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Periodical volume Nr. 164, 15.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

toh&Us 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Badezeit! So gesundheitsdienlich und vorteilhaft das 
Baden für den gesamten menschlichen Organismus ist, so 
kaun man doch mit demselben Schaden anrichten. Kalte 
Bäder im Fluß oder in einem Schwimmbassin soll man 
nur an heißen Tagen und nicht zu schroff und plötzlich, 
sondern nur allmählich, auch mit Maß und Ziel und nur 
im gesunden Zustande vornehmen. Die Kräftigung und 
Abhärtung der Haut kairn ohne jede Schädigung nur all 
mählich erreicht werden. Wer zu Hause an regelmäßige 
kalte Waschung gewöhnt ist, braucht auch bei Flußbädern 
nicht so ängstlich zu sein. Jin allgemeinen ist die Mahnung 
der Natur stets richtig. Wer sich vor dem Wasser fürchtet 
und wem es schon vorher ein Schütteln verursacht, der 
hat doppelte Vorsicht anzuwenden. Die Natur sträubt 
sich dann dagegen und das ist nicht umsonst. Bei 
Knaben nimmt man das oft für zn große Furchtsamkeit 
und andere Knaben, wohl auch der Lehrer — wovon wir 
Beispiele kennen — glauben dann ein Recht zu haben, 
solche Kinder mit Gewalt ins Wasser zu werfen. Es gibt 
von Geburt an wasserscheue Menschen, die in der Tat im 
kalten Wasser keinen Atem bekommen. Bei 'diesen geht die 
Gewöhnung daran nur sehr langsam. Die wichtigsten Vor 
sichtsmaßregeln beim Baden sind : 1. Bade nicht in erhitztem 
Zustande und bei sehr vollem Magen, darum mache den 
Weg zum Bade ruhig und gemessen. 2. Entkleide dich 
langsam, gehe aber dann sofort ins Wasser. 3. Befeuchte 
dich mit dem Wasser vom Kopfe an durch Begießen auf 
den Kopf oder springe mit dem Kopfe voran ins Wasser. 
4. Bleibe nicht sehr lange im Wasser, das entzieht dem 
Körper zuviel Wärme. 6. Kleide dich nach dem Baden 
schnell an und mache Bewegungen, um die verlorene 
Wärine wieder zu gewinnen. Ost stellt sich Appetit ein. 
Das Essen nachher erzeugt wohltuende Magenwürme. Zn 
unterlassen ist das kalte Baden bei Unwohlsein, nach durch 
wachten Nächten, bei heftigen Gemütsbewegungen, nach 
reichlichem Genuß geistiger Getränke. Blutarme, ucrvöse, 
bleichsüchtige und schwindsüchtige Personen dürfen überhaupt 
nicht kalt baden, weil sie die Wärme des Körpers notwendig 
brauchen. 
o Eine halbamtliche Warnung vor unbefugtem 
Photographieren und Zeichnen im Ausland ist soeben er 
lassen worden. Darin wird auf die Gefahren hingewiesen, 
die deutschen Reisenden durch unvorsichtiges Photographieren 
oder Zeichnen im Ausland, vor allem an militärisch 
wichtigen Stellen in den Grenzgebieten und an fremden 
Küsten erwachsen können. „Eine Anzahl ausländischer 
Staaten haben," so heißt es weiter, „gegen unbefugtes 
Photographieren und Zeichnen sehr scharfe Strafbestimmungen, 
die besonders Ausländern gegenüber, auch wenn irgend eine 
böse Absicht fernliegt, streng durchgeführt werden. Der 
harmlose Reisende, der unbewußt solche Bestimmungen über 
tritt, kaun noch froh sein, wenn er mit einer empfindlichen 
Geldstrafe und mit Einziehung von Apparat und Platten 
davonkommt. Häufig genug führt der ungezügelte Drang, 
landschaftlich schöne-Gogenden des Auslandes im Bilde fest 
zuhalten, selbst wenn sie vom Standpunkt der Landesver 
teidigung anscheinend gar kein besonderes Interesse bieten, 
zu ärgeren Unannehmlichkeiten, Festnahme wegen Spionage- 
verdachts und langwieriger Untersuchungshaft mit der Aus 
sicht auf eine mehr oder minder harte Freiheitsstrafe, 
günstigstenfalls auf Verweisung aus dem Lande als „lästiger 
Ausländer". Ist einmal ein Strafverfahren wegen 
Spionngcnerdachts eröffnet, so wird auch die Hilfe der aus 
wärtigen Vertretungen des Reichs zumeist versagen, da sich 
diese in die Gerichtsbarkeit des fremden Staates nicht ein 
mischen können. Gerade in der letzten Zeit haben mehrere 
solche Fälle die Ocffentlichkeit beschäftigt. Es kann deshalb 
nur dringend zur Vorsicht beim Photographieren und 
Zeichnen im Auslande geraten werden." 
o Saison-Ausverkauf zu bis 75 Proz. ermäßigten 
Preisen und Nestbestand-Ausverkauf. Der Verband deutscher 
Waren- und Kaufhäuser, E. V., schreibt: Es ist unzulässig, 
nach dem Saison-Ausverkauf einen „Verkauf von Nest- 
beständen" öffentlich bekanntzugeben. Ein solcher Verkauf 
würde durch die Verlängerung des Saison-Ausverkaufs über 
die festgesetzte Zeit hinaus nicht nur eine Verletzung der 
Regierungsverordnung bedeuten, sondern auch als ein ge- 
ivöhnlicher Ausverkauf im Sinne des Wettbcwerbsgesetzes 
„Was für ein König, «Jir. Hunt?" 
Verblüfft starrte ihn der (ticfragte au. 
„Sonderbare Frage! — Ter König von England natür 
lich. Oder meiuetivegeu irgend ein anderer." 
„Mit Ausnahme Sr. Majestät des Königs von Astoricn, 
nicht wahr?" 
Es war eine leicht hingeworfene Frage, aber die Wirkung, 
die sie auf den Chefredakteur ausübte, war eine außerordent 
liche. Er wurde sehr bleich und die Hand, in der er ein 
Zeitungsblatt hielt, zitterte. 
„Ich weis? nicht, was Sie damit sagen ivollen, Mr. 
Lcchmere! — Wie kommen Sie ans den König von Astorieu?" 
„Las ist Nebensache. — Jedenfalls habe ich den Weg 
mitten in der Nacht nicht gcuiacht, um mir von Ihren Tür 
hütern unverschämte Botschaften ausrichten zu lassen, sondern 
um mit Ihnen zu reden. Alles, ivas Sie mir da von Ihrer 
übergroßen Beschäftigung sage», ist Unsinn. Tenn Ihr Morgen- 
blatt ist längst zusammengestellt. Und ich bin überzeugt, 'das; 
die ersten Abzüge innerhalb einiger Minuten die Presse ver 
lassen ivcrden. — Wollen Sie die Freundlichkeit haben, mir 
einen dieser Abzüge zukommen zn lassen?" 
Die bestürzte Micne des Redakteurs war zu einer 
wütenden gcivordcn. 
„Was Eie sich da herausnehmen, Mr. Lcchmere —! — 
Ihr Benehmen ist eine offenbare Beleidigung, und ich muß 
Sic nunmehr dringend ersuchen, mich zu verlassen." 
Er h Ute es in herrischem Tone gesagt, aber unter dem 
kalten, durchdringenden Blick des andern senkte er unwill 
kürlich die Augen. 
„Setzen Sie sich!" befahl Lcchmere mit einem Ausdruck, 
ivie man etwa einen widerspenstigen Hund zum Gehorsam 
bringt. „Ich sage, daß ich mit Ihnen zn reden wünsche. 
— Ter König von Asioricn ist ui dieser Nacht bei Ihnen 
anzusehen sein, der der Anmeldung und Einreichung 
eines Verzeichnisses bedarf und dem strengen Nachschub- 
verbote unterliegt. Die Ankündigung „eines Verkaufs von 
Ncstbeständen der Saison" ist als zulässig nur dann anzu 
sehen, wenn er an Stelle eines Saison-Ausverkaufs geschieht. 
o Wachsende Arbeitslosigkeit in Groß-Berlin. Die 
Zahl der Arbeitslosen hat bei den Maurern, Zimmerern, 
Tischlern, Töpfern und Klempnern seit 14 Tagen zuge- 
nommen. Bei dem paritätischen Arbeitsnachweis in Berlin 
und Schöneberg herrscht ein solcher Andrang wie noch nie 
zuvor. Ain 11. Juli d. I. wurden in Berlin allein 4727 
Holzarbeiter gemeldet, die beschäftigungslos sind. Dagegen 
herrscht Nachfrage nach Arbeitern in der Landivirtschast. 
o An die Handels-Hochschule Berlin ist voiu 1. 
Oktober 1913 ab als hauptamtlicher Dozent der Handels 
wissenschaften, insbesondere für die Fächer des Bank- und 
Börseuwcscns Herr Dr. Prion berufen worden, der zur Zeit als 
hauptamtlicher Dozent für Handclsivissenschaften an der 
Handels-Hochschule in München tätig ist. Im Winter 
semester 1913-14 beabsichtigt Herr Dr. Prion folgende Vor 
lesungen abzuhalten: Finanzierung kaufmännischer und 
industrieller Unternehmungen. Bankb etricbslehre. Be 
sprechungen iiber Konjunktur, Geldmarkt und Börscnlage 
(mit Anfertigung von Marktberichterstattuugen). Private 
Kapitalsanlage — 1 ständig. Außerdem wird er ein 
Seminar für kaufmännische Privatwirtschaftslehre (mit be 
sonderer Berücksichtigung des Bank- und Börsenbetriebes) 
abhalten. 
o Das Stadtbad in Steglitz hat im Juni d. Js. 
9718 Bäder an Männer, 5800 an Frauen, zusammen also 
15 518 Bäder abgegeben. Die GesamtbctriebseinnahiNen 
betrugen 6058,10 M. (gleich 150,15 M. mehr als im Juni 
des Vorjahres). Mit dem Van einer besonderen Heil- 
bäderabteilnug für Frauen wurde kürzlich begonnen. 
o Hans- und Grnn-besktzervercin. In der letzten 
Vereinsversaininlung am 23. Mai d. I. machte der Vor 
sitzende Herr v. Wrochein den Mitgliedern bekanntlich davon 
Mitteilung, daß auf Veranlassung der König!. Eisenbahn- 
direktion diejenige Vereinswohnuugstafel hatte entfernt 
werden müssen, die sich seit ungefähr 10 Jahren, ohne je 
beanstandet worden zn sein, an besonders günstiger Stelle 
im Innern des Friedenaner Wannseebahnhofes befand und 
zwar an der Wandfläche des nach der Friedenaner Seite zu 
belcgeneu Treppenaufganges. Diese Maßregel wurde von 
der Behörde mit Verkchrsrücksichten motiviert, in Wirk 
lichkeit jedoch nur infolge eines einzelnen Falles, weil ein 
höherer Beamter sich bei der Direktion beschwert hatte, daß 
die vor der Wohnungstafel stehenden Personen ihm beim 
Hinaufsteigen der Treppe hinderlich im Wege ständen. Alle 
Einwendungen und Bemühungen des Vorstandes, eine 
Zurücknahme der Verfügung zu bewirken, verliefen resultat- 
los. Mit der Eisenbahnditektion kam schließlich eine 
Einigung dahin zustande, daß dieselbe auf Vorschlag des 
Vorstandes damit einverstanden war, dein Haus- und Gruud- 
besitzcrvcreiu die Anbringung der betr. Tafel gegen Zahlung 
einer Aiierkenumigsgebühc von 00 M. ain Beamtcuivohn- 
hause in der Bahnhöfstraße zu gestatten, jedoch vorbehaltlich 
polizeilicher Genehmigung. Diese wurde jedoch dein Verein 
nicht erteilt, ebenso hatte eine ziveite Eingabe an das 
Köuigl. Polizeipräsidium in Schöueberg keinen Erfolg, da 
dem Verein vor einigen Tagen nachstehender Bescheid 
zuging: „Auf die erneute Eingabe voiu 24. Juni d. Js., 
betreffend Anbringung einer Wohnungstafel teile ich er 
gebenst mit, daß es bei meinem Bescheide vom 13. Juni d. I. 
sein Bewenden haben uiuß. Im Auftrage gez. v. Oettinger, 
Regierungs-Assessor." Unter den obwaltenden Umständen 
bleibt dem Verein nichts anderes übrig, als abzuwarten, 
bis die in Aussicht genommene Verlegung des Wannscc- 
bahnhofes stattfindet. Vielleicht findet sich dann Gelegeilheit, 
die Tafel, die dort sowohl für Wohnungssuchende als für 
Vermieter besonderen Wert hat, an geeigneter Stelle wieder 
unterzubringen. 
o Der Zentralverband der Gemeindebeamten 
Preußens wird seine 18. ordentliche Hauptversammlung 
am 27. bis 29. August d. Js. in Magdeburg abhalten. 
Für die Erledigung der umfangreichen, 41 Punkte ent 
haltende Tagesordnung sind 2 öffentliche Versammlungstage 
angesetzt. Die förmliche Eröffnung der Tagung und Be 
grüßung der Ehrengäste erfolgt am 28. August, 10H„ ilhr 
Vormittags. Zur Beratung stehen u. a. ein Antrag des 
Vereins Berliner Stadlsekretäre betreffend das Ausivärts- 
geweseu — nicht wahr? — Wenn Sie sich versucht füllten 
sollten, cs in Abrede zu stellen, so bin ich bereit. Ihnen 
den Bciveis dafür zn erbringen." 
Air. Hum war mit einem Mal ganz kleinlaut ge 
worden. 
„Ich stelle es gar nicht in Abrede," sagte er. „Ter König 
ist allerdings hier gewesen, uüd zwar ohne daß er durch 
mich irgendwie dazu veranlaßt worden ivärc. Er kam in 
einem gewöhnlichen Cab in der Absicht, mir gewisse Infor 
mationen zu geben, deren Veröffentlichung ihm erwünscht 
schien." 
„Ich beziveisle nicht im mindesten, daß Sie mir das 
alles im bestin Glauben erzählen," erividcrte Lechmere 
trocken. „Seine Majestät hat sich nachgerade in einen Ruf 
gebracht, der einen solchen Schritt ganz glaubhaft erscheinen 
läßt. — Vielleicht war er auch bei diesem Besuch ein wenig 
betrunken — wie?" 
Mr. Hunt erklärte, das sei allerdings nicht ganz un 
möglich. Immerhin habe sich Seine Majestät mit solcher Klar 
heit ausgesprochen, daß an seiner vollen Zurechnungsfähigkeit 
auch nicht der mindeste Zweifel obwalten könne. 
„Es ist gut für Sie, daß Sie davon überzeugt sind. 
Was aber lvürden Sie sagen, mein Bester, wenn ick, in der 
Lage wäre. Ihnen zu erklären, daß Seine Majestät heure 
abend überhaupt mit keinem Schritt in Fleet Street ge 
wesen ist?" 
„Ah, das ist Ihre beliebte Manier, jemanden zu ver 
blüffen. — Aber diesmal haben Sie damit bei mir kein 
Glück. Ich kann mich, Gott sei Tank, auf meine Augen ver 
lassen. Und ich kenne den König vvn Historien zur Genüge. 
Ich sah ihn vor mir, so wie ich Sic vor mir sehe. Länger 
als eine halbe Stunde saß er dort in dem nämlichen Stuhl, 
um mir seine Ausichteu uud seine nächsten Pläne zu entwickeln. 
— Welcher Art seine Qnsormationcn ivaren, können Sie, 
wohnen der Beamten, ein Antrag des Ortsvcrbandes Berliu- 
Wilmcrsdorf, betreffend Einreichung einer erneuten Bill- 
schrift gemeinsam mit dem Bunde der Militäranwärtcr au 
das Abgeordnetenhaus um Anrechnung eines Teiles der 
Militärdienstzeit auf das Bcsoldungsdienstalter hinsichtlich 
der bei den Kommunalbehörden angestellten Militäranwärter 
und ein Antrag Niederschlesien auf Einreichung einer er 
neuten Bittschrift um Beseitigung der Arreststrafe für Untcr- 
beamte. Ferner soll über Maßnahmen zur Beseitigung der 
Wahlrechtsbeeinträchtigung, die den Beamten aus ihrem 
Kommunalsteucrprioileg entsteht, über Besteuerung der Lage 
der Gemeinde-Allpensionäre und über die Verbilligung und 
Verbesserung der Wohnverhältnisse der Gemeindebeainten 
verhandelt werden. 
o Der Verein der Gast- und Schankwirte vvn 
Friedenau und Umgegegend hielt gestern seine Versamm 
lung beiin Kollegen Carl Feldmann in Berlin, Mautcusiel- 
straße 95, ab. Die Sitzung eröffnete der erste Vorsitzende, 
Herr Gundla'ch, kurz nach 7,-Uhr. Das Ableben eines Ver- 
bandskollegeu ehrte die Versaminlung durch Erheben vvn 
den Plätzen. Ferner teilte der Vorsitzende mit, daß Herr 
Feldmann seinen Geburtstag habe und brachten ihm die 
Kollegen ein dreifaches Hoch aus. Nach Verlesen des Pro 
tokolls, das genehmigt wurde, verlas der Vorsitzende die 
eingegangenen Schreiben, darunter eine Einladung des 
Spaudauer Vereins zu seinein Stiftungsfest und Banner 
weihe. Da Kollegen beschloßen sich daran zahlreich zu be 
teiligen. Da für Punkt 3 nichts vorlag, gab zu Punkt 4 
Herr Stcruberg Bericht vom Delegiertentag in Prenzlau. 
Da eine ausführliche Derichterstattimg jedoch schon im Fäch- 
blatte stand, beschränkte sich der Vortragende nur auf einige 
kleinere Sachen, die für den Verein voiu Werte waren. 
Zum 22. Stiftungsfest des Verbandes am Freitag, dem 
15. August er. in Reinhardt's Sommertheater in der Hasen 
heide 57 wurden Billetts angeboten, die auch bei den Koll. 
Gnndlach, Kiewitz, Henke, Thielicke und Böge zu haben sind. 
Der Preis der Billetts ist 30 Pf. Zu Punkt 5 Be 
sprechung über das neue Eichgesetz betreffend wurde 
empfohlen,! sich mit Herrn Hans Berger in der nächsten 
Versammlung in Verbindung zu setzen, da sich Herr Berger 
bereit erklärt haben soll, das ilmeichen der Gläser nach der 
am 1. Oktober d. Js. in Kraft tretenden neuen Vorschrift 
zu dem denkbar billigsten Preise zu machen. Die in 
Punkt 0 der Tagesordmmg vorgesehene Besprechung über 
eine Vereinspartie mit Familie mürbe nach langer und sehr 
lebhafter Debatte abgelehnt. Herr Rcchtsamvalt Dr. 
Schwenk, der inzwischen erschienen ivar, gab noch bereit 
willigst über einige au ihn gerichtete Rechtsfragen Aus 
kunft und versprach, da die Zeit schon ziemlich vorgeschritten 
ivar, einen längeren Vortrag für die nächste Zeit. Rach 
Besichtigung des Warenmarktes'"teilte der Vorsitzende mit, 
daß die nächste Vorstandssitzung beim Kollegen Böge, 
Moselstr. 6, und die Monatsversammlung beim Kollegen 
Schneider, Ringstr. 33, stattfinden. Schluß gegen 11 Uhr. 
o Der Wettflug „Rund um Berlin", der am 30. 
und 31. August 1913 vom Berliner Verein für Luftschiff 
fahrt, Kaiserlichen Autvmobfl-j'lub und Kaiserlichen Acro- 
Klub veranstaltet wird, wird voraussichtlich ein ganz außer 
ordentliches Ereignis auf dem Gebiete des Flugsports 
iverden. Eine große Reihe bekannter Flieger ist schon jetzt, 
uninitttelb9r nach Erscheinen der Ausschreibung, gemeldet 
worden: 1. Ing. Sablatnig, Union-Pfeil-Doppeldecker. 
System Bomhard, 2. Otto Beck, Suvelack-Kondor-Eindecker, 
2. Josef Suvclack, Suvelack-Kondor-Eindecker, 4. Willy 
Rosenstein, Eindecker der Gothaer Waggonfabrik, A.-G., 
5. Liuuekogel, Rumpler-Eindecker, 0. Karl Krieger, Harlan) 
Eindecker, 7. Leo Roth, Harlau-Eiudecker, 8. Herbert Kohuerr, 
Harlan-Eindecker, 9. Wilhelm Kießling, Ago-Ziveidecker, 
10. Stiploscheck, Jcanuin-Stahltaube. Da der Meldeschluß 
des Wetlfiugcs „Rund um Berlin" auf den 0. August fest 
gesetzt ist und Nachmcldungen bis zum 20. August inöglich 
sind, wird voraussichtlich die auf 30 Teilnehmer beschräukle 
Zahl bald erreicht sein. 0. 
o Warum muß ich turnen? Meine eigenen Arbeiten 
im Haushalt oder im Büro muten mir schon soviel Be- 
wegung zu, daß diese Tätigkeit an und für sich eine Gym 
nastik bedeutet uud weitere besondere Uebungen überflüssig 
macht". So sagt mancher und glaubt, einen triftigen 
Grund für seine Bequemlichkeit aufzuführen. Wenn mau's 
so hört, mag's glaublich scheinen. Aber die Wissenschaft 
lehrt uns, daß hier ein Trugschluß vorliegt; mit Recht meist 
wenn cs Sie interessiert, "gleichzeitig mit den anderen Lesern 
des „Merkur" beim Frühstück erfahren." 
Ohne daß Mr. Hunt cs bemerkt batte, ivar die Tür 
ein wenig geöffnet worden und ein Mann von dem Ausscbcn 
eines Buchdrnckcrgchilfen war sichtbar geworden, um sich 
indessen sogleich wieder bescheiden auf den Gang zuriick- 
znzichen, als er den vornehm aussehende» Besucher erblickt 
hatte. Dem Chefredakteur war sein Erscheinen vollständig ent 
gangen. Lechmere aber, dessen Luchsaugen überall zugleich 
zu sein schicuep, hatte bemerkt, daß der Manu einen feuchten 
Zeitungsbogen in der Hand hielt, und er folgerte, daß dies 
ein erster Abzug des fertigen Mvrgenblattcs gewesen sei. Im 
nämlichen Augenblick war er auch schon entschlossen, sich 
um jeden Preis in den Besitz dieses Abzuges zu bringen. 
Er stand auf, wie iveun er von dem Ergebnisse seiner 
Unterredung mit dem Chefredakteur völlig befriedigt sei. 
„'.sinn wo bl," sagte er gleichinütig. „Ich wünsche Ihnen 
eine gute Nacht oder einen guten Morgen, wenn das besser 
klingt. — Sic haben eine der größten Dummheiten gemacht, 
die jemals dem Redakteur eines großen Blattes passiert ist. 
— Aber am Ende iverden Sie ja nur selber auszuesseu 
habcit, ivas Sie sich einbrockten. — Und ich wünsche Ihnen 
ciucrt güten Mägen dazu — Adieu!" 
Er ging hinaus und drückte schnell die Tür hinter sich 
ins Schloß, um zu verhindcrn, daß der Faktor mit seinem 
Zcitüiigsblatk sich au ihm vorbei in das Pr.ivatburcau 
schöbe. Ter Mann stand noch immer da, bescheiden daraus 
wartend, daß der Besucher des Chefredakteurs sich entfernen 
möge. Lechmere sah ihn, mit einem scharfen Blick ins 
Gesicht, griff in die Westentasche uud entfaltete eine Zchu- 
psimdnote zwischen den Finger«, indem er gleichzeitig aus den 
Abzug deutete, de» jener in der Hand hielt. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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