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Periodical volume Nr. 159, 09.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

inciube- und später Stadtverordneter, hat sich der Ver 
storbene uin die Entwicklung unserer Stadt ent 
schieden Verdrenste erworben, die auch unerkannt wurden, 
irtbem die Albertstraße, an der seine Grundstiicke liegen, 
seinen Namen erhielt. Albert Grir, der 75 Jahre alt ge 
worden, war ein Mann mit praktischem Sinn, schlicht und 
ehrlich in seinem Wesen und zu jedermann liebenswürdig, 
bei einem Grobschmied gewiß doppelt hoch zu schätzen. 
Nachdem er seine Schmiede 50 Jahre selbst geleitet hatte, 
schenkte er,. sie seinem Altgesellen, der über 30 Jahre bei 
ihm gearbeitet hatte. Albert Grir war mit der Schwester 
de-^ betannten Ntillionärs Wilhelnr Hewald verheiratet, die 
ihni schon lange im Tode voranging. Vor etwa 10 Jahren 
traf .ihn ein Schlaganfall, der ihn lähnite und seitdeiii ist 
er nicht mehr aus dem Rollstuhl herausgekoninien. Das 
ivar dem allzeit rührigen Maiin eine harte Prüfung. Ein 
Sohii, Dr. Ernst Grir, und mehrere verheiratete Töchter 
Iranern an seinem Sarge. 
—o Der Note Adlerorden 4. Klasse wurde dem 
Direktor bei der Firma Siemens lind Halste Heinrich Kreß 
von hier verliehen. — Dem Oberiugenieur Oswald Schulz 
hier ist der Kgl. Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. 
—o Die 35 jährige Hebamme Bodendorf aus der 
Martin-Luther-Straße 79. die wiederholt wegen Vergehen 
gegen das keimende Leben vor Gericht gestanden hat und 
neuerdings durch ihre Manipulationen den Tod eines 
jungen, 17jährigen Mädchens verschuldet hat, ist gestern 
durch die Kriminalpolizei festgenommen und dem Ilnter- 
suchuugsgefängnis zugeführt worden. 
Berlin und Vororte 
§o Vorschläge für den Ausbau des Berliner Schnell 
verkehrs, besonders zur Verbindung der nördlichen Berliner 
Vorortbahnen mit der Stadtbahn und dem Potsdamer Platz 
macht Gemeindelandmcsser.Schulze (Niederschöuhausen) im 
„Technischen Gemeindeblatt", die erwogen zu werden ver 
dienen. Der erste Vorschlag Schulzes geht dahin, daß die 
drei nördlichen Dorvrtlinien im Bahnhof Gesundbrunnen 
zusammengefaßt, und daß der Vorortsverkehr von hier aus 
über den Bahnhof Wedding und den Hamburger Bahnhof 
hinweg nach der Stadtbahn geleitet wird und längs der 
Gleise der Stadtbahn von da ab, wo diese aus dem 
Charitegrundstück heraustritt, bis zum Bahnhof Friedrich 
straße läuft. Der zweite Vorschlag betrifft eine Untergrund 
bahn vom Bahnhof Gespndbrunnen über Bahnhof 
Fricdrichstraße nach dem Potsdamer Bahnhof. Ter dritte 
regt eine Viaduktbahn voin Bahnhof Gesundbrunnen mit 
derselben Trasse ivie der erste Vorschlag bis zur Stadtbahn 
am Charitögrundstück an. Der vierte endlich will durch 
eine Untergrundbahn den Stettiner Vorortbahnhof mit dem 
Wannseebahnhof verbinden. Die Kosten des ersten Vor 
schlags. schützt der Verfasser auf 20 Millionen (die not 
wendigen Vahnhvfsumbauten mit einberechnet), die Aus 
führung des zweiten Projekts soll etwa 28 Millionen (ohne 
die Kosten des Umbaus des Bahnhofs Gesundbrnnnens), 
die des dritten 24 Millionen (ohne die Kosten der Bahn- 
hofsumbauten) und die des vierten Projekts 23 Alillionen 
Mark kosten. , , . 
Bekanntmachung. 
Das GinguartierungSregister liegt vom 
10. Juli bis 23. Juli 1913 
im hiesigen Gemeindebiiro, Fcurigstr. Nr. 8, 2 Treppen, Zimmer 45, 
werktags von 8—2 Uhr ans. 
Einwendungen gegen die Nichtigkeit des Registers können inner 
halb einer Ausschlußfrist von 21 Tagen, vom 23. Juli ab gerechnet, 
bei dem llntcrzeichnctcn schriftlich oder zu Protokoll angebracht werden. 
Berlin-Friedenau, den 8. Juli 1913. 
Ter Gemeindevorsteher. I. A. Bache. 
AM.« UWt.Maut-EtzMaW- 
urrd Mmts-FuhrMsen. 
Das Bude eines jungen deutschen 
f rem den legiern ärs. 
-Ein empörender Vorgang, der nicht scharf genug ge- 
brändmarkt werden kann, wird dem „Schwäb. Merkur" be 
richtet. Er wirft ein neues grelles Schlaglicht auf die 
französische Militärgerichtsbarkeit und die französischen 
Offiziere in der Fremdenlegion: 
Eine Abteilung der Fremdenlegion befand sich auf dem 
Marsche im marokkanischen Aufstandsgebiet. Ein blut 
junger deutscher Fremdenlegionär, Hans M., erhielt den 
Auftrag, einen Patrouillengang auszuführen. Auf diesein 
ivurde er schwer.verwundet., Er verlor die Besinnung, und 
als er sie wiedererlangte, war seine Kompagnie längst außer 
Sehweite. Erst nach mehreren Tagen, und nachdem er sich, 
der Not gehorcheiid, aller entbehrlichen Ausrüstungsstücke 
entledigt hatte, traf M« ganz erschöpft und mit hohem 
Fieber bei, seiner Kompagnie wieder ein. Er wurde im 
Feldlazarett aufgenommen; aber schon nach wenigen Tagen 
auf Veranlassung des Abteilungsführers, Oberstleutnants P., 
dem Kriegsgericht X. vorgeführt und der Fahnenflucht und 
Preisgabe von Dienst- und Ausrüstungsgegenständen als 
dringend verdächtig angeklagt. 
Zur lleberraschung aller Anwesenden stellte das Kriegs 
gericht in der Verhandlung fest, daß M. noch nicht einmal 
17 Jahre alt war und daß folglich wegen Minderjährigkeit 
nach dem französischen Gesetz überhaupt kein Vertrag für 
die Legion mit ihm abgeschlossen werden konnte! Trotzdem 
verhandelte map weiter gegen ihn und benahm sich ini 
Kriegsgericht ganz so, als säße man in fröhlichster Laune 
int Wirtshause. Der Vorsitzende, Oberstleutnant P., witzelte 
über die in den Mienen des Angeklagten erkennbare Angst, 
und die Beisitzer stimmten in die allgemeine Heiterkeit mit 
ein. In dieser Stimniung und ohne auf die Beweise und 
Beteuerungen des M. näher einzugehen, verurteilte man ihn 
auf Grund künstlich aufgebauter Verdachtsgründe zum Tod 
durch Erschießen! Ohnmächtig brach M. zusammen und 
wurde ins Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. 
Auf seine flehentlichen Bitten benachrichtigte man schließ 
lich seine Eltern, gntgestellte Leute in K., von dem Urteils 
spruch. Sein Vater wandte sich sofort telegraphisch an den 
Präsidenten der Republik und erbat Aufschub des Vollzugs. 
Dann machte er sich mit der verzweifelnden Mutter auf und 
trat die Reise nach Afrika an, um seinen Sohn noch ein 
mal zu sehen und ihn zu umarmen. Oberstleutnant P. 
fand anscheinend ein besonderes Vergnügen daran, den Un 
glücklichen im Lazarett aufzusuchen. „Wie geht es Dir? 
Bist Du bald geheilt?" M. bedankte sich und erwiderte: 
„Es geht gpt, mein Oberst!" Höhnisch lächelnd entgegnete 
P.: „Beeile Dich, das Lazarett bald zu verlassen, draußen 
warten 12 Kugeln auf Dich!" Dian versetze sich in die 
seelischen und körperlichen Qualen des Bi., um die Roheit 
des P. richtig einzuschätzen! 
Inzwischen waren die Eltern des M. in Oran ge 
landet, und der Vater teilte seine bevorstehende Ankunft in 
Z. telegraphisch dem Kriegsgericht in Z. mit. Dieses hatte, 
wie durch Zeugen einwandssrei festgestellt worden ist, bereits 
eine Anweisung des französischen Kriegsministers erhalten, 
wonach der Präsident der Republik M. begnadigt und seine 
Strafe umgewandelt habe. Ohne sich uni diese Äitweisüng 
zu scheren, ließ Oberstleutnant P. auf die Nachricht von der 
bevorstehenden Ankunft der Eltern M.'s sofort 12 Mann 
antreten und den unglücklichen, halbtoten Menschen» der sich 
nicht einmal auf den Beinen halten konnte, wenige Minuten 
vor Änkunft des Zuges, der die Eltern brächte, exschießen. 
Als Vater und Mutter in den Hof des UnietsuchUngs- 
gefängmsskch trgten, war ihr Sohn bereits beerdigt. Wohl 
hat sich auf Betreiben des erbitterten Vaters die franzö 
sische Militärbehörde der Form wegen mit der Untersuchung 
der Angelegenheit befaßt. Sie endete nicht etwa mit einer 
Bestrafung des Oberstleutnants P.; dieser wurde vieltuehr 
zum Obersten befördert. 
Vor kurzem behaupteten französische Blätter, daß der 
frühere Bürgermeister von Usedom, Trömel, nach seiner 
eigenen Aussage sich für die französische Fremdenlegion 
habe anwerben lassen, um den unerträglichen Zuständen in 
DeutschaNd zu entgehen! Man erinnert sich dessen unwill 
kürlich beim Lesen dieser aller Menschenwürde Mid aller 
Menschlichkeit hohnsprechenden Vorgänge. Kann es wirklich 
Deutsche geben, die ihr Heil und ihren Seelenfrieden in der 
Fremdenlegion zu finden wähnen, wo man, sobald das 
Opfer zur Strecke gebracht ist, die Maske rücksichtslos fallen 
läßt! Hier tu Deutschland sollten solche Vorgänge wie der 
vorstehende — die meisten werden uns ja verborgen bleiben 
— hinausgerufen werden ins Land, daß es bis ins letzte 
Dorf, bis in die letzte Hütte schallt, wo Deutsche wohnen! 
Endlich muß doch einmal der Schimmer von Romantik, der 
unbegreiflicherweise für manche Köpfe die französische 
Fremdenlegion noch immer zu ummeben scheint, 'der vollen 
Klarheit weichen und die wahre Sachlage in ihrer ganzen 
Schändlichkeit unverhüllt hervortreten. 
Vermachtes 
*o Paris hat in den letzten Jahren der Tuberkulose als 
Wohnungskrankhcit große Aufmerksamkeit geschenkt und, wie die 
„Soziale Praxis" mitteilt, bereits recht gute Erfolge mit dem 
Herabdrücken der Sterbeziffer aufzuweisen (1908: 10 202, 1911: 
9731). Durch die 1894 angelegten Hausltsten, ih Vellen die in 
jeder Wohnung vorgekommenen Todesfälle an Tuberkulöse ver 
merkt wurden, gelang es, die eigentlichen Herde der Seuche festzu 
stellen. Mehr als ein Fünftel der Häuser, die 1904 den Durch 
schnitt der Tuberkulosestcrblichkeit um das Doppelte bis Dreifache 
überstiegen, haben inzwischen eine gründliche Gesundung erfahren. 
Bor allen: sind die Zimmer ohne freie Licht- und Luftzufuhr der 
Benutzung entzogen morden. Zu einer durchgreifenden Besserung 
der gesunvheittichen Verhältnisse in Paris würde es allerdings einer 
völligen Unigcstaltuug der Baupläne bedürfen. Bei den jetzt viel 
fach bestehenden Straßenbrcitcn von nur 12 Meter mit Gebäuden 
in Höhe von 18 Meter und schmalen, tiefen Höfen fehlt es der 
Mehrzahl der Wohnungen an Sonnenlicht und genügender Zufuhr 
von frischer Lllft. 
Wetteraussichten. 
Donnerstag: Ziemlich kühl und veränderlich, vielfach 
wolkig, bei mäßigen ivestlichen Winden etwas Regen, Ge- 
witterbildimg. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius» Friedenau? 
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