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Periodical volume Nr. 15, 17.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Ictzicii Tagen seiner hiisigen Anwesenheit rächt mehr in 
der Lage ist, sämtliche Nachrtchungcn vorzunehmen. Dann 
müssen die Maße und Gewichte nach Berlin gebracht 
werden. Werden nicht nachgeeichte Gewichte usw. bet 
einer späteren Revision angetroffen, so haben die bctr. 
Gewerbetreibenden Strafen zu erwarten. 
p Friedruau an 2 Stelle. Die Volksschullehrer- 
gehälter sind in den letzten Jahren allgemein in Preußen 
erhöht worden. Die höchsten Volkrschullehiergehälrer zahlt 
Frankfurt a. M. Dort bezieht ein Lehrer vom 1. bis 
zum 40. Diensijahr in Summa 123 580 M. In einem 
Abstande von 1200 M. hinter Frankfurt folgen die sich! 
westlichen Vororte Friedenau, Wilmersdorf, Schönederg, 
Dahlem, Zehlendorf, Grunewald. An 8. Stelle steht 
Posen einschl. der Ortszulage 1675 M. und an 9. Stelle 
Charlottenburg, das 2250 M. und an 10. Stelle Berlin, 
daS 3450 M. weniger als Frankfurt o. M. zahlt. In 
den außerpcrußischen Städten Bremen, Hamburg, Nürnberg 
und München sind die Endgehälter um 100—520 M. 
höher als in den vorgenannten preußischen Städten. 
o Am Geburtstage deö Kaisers werden, wie die 
Eisenbahndirektion Berlin bekannt macht, bei den Güter 
abfertigungen der Berliner Bahnhöfe und Ringbahn 
stationen Frachtgüter nur bis 12 Uhr Mittags angenommen 
und ausgegeben. Die Abfertigung der Eilgüter unterliegt 
keiner Beschränkung. 
o Die Post am Geburtstage de- Kaisers. Die 
Postanstalten deS OberpostdirektionSbezirkS Berlin werden 
am 27. Januar, dem Geburtstage deS Kaisers, die 
Schalter von 8—9 Uhr Vorm., 12—1 Uhr und 5—7 Uhr 
offen halten» auch das Postscheckamt hat erweiterten 
Betrieb. Die Zahlstelle wird von 10 Uhr Vorm. biS 
1 Uhr Nachm, für den Verkehr mit dem Publikum offen 
gehalten. Der BuchungSschluß tritt um 12 Uhr Mittags 
ein. Eine Bestellung von Briefen findet nur zweimal am 
Vormittag statt, Geld und Pakete werden einmal eben 
falls Vormittags bestellt. 
o Wohnungen, Läden, möblierte oder leere 
Zimmer, Lagerkcller, Ateliers, Garagen usw., die ver 
mietbar sind, sollte man im „Friedenauer WohnungS- 
cmzeiger", verbunden mit dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger" 
bekannt geben. ES ist dicS für Friedenauer Vermieter der 
wirksamste und billigste WohnungSnachweis. Nur 40 Psg. 
kostet die Zeile; dafür erscheint die Anzeige eine volle 
Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" und in 
den Anschlägen an den Wannsee- und Ringbahnhöfen in 
Friedenau und Berlin (Potsdamer Bahnhof). Es ergibt 
dies für das einzelne Inserat den geringen ZeilenpreiS 
von 3,33 Pfg. Der Schluß der Annahme für WohnungS- 
anzeigen ist jedesmal Sonnabend Mittag IT Uhr 
(nicht 1 Uhr). Geschäftsstelle: Rheinstraße 15. 
o Die Schwierigkeiten auf dem Grundstücks» 
markt haben dazu geführt, daß selbst Terraingesellschaflen 
ähren Grundbesitz nicht mrhr halten können. So mußte 
jrtzt für drei Grundstücks der Vorort-Boden-Gefellschaft mit 
beschränkter Haftung, deren Terrains in Teltow liegen, in 
einer Größe von nahezu 20 Morgen, die Zwangsver 
steigerung eingeleitet werden, da die Entwickelung der Bcr- 
hältniffe einen Verkauf des Geländes nicht erniöglichte. 
o 25 jähriges GrschäftSjubitäum. Am 19 d. M. 
besteht^Lte Bäckerei und Konditorei E. Lindenberg, 
Rheinstr. 62, 25 Jahre in unserem"Mk7' 'HertL^Bäcker-^ 
Meister Hermann Lindenberg erwarb s. Zt. hier die früher 
Kellersche Bäckerei und verstand es, durch Lieferung vor 
züglicher Backware sich einen festen und guten KirndenkceiS zu 
sichern. Der gute Ruf der Firma war auch in ferneren 
Jahren fürste werbend, fodaß sich daS Geschäft mehr und 
mehr hob. Im Jahre 1891 kaufte Herr Lindenberg auch 
daS Grundstück. Leider war es ihm nicht vergönnt, die 
Früchte seines Fleißes voll zu genießen. Im Jahre 1906 
verstarb er und das Geschäft wurde nun von seiner Gattin, 
Frau Emma Lindenberg, weitergeführt. Auch diese war 
bemüht, durch gute, pünktliche und zuvorkommende Le- 
dienung ihrer Kundschaft, daS Geschäft weiter zu heben. 
Eine gute Stütze besitzt die Geschäftsinhaberin in ihrem 
Sohne Fritz, der mit Geschick und Umsicht in der Back 
stube seines Amtes waltet. Wir bringen der Firma 
Angeln knarrte, und er wußte, daß Nora gegangen war, 
ehe sein Vater und der Baron sie erspäht hatten. Was der 
letztere hier suchte, konnte er fid> nicht erklären, hatte er 
doch vor kurzen, das Schloß auf längere Zeit an Fremde 
vermietet, und Robert hatte geglaubt, der Eigentümer des 
alten Hauses wohne auf einer kleinen Besitzung, die ihn, 
außer dem Stammsitz noch gehörte, aber ziemlich weit 
entfernt war. 
Die Fußtritte der beiden Männer näherten sich dem 
Stall, dann hörte Robert, wie der Schlüssel ins Schloß 
gesteckt wurde, worauf beide den Raum betraten. 
„Nun, Brandis, was zum Teufel ist dein, eigentlich 
los?" klang es in den tiefen Daßtönen des Barons zu 
dem unwillkürlichen Lauscher herauf. „Erst schreiben Sie 
inir, ich solle wegen dringender Angelegenheiten, mein 
Haus betreffend, hierherkoinmen, und dann, nachdem ich 
mit großen Kosten und Zeitverlust Ihre», Ruf gefolgt bin, 
wollen Siegeln Wort reden, bis Sie mich in Ihren alten 
dumpfigen Stall geschleppt haben. Ru» aber schießen Sic 
los, was gibt's denn eigentlich?" 
„Die schwächere aber schrillere Stimme des Lehrers er 
reichte den Sohn genau so deutlich, wie die des ersten 
Sprechers. 
„Die Sache, wegen der ich mich verpflichtet fühlte, eine 
Unterredung mit Ihnen zu suchen, verlangt die äußerste 
GeheiiNhaltung," erwiderte Brandis. „Es war mir darum 
zu tu», daß niemand der unangenehmen Mitteilung 
lauschen könnte, die ich Ihnen machen muß, Herr Baron, 
und da man in einem Hause nie wissen-kann —" 
„Wessen Ohr an, Schlüsselloch ist," unterbrach ihn der 
Baron kurz. „Nun, ich bin ganz Aufmerksamkeit. Was 
ist denn drüben in den, alten Haus los? Will Herr Franz 
Scharnock vielleicht nichts für die Schule tun oder keinen 
Beitrag zu Ihren Wohltätigkeitsveranstaltungen zahlen?" 
„Gerade von Herrn Scharnock wollte ich mit Ihnen 
sprechen," hörte Robert seinen Vater antworten. „Ich er 
innere mich seiner in einer unbestimmten, aber unan- 
genchmen Weise aus der Zeit, che ich hierherkam. Ich 
ann mich nicht? Genauen entsinnen, aber er verkehrte \n 
Lindenberg unsere herzlichste Gratulation dar und wünschen 
dem Geschäft auch ferner die bcsten Erfolge. 
o Bei der gegeuwärtigen Teurung dürsten 
einige Dokumente von Jntereffe sein, welche dieser Tage 
in den Räumen für Handel und Gewerbe des Märkischen 
Provinzial-Museums zur Ausstellung gekommen sind. 
Erwähnung verdient namentlich eine „Fleischer-Ordnung 
der Kurfürst!. Brandenburgischen Haubt-Städte Berlin und 
Cölln an der Spree" vom Jahre 1636, welche einen inter- 
effanten Einblick in die Echlachtverhältniffe Alt-BerlinS 
gestattet. Es sollten danach alle Fleischer, auch wenn sie 
.Hoff genung" hätten, ihr Vieh — und zwar jeder 
mindestens alle 14 Tage einen Ochsen — im Schlacht- 
hause schlachten. Die Fleischpreise waren, selbst unter 
Berücksichtigung des damaligen Geldwerte?, erstaunlich 
niedrige. Nach der amtlichen Taxe durfte ein Pfund 
Fleisch von einem „guten gemestetrn' Rinde nur „vor 
zehn gute Pfennige" verkauft, auch „keiner mit Zunehmung 
der Kaldaunen wieder (!) seinen Willen beschweret" werden. 
DaS Pfund Kaldaune mußte „umb 8 gute Pfennige", 
Leber und Lunge „vor fünf gute Pfennige" abgegeben 
werden. Maul, „Hartz' und Nieren sollten zu den besten 
Stücken gelegt und ebenfalls für 10 Pf. pro Pfund ,ver- 
kaufft" werden. Merkwürdig ist die Bestimmung deS 8 5 
über die noch heute verhaßte Knochevplape: „Welcher 
6 Pfd. Rindfleisch nimmet, soll einen halben Fuß gewogen 
dazu nehmen und gleich dem Fleische bezahlen." Daß 
selbst vor amtlichen Veröffentlichungen schon damals der 
Druckfehlerteufel keinen Respekt hatte, zeigt die Preisfest- 
setzung der Ochsenzunge, von der daS Pfund „4% oder 
5 Gr." kostete; eS soll natürlich „4 l / 2 Gr." heißen. Von 
dem Rindfleisch „riechst dem Besten' kostet das Pfund 9, 
von Kalbfleisch S g. Pf., Zunge 3 Gr. 6 Pf., das mindrr- 
wertige Fleisch mußte sogar für 7 und 6 Pf. pro Pfund 
abgegeben werden. Damit aber „unter dem guten und 
geringen Rindfleisch kein Unterschleiff möge gebrauchet 
werden", war vorgeschrieben, daß die Fleischer den 
geringeren Ochsen vor dem „feisten" schlachten, „aufhawen" 
nd verkaufen, ja, ,biy seiner Scharn eine Toffel halten" 
mußten, worauf ihm der „Marck-Meister" die Taxe b'. 
scheinigte. Der Preis für Schweinefleisch war auf Höchstens 
einen Silbergroschen festgesetzt. Wenn man damit die 
heutigen Fleischpreise vergleicht, möchte man wohl zurück- 
versitzt sein in die „gute, alte Zeit". . . 
o Einen Geuossenschastsknrsus für Klein« 
Händler veranstaltet der Verband deutscher kaufmännischer 
Genossenschaften Berlin, vom 10. bik 22. Februar d. Ir. 
in Berlin. Der Kursus bezweckt die Ausbildung speziell 
der Kolonialwarenhändler für die GenoffenschaftSbrwegung 
und will ihnen außerdem Kenntnisse in Buchführung, 
Warenkunde usw. vermitteln. Anmeldungen sind baldigst 
an den Verband deutscher kaufmännischer Gencsienschaften, 
Berlin 8W- 61, Teltowerstr. 46 zu richten. 
o Kostenfreie Unterrichtskurse zur Erlernung 
der englischen und französischen Sprache, einfache, doppelte 
Buchführung, Wechsellchre, HandelS-Korrespondenz, Rechnen 
und Stenographie finden in diesem Semester an der 
Handelsschule Rcil statt. Auswärtige erhalten drn Unter 
richt nach genauer Anleitung schriftlich. Freie Wahl der 
Fächer. Kostenfreie Ueberwachung aller Arbeiten durch 
erstklassige Fachlehrer. Am Schluffe eines jeden Faches 
fistM "ein? 'VrüffütlgNIatt, worauf die Schüler ein Zeugnis 
erhalten. Die zum Unterricht nötigen Lehrmittel hat sich 
jeder Teilnehmer selbst zu beschaffen. Weitere Kosten als 
Porto entstehen nicht. Anfragen, unter Beifügung der 
Rückportos, sind an die Direktion der Handelsschule Reil, 
Berlin W., BUlowstr. 29, zu richten. 
o In Bekämpfung deS BorguuwefenS im 
Handwerk richtet der Vorstand der Handwerkskammer zu 
Berlin wiederholt an die Handwerker deS Bezirks daS 
dringende Ersuchen, bei der Ablieferung von Waren sogleich 
die Rechnung beizufügen oder dieselbe mindestens monat 
lich auszuschreiben, keinesfalls ober mit der Zusendung der 
Rechnungen länger als ein Vierteljahr zu warten und eo. 
bei Zahlung innerhalb gewiffer Zeit einen entsprechenden 
Skonto zu gewähren. Einsichtige Besteller und Abnehmer 
werden daS um so weniger ols eine Unbequemlichkeit oder 
sehr zweifelhaften Streifen, und soviel steht fest, daß sein 
Name damals nicht Scharnock war, wenn ich mich auch 
nicht erinnern kann, wie er hieß. Natürlich mar er zu jener 
Zeit bedeutend jünger." 
„Was für Kreise meinen Sie denn eigentlich? Renn 
leute? Restaurants mit Damenbedienung, Ballsäle oder 
dergleichen?" 
„Schlimmer als das. Ich habe ihn in der Gesellschaft 
von Leuten gesehen, die, wenn sie nicht schon mit der 
Polizei zu tun hatten, doch sicherlich von dieser sehr eifrig 
beobachtet wurden. 
„Hm, darüber müssen Sie ja ein sehr gutes Urteil 
haben, Brandis," war die merkwürdige Antwort des Frei 
herr», die Robert alles Blut zum Herzen trieb. „Aber 
sagen Sie mal, ist das alles, was Sie mir zu erzählen 
haben ? Bin ich deshalb hierher zitiert worden? Wenn 
Sie wirklich recht haben, — und ich glaube es Ihnen ja 
gern, — so hat der Herr doch seitdem Zeit genug gehabt 
sich zu bessern, wie manche andere Leute auch. Haben 
Sie vielleicht Angst, daß er die unschuldigen Lämmlein von 
Monksglade anstecken wird? 
Der Lehrer hüstelte, als ob er sich beleidigt fühle. 
Dann meinte er : „Nicht im geringsten. Ich dachte nur an 
Sie und fürchtete, Sie möchten vielleicht finanziellen Schaden 
erleiden, wenn Sie das Haus auf längere Zeit einem un 
sicheren Kantonisten überließen, und es wäre Ihnen lieb, 
eine zeitige Warnung zu erhalten, damit Sie ihn wieder 
loswerden könnten." 
Baron Ounloo lachte laut auf. „Finanziellen Schaden!" 
rief er. „Ihn los werden? Pah, Sie alter Fuchs, um 
gekehrt wird ein Schuh daraus. Halten Sie mich denn 
für einen solchen Dummkopf? Wenn ich versuchte, ihn 
jetzt loszuwerden, so würde mich das eine Menge Geld 
tosten. Er hat nämlich die Miete auf ein Jahr voraus 
bezahlt, und ich denke nicht daran, sie zurückzugeben. Ich 
könnte es überhaupt gar nicht, denn ich habe schon ein 
ganz gewaltiges Loch hineingerissen." 
„Run, hoffentlich machen Sie mir keinen Borwurf, 
Herr Barv» —" 
Mahnung auffassen, al« diese Maßregel nur geeignet ist. 
Streitigkeiten über Preis, Abzüge usw. tunlichst von vorn 
herein auszuschließen. — Der Borstand bittet aber auch 
dar kaufende Publikum dringend, die Rechnungen der 
Handwerker sogleich nach Empfang zu begleichen. Wird 
hierdurch der jetzt bestehende Mißbrauch der ausgedehnten 
Kreditgewährung auch nicht gleich gehoben, so werden doch 
Verkäufer und Käufer allmählich an eine geordnete 
Zahlungswrise gewöhnt und damit würde wenigsten» die 
Umkehr zur Besserung angebahnt werden. Der erhebliche 
Vorteil einer geregelten ZahluugSweise liegt darin, daß 
der Handwerker und Gewerbetreibende billiger einkaufen 
resp. produzieren, folgerichtig auch billiger verkaufen kann. 
o Das Auftauen der Schaufenster. Von ver 
schiedenen Ladeninhabern ist in lktzier Zeit zum Freihalten 
der Schaufenster von Eis die Einrichtung benutzt, daß in 
unmittelbarer Nähe der Spiegelschkiben zahlreiche kleine 
Gakstämmchen unterhalten werden. Auf diese Weise wird 
allerdings das Zufrieren der Spiegelscheiben verhütet und 
die Schaufenster werden durch die ausströmende Wärme 
stets trocken erhalten; eS sind hierdurch aber auch in 
einzelnen Fällen Schäden veranlaßt worden, und die be- 
Irtffenden Ladeninhaber dadurch umsomehr benachteiligt, 
al» die Versicherungs-Gesellschaften sich in solchen Fällen» 
gleichwie wenn künstliche Mittel zum Erwärmen der 
Scheiben zwecke Abtauen von Ei» angewandt sind, nicht 
zum Ersätze verpflichtet halten. Die Policebedingungen 
bestimmen, daß, wenn Einrichtungen im Geschäftsbetriebe 
getroffen werden, welche die Gefahr erhöhen, die Gefell- 
schäften nicht zum Ersatz verpflichtet sind, wenn dieselben 
nicht ausdrücklich ihre Genehmigung zu solchen Ein 
richtungen erteilt haben. Unter der erwähnten neuen 
Einrichtung sollen namentlich die größeren Spiegelscheiben 
zu leiden haben, und durch die von innen durch die GaS- 
. flämmchen erzeugte große Hitze im Gegensatz zu der außen 
vorhandenen kalten Temperatur mehrfach zum Zerspringen 
gebracht sein. Nicht mindergefährlich ist die Einrichtung 
aber auch für die in den Schaufenstern ausliegenden oder 
ausgehängten Waren, die bei dem geringsten Luftzüge oder 
beim Herabfallen irgend eines kleinen Stücke» leicht Feuer 
fangen. Es kann dadurch ein bedeutender Schaden her 
beigeführt werden. Dicjenigen Ladeninhaber, welche vor 
erwähnte Einrichtung bereits getrcffen haben, dürsten da 
her in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie sich zu 
vor mit den betreffenden Versicherungs-Gesellschaften ver 
ständigen, damit sie hernach, wenn ein Schaden entstanden 
ist, nicht mit den Ansprüchen an die VersicherungSgrsell- 
schaft zurückgewiesen werden, weil sie gegen die Assekuranz- 
bedingungen gehandelt haben. 
o Im uatiouattiberaleu Ortsvereiu in Frie 
denau sprach am 14. d. M. Herr Oberpostpraktikant Dr. 
Roscher über „Die deutsche Kabelpolittk und die Kabel de» 
Weltverkehrs." Der Vortragende entwarf zunächst in" 
großen Zügen ein Bild von der wirtschaftlichen, politischen 
und strategischen Bedeutung der Seekabel, die im „Zeit 
alter- der Verkehrs" an den außerordentlich tief greifenden 
Wirkungen deS Verkehrswesens einen wesentlichen Anteil 
besitzen. In wirtschaftlicher Hinsicht wirken di« Kabel vor 
allem guterhaltend und preiSauSgleichend. Auf den Handel 
haben sie geradezu revolutionierend eingewirkt. Sie haben 
den Weltmarkt und den Weltmarktpreis geschaffen, den 
Handel auf eine einfachere, dabei sichere Grundlage gestellt 
und die Lieferung». und Termin- sowie die Arbitrage- 
geschäfte in dem heutigen Umfange ermöglicht. An der 
vollen Entfaltung dieser wirtschaftlichen Wirkungen ist die 
Presse stark beteiligt, indem sie die Nachrichten über Welt- 
markt und Weltmarktpreis bis in die entferntesten Orte 
verbreitet. Die Schiffahrt vermochte sich durch dar die 
ganze Welt umspannende Kabelnetz zu der heutigen Höhe 
emporzuschwingen, weil dadurch der Reeder dauernd die 
auf dem Weltmeer schwimmenden Schiffe in Auge und 
Hand behält. Stark sind die politischen Wirkungen, wie 
sie England als nahezu souveräner Kabeistaat vielfach au»- 
zunutzm gewußt hat. Im Seekriege bilden die Kabel 
eine äußerst schneidige Waffe, so vor allem in dem 
spantsch-amerikanischen Kriege 1898, dem „war of coal 
and cables“. Dem Bestreben, das in wenigen Jahrzehnten 
„Jawohl, den mache ich Ihnen doch. Sie find ein 
alter Narr, der sich um Dinge kümmert, die ihn nichts an 
gehen. Und ich rate Ihnen, lassen Sie von dem Blödsinn, 
den Sie mir da vorgeschwatzt haben, nichts im Orte ver 
lauten. Scharnocks Geld ist mir sehr angenehm, und ich 
wünsche nicht, daß Sie mir Stänkereien machen und 
»»einen Mieter durch Ihre verflixten Erinnerungen beun 
ruhigen. Wenn Sie sich einfallen lassen, auch nur ein 
Wörtchen -über die Angelegenheit zu reden, so werden 
die Folgen für Sie viel unangenehmer sein, als für Herrn 
Scharnock." 
„Gut, Herr Baron. Wie immer wird auch diesmal 
Ihr Wunsch mir Befehl sein »nd genau ausgeführt werden," 
war die kriechende Antwort des Lehrers. „Und da die 
Sache nun zu Ihrer Zufriedenheit ist, wollen wir gehen." 
„Einen Augenblick noch, mährend ich mir meine Pfeife 
anzünde," versetzte der Freiherr. „Was macht denn der 
Schlingel, der Robert? Ein netter Junge, muß ich sagen. 
Es ist wirklich ein Wunder, daß Sie einen solchen Sohn 
haben. Aber er schlägt wohl mehr seiner Mutter nach?" 
Wieder hüstdlte der Lehrer. „Ich wollte gerade 
Roberts wegen Ihren Rat hören, Herr Baron," sprach er 
steif. „Es ist mein Wunsch, daß er hier in ineine Fuß. 
tapsen trete» möge, und ehe ich mich entschloß, ihn zu 
dieser Laufbahn vorzubereiten, möchte ich von Ihnen hören, 
ob Aussicht vorhanden ist, daß er einst meine Stellung 
erhält." 
Wieder ertönte des Barons herzliches Lachen, und bei 
seiner Antwort fiel es Robert schwer, einen Freudenruf zu 
unterdrücke». „Sie alter Heuchler," sagte Baron Dunloo. 
„Es ist doch wohl anzunehiiien, daß Sie mindestens eben 
° Eden. wie ich. Wie kann ich Ihnen also hin. 
sichtlich Ihres Nachfolgers irgend etwas versprechen? Ich 
wäre auch gar nicht dafür, daß Ihr Junge diesen Berus 
ergriffe. Memer Ansicht nach kann er etwas Besseres 
werden als ein armer Landschullehrer, und ich möchte 
meinen Kopf verwetten, daß er selbst auch gar keine Lust 
dazu hat. Er wollte doch immer Jurist werden." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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