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Periodical volume Nr. 152, 01.07.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

43 000 Einwohnern bevölkert und ziemlich an der Grenze 
seiner Entwicklungsfähigkeit angelangt. 
o Das erste Gold ans den Feldern! Ein wirkliches 
Gold, denn es bedeutet den Reichtum des Landes. Die 
Kornfelder beginnen sich zu färben, jener gelbflimmernde 
Hauch legt sich auf diese, der die nahende Reife ver 
kündet. Die Grannen beginnen im hellen Sonnenlichte zu 
glitzern und wogen im Winde wie ein goldig schimmerndes 
Meer, das seine Schätze für die Menschen bringt. Die 
Sonne ist unermüdlich in ihrer Arbeit und führt stetig aber 
sicher die schwellenden Aehren der Reife entgegen, lieber 
ein Kleines und die Sense wird in den wogenden Aehren- 
wald fallen, der so geheimnisvoll rauscht. Der Landnimm 
wird diese Frucht seiner Mühe und Sorgen einheimsen, 
denn es ist für ihn wirkliches metallnes Gold, das ihm der 
Acker beschert. Vierzehn Tage nach Peter Paul, 20. Juni, 
nimmt man in der Regel die Ernte an! „Peter Purzel 
bricht dem Korn die Wurzel" heißt's ja, die Triebkraft hört 
auf, die Reise kommt, und das stimmt für unsere. korn 
reichen niederen und mittleren Gegenden. 
o Die Witterung im Juli nach den Mondvierteln. 
Neumond den 4. deutet auf Regen. — Erstes Viertel den 
10. verspricht angenehmen Sonnenschein. — Vollmond den 
18. hält abrvechselnde' Witterung. — Letztes Viertel den 
10. lässt anhaltendes, schönes und warmes Wetter erwarten. 
a Potsdamer Handelskammer. In der letzten Voll 
versammlung der Potsdamer Handelskammer, Sitz Verliu, 
wurde ein Oelgeinälde des Kaisers übergehen, das voll den 
3 Präsidenten für den Sitzungssaal gestiftet worden ist. 
Nach einer Ansprache, die, anknüpfend an die Jubiläums 
festlichkeiten dieses Jahres die Verdienste des Kaisers nur 
die Entwickelung von Handel und Industrie feierte, stimmte 
die Versammlung in das von dem Vorsitzenden ausge 
brachte Kaiserhoch ein. Der Verein gegen das Bcstechungs- 
unwesen weist die Handels- und Gewerbetreibenden auf 
dem Wege der Selbsthilfe hin, um die Unsitte von Ve- 
stcchungcn der Angestellten durch Lieferantenfirmen zu be 
kämpfen. Vorgeschlagen wird besonders die Verbreitung 
eines Verpflichtungsscheines, worin die Angestellten und die 
Lieferantenfirmen sich -dein Prinzipal und Besteller gegen 
über zur Zahlung einer Art Vertragsstrafe iu bestimmter 
Höhe verpflichten sollen, wenn doch noch Bestechungen vor 
kommen. Die Kammer beschloß, die Interessenten auf die 
Vorschläge des Vereins hinzuiveiscn. Die Handelskammer 
hat von sämtlichen größeren Orten des Bezirks die Um- 
satzsteuervrdnungen erbeten. Aus den bisher einge 
gangenen 81 Ortsstatuten ergibt sich, daß 16 Orte bereits 
die Besteiung des Zwangskäufers eines Grundstückes von 
der kommunalen Umsatzsteuer vorschreiben. Es wurde be 
schlossen, bei den Verwaltungen der übrigen Orte eine Ab 
änderung der Gemeindeumsatzsteuerordnungen dahin zu be 
antragen, daß von der Erhebung der Uinsatzsteuer abge 
sehen iverde, wenn das Grundstück in der Zwangsver 
steigerung von einem Hypothekengläubiger erworben werde. 
Der Kleiuhandelausschuß hat den Erlaß einer gesetzlichen 
Vorschrift befiirwortet, wonach das Gewähren von Zugaben 
und damit auch das Ankündigen derselben verboten sein 
soll; weiterhin soll diö Gewährung von Barrabatt'bei Bar-' 
Zahlung gestattet sein, wenn sie sich innerhalb der in den 
einzelnen Branchen üblichen Grenzen hält; das Gewähren 
von „wertlosen Kleinigkeiten" als Zugaben soll dagegen 
verboten sein, ebenso die Hingabe und Anpreisung von „ver 
schleierten Zugaben." Der Vorschlag des Kleinhandelaus- 
schusscs wird von einem Mitgliede. das als Detaillist selbst 
dem Kleiuhandclsausschuß angehört, in der Diskussion auf 
das schärfste bekämpft. U. a. wird hervorgehoben, das; das 
Verbot des Zugabeivcsens unter Freilassung der baren 
Rabatte eine schwere Beeinträchtigung des freien Wett 
bewerbs bewirken und dem Detaillisten, der sein Geschäft 
zugkräftiger gestalten wolle, einer neuen polizeilichen Aussicht 
ausliefern werde. Nach längerer Debatte beschloß die 
Kammer, das gesetzliche Verbot des Zugabewesens nicht zu 
befürworten, den Beschluß des Kleinhandelsansschusscs aber 
'gleichwohl zur Kenntnis des Miitisteriuins zu bringen. — 
Ferner wurde beschlossen, die Einsetzung von Sachver 
ständigen als lokale Instanzen zur Kontrolle der Ausver 
käufe und etwaiger Verstöße gegen das Unlanterkeitsgesctz, 
viel zusammen-ebnen fö.iucii, das; sic den anßervrVcnUichen 
Schrill dieses Abends unr unternommen hat, um jemandem, 
der ihrem Herzen sehr nahe steht, einen großen Dienst zu er 
weisen. Und ich meine, das; es keines besonderen Scharf 
sinns bedarf, um zn erraten, das; dieser Jcrnand Ihren Rainen 
führt, Mr. Maxwell! — Ihr Vorhaben stand ohne allen Zweifel 
in irgend welchem Zusammenhang mit dein geheimnisvollen 
Verschwinden d.r wichtigen Papiere, die an die 'Agenten einer 
fremden Macht verlaust worden sein sollen." 
„Glauben Sie das wirklich?" ries Maxwell erregt. — 
„Aber wie wäre das möglich! — Ich selbst weis; ja nichts 
Gewisses von dem Verbleib dieser unseligen Papiere. .Lord 
Merchaven halte sie meiner und Laneings Obhut übergeben. 
Ich übernahm sie zuerst, aber Lancing ersuchte mich später, 
sie- ihm zu überlassen. Und cs wäre geradezu eine tüdli.be 
Beleidigung geivcse», wem: ich mich geweigert hätte, cs zu tun. 
Als ich dann das Extrablatt deS „Merkur" las, war ich :vie 
vom Blitz getroffen. Tenn ich ahnte sogleich den schrecklichen 
Zusammenhang der Geschehnisse." 
„Wie konnten Sie ihn erraten, Mr, Maxwell?" 
„Weil ich schon seit einiger Zeit nicht frei von einem 
gewissen Argwöhn gewesen war. — Freilich halte ich diesen 
Argwohn gewaltmm unterdrückt, weil ich ihn als meiner un 
würdig und als eine ungerechte Ehrenlränkung Laneings 
ansah. Jetzt abrr erscheinen mir alle diese Tinge in einem 
anderen Lichte. Ich iveiß, das; Lancing toll vor Lcideuschast 
war für eine Gräfin Saens, vor der ich von anderer Seite als 
vor einer russischen Spionin gewarnt worden war. Als 
ichs von de». Verschwinden der Papiere Höne, stieg nur nun 
sogleich der Verdacht ans, das; jenes Weib den armen Lancing 
veranlaßt habe, ihr die Dokumente auf kurze Zeit zur Ein 
sicht zn überlassen, denn zn ihrer vollständigen Ansli.fcrnng 
konnte er sich, da sie ja sofort entdeckt melden unchte, unmög- 
lich verstanden haben, Nachher ober hat sie sich dann wahr 
scheinlich geweigert, sie ihin zurückzugeben. Und er sah 
vor der droh-.»den Schniach keine andere Rettung mehr als 
den Weg in den Tod." 
„Ter Artikel im „Merkur'" aber geht in seinen Au» 
schnldigung'n noch weiter. Er deutet an, daß Sic nicht 
außerdem die Schaffung eines Einigungsaintes für den 
Handelskammerbezirk zur Schlichtung von Streitigkeiten über 
Fälle des unlauteren Wettbewerbs. Die Zurück 
weisung von Postscheckzahlungen durch die Eisenbahngüter 
kassen veranlaßte die Kammer hei dev Eisenbahnverwaltung 
die vermehrte Schaffung von Postscheckkonten in ihrem 
Dienstbereich zu beantragen. Die Versammlung nahm von 
der Entscheidung des Rcichspostamts Kenntnis, wonach die 
Ausdehnung der Haftpflicht der Postvcrwaltung für Nach 
nahmebriefe ans den Fall, daß es sich um eingeschriebene 
Sendungen handelt, beschränkt wird. 
o Eine treue Dienerin. Heute ist Frl. Pauline 
Lennicke zwanzig Jahre im Dienst unseres Gememde- 
schösfen des Königl. Lotterieeinnchmers Herrn G. Lichtheim, 
Saarstraße 16. Als Köchin trat sie vor 20 Jahren in den 
Dienst. der Familie Lichtheim. Durch Treue und Fleiß 
verstand sie es, sich schon in den ersten Dienstjahren die 
Zufriedenheit und die Anerkennung ihrer Herrschaft in 
höchstem Maße zn erwerben, sodaß sie gar bald wie als zur 
Familie gehörig betrachtet wurde. Als Frau Lichtheim vor 
mehreren Jahren schwer erkrankte, war sie ihr eine liebevolle 
Pflegerin bis zu dem vor einigen Jahren erfolgten Tode der 
Hausfrau. Sie verblieb darnach auch ferner als Wirt 
schafterin in dem Dienst des Herrn Lichtheim. Wir 
gratulieren der Jubilarin zn ihrem 'heutigen Freudcntage 
und hoffen, daß sie ihrem Dienstherrn auch in Zukunst noch 
viele Jahre treue Dienste leisten möge. 
o Die Trauerseier für Herr» Max Gräbncr findet 
'morgen Mittwoch ! /,4 Uhr in der Kapelle des Krematoriums 
in der Gerichtsstraße 38 und anschließend die Einäscherung 
der sterblichen Ueberreste des Entschlafenen statt. 
o Schöneüerg - Fricdenaner Terrain - Gesellschaft. 
Dem 24. Geschäftsbericht der Schöneberg-Friedenauer Terrain- 
Gesellschaft für 1912-13 entnehmen wir folgendes: Die 
allgemeine Lage -des Baumarktes war während der Berichts 
zeit fast überall trostlos. Die besonders dem Tecrainmarkt 
zugemuteten Lastcu sind derart drückend, daß eine Erholung 
nur sehr langsam vor sich gehen wird. Neben der vollen 
Wirkung der während der letzten Jahre dem Jmmobilieu- 
handel aufgebürdeten Steuern, komrnt in der Berichtszeit 
das vollständige Versagen des Geldmarktes, besonders auf 
dem Gebiete der 2. Hypotheken, hinzu. Die Auslegung 
einzelner Gesetzesbestimmungen durch die höchsten Gerichte, 
und das unlautere AuLmitzen gesetzlicher Bestimmungen, 
welche zum Schutze der Hypothekenschuldner erlassen worden 
sind, haben dazu beigetragen, das Gebaren Einzelner, znm 
Schaden der Gesamtheit, zu verallgemeinern. Wir hoffen 
zuversichtlich, daß es den begründeten Vorstellungen der 
Interessentenkreise und der Vertretungen von Hmidel und 
Gewerbe gelingen wird, den zuständigen Stellen die Ueber 
zeugung beizubringen, daß die solide Terraincrschlicßung nur 
dann zum Stutzen der Allgemeinheit tätig sein kann, wenn 
durch Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen oder durch 
Förderimg der von den Interessentenkreisen betriebenen 
Selbsthilfebestrebungen recht bald die Grundlage geschaffen 
wird, auf der allein eine gesunde Entwicklung möglich ist. 
Bis auf die Begrenzung am Rastatterplatz ist unser gesamtes 
Gelände'"bstÄcif.''' Dem'' Tetrain-Kvtttö' “\tt Blcklitt-Steglitz 
sind die jetzt festgestellten Beträge für Pflasterung usw. zu 
geschrieben worden. Eine Veränderung an Größe hat im 
Berichtsjahre nirgends stattgefunden. Auf Straßen-Anlagc- 
Konto sind die gezahlten Vorschüsse für die Aufschließung in 
Berlin-Lichterfelöc verbucht. Der Banlkredit mußte leider 
weiter in höherem Maße in Anspruch genommen werden; 
es waren u. a. zu leisten: M. 60 000,— weiterer Beitrag 
zur Schnellbahn, M. 40 000.— Borschuß für Aufschließungs 
kosten in Berliu-Lichterfelde, der Rest der Baukosten für 
Fvrststraßc 30 und dann die Verwaltungskosten, wovon 
die Grundwertstenern einen erheblichen Teil beanspruchen. 
Der Gewinn-Vortrag aus 1011/12 beträgt M. 34 207,15, 
die VerwaltungSkostcn 1012/13 betrugen M. 111 702,05, 
der Verlust M. 77 494,00. Der General-Versammlung 
wird vorgeschlagen, diese Al. 77 404,00 dem Rcserverfonds 
zu entnehmen. 
o Astronomisches tiour Juli. Die Sonne tritt den 
23. Juli Nachmittags 1 Uhr in das Zeichen des Löwen. 
Den 4. Juli 6 Uhr Vormittags haben wir Neumond, den 
ohne Anteil s icu an dem verübten Ver nt. Und er berichtet 
von Ihrer Flucht nach Paris. Verzeihen Sie unr die Frage, 
Dir. Maxwell, ob cs Jh-.e -.'ibfidit ist, sich der Untersuchung 
durch eine solche Flucht zu entziehen?" 
„Ter Himmel ist mein Zeuge, daß ich nicht einen Augen 
blick an seiche Eh lofiijfcit gedacht habe. Aber ich trage 
allerdings ganz allein c ie Schuld daran, das; das Gerücht 
-von meiner Flucht entstehen konnte, denn ich habe ocslissentlich 
alles getan, was in meinen Kräften stand, um cs hcrvorzn- 
niicn, Ick, verschwand ans meiner Wohnung-mit der Erklärn:::, 
daß ich plötzlich nach Paris berufen werden sei. Doch ich 
tat es' zn seinem anderen Zweck, als um dadurch freie Bahn 
für die Ausführung eines Planes zu gewinnen, der mir 
als der einzige und letzte Ausweg ans dieser cmsctzlichen 
Wir nis erschien. Seil vier Stunde!', bin ich aus der Fährte 
der Gräfin Saens wie ein Schweißhund. Tenn ich bin ent 
schlossen, ihr die Dokumente miede: abzusagen, cs koste, was 
cs wolle. Ich bin ihr hierher gcsolgr, und ich werde sie 
nicht ans den Augen verlieren, bis sie wieder in ihrer 
Wohnung ist. Dann werde ich mir unter allen Umständen 
Zugang zn ihr zu verschaffe!: wissen, und ich werde selbst 
vor einer Tat der Verzweiflung nicht zurückschrecken, wenn 
es kein anderes Mittel geben sollte, mein: Ehre wieder 
herzustellen." 
Jcssie antwortete ihm nicht sogleich. Sic zog ihr 
Kopftuch wcitcr über das Gesicht, um nicht erkannt zu 
werden, und irat näher an die Glastür, damit sie alle Be 
wegungen der Gräfin Saens übeiwack)!» könne. Tenn sie sah, 
das; die schöne Frau offenbar all ihre verführerische Bered 
samkeit aufbot, uin den Portier ihren Wünschen gefügig zu 
machen. 
„Sic hat das dringende Verlangen, eine hier im Kranken 
hause untergebrachte Patientin zu sprechen," flüsterte Jeffie 
Maxwell zn. „Und ich kann nur ans der Tiefe meines 
Herzens beten, das; der Himmel die Erfüllung ihres Wunsches 
verhindern möge." 
„Eine Patientin?" fragte Maxwell verständnislos. «.Ist 
das etwa auch eine von den Karten in ihrem schändlichen Spiel?" ' 
«Ja — und vielte ehr die nächtigste von allen. — 'Ah. 
18t Juli 7 Uhr Vormittags Vollmond. Während der 
Merkur den Juli hindurch unsichtbar bleibt, ist der Jupiter 
die ganze Nacht hindurch zu sehen. Die Venus als 
Morgenstern nimmt an Sichtbarkeitsdauer bis auf 2 : V 4 
I Stunden zu. Der Mars geht in der 2. Hälfte d. M. 
bereits vor Mitternacht auf. Der Saturn wird in den 
ersten Tagen auf kurze Zeit des Morgens wieder sichtbar. 
o Männer - Turnverein. Heute Abend ist von 
V 2 9 Uhr ab ein geineinsames Turnen der Männer- und 
Altersabteilungen in der Turnhalle der Gemeinde- 
Mädchenschule, Eingang Goßlerstraße, um die gemeinsamen 
Freiübungen für das deutsche Turnfest in Leipzig, das be 
kanntlich am 12.—15. Juli stattfindet, nach Musikbegleitung 
zu üben. Nach dein Turnen findet eine Besprechung über 
das Turnfest, das Zusammenhalten, Treffpunkt, Stand 
quartier in Leipzig u. a. m. in dem Vcreinslokal der 
Altersabteilung Restaurant „Zur Kaisereiche" statt. Das 
Erscheinen sämtlicher Fcstteilnehmer ist dringend erforderlich. 
Etwaige Anmeldungen zum Turnfest sind schleunigst beim 
Hanptschriftivart des Vereins Turngen. Starke, Ringstr. 2 
unter gleichzeitiger Beifügung von 6 M. Fcstbeitrag zu be 
wirken. Am Sonnabend, dem 12. Juli werden 3 Souder- 
züge vom Anhalter Bahnhof nach Leipzig abgelassen werden 
und zwar 8.37, 10.00 Morgens, 2.20 Nachmittags, die 
11.53, 2.50, 6.50 Uhr in Leipzig eintreffen werden. Der 
Fahrpreis für die Hinfahrt beträgt 3.10 M. Tie Be 
sorgung der Fahrkarten geschieht abteilungsweise durch den 
Tgn. Nllnnicke, Stubenranchstr. 71. Im Anschluß an das 
Deutsche Turnfest werden verschiedene Turner der Alters-. 
Abteilung eine etiva 4 tägige Turnfahrt durch das Erz 
gebirge bis nach Karlsbad unternehmen. Turngenossen und 
Turnfreunde des Männer - Turnvereins, die Lust haben, sich 
dieser hochinteressanten Fahrt anzuschließen, werden gebeten, 
sich bei«: Turnivart Nerve, Albestr. 2, zu melden. Die 
Ferien der Altersabteilung müssen leider mit Rüsicht auf 
den Umbau der Gyinuasial-Turnhalle bereits nach dem 
Freitag, dem 4. Juli beginnen. Wo und wann die Einzel- 
nud Musterriegcn-Wetturncr in der letzten Woche vor 
Leipzig noch üben können, wird heute Abend beim gemein 
samen Turnen angesagt werden. — Die Jünglings- 
Abtei lung unternimmt am 2. und 3. August ihre dies 
jährige Nachturnfahrt nach Lindom—Nheinsberg—Alt- 
Nuppin. Jeder Teilnehmer hat bei der Anmeldung, welche 
Mittwochs, Sonnabends und Sonntags auf dem Turnplatz, 
sowie bei den: Turnivart E. Roock, Lauterstr. 3 erfolgen 
kann, 4 M. einzuzahlen. Alles weitere wird auf dem Turn 
platz bekannt gegeben. 
o Vortrag über Stenographie. Wir machen noch 
mals ans den heute Abend 0 Uhr im „Kaiser Wilhelm- 
Garten" stattfindenden Vortrag des Herrn Parlamcnsstcno- 
graphen Höhne über: „Stenographie und ihre Bedeutung 
im Wirtschaftsleben" aufmerksam. (Siehe auch die Anzeige.) 
o Im Biofontheatcr in der Nheinstraffe 14 kommen 
von heute ab wieder drei neue Schlager zur Vorführung, 
ein Beweis, daß die nührige Direktion stets bemüht ist, die 
Besucher ihres ..Etablissements auf, das beste zu'unterhalten. 
Spekulanten ist einer -der beliebten Nordischen Knnstfilms, 
die bisher was Darstellung und Ausmachung anbetrifft, 
unerreicht sind. Zurückerobert heißt ein hervorragendes 
Schauspiel mit äußerst spannender Handlung, von ersten 
Berliner Künstern dargestellt. Als dritter Schlager gesellt 
sich dazu die ulkige Komödie die drei schwarzen Koffer mit 
dem urkomischen dicken Herrn John Bunny in der Haupt 
rolle Uebungen der Pariser Feuerwehr zeigt ein Film und 
läßt die Leistungsfähigkeit dieses Loschkorps erkennen. Die 
Wochenrevue von Pathrr fröres ist wieder sehr abwechslungs 
reich und der schlechte Mieter äußerst ulkig. Die Haus 
kapelle hat ein vollständig neues Kvnzertprogramm mit 
den neuesten Opercttenschlagcrn, die stets lebhaften Beifall 
finden. 
o Zusammenstoß. In der Schloßstraße karn es vor 
dem Hause Nr. 116 Zu einem Zusammenstoß zwischen einem 
Rollwagen und einem Automobil. Ein Wagen des Böttcher- 
rneisters Heil ans Noma wes bog plötzlich auf die linke 
Straßenseite, und ein entgegenkomnrendeS Automobil mit 
der Nummer 2424, in dem die Gattin und der Sohn des 
Kriegsministers saßen, konnte nicht so schnell ausweichen, 
Gott sei ■ Donk, der festster ochärri lei seiner Weigerung. 
— Er hat sich offenbar nur dazu bewegen lassen, nach Amur 
der diensltncndcn 'Aerzte zu senden." 
So schien es in der Tat, denn die Gräfin hatte sich 
mit einer zoruigen'Bewcguug afff 'einer der für die Wartenden 
bestimmten Bänke niedergelassen, während der Pförtner mit 
einem anderen Beamten sprach. Man barte cs ersichtlich nicht 
sehr eilig, dcr eleganten Dame zu Diensten zu sein, denn 
Minute auf Miuiäc verging, ohne das; sich jemand um sie 
gekümmert hätte. Und Jcssie fand unterdessen Zeit genug, 
Maxwell von allem zn nulcrnchlcn, rvas ihm znm vollen 
Verständnis der Sittiauou zu wissen not tat. 
„Es würde ein vergebliches Bemühen sein, der Gräsin 
dir Papiere wieder abzujagen," schloß sie ihren hastigen Be» 
richt, „denn alle Anzeichen sprechen dafür, daß'sie ihr in 
zwischen bereits wieder von jemand anders gestohlen wor 
den sind." 
„Ah, das ist nicht Ihr Ernst. — Wer sollte das getan 
haben? Und auf welche Art hätten Sie in dieser kurzen Zeit 
Kenntnis davon erlangen können?" 
„Meine Annahme beruht ja schließlich nur auf Kam» 
binaliou, aber Sie werden mir zugeben, daß sie trotzdem 
nicht ganz in der Lust schwebt, Die Gräsin Saens befand 
sich heute abend unter deir Gästen des Lord Mcrchavei;. und 
vor einer Stunde oder so herum erschien ihre Kammerzofe in 
großer Aufregung im Hause des Lords, um ihrer Herrin 
zu berichten, daß sie im Boudoir der Gräfin eine weibliche 
Person ertappt habe, als sie eben in: Begriff stand, ein 
Päckchen Papiere aus dem Geheimschrauk zu entwenden» 
:» welchem Madame Saens ihre Kostbarkeiten zu verwahren 
pflegt. Es war dem weiblichen Eindringling augenscheinlich 
einzig um diese Papiere zu tun gewesen. Dein: sie hatte alles 
übrige unberührt gelassen. Und sic war mit ihrer Beule ent 
kommen, :veil die Zofe sich einschüchtern ließ und vor 
Schrecken ohnmächtig wurde . 
„Und Sie glauben, das; cs sich dabei um die Astorischen 
Papiere gehandelt habe? — Wer aber könnte die verwegene 
Diebin geivcscn sein?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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