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Periodical volume Nr. 158, 08.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

zu 'zahlen und für Kraft- und Hcizzwcckc 16 Pf. Das 
städtische Elektrizitätswerk Charlottenburg erhebt als 
einziges in Groß-Berlin einen noch höheren Grundsatz, 
nämlich 45 Pf. pro Kilowattstunde.. Hierbei muß beachtet 
werden, daß der Preis auf 80 Pf. herabgeht, wenn im 
Jahre auf die Lampe mindestens 400 Brennstunden 
kommen. Nur ein geringer Bruchteil der Konsmneiiten er 
reicht diese Zahl nicht, sodaß also im allgemeinen die Elek 
trizität für Lichtzwecke in Charlottenburg billiger als in 
Berlin ist. Die Süd-West-Werke, die Schöneberg, 
Wilmersdorf und Schmargendorf versorgen, erheben 
für Licht bis 10 Uhr Abends 40 Pf., von 10 Uhr Abends 
bis 7 Uhr früh nur 16 Pfg. pro Kilowattstunde, sind also 
bedeutend billiger als Berlin und Charlottenburg. Während 
in Charlottenburg wie in Berlin für Heiz- und Kraftzwccke 
durchweg 16 Pf. genommen werden, zahlt man bei den 
Süd-West-Werken diesen Preis nur bis 10 Uhr Abends. 
Bon dann an bis 7 Uhr früh nur 10 Pf. Neukölln hat 
auch den Grundsatz von 40 Pf. für Lichtzivccke (Kraft und 
Heizung 13 Pf.), ermäßigt diesen Preis aber bei mindestens 
300 Brennstundcn im Jahre, und die haben neun Zehntel 
der Konsumenten aufznweisen, auf 13 Pf. 
v Wegen Umsatzsteuer klagte die Berliner Tcrrain- 
und Ban-Aktiengesellschaft in Berlin gegen den hiesigen Ge 
meindevorsteher vor dem Teltowcr Krcisausschuß. Klägerin 
hat 1912 das Stubcnrauchstr. 61 belegene Grundstück durch 
Meistgebvt erworben und an den Gehilfen I. weiter ver 
äußert. Sic wurde dafür vom Gemeindevorsteher zuerst zu 
2200 M. und nach erfolgtem Einspruch unter Zugrunde 
legung eines gemeinen Wertes von 105 000 M. zu 2100 M. 
veranlagt. Gegen diese Veranlagung erhob sie Klage und 
beantragte, die Umsatzsteuer zu einem Werte von 96 000 M. 
festzusetzen. Sie führte aus: das Entgelt für die Abtretung 
aus dem Meistgebot sei auf 107 000 M. festgesetzt worden. 
Sie habe sämtliche Kosten getragen und für Stempel, 
Steuern, Zwangsversteigerung usw. 11000 M. bezahlt. 
Demnach verblieb ein tatsächlicher Ecwcrbspreis von 
06 000 M. Der Beklagte führte aus, der Wert von 
105 000 Ri. entspreche den tatsächlichen Verhältnissen. Bei 
Ermittlung desselben durch den Sachverständigen seien alle 
in Frage kommenden Faktoren, wie Wert des Bodens, 
Bauwcrt des Gebäudes und der Mictsertrag berücksichtigt 
worden. Hierauf erwiderte Klägerin, cs sei bekannt, daß 
selbst die Verkaufspreise der bestens gelegenen Grundstücke 
ganz bedeutend heruntergingen, weil die den Grundbesitz 
arg bedrückenden Steuern und Ausgaben die Rentabilität 
herunterdrückten. — Der Kreisausschuß gab der Klage statt, 
jedoch aus rein rechtlichen Gründen. Die Friedenauer 
Umsatzsteuer knüpft die Steuerpflicht an den dinglichen 
Rcchtsvorgang. Steuerpflichtig sind daher nur der Ver 
äußerer und der Erwerber, und im Falle der Zivangsver- 
stcigcrung der, dem der Zuschlag erteilt wird, nicht aber die 
nur obligatorisch Zwischenberechtigten. Klägerin hätte dem 
nach völlige Freistellung begehren können. Da aber die 
Entscheidung iiber das Klagebegehrcn nicht hinausgehen 
kann, wurde die Steuer antragsgemäß auf 1920 M. er 
mäßigt. Kosten zu Lasten des Beklagten. 
o «schriftliche Aufgabe von Zeitungsanzeigen. Wir 
werden wiederholt gebeten, Anzeigen telefonisch anzunehmen. 
Dieser Bitte können wir jedoch nicht entsprechen, da die telefo 
nische Aufgabe von Anzeigen für den Geschäftsverkehr unseres 
Blattes allerlei Unzuträglichkeiten mit sich bringt. Vor allem 
sind Hörfehler und sonstige Irrtümer unvermeidlich. Aus diesem 
Grunde ist es allgemeiner Brauch, daß die Zeitungen die 
Verantwortung für etwaige Mängel bei der Wiedergabe der 
Anzeigen ablehnen, und auch wir sind dazu genötigt. Da 
sich aber hieraus oft unliebsame Erörterungen mit den Be 
stellern ergeben, so müssen wir schon aus diesem Grunde 
die Annahme von Anzeigen durch den Fernsprecher ab 
lehnen und sprechen die dringende Vilte aus, den Text 
unserer Geschäftsstelle, Rheinstraße 15, schriftlich zu über 
mitteln; mich bietet sich Gelegenheit zur Aufgabe in unserer 
Nebeustelle, Odenwaldstraße 7. Nicht selten kommt es auch 
vor, daß sich bei der Einziehung der Beträge für telefonisch 
aufgegebene Anzeigen Schwierigkeiten ergeben. Insbesondere 
entstehen leicht Zweifel, wer der Auftraggeber und zur 
Von Maxwell ivar nichts zu bemerken, er war wohl 
jedenfalls noch nicht da. So schritt sie rasch auf das Haus 
zu, wo sie Varney bemerkte und ihn anredete. — 
Als der Arzt im Zimmer des Lords war, stellte sie sich 
so dicht unter das Fenster, daß ihr in der Tat kein Wort 
des drinnen geführteil Gesprächs entgehen konnte. Sie ver 
nahm, waS Mazaroff zu Mcrchaven sprach; und sehr bald 
auch wußte sie, um was sich das Gespräch drehte. 
Gaiiz offenbar hatte der Russe die List eiildeckt, derer und 
seine 'Bundesgenossen zum Opfer gefallen waren, und suchte 
nun sie, Jcssic, zu verderben, indem er Lord Mcrehavcu 
von dem Geschehenen Mitteilung machte. Wurde das nicht 
noch rechtzeitig verhindert, so war alle Mühe umsonst gewesen, 
so hatte sie umsonst gekämpft und gelitten. Irgend ctivas 
mußte geschehen, und zivar augenblicklich. Sie 'erkannte die 
Notwendigkeit raschen Handelns und hielt sich deswegen nicht 
damit ans, viele Pläne zu entwerfen, sondern führte das erste 
aus, ivas ihr in den Sinn kam. 
Nllr die Königin konnte hier helfen! — Jessie hatte 
im Lause des Abends so viel für die hohe Frau getan, daß 
sic cs wohl wagen zu dürfen glaubte, sie um ihre Unter 
stützung anzugehen. Es gab keine andere Möglichkeit mehr; 
mochte es auch ein Wagnis sein, ivas sic da zu tun beab 
sichtigte, jedenfalls mußte sie zwischen zwei Gefahren die 
kleinere wähleir. 
Beim Durchschreiten der Salons wurde sie von ver 
schiedenen Seiten angerufen, und lachend wurde ihr niitgcteilt, 
wie Prinz Boris Mazaroff sic gesucht. Das schien Jcssic eine 
Bestätigung dafür, daß der Russe um ihr Geheimnis wisse. 
Sie erklärte lächelnd, daß sie deil Prinzen bereits gesprochen, 
und daß cs sich natürlich nur um einen Scherz gehandelt 
habe. Mit vollkommen ruhiger Miene betrat sie den Musik- 
saah in dem sich die Königin' aushielt, und schritt auf die 
Majestät zu. 
Margarete von Astoricn bemerkte sie sogleich; ein rascher 
Blick wurde zwischen ihnen ausgetauscht, und die hohe Frau 
wußte, daß Jessie irgend ein Anliegen an sie hatte. Mit 
eineni Scherzwort machte sie sich 'von zwei langaufgeschosscncn, 
dünnen Damen des HochadelS los, mit denen sie geplaudert, 
und begrüßte das junge Mädchen. Plaudernd ging sie mit 
Zahlung Verpflichtete ist. Wiederholt ist der Inhaber des 
benutzten Fernsprechers als Besteller genannt worden, 
während es sich um fremde Personen handelte. Die da 
durch beim Einkassieren verursachten Mühen und Kosten 
stehen — besonders bei „kleinen Anzeigen" — meist in 
keinem Verhältnis zu den geringfügigen Beträgen. Diese 
ungünstigen- Erfahrungen veranlaßten uns, die Aufnahme 
telefonisch übermittelter Anzeigen abzulehnen. Wir bitten 
deshalb in jedem Falle um schriftliche Aufgabe der Anzeigen. 
o Die ersten neuen Fünfmarkstücke mit dem neuen 
Bildnis des Kaisers werden in etwa 14 Tagen ausgegeben 
werden. 
v Die märkischen Obstmärkte in Großberlin werden 
jetzt auch auf Schöneberg und Wilmersdorf ausgedehnt. In 
Schöncbcrg findet ein Markt am 30. September und am 
1. Oktober in der Turnhalle der 6. und 7. GemciNdeschnle 
statt. Am 1. und 2. Oktober und 19. und 20. Dezember 
werden die beiden Märkte in Wilmersdorf, Berliner Str. 40, 
abgehalten. 
o Abschneiden der Rosen. Es herrscht die Ansicht, 
man schone dadurch seine Rosenstöcke, daß man die 
einzelnen Blumen verblühen lasse. Das ist eine irrige 
Ansicht, denn gerade in der Zeit des Abbliihens entzieht 
die Blume ihrem Stocke die meiste Nahrung. Es ist daher 
zu raten, die Rose sobald zu schneiden, als sic ihre schönste 
Form zeigt, und sollte man sie nur zur Zimmerzierde usw. 
benutzen können. Eine abgeschnittene Rosenblume hält sich 
stets länger, wenn sie ordentlich gepflegt wird, als wenn 
sie am Stocke belassen wäre. Der Rosenstock aber ent 
wickelt, wenn fleißig die erblühenden und verblühten 
Blumen abgeschnitten werden, eine Menge neue Knospen. 
o Tie Potsdamer Handelskammer, Sitz Berlin hat 
die folgende Herren: Zivilingenieur Reinhold Buchheim, 
Berlin SV. 15, Darmstädterstr. 11, als Sachverständigen für 
Diesclmotore bis zu 150 PS., Fabrikbesitzer Anton Eduard 
Schmidt, Potsdam, Friedrichstr. 5-6, als Sachverständigen 
für Autvmvbilkarossericn, Fritz Zuzakomski, Berlin-Reinicken 
dorf, Graf Rödern-Allee 84, als Wäger vereidigt. 
o Firmeneitttragung. In das Handelsregister ist ein 
getragen worden: Nr. 12 250. Auskunftei S. Zadek, 
G. m. b. H. Sitz: Berlin-Friedenau. Gegenstand des 
Unternehmens: Erteilung von Credit-, Privat- und Ge- 
schäftsauskünftcn, insbesondere Erteilung von Sonderberichten 
an Beteiligung- und Ankaufssuchendc über industrielle Unter 
nehmungen und Gewerbetreibende und zwar sowohl für 
Inland als Ausland. Außerdem Inkasso von Forderungen 
für eigene und fremde Rechnung; auch alle Hülfsgeschäfte 
die zur Ausführung obiger Geschäfte erforderlich erscheinen, 
sind zulässig. Die Gesellschaft ist berechtigt, sich an Gesell 
schaften oder Unternehmungen gleicher oder ähnlicher Art zu 
beteiligen. Das Stammkapital beträgt 20 000 M. Ge 
schäftsführer: Kaufmann Siegfried Zadek in Berlin-Wilmers 
dorf. Als nicht eingetragen wird veröffentlicht: Als mit 
20 000 M. bewertete Einlage aus das Stammkapital wird 
in die Gesellschaft eingebracht von den Gesellschaftern Siegst. 
Zadek und Felix Max Geiger das bisher von ihnen ge 
meinschaftlich unter der nicht eingetragenen Firma Aus 
kunftei S. Zadek zu Berlin beftiebene Untcrnehnien mit 
allen Aktiven und Passiven und zwar entfallen auf jeden 
10 000 M. 
o Silberne Hochzeit. Am Donnerstag, dem 10. Juli 
d. Js., feiert Herr Kaufmann Hans Berger mit seiner 
Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Berger 
begründete hier vor etwa 18 Jahren das noch heute Rhein 
straße 10 bestehende Glas-, Porzellan- imd Steingntgeschäft, 
das sich aus kleinen Anfängen zu eineni achtbaren Unter 
nehmen herausgebildet hat. Nicht nur für den Privat 
haushalt, auch für zahlreiche kleinere und größere 
Rcstauratious-, Hotel- und Wirtschaftsbetriebc hat die Firma 
ihre Waren liefern können. Manch ehrender Auftrag wurde 
ihr auch von Behörden und größeren Anstalten, Krankcn- 
häusern usw. zuteil. Herr Berger, der schon einmal im 
Jahre 1905-06 Gemeindeverordneter war, gehört unserer 
Gemeindevertretung wieder seit April 1912 an. Ec steht 
dort zumeist auf Seiten der Opposition. Leider ist die 
Gattin des Herrn Berger seit einiger Zeit erkrankt und hat 
ihr hinaus; als sic jedoch nicht mehr zu fürchten hatte, daß 
man sie hören könne, sagte sie: 
„Was ist nun wieder geschehen, Kind? — Ich bemerkte 
es sogleich, daß Sie ctivas auf dem Herzen haben müßten. 
Aber sprechen Sie schnell — meine Nerven sind etwas an 
gegriffen von den Geschehnissen dieses Tages." 
„Eure Majestät verzeihen, wenn ich es wage, eine Bitte 
anszusprcchcii, die Eure Majestät vielleicht seltsam berühren 
wird. Prinz Boris Mazaroff spricht in Lord Mcrehaveus 
Arbcitskabinett mit Seiner Lordichaft. Ter Prinz hat Dinge 
in Erfahrung gebracht, deren Natur ich jetzt nicht erläutern 
kaun — es würde zu viel kostbare Zeit damit verloren gehen. 
Jedenfalls aber wären all unsere Pläne zerstört, wenn der 
Lord von dem Kenntnis erhielt, was Mazaroff weiß. Ich 
bitte Sie inständig, sür die nächste Stunde zn verhindern, daß 
sich der Prinz mir Lord Mcrchaven anssprechcn kann." 
Sie konnte es der Königin nicht ansehen, welchen Ein 
druck ihre Worte ans sic gemacht. Sie schwieg einen Augen 
blick; dann sagte sie: 
„Wohl — ich habe Vertrauen zu Ihnen, Vera, und ich 
halte Sie keines Unrechts fähig. Ich will tun, um was Sic 
mich baten; aber ich erwarte bestimmt, daß Sie mir später 
alles erklären werden." 
Jessie küßte ihr dankbar die Hand; sie konnte erleichtert 
aufatmen. Für den Augenblick wenigstens war die Gefahr 
beseitigt. Tie Königin ging zum Arbeitszimmer des Lords 
hinüber, während Jessie in den Garten huschle, um beobachten 
zu können, was sich drinnen ereignen würde. 
Sie kam der Königin zuvor. Lord Mcrchaven stand 
am Schreibtisch, mit verschränkten Armen und ernstem, sehr 
ernstem Gesicht: er schien über irgend etwas zu grübeln. 
Mazaroff lehnte ihm gegenüber am Kamin, während Barney 
an der Tür stand, lächelnd, wie wenn ihn etwas sehr belustige. 
Gerade in dem Augenblick, da Jessie unter das Feilster 
trat, hörte sie den Arzt sagen: 
„Sic sehen, daß Lord Mcrchaven nicht recht weiß, was 
er aus Ihnen machen soll, Prinz' — Champagner ist eine 
köstliche Sache; jedoch zu drei verschiedenen Zeiten de? Tages 
in nicht gerade geringen Quantitäten genossen — —" 
„Ich werde' mich freuen, wenn Fräulein Gallowao kommt 
zur Erholung ein Bad in Böhmen aufsuchet, müssen. 
Hierhin hat sich auch der Gatte begeben, um dort die 
silberne Hochzeit zu feiern. Wir wünschen den Jubilaren 
alles beste sür die Zukunft, besonders der Eilberbrant recht 
baldige Wiederherstellung und ferner dauernde Gesundheit. 
Glück ans zur goldenen Hochzeit! 
o Sommerliche Geselligkeit im Hanse. Der glück 
liche Besitzer eines Gartens hat die meiste Möglichkeit, 
sommerliche Geselligkeit zu pflegen: kleine Zusammenkünfte 
im engeren Kreis, Frühstück und Abendessen, Tceoerkehr, 
Einpfangstag und Bowlenabend, alles das läßt sich unter 
den segnenden Beistand der guten Jahreszeit leichter und 
freier im Garten anordnen als im Hause. Aber auch in den 
vier Wänden sollte man der Geselligkeit einen sommerlichen 
Charakter geben, sie durch eine gewisse Ungezwungenheit 
von der des Winters unterscheiden und in den heißen Tagen 
vor allein auf die Kühle der Räirine bedacht sein. In der 
illustrierten Wochenschrift „Die Deutsche Frau" (Verlag der 
„Deutschen Frau" (Velhagcn u. Klasing, Leipzig), gibt 
I. v. Wedelt einige gute, praktische Winke. Zugluft zur 
Nachtzeit mit nachfolgendem Verdunkeln und Schließen der 
Fenster hilft die Zimmertemperatur erträglich gestalten. 
Bei Nachmittagszusammenkünflen ist die teilweise Ver 
dunklung der Räume, weil dem Auge wohltuend, auch von 
Erquickung für den ganzen Menschen. Eisgerichte und Eis 
getränke von der geeisten Ganzfrucht bis zum Rosencis, von 
dem Eiskaffee bis zum gefrorenen Schnccmus, vom Granit 
und Sorbet bis zum Hautzmachereis in irgendeiner netten 
Portionsanrichte, sind in der warmen Mietswohnung not 
wendigere Erguickung als im Garten, wo die Abendkühle 
Linderung bringt. Vor allem wird man in der Eiagcn- 
wohnung vermeiden, durch Kohlenfeuerung des Herdes un 
nötige Wärme hervorzurufen. Man beschränkt sich ans das 
kalte Büffet, auf kalte Küche mit höchstens einem auf Gas 
bereiteten warmen Gericht. Wein und Bier, Limonaden, 
Butter, Sahne, alles muß genügend kalt gestellt sein; Süß 
speisen, Salate, Früchte, Aspikplatten verlangen das gleiche. 
Statt der heißen Suppe gibt man ganz entfettete, geeiste 
Bouillon, der Fisch erscheint in Aspik oder in Mayonnaise, 
Spargel oder Tomaten werden geeist, Melone und Ananas 
werden auf einem Bett von zerkleinertem Eis angerichtet. 
Selbstverständlich kann eine sommerliche Einladung im 
Zimmer eine reichhaltigere Speisenfolge haben, ein umständ 
licheres Servieren bedingen als Mahlzeiten im Garten, wo 
stets zu berücksichtigen ist, das; jede Speise, jeder warme 
Teller einen Weg zu machen hat. AIs Tischschmnck sür 
Zimmermahlzeiten — im Freien ist so viel weniger iwt- 
wendig, weil der Blütenbaum in natura dasteht! — seien 
besonders empfohlen: Weißrosa Magnolicnblumen in 
kupfernem Kessel auf kupferner Schale, Wasserrosen in 
flachen Behältern, blühende Sträucher in japanischen Körben, 
Wiesenblumen in Baiierntöpfereien, ein flaches Beet von 
dunkelsamtiien Stiefmütterchen, braungoldigcr Goldlack in 
dunklen Tonkrügen, Schneeball in breilbauchiger Vase, gelbe 
Narzissen in silbcrglitzeriiden Ziiinkrügcn, weiße Rosen in 
silbernen Körben und Schalen.., Die Zwanglosigkeit der 
Sommergeselligkeit erlaubt allerhand Gegenstände, die sonst 
nicht auf die offizielle Tafel kommen, heranzuziehen, und 
während des Schmückens und Ausbauens entstehen Zufällig 
keiten, die uns entzücken. 
o Die Schneider-Zwaugs-Fnnung schrieb 5 Lehr 
linge ein, während 4 davon die Gesellenprüfung bestanden 
haben. Eine ganze Reihe von Anmeldungen zur Meistcr- 
prüfung liegen noch vor. Mit Wärme gedachte Obermeister 
H. Meißner des Kaiscr-Jiibiläiimsfestes. Kollege Schmiert 
wies hin auf einen gerade für Kleinbetriebe sehr geeigneten 
Buchführiingsknrsus. Stellung genommen wurde sodann 
gegen gewisse öffentliche Anpreisungen, die an iinlaiitcrcii 
Wettbewerb grenzen. Die Jnnnuiig zählt gegenwärtig etwa 
320 Mitglieder. 
o Die Barbier-, Friseur- und Pcrückcnmachcr- 
Zlvangsinnttng begrüßte in ihrer Bierteljahrsversammlmig 
fünf nciiaufgenommeiie Kollegen. Ueber den am 19. 5. 
stattgehabten Brandenburgischen Vcrbandstag in Berlin be 
richtete Koll. Marggraff, während Obermeister Wilcke auf 
die Tagesordnung des in der Zeit vom 20. bis 24. d. M. 
und mich Lügen straft," unterbrach ihn Mazaroff mit einer 
kühlen Ruhe und Sicherheit, die die Annahme, daß er etwa 
betrunken sei, hinfällig machen mußte. Jcssic' bemerkte noch 
immer das triumphierende Leuchten in seinen Augen; dann 
aber ging ein ärgerlicher Zug über sein Gesicht. 
Tic Tür hatte sich-geöffnet, und mit liebenswürdigem 
Lächeln stand die Königin Margarete ans der Schwelle. 
„Der Diener sagte mir, daß die drei Herren sich hier 
befänden," erklärte sie liebenswürdig. „Und ich kaun un 
möglich gestatten, daß die geistreichsten Männer Londons sich 
so lange der Gesellschaft entziehen. — Aber sprachen Sie 
nicht soeben von Fräulein Galloivay? — Vera war so stcund- 
lich, eine kleine Besorgung für mich zu überuchmcii." 
Es prägte sich wohl ziemlich deutlich ans dem Gesicht Lord 
Merehavcns aus, daß er aufgehört hatte, die Tinge zu 
begreifen. Denn Varney lachte leise auf. 
„Aber haben Sic denn nicht längst bemerkt, mein Lord, 
daß sich der Prinz einen Spaß mit uns machen wollte? — 
Eure Majestät verzeihen, aber Prinz Mazaroff sagte soeben —" 
Ganz wie er cs erwartet hatte, ließ ihn Mazaroff nicht 
zu Ende sprechen. Er legte dem Arzt die Hand ans den 9tm 
und sagte: 
„Sie betrachten das Ganze als einen Scherz, vcrehrtcstcr 
Herr Doktor — so bitte ich Sie also, es nicht weiterzu 
geben. Ein Scherz erhält oft „ein ganz anderes Gesicht, 
sobald er zur allgemeinen Kenntnis gelangt." 
Lord Merchaven^ mochte wohl fürchten, die Königin könne 
sich durch diese seltsamen und ihr unverständlichen Reden 
beleidigt fühlen. Denn er erwähnte die Aiigclcgenhcit mit keiner 
Silbe, sondern ging, über gleichgültige Sachen plaudernd, mit 
der hohen Iran hinaus. Mazaroff folgte ihnen sogleich, und 
nur Varney blieb in dem Zimmer zurück. Er trat rasch au 
die Feiisterbrüstmig und spähte hinaus, iu der richtigen Er 
wartung, daß sich Jessie noch dort bcsiuden würde. 
Er erblickte sie denn auch sogleich und beugte sich 
herab, um möglichst leise sprechen zu können, 
„Das war Hilfe zu rechter Zeit," sagte er. „Wenn die 
Königin nicht in diesem Augenblick gekommen wäre—" 
(Feilsctzunz folgt.)
        
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