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Periodical volume Nr. 171, 23.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

n 1 ins- «r* 11 'S- bC5 Sondcrzuges in Büchen ausdrücklich 
u 7/V ■ nu '* ai und für die Weiterfahrt mit dem 
sahip aniuaßigeu Zuge I I Uhr 80 Minuten angegeben, 
W( tlb (i"?l { V U ©eite 19; „Durchgehende Karten nach 
Mott . Lübeck usw. über Büchen werden zu den 8 Uhr 
23 ^hmitcn Bornnttag und 10 Uhr 45 Minuten Nachmittag 
von Berlin abgebenden Sonderzügen nicht ausgegeben, weil 
Anschlutzzuge von Büchen nicht verkehren." Daraus folgt 
ebenfalls, daß zu den: Sonderzuge, der 7 Uhr 50 Minuten 
von Merlin abfahrt und durchgehende Fahrkarten hak, die 
im . . t ungegebenen Anschlüsse erreicht werden 
muisen. Sonst Hütte jene Bemerkung überhaupt keinen 
:f mn ' . erfreulich es ist, daß durch die Feriensonderzüge 
den ^enrgerbemrttelten oder kinderreichen Familien manche 
Ersparnis verschafft wird, so dringend ist es aber auch zu 
wünschen, das; solche Borkomurnisse vermieden werden. Die 
Bahn Lübeck Büchen ist eine von den wenigen. Privat 
bahnen, die wir in Deutschland noch haben. Es dürfte 
aber doch der preußischen Eisenbahnverwaltung ein leichtes 
sein, mit ihr rechtzeitig ein Abkommen zu treffen, das in 
Zukunft ^derartige Ueberraschungen ausschließt. 
o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in 
Verlin-Steglitz, Friedrichsruher Str. 5, belegene, auf den 
Namen des Maurermeisters Hermann Pieper zu Berlin- 
Wilmersdorf, Sigmaringer Str. 22, eingetragene Grundstück 
om 24. September 1913, Borin. 10 Uhr, versteigert werden. 
Das Grundstück ist mit einem jährlichen Gebäudesteuer- 
Nutzungswert von 8840 M. verzeichnet. 
o Das alte Lied. Das unvorsichüge Aufspringen auf 
einem schon in Fahrt befindlichen Wagen der Linie 69 ist 
am Conabend Abend anr Südwestkorso. Ecke der Kaiser 
allee, einem Herrn Hermanns zumBerhängnis geworden. Beim 
Aufspringen glitt H. aus und kam unter den Anhänge- 
wagen zu liegen. Seine lauten Hilferufe und das augen 
blicklich vom Schaffner gegebene Notsignal brachte den 
Wagen sofort zum stehen. H. erlitt Hautabschürfungen fast 
am ganzen Körper, sowie eine größere Fieischwunde an der 
Schulter. Ein Friedenauer Bürger sorgte für die Ueber- 
führung nach unserer Sanitätswache. Nach Anlegung des 
Nvtverbandes vom Arzt des Rettungsdienstes wurde H. 
einer Privatklinik in der Herbertstraße in Schöneberg über 
wiesen. 
Auskunfts- und Fürsorgestelle (Kaiserallee 66), 
für Tuberkulöse: Aerztliche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 Uhr, 
für Alkvholkranke: Aerztl.Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Auf die Gefahren verdächtiger Inserate macht die illustrierte 
Wochenschrift „Die Deutsche Frau" (Verlag der „Deutschen Frau" 
Aelhagen & Klasing, Leipzig) in einem beherzigenswerten Aussatz 
aufmerksam. Es heißt da: Das Inserat, das jedermann benutzen 
kann, dient niitzlichen wie auch verbrecherischen Zwecken. Das 
Inserat ist die Angel, die in ein Meer geworfen wird: unter den 
vielen Fischen, die dieses Meer der Druckerschwärze durchschwimmen, 
finden sich immer einige, die auch auf den dümmsten Köder beißen, 
der meist auch ein verbrecherischer ist, denn er geht darauf aus, zu 
betrügen. Deshalb fehlt unter den vielen Kniffen, deren sich die 
Mädel,euhändler bedienen, auch das Inserat nicht. Mit seiner 
Hilfe sucht man unerfahrene junge Mädchen anzulocken, in Gewalt 
zu bekommen und nach dem Auslande zu verkaufen. Richtig zu 
verkaufen, so wie man ein Stück Ware verkauft. Davon ahnt das 
Mädchen.' das auf den Köder gebissen hat, natürlich nichts. Das 
Inserat ist ja recht harmlos, wie tausend ähnliche abgefaßt: als 
Erzieherin, als Kinderfräulein, als Kammerjungfer wird ein junges 
Mädchen von sympathischem Aeußern für eine Familie nach Belgien, 
Frankreich, Holland, nach Südamerika oder sonst wohin gesucht. 
Es kommt natürlich vor, daß im Auslands wohnende Deutsche für 
ihre Kinder eine deutsche Erzieherin, für ihren Haushalt eine 
deutsche Stütze oder Köchin haben wollen. Verdächtiger ist die 
Sache wenn es sich um eine Stellung bei Nichtdeutschen handelt, 
noch mehr Vorsicht ist am Platze, wenn eine Mittelsperson auftritt. 
Je arößer die Vorteile sind, die versprochen, je glänzender die 
Ver'bältnisse bezüglich Gehalt, Behandlung usw. geschildert werden, 
desto mehr Vorsicht ist geboten. Gegen glänzende Bezahlung und 
vvmüaticbe Behandlung bekommt man überall Kräfte, wie man sie 
haben will. Ter Weg, sie in weiter Ferne durch ein Inserat zu 
suchen, wird nur ausnahmsweise begangen werden. Geht ein 
Mädchen blindlings ins Gärn und folgt einem fremden Manne, 
der sic angeblich der sccnidrn Herrschaft zuführen will, so darf sich 
die Leichtgläubige nicht allzusehr wundern, weun sie plötzlich etwas 
ganz anderes findet- als man ihr -vorgespiegelt hat. Vielleicht ist 
sie im letzten Augenblick noch energisch genug, sich loszumachen, 
sich an das heimische Konsulat zu wenden und Rat und Hilfe zu 
erbitten. Wie viele aber, die muttg nach Südamerika gefahren 
sind, haben dann, wenn sie allein im fremden Lande, unter frenider 
Umgebung, meist gar nicht der Sprache mächtig, den Lockungen 
und Drohungen ihres erst so liebenswürdigen Begleiters ausgesetzt 
sind, noch die Kraft der Selbsthilfe? 
*-*—" M»0'u—rfr 
Der Sundenbocfc. 
Skizze von Nanny Eteinmann-Friedenau. 
Jakko sollte immer alles gewesen sein. — War eine 
Schippe zerbrochen, so hatte es Jakko getan. War einem 
Jungen Sand in die Augew gekommen beim Spielen, so 
hatte ihn Jakko hineingeworfen. „Jakko ist frech," sagten 
die Kinder. Und die Mütter: „Jakko ist ein heimtückischer 
Bengel". ' ■ 
Sie spielten immer alle da auf dem großen Sand 
haufen hinter deni Kirchhof. Jeden Nachmittag. Auch 
wenn die Sonne auf den Sand herunter brannte und ihn 
fast glühend machte. Dann war es sogar am schönsten. 
Sie buddelten sich in den weichen, heißen Sand hinein und 
lagen darin wie in ihrem Bett. 
Bei dem Zaun konnten sie durch die Ritzen sehen. In 
den Kirchhof hinein. War eine Beerdigung, so spielten sie 
nicht. Sie stellten sich alle hinter den Zaun und sahen 
zu, wie der Sarg in die Gruft gesenkt wurde und wie die 
vielen Kränze auf einen Haufen gelegt wurden. 
Dann „schubsten" sie sich; denn einer wollte immer 
besser sehen als der andre. Jakko wurde so lange „ge 
schubst", bis er ganz hinten war und nichts sehen konnte. 
Er paßte dann auf, wann der Kirchendiener nach dem 
Glockenturm zu winkte. Dann fingen die Glocken an zu 
läuten. Und er wußte, in dem Augenblick wurde der Sarg 
in die Gruft gesenkt. 
„Jetzt „bollern" sie," sagten die Kindern geheimnisvoll, 
als die Erde auf den heruntergelassenen Sarg geworfen 
wurde. — Jakko zuckte bei jedem /Bollern" zusammen. 
Wie mußte das den: armen Toten weh tun. Er hatte die 
Hände gefaltet und wollte beten. Seine Mutier hatte ihm 
gesagt, daß man das tun müsse, wenn einer begraben 
werde. Aber er kam nicht mditer als „lieber Gott". Dann 
mußte er wieder auf das „Bollern" hören. 
Die Leute auf dem Kirchhof gingen auseinander. 
Und die Jungs und Mädchen stürzten zum Sandhallfeu zurück. 
„Wo ist meine Schippe?" 
„Meine Burg hat er mir „zermacht"!" 
„Und meinen schönen Kanal auch," schrieen die Kinder 
durcheinander. ! 
Natürlich war das Jakko gewesen. Das hatte sich schon 
so eingebürgert. Wie sich manchmal bei den Menschen etwas 
einbürgert. Ganz ohne Berechtigung. Er war es gewesen, 
weil er nicht auch schrie: „Wer hat mir das „zermacht'? 
Wer hat mir das fortgenommen?" 
Daß sie es selber gemacht Hütten, als sie wie wild 
zum Zaun stürzten, daran dachte keiner. 
Sie warfen Jakko mit Sand und Steinen; denn er 
war ein „heimtückischer Bengel". Erst machte er das alles 
und dann tat er noch, als hätte er garnichts Böses getan. 
— Er wehrte sich nicht. Er wäre doch nicht gegen die 
Horde aufgekommen. — 
Es war an einem besonders heißen Tag, da waren 
sie wieder alle beim Spielen. Auch Jakko. 
Jakkos Mutter war Waschfrau. Er hatte eben keinen 
anderen Platz zum Spielen und auch keine andern Menschen. 
So ging er, trotzdem sie ihn dort schimpften und schlugen, 
immer wieder zum Sandberg hinter dem Kirchhof. 
Früher hatte er manchmal oben auf dem Sandhaufen 
gesessen. Sie hatten ihn dann aber heruntergedrängt. Nun 
hockte er sich gleich an das äußerste Ende. 
Als er kam, waren auch die andern schon da. Er setzte 
'sich still hin und fing an, einen kleinen Kirchhof zu bauen 
Er. machte kleine Gräber, lind steckte, ans die Hügelchen 
Gras und Klee. Das mußte er sich von dem Wicseurand 
drüben holen. Einige Mal war er schon hingelaufen. Nun 
fehlte ihm noch eül Krcuzchen, das er auf eins der Gräber 
setzen wollte. Drüben im Weg lagen kleine Hölzer; da 
würde er schon ein passendes finden. 
Er stand auf und wollte zum Weg hinüberlailfen. 
Dabei stieß er mit seinem Fuß gegen die Schippe eines 
großen Jungen. 
„Du, Frecher, fängst Du schon wieder an?" schrie der 
wütend auf und versetzte Jakko einen Stoß, daß er zurück 
taumelte. — Auf dem nachgiebigen Sand konnte er das 
Gleichgewicht nicht wieder gewinnen. Er schlug riicklings 
hin. Mit dem Hinterkopf auf die Steine, die die Kinder 
zur Befestigung des Kanals verwendet hatten. 
„Er zermacht uns den ganzen Kanal", schrien die 
Kinder. 
Und ein kleiner Bengel zerrte an Jakko heruni. Er 
packte ihn an den Arm und wollte ihn hochheben. — Aber 
Jakko blieb schwer liegen. 
„Er hat ihn totgeschlagen", schrie mit einem Mal einer. 
Wer? Der Jakko? 
Zum ersten Mal mußten sie glauben, daß Jakko es 
einmal nicht gewesen mar. 
Wie wild stürzten alle in die Straßen zurück. Nur 
Jakko blieb still auf dem Sandhaufen liegen. Die Sonne 
brannte heiß. Der Sand war glühend. Er war ganz 
allein, hatte den großen Sandhaufen ganz für sich. Er 
hätte sich können „einbuddeln", und das wäre so schön 
gewesen wie in seinem Bett. — Aber er wußte nicht, daß 
die Sonne brannte und daß der Sand fast glühend war. 
Da kam seine Mutter. Sie hatten ihr gesagt: „Jakko 
ist tot." — Sie nahm ihn sachte auf und trug ihn auf 
ihren Armen nach Hause dort legte sie ihn aufs Bett. — 
Er war nicht tot. Ec atmete leise. 
Sie hatte nicht geschrieen und gemeint, als die Kinder 
zu ihr gelaufen kamen. Auch nicht als sie ihn auf dem 
Sandhaufen so still liegen sah. Sie war viel zu hart 
zum Weinen. — Jetzt küßte sie ihn und schluchzend, aber 
ohne Tränen, sagte sie: „Mein Junge, mein lieber, guter 
Junge." 
Acht Tage später spielten die Kinder nicht auf dem 
Sandhaufen. Sie standen am Zaun und sahen durch die 
Ritzen. — Es war eine Beerdigung. 
Als der kleine iveiße Sarg zur Gruft getragen wurde, 
schubsen sie sich, denn einer wollte immer besser sehen als 
der andere. Jakko wurde heute nicht zurückgedrängt, bis er 
nichts mehr sehen konnte. — Er lag dort in dem kleinen Sarg. 
Er war doch gestorben. An einer Gehirnerschiitterung. 
Er hätte auch heute nicht auf das Winken des Kirchen 
dieners aufzupassen brauchen; denn die Glocken läuteten 
heut nicht. . 
„Jetzt bollern sie," sagten die Kinder geheimnisvoll. 
Jakkos Mutter zuckte bei jedem „Bollern" zusammen. 
Sie hatte die Hände gefaltet und wollte beten. Aber der 
Schmerz nahm ihr die Gedanken. — Die Beerdigung war 
zu-Ende. Die Jungs und Mädchen stiirzten wild zum 
Sandhaufen zurück. 
„Wo ist meine Schippe?" 
„Er hat meine Burg zermacht und meinen Kanal 
auch," schrieen sie durcheinander. 
Wer? Der Jakko? —Der lag ja auf dem Kirchhof. 
Sie mußten wieder daran glauben, daß Jakko einmal 
etwas nicht getan hatte. 
Sie fingen an, sich mit Sand und Steinen zu werfen. — 
Dann haben sie geivartet, bis ivieder einer nicht mit 
schrie und zankte, Da hatten sie ihren neuen Sündenbock. 
Wetteraussichten. 
Dienstag: Vielfach heiter und weitere Erwärmung bei 
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