
o Zweijährig-Freiwillige werden noch beim Gardc- 
schützen-Bataillon, darunter auch einige Fahrer für die 
Maschinengewehr-Kompagnie für Herbst 1913 angenommen. 
Junge Leute, die iin Besitz eines Meldescheines zum frei 
willigen Eintritt sind und die Absicht haben, einzutreten, 
können sich am 22. Juli und am 22. August d. Js., Vor 
mittags 8 l /<j Uhr, auf dem Bataillons - Geschäftszimmer in 
Berlin-Lichterfelde, Steglitzer Straße, zur Untersuchung cin- 
finden. Erforderlich ist eine Mindestgröße von 1,70 Meter, 
gute Schulbildung und sehr gutes Sehvermögen auf beiden 
Äugen. 
o Joses Kainz-Theater am kleinen Wannsee. Ter 
Spielplan dieser Woche weist für die Kinder das Alärchen 
„Schneewittchen" auf, welches eigens für die Freilichtbühne 
von Heinrich Roemer bearbeitet wurde. Die Premiere ist 
Sonnabend, dem 19. Juli, Nachmittags 3 Uhr; eine Wieder 
holung am Mittwoch, dem 16. Juli findet die ziveite 
Ferienanfführung zu volkstümlichen Preisen „Des Meeres 
und der Liebe Wellen", statt Während „Iphigenie" am 
Montag, dem 14. und Donnerstag, dem 17. Juli 
programmmäßig wiederholt wird. Am Freitag, dem 18. 
Juli ist zum Ä2. Male eine „Medea"-Aufführung, und 
Dienstag, dem 15. Juli, Abends 5V? Uhr, sowie Sonn 
abend, dein 19. Juli, Nachmittags 6 Uhr, und Sonntag, 
dem 20. Juli, Nachmittags 6 Uhr werden „Ein greiser 
Paris" und „Lysanders Mädchen" sowie die „Hans Sachs- 
Spiele" gegeben. 
o Dyphtheritis in der Wilmersdorfer Ferienkolonie. 
Unter den in der Wilmersdorfer Ferienkolonie in Karls- 
Hagen bei Usedom untergebrachten Kindern sind zwei Er 
krankungen vorgekommen, bei denen im Krankenhause in 
Greifswald, wohin die Kinder gebracht wurden, Dyphtherie 
festgestellt wurde. Der Wilmersdorfer Magistrat hat sofort 
veranlaßt, daß durch den zuständigen Kreisarzt eine genaue 
Untersuchung aller in Karlshagen sich aufhaltenden Kinder 
vorgenommen werde und hat weitere Dispositionen im 
Falle fernerer Erkrankungen angeordnet. Zu Beunruhigungen 
liegt, wie wir hören, keine Veranlassung vor; die in Karls- 
Hagen befindlichen Kinder bleiben nach wie vor dort. 
o Das Eisenbahnattentat bei Zehlendorf dürfte doch 
noch seine Aufklärung finden. Gegenwärtig verfolgt die 
Kriminalpolizei zwei neue Spuren. Wie wir mitteilten, 
wurde am 4. d. M., Morgens gegen 9'/ 2 Uhr, von einem 
Streckenwärter entdeckt, daß im Gleis Magdeburg—Berlin 
zwischen Zehlendorf-Mitte und Neu-Babelsberg eine Anzahl 
Ein Gab brachte ihn zu dem Gebäude des „Daily 
Herald". Die Zeitung war sehr alt und hatte wegen ihrer 
Solidität und ihrer strengen Wahrhaftigkeit einen aus 
gezeichneten Ruf. Sie brachte keine Skaudalgcschichtcu und keine 
Sensationsnachrichten aus der Londoner Gesellschaft, mit 
denen die anderen Blätter wie gespickt zn sein pflegten. Des 
halb fanden aber auch die Artikel, die der „Herald" brachte, 
eine um so größere Beachtung. 
Lcchmere war mit dem Herausgeber des Blattes, Herrn 
Evclcigh, einem ehemaligen Mitglied-: des Unterhauses bc- 
srcnndct, und er wurde daher trotz der späten Stunde sogleich 
empfangen. Seine erste Frage war, ob der „Herald" 
bereits im Drucke wäre; und er atmete sichtlich erleichtert auf, 
als das verneint wurde. 
„Das ist ausgezeichnet," sagte er. „Tenn ich habe eine 
Nachricht, die noch in Ihrer Morgenausgabe erscheinen muß, 
Herr Evclcigh! Ganz außergewöhnliche Tinge sind geschehen, 
i:: die ich wider Erwarten sehr stark verwickelt worden bin. 
— Wollen Sie so freundlich sein, dies zu lesen?" 
Der .Herausgeber des „Herald" griff nach dem „Merkur", 
den ihm Lcchmere entgegenhielt. Er las die fettgedruckten 
Ucberschriftcn der Artikel, die das Blatt enthielt; nnd er 
brauchte nicht lauge zn suchen, um zu erraten, was Lechmcre 
meinte. 
Gleich auf der ersten Seite stand ja der Bericht über 
den Besuch des Königs von Astorien im Bureau des 
„Merkur", und er war überdies durch einen anderen Druck 
besonders hervorgehoben. Das Gesicht des Herrn Eveleigh 
wurde sehr ernst, während er las; er schien aus das Leb 
hafteste interessiert. 
„Es ist eigentlich nur das, was man seit langem erivartct; 
hat," sagte er endlich, indem er - das Blatt beiseite legte, ! 
«Mau erzählt sich ia tolle Geschichten über diese Majestät.; 
Schrauben von der äußeren Schiene entfernt worden waren, 
um den Zug zur Entgleisung zu bringen. Zeugen, die nach 
träglich von der Kriminalpolizei ermittelt worden sind, 
haben am 30. Juni Abends gegen 11 Uhr unweit von 
Zehlendorf-Mitte, jedoch etwa eine halbe Stunde von dem 
Tatort entfernt, auf den Schienen einen Manu bemerkt, der 
sich anscheinend au den Verschraubungen zu schassen machte 
und sich, als er sich gesehen glaubte, platt au der Böschung 
hinwarf. Dieser Mann, auf den die Behörden fahnden, 
war inittelgroß und trug einen dunklen Anzug und einen 
schwarzen Schlapphut. Nach dem Ergebnis der neueren 
Ermittelungen gingen am Tage vor dem Vorfall zwei 
Männer die Chaussee von Zehlendorf nach Potsdam entlang. 
Etwa 10 Minuten von dem Tatort entfernt, fragten sie 
einen Chausseearbcitcr, der dort beschäftigt war, nach dem 
Wege nach Teltow. Die beiden machten infolge ihres 
sonderbaren scheuen Wesens, von vornherein auf den 
Chausseearbeiter einen eigentümlichen Eindruck. Einer von 
ihnen trug einen großen Schraubenschlüssel ganz von der 
Art, wie er von Bahuarbeitern verwendet wird; der andere 
hatte ein Paket von Wachslcinwaud unter dem Arm. 
Nachdem ihnen der Chausseearbeiter Auskunft gegeben hatte, 
gingen sie in den Wald und schlugen den Weg ein, der in 
kurzer Zeit nach dem Tatort führt. Es ist immerhin 
möglich, daß die beiden, wie auch der Mann, den andere 
gesehen haben, mit dem Anschlag in Zusammenhang stehen. 
Der Kriminalpolizei ist deshalb viel daran gelegen, ihre 
Personalien festzustellen. Da die Behörde auch damit 
rechnet, daß der zum Lösen der Schrauben benutzte Schlüssel 
von den Tätern irgendwo im Walde weggeworfen worden 
ist, ersucht sie alle Ausflügler, die durch die dortige Gegend 
kommen, darauf zu achten und ihn, falls sie ihn finden, 
sofort im Zimincr 51 der Kriminalpolizei abzuliefern. Es 
sei noch einmal darauf hingewiesen, daß auf die Aufklärung 
des Anschlages eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt 
worden ist. 
o Das heftige Gewitter, von dem Friedenau nur 
wenig betroffen wurde, svll in anderen westlichen Vororten 
bedeutenden Schaden angerichtet haben. Besonders ging in 
Zehlendorf, Schlachteusee usw. ein wolkcnbruchartiger Regen 
nieder. In Wannsee wurde das Gewitter von einem 
Wolkeichruch begleitet, der das Wasser au einigen Stellen 
säst einen Meter hoch ansteigen ließ. Sehr unangenehm 
machten sich die Wasseranstauungen in dem Freibad Wannsee 
beinerkbar. Namentlich in dem Dameubad, in dem mehrere 
Hundert Frauen und Kinder badeten, entstand eine förmliche 
Panik, als das Wasser in die Aukleideräume drang und 
immer höher stieg. Alan hörte Frauen und Kinder schreien 
und alle drängten erregt durcheinander, um nach ihren 
Kleidern zu suchen. Einige Damen, die in der Eile ihre 
Kleider nicht finden konnten, verließen fluchtartig in Vadc- 
kostümen das Freibad und fuhren in Automobilen nach 
Hause. Andere sah man halb angekleidet ans dem Freibad 
flüchten. Es wurden schließlich Gräben gezogen, in denen 
das Wasser in den See ablausen, konnte. 
o Festnahme eines Wilmersdorfer Kaufmanns in 
Harzburg. Unter dem Berdacht, eine ihm in Pension ge 
gebene junge Javanerin versteckt zu halten, ist in Bad 
Harzburg der ca. 50 Jahre alte Kaufmann H. aus Wil 
mersdorf verhaflet worden. H., der seit dem 1. April d. I. 
mit seiner Frau und zwei Töchtern im Alter von 18 und 
19 Jahren in Wilmersdorf wohnte, hatte außer einem 
Knaben ein junges Mädchen, die Tochter eines in Java 
wohnenden Ehepaares, in | Pension genommen, das er Haus 
bewohnern gegenüber als seine Nichte ausgab. Bor einigen 
Tagen reiste er initz seiner Frau und der Pensionärin nach 
Harzburg, nachdem er iin Hause erzählt hatte, daß er dort 
mit den Eltern des jungen Mädchens, die zurzeit in 
Europa weilten, zusammcutresfen würde. Wie nun aus 
Harzburg gemeldet wird, ist H.^ dort unter dem Verdacht, 
das Mädchen versteckt zu halten, um von den Eltern eine 
größere Geldsumme zu erpressen, auf offener Straße fest 
genommen und in Polizeigewahrsam geführt ivorden. Bei 
seiner Vernehmung behauptete er, den Aufenthaltsort des 
Mädchens, nicht zu kennen. Die Schönebcrger Kriminal 
polizei, die für Wilmersdorf zuständig ist, hatte bis gestern 
Abend noch keine Mitteilung von deni Vorfall erhalten. 
o Eilt Zechpreller treibt in Friedenau sein Unwesen. 
Wie uns milgcleilt wird, erschien gestern Nachmittag in 
einer hiesigen Konditorei ein junger Manu im Alter von 
etwa 20—21 Jahren, bekleidet mit braunem Anzug, 
schwarzem steifen Hut und braunen Stiefeln und bestellte 
Jedenfalls ist er ein geschickter Kerl, dieser Hunt; nnd wenn 
auch die gesamte Presse natürlich sich in entrüsteten Artikeln 
über ihn ergehen wird, so gibt cs doch meiner Meinung nach 
sehr wenige Zeitungsherausgeber, die ihm diese Sensation 
nicht neideten." 
„Und Sie glauben, was er da schreibt?" 
Evclcigh blickte nachdenklich vor sich nieder. 
„Ich weiß nicht recht, wie ich mir Ihre Frage deuten 
soll," meinte er. „Es scheint doch so, als glaubten Sie 
nicht an das, was hier geschrieben steht. Es macht aber 
doch den Eindruck der Wahrhaftigkeit. Hunt dürste cs nicht 
riskieren, seine Leser so an der Nase herumzuführen, ganz 
abgesehen davon, daß er ja strafrechtliche Verfolgung zu fürchten 
hätte, ivenn cs sich herausstellt, daß dies nur eine Ente ist. 
Co darf man denn doch nicht mit dem Namen von Königen 
umspringen. An der Schreibweise erkenne ich unschwer, daß 
Hunt selbst der Verfasser ist; nein, nein, Lechmcre — der 
Amerikaner hat sicherlich in der Gewißheit gehandelt, nur die 
volle Wahrheit zu sagen." 
Lcchmere lächelte seltsam. 
„Meinen Sie? — Nun, wir wollen es dahingestellt sein 
lassen. Jedenfalls ist cs Tatsache, daß Hunt diese Jnsormationen 
von einem Manne erhielt, den er vielleicht — ich sage 
vielleicht, denn es erscheint mir keineswegs als gewiß — für 
den König von Astorien hielt, der cs aber in Wirklichkeit 
ebensowenig war, wie Sie oder ich." 
Eveleigh blickte überrascht auf. 
„Was heißt das? — Wie habe ich mir das zu er- 
kläre»? — Ich weiß, Lechmcre, daß Sie'nichts sagen, was 
Sie nicht auch beweisen können. Wie Sie das" aber in 
diesem Falle machen wollen, ist mir unverständlich." 
(Fortsetzung folgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.