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Periodical volume Nr. 151, 30.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

der Baudispense betrug 16 (5-1), Zwangsverfügungen erließ 
das Bauaint 20 (12). In unserem Gcineindcgebiet sind 
jetzt nur noch vorhanden 55 Bauparzellen und etiva 100 
Villengrundstücke, im übrigen ist es mit Mietshäusern 
bebaut. ,, • f :V ■ ; 
o Die Gasgescltschaft (Jmperial-Continental-Gas- 
Association) hat den Gasabnehmern in zahlreichen Orten 
ihres Bezirks bei Abnahme von jährlich 1000—30000 und 
mehr Kubikmeter 5—20 Prozent Preisermäßigung gewährt. 
Ausgeschlossen von dieser Vergünstigung sind nur die Gas 
abnehmer von Friedenau und Steglitz. Es ist darum 
hier vielfach die Frage aufgetaucht, warum nicht auch die 
Friedenauer Gasvcrbraucher an diesem Vorteil beteiligt sind. 
Der Grund liegt höchstwahrscheinlich darin, daß in Friedenau 
kein Gaseinheitspreis besteht, sowie au dem noch uner 
ledigten Streitfall unserer Gemeinde mit der Gasgesellschaft 
bzgl. der Meistbegünstigungsklauscl. 
o Gegen, nachbarliche Rücksichtslosigkeiten. Der 
nachfolgende Schriftwechsel, welcher uns von beteiligter Seite 
freundlichst zur Verfügung gestellt wird, dürste für unsere 
Leser von großem Interesse sein. Es geht daraus hrrvor, 
daß jeder in der Lage ist, sich gegen nachbarliche Rücksichts 
losigkeit durch eine Anzeige bei der Polizei zu schützen, 
ohne daß es gerade erforderlich ist, hiervon bei jedem vor 
kommenden Falle Gebrauch zu machen. 
An das LandratSamt Teltow. Auf der ^-Straße hicrfelbst 
werden die Bewohner in ganz maßloser Weise dadurch molestiert, 
daß in verschiedenen Häusern bei geöffneten Fenstern bezsw. 
Türen vielfach auf verschiedene Art musiziert, gesungen und 
slonstiger Lär in verursacht wird. Oft ertönen eine ganze Anzahl 
Klaviere zu gleicher Zeit, es wird in nichts weniger als schöner 
Weise gesungen, auf dem benachbarten Balkon spielt eine Zither, 
und gegenüber und im Ncbenhause sind greuliche Gramophone 
andauernd in Tätigkeit. Es wird aus diese Weise ein Lärm voll 
führt, der cs den übrigen Bewohnern der Straße unmöglich macht, ■ 
bei geöffneten Fenstern zu arbeiten und sich ans dem Balkon auf 
zuhalten. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß hier „in unge- 
bürlicher Weise ruhestörender Lärm verursacht wird", was nach 
tz 360 Nr. 11 NStGA. strafbar ist. Wer musizieren usw. will, 
mag cs im geschlossenen Zimmer tun; er hat kein Recht, keinen 
Anspruch darauf, daß er dadurch andern willkürlich belästigen darf, 
zumal dieses durch Schließen des Fensters vermieden ivcrden kann, 
lind die Polizeiverwaltung hat zweifelsohne die Verpflichtung, die 
Bewohner vor solchem Unfug zu schützen. Unterm . . . habe ich 
mich dicserhalb au die hiesige Polizeibehörde, den Herrn 
AmtSvorsteher gewendet und erhalte unterm . . . den Bescheid, daß 
in dem von mir angezeigten Falle ein öffentliches Interesse nicht 
verletzt sei und der Herr Amtsvorsteher nicht in der Lage sei, 
einzuschreiten. Diese Auffassung ist unhaltbar. Gewiß wird ein 
öffentliches Interesse verletzt, wenn die Bewohner einer ganzen 
Straße in solcher Weise belästigt werden und die Polizeiverwaltung 
darf sich ihrer Verpflichtung nicht entziehen, hier einzugreifen. Sie 
hat sich auch mit sich selbst in Widerspruch gesetzt, indem sie vor 
Kurzem gegen das laute Lärmen der Kinder auf der Straße 
energisch eingeschritten ist. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern hier 
ein llnterschicd gemacht werden kann. Im klebrigen ist die von 
mir erhobene Klage bekanntermaßen eine allgemeine; es wird überall 
über,das rücksichtslose Musizieren bei offenen Fenstern geklagt. Die 
Polizei ist ohne Weiteres in der Lage Abhülfe zu schaffen. Sie 
braucht nur hin und wieder einzugreifen und die Leute auf das 
Unzulässige ihrer Handlungsweise aufmerksam zu niachen beziv. in 
einer öffentlichen Bekanntmachung darauf hinzuweisen. Das Kgl. 
LandratSamt ersuche ich hiernach ergebenst, die hiesige Polizeiver- 
waltzing init entsprechender Weisung.zu versehen. 
Auf diese Beschwerde erfolgte seitens des Landrats- 
nintes unterm 12. d. Mts. folgende Antwort: 
„Auf die Eingabe vom . . . erwidere' ich ergebenst, daß der 
Herr Amtsoorstehcr in Berlin-Friedenau die Polizeibeamten 
allgemein angewiesen hat, aufjedeu ungebührlicher Weise ver 
ursachten ruhestörcndcn Lärm, zu achten und solche Fälle, in 
welchen eine Verwarnung nicht gewünschten Erfolg hat, zur 
Anzeige zu bringen. Im klebrigen stelle ich ergebenst anheim, 
einzelne Fälle, die zu berechtigten Beschwerden Anlaß geben, nach 
Art und Zeit zu bezeichnen, daß die Schuldigen ermittelt und be 
straft werden können." —lc. 
o Max Gräbncr P. Unser Mitbürger Herr Rentner 
Max Gräbuer ist gestern Mittag einem Gehinschlag, der 
ihn vor einigen Tagen unerwartet traf, in seiner Wohnung 
Ringstr. 55 erlegen. Eine tagelange Agonie ging seinem 
Ableben voraus, so daß er sanft und bewußtlos hiniibcr- 
schlummerte. Sein kleben war Mühe und Arbeit gewesen, 
denn trotz eines ivenig widerstandsfähigen Körpers hatte er 
es verstanden, ans kleinen Anfängen zwei große Geschäfte 
in der Friedrichstraße zu Berlin gn gründen, die heute noch 
florieren. Krankheit hatte ihn gezwungen, diese sehr gegen 
seinen Willen zu verkaufen. Er erfreute sich in seiner 
Branche als Kenner kunstoollcndeter Elfenbein- und Schild- 
pattartikel eines hochgeachteten Namens. AIs Privatnmnn 
verstand er es, sich wegen seines allzeit lauteren Charakters 
und nie versagenden aber auch nie verletzenden Humors 
viel.Freunde zu erwerben. Er hat sich in seinen Muße 
stunden auch schriftstellerisch und dichterisch betätigt. Manchen 
Beitrag aus seiner Feder haben unsere Leser mit Interesse 
gelesen. Nun hat ihm der unerbittliche Tod im 56. Lebens 
aus ihrem schönen Gesicht, das den Ausdruck vollkommener 
üiuhc trug; unbefangen plauderte sie mit dem Grafen Gleck 
stem. der ihr ehrfürchtig zu lauschen schien. 
Prinz Boris Mazaross befand sich wirklich bei ihnen. 
Er hielt sich etwas zurück und ichien sich aus die Rolle des 
Zuhörers zu beschränken. 'Außerdem bemerkte Hope Lechinere, 
der, ein ivcuig von den dreien entfernt, in einer Zeitschrift 
blätterte. Er schien sich nicht im mindesten iür die Königin 
und die beiden Nüssen zu N'.tcressiereil; Hope war jedoch 
überzeugt, daß ihm kein Wort von dem entging, was zwischen 
den dreien gesprochen wurde. 
. 'Mit einer tiefen, ehrfurchtsvollen Verbeugung trat er auf 
die Königin zu, die ihm die iteiue Karte aus der Hand nahm. 
Sie überflog sie fluchtig und gab sie sodann dem Kapitän 
zurück. 
„Ich ted.inre, die Dame jetzt nicht empfangen zu können," 
sagte ne und gab ihm durch ein kleines, für jeden anderen 
unverständliches Zeichen zu erkennen, daß sie verstanden habe. 
»Wenn Sie eine Freundin von Ihnen ist, Kapitän Hope, so 
will ich sie morgen vormittag empfangen. Sie mag sich um 
cif Uhr bei meinem Sekretär melden." 
Wieder eine liefe Verbeugung, und Ronald Hope ent- 
fernte si n wieder. Draußen im Garten zerriß er die Karte in 
winzige Stücke, die er in alle Winke verstreute. — 
. Wie Hope vermutet halte, war Lechnure tatsächlich mir 
im Salon, um zn erfahren, weswegen Gleikstein gckommcn 
fei. Der Graf sagte, als der Kapitän gegangen war: 
. >■ „Ich heg: Befürchtungen, daß cs möglicherweise nicht 
ohne Bedeutung bleiben tonne. So geringfügig der Umstand 
an und für sich -auch ist —- u'-.ib so- gleichgültig es uns 
fahre die so gern geführte Feder für immer entwunden. 
An seiner Bahre trauert neben seiner Witwe eine Pachter, 
die an einen Buchdruckereibesitzer in Berlin verheiratet ist. 
o Die Furcht vor der großen Hitzwelle, welche 
gegenwärtig einen großen Teil der Vereinigten Staaten 
Nord-Amerikas überflutet, ist hier ganz unbegründet. Bevor 
sie über den Atlantischen Ozean zu uns herüberkommt, hat 
sie sich mindestens um 15 Grad Celsius abgekühlt. Der 
Golfstrom, welcher aus dem Mexikanischen Meerbusen 
kommend gegenwärtig direkt gegen die pvrtngisische Küste 
strömt und dort wie in Spanien eine große Hitze erzeugt, 
dürste bald wieder seinen Kurs nach Norden nehmen. Bon 
Neuyork wird gekabelt: Im Zentrum und im Westen der 
Bereinigten Staaten, in Chicago, Cincinnati, Cleoeland und 
Toronto wurden 34 Personen vom Hitzschlag getötet. 
Hunderte liegen schwerkrank darnieder. Es ist vorderhand 
keine Abkühlung zu erwarten. Die Ernte ist gefährdet. 
o Der 32. Unterverbandstag der Feuerwehren des 
Kreises Teltow in Britz vereinigte insgesamt 45 Wehren 
mit 380 Mitgliedern. Auch die Friedenauer Wehr war 
vertreten. Die Verhandlungen eröffnete der Vorsitzende, 
Oberbraudmeister Jakob (Teltow), mit einem Kaiserhoch. Er 
teilte mit, daß in der Fencrlöschordnnng wichtige Aenderungen 
bevorstehen. Befördert seien sieben Angehörige der Wehren 
zn Brandmeistern und 26 zu Oberfeucrwchrmännern. 
Sämtlichen Beförderten wurde ein bezügliches Diplom aus 
gehändigt. Die Jahrcsrechnung für 1912 wies Einnahmen 
von 628,67 Al., Ausgaben von 419,70 M. und einen 
Bestand von 108,97 M. auf. In die Prüfungskommission 
wurde der Oberbrandmeister Camphausen als ordentliches 
Mitglied einstimmig wieder-, desgleichen der Oberbrand- 
nreistcr Baltruschat (Grünau) an Stelle des bisherigen Mit 
glieds Dabbert-Lichterfelde, der ivegen Krankheit abgelehnt 
hatte, mit Mehrheit neugemählt und der Oberbrnndmeister 
Staritz (Köpenick) als Vertreter bestimmt. Darauf hielt 
Brandmeister Salomon (Steglitz) einen Vortrag über 
Schornsteinbrände infolge nnvorschristsmäßiger Anlage von 
Feuerstätten. Als Versammlungsort für den nächsten Unter 
verbandstag wurde Mittenwalde bestimmt. 
o Der Ruderverein unseres Realgymnasiums nebst 
Nealschnle feierte am Sonnabend, dem 28. Juni, die Taufe 
seines neuen (2.) Bvvtes, eines Doppelsknllcrs, der auch als 
Riemenzweier zn fahren ist. Nach kurzer Begrüßung der 
zahlreich erschienenen Gäste hielt der Protektor des Vereins, 
Herr Oberlehrer Korge, ans dem Platz vor dem schönen 
Bootshaus am kleinen Wannsee die Taufrede. Brunhild 
ist der Naine des netten.Bootes. Es solle ihn mit Stotz 
auf den Wogen der schönen, waldumkränzten Havelseen 
tragen und ebenso stark und standhaft sein wie seine Helden 
patin, dainit ihm Wind und Wellen und spitziger Stein 
nichts anhaben könnten und cs seine Ruderer sicher trüge 
ans deut schwankenden Element. Mit einem kräftigen Hip, 
hip, hurra! ans den jungen Verein schloß der erste Teil der 
Feier. In zwei Reihen, woran die schön mit Eichenlaub 
und Rosen geschmückte „Brunhild" mit einem anderen 
Doppelskuller, dann drei Vierer, fuhren darauf die Mit 
glieder des Vereins ab nach „Bürgers Hof", wohin die 
Gäste ein Dampfer brachte. Dort fand große Kaffeetafel 
statt, bei der von gütigen Spendern eine ansehnliche Summe 
als Grundstock für einen Samnielsonds zur Anschaffung eines 
3. Bootes gestiftet wurde. Der Abend vereinigte dann noch 
eine größere Anzahl von Freunden ■ des Vereins int 
„Schultheiß" in Wannsee. Möge der Verein auch weiter 
hin in gleich erfreulicher Weise blühen, wachsen und gedeihen! 
o Sommerfest des Vezirksvereins Südwest. Am 
Soimabend, dem 28. Juni, Abends 9 Uhr fand im 
Restaurant Rembrandt das Somnterfest des Bezirksvereins 
„Südwest" statt, das trotz des ungünstigen Wetters "sich 
eines recht guten Besuchs erfreute. Alle Erschienenen wurden 
reich entschädigt durch die glänzenden Darbietungen des 
Abends. Die Kvnzertsängerin Frl. Heumann erfreute durch 
den vollendet schönen Bortrag einer Reihe unserer schönsten 
Lieder. Rühmend hervorgehoben soll nur werden „Frühlings 
fahrt" (Schumann) und „Die Sonne scheint nicht mehr" 
(Brahms). Die Klavierbegleitung lag wieder in den be 
währten Händen des Herrn Musikdirektors Werner, der gc- 
meinsam mit Herrn v. Freeden (Geige) einige Konzertstücke 
von Händel, Liszt n. a. meisterhaft vortrug. Eine ganze 
Reihe von Vortragenden sorgte für Stücke heiteren Inhalts. 
Allen voran zu nennen ist Herr Otto Erich v. Wirssvw, der 
frühere Schriftführer des Vereins, der ein tüchtiges Können 
iit der 'Rezitation Reuterscher Dichtungen auswies. Be 
geisterten Beifall erweckten z. B. die Vorträge ans „Hanne 
Nüte". Auch Dichtungen ernsteren Inhalts, z. B. das 
Melodrama Mozart (Kugler u. Mosenthal) brachte er voll- 
schlicßlich lassen kann, was die Blälwr sagen — bet Dem 
gegenwärtigen Stand der ösfentlichcn Meinung in Astorien 
— Eure Majestät verzeihen — — 
Tie Königin neigte lächelnd das Haupt. 
„Es ist Ihre nächste Pflicht, Herr Gras, den Interessen 
Ihres Landes 'Rechnung zu tragen!" sagte sie liebenswürdig. 
„Ich bin weit davon entfernt, es irgend einem Brenschen zu 
verargen, wenn er dieser Pflicht aus Kosten eines anderen 
Landes nachkommt." 
Gras Gleikstein verneigte sich tief und ehrerbietig. - 
„Die Meinung Elircr Majestät macht mich glücklich. 
Und doch toage ich Eurer Majestät in diesem Falt zn wider 
sprechen. Nichts liegt mir ferner, als irgendwie gegen Astoriens 
Interesse zu handeln. Ich versichere Eurer Biajestät, daß es 
Rußland stets daran gelegen war, diese Interessen zu fördern; 
gewissermaßen laufen sie ;a auch parallel mit denen meines 
Vaterlandes. Ich — ah, Lord Merchavcu!" 
Der Lord begrüßte seine Gäste, das unterbrochene Gespräch 
wurde sodann wieder aufgenommen. 
„Wie gesagt, man darf den Artikeln in den Tageszeitungen 
keinen übertriebenen Wert beimessen. Immerhin bedeuten die 
'Nachrichten über das Privatleben Seiner Majestät des Königs 
Erno eine Gefahr für das Königshaus — wenn man die An 
schauungen in Betracht zieht, die im astorischen Volke hierüber 
herrschen. Und nun dieser Diebstahl — dies Verschwinden wich 
tiger Papiere über ein englisch-astorisches Abkommen * 
Lord Merchavcu erhob mit erstaunter Miene die Hand. 
„Bitte um Verzeihung, wenn ich Sie unterbreche, lieber 
Graf — aber mir ist über einen solchen Diebstahl irichts 
Wh pardon, jawohl, jawohl — habe jcnerr Artikel 
endet zum Ausdruck. In der Reuterrezitation wetteiferte 
mit ihm Herr W. Krüger, dessen Vortrag „De blmne 
Schausterjung" «allgemein entzückte. Fürwahr, es war eine 
so reiche Darbietung bester Leistungen, daß ihnen der größte 
Saal und zahlreichste Publikum zu wünschen gewesen wären. 
Die Damenrede hatte in liebenswürdiger Weise Herr Musik 
direktor Antoni übernommen, der sich dieser schönen Pflicht 
in launigen Worten entledigte. Er fügte dazu noch einige 
vvrtreffliche Vorträge. — Allen, die den Abend so schön ge- 
gestaltet haben, sei der herzlichste Dank ausgesprochen. — 
Der Tanz beschäftigte Jllng und Alt bis in den Morgen 
hinein. • „ , „ . _ „ 
o Josef Kainz-Theater am kleinen Wannsee. Das 
für die Freilichtbühne sich am günstigsten eignende Stuck 
von W v. Goethe „Iphigenie", wird als Premiere am 
Donnerstag, dem 3. Juli (Abfahrt der Dampfer von Station 
Wnnnsce T. Kreisschiffahrt 5 Uhr 10 Min.) in Szene gehen, 
und am Sonnabend, den 5. Juli (für Schulen und Beamte 
ermäßigte Preise) wiederholt. 
o Im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte 
spricht Dir. F. S. Archcnhold am BUttwoch, den: 3. Juli, 
Abends 8'/z Uhr über: Die Entdeckung Amerikas durch 
Christoph Columbus" unter Vorführung des berühmten 
amerikanischen Polyskvpe-Films. Der Film ist von der 
Polyskope-Gesellschaft angefertigt unter Benutzung der drei, 
den Original-Zeichnungen nachgebildeten Schiffen, welche 
von der spanischen Nation 1893 zur Ausstellung der 
400 jährigen Entdeckung Amerikas geschickt worden sind. - Es 
handelt sich hier um einen historischen Film, der die Ent 
deckungsfahrten Colulnbns und seine Landung im neuen 
Erdteile in anschanlichcr Weise vorführt. Mit dem großen 
Fernrohr wird ::ach dem Vortrag der Jupiter beobachtet. 
o Taschendiebe in Warenhäusern. Einer hier bei 
ihrer verheirateten Tochter zu Besuch weilenden Frau 
Deppen aus Köln wurde in einem Warenhause am 
Alerandcrplatz am Freitag die Handtasche gestohlen, indem 
der Dieb den Lederriemen der Tasche einfach abschnitt. 
Neben 270 M. Bargeld wurden auch eine Fahrkarte zweiter 
Klasse itach Köln und einige Kleinigkeiten, welche die Dame 
bereits gekauft hatte, Beute des Diebes. In anderen 
Warenhäusern wurden ebenfalls Portemonnaies und 
Schucksachen den Kundinnen gestohlen. 
Vereins-NackriMen 
Männer-Tnrnvercin Friedenau. ES turnen: 1. Männcr-Abtellung 
(über 18 Jahre) Montag und Donnerstag 8>,',—1V'/, Uhr, Gymna- 
sialturnhalle. — 2. Männer- (Alters-) Abteilung (über 30 Jahre) 
Dienstag und Freitag 8'/,—10'/- Uhr, Gymnasialturnhalle. — 
3. Männcr-Abtcilung Dienstag »n d Freitag 7—9 Uhr Tumhalle des 
Realgymnasiums (Homu thstraße). — Jünglings-Abteilung Mittwoch 
und Sonnabend 8—t0 Uhr, Turnhalle Albesiraße. — 1. Kn aben-Bb- 
teilung 1. Zug Montag und Donnerstag 6'/,—8 Uhr, Turnhalle 
Albcstraße. — 2. Zug Mittwoch und Sonnabena 5'/,—7 Uhr Turn 
halle Atbestraße. — 2. Knabcn-Abteilung Mittwoq und Sonn 
abend 5—7 Uhr, Turnhalle Goßler straße. — Damen-Abteilung (über 
15 Jahre) Dienstag und Freitag ?'/<—9-/. Uhr, Turnhalle Goßlerstraße. 
— 1. Dtädchen-Ablcttung Dienstag und Freirag 6'/,—?>/, Uhr, Tura- 
Halle Goßlerstraße..— 2. Mädchen-Abteilung Dienstag und Freitag 
5’/«— ß V« Uhr, Turnhalle Goßlerstraße. — Aameidungen erfolgen in 
den Turnhallen 
Anskunfts- und Fürsorgestelle (Kaiserallee 06), 
für Tuberkulöse: Aerztlichc Sprechstunden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 Uhr, 
für Alkoholkrauke: Aerztl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
Scböneberg 
— o Der Haus- und Grundbesitzer-Verein zu Schöne 
berg E. V. hat telegraphisch an den Reichstag die nach 
folgende Petition gerichtet: „Wir bitten, nicht realisierten 
Vermögenszurvachs ans städtischem Grundbesitz von der Ver- 
mögenszuwachsstener frei zn lassen. Ein zeitweilig höherer 
Pacht- bezm. Mietertrag begründet noch keine dauernde 
Wert-Erhöhung des Grundstücks und somit auch keinen Ver- 
mögenszuwachs. Die gegenwärtigen Verhältnisse beweisen 
dies auf des deutlichste. Etwaige frühere Rohertragssteige 
rungen werden durch die jetzigen Zinserhöhungen der 
Hypotheken reichlich aufgezehrt. Der Reinertrag und somit 
der Wert der Grundstücke ivird durch sie vermindert. Es 
liegt also kein Vermögenszuwachs vor, solange er nicht 
realisiert, wirklich sicher gestellt ist. Soll der städtische 
Grundbesitz aber trotzdem der Vermögenszuwachssteuer uuter- 
ivorfen werden, so darf cs nur unter Berücksichtigung der 
in der Regel 10 jährigen Hypothekenlaufzeit und der in dieser 
Zeit vom Besitzer erzielten Durchschnittsmieten erfolgen." 
—o In dem Konkursverfahren über das Vermögen des 
Eisenwarenhändlers Viktor Birkholz, alleinigen Inhabers der 
im „Merkur" ebenfalls gelesen. Ich kitte Sie, diesem Ge 
schwätz nicht die mindeste Bedeutung beizumesseu. Noch nach 
sieben Uhr befanden sich die Papiere in meiner Hand — um 
neun Uhr kommt die Abendausgabe des „Merkur" heraus 
— ich bitte Sic, inzwischen soll der Diebstahl ausgeführt 
worden sein, und dieser 'Amerikaner soll ihn entdeckt — soll 
einen Artikel darüber geschrieben haben, der noch in der 
Abendausgabe seines Blattes abgedruckt werden konnte? — 
Das sind Unmöglichkeiten, die die Unwahrheit jener Nachricht 
von selbst erweisen. Ter Herausgeber des „Merkur" wird 
morgen zugeben müssen, daß er getäuscht worden ist. Und 
wenn Sie Seine Majestät den König sprechen könnten " 
-Doch Seine 'Majestät ist, wenn ich recht unterrichtet 
bl», in Paris," sagte Gleikstein mit einem fragenden Blick 
am die Königin. „Es haben sich bereits Gerüchte gebildet, 
daß der König mit der Absicht umginge, abzudanken — ich 
sage ausdrücklich: Gerüchte, denn ich selbst bin natürlich 
überzeugt, daß Seiner Majestät eine solche Absicht sehr fern 
liegt. Das trägt jedoch ebenfalls dazic bei, in Astorien das 
Volk gegen sein Herrscherhaus einzunehmen — es wäre gut, 
wenn Seine Biajestät König Erno dem ausdrücklich ividcr- 
spräche. Deshalb ist cs recht bedauerlich, daß Seine Majestät 
gerade jetzt von London abwesend ist " 
sprach wüst weiter. Zwei Diener hatten die Türen 
des Saales aufgerissen, und der Hausmeister meldete mit 
lauter Stimme, daß cs auch in den anderen Gemächern gehört 
werden mußte: — 
„Seine Majestät der König von Astorien!" 
(vortschufig folgt.)
        
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