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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Don dieser Tour Hutten sich die JungenS besonders viel 
versprochen; sie sollten sich nicht getäuscht haben. Ab- 
wechselungSreiche Bilder zogen an ihren Augen vorüber. 
Nach zweistündiger Wasserfahrt in Potsdam angekommen, 
brachte der Zug die Turnfahrtler wieder nach Friedenau. 
Alle, Teilnehmer, Erwachsene wie Knaben, gingen hoch- 
befriedigt nach Hause. Die schöne Turnfahrt war allen eine 
Erholung, ein Genuss. 
o Krieger- und Landwehrverein. Das Uebungs-und 
Prämienschießen findet morgen Sonntag, dem 29. d. M., 
um 2 Uhr im Schützenhause zu Zehlendorf statt. Gäste sind 
willkommen. 
o Stenographisches. Der hiesige Stenographenverein 
Stolze-Schrey, Vorsitzender Lehrer H. Lüdke, Wiesbadener 
straße 11, veranstaltet am Dienstag, dem 1. Juli, Abends 
9,.Uhr, im Kaiser-Wilhelmgarten, am Lauterplatz, einen 
Vortragsabend. Herr Parlamentsstenograph Höhne wird 
sprechen über ^Stenographie, ihre Verwendung und Be 
deutung im Wirtschaftsleben". Dem Vortragenden stehen 
reiche persönliche Erfahrungen als Berufsstenograph zu Gebote, 
und deshalb ist es mit großer Genugtung zu begrüßen, daß 
es dem Verein gelungen ist, ihn als Vortragenden zu ge 
winnen. Die Ausführungen sollen uns zeigen, wie vielseitig 
die Stenographie verwandt wird und welch große Be 
deutung sie auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens erlangt 
hat. Der Vortragende ist auch als hervorragender Praktikex 
bekannt; war er doch einer der Ersten, denen es gelungen 
ist, mit der Einheitskurzschrift Stolze-Schrey 410 Silben in 
der Minute zu schreiben, die höchste aller bisherigen 
Leistungerl. Zu dem Vortrage sind alle Kreise, die fiir die 
Kurzschrift, Interesse haben, herzlichst eingeladen. 
o Motorbootfahrt nach Hankels Ablage bei Zeuthen. 
Für die am Sonntag, dem 6. Juli cr. von Herrn Willy 
Mandel, Friedenau, Rönnebergstr. 7, veranstaltete II. Gesell 
schaftsfahrt mit dem Motorboot „Wilhelm" nach Hankels- 
Ablage, Restaurant „Seglerschlvß", sind sämtliche 75 Teil 
nehmerkarten verkauft und können weitere Bestellungen nicht 
mehr berücksichtigt werden. Abfahrt pünktlich 9 Uhr vorm, 
von der Michaelbrücke in Berlin, Rückfahrt abends 10 Uhr. 
Wir wünschen allen Teilnehmern recht fröhliche Fahrt und 
gutes Wetter. 
o Das Haus des guten Geschmacks werden die 
„Hohenzollern-Lichtspiele" voin Kinopubliknm genannt. 
Diese Bezeichnung rechtfertigt sich durch die in der Tat sehr 
geschmackvolle Zusammenstellung der Programme. In dieser 
Woche wird wieder ein Welt-Rekord-Programm gezeigt mit 
dem nordischen Kunstfilm „Nemesis" als Hauptschlager. Es 
ist dies ein gewaltiges Artistendrama in 3 Akten aus dem 
Zirkus Ernesto. Der zweite Schlager betitelt sich „Die Ehre 
des Bankiers", Drama in 2 Akten. Indem wir unsere 
Leser aus die heutige Anzeige in dieser Nummer hinweisen, 
machen wir noch besonders auf die ausgezeichnete Haus 
kapelle unter Leitung des Herrn Willy Abicht, genannt der 
Geigenfiirst, aufmerksam. 
o Das „Rheinschloß" unter Zwangsverwaltung. 
Wie wir erfahren, ist den Mietern des „Rheittschlosses" vom 
Zwangsverwaltcr Herrn Willnkr die Mitteilung zugegangen, 
daß sich das Grrmdstück nyter„ZwangSverwallung befindet 
und alle Zahlungen nur noch an den Zwangsverwalter zu 
richten sind. 
o Ein Friedenaner als Lebensretter. Als gestern 
gegen Abend Direktor G. von hier mit seineui Auto am 
sogenannten Kilometerberg auf der Straße zwischen Wannsee 
und Potsdam nach hier fuhr, bemerkte er ein Privat 
automobil, das hin und her pendelte, anscheinend infolge Ver 
sagens der Steuerung. Plötzlich stürzte das Fahrzeug niit 
vier Insassen um. Herr G. eilte mit seinem Chauffeur und 
einem Vertreter der Brandenburger Automobilfabrik, der mit 
ihm fuhr, den Verunglückten zu Hülse. Das umgestürzte 
Auto gehörte einem Herrn Lüttke, welcher durch die Schutz 
scheibe geflogen und schwer verletzt war. Er blutete stark 
und hatte das Bewußtsein verloren. Die anderen Insassen 
des L.'schen Autos, zwei Damen und ein Herr, kamen mit 
leichten Verletzungen davon. Direktor G. nahm den schwer 
atmeten L. in sein Auto und brachte ihn zu einem Arzt in 
Wannsee und von dort nach dem Oberlin-Krankenhause in 
Nowawes. Obgleich die Verletzungen des Verunglückten sehr 
schwerer Natur sind, hofft man ihn am Leben zu erhalten. 
Wäre Herr Direktor G. nicht hilfreich hinzugekoinmen, hätte 
sich L- auf der Unglücksstelle verblutet. 
o Unrichtiges Gewicht. Es sind uns in letzter Zeit 
vielfach Klagen zugegangen, daß in mehreren hiesigen Butter- 
geschästen nicht das volle Gewicht gegeben wird. Vielfach 
fehlen, an-einem halben Pfmrd Butter . 10—12 Gramm, 
dabei ist noch zu berücksichtigen, daß auch das dicke, wasser 
getränkte Papier in das Gewicht eingeschlossen ist, svdaß sich 
das Mindergewicht gut auf 20—25 Gramm stellt. Während 
auf dem Markt die geformten Butterstücke ohne Verpackung 
das volle Gewicht aufweisen müssen, werden also die Käufer 
in Buttergeschäften bei derartigen Handhabungen der Ver 
käuferinnen erheblich geschädigt. Vorgestern hat eine Dame, 
die wiederholt feststellte, daß mehrere Gramm an der Butter 
fehlten, das in einem hiesigen Buttcrgeschüft erhaltene 
Mindergewicht von 11 Gramm polizeilich feststellen lassenj; 
sie ließ die Verkäuferinnen dieses Geschäfts zunächst polizei 
lich warnen, stellte einen Strafantrag noch nicht, ist aber 
gewillt, in Zukunft sofort Strafantrag zu stellen. Es kann 
nur allen Käuferinnen geraten werden, durch Nachwiegen der 
Ware stets festzustellen» ob sie richtiges Gewicht erhalten 
haben. Geschieht dies wiederholt nicht, so kann allerdings 
nur eine Anzeige wegen Betruges Abhilfe schaffen. Jeden 
falls sollte das Publikum bei den ohnehin teuren Lebens 
mittelpreisen überall volles Gewicht verlangen. 
o Soll man sich „satt" trinken? Die Frage, inwie 
weit nian in der bevorstehenden heißen Zeit seinen Durft 
stillen kann, ist zur Vermeidung von Indispositionen von 
aktuellem Jntereffe. Ein ausgewachsener Mensch verliert in 
einer Stunde bei einer Wärme von 24 Grad R. im Schatten 
gegen ein Liter Wasser durch die Ausdünstung. Da der 
Köper aber beständig sein Quantum Massen haben muß, so 
ist es notwendig, den Abgang zu ersetzen, was die Natur 
uns dnrch den Durst anzeigt. Man soll genug trinken, 
aber man soll sich auch vor dem Uebermaß hüten. Trinkt man 
nicht, so ist eine Verdickung des Blutes die Folge, die gefährlich 
werden kann. Vernünftiges Trinken kann als Blutwäsche, als 
Blutreinigung bezeichnet werden. Aber was soll inan trinken? 
Reines Wasser ist das natürlichste Getränk, aber es ist mich 
natürlich, daß alle Menschen eine unleugbare Vorliebe für 
gegorene Getränke haben. Würzt man das Wasser durch 
einige Tropfen Wein, so ist das Gemisch sehr schmackhaft 
und bekömmlich; außerdem soll der Wein Mengen von 
Mikroben töten. Auch ein gutes Glas Bier, nicht zu kalt 
trinken, je lauer die Getränke sind, je besser wird der Durst 
gelöscht, was wohl jeder an sich selbst schon empfunden hat 
und was sich durch die Tatsache erklärt, daß lau genommene 
Getränke viel rascher als kalte in die Lymphe dringen. 
Warmer Kaffee oder Tee sind gute Stiller des Durstes. 
Zuviel zu trinken ist also schädlich, und wenig trinken eben 
falls. Im ersteren Falle wird das Herz überladen, im 
andern „läuft es leer', und dies ist fast gefährlicher als die 
Ueberlastung. 
o Ein Doppclselbstmord mit Hindernissen. In der 
Hauptstr. 114 zu Schöneberg spielte sich gestern der letzte 
Akt eines Liebesdramas ab. Im linken Seitenflügel des 
genannten Hauses wohnte der 35 Jahre alte Apotheker 
Wilhelm Rehfeldt, der sich zuletzt als Agent für Lebens 
versicherungen sein Brot verdiente. Das Geschäft ging aber 
schlecht und die Not kehrte bei ihm ein. Die mit ihm zu 
sammen wohnende Witwe Grimm, welche einige Jahre 
älter mar als. N, führte ihm die Wirtschaft und scheint ein 
Liebesverhältnis mit ihm gehabt zu haben. Vor einigen 
Tagen nahmen sie beide eine Morphiumlösung um gemein 
sam zu'sterben. Nur" die Witwe" erreichte Latz Ziel. R. 
kam wieder zu sich und schoß sich eine Kugel in die Brust 
aber auch dieses Mittel versagte und als der Lebensmüde 
gestern abermals zum Bewußtsein kam, griff er nochmals 
zum Revolver und jagte sich eine Kugel in den Kopf. Der 
Knall der Waffe wurde gehört, die Wohnung gewaltsam 
geöffnet und der dauerhafte Selbstmörder in hoffnungslosem 
Zustande nach dem Auguste-Vikloria-Krankenhause in der 
Rubensstraße gebracht. Die Leiche der vor drei Tagen ver 
storbenen Frau Grimm wurde nach dem Schauhause auf 
dem Kirchhofe in der Maxstraßc gebracht. Aus einem 
vorgefundenen Briefe der G. geht hervor, daß beide ge 
meinsam aus dem Leben zu scheiden beschlossen hatten. 
o Bodeneinbruch. Im Hause Jsoldestr. 6 ist am 
Donnerstag, am hellen Tage, ein Bodeneinbruch ausgeführt 
worden. Drei Koffer wurden geöffnet, doch ist Niemand 
geschädigt worden, da dieDiebe nichts für sie wertvolles fanden. 
Vereins-Nackricklen 
Ter Band Deutscher Militäranwärter hält vom 25. bis 
29. Juni seinen Bundestag in Gera ab. Ter Bund zählte, wie 
wir dem vom 1. Vorsitzenden, Rechnungsrat Pertsch, mündlich 
erstatteten Jahresbericht entnehmen, am I. April d. I. 740 Bereine 
mit 77 942 Mitgliedern und ist jetzt auf rund 80 000 Mitglieder' 
angewachsen. Der Bund verfolgt in jeder Beziehung nationale 
Bestrebungen und sucht die wirtschaftliche Lage der Mitglieder, die 
meist dem mittleren und unteren Beamtenstande angehören, zu 
verbessern. Unter oft schwierigen Verhältnissen hat er sich 18 Jahre 
durchgekämpft. Für die Kommunalbeamten tritt cr für die Durch 
führung der Anrechnung eines Teiles der Militärdienstzeit auf das 
BesoldunaSdicnstaltcr ein. An WohIfahrtSeinrichtungcn hat cr eine 
Sterbekasse, deren Sitz in Viersen ist und der etwa 15 000 Mit 
glieder angehören. Im letzten Jahre sind rund 1200 neue Ver 
sicherungen abgeschlossen worden mit einer Versicherungssumme von 
rund 1 Million Mark. An Unterstützungen hat der Bund im 
letzten Jahre rund 15 500 M. an Mitglieder und deren Hinter 
bliebenen gezahlt. Für rcchtsuchendc Mitglieder besteht eine Rcchts- 
schutzkasse, die im Borjahre rund 0000 M. aufgewandt hat. 
Scböneberg 
— Die Einweihung des Freiherr von Stein-Denkmals, 
das vor dem neuen Rathaus am Rudolph-Wilde-Platz Auf 
stellung findet, soll am 18. Oktober d. Js. erfolgen. Am 
gleichen Tage findet ein großes Jugendspielfest statt, an 
dem sich voraussichtlich sämtliche Schulen, die Jugendvereine 
und Turnvereine beteiligen werden. 
—o Das Eisenbahnregiment Nr. 2 wird am 1. Ok 
tober d. Js. dem bereits vor drei Jahren nach Hanau ver 
legten III. Eisenbahn-Regiment dorthin folgen. Dafür er 
hält Schöneberg im Herbst das neu aufzustellende Stamm- 
bataillon des Eisenbahn-Regiments Nr. 4, welches aus drei 
preußischen und einer mürttembexgischen Kompagnie besteht 
und mit dem ersten Regiment und mit der Betriebsleitung 
die erste Eisenbahnbrigade bilden wird. Die dem II. Re 
giment jetzt angehörenden sächsischen Kompagnien werden 
gegen zwei Kompagnien des ersten Regiments ausgetauscht. 
Nach dem 1. Oktober werden danach in Schöncberg unter 
gebracht sein: die Inspektion der Eisenbahntruppen, der 
Brigadestab der ersten Eisenbahnbrigade, das Eisenbahn- 
Regiment Nr. 1, die Betriebsabteilung und das erste 
Bataillon vom 4. Regiment, ferner die Versuchsabteilung 
der Verkehrstrnppen, die Inspektion des Militär-Luft- und 
Kraftfahrivesens, das Kraflfahrbataillon, die Depotverwalung, 
die Landwehrinspektion Berlin und die Bezirkskommandos 
I bis VI Berlin. Das Kraftfahrbataillon wird voraussicht 
lich später nach Lankwitz verlegt wird. 
—v In dem Konkursverfahren über das Vermögen des 
Kaufmanns Alfred Wegner in Firma Hertz und Weg euer, 
Barbarossastr. 50, ist zur Abnahme der Schlußrechnung 
des Verwalters, zur Erhebung von Eiiuvendungen gegen 
das Schlnßveczeichnis der bei der Verteilung zu berück 
sichtigenden Forderungen sowie znr Anhörung der Gläubiger 
über die Erstattung der Auslagen und die Gewährung einer 
Vergütung an die Mitglieder des Gläubigerausschusses der 
Schlußtermin auf den 15. Juli 1913, Vormittags Uhr, 
bestimmt. 
— o Handelsgerichtliche Eintragung. Bei Nr. 34 515. 
(Offene Handelsgesellschaft Lohleit & Oehlrich in Berlin- 
Schöneberg: Die Gcsellschast ist aufgelöst. Der bisherige 
Gesellschafter Architekt Georg Lohleit ist alleiniger Inhaber. 
Nr. 41 100. Firma Eaul Minde, Eigene Patente in 
Berlin-Schöneberg. Inhaber: Paul Minde, Kanfmann, 
Berlin-Grunewald. 
Berlin und Vororte 
o Wilmersdorf. Die Frage der Errichtung einer 
Badeanstalt beschäftigte die gestrige Sitzung der Stadt 
verordneten. Es wurde 'nach eingehender Aussprache ^ die 
'Einsetzung einer gemischten Deputation"vdst 15 Mitgliedern 
beschlossen. Als Spielplatz fiir die Jugend wurde eine 
13 009 fjin große Fläche an der Kaiserallee und Meierottv- 
straße auf dem Gelände des früheren Joachimsthalschen 
Gymnasiums bestimmt. 
«SS*'' Die Firma Hermann Herz selb, Charlottcnburg, 
Wilmersdorserstraße 55 50, beginnt am Sonnabend, dem 28. Juni, 
mit den berühmten 95 Pfg.-Tagen, welche stets von jeder Hausfrau 
freudig begrüßt ivcrden, weil sie wirklich gut und billig ihren 
Bedarf decken kann. Diescsmnl sind die 95 Pfg.-Tage noch um so 
bedeutender, da sie dazu angetan sind, nicht allein die Hausfrauen, 
sondern jedem einzelnen Gutes zu bieten. Wir stehen jetzt vor den 
Schulferien, somit auch vor den Badereisen und gibt das Waren 
haus jedem einzelnen Gelegenheit, den Bedarf in sämtlichen Sachen, 
welche zur Badereise unbedingt nötig sind, sehr gut und außer 
ordentlich billig zu decken. 
Tierarzt K6hn 
Handjerystr. 72 
tÄ. Pffalzburg 3268. 
Wetteraussichten. 
Sonntag: Meist heiter, etlvas wärmer, südwestliche 
Winde, später bewölkt mit leichten Regenfällen. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Marttniu«, Friedenau. 
> Hierzu eine Beilage.. 
cSchuInhaU.5 größten Stfilä 
Taucntzicn-StrosselO Oranicn-Slrasse 34 
König-StraSse 34 Moabit. Turmstr. 50 
Leipziger Strasse 65 Friedenau, Rheinst. 14 
Oianien^Strasse 47a Neukölln, 5crgstu7>Ä 
M ulle fcsiiUd s.s Cii* 
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billige I ( 
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