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Periodical volume Nr. 161, 11.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

bis 15 Beeren genügen, um bei einem Kinde einen sehr 
schmerzhaften Tod herbeizuführen. Der Nachtschatten ist 
sehr giftig, selbst die Schafe, die andere Giftpflanzen unbe 
denklich fressen, meiden ihn. Et ist ein feinblättriger 
Strauch, in der Größe des der Johannisbeeren und wächst 
namentlich auf Schutthaufen und aU Mauern, Wegen und 
Gartenrändern, also überall, wohin die Kinder kommen. 
Es ist nötig, dieselben bei Spaziergängen auf die gefähr- 
lichcn Pflanzen aufmerksam zu machen. Die nächstgefähr 
liche Giftpflanze ist der Goldregen durch seine Schoten, 
welche die Kinder auch sehr lieben und dadurch, daß er sich 
überall in den Anlagen befindet. Auch er entwickelt jetzt 
seine Schoten. Alle Jahre, auch schon dieses Jahr sind 
VergifNingen durch denselben vorkommen. Sehr einladend 
zum Genuß ist ferner durch ihre leuchtenden Früchte, die 
ganz wie Kirschen aussehen, die Tollkirsche, allein sie ist 
seltener und nur im Walde. Der Schierling ist wegen der 
Aehnlichkeit mit der Petersilie für die Hausfrau wichtig, 
ihn zu kennen. Er unterscheidet sich durch seine weiße 
Blumenkrone und am Grunde rötlichen Stengel. Die 
übrigen Giftpflanzen, wie der Stechapfel, rote Fingerhut, 
Eisenhut, Gartennachtschatten usw. bieten weniger Ge 
legenheit zum Bergiften, doch ist immerhin nötig, sie zu 
kennen. 
o Flug Rund um Berlin. Die Organisation des 
Wcttfluges Rund um Berlin, der am 30. und 31. August 
d. Js. vom Berliner Verein für Luftschiffahrt, dem Kaiser 
lichen Arro-Klub veranstaltet wird, zeichnet sich vor allem 
dadurch aus, daß der Industrie und den teilnehmenden 
Fliegern nur die denkbar geringsten Kosten entstehen. Ferner 
sind auch die Organisationskosten für den Wettflug Rund 
um Berlin außerordentlich gering; so betrugen sie beim 
ersten Berliner Rundflug nur etwa 4500 M., während der 
Süddeutsche Rundflug im gleichen Jahre etwa 180000 M. 
verschlang. Die Tatsache, daß die Flieger so geringe Selbst 
kosten haben und die Organisation sich so billig stellt, rührt 
zum großen Teil daher, daß Start und Ziel des Berliner 
Rundfluges in Johannisthal, dem Zentrum des deutschen 
Flugwesens liegen, sodaß die hohen Ausgaben für Trans 
port, Abbau und Wiederaufbau der Flugzeuge usw. weg 
fallen. Ferner ist esnicht nötig, über die ganze Strecke 
Reparaturmaterial, Ersatzteile und Personal zu verteilen, wie 
es die großen Ueberland- und Rundflüge verlangen. Ein 
anderer großer Vorteil der verhältnismäßigen Uebcrsichtlich- 
keit der Flugstrecke liegt darin, daß das Publikum jederzeit 
die einzelnen Etappen des Wettstreites verfolgen und das 
Ergebnis abwarten kann. Dadurch wird die Spannung 
andauernd auf der Höhe gehalten und so erklärt es sich 
auch, daß der Berliner Rundflug sich unter allgemeiner 
Teilnahme der zahlreichen Zuschauer vollzogen hat und 
1918 wieder vollziehen wird. Man kann sagen, daß alles, 
was ein Pferderennen an Sensation und sportlichen Ein 
drücken den Besuchern des grünen Rasens bietet, bei der 
Lage von Start und Ziel an derselben Stelle auch der 
Rundflug um Berlin den Zuschauern zu verniittcln vermag. 
Ein vorzüglich geordneter Nachrichtendienst, die Verivcndung 
optischer Signale, das Ausrufen der einzelnen Nachrichten, 
all das trägt wesentlich dazu bei, den Wettflug Rund um 
Äerlin zu einem Flugereignis zu machen, dem die Zuschauer 
wirklich beiwohnen. 
o Im Evangelischen Arbeiter-Verein für Friedenau 
und Umgegend sprach am Dienstag Abend Herr Pfarrer 
Vetter iibcr „Den sittlich-religiösen Geist inr preußischen 
Volke vor 100 Jahren." Beginnend mit der Zeit sitten 
losester Zustände um das Jahr 1800 führte der Redner die 
aufmerksamen Zuhörer bei Reich und Arm, Hoch und 
Niedrig, Gelehrten und einfachen Leuten damaliger Zeit ein, 
bei allen machte sich der Glaubensabfall und die Religions 
losigkeit — wie leider auch zur jetzigen Zeit iviedcrum — 
geltend. Dazu das Aussaugeu des preußischen Volkes durch 
Napoleon nach jenem unglücklichen Kriege 1806. So hat 
sich iviedcrum bewahrheitet, daß, wenn in eines Reiches 
Größe und Macht die Lasterschaft, Vergnügungssucht, Sitteu- 
losigkeit und Verschwendungssucht, wie besonders bei Frauen 
schon damals, die Oberhand gewinnt, auch das Ende des 
Landes bevorsteht, was die Weltgeschichte so oft gelehrt. 
Dies zu verhiiten, fanden sich bedeutende Männer, Frei 
heitsdichter, Feldherren und Geistliche, um das Volk zu be 
geistern für Vaterlandsliebe, Königstreue und die Gottes 
furcht hielt wieder Einkehr. Endlich rief der König und 
Alle, Alle kamen und so ging cs in den Kampf der Be 
freiung vom Joche Napoleons' unter dem Rufe: „Mit Gott 
die Treppe vollends empor, und das leise Rauschen ihrer 
scidencu Gewänder verklang droben, ohne daß indessen bas 
Ocffncu oder Schließen einer Tür vernehmlich geworden wäre. 
Offenbar Lachte sie ebensowenig daran, sich oben gegen 
unberufene Eindringlinge zu sichern, als es ihr in den Sinn 
gekommen war, nuten die Haustür zu verschließen. Tic 
Dienstboten, denen cs sonst oblag, für diese Dinge zu sorgen, 
hatten sich wohl schon allesamt zur Ruhe begeben, und die 
vornehme Dame, die sich noch nie mit dieser Verrichtung be 
faßt hatte, dachte keinen Augenblick an ihre Notwendigkeit. 
Noch eine weitere Minute und oben wurde alles dunkel. 
„Sie legt sich schlafe»,' dachte Maxwell. „Offenbar be 
trachtet sie für heute ihr Tagewerk als vollbracht." 
Und da sein längeres Verweilen völlig zwecklos gewesen 
wäre, beeilte er sich, das Haus wieder zu verlassen und in ver 
doppelter Eile seinen Weg zu vollenden. 
Da er schon einmal in der Wohnung des Generals gewesen 
war, brauchte er keine Zeit mit Suchen zu verlieren. Es 
war ihm sehr lieb, daß er in der Portierloge noch Licht sah 
und daß ihm auf sein Klingeln sofort geöffnet wurde. Ter 
Portier schien viel zu müde, um sich über den späten Be 
sucher noch viele Gedanken zu niachen. Auf Marwclls Frage 
nach dem General zuckte er die Achseln. 
„Ich weiß nicht, ob er ausgegangen oder zu Haus 
ist. Es sind nach zehn Uhr noch so viele Leute aus und ein 
gegangen, daß ich mich nicht mehr an alles erinnern kann. 
Aber wenn Sie ihn, wie Sie sagen, in einer wichtigen An- 
gelegenheit sprechen müssen, so gehen Sie mit hinauf. Es 
wird Ihre Sache sein, sich dafür zu verantworten, wenn Sie 
ihn ans dem Schlafe wecken." 
Maxwell war froh, keinen größeren Hindernissen be 
gegnet zu sein, und er besann sich nicht lange, dem Rate des 
verschlafenen Pförtners zu lochen. 
für König und Vaterland." Möge es in Zukunft im Falle, 
daß unser Vaterland bedroht ist, also sein und mir uns 
gegenseitig gewappnet finden, nicht das erst die Weltlüstern 
heil Platz greifen muß und mir erst von Stufe zu Stufe 
sinken, Not erst beten lernen muß; letzteres sollten wir 
immer tun. — Ueber den Bezirksverbandsrag in Zossen und 
Fahnenweihe des dortigen Brudervereins berichtete Herr 
Referendar Krug in ausführlicher Weise. Bei dem Fest- 
gottesdienst amtierten die drei Ortsgeistlichen, während Herr 
Superintendent Schmidt die Weihe der Fahne vornahm. 
Ueber den Umzug berichteten wir kürzlich. Dom Bezirks- 
vcrbandstag ist besonders aus deren Sitzung zu ermähnen, 
daß zwei Entschließungen abgesandt werden sollen, erstens 
die Fahrpreise der Arbeiterwochenkarten nach erfolgter Elek 
trisierung der Stadtbahn nicht zu erhöhen und zweitens um 
Schaffung einer Reichsgosindeordnung, die für die Dienst 
boten, und einer Allgemeinen deutschen Landarbeitcrordnung, 
die fiir die verschiedenen Arten der Landarbeiter zusanimen- 
sassend die besonderen rechtlichen und sozialen Verhältnisse, 
zum Teil unter vorsichtiger, analoger Heranziehung der 
Reichsgewerbeordnung, regeln. Vorsitzender Herr Hugo 
Richter ladet zugleich als Bczirksverbandsvorsitzender zur 
nächsten Tagung nach Spandmi, am Sonntag, dein 17. Aug., 
Nachmittags 2 Uhr in Cvnrad's Festsälcn, Schönmalder- 
straße 2, ein und bittet um recht baldige Einreichung von 
Anträgen zu diesem Tage. In der nächsten Zusammen 
kunft am Dienstag, dem 5. August wird Herr General- 
Sekretär Rüffer einen sozialen Vortrag halten. 
o .Krieger- und Landwehrvcrein. Die Monatsver 
sammlung findet morgen Sonnabend, Abends 1 / 2 9 Uhr im 
„Hohcnzollern" statt. (Vergl. Anzeige.) 
o Verein der Gast- und Schankwirte für Frie- 
dcnan und Umgegend. Die nächste Vereinsversammlung 
findet am Montag, dem 14. Juli, Nachmittags 5 Uhr beim 
Kollegen. Karl Feldmann, Berlin, Manteuffclstr. 05, statt. 
Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende Punkte: Be 
richt der Delegierten von der Sitzung in Prcnzlau. Be 
sprechung über das neue Eichgesetz. Besprechung einer Ver- 
cinspartie mit Familie. Innere Vereinsangelcgenheitcn. 
Rechtsanwalt Dr. Schwenk hat sein Erscheinen zugesagt. 
Die Kollegen werden ersucht, recht pünktlich und zahlreich 
zu erscheinen. 
o Der Ulk einer Schauspielerin, der viel belacht 
wurde, kommt von heute ab im Biofontheater in der Rhein 
straße 14 in sehr gelungenen Bildern zur Vorführung. 
Dieser Film ist stark humoristisch und pikant. Die 
Handlung spielt inr Vorort der Hauptstadt und ist äußerst 
geschickt inszeniert. Ein dramatisches Lebensbild in 4 Akten 
ist die ergreifende Schilderung aus den hocharistokratischen 
Kreisen: „Der Bankier". Die Darstellung zeugt von vor 
nehmem Geschmack, erstklassige Künstler wirken dabei mit. 
Die Handlung ist wirklichen Vorkommnissen entnommen 
und äußerst spannend. Die Verteidigung der amerikanischen 
Küste nennt sich eine Bilderfolge, die beweist, daß man sich 
jenseits des großen Wassers bemüht, militärisch den 
europäischen Staaten gleichzukommen. Die Wvcheureoue 
von Pathü fröres ist wieder sehr abwechslungsreich und Nunnes 
Liebe geht über Stock und Stein eine jener tollen Burlesken, 
in denen Nunne unerschöpflich ist. Die Bilder des Biofon- 
thcaters zeichnen sich durch besondere Klarheit und Natürlich 
keit aus, der Saal ist stets gut ventiliert, der Aufenthalt 
darin stets angenehm. Anfang 6 Uhr, Sonntags 4 Uhr. 
Gardcrobenablage frei. Theaterzeitung mit Erklärung der 
Bilder am Eingang im Saal erhältlich. 
o Linkokn als Deckenlänfer nennt sich der hoch- 
spannende Film, der gegenwärtig in unserm vornehmsten 
Lichtspieltheater, den „Hohenzollcrn-Lichtspiclen" allabendlich 
zur Vorführung kommt. Ein herrlich koloriertes Bild ist 
ferner das „Drama aus dem amerikanischen Sportlebcn" 
von Pathö fröres. Nur einmal heute als Einlage zwischen 
dem 1. und 2. Programm wird das wunderbare Drama in 
2 Akten „Tücke des Lebens" gezeigt. Und hierzu die 
anderen fesselnden Programmnummern heiteren und ernsten 
Inhalts, jedes Bild ein Schlager. Die erstklassige Künstler- 
kapelle gibt zu den Bildern die gewünschte Stimmung durch 
anpassende Weisen. Alles Nähere besagen die Anschlag 
zettel, sowie die Anzeige in dieser Nummer. Dabei möchten 
wir noch auf die mit der heutigen Anzeige verbundenen 
Vorzugsbillets aufmerksam machen, die wochentags bis 
V,8, Sonntags bis x / 2 0 Uhr Gültigkeit haben. Bei guten: 
Wetter finden die Vorstellungen im Garten statt. Man be 
Eye er auf den Knopf der elektrischen Klingel drückte, 
legte er seine Hand auf den Türgriff. Und er niachtc dem 
tapferen General in der Stille seines Herzens Vorwürfe wegen 
feiner allzu großen Sorglosigkeit, als er bemerkte, das; der 
Drücker ohne weiteres nachgab. Fürwahr, ein von der 
Gräfin Saens und ihren Bundcsgeiwfscn inspirierter Meuchel 
mörder würde hier nicht allzu schweres Spiel gehabt haben! 
Ueber den Vorplatz gelangte Maxwell in ein erleuchtetes 
Arbeitszimmer, und durch die offene Tür desselben hatte er 
nngchinderteil^ Einblick in das mit spartanischer Einfachheit 
eingerichtete Schlafgemach des Generals. 
Er sah Margregor auf dem Bette liegen, aber mit 
offenen Aligen, die mit einem 'Ausdruck unwilligen Erstaunens 
auf den dreisten nächtlichen Eindringling gerichtet waren. 
Noch bevor Maxwell Zeit gehabt hatte, mehr als einen 
ehrerbietigen Gruß auSzufprcchcn, sagte der General: 
„Das ist ja eine ganz unerwartete Ehre! — Ich gestehe, 
Mr. Maxwell, daß ich auf alles andere eher vorbereitet ge 
wesen wäre, als darauf, zu solcher Stunde und auf solche Art 
Ihren Besuch zu erhalten. — Am allerwenigsten sicherlich 
an diesem Abend, der Ihnen zu einer so — so eigen 
artigen Berühmtheit verholst» hat." 
Tie Worte waren in einem Ton gesprochen, ans dessen 
eisiger Kälte deutlich genug die Verachtung heraus klang. 
Aber Charles Maxwell halte sich keiner Täuschung oarübcr 
hingegeben, ivic fein Empfang beschaffen sein wurde, und es 
gelang chm darum, sich mannhaft zu beherrschen. 
„Ich weiß sehr ivobl, auf ivas Sie anspielen, General," 
sagte er mit einer ruhigen, bescheidenen. Festigkeit, ivie sie 
einem schlechten Gewissen kaum jemals zu Gebote sieht, 
„und so lange jener schimpfliche Verdacht auf mir lastet, 
würde es vermutlich wenig Eindruck aus Sie machen, wenn 
ich Ihnen bei meiner Ehre versichern wollte, daß Eie nur 
suche die „Hohenzollern-Lichtspiele" mit ihrem stets ge 
schmackvoll gewählten Programm. 
o Freie Schülcrvorträge auf der Treptow - Stern 
warte. Um den Schülern die ckeine Ferienreise angetreten 
haben, Gelegenheit zum Anhören eines Vortrages zu bieten, 
hat die Direktion der Treptow-Sternwarte bestimmt, daß 
jeder Erwachsene das Recht hat, zu den Vorträgen um 5 
und 7 Uhr ein Kind unter 14° Jahren frei einzuführen. 
Es finden folgende kinematographische Vorführungen mit 
erläuternden Vorträgen statt: Am Sonnabend, dein 12. 
Juli, Abends 7 Uhr: „Aus fernen Landen", Abends 9 Uhr: 
„Scotts Reise zum Südpol und ein Blick ins Weltall", 
am Sonntag, dem 13. Juli, Nachm. 5 Uhr: „Inter 
essante Bilder aus Italien", Abends 7 Uhr; „Christoph 
Columbus"; am Montag, dem 14. Juli, Abends 7 Uhr: 
„Interessante Bilder aus Italien" und am Mittwoch, dem 
16. Juli, Abends 6 Uhr: „Scotts Reise zum Südpol und 
ein Blick ins Weltall". Mit dem großen Fernrohr werden 
der Mond und der Jupiter beobachtet. Außerdem stehen 
den Besuchern noch kleine Fernrohre zur Verfügung, deren 
Benutzung kostenlos ist und mit denen beliebige Objekte 
eingestellt werden können. 
o Firmeneneintrclgmlg. Nr. 12 257. Felix Mar 
Geiger u. Com., G. m. b. H, Sitz: Berlin - Friedenau. 
Gegenstand des Unternehmens: Au- und Verkauf von städt. 
und ländlichen Grundstücken für eigene und fremde Rechnung. 
Insbesondere wird die Gesellschaft die Verwertung von 
Grundstücken dergestalt betreiben, daß sie die Option von 
Grundstücken in notarielle feste Offerte nimmt. Außerdem 
wird die Gesellschaft die Vermittelung von hypothekarischen 
Darlehen betreiben. Außerdem ist die Gesellschaft berechtigt, 
Patente und gewerbliche Cchutzrechte jeder Art für eigene 
oder fremde Rechnung zu erwerben und zu verwerten. Auch 
alle Hilfsgeschäfte, die zur Ausführung obiger Geschäfte er 
forderlich erscheinen, sind zulässig. Die Gesellschaft ist be 
rechtigt, sich au Gesellschaften oder Unternehmungen gleicher 
oder ähnlicher Art zu beteiligen. Das Stammkapital be 
trägt 50 000 M. Geschäftsführer: Kaufmann Felix Max- 
Geiger in Berlin-Friedstnau. 
o Ruchlose Hände sind jetzt fast allnächtlich tätig, um 
die Straßenschilderständer umzubrechen. Es vergeht fast 
keine Nacht, daß nicht au irgend einer Ecke der starke guß 
eiserne Ständer mit dem Straßenschild umgebrochen wird. 
Wohl an zwanzig derartige Pfähle sind schon mif diese 
Weise zerstört worden. Man sollte meinen, daß diese Tat 
nicht so lautlos vor sich gehen kann, daß es auch kaum 
einem einzelnen Menschen möglich ist, ' sie auszuführen. 
Um so verwunderlicher bleibt es, daß man die zcrstörimgs- 
wütigen Burschen noch nicht bei ihrer „Arbeit" ertappen 
konnte. Es spricht das nicht gerade günstig für die nächtliche 
Sicherheit in Friedenau! 
o Mit dem Liebhaber auf Reisen gegangen ist ein 
Dienstmädchen, das bei einer Rentiere in der Straße Unter 
den Eichen Nr. 113 in Lichterfcide in Stellung war, nach 
dem es seiner Dienstherrin ein Portemonnaie mit 170 M. 
entwendet hat. Tie Sachen ließ das Mädchen auf seiner 
Dienststelle zurück. Es handelt sich um die am 25. .April 
1887 in Recklinghausen geborene Käthe Trenkmmm, die ver 
mutlich zusammen mit ihrem Liebhaber, einem gewissen 
Baudoy aus Friedenau, das-Weite gesucht hat. Mildem 
gestohlenen Gelde dürften - die>. Beiden nicht allzu weit 
kommen. 
o Eine Einbrecherin. In Schöneberg wurde im 
Mai d. I. eine Frau festgenommen, die dort verschiedene 
Wohmmgsembrüche ausgeführt hatte. Die Verhaftete ent 
puppte sich als die 32 Jahre verehelichte Minna Meier aus 
Neukölln, Donaustr. 52, deren Ehemann von dem ver 
brecherischen Treiben seiner Frau kciue Ahnung hatte. Der 
weibliche Einbrecher wurde Anfang Juni aus der Haft ent 
lassen. Augenscheinlich hat die M. ihr altes Metier sofprt 
wieder aufgenommen. Vbr einigen Tagen erkundigte sich 
in dem Hause Lenaustr. 27 eine Frau nach den einzelnen 
Mietern, wobei sic auch in Erfahrung brachte, daß die In 
haber einer Wohnung tagsüber nicht zu Hause seien. Am 
nächsten Tage wurde die betr.' Wohnung mittels Dietrichs 
geöffnet und für etwa 300 M. Kleider, Wäsche und 
Schmucksachen entwendet. AuK' den Angaben der Haus 
bewohner schloß die Kriminalpolizei, daß niemand anders 
als Frau Meier die Eiubrcchcriu sei. Diese wurde daher 
aufs neue in Haft genommen und von den Hausbewohnern 
bestimmt wiedererkannt. 
unrecht tun und daß Sie hoffentlich schon morgen genötigt-sein 
werden, wich wegen Ihres 'Argwohns um Entschuldigung 
zu bitten. — 'Alles, was ich in diesem Augenblick zurRecht- 
sertiguug meines uuberustucsi Eindrmgcns zu solcher Stunde 
anführen kaun, ist, das; ich im Auftrage von Freunden komme, 
denen Sie hvfscultich ein geringeres Mißtrauen entgegen 
bringen als mir. Es ist Tr. Varney, der mich zu Ihnen 
geschickt hat, um Sie zu warnen." 
„Mich zu warnen? — Vor wem?" 
„Vor einem Anschlag Ihrer Feinde, der möglicherweise 
noch in dieser Nacht zur Äuesührung gelangen sonnte. — 
Wir wissen nicht, wie viele russische Geheimagenten und Spione 
mit einander im Bunde sind, um der astörischeu Angelegenheit 
eine für Rußland günstige Wendung zu geben. Aber wir 
wissen, daß Prinz Mazarosf und 'die Gräfin Saens ihre 
Hand im Spiele haben, und das sie nach einigen großen 
Fehlschlagen zum Aeußerstcn entschlossen scheinen, mit ihr 
Ziel zu erreichen." 
„lind Tr. Varney glaubt, daß sic cs gerade auf mich 
abgesehen hätten?" 
„Ja, das ist seine und auch meine Ueberzeugung. Aber 
wollen Sie mir nicht zunächst eine Frage nach Ihrem Be 
finden gestatte», General?" 
„Oh, eS ist kaum der Mühe wert, viele Worte darüber zu 
machen. ,— Ter unbekannte Schütze, der mich in Lord Mcrc- 
havcns Hause aufs Korn nahm, hat feinen Auftrag herzlich 
schlecht ausgeführt. — Es war, wie ich von Anfang au ver 
mutet hatte, nur eine ungefährliche Flcischwuude. Und jetzt, 
nachdem die Kugel heraus ist, werde ick, höchstens zwei oder 
drei Tage brauchen, um die Folgen des starken Blutverlustes 
zu verwinden und, wieder ganz fest auf den Beinen *u stehen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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