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Periodical volume Nr. 101, 30.04.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

durch iic Ferien wieder gesund. Der Doktor der Philo 
sophie hilft wohl gar mit in -der 'Landwirtschaft, der ge 
strenge Lehrer fängt Fische und das feine Fräulein be 
teiligt sich an der Ernte. Die Ferisn wachen Städter zu 
Landleuten, Talbewohner zu Gebirglern und zimperliche 
Mädchen zu Natutkindbrn. Ferien gestatten, einmal ganz 
nach Geschmack zu leben. Und es ist so wunderschön, so 
ganz Mensch sein zu können. Den Hauptreiz hohen Ferien 
aber immer für die empfängliche, vom Freiheitsdrang be 
seelte Jugend. Jung-Dentschland geht auf Wanderschaft. 
Und mit Recht. Es ist besser, Land und Völker aus An-■ 
schaumig kennen zu lernen, als aus schematischen Be 
schreibungen. Nur sollte man dabei die Kenntnis der 
nächsten Umgebung in erster Linie berücksichtigen. Tante, 
Großeltern spielen bei Neffen, Nichten und Enkeln schon 
seit Wochen eine große Rolle. Scharen wandern hinaus 
zürn regelmäßigen, jährlichen Besuch, und neues Leben be 
ginnt in Hof und Feld. Ferien sind eine Zaubcrinacht, 
und nicht bloß irn Märchen, sondern in Wirklichkeit, drum 
srerre sich ihrer Wohltat, wer nur kann! 
o Briefe an Behörden sind, wenn nicht unter Um 
ständen , .unliebsame Verzögerungen eintreten sollen, in der 
Regel 'mit der Aufschrift der Behörde (z. V. an die Königl. ' 
Regierung tu Potsdam, an den Herrn Landrat des Kreises 
Teltoiv in Berliii W, Viktoriastr. 15, an den Herrn Amts 
vorsteher hier, an das Königliche Amtsgericht Bcrlin- 
Schöistberg, an den Gemeindevorstünd hier) utid nicht mit 
der persönlichen Adresse (deü Namen) des Vorstehers zu 
versehen. . Gerade im Hinblick auf die jetzige Reisezeit 
dürfte dieser Hinweis angebracht seitl. Die bei Behörden 
eingehenden, nicht mit persönlicher Adresse versehenen Briefe 
werden an einer Sammclstelle geöffnet und dann unver 
züglich dem nach dem Inhalte in Betracht kommenden 
Dezernenten vorgelegt. Briefe mit persönlicher Adresse ge 
langen uneröffnet an den Empfangsberechtigten. Ist dieser 
dienstlich abwesend — vielleicht ein oder mehrere Tage, — 
so bleibt der Brief bis zu seiner Rückkunft uneröffnet liegen. 
Es ist auch meist nicht angängig, den Brief dein amtlichen 
Stellvertreter zum Oesfneu vorzulegen, weil cs sich ja uttl 
eine Pribatsache handeln kann. Recht umständlich ist die 
Behandlung eines solchen Briefes, wettn der Empfangs 
berechtigte sich auf einer längeren Urlaubsreife befindet. Es 
müssen ihm alsdann die für ihn persönlich bestimmten 
Briefe nachgesandt werden, und es kann vorkommen, daß sic 
erst nach Wochen in seine Hände gelangen. Natürlich ist 
der 'Empfänger dann götvöhnlich nicht in der Lage, das 
Schreiben zü erledigen; 'er sendet das Schriftstück, wenn es 
sich um eitte aintliche Sache handelt, an seinen amtlichen 
Vertreter, der nun erst die erforderlichen Maßnahmen treffen 
kann. Oft stellt sich auch heraus, daß der auf den Brief 
umschlägen angegebene Empfangsberechtigte überhaupt nicht 
der zuständige Dezernent war. Der Behörde erwachsen 
durch ein derartiges Verfahren erhebliche Umstände. Die 
größten Nachteile können aber den Einsendern der Briefe 
durch die Verschleppung ihrer Eingaben entstehen. 
^^Die Elektrisierung der Stadt- und Ringbahn 
wird nun bald in Angriff genommen werden. In der 
preußischen Gesetzsammlung wird das Gesetz veröffentlicht, 
wonach die Staatsregierung cnnächtigt wird, zur Vorbe 
reitung eines elektrischen Betriebes auf den Berliner Stadt-, 
Ring- und Vorortbahnen 25 Millionen Mark zu ver 
wenden. Das Gesetz tritt am Tage seiner Veröffentlichung 
in Kraft. 
o Ist 'der Sommerräuutnngsverkauf ein Saison 
ausverkauf? Der Saison-Ausverkauf ist vom Gesetz inso 
fern bevorzugt, als der Veranstalter das Recht hat, durch 
Nachschasfnngen das Lager zu ergänzen. Es besteht Streit 
darüber, ob der Veranstalter verpflichtet, ist, genau den 
Wortlatlt des Gesetzes „Saison-" oder „Jnücntur-Ausver-i 
kauf" in der Ankündigung zu gebrauchen oder ob cs ge 
stattet ist, gleichbedeutende Ausdrücke zu wählen. Das 
Einigungsamt der Korporation der Kaufmannschaft von 
Berlin in Sachen des unlauteren Wettbewerbs hatte sich 
mit einem Fall zu beschäftigen, in dem die Bezeichnung 
„Sommer-Räumungsausverkauf" gewählt worden war. Das 
Einigungsamt hat ausgesprochen, daß es allen Interessenten 
empfiehlt, sich mit Rücksicht auf die bestehende Streitfrage 
und die sich bei der Zweifelhaftigkeit der Rechtsprechung er 
gebenden Gefahren an das Gesetz zu halten und den Aus 
druck „Saison-" oder „Inventur-Ausverkauf" zu gebrauchen. 
Düs Einigungsümt selbst hat aber keinen Gesetzvcrstoß an 
crschcincn ein Gegenstand besonderer, vielleicht verhängnisvoller 
Aufmerksamkeit wurde. 
Aber wettn cs nach der Meinung des Arztes unter solchen 
Umständen kaum noch eine Möglichkeit gab, der Katastrophe 
vorzubeugen, so 'wär cs vielleicht am besten, dem bluffen das 
Präveülere zu spielen lind ihm daniit die vermeintlich so ivirt- 
same Waffe aus der Hand zu winden. War cs auch ohne 
allen Zweifel ein Betrug, dessen sich Jeisie Harconri schuldig 
gemacht hatte, so ivar cs doch ein Betrug ans den edelsten 
Beweggründen. lind ivie sich die Tinge einmal ent < iekelt 
hatten, war durch ihre Haudlnngsivcise' iticht nur den Inter 
essen Vera Galloivays, sondern auch den Interessen Eng 
lands gedient worden. Und tvenn Lord Merehaven ans 
dem Munde eines unbefangenen und wohlunterrichteten Be 
richterstatters von dem Vorgefallenen in Kenntnis gesetzt 
wtlrde, würde ihm nach Varncys Ueberzeugung schließlich 
kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich ans die Seite des 
klugen, tapferen und vpsermuligcn Mädchens zu stellen, ivie 
groß auch immer im ersten Augenblick sein Erstaunen und 
seine Entrüstung darüber fein mochten, daß seine Nichte sich 
auf unwcibliche Unternehmungen dieser Art hatte einlassen 
könnest. 
Und er beschloß, ans der Stelle mit dem Staatssekretär 
zu reden. Es war nicht leicht, den Staatsmann auf un 
auffällige Weise aus dem ihn umgebenden 5treise hochgestellter 
Persönlichkeiten loszumachen. Aber der Geschicklichkeit des 
Arztes 'war es doch endlich gelungen. 
„Nun, ivas gibt's?" fragte Merehaven, als sie sich nu- 
belauscht glauben konnten. —„Wieder eine Ueberraschimg? — 
Ihr Aussehen, Doktor, läßt mich beinahe daraus schließen. 
Und es scheint ja, als ob in dieser Nacht die ganze At 
mosphäre erfüllt ibäre von diesen angenehmen Dingen. — 
Aber ich bin nachgexgHk nxryp.s. geworden. Es scheint 
doch, daß ich schon zu alt bin kür eine allzu rasche Folge 
genommen; Die Kehrseite des Privikvgiums, daß bei dem 
Saison-AuSverkailf Waren nachgeschäfft werden dürfen be 
stehe darin, daß das Publikum darum wisse, und daß des 
halb ein solcher Ausverkauf nicht so zugkräftig ist wie ein 
anderer Ausverkauf, bei dem das Publikum damit rechne, 
daß endgültig ausverkauft werde. Werde nun anstelle des 
Ausdrucks „Saison- oder Jnventarausvcrkauf" ein anderer 
Ausdruck gewählt, aus dem sich ebenfalls für das Publi 
kum ergebe, daß es sich um einen Ausverkauf handele, bei 
dein nachgeschafft werde, so stehe ein solcher Ausverkauf in 
seiner Zugkraft dem Saison- und Inventurausverkauf völlig 
gleich und es sei kein Grund vorhanden, das Rachschasscn 
zu verbieten. Bei der Veranstaltung eines „Sommer- 
Nänmnngsverkanfs" wisse das Publikum, daß nachge- 
schasft würde. 
o Ein Zurückgehen des Wasserstandes der Grunc- 
waldseen ist nach den letzten Messungen am 1. Juli 
wiederum festgestellt worden. Der Ricmeistersce ist fast 
völlig zugewachsen. Der Wannsee ist auf 29,05 über 
Normal Null zurückgegangen, während er am 17. Juni 
noch 29,21 und am 2. Juni 29,23 über Normal Null 
hatte. Die Krumme Lanke ist von 31,61 ans 31,60 zurück 
gegangen und der Waldsee von 35,17-ans 35,12. Der 
Schlachtenscc weist mit 31,58 den gleichen Wasscrstand wie 
aM 17. Juni ans. ( 
o Deutsches Turnfest in Leipzig. Die Friedenaucr 
Tnrngenossen, die nach Leipzig fahren, treffen sich am 
Sonnabend, dem 12. Juli, Abends 1 / 2 8 Us;r, im Kommers- 
lokal des Kreises 3st „Drei Lilien", Lcipzig-R., Kohlgarten- 
straße 63, wo dann weitere Besprechungen über die Ein 
teilung der Festtage stattfinden. Jeder Friedenaucr Turner, 
der am Festznge teilnimmt, erscheint im Turnaiizuge — 
blaues Jacket, lange weiße Hose und weißen Strohhnt mit 
schivarzem Band. 
v .Konkurseröffnung. Ueber das Vermögen der Ber 
liner Edelputz Ansführungs- und Vcrtriebsgesellschast Jaffö 
». Stephan, Nembrandlstraßc 1—3, ist am 30. Juni 1913, - 
Nachmittags 1 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da sie 
zahlungsunfähig ist. Der Konkursverwalter August Bcltcr 
in Berlin W. 30, Haberlandstr. 3, ist zum Konkursvcr- . 
Walter ernannt. Ksnkursforderungen sind bis zmn 4. August 
1013 bei dem Gericht anzumelden. 
o Vaterländische Fraueuvereinsstiftuugen. Unter 
dem Ehrenpräsidium Ihrer Exzellenz der Frau Reichs 
kanzler von Bethmann-Hollweg hat sich ein Koinitee ge 
bildet, welches zur Unterstützung von vaterländischen Frauen 
vereinsstiftungen in der Provinz Brandenburg mit be 
sonderer Genehmigung Ihrer Majestät der Kaiserin Post 
karten mit Bildern aus der kaiserlichen Familie, patriotische 
Schriften und Gedenktassen nach Möglichkeit zu verbreiten 
beabsichtigt. — Die Postkarten werden n 10 Pf. verkauft. 
Geeignete Rahmen sind zu 30 Pfg. erhältlich. Die Fest 
schrift „Heil Kaiser Dir", von Johannes Keßler, dem ehe 
maligen Erzieher der Kaiserlichen Prinzen, ist außerordentlich , 
empfehlenswert für alle Schichten unseres Volkes. Preis 
des Büchleins 25 Pfg. Die Tassen zu 5 und 1 M. sind 
zu wertvollen geschichtlichen Andenken bestimmt. "Anfragen 
und Bestellungen sind zu richten an das Büro des 
Jnbilänms-Komitecs, Berlin W 35, Am Karlsbad 28. 
o Geschäftsüberuahme. Das Restaurant „Hohen- 
zollern", Handjerystraße 64, ist >n andere Hände über 
gegangen. Der Pächter der „Hohenzollern-Lichtspielc", Herr 
Friedrich Schröder, hat nun auch den Restaiirationsbetrieb 
übernommen. Herr Schröder besitzt reiche Erfahrungen in 
der Gastivirtsbranche, er war lange Jahre in großen 
Berliner Restanrationsbetrieben tätig und wird sich daher 
auch in seinem neuen Lokal bemühen, den Wünschen seiner 
Gäste in jeder Beziehung gerecht zu ivcrden. Vor allein 
ivird er Wert legen ans eine gute Küche und auf beste 
Pflege der Getränke. Wir bitten unsere Leser, die Anzeige 
in heutiger Nummer zu beachten und wünschen Herrn 
Schröder in seinem neuen Unternehmen die besten Erfolge. 
v Evilditorci und Eafö Otto Patzig ist im Hause 
Kaiserallee 131, am Friedrich-Wilhclm-Platz, Ecke Bismarck 
straße, neu eröffnet worden. Das hier schon früher unter 
anderer Leitung betriebene Cafe ist vollständig neu herge 
richtet und zu seinem Besten verändert ivordcn. Helle 
Paneele und hohe Spiegel geben zu der buntfarbigen 
Biederineiertapete einen wirkungsvollen Gegensatz, der den 
Raum uns freundlich und behaglich mach). DaS höher be- 
legene Billardzimmer ist gleichfalls geschmackvoll eingerichtet 
Derartiger angenehmer Emotionen. — Was also haben Sie 
mir zu sagen?" 
„Es tut mir leid, mein Lord, daß ich Sic noch einmal in 
Anspruch nehmen muß. Aber cs handelt sich ja nicht um 
meine eigenen Angelegenheiten, und was ich Ihnen zu sagen 
habe, ist wichtig genug, daß Sic mir noch ein paar Minuten 
.in Ihrem Arbeitszimmer dafür opfern. An keinem anderen 
Orte würden wir zur Genüge gegen unwillkonnnene Lauscher 
gesichert sein." 
Merehaven entschloß sich sichtlich ungern, ihin zu und» 
fahren, aber er kannte den Arzt zur Genüge, um zu wissen, 
daß er ein solches Verlangen geiviß nicht ohne die allcrtristigsie 
Veranlassnng an ihn gcridjtct haben würde. 
„Es ist gut," sagte er. „Ich werde Sic drüben er 
warten. Aber folgen Sie mir, bitte, nicht auf der Stelle, 
und wählen Sie lieber den Weg durch den Garten. Es 
könnte bemerkt ivcrden, daß wir so viel heimlich miteinander 
zu reden haben. Und Sie wissen ja, daß unsere Gegner auch 
aus den geringfügigsten Dingen ihre Schlüsse zu ziehen wissen." 
Varn«) sah ein, daß der Staatssekretär recht habe, und 
er ließ eine kleine Weile verstreichen, che er sich in den 
Garten begab. Er konnte durch das offene Fenster des 
Arbeitszimmers Lord Merehaven an seinem großeil Schreib 
tisch sitzen sehen, mit sorgenvoller Miene über ein Aktenstück 
gebeugt. Eben ivollte' er vom Garten aus eintreten, als ein 
leichtes Geräusch hinter seinem Rücken ihn veranlaßte, sich 
umzuwenden. Eine dunkle weibliche Gestalt trat hinter einer 
Psianzcngr'ltppr hervor; ein schivarzcr Mantel wurde gelüstet, 
und er sah sich Jcssie Harconrt gegenüber. 
„Da bin ich ivieder!" sagte sie atemlos. „Welch ein 
Glück, daß ich Sie hier, draußen treffe und daß ich mit 
Ihnen reden kann, ehe ich genötigt bin, wieder ins Haus zu 
gehen. — Sagen Sie mir, ob man mich inzwischen vermißt 
hat. Und ob während meiner Abwesenheit hier irgend etivas 
Neues-geschehen ilt." 
und mit historischen patriotischen Bildern ans -den Be 
freiungskriegen lind aus dem deutsch-französischen Kriege ge 
schmückt. Jur Anschluß an den Raum für das Cafo be 
findet sich der Raum für die Konditorei, etwas tiefer ge 
legen finden ivir die Arbeitsräume mit der Backstube. 
Alles macht einen freundlichen peinlich-sauberen Eindruck. 
Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die^clektrische Be 
leuchtung aller Räume. Das Cafe wird als solides bürger 
liches Familicn-Cafe von vielen Kreisen unserer Bevölkerung 
sicher gern aufgesucht werden. Es werden außer den üb 
lichen Kaffcchausgetränkcn Helles Bier vom Böhmischen 
Brauhaus, ferner echte Biere, Weine und Liköre erster 
Häuser geführt. Herr Patzig, der sich auch auf gastrono 
mischem Gebiete wiederholt erfolgreich versucht hat, u. a. 
besaß er in Steglitz ein gutes Familien-Restaurant, ist von 
Berns Conditor und war als solcher längere Jahre in 
leitender Stellung bei Hustcr im Englischen Hause tätig. 
Er wird darnach auch in seinem neuen Geschäfte selbst 
tätig in der Backstube mitarbeiten und seine Kundschaft 
bestens zu bedienen trachten. Bestellungen auf Torten, 
Kuchen, Speisen, Eis usw. werden daher prompt ausgeführt; 
Versandt geschieht auch nach außerhalb. Unseren Mit- 
biirgern sei das neue Unternehmen sowohl zum Bezug von 
Feinbackwarcn empfohlen, als wir ihnen auch empfehlen, 
dem Cafe wiederholt einen Besuch abzustatten. (Vcrgl. 
vln^cicjc.) 
o Eine fröhliche Gesellschaft war dieser Tage in den 
Jakob Knoopschen Weinstuben (Inh. Fritz Drvgies) Bahn- 
hofstr. 3 Ecke Wielandstraße versammelt. Ein Verbindung 
ehemaliger Schüler einer auswärtigen höheren Lehranstalt, 
vielfach alte Herren, hatte sich die hübschen, gemütlichen 
Räume der genannten Weinstuben zil einem kleinen Festchen 
ausgewählt. Den Anlaß hierzu gab die höhere Auszeichnung 
öines Mitgliedes der Vereinigung. Mit einem Festessen 
nahm die Feier ihren Anfang. Nach der vorzüglich 
mundenden Krebssuppe ergriff der Präses der Vereinigung 
das Wort, um zunächst des Anlasses der Feier zu gedenken 
und um hiernach auf das Wohl des bctr. Mitgliedes zu 
trinken. Bei zwangloser Unterhaltung und anderen launigen 
Reden wurde das reichhaltige Menu: Schlei in Dill, 
Schnitzel mit gcm. Gemüsen, Gänsebraten mit Gurkensalat 
und Kompott, Eis, Butter und Käse, Früchte, eingenommen. 
Es schmeckte allen vorzüglich und der liebenswürdigen 
Wirtin, die selbst der Küche vorsteht, wurde wiederholt 
allseitig Dank gesagt. Auch dem freundlichen Wirt wurde 
Anerkennung zuteil für die ausgezeichnete Erdbeerbowle. 
Nach dem Essen blieb die frohe Gesellschaft nach lange 
Zeit bei einem Schoppen Wein oder Sekt zusammen. 
o Untergrundbahuhof Rastatter Platz unter Wasser 
gesetzt. Durch Platzen eines Entwässerungsrohres wurde 
der Bahnhof Rastatter Platz der Wilmersdorf-Dahlemer 
Schnellbahn unter Wasser gesetzt. Die Wilmersdorfer Wehr 
wurde zum Auspumpen herbeigerufen. 
o Wieder ein Tottwütfakk. In Weißensce ist ein 
Hund, der dein-ist-der Falkenberger Straße mohnendeit 
Handelsmann Lang gehörte, unter verdächtigen Umständen 
'verendet. Die Untersuchung des Hultdekadavcrs durch Prof? 
Eggeling von der Tierärztlichen Hochschule und durch das 
Institut für Infektionskrankheiten soll ergeben haben, daß das 
Tier tollwütig gewesen und infolge dieser Krankheit verendet 
ist. Da der Hund sowohl vor wie auch während der Er 
krankung stets an der Kette gelegen und auch weder Tiere 
noch Menschen gebissen hat, so dürfte, wie wir hören, von 
einer Verlängerung der Hundesperrc abgesehen werden. 
o Polizeibericht. Als gefunden sind hier angemeldet 
worden: 1 Halskette, 1 Damenuhr. Die rechtmäßigen Eigen 
tümer vorbenaniiter Gegenstände werden aufgefordert, ihre 
Ansprüche binnen drei Monaten im hiesigen Fundbüro, 
Feurigstraße 7, Zimmer 22, geltend zu machen, da sonst 
anderweit über die Fnndgegenstände verfügt wird. 
Auskuufts- und Fürsorgestelle (Kaiscrallee 66), 
für Tuberkulöse: Acrztliche Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 Uhr, 
für Alkoholkranke: Acrztl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
—o Handclsgerichtliche Eintragungen. Nr. 41 188. 
Firma: Restaurant Hans Vages in Berlin-Schönebcrg. In 
haber: Hans Voges, Kaufmann, Berlin-Schöneberg. — Bei 
Nr. 40 836 (offene Handelsgesellschaft Viks II. Geißcnbergcr 
„Nicht bis zu diesem letzten Augenblick. — Unglücklicher 
weise, mein teures Kind, kann ich jetzt nicht einen Augenblick 
verweilen, um Ihnen Rede zu stehen. Tenn es ist dtiiigens 
notwendig, daß ich mit Lord Merehaven rede, ehe dieser 
Mazarofs Gelegenheit gefunden hat, zu ihm zu gelangen. 
Bleiben Sic bitte hier draußen im Garten. Nehmen Sie 
Ihr Tuch über den Kopf, so daß man Ihr Gesicht nicht 
erkennen kann, und stellen Sie sich im Schalten des Hauses 
dicht unter das Fenster des Arbeitszimmers, damit Sie möglichst 
alles hören, was zwischen Lord Merehaven und mir ge 
sprochen wird. Das wirb Ihnen über die letzten Ereignisse 
ebenso vollständige Auskunft geben, als ich sie Ihnen' er 
teilen sonnte, wenn mir die Umstände Zeit dazu ließen. — 
Ah, bei Gott, es ist die höchste Zeit." 
Noch ehe Jessie begriff, was er zu tun vorhatte, eilte er 
auf das Fenster zu und schwang sich mit einem Satz über die 
niedrige Brüstung. Es ivar in der Tat hohe Zeit gewesen, 
denn in dem nämlichen Augenblick sah das junge Mädchen 
von der anderen Seile her den Prinzen Mazarofs in das 
Arbeitszimmer des StaalSselrclärs eintreten. 'Er ivar sehr 
bleich, und in seinen Augen ivar ivieder jenes Flimmern, das' 
Jcssie schon in der Stunde, da sie ihn zum ersten Mal er 
blickte, so abschenlich gesunden halte. 
Er schritt rasch auf Merehävcn zu und legte mit eüstr 
dreisten Berlranlichkeit, die er sich noch vor einer Stunde 
sicherlich nicht erlaubt haben ivürde, die Hand ans stille 
Schulter. 
„Gestatten Sie mir ein paar Worte unter vier Augen, 
mein Lord," sagte er mit einem Klang kaum verhehlten 
Triumphes in der Stimme. „Ich habe Ihnen etwas sehr 
Wichtiges und' — wie ich leider isinzufügen muß — etivas 
für Sie außerordentlich Unangenehmes mitzuteilen." 
folgt.)
        
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