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Periodical volume Nr. 150, 29.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Wie mm die Schule sich die Aufgabe gestellt hat, mich 
die Allgemeinbildung des Schülers zu fördern, so erstrebt 
sie die Erlangung dieses Zieles in enger Verbindung mit 
dem Unterricht in der Technik durch die Besichtigung 
kommerzieller und industrieller Werke. Durch den Einblick 
des Schülers in die verschiedensten Unternehmungen 
industrieller und kommerzieller Art wird ihm ein größeres 
Verständnis in der Beurteilung der Notwendigkeit und Be 
deutung dieser Werke beigebracht, ein Wissen, das ihn von 
dem Vorurteil der einseitigen Vorbildung der Beamten 
befreit, und das ihn in allen Lebenslagen und auf allen 
Gebieten wirtschaftlichen Könnens und Strebens seinen 
Mann stellen läßt. So wird der Schüler durch eine 
praktische und theoretische Vorbildung zum objektiv denkenden 
Menschen erzogen, der in der Lage ist, bei Lösung seiner 
späteren Verwaltungsausgaben die zulässige Berücksichtigung 
der Billigkeit, Zweckmäßigkeit und des öffentlichen Interesses 
in genügendem Maße wahrzunehmen und so fördernd zu 
wirken zum Wohle des Staates und der Allgemeinheit. 
(Aus dem 3. Bericht der städtischen Beamtenschule in 
Düsseldorf.) 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ueber den Personen- nnd Güterverkehr auf den 
Friedenaller Bahnhöfen enthält der letzte Jahresbericht 
der Potsdamer Handelskammer folgende Angaben: Es 
wurden im Jahre 1912 auf dem Wannseebahnhof 
Friedenau 1 747 531 Fahrkarten verkauft. An Wagen 
ladungen tvurden empfangen 96 263 To., versandt 
30 579 To., an Dienstgut empfangen 487 To., versandt 
2762 To. Auf dem Ringbahnhof Wilmersdorf- 
Friedenau wurden 2 138 169 Fahrkarten verkauft. Für 
Stiickgut, einschließlich Eil- nnd Expreßgut, betrug der 
Empfang 9833 To., der Versand 7739 To., für Wagen 
ladungen der Empfang 510 835 To., der Versand 40 323 
Tonnen, für Dienstgut der Empfang 6303 To., der Versand 
1651 To. Großvieh kamen an 793 Stück, ausgeführt wurden 
7 Stück, Kleinvieh, Empfang 470 Stück, Versand 7 Stück. 
o Ordensverleihungen. Dem Geheimen Regiernngs- 
rat, Kapitän zur See a. D. Mandt, Bismarckstr. 2, wurde 
der Rote Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen. — 
Dem hier Ringstr. 20 wohnhaften Geheimen Rechnungsrat 
im Reichsmarineamt Herrn Otto ist der Rote Adlerorden 
3. Klasse verliehen worden. 
o Zur Frage der Hypothekenbeschaffung. In Neu 
kölln ist die Hypothekenanstalt fiir zweite Hypotheken nun 
eröffnet worden. Der Bezirksausschuß hat die Satzungen 
und die Ausnahme einer Anleihe von 5 Millionen Mark 
genehmigt. Bedingung ist nur, daß die zweitstellige Hypothek 
sich zwischen 50 und 80 Prozent bewegt und in keinem 
Falle über diese Höchstgrenze hinausgeht. 
o Ueber schlechten Geschäftsgang klagen die hiesigen 
Geschäftsleute — namentlich die der Rahrungsmittelbranche — 
iin letzten Jahresbericht der Potsdamer Handelskammer. 
Es heißt dort unter Friedenau: „Recht sehr wurde eine 
Schwächung der Geschäfte bemerkt durch die Errichtung einer 
2. Geschäftsstelle des Beamten-Wirtschafls-Vercins in unserem 
Orte. Es ist heute soweit im Lebensmittelhandel, daß, um 
ein Beispiel zu zeigen, bei einem Umsätze von etwa 40000 
Mark nur noch 1500—1600 M. zu verdienen sind, der 
Verdienst läßt von Jahr zu Jahr nach, während die Ab 
gaben steigen." 
o Das schnelle Fahren der Automobile in den Haupt 
straßenzügen unseres Ortes hat schon verschiedentlich Anlaß 
zu Klagen gegeben, zumal damit eine Gefährdung nnd Be 
lästigung des Fußgängerverkehrs, insbesondere auch der 
Kinder, gebracht wird; besonders die Geschüftswagen ver 
schiedener Berliner Firmen zeichnen sich außerordentlich 
hierin au§. Nachdem für unsere Ortsstraßen bereits eine 
beschränkte Schnelligkeit (15 Um) im Automobilverkehr an 
geordnet ist. empfiehlt sich eine schärfere polizeiliche Kontrolle. 
v Neiselegitimation mitzunehmen kann nicht dringend 
genug empfohlen werden. Aber woher nehmen und nicht 
stehlen? ist für viele eine wichtige Frage. Man kriegt die 
Sache „dicke", (wie der Berliner sagt) wenn die Beschaffung 
einer Legitimation mit soviel unnützen, bürokratischen 
anderes versucht sich zu va.Mi. Das t.it er ater nicht, sond rn 
kehrte in den Klub zurück, uni sieh das Leben zn nehmen. 
Wie gesagt aber war Lancing ein Mann von großer »rast 
nnd auch nicht gerade der Zahmste. Hätte er eine» Mann 
zum Gegner gehabt, er hätte ihn sicherlich niedergeschlagen, 
wenn er ihm die Herausgabe der Papiere verweigcrle. Ter 
arme Lancing aber stand einer Frau gegenüber — das band 
ihm die Hände. An ihr durfte er sich nach den Gesetzen der 
Ehre, in denen er von Jugend ans erzogen, niemals ver 
greifen — sie konnte er nicht init Gewalt zwingen, ihm die 
Dokumente wieder auszuliefern. Sicherlich hatte er noch eine 
klntcrrednng mit der Frau — und sie lackte ihn ans. Er 
konnte sie nicht anzeigen, ohne sich selbst ans Messer zn 
liefern, und das wußte seine Gegnerin gut genug. Sie wies 
ihm die Tür — deshalb ging Lancing hin, sich eine Kugel 
durch den Kopf zn schießen. Ich meine, das ist llar genug." 
Er konnte cs leicht genug von den Gesichtern der an 
deren lesen, daß sie überzeugt waren. Lord Mcrchaven sagte: 
„Es klingt ja beinahe, wie wenn Sic auch in der Lage 
wären, uns den Namen der Empfängerin der Papiere zu 
nennen?" 
Varncy nickte zustimmend. 
„In der Tat — ich bin. auch dazu in der Lage," sagte 
er. „Sie erinnern sich ivohl, was sich vorhin in der Halle 
zugetragen. D c Zofe der Gräfin Saens teilte ihrer Herrin 
mit, daß bei ihr eingebrochen worden sei. Merkwürdigerweise 
hat der Dieb oder vickn'.ehr die Diebin nur Papiere gestohlen, 
und die ganze 'Art und Weise, in der der Einbruch verübt 
wurde, läßt deutlich erkennen, baß es von vornherein nur ans 
diese Papiere abgesehen lvar. Ich überlasse es Ihren, zn 
beurteilen, lvelchcr Art die gestohlenen Dokumente waren." 
Ta ergriff Lechmere das Wort. 
„Es ist ganz unzweifelhaft, daß Sie in allem das Rechte 
getroffen haben, Herr Dvkior! — Ich werde mir erlandc», 
Ihre Darlegungen zu ergänzen. Wie ich Ihnen' bereits sag:e. 
speiste die Gräfin Saens mit Hunt znsamnnn im Carlton 
Hotel. WeLtoege» ivohl trafen 4 ie bcid-n so ipät »o» zn< 
-men, lind weswegen mußten sie in einem Ertrazinuner 
Umständen verknüpft ist. wie z. B. bei dem Gemeindeamt 
in Friedenau. Die Gattin eines hiesigen Geschäftsmannes 
muß schleunigst in einem Schweizer Sanitorium einen mehr- 
monatlichen Aufenthalt nehmen und wollte zn mehrerer 
Sicherheit eine Reiselegitimation mitnehmen, schon weil sie 
krank ist nnd allein' fahren mußte. Ans unserem Ein 
wohnermeldeamt nahm zunächst der Vorsteher ein weit 
läufiges Protokoll ans: Es erschien heute usw. Dann bekam 
der Kaufmann den Bescheid, daß er den Reisepaß in etwa 
3 Wochen (sage und schreibe drei Wochen) vom Landratsamt 
gegen Bezahlung von 3 Mark abholen könne. Die Kranke 
mußte aber schon am nächsten Tage abreisen. Fahrkarte war 
gelöst. Unter Darlegung der vorliegenden Verhältnisse bat 
der Nachsuchende, die Sache doch so zu beschleunigen, daß 
die Legitimation von der Reisenden mitgenommen werden 
konnte. Es war zu machen. Was nutzte nun wohl die 
Legitimation, wenn die Reise schon vorher hätte gemacht werden 
müssen. In solchen und allen ähnlichen Fällen gibt es ein 
viel einfacheres Mittel, eine Reiselcgitimation zu bekommen. 
Man geht auf sein Postamt, wo man, wenn nicht bekannt,' 
sich legitimiert, und erhält unverzüglich eine überall aner 
kannte amtliche Postausweiskarte und die kostet — 50 Pfg. 
o Veterancnspcnde in Friedenau. Es wird uns ge 
schrieben: „Da die aus Anlaß des Kaiserjubiläums weithin 
im Lande und auch in den umliegenden Ortschaften ge- 
stifteten Spenden für nicht versorgungsberechtigte Kriegs 
teilnehmer von den hiesigen Gemeindekörperschasten auch 
leider bis jetzt noch nicht zur Auszahlung gekommen sind, 
hat sich nunmehr die seit Jahr und Tag hier in großem 
Segen wirkende und von zahlreichen Mitbürgern unterstützte 
Fürsorge-Vereinigung patriotischer Frauen und Männer 
Friedenaus für hilfsbedürftige Kriegsveteranen entschlossen, 
für diese alten Vaterlandsverteidiger einzutreten. Man 
wollte dadurch ihnen, die im Kampf gegen den äußeren 
Feind sich tapfer nnd brav geschlagen haben, jetzt das 
bittere Gefühl der Zurücksetzung gegenüber ihren reichlich be 
dachten Kameraden in den Rachbargemeindcn ersparen und 
sie nicht leer ausgehen lassen. So hat denn gestern Abend 
der Vorsitzende dieser Fürsorgevereinigung, Herr General 
Imme, in einer Vorstandssitzung 27 alten Kriegskameraden, 
anstatt vvn der hiesigen Gemeinde, ans der Kasse obiger 
Vereinigung die beschlossene Kaiserspende auszahlen lassen". 
— Wir freuen uns, daß die hiesigen Kriegsteilnehmer nun 
ebenfalls eine Jnbilünmsspende erhalten haben, möchten 
hierzu aber, um keine falsche Meinung über unsere Ge 
meindeverwaltung aufkommen zn lassen, mitteilen, daß 
unsere Gemeinde bereits seit dem Vorjahre den allen hilfsbe 
dürftigen Kriegern laufend eine jährliche Unterstützung von 
20 M. zahlt, was bisher in vielen anderen Orten noch 
nicht geschieht. 
v Eine grosse holländische Gartcnankage wird in 
der nächsten Zeit in den königlichen Parks in Potsdam ge 
schaffen werden. Bekanntlich hat die Königin Wilhelmine 
von Holland dem Kaiser zu seinem Regierungsjubiläum 
wertvolle Blumen geschenkt, die nun in den Potsdamer 
Parks Platz finden sollen. Welcher der Parks für diese 
neue Anlage gewählt wird, steht noch nicht fest. Einige 
holländische Blumenzüchter und Gartenbaukünstler sind be 
reits auf dem Wege nach Potsdam, um dort die ein-' 
schlägigen Verhältnisse zu studieren. 
o Der Gesamtverkehr auf dem Teltowkanal. 
Während der Zeit vom 1. Januar 1912 bis 31. Dezember 
1912 wurden im Durchgangsverkehr insgesamt an 661 814 
Tonnen Güter (310 795 Tonnen mehr als im Vorjahr) be 
fördert. Auf den Verkehr in der Richtung Havel-Spree ent 
fielen 274 099 Tonnen und auf die Richtung Spree-Havel 
387 715 Tonnen (109 318 bezw. 201 477 Tonnen mehr). 
An beladenen Schiffen passierten den Teltowkanal im 
Durchgangsverkehr 2084 (1646) und an leeren 1261 (940). 
Im Ortsverkehr belief sich die Zahl der beladenen Schiffe 
im Jahre 1912 auf 2892 für den Eingang, 755 für den 
Ausgang. Befördert wurden im ganzen 786 379 Tonnen. 
o Ein seltenes Naturschauspiel, so wird aus Dahlem 
geschrieben, bietet sich augenblicklich dem Beschauer am alten 
Dvrskrug in Dahlem. Dort steht ein kerngesunder Kirsch 
baum, der kerngesunde Früchte trägt, jetzt aber gleichzeitig 
mit den Früchten auf der einen, auf der anderen Seite 
Blüten hat und nun einen ganz eigentümlichen Eindruck 
soupieren? — Jedemalls wol», weil die Gräfin dem Ameri 
kaner etwas Wichtiges iiiiizittcilen hatte, das nickn für fremde 
Ohren geeignet ivar. llnzw ifelhasl machte sie ihm von dem 
Diebstahl nnd davon Mitteilung, daß unter diesen Umständen 
eine Vcrösscittlinning des Inhalts dnr Papiere unmöglich ge 
worden iei. Ganz nnziveiielhasc gab Lnnci >g der Gräfin Saens 
die Papiere. — Sie scheinen noch immer Zweifel daran zu 
hegen, wein Lord; das ist bcgicislich, da Sic die wahre 
Natur dieser schönen nnd gefährlichen Fra» nicht kennen. Sic 
ist in Wirklickleit nicht mehr und nicht weniger als eine 
russische Spionin nnd eine verwegene Abentenrerin. Auch 
dafür kann ich Beivcise beibringen, untrügliche nnd nn- 
widerlcglichc Beivcise. Wenn cs möglich wäre, daß ich den 
König von Asioricn einen Augenblick sprechen konnte " 
„Sie stillen ihn spreche», ehe eine halbe Stunde ver 
ronnen ist!" sagte Parney. „Bteiden Sie hier, dis ich zu 
rückkomme; und Sie, Hope, achten Sie ans Mazaroff und 
tragen Sie dafür Sorge, daß er das Hans nicht verläßt!" 
20. Kapitel. 
Jcssie hatte, als sie gegangen ivar, dem Doktor Varncy 
e nen Schlichet zn de», Zimmer gegeben, darin der König lag. 
Tec Arzt legal, sich nun ohne Verzug hinaus. 
König Erno lag anscheinend noch immer schlafend, ans 
der Chaiselongue. Doktor Varncy »nlcrsnchle ihn flüchtig 
und flößte ihm etwas von der Medizin ein, die der Kranke 
schon vorher erhalten hilte. Dann rüttelte er ihn heftig 
an den Schultern nnd suchte ihn durch laute Zurnie zn er- 
mnntern: endlich schlug der König die Angen ans. richtete sich 
z , siacnder Sicllnng empor und sah dem'Arzt ir.it verständ 
nislosem Blick ins Gesicht. 
„Wo bin ick?" fragte er. „Nnd wer hat mich entkleidet?" 
-Tic 'Annoort wurde in durchaus nicht nnterwürsigem Ton 
gegeben. 
„Sie befinden sich in Lord Merehavcns Haus! — Ich 
hoffe. Sie haben Ihre Sinne nun gcnngsam in der Gewalt, 
um mich zn erkennen." 
Ter Kenia schien über die anmaßende Sprache eines 
macht. Wahrscheinlich ist diese Doppelsinnigkeit auf den 
scharfen FrühjahrSfrvst zurückzuführen, durch den eine Halste 
der Blüten, damals fast erfroren, zu dem verspäteten Er- 
scheinen genötigt wurde. Ein Wunder \]t es nur,, daß die 
damals zurückgebliebene Blüte überhaupt noch gediehen ist. 
o Haudelsgcrichtliche Eintragung. Bei Nr. 8771. 
Wilmersdorf, Wflhelmsaue 10, GrnndstüSsverwcrlnngsge- 
scllschaft mit beschränkter Haftung: Durch den Beschluß vom 
18. Juni 1913 ist der Sitz der Gesellschaft nach Bcrlm- 
Fricdenau verlegt. 
o Die Gefährlichkeit der Insektenstiche, denen man 
mit Eintritt der wärmeren Jahreszeit wieder ausgesetzt ist, 
scheint noch immer nicht genügend bekannt zu sein. Die 
Insekten, die sich auf unsere Haut setzen, nähren sich nicht 
nur von den Säften lebender, sondern auch toter Tiere, 
saugen also gelegentlich sogenanntes Leichengift. Durch die 
Insektenstiche kann derartiges Gift auf den Menschen über 
tragen und Blutvergiftung erzeugt werden, die oft den Tod 
zur Folge hat. Da hilft nun am besten Salmiakgeist, den 
man sofort in die Wunde reibt. Es empfiehlt sich daher, 
. auf Spaziergängen stets ein Fläschchen Salmiakgeist bei sich 
zu tragen. 
o Billige Ferien - Dampferfahrten. Die Teltower 
Kreisschisfahrt veranstaltet vvln 1. Juli bis einschließlich 
10. August an den Wochentagen bei günstigem Wetter 
billige Dampferfahrten, und zwar jeden Montag und 
Freitag nach Ferch, jeden Dienstag und Donnerstag nach 
Baumgartenbrück, jeden Mittwoch und Sonnabend nach 
Crampnitz. Fahrpreis hin und zurück 80 Pfg., Kinder 
40 Pfg. Ferner jeden Montag und Donnerstag nach Kohl 
hasenbrück, jeden Dienstag nach Moorlake, jeden Mittwoch 
und Freitag nach Bürgerhof, jeden Sonnabend nach Schloß 
Wannsee mit Rundfahrten an Schloß Babelsberg und 
Pfaueninsel. Fahrpreis hin und zurück 55 Pfg., Kinder 
30 Pfg. Rach der Oberspree finden Fahrten statt jeden 
Montag und Donnerstag nach Schmetterlingshorst, jeden 
Dienstag und Freitag nach Prinzengarten am Müggelsee, 
jeden Mittwoch und Sonnabend nach Wendenschloß. Fahr 
preis hin und zurück 55 Pfg., Kinder 30 Pfg. Näheres 
ersehen unsere Leser aus der Anzeige in vorliegender Nummer. 
o Turnfahrt der I. Knabeuabteilung des Friedenauer 
Männer-Turnvereins am 22. d. M. Treffpunkt Wanusee- 
bahnhof 0>/z Uhr Morgens Erschienen waren 23 Knaben 
mit ihren beiden Turnwarten, ferner 2 Zöglinge und — 
5 Väter, die ihre Jungens begleiteten, um auch einmal mit 
der Jugend hinanszuwandern in Gottes freie Natur. Es 
rvurde mit dem Zuge bis Potsdam gefahren, von hier ging 
es zu Fuß durch die Stadt, dann immer der Havel entlang 
bis nach Templin. Hier wurde Rast gemacht und ge 
frühstückt, dann weiter gewandert bis nach dem Schifferdorfe 
Kaputh, das sich lang am Ufer der Havel bis zum 
Schwielowsee (2 Kilometer) hinzieht. Der Weg führte nun 
in der Richtung auf die beiden Mühlen zu nach den nahen 
Krähenbergen. Von diesen, zwischen dem schilfigen Kaputher 
See und dein mächtigen Schwielowsee gelegen, gewinnt 
man über Kaputh mit seinen zahlreichen Obstgärten, über 
die Havel und den Schwielowsee einen prächtigen Ueberblick. 
Besonders die Obstgärten hatten es unsern Knaben angetan. 
Wohl mancher' Jitnge hät beim ^Bmbeigehen 
süchtiges Verlangen gefühlt, ob all der vielen Erdbeeren, 
Himbeeren, Kirschen usw., die ihm mit ihren roten Wangen 
so lieblich anblinzelten. Bei all dem Sehnen aber begann 
der Magen zu knurren. An einer besonders günstigen 
Stelle am Kaputher See wurde abgekocht. Zur Abwechselung 
wurde diesmal Reis gekocht und mit den nötigen Zutaten 
verteilt, dann gab es Apfelmus und zuletzt noch Kaffee, 
was allen vorzüglich mundete. Rach 3 ständiger Mittags 
pause Weitermarsch nach Ferch. Wurden vorhin haupt 
sächlich die Wege zum Wandern benutzt, so ging es jetzt 
immer geradeaus durch den Wald bis an den großen 
Lienewitz-See. Unterwegs konnte man noch die Kletter- 
künste eines Eichhörnchens bewundern. An dem reizenden 
ganz mit Bäumen umgebenen See wurde kurze Rast 
gemacht, um dies herrliche Stückchen Natur auch voll und 
ganz zu genießen. Nun ging es dem Endziel Ferch zu, 
wo sämtliche Teilnehmer in bester Verfassung und frohem 
Humor nach flottem Atarsch ankamen. Nach halbstündigem 
Aufenthalt Rückfahrt mit dem Dampfer nach Potsdam. 
Mannes, der 'doch nach J'e'onri und Rang weit unter ikiin 
stand, durchaus nicht erzürnt. Er nickte nur gleichgütiig 
als Antwort auf die letzte st rage des Arztes. 
„Ja. ich erkenne S.e, Doktor Varncy. Ader ivas heißt 
das: Sie hosten, daß ick, meine Sinne nunmehr genug in 
der Gewalt hätte? — War ich denn bewußtlos? Und ivas 
ist überhaupt mit mir geschehen? Ich begreife nicht, ivic ich 
hierher komme." 
„Sie, wurden in einem Zustand völliger Trunkenheit 
hergeschafft," sagte Varncy kühl. „Zinn Glück für Asioricn 
brachte die Königin in Erfahrung, daß man Sic in einen 
berüchtigten Spietsalon geschleisl hatte. Wer Sie entkleidet 
hat, weiß ich nicht, nnd es ist auch ganz nebensächlich. 
Jedensalls müsse» Sie jetzt hinunter, um sich Leu Gästen 
des Lords — er gibt ein Jett — zn zeigen." 
König Er iw zuckle die 'Achseln. 
»Wollen Sic mir gefälligst sagen, wie ich das ansangen 
soll? — Sie werden nicht gut von mir verlangen können, 
daß ich^ mich in diesem Kostüm sehen lasse." 
„Das lassen Sic meine Sorge sein! — Sie fühlen sich 
wohl genug, zu ton, was ich Ihnen gesagt habe?" 
Nun blitzte cs doch zornig auf in den Augen des Königs. 
„Ich fühle mich wohler als seit langer Zeit, mein Herr 
Doktor!" erwiderte er. „Und Sie ivagen etwas viel, wen» 
Sie einen derartigen Ton mir gegenüber anschlagen. Sic sind 
mein Freund, nnd ich gestatte meinen Freunden sehr viel; 
treiben Sie cs jedoch nicht zn weil. Ich glaube. Sie sind 
der Königin ergeben, und in Margaretens Interesse sollten 
Sie bemüht sein, cs nicht mit mir zu verscherzen." 
Varncy verneigte sich mit etwas ironischer Höflichkeit. 
„Wie Eure Majestät befehlen! — Darf ich Eure Majestät 
bitten, sich einen Augenblick zu gedulden? In einer Viertel 
stunde werden die nötigen Kleidungsstücke zur Stelle sei»." 
König Erno machte ein Gesicht wie ein Kind, das sich 
»um Meinen anschickt. 
(Fortsetzung folgt.)
        
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