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Periodical volume Nr. 160, 10.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

auch gleichmäßig das Jahr über verbraucht, cs stellt sich 
sonach dieser Verbrauch alS die für deu Fachmann relativ 
idealste Absatzmöglichkeit dar und verdient daher besondere 
Beachtung und Förderung.' Die Bearbeiter fragen deshalb: 
kann vom Standpunkt einer gan^ strengen Tarifgerechtigkeit 
aus eine Preisermäßigung für das industrielle Heizgas zu 
gestanden werden und in welchem Umfang und mif 
welche Weise, ohne daß nennenswerte besondere Ver 
rechnungskosten entstehen? Ja Stuttgart zum Beispiel 
beträgt der Aufwand fürAufspeicherung des Gases 0,311 Pfg.nnd 
für Fortleitung des Gases bis zu den Anschlußleitungen 
0,551 Pf., zusammen also 0,862 Pfa. pro Kubikmeter abgegebenen 
Gasess dek durchschnittliche jähruche Gasverbrauch pro Gas 
messerflamme 64,4 Kubikmeter. Aus weiteren Berechnungen 
ergibt sich, daß die Tagesbemrtzungsdauer 1.2 Stunden 
beträgt. Daraus ist zu folgern, daß bei einer täglichen Be 
nutzungsdauer der installierten Verbrauchsanlagen von 1: 2 
Stunden mit dem gewöhnlichen Gaspreis die Kosten der 
Fartlcitung und Aufspeicherung des Gases bezahlt sind irnd 
der darüber hinausgehende Konsuln um den Betrag von 
0,862 pro Kubikmeter billiger abgegeben iverden müßte. 
Es kann sich nun natürlich nicht darum handeln, jedweden 
Gaskonsum von mehr als 04,4 Kubikmeter pro Gasmesser 
flamme um den berechneten Betrag billiger abzugeben! viel 
mehr würde es, um die Konsumenten von gewerblich tech 
nischem Gas zu treffen, geniigen, wenn ein Jahresverbrauch 
von 30 Kubiknleter pro Gasmesserflamme — G :t / 4 Stunden 
arbeitstägliche Benutzungsdauer als Grenze für die Rabatt- 
gewährung festgesetzt würde. 
Um den Rabatt nur so wirksamer zu gestalten, je 
größer die durchschnittliche Jahresbenutzungsdauer der ange 
schlossenen Verbrauchsapparate, ist. empfiehlt cs sich, den 
Rabatt nur auf den 300 Kubikineter pro Gasmesserflamme 
übersteigenden Verbrauch zu gewähren und ihn entsprechend 
höher zu bemessen. Rach einer ans Grund der Ergebnisse 
des letzten Betriebsjahres aufgestellten Statistik würden in 
Stuttgart von zusammen rund 05 000 Abnehmern 468 Ab 
nehmer (0,7 Proz.) für die Rabattgewährung in Betracht 
kommen. Es ist zugegeben, daß bei einer derartigen Rabatt 
gewährung auch Lichtabnchnler, die bei der Art ihres Ge- 
iverbes längere Zeit ddr Nacht beleuchten müssen, wie Wirt 
schaften, Cafes, Bäckereien, Nutzen hätten; es ist dies aber 
auch durchaus am Platz, lveil auch der Leuchtgasverbrauch, 
der in den späten Nachtstunden und Morgenstunden erfolgt, 
dem Werk nur willkommen sein kann. 
„Außer der besprochenen, sich als Benutzungsrabatt 
charakterisierenden Tariferinäßigung kann dann noch ein 
weiterer Rabatt in Frage kommen, der sich darauf be 
gründet, daß die Kosten der Verzinsung, Abschreibung, 
Unterhaltung, Bedienung und Verrechnung der Gasmesser 
— kurz die Betriebskosten genannt — von einem be 
stimmten Jahresverbrauch an außer Berechnung bleiben. 
Der Vertriebskostenrabatt ist freilich nur da am Platz 
und gerechtfertigt, wo keine Gasmessermiete besteht; ist 
eine solche bereits eingeführt, dann dürfte es zweckmäßiger 
sein, sic so zu bemessen, daß die Vertriebskosten auch voll 
gedeckt werden, nun eventuell den Gaspreis entsprechend zu 
ermWgey,,, damit eine rechnerisch ganz richtige Verteilung 
der Vertricbskosten erfolgt. 
Viit dem besprochenen Rabattsystcin kann bei ent 
sprechenden großen gewerblichen Anlagen und langer Be 
nutzungsdauer ein Gasprcis erzielt werden, der gegenüber 
andern in Betracht kommenden Heizmitteln für Stuttgarter 
Verhältnisse sehr wohl konkurrenzfähig ist." 
Die besonderen Vorzüge der besprochenen beiden Rabatt- 
arten sehen die Verfasser darin, daß sie weder dem Konsu 
menten (durch besondere Leitungen) noch dem Gaswerk be 
sondere Kosten verursachen. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikel nur niit Quellenangabe gestattet.) 
o Eine Motorspritze führten die „Adler-Werke" gestern 
Nachmittag 0 Uhr auf dem Schulhofe der Gemeindeschule 
in der Rheingaustraße dem Feuerlöschausschuß vor. Aeußer- 
lich fällt dieses Feuerlöschgerät besonders dadurch auf, daß 
es vollständig rot lackiert ist. Gegenüber den anderen bis 
her gezeigten Motorspritzen sind bei dieser Spritze alle 
Maschinenteile verdeckt. Ueber die Konstruktion der Spritze 
gab ein Ingenieur der Firma nähere Erklärungen. Ec 
betonte besonders, daß alles vorgesehen sei, um jede Be- 
als daß er auch nur einen Schritt tun tonnte, ol;nc daß wir 
etwa? davon erfahren." 
„Es scheint alles Ivie ein Traum!" sagte Jessie. „Na 
türlich ist es unsinnig, daß der König an zwei Stellen zu 
gleich gewesen sein soll. Wir müssen wohl glauben, daß dies 
der echte und wirkliche König gewesen ist; wer aber ist dann 
der Mann, den ivir mit der Gräfin Sacns zusammen sahen?" 
28. Kapitel. 
Wenn man nicht an ein offenbares Wunder glauben wollte, 
gab cs nur eine einzige Erklärung: der König mußte einen 
Doppelgänger haben,- dessen man sich znm Zwecke irgend einer 
Intrige zn bedienen gedachte oder bereits bedient halte. Lech- 
Niere ivar cs, der diesem Gedanken zuerst. Ausdruck gab, und 
die anderen teilten seine Ansicht. Aber Tr. Barncy ivar 
nicht geneigt, ans diese neue Entdeckung für den Augenblick das 
Hauptgewicht zn legen. 
„Wir iverden cs der Zukunft überlassen müssen, uns 
darüber Gewißheit zn geben," sagte er. „Tenn in diesem 
Moment gibt cs für uns Dringenderes zu bedenke». Es 
ist sicher, daß Prinz Mazaroff dem König heute Papiere über 
geben hat, die man jetzt, nachdem der schlau eingefädelte 
Anschlag mißlungen ist, ans seiten unserer Gegner um jeden 
Preis zurückzuerhalten wünscht. Denn es wäre znm mindesten 
in hohem Maße kompromittierend für unsere russischen 
Freunde, wenn sie in die Hände der englischen Regierung 
gelangten. Handelt es sich doch meiner Ueberzeugung nach 
um nichts anderes als um eine formelle Abdankungserklärnug, 
die man den König unterzeichnen lassen wollte, nachdem ihn 
der Wein um alle Ucberlegnng gebracht hätte. Es ist nicht 
schwer zu durchschauen, wie man dann weiter zu operieren 
gedachte. Er sollte nach Leistung der Unterschrift vollends 
betrunken gemacht und dann unter Aufwendung aller erdenk» 
liehen Reizmittel so lange in jenein Hause festgehalten.werben. 
striebsstörung zu vermeiden; insbesondere seien einzelne Teile 
doppelt angeordnet. Die Spritze, die von einem Benzin 
motor angetrieben ivicd, besteht aus einer Zentrifugal- 
Pumpe, ivodurch sie sich ebenfalls von den anderen Spritzen 
mit Rundlaufpumpe unterscheidet. Die angestellten Proben 
befriedigten allgemein. Der Wasserdruck ist nicht schwächer, 
als bei den schon früher vorgeführten Motorspritzen, er ist 
so stark, daß in den Nachbarhäusern der Druck in der 
Wasserleitung erheblich zurückgeht, besonders in den oberen 
Geschossen. Die Spritze förderte gestern so große Wasser- 
'mengen zu Tage, daß der Schulhof und auch ein Teil der 
Straße! überschwenimt wurden. 
o Geh. Vaurat Kyllmann y. In seiner Wohnung 
in Wannsee ist gestern Abend Herr Geh. Vaurat Kyll- 
niann plötzlich gestorben. Der Verblichene war lange Jahre 
Stadtverordneter in Berlin, Mitglied des Ziveckoerbandes 
sowie die Aufteilungskommission Dahlem, Vorsitzender des 
Aufsichtsrats der Schöneberg-Frie.dcnaucr Terrain-Gesellschaft 
und gehörte als Ehrenbeamter ferner vielen andern Gesell 
schaften und Vereinen an. 
o Maßnahmen gegen Bettelei. Ueber die Bettler 
plage werden fortgesetzt (Klagen laut. Das oft ausge 
sprochene Ersuchen, Bettlern nichts zugeben, findet nicht die 
gebührende Beachtung und so wird die Bettlerplage immer 
stärker. Damit wächst aber auch zugleich die Zahl der 
Diebstähle und Einbrüche. Jetzt hat inan sich in 
Frankfurt a. O. zu Maßnahmen gegen die Bettler ent 
schlossen, die dort dem Bettlcrunwesen steuern dürften. Das 
städtische Asyl in Frankfurt a. O., in dem obdachlose 
Wanderer bisher unentgeltlich Nachtlager erhalten haben, ist 
nach den Beschlüssen der städtischen Körperschaften und nach 
Vereinbarung mit dem Verein „Wanderer-Arbeitsstätte" am 
1. Mai in die Verwaltung des Vereins übergegangen. Die 
Reisenden werden nicht nur Nachtlager, sondern auch Ver 
pflegung erhalten, müssen dafür sich aber verpflichten, für 
diese ihnen aus öffentlichen Armenmitteln gewährte Unter 
stützung eine ihren Kräften und Fähigkeiten entsprechende 
Arbeit zu leisten. In der Regel wird diese Arbeit im Zer 
kleinern von Brennholz bestehen. Die Reisenden müssen bei 
der Aufnahme ein entsprechendes Protokoll unterzeichnen und 
werden, wenn sie sich weigern, die Arbeit zu übernehmen, 
auf Grund § 361, 7 des Reichsstrafgesetzbuches wegen 
Arbeitsscheu der Polizei übergeben. Durch Vermittlung des 
städtischen und des von der Wanderer-Arbeitsstätte geführten 
Arbeitsnachweises wird versucht werden, den Wanderern 
Arbeit zn beschaffen. Eine Umschau im Orte ist den 
Wanderern verboten, ebenso selbstverständlich das Betteln. 
Da so für jeden Wanderer in der Stadt gesorgt ist und es 
immer nur die arbeitsscheuen Elemente sein werden, die 
trotz der gut geregelten Wanderer-Fürsorge an den Türen 
betteln, so liegt es im Interesse der Bürgerschaft, keinem an 
der Tür ansprechenden Bettler mehr etwas zu geben, es ist 
nicht mildtätig und barmherzig, sondern grausam und 
unsozial, wenn man, unter der Voraussetzung, daß die 
Wandcrarmen-Fürsorge in einer Stadt geregelt ist, einem 
Bettler Geld gibt. Die Erfahrung lehrt, daß das Geld fast 
immer in Branntwein umgesetzt wird und daß die Bettler 
infolge der ihnen ans falschem Alitleid gemährten Unter- 
stiitzung immer tiefer in den Sumpf der Vagabundage 
hineingcraten. Mancher, namentlich junge arbeitslose 
Wanderer wäre ein ordentlicher Mensch geblieben, wenn er 
nicht das Betteln kennen gelernt und dabei schließlich alle 
Scham und Menschenwürde verloren hätte. Auch kann eine 
Ortschaft nur dann von der Bettlerplage und der Belästigung 
durch Bettler und der damit im Zusammenhang stehenden 
Unsicherheit befreit werden, wenn jeder ansprechende Bettler 
abgewiesen wird. Geschieht das stets und überall, so 
werden die Arbeitsscheuen einen großen Bogen um die 
Stadt machen und die besseren Elemente werden die ihnen 
nach den Gesetzen christlicher Liebe und auch nach dem 
bürgerlichen Gesetz zustehende Fürsorge und Unterstützung in 
der Wanderer-Arbeitsstätte erhalten. 
o Eine zeitgemäße Warnung. Kirschkerne auszu 
spucken ist eine grobe Unsitte, die nicht genug gerügt werden 
kann. Weder daheim noch auf der Straße noch im Arbeits 
raum soll man Kirschkerne ausspucken, denn erstens ist es eine 
Rücksichtslosigkeit in gesellschaftlicher Beziehung, und 
zweitens können Erwachsene, wie Kinder infolge der am 
Boden liegenden Kerne ausgleiten und zu Schaden kommen. 
Man nehme auch in dieser Beziehung soviel Rücksicht auf 
andere, wie man sie gern selbst in Anspruch nimmt. Alle 
ihm unschwer gelingen, sich Zutritt in da? Haus zu verschaffen, 
darin Maxgregor eine bescheidene Jnnggesellcnwohnung inne 
hat, und der Umstand, daß der General in seiner Anspruchs 
losigkeit sich nicht einmal einen Diener hält,, würde die Sache 
für einen Meuchelmörder noch mehr vereinfachen. Mit dem 
gesunden Maxgregor anzubinden, hätte ich freilich keinem raten 
mögen, deni sein Leben lieb ist, heute aber hätte er cs mit 
einem verwundeten, vielleicht vom Blutverlust erschöpften 
Manne zu tun. Und wie ich unsere Gegner kenne, gebe ich 
bis die Ereignisse, die sich unter dem Eindruck der ;osorr ver 
öffentlichten Abdikarions - Erklärung naturnotwcndig drunten 
in Astorien vollziehen mußten, nicht mehr rückgängig gemacht 
werden konnten. Nun hat der Umstand, daß der König sich 
allzu frühe sinnlos betrank und damit physisch unfähig wurde, 
auch nur einen Federzug zu tun, den russischen Agenten 
einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht. Und ich 
begreife vollkommen, daß sie davor zittern, die Papiere im 
Lager ihrer Gegner auftauchen zn sehen. Die Gräfin hat 
ohne allen Zweifel auf irgend eine Weise Kenntnis davon 
erhalten, daß sich die Dokumente augenblicklich im Besitze 
Maxgregors befinden. Und ihr Brief an Mazarofs läßt uns 
keine Ungewißheit darüber, daß man entschlossen ist, sie ihm 
aus irgend eine Weise abzujagen. Wir aber dürfen das nicht 
zulassen, schon deshalb nicht, weil jene Leute skrupellos 
genug sind, um im äußersten Fall auch vor einem Verbrechen 
nicht zurückzuschrecken. Ter heutige Anschlag auf den General 
hat hinlänglich bewiesen, ivie verhaßt er ihnen ist. Uno 
durch den Besitz jener kompromittierenden Schriftstücke muß 
er ihnen natürlich als ein noch viel gefährlicherer Gegner 
erscheinen. Vielleicht sind sie der Mciunüg, daß er sich jetzt 
noch hier im Hanse befindet, aber sie werden nicht viel Zeit 
brauchen, um herauszubringen, daß er sich wieder in seine 
Wohnung begeben hat. Und ein zum äußersten entschlossener 
Bravo hatte da verhältnismäßig leichtes Spiel. Es würde 
Eltern sollten ihren Kindem mit gutem Beispiel voran 
gehen und sie ermahnen, die'Kerne nicht achtlos beliebig 
-hinzuwerfen. , 
o Ndue Hypothdkenärnter für zweite Hypotheken. 
In Höhscheid kann ein für das Hypothekenamt eingesetzter 
Ausschuß einheimischen Bürgen: für in Höhscheid belegene 
Grundstücke und Gebäude, für die die städtische Sparkasse 
die erste Hypothek hergegeben hat, zur zweiten Hypothek 
bis zur Höhe von 75 Proz. des Wertes bei neuen Häusern 
und 70 Proz. bei bestehenden Häusern beleihen. In Düssel 
dorf hat das städtische Hypothekenamt, das bisher nur erste 
Hypotheken vermittelte, seit kurzem auch die Hergäbe zweiter 
Hypotheken aufgenommen. Es handelt sich dabei um 
Tilgungshypotheken innerhalb 80 Proz. des Grundwertes, 
die mit 5 Proz. zu verzinsen sind. Als ein schlechtes 
Zeichen für die Beschaffenheit des Baumarktes ist cs anzu 
sehen, daß das städtische Hypothekenamt im März nur zwei 
1. Hypotheken im Betrage von 4000 M. ausgeliehen hat 
gegen 42 im Gesamtbeträge von 1 314 000 M. im Bcr- 
gleichsmonat des Vorjahres. 
o Ein wackerer Lebensretter. Gestern fiel beim 
Spiel mit Alterskameraden der 0 jährige Sohn Georg des 
Leitungsaufsehers August Wieskon, Dennewitzstr. 25, in den 
Landmehrkanal und wurde von der Strömung bis unter 
die Köthener Brücke fortgetrieben. Der auf der anderen 
Uferseite des Weges daherkommende 16 Jahre alte Lauf 
bursche Albert Kyburg aus Schöneberg, Hauptstr. 152 
wohnhaft, legte sein Jackett ab und sprang dem Knaben 
nach. Es gelang ihm, den Jungen zu fassen und solange 
über Wasser zu halten, bis der Maler Karl Totzke in einem 
Schifferkahn Hilfe brachte. Kyburg hat bei seiner braven 
Tat seinen Geldbeutel mit 14 M. Inhalt eingebüßt. 
o Ueber den Mißgriff eines Friedenauer Polizei- 
beamten wird uns folgendes gemeldet: Herr Carl Mehlitz, 
Inhaber einer Waschanstalt im Hause Menzelstr. 34, kehrte 
Nachts gegen 1 Uhr von Halensee mit einem zweiräderigen 
Schiebwagen, der mit Wäsche dicht angefüllt war, hierher 
zurück. Er war soeben um die Kaisereiche in die Saar 
straße eingebogen, als von der gegenüberliegenden Straßen 
seite her ein Polizeibeamter kurz vor dem Wagen über den 
Damm schritt und schließlich Herrn Mehlitz schroff nach 
seinem Namen und dem Inhalt des Wagens fragte. M. 
antwortete, daß ja seine Firma vorn am Wagen stehe, er 
könne sie dort ablesen, wenn er aber seinen Angaben nicht 
glaube, möge er mit ihm kommen, wenigstens bis zur 
Friedenauer Brücke. Der dort die Signale für die Straßen 
bahn stellende Beamte, kenne ihn sehr gut. Der Polizei 
beamte ließ sich darauf jedoch nicht ein, sondern forderte 
M. auf, mit ihm zur Wache zu kommen. Dieser war 
damit einverstanden, machte den Beamten aber für einen 
etwaigen Diebstahl des Wagens verantwortlich. Den 
Wagen zur Polizeiwache zu führen, weigerte er sich, da er 
zufrieden wäre, den Weg bis hierher zurückgelegt zu haben. 
Er sei müde und der Beamte könne nicht von ihm ver 
langen, daß er nun den schweren Wagen noch nach der 
Fcurigstraße und von dort wieder zurück schiebe. Der Be 
amte war jedoch immer noch nicht zufrieden, er sah auch 
jetzt noch in Herrn M. den Dieb. Darum holte er sich 
einen vor dem Cafö Woerz stehenden Privatwächter, der 
den Wagen zur Wache schieben sollte. Durch den erregten 
Wortwechsel zwischen dem Beamten und dem Waschanstalts 
besitzer hatte sich eine große Zahl von Menschen ange 
sammelt. Da erschienen plötzlich Frau, Sohn und Tochter 
des Herrn M., die ihn auch gestern wie gewöhnlich zur Unter 
stützung entgegengekommen waren, auf der Bildfläche. Auf 
die Frage des Sohnes an seinen Vater, was denn los sei, 
antwortete dieser, daß ihn der Beamte verhaften wolle. 
Sohn und Tochter nahmen nun den Wagen und schoben 
ihn nach Hause. Der Beamte war auf einmal ganz still 
geworden und ließ Herrn M. und seine Angehörigen 
nach Hause gehen. Das ist um so verwunderlicher, als der 
Beamte augenscheinlich zuerst völlig überzeugt war, in Herrn 
M. einen Spitzbuben erwischt zu haben. Der bedauerliche 
Mißgriff des Beamten läßt sich wohl durch die wieder 
holten nächtlichen Diebstähle in den westlichen Vororten er 
klären. Immerhin hätte der Beamte sich auf einfache und 
schnelle Weise von der Richtigkeit der Angaben des M. 
überzeugen können, wenn er dessen Bitte befolgt und ihn 
bis zur Friedenauer Brücke begleitet hätte. Konnte er dies 
nicht, weil er dann Schöneberger Gebiet betreten nmßte, so 
hätte er einen Schöneberger Kollegen zu den weiteren Fcst- 
mich gar keiner Täuschung darüber hin, daß sie alle diese Um 
stände recht wohl zu würdigen und für ihre Zwecke nutzbar zn 
machen wissen werden. 
„Maxgregor muß gewarnt werden — das ist außer Frage," 
stimniie Lechmere zn. „Und ich werde mich auf der Stelle 
zn ihm begeben." 
Dr. Varney aber war der Meinung, daß Lechmcres 
untrüglicher Spürsinn hier vorderhand noch unentbehrlich sei. 
„Niemand ist besser imstande als Sie, diesen Mazaroff 
zu überwachen," sagte er, „während ich bei dem General 
lieber einen Mann gesehen hätte, der im Notfall über rück 
sichtslose Unerschrockenheit und über ein Paar kräftige, Arme 
gebietet. 
Es war leicht zn erkennen, daß er dabei au Charles 
Maxwell dachte. Und der junge Alaun zögerte denn auch 
nicht einen Augenblick, seine Bereitwilligkeit zn erklären. 
„Meines Bleibens in diesem Hanse, in das ich von 
nicniandcm geladen bin, wäre ja ohnedies nicht länger ge 
wesen," sagte er mit einem Auslug von schmerzlicher Bitterkeit. 
„Und ein Mann in meiner Lage muß doppelt glücklich sein, 
wenn er sich irgendwie nützlich zn machen vermag." 
„Ja — ja — gehen Sie!" ermunterte ihn nun auch 
Lechmere. „Und je weniger Zeit Sie verlieren, desto besser 
wird es sein. Tenn ivas auch immer man unseren Gegnern 
vorwerfen kann, den Vorwurf, daß sie langsam und zaghast 
in der Ausführung ihrer Entschlüsse seien, darf man ihnen 
gewiß nicht machen. — Im übrigen scheint mir ihre Situation 
momentan keineswegs besonders günstig. Durch den Verlust 
der von dem unseligen Lancing erlisteten Papiere sind sie 
entschieden sehr in den Nachteil geraten. — Und wenn es uns 
gelänge, dieser Dokumente wieder habhast zu werden — —" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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